Deus ex Machina

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Über Gott und die WWWelt

Regularien sind die Werkzeuge der Hilflosen

| 28 Lesermeinungen

Bei diesem Interessenskonflikt verliert der Bürger: Wenn übrwachungsfreundliche Politik auf wirtschaftliche Ziele trifft, bleibt wenig Raum für Sicherheit.

Ich kam erst gestern dazu, die Diskussion zwischen Frank Rieger und René Obermann zu lesen. Beim Lesen verkrampften sich meine Hände in den Armlehnen des alten Sessels, der in unserem Wohnzimmer steht und an dem ich abends ab und zu die Artikel lese, die sich über den Tag angesammelt haben. Dass ich das F.A.Z.-Gespräch besser nicht kurz vorm Schlafen gehen gelesen hätte, hat in erster Linie mit den Antworten des Herrn Obermann zu tun.

Ich sollte der folgenden Erregung vorweg schicken, dass ich einen Informatik-Hintergrund und einige Zeit in der Akademie verbracht habe. Heute arbeite ich im Bereich der IT-Sicherheit und denke – was mir die Professorin in der Abschlussprüfung meines Diplom-Nebenfachs Medienwissenschaften vorwarf – in naturwissenschaftlichen Mustern. Ich lebe allerdings mit einer Geisteswissenschaftlerin zusammen, bin also mit (im Sinne der Naturwissenschaft) unscharfen Antworten vertraut. Wir verstehen uns nach all den Jahren noch immer sehr gut, offensichtlich komme ich auch mit Menschen zurecht, die nicht naturwissenschaftlich denken. Herr Obermann ist kein Naturwissenschaftler, sondern Volkswirt. Es liegt nicht an unseren unterschiedlichen Denkweisen, dass ich keine Woche in einer gemeinsamen Wohnung mit ihm aushalten würde.

Woran liegt es sonst? Es liegt auch nicht daran, dass seine Antworten falsch sind – wahrscheinlich sind sie das nicht und die Welt eines multinationalen Konzerns funktioniert genau wie er erzählt. Was mich verzweifeln lässt, sind der Glaube und die Erwartungen an den rechtlichen Rahmen und die regulatorischen Richtlinien. Wenn er schreibt, dass es eine klare Regelung für das Abhören von Daten und deren Auswertung geben muss, dann ist das etwa so blauäugig, wie die Erwartung, dass Verkehrskontrollen künftige Übertritte der Höchstgeschwindigkeit verhindern, wenn man den Polizisten vorher die Augen verbindet und die Radarpistolen entsorgt. Es liegt im Wesen des Regulatorischen und der Rechtsprechung, dass Übertritte sanktioniert, nicht aber verhindert werden. Es ist das Element der Abschreckung, mit dem sie arbeiten, basierend auf einer umfänglichen und zuverlässigen Überwachung. Doch erkennt einer die Sinnhaftigkeit der Regelungen nicht und wird darüber hinaus nicht einmal überwacht, wird er sich von ihnen nicht abhalten lassen. Wer bleibt nachts an einer roten Fußgängerampel stehen, wenn die Straße leer ist?

Herr Obermann glaubt jedoch an die Macht der Gesetze, die von einer Regierung initiiert und beschlossen werden müssen. Es erfordert wenige hellseherische Fähigkeiten, an die Wirkungslosigkeit jener populistisch-aktionistischen Maßnahmen zu glauben, wenn der Nachfolger einer Regierung, die 2002 die Totalüberwachung des Internetverkehrs angeordnet hat, nun mit der Eindämmung der Auswirkungen betraut wird.

Ein Problem ist die Kurzsichtigkeit der Politiker und ihre Unfähigkeit, aus Vergangenem zu lernen. Die SPD verteidigt die damalige Entscheidung heute mit dem Argument, dass man »[z]um massenhaften Ausspionieren von Daten […] zu Steinmeiers Amtszeit technisch gar nicht in der Lage gewesen [sei]«. Dass Daten zu einem späteren Zeitpunkt oft in einem anderen Sinne verwendet werden, als man das bei dem Beschluss der Erhebung vorgesehen hat, wird auch in der aktuellen Debatte deutlich, in der es darum geht, TollCollect-Daten für eine Totalüberwachung des gesamten Verkehrs auf Autobahnen zu verwenden. Auch wenn dies zum jetzigen Zeitpunkt »so nicht umgesetzt« werde (Friedrich), werden die Daten in einigen Jahren zu genau diesem Zweck eingesetzt werden. Denn: »Wo ein Trog ist, sammeln sich Schweine.« Kurz: Man sammelt, was man bekommen kann. Denn wenn es später ernst wird (und das wird es werden), braucht man den Heuhaufen, in dem man die Nadel dann sucht.

Das eingangs erwähnte Interview entlarvt den Populismus der Telekom, die mit dem Vorstoß des Schengen-Routings nun verhindern will, dass Datenpakete, die zwischen deutschen oder europäischen Parteien transportiert werden, über die USA oder andere Abhörnationen geroutet werden. Der Hintergrund dieses Gedankens ist, dass Daten nicht innerhalb anderer Staaten auf dem Übertragungsweg mitgeschnitten werden. Er lässt allerdings außer Betracht, dass eine Überwachung des größten deutschen Knotenpunktes DE-CIX durch den Bundesnachrichtendienst (BND) bereits durchgeführt wird. Schon 2002 wurde von oben genanntem Herrn Steinmeier ein Abkommen zwischen BND und der NSA geschlossen, dass der BND Daten in Deutschland mitschneidet und diese an die NSA weiterleitet.

Das Schengen-Routing bietet aus sicherheitstechnischer Sicht deshalb keinen vollständigen Schutz vor dem Mitlesen der Geheimdienste, verdeutlicht aber die Denkprozesse und Strategien großer privatwirtschaftlicher Telekommunikationsunternehmen. Der Grund für die bisherige Praxis, dass Datenpakete oftmals über die USA geleitet werden, ist allein das Profitinteresse der Telekom selbst: Kleinere Provider müssen an den Internetknotenpunkten die Telekom dafür bezahlen, wenn sie Daten über deren Leitungen transportieren. Sie wählen daher oftmals günstigere Verbindungen, die häufig von US-amerikanischen Unternehmen betrieben werden und die Daten über die USA transportieren.

Doch zurück zu regulatorischen Richtlinien und Gesetzen. Nun ist es mit den Geheimdiensten so, dass sie aufgrund ihres Namens bereits verdächtig sind, nicht umfänglich und komplett überwachbar zu sein. Dafür gibt es wiederum geheime Einrichtungen wie die G-10-Kommission, die den BND überwacht und im Geheimen tagt. Informationen über den Inhalt ihrer Treffen und ihre Zusammensetzung gibt es daher kaum, die Wirksamkeit und Mächtigkeit solcher Kontrollgremien ist unklar. Stefan Aust, ehemaliger Spiegel-Chefredakteur, stellte Anfang November gegenüber N24 fest: »Allein das parlamentarische Kontrollgremium der Geheimdienste – in den Zeiten der NSA-Affäre nicht vollkommen überflüssig – besteht zur Zeit lediglich aus zwei abgewählten FDP-Abgeordneten, also Privatpersonen ohne jegliche Legitimation.« Es stellt sich die berechtigte Frage, wie sich die Situation ändern sollte, selbst wenn man an die Wirksamkeit von Richtlinien glaubt: Die Kontrollgremien tagen nicht nachvollziehbar, ihre Macht ist offensichtlich begrenzt. Um deren Wirkweise zu verbessern, sind radikale Änderungen in den politischen und geheimdienstlichen Strukturen notwendig, die wahrscheinlich nicht von einer Regierung umgesetzt werden, deren Mitglieder zu großen Teilen Freunde der Totalüberwachung sind.

Das Pochen auf regulatorische Maßnahmen, die Bitte nach rechtlicher Einschränkung seitens der Telekom als Vertreter gewinnorientierter Unternehmungen kann daher auch als Drohung interpretiert werden: Es wird eine Gewinnmaximierung betrieben, auch wenn diese auf Kosten der Sicherheit und Privatsphäre der eigenen Kunden geht. Um mehr Geld zu verdienen, wird ein Anreiz für andere Provider geschaffen, Daten über gefährdetere Verbindungen zu senden, um damit Gebühren zu sparen.

Der Annahme, das Abhören sei über regulatorische Maßnahmen einzudämmen, geht also fehl. Die einzige wirksame Alternative ist die Absicherung der Übertragungswege durch technische Maßnahmen. Diese existieren und gelten nach heutigem Stand der Forschung als ausreichend sicher. Deren Einsatz erfordert einerseits ein technisches Verständnis für die Problematik, andererseits einsetzbare und benutzbare Werkzeuge und Tools, um die technischen Maßnahmen umzusetzen. Die Angst, das Rennen gegen wirklich sichere Maßnahmen zu verlieren und gar nicht mehr abhören zu können, wenn erst einmal quelloffene und nachvollziehbar sichere Tools in großem Maße eingesetzt werden, begegnet die Regierung mit einem eigenen, als sicher definierten Service: der Nebelfackel De-Mail. Mit De-Mail verspricht der Bund, dass seine Bürger sicher kommunizieren können und verschweigt dabei, dass die Mails standardmäßig auf den De-Mail-Servern entschlüsselt werden und daher natürlich dort einfach abgreifbar sind. Denn, dies ist die Logik der Überwacher, man muss in dringenden Fällen in der Lage sein, mitlesen zu können. Doch Systeme, die solche Möglichkeiten und Hintertüren bieten, können nie wirklich sicher sein. Der Bund setzt auf eine möglichst hohe Akzeptanz bei Anwendern, die diese technischen Eigenheiten nicht interessieren. De-Mail wird propagiert als »so sicher wie Papierpost«, doch dass Papierpost keineswegs sicher ist, wurde spätestens mit der Wiedervereinigung deutlich. Ein Anachronismus, eine Analogie zur Post ist das Porto, das für jede De-Mail anfängt. Es richtet sich nach der Länge der eMail…

Auch die Telekom – Anbieter des kostenpflichtigen De-Mail-Dienstes – scheint nicht willens, ihre Kunden mit wirkungsvollen, technischen Maßnahmen zu schützen. Als großes Unternehmen kann der Konzern die Entscheidungen und Entwürfe zukünftiger Architekturen maßgeblich gestalten. Doch versteckt man sich hinter dem Interesse, möglichst kein Geld in die vorhandenen Systeme zu stecken, das nicht unmittelbar einen finanziellen Mehrwert generiert. Schade, denn in der Lage dazu sollte die Telekom sein.


28 Lesermeinungen

  1. Auch wenn das hier im Blog nicht gerade Begeisterungsstürme hervorrufen wird:
    Ich möchte keinen internetbasierten Dienst, der sicherer ist, als die alte Briefpost. Die Vorstellung, es könne und würde einen vollständig überwachungsfreien Raum geben, macht mir genausoviel Angst, wie die Totalüberwachungsszenarien.

    Denn solange es Menschen gibt, wird es Verbrecher geben. Und die grössten Schweine davon sprengen, ohne mit der Wimper zu zucken, beliebig grosse Menschenmengen in die Luft. Diesen Leuten möchte ich genausowenig einen absolut sicheren Kommunikationsraum geben, wie der guten alten Menschenhandelsmafia etc. Und damit dürfte ich nicht alleine sein.

    Weshalb ich meinerseits die Vorstellung, man müsse oder könne Regularien durch Technik ersetzen, für mindestens reichlich naiv halte. Verstösse gegen Regularien sind kein Argument für einen Ersatz, wer Rundumüberwachung durch überwachungsfreie Räume ersetzen will, schüttet das Kind mit dem Bade aus.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • Nicht ersetzen, ergänzen.
      Ich möchte auch keinen rechtsfreien Raum installiert wissen, will nur darauf hinweisen, dass sämtliche Regularien nichts bringen, wenn man sie mit Technik nicht unterfüttert.

      Das Argument, dass man keine überwachungsfreie Kommunikation ermöglichen möchte, um die größten Verbrecher doch zu fangen, kann ich nicht nachvollziehen. Denn: Es gibt mathematisch sichere Kryptographie. Und diese kann von mir genau so genutzt werden wie vom Kinderschänder und Terroristen, der sich auskennt. Damit ist de facto ausgeschlossen, dass man die Kommunikation abhören kann (es gibt dann andere Versuche wie den Bundestrojaner, …).

      Darauf zu bauen, dass alle Vergewaltiger plötzliche De-Mail nutzen, weil sie sich sicher wähnen, ist leichtsinnig, blauäugig und populistisch. Die Möglichkeiten zur sicheren Kommunikation gibt es und sie werden bereits genutzt von Gruppen, die ihr Tun verschleiern wollen.
      Die (mögliche) Überwachung trifft also die, die nicht in deren Fokus stehen sollten: Sie und mich.

    • Nur um Missverständnisse zu vermeiden: Ich bin ein entschiedener Gegner der Heuhaufen-
      Überwachung, die gerade en vogue zu sein scheint. Und trotzdem ein Gegner einer technischen Infrastrukturk, die als Gegenstück dazu Überwachung de facto völlig unmöglich macht, weil es unter bsetimmten Voraussetzungen (inklusive richterlicher Genehmigung im Einzelfall) keine prinzipiell überwachungsfreien Räume geben darf.

      Und ich finde hier Ihren Standpunkt naiv: Wenn es ein einfach zu benutzendes, prinzipiell überwachungsfreies und technisch verbreitetes Angebot geben würde, wären selbstverständlich nach kürzester Zeit alle Verbrecher dieser Grossregion Benutzer dieser Kommunikationsmethode. Anderes anzunehmen fände ICH naiv? Denn ein solches System wäre ja selbst bei einem gerichtlichen Durchsuchungsbefehl narrensicher, weil die über es ablaufende Kommunikation (mathematisch) unles/-hörbar.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

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      Solche Systeme sind prinzipiell möglich. Das geht langsam auch den Überwachungsbehörden auf, weshalb sie ja Geld und Aufwand in die Entwicklung von Quellenüberwachung stecken: Daten dort abzugreifen, wo sie entstehen und noch unverschlüsselt vorliegen. Ein Beispiel dieser Bemühungen ist der Bundestrojaner, und weil man den anderes nicht so einfach installiert bekommt auf Rechnern, die versierte Nutzer verwenden, muss man diesen eben an der Grenze oder im Kontrollbereich des Flughafens den Rechner entziehen und den Trojaner installieren.

      Das wirkt alles sehr hilflos. Aber man sollte das nicht unterschätzen. In Angriffe, die sich unter dem Begriff ,,Advanced Persistent Threats“ (APT) sammeln lassen, fließt viel Geld und Know-how. Beispiele wie Stuxnet zeigen das. In Deutschland scheint es im Augenblick so zu sein, als würden die wirklich guten Hacker nicht für die Regierung arbeiten wollen. In den USA sieht das – glaube ich – etwas anders aus. Aber in die Richtung wird in Zukunft deutlich investiert werden. Und diese Angriffe werden naturgemäß nur öffentlich, wenn sie entdeckt werden. Es könnte also sein, dass man zukünftig tatsächlich weniger über Online-Überwachung liest. Was nicht heißt, dass sie nicht vermehrt stattfindet.

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      …und vor allem der nicht so seltene Fall, daß man den eigenen Schlüssel verliert und selber nicht mehr an sein Zeug kommt…

  2. Es ist genau das:
    “ …Interesse, möglichst kein Geld in die vorhandenen Systeme zu stecken, das nicht unmittelbar einen finanziellen Mehrwert generiert.“

    Um das gehts, das ist der Punkt.

    Ich denke, insgeheim wissen die schon, dass Regularien alleine nichts bringen. Aber es ist halt immer so schön, möglichst kostengünstig die Kunden Otto Normalo und Anna Rollgardina zu verarschen. Whitewashing, Greenwashing, Lawwashing …

    Sie sind auch so schön einfach verarschbar, die Armen …
    Weil sie halt keine IT studiert haben oder in einer Semiprofi-IT-Bubble stecken wie manche Netzafficionados. Das meine ich neutral, ohne Angriff gegen den Autor.

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      Dieses Bewusstsein, dass es eine Problematik gibt, muss man schaffen.
      Zum einen Hilft die Diskussion dieses Themas, zum anderen müssen Sicherheitssysteme und Softwarekomponenten entwickelt werden, die beide von ihnen genannten Kunden einsetzen können.

      Hier sehe ich Leute mit entsprechendem Verständnis in der Pflicht.

  3. Gonna Fly Now
    Geht es denn überhaupt um Überwachung? Mittlerweile bezweifele ich das.
    Ich sehe Rocky 12 – ohne Adrian. Aber die ist leider schon länger nicht mehr dabei.

  4. Haben SIe bessere Vorschläge?
    Tut mir leid, dass ich die Kritk an Herr Obermann nicht unkommentiert stehen lassen will und das hat nichts damit zu tun, dass ich Telekom-Mitarbeiter bin: Irgendwie scheint es mir so, als hätten Sie das Interview nicht richtig gelesen. Herr Obermann sagt doch ausdrücklich, dass Schengen-Routing nicht die Lösung aller Probleme ist, sondern nur ein Anfang, aber doch ein Schritt in die richtige Richtung. Und er sagt doch ganz klar, dass die Telekom beim Peering auf die kleinen Netzbetreiber zu gehen will. Viel wichtiger scheint mir allerdings die Aussage, dass er bisher viel Kritik an den Vorschlägen der Telekom gehört habe, aber noch Keinen, der bessere Vorschläge unterbreitet hat. In die Reihe derer ordnen auch Sie sich ein. Sollten Sie tatsächlich IT-Sicherheitsexperte sein, dann müsste es Ihnen doch leicht fallen, Vorschläge zu unterbreiten, die Ihrer Ansicht nach besser geeignet sind, als die von Herrn Obermann, aber die finde ich in Ihrem Blog nicht.

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      Umso schöner, dass sie sich in die Diskussion einklinken.

      Bezüglich des Schengen-Routings teile ich ja durchaus die Einschätzung, dass dies besser als nichts ist, aber auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Was bereits im Interview deutlich wurde, und worauf ich auch noch einmal hingewiesen habe: Das gewinnmaximierende Verhalten Ihres Arbeitgebers hat aber doch erst dazu geführt, dass Datenpakete überhaupt durch Staaten geleitet wurden. Jetzt mit der Idee vorzustoßen, dass man das ja in Zukunft verhindern könnte, und sich diese Idee als eigene Leistung auf die Fahne zu schreiben, stößt mir sauer auf. Die Telekom löst da endliche in Problem, dass sie erst in die Welt geschafft hat.

      Und ich habe da auch ein paar Ideen, wie man die Welt verbessern kann:
      Warum wird über T-Online keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von eMails angeboten? Die Telekom ist so groß, sie könnte sehr gut als Schlüsselmittler dienen und damit asynchroner Verschlüsselung eine große Chance bieten. Leider lässt sich damit aber direkt kein Geld verdienen und der Aufwand, ihre eMail-Software zu erweitern und einen zentralen Schlüsselserver zu betreiben, kostet sicherlich einen nicht unerheblichen Betrag.

      (Ich will jetzt hier nicht in die Details der asymmetrischen Kryptographie einsteigen, das habe ich ja bereits an anderer Stelle getan: https://blogs.faz.net/deus/2013/09/20/von-unmoeglichkeit-1761/)

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      Ich finde es ehrlich gesagt nicht verwerflich, dass mein Arbeitgeber Geld für Dienstleistungen verlangt bzw. damit Geld verdienen möchte, das tut Ihr Verlag auch. Sie tun gerade so, als gäbe es innerhalb Europas keinen Wettbewerb, nur einen Netzbetreiber, über den man routen kann, nämlich die Telekom und die ist zu teuer und deswegen muss der Verkehr über Asien oder die USA geroutet werden. Sorry, aber die Logik ist mir zu schlicht. Haben Sie sich schonmal gefragt, warum Anbieter in Übersee Dinge günstiger anbieten können? Liegt es vielleicht daran, dass sie ihren Mitarbeitern Löhne und Sozialleistungen zahlen, die nicht auf deutschem Niveau liegen, dass sie beim Betrieb ihrer Rechenzentren nicht auf Ressourcenschonung achten und vor allem, dass sie vielleicht ein anderes Sicherheitsniveau bieten, als die Rechenzentren der Telekom in Deutschland? Wer immer nur billig oder kostenlos will und dafür bereit ist, seine Daten rund um den Globus zu schicken, der soll das bitte tun, aber er soll dafür doch nicht in die Telekom verantwortlich mache. Was die Verschlüsselung angeht, da liegen Sie meines Wissens falsch: Die Telekom hat gemeinsam mit United Internet die Intiative „www.e-mail-made-in-germany.de“ ins Leben gerufen und setzt auf SSL-Verschlüsselung. Dafür setzen die beteiligten Unternehmen auf deutsche Telesec-Schlüssel. Ich weiß, Sie werden jetzt sagen, das sei nicht sicher genug und so, aber auch das ist wie Schengen-Routing zumindest ein Anfang. Und außer dem total komplizierten PGP-Verfahren, das noch dazu vollkommen Benutzer unfreundlich ist, habe ich noch keine Alternativvorschläge seitens der Experten in Sachen-Email-Verschlüsselung gehört, die Otto-Normalnutzer auch anwenden kann.

    • Titel eingeben
      Mit ihrem letzten Abschnitt sprechen sie ein valides Problem an: Die momentanen Verfahren sind deutlich zu kompliziert für Benutzer, die einfach nur schnell eine eMail senden wollen. Darum werden sich diese Systeme in der breiten Masse nicht durchsetzen können. Im akademischen Bereich wächst dieses Bewusstsein ebenfalls, dort entstehen zur Zeit Schwerpunkte wie ,,Usable Security“ – also benutzbare Sicherheitssysteme.

      Natürlich haben sie außerdem recht, dass meine Erwartung à la „Nun macht doch endlich!“ ein wenig naiv ist, da jedes am Markt befindliche Unternehmen damit zu tun hat, sich gegen seine Mitbewerber durchzusetzen. Ebenso teile ich ihre Auffassung, dass man sich bei billigen Services über diverse Unzulänglichkeiten gar nicht wundern braucht. Und natürlich muss auch eine eMailkommunikation, in der die eMails auf den Mailservern selbst unverschlüsselt liegen, als unsicher gelten. Das Problem mit der Schlüsselerstellung und dem Austausch der Schlüssel haben sie ja am Ende selbst angesprochen.

      Absolute Sicherheit gibt es nicht. Dass Unternehmen wie die Telekom, GMX, web.de und freenet ihre Kommunikationswege untereinander endlich verschlüsseln, ist eine der positiven Folgen der ganzen Entwicklungen in den letzten Monaten. Weiter so. Aber – und da kann ihr Arbeitgeber von ihnen lernen – man sollte bitte nicht diese absolute Aussage auf die Webseite schreiben:
      „E-Mail made in Germany ist eine sichere Variante der E-Mail.“

    • Hochinteressant.
      So ein Gespräch wünsche ich mir öfter.
      Hach.

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      Ich bin gerade beim Deutschlandradio noch über ein Interview mit Felix von Leitner gestolpert, der aus seiner Sicht erklärt, warum das mit dem Europa-Internet ein Problem ist und die bestehenden Missstände sogar noch verschärft.

      https://www.deutschlandradiokultur.de/it-sicherheit-warum-das-euro-internet-keine-loesung-ist.954.de.html?dram:article_id=270762

  5. was regt er sich auf, es ist wie es ist. er redet zu dummköpfen, das lasse er, muss die welt halt
    neu erfinden, neu bauen, die jungen amerikaner aus silicon valley machen es doch vor, dass das geht.
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    und man vergleiche in gedanken einmal zustand, resp. struktur der innenstädte deutscher kleinstädte in den letzten 20 jahren – und veränderung derselben. durch internet, google und online-einkauf.
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    und wenn das deutsche ideen gewesen wären, lokalisierbar in deutschen köpfen, so könnte man es sich heute rückblickedn vorstellen, wären nicht damals schon „irgendwelche dummdreisten, langweilig-zweitklassigen sonderschwätzer von deutsch-flachen psycholaberern aus dem öffentlichen dienst“ vorstellbar gewesen, die ihn, als den erkannt-gewesen-seienden möglichen urheber solcher zukünftiger massiv-und-maximalveränderungen (internet, google, amazon) eben beobachtet, erkannt und identfiziert hätten, ihn – nach einigem zögern (*g*) – sogleich aufzusuchen – und selbstverständlich um verzicht auf solch unreife größen- u. gestaltungsphantasien zu fordern rsp. zu erwirken? – falls erforderlich mit sanftem nachdruck? „oder verweis auf den fall mollath?“
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    „haben sie das auch bedacht junger mann, sie alleine, und sie ganz alleine schicken sich an, maszen sich an, die welt, die ganze welt einfach so verändern zu wollen, und überhapt einfh so, was heißt denn dass können sie uns denn das vielleicht einmal erklären, und haben sie denn das überhaupt ausreichend bedacht und besprochen und sagen sie mal mit wem, ach mit dem oder denen, aber sagen sie mal, meinten sie das reiche, warum nicht mit uns, als ihrer gütigen und viel besser informierten obrigkeit, na sehen sie, und dann wollen wir das alles mal doch besser sein lassen, das könnte doch ungeahne und noch unabsehbare folgen aben üerall, af der welt, und sie meinen, sie könnten das alles alleine tragen und verantworten, alleine!? – wie gut, dass wir sie aufgesucht und beobachtet haben nicht, da konnten wir grade noch mal ein unglück verhindern, oder wollten sie das bestreiten? das hätte ja weltweit millionen arbeitskräfte möglicherweise als unnett umpfundenen, womöglich sich gewaltsam durch ihre entfesselten marktkräfte herbeigeführten veränderungen unterworfen gesehen – und auch noch gegen deren willen; sie sehen ein, das hättte doch wirklich nicht passieren dürfen, und wie gut dass es uns gibt, sie reihen sich besser mit ihren an-sich vorhandenen energien und kräften bei uns ein, da könnten sie doch viel sinnvoller sein, könnten sie, nicht? nicht? nicht?!“ <8tja, dummgelaufen mit der globalen entwicklung des internet, google und amazon "durch den gehobenen dienst als weltfürsorge-anstalt".)

    und dann ginge "so etwas" eben nicht. nicht hier. hier nicht. er argumentiert gegen die grundfesten des dummdeutschen spießertums, die grenzen von dessen möglichkeiten und unmöglichkeiten auch. und es handelte sich um narzistische homöosthase ganzer volksgruppen und -ethnien: "die wollen sich so" – und veränderung? "vorsicht, da könnte ja jeder kommen, und nicht, wo wir hier gerade alles so schön festgebunden hätten, also unbeweglich gemacht".

    und die durchleitung durch amerika hülfe beim unbeweglich-machen (1. und separieren von europäischen und nordamerkanischen kohorten. der obermann ist nicht dumm, das interiew war wohl eher bloß "kluge worthülsen-akrobatic". "sprechblase richtung deutschem publikumsraum". in nordamerika kann der auch ganz anders, sicher auch argumentieren wie ein smarter techiker oder freiheitsfreak. (1 – und anderen feige die schuld zuzuweisen, und die deutsche obrigkeit wäre feige. was weltveränderungsmitverantwortung anginge (?))
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    immer bedenken: angeblich sogar und gerade auch us-milliadär warren buffet sei ein anhänger des "egalitärimus": alle bekommen dieselben informationen – und zwar nahezu kostenlos und dieselben startchancen. und dann wäre alles nur noch ein wettbewerb der tüchtigkeiten. aber seit wann wäre so eher der deutsche staat – oder die telekom?
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    "haben sie das auch richtig bedacht junger mann?" natürlich die reinstdeutsche, dumme suggestiv-frage: sie kennt selbstverständlich immer nur eine antwort, nie die des individuums … .

    zum glück ist die united states army noch hier, meine freiheit verteidigen.
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    • Vorwärtsverteidigung
      „zum glück ist die united states army noch hier, meine freiheit verteidigen.“

      Das scheint auch dringend nötig zu sein, bei all den Feinden, die Ihnen selbst in der Einsamkeit Ihres Schreibens auflauern. Ich hoffe nur, ich erfahre rechtzeitig, wenn sie mit Drohnen gegen deutsche Spießer losschlägt, denn man kann ja nie sicher sein, nicht auch zu dieser minderwertigen Volksgruppe zu gehören, von der so viel die Rede ist. Aber wohin fliehen? Die Schweiz gilt ja auch als spießig und hat zwar viele Berge und Täler aber kein Silicon Valley …

  6. Rechtswirklichkeiten
    „Was mich verzweifeln lässt, sind der Glaube und die Erwartungen an den rechtlichen Rahmen und die regulatorischen Richtlinien.“

    Es gibt eine Art Rechtsidealismus, der wie dieser ominöse kartesische Gottesbeweis funktioniert, von dem seine Gegner schon meinten, er sei so schwach, dass sich Descartes damit nur aus der Schusslinie zu bringen versuchte.

    Ich erinnere mich z.B. an ein Interview in der FAZ mit Paul Kirchhoff, der meinte der Bildungsauftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens sei gewährleistet, denn dieser sei eine gute Idee und ARD und ZDF hätten ja diesen Auftrag. Es ist eine lustige Sache eine Rechtswirklichkeit zu konstruieren und in dieser Konstruktion dann im Zirkelschluss als Beweis für ihre Nützlichkeit zu finden. Die Idee verifiziert sich selbst durch ihre eigene Ideation. Es gibt Gott, denn gäbe es ihn nicht, woher kommt dann die Idee eines so über alle Maßen perfekten Wesens?

    Nun kann man sagen, dass Rechtsgrundsätze immer eine Realität definieren, deren Korrespondenz mit der empirischen Wirklichkeit zwar zufällig ist, die aber dennoch der weiteren Ausdifferenzierung des Rechts Grenzen setzt. Das sind keine Grenzen der Technik, der Natur oder der Gesellschaft, sondern solche des Sinns und der Interpretation. Das ist natürlich alles andere als unschludig, denn der Gesetzgeber kann damit die Exekutive in Stellung bringen und damit Staatsgewalt ausüben und diese ist verbunden mit der Androhnung von physischer Gewalt bzw. von Arrestierung, die wiederum mit einer Rechtswirklichkeit korrespondiert usw.

    Die Technik ist ganz anders, denn sie verlässt die Wirklichkeit meist nur kurz. Gewiss, Technoutopien mögen ihre Schulden bei der Wirklichkeit auch nicht einlösen, aber so lange es genug Technik gibt, die ein einmal gefasstes Vorhaben auch verwirklicht, solange ihr Fortschritt für alle erkennbar bleibt, gilt sie als zuverlässiger Schuldner und man empfiehlt weiter in sie zu investieren und ihrem Möglichkeitssinn zu folgen.

    Nun kann man sich neben diese Konstruktivismen stellen und sagen: macht mal. Versucht doch überhaupt einmal miteinander zu kommunizieren. Ich finde das ja gut, was Frank Rieger und René Obermann machen. Man sollte sich auch darüber klar sein, dass die Medien ein ganz bestimmtes Schaustellergewerbe und solche Gespräche eine Art Impro-Theater mit verteilten Rollen sind. Entsprechend begrenzt ist aber auch, was daraus folgt.

    • die letzten zwei sätze sind die wahrheit und essenz zugleich. ansonsten eher viel
      ehre für wenig.
      .
      wobei uns die „welt“ aktuell wohl im tv-werbespot wohl mit am besten sagte, wie deutschland heute zu sehen wäre, also sich am besten selbst sehen sollte? aus sicht der vorhandenen, bilanzierenden organisationen ähnlich wie die zeitung „die welt“ eben. aus sicht einer alten, veralteten, verkalkten, strukturreformunfähigen hochfinanz womöglich eben auch, nicht?
      .
      es wird uns eine hermetik geboten, eine verstehende, verzeihende, anschmiegsam- bequeme hermitik, „so, wie sie viele halt heute brauchen, wo doch alles so schwer geworden ist“.

      die zeitung „die welt“ also im aktuellen tv-werbespot: „die welt gehört denen, die auch im netz gegen den strom schwimmen …“
      .
      perfekter vergleich, perfektes beispiel, „zeitgeist ahoi“ – und was eine lüge und beschönigung. karriere ist viel eher anpassung plus feigheit. (und nur unternehmertum wäre anders, eher dem abenteurertum verwandt … .)
      .
      und was machte unser geschätzter nils fallenbeck – schwämme er – ausserhalb? des telekom-netzes? und wenn ja, seid wann?
      .
      und wäre dessen „aussen-sein“ überhaupt vorgesehen? und seid wann? oder gar „aussen-bleiben“?
      .
      (… wobei es da noch lange nicht bei allen immer einrastete: „Gewiss, ich habe die Wut dieser Machthaber herausgefordert, nicht erst in den letzten Jahren, durch mein Außenbleiben…“. https://www.kalenderblatt.de/index.php?what=thmanu&lang=de&manu_id=1096&sdt=20131202 )
      .
      immerhin ist deutschland inzwischen schon freier, als sagen wir frankreich.
      .

  7. aber die us-army
    .
    war doch gut gegenmontiert gegen andere us-anteile, oder nicht? als auch weitere anmahnung von verantwortung und vielfalt. möglicherweise auch beginnend beim einzelnen. und selbstverändlich wäre auch die deutsche viellfalt eine teils vorhandene. lediglich fast ohne lobby? und der artkel handelte von den regularien der hilflosen?
    .
    ja, sicher, man muss nicht nur über den tellerrand der telekom hinausschauen, sondern auch über den tellerrand deutschlands. immer noch so, wie man zu zeiten der ddr über die normannenstrasse hinaus nach moskau schauen musste. nur heute ist halt alles freier.
    .
    knechte wie obermann sind keine historisch wirkmächtigen persönlichkeiten. aber doch versuchsweise nett. und trotzdem völlige zeitverschwendung.
    .
    und wer oder was ich hier heute möglicherweise alles persönlich gerettet sehen möchte, also „durch gruppenbildung o.ä.“, das war doch früher nicht so, oder? wahrscheinlich hieße „teamarbeit“ heute wohl doch vor allem eines, dass „die faulen oder sonder-anpruchsvollen bildungverweigerer auch heute eine prima möglichkeit gefunden hätten, auch weiterhin bei anderen billig trittbrett fahren zu dürfen“. das abzuwehren („lest selber den kanon der weltliteraur, unterbrecht dazu,, falls nötig zwischen 35 und 40 eure erwerbsbiographie, oder schafft dazu selber, falls erforderlich alle erfordrlichen möglichkeiten“) ginge in der tat nicht immer ganz ohne aggressionen ab, meist auf seiten der faulen oder vorteilssucher. will sagen: junge bücken sich häufig selber noch. lassen noch nicht bücken. oder vertreten gar seit einiger zeit schon erfolgreich die neue „selber-bücken-brauche-ich-schon-lange-nicht-mehr-und-wie-schön-ist-das-liga“. (1)
    .
    es lag uns halt daran, zu erinnern, dass und von wo wir deutschen herkommen, welche frühen verirrungen der leitungsebene samt volk vielen schon immer wahrscheinlich erschienen.
    .
    „Im Ersten Weltkrieg trat sie entschieden für den Pazifismus ein. Ein vehementes Plädoyer für die Anwendung von Vernunft und für eine europäische Völkerverständigung löste nach einem Vortrag in Dresden am 11. Januar 1915 Tumulte aus. Das Bayerische Kriegsministerium verhängte gegen sie 1916 „wegen pazifistischer Umtriebe“ eine Brief- und Reisesperre. Auf Betreiben von Walther Rathenau konnte Annette Kolb ins Schweizer Exil gehen.“ (kolb, wiki, de brave frau, die brave, tüchtige frau!)
    .
    ja, immerhin die schweiz. hat aber glück gehabt – wg. dem rathenau – und auch gebraucht. vom eigenen volke „an sich“, wärs ja eher kaum zu erwarten gewesen, oder? dafür wurde aber der rathenau dann später erschossen, „ausgleichende gerechtigkeit vermutlich“.
    .
    „regularien sind die mittel der hilflosen“, in der tat. (1 – und es ist auch ein generationenkonflikt. und auch herr obermann hat immer noch viele alte vor der nase.)
    .
    und europa als ganzes hat anscheinend schon überhaupt keiner mehr im blick. in deutschen print- wie onlinemedien kommt immer nur die deutsche befindlichkeit vor, und z.b. hier „wie uns unsere deutsche telekom schützt oder befreit“ (!) – was aber tun wir alle für all die anderen europäer mit?
    .
    und faz wie spiegel wie deutsche uni-professoren, und noch manch‘ andere, hätten – insgeheim und unausgesprochen – anscheinend nur eine sorge, nämlich, dass ihnen der deutschsprachige michel als sinn-, ziel-, refferenz- und einkommensquellengruppe abhanden käme? „aber psst, nicht darüber sprechen?“
    .
    es ist ein freies land, jeder verkauft, was er möchte. „aber mich tut mein herr behalten, hat mein herr gesagt“, so wurde es weiland schon von diogenes tonne überliefert. (wobei der vielleicht auch bloß einen schaden ha:te – aber seine tonne nicht, *g*)
    .
    ja, mein liebes new york, du hast es besser, wer es da schafft, schafft es überall. (begriffen? und darum kommt new york auch weiterhin zu uns, wetten? „mit oder ohne obermann und die deutsche telekom, you bet“)

  8. Trotz einiger Länge bringt dieser Blogtext nicht die Klarheit. Dabei wäre es ganz einfach:
    1. Nachrichten welche wie Emails oder Internet-Telefonie an einen bestimmten Empfänger gehen, lassen sich leicht mit dem öffentlichen Schlüssel dieses Empfängers verschlüsseln und sind damit vor dem Absaugen sicher, sofern die beteiligten PCs vor Bundes- und anderen Trojanern geschützt sind.

    Die Einzige Vorschrift die es dazu braucht, ist ein Verbot des Bundestrojaners, sonst wird es schwierig. Andere Vorschriften wie z.B. Schengen-Routing usw. braucht es nicht. Jede andere Methode, bei der die Kryptographie nicht in den beiden Endgeräten stattfindet ist unsicher.

    2. Mitteilungen welche an die Allgemeinheit gerichtet sind, kann und braucht man nicht zu verschlüsseln, weil sie ja sowieso jeder lesen kann. Das sind z.B. Tweets, Blogveröffentlichungen, Einträge im eigenen Facebook-Profil usw. Hier ist sehr wohl eine internationale Gesetzgebung erforderlich, weil sonst irgendwo eine automatisierte Suchmaschine Persönlichkeitsprofile anlegt. Die Möglichkeit der automatischen Aggregation und ‚intelligenten‘ Klassifizierung hat den Böswilligen Mittel gegeben, die sich selbst ein Orwell nicht vorstellen konnte und welche unsere Persönlichkeitsspäre krass verletzen.

    Dieser Bedrohung kann man nur entgehen, wenn es tatsächlich international zur Einsicht kommt, dass man hier nicht alles machen darf was möglich ist. Andernfalls bleibt nur die Hoffnung, dass die Menschen rechtzeitig einsehen, dass man mit persönlichen Daten sorgfältiger umgehen muss.

    3. Eine weitere Gefahr geht nicht nur von Geheimdiensten aus, sondern z.B. vom konkreten Verhalten der Personalchefs von Firmen: Wenn es z.B. bald einmal auffällig scheint, dass jemand kein ’normales‘ Profil auf Facebook hat, weil es auf soziale Isolation oder einen eigenbrötlerischen (schwierigen) Charakter hinweist, dann würde man dadurch gezwungen, ein für die berufliche Karriere geeignetes Profil vorweisen zu können. Dieser Problematik kann man nicht durch Gesetze begegnen und hier liegt eine grosse Herausforderung.

    Kurz und ungut:

    a) Man muss sich energisch gegen die Bundestrojaner wehren.

    b) Man muss darauf hinarbeiten, dass auch die USA (endlich!) die EMRK unterzeichnen und dass diese zukünftig auch den Schutz der informellen Selbstbestimmung umfasst.

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      Ich stimme ihnen zu, und möchte noch einmal auf einen anderen Beitrag hinweisen, in dem ich asymmetrische Kommunikation eingegangen bin (und der dann hoffentlich die von Ihnen vermisste Klarheit bringt):

      https://blogs.faz.net/deus/2013/09/20/von-unmoeglichkeit-1761/

    • zur verkürzung der brüder - man hatte verstanden, dass
      unsereines so argumentierte, wie argumentiert, weil uns eher klar zu sein scheint, dass es sich hierbei eher um eine frage der (großen) politik handelte, nicht der technik? (1)
      .
      alles also eher nicht „bottom-up“ durch viele kleine schutzmassnahmen technisch-softwaremässiger natur bei den einzelnen zu erreichen wäre, sondern nur „top-down“: wir schalten die staaten ab.
      .
      (und ja: es gäbe möglicherweise auch nutznießer falschen beharrens, das wäre gar nicht ausgeschlossen. z.b. kann individuelles beharren auch richtig sein, für den eigenen vorteil. „und das der evtl. sogar auch starke asoziale anteile mit in sich trüge, dass müsste uns aber erst einmal bewiesen werden!“ (und wehe, wenn nicht, dann wirst du verhaftet, lager!“, das der immer mögliche faschistoide anteil.)
      .
      1 – und da wäre der mitteleuropäische kulturraum womöglich relativ schnell immer wieder beim „wallenstein“: „das wird kein kampf der kraft mit der kraft, den fürcht‘ ich nicht…“
      .
      und ggfls. auch, warum die großen früher der später immer wieder – und ausdauernde naturen um so länger – ihr ganzen leben lang zum „wallenstein“ zurückkehrten. so wäre es bezeugt.
      .
      gestern abend erst robert menasse im österreichischen literatur-tv: „über wittgenstein, nietzsche (spät und unter wiederstreben, was zu bereuen war) zu schopenhauer gelangt“. (wir erwähnen das nur, damit es mal gesagt wurde.) und ir wären selbstversändlich beim ewigen multikurturell-toleranten, welterfhrenen deutschtum, bei thomas mann. man lesen den „versuch über schiller“ – und nehme dessen deutsche leitsterne (von früh auf, daraum war tm ein großer, menasse u.a. reihen sich dahinter): „goethe, schopenhauer, nietzsche, das dreigestirn meiner jugend“.
      .
      das wort ist frei – und mehr noch sind es die gedanken!
      .
      (nietzsche, ein denker und wortstilist ersten ranges, wenn sei denken und schreiben auch, wg. fortschreitender (hirn-)erkrankung (syphilis), fortlaufend immer „hermetischer“ wurde. und genau deshalb so interessant, keine gefahr, sondern maximaler entfaltungsraum!)
      .
      „regularien sind die werkzeuge der hiflosen?“ klar doch, wie jede zensur!
      .
      „Was Eure Majestät durch meine Hand
      Verbreiten – ist das Menschenglück? Ist das
      Dasselbe Glück, das meine reine Liebe
      Den Menschen gönnt? – Vor diesem Glücke würde
      Die Majestät erzittern – Nein! Ein neues
      Erschuf der Krone Politik – ein Glück,
      Das sie noch reich genug ist auszutheilen,
      Und in dem Menschenherzen neue Triebe,
      Die sich von diesem Glücke stillen lassen.
      In ihren Münzen läßt sie Wahrheit schlagen,
      Die Wahrheit, die sie dulden kann. Verworfen
      Sind alle Stempel, die nicht diesem gleichen.
      Doch, was der Krone frommen kann – ist das
      Auch mir genug? Darf meine Bruderliebe
      Sich zur Verkürzung meines Bruders borgen?
      Weiß ich ihn glücklich – eh‘ er denken darf?
      Mich wählen Sie nicht, Sire, Glückseligkeit,
      Die Sie uns prägen, auszustreun. Ich muß
      Mich weigern, diese Stempel auszugeben. –
      Ich kann nicht Fürstendiener sein.“
      .
      man müsste die völker aber aktiv einengen, damit sie neu lernten, sich zu wehren, ihre klassiker neu zu studieren. der sinn der einengung wäre dann ein doppelter! (und wie schön selbstbetrügerisch!)
      .
      https://www.youtube.com/watch?v=yzdyEX1zFkc
      .

    • Nein, leider nicht.
      Text eingeben

  9. am rande
    auch menasse ist nicht unumstritten, wir teilen seine ansichten nicht so der uneingeschränkt, er wirkt teils zu naiv, teils auch zu uninformiert, „zu weit weg von der sache, zu theoretisch“. aber.
    .
    „Der österreichische Schriftsteller Robert Menasse plädiert für die Aufhebung des Nationalstaates. Er har eine Streitschrift zum Thema vorgelegt: „Der europäische Landbote. Die Wut der Bürger und der Friede Europas“, für die er den Heinrich-Mann-Preis 2013 bekommt.“
    .
    „ein projekt zur überwindung des nationalismus und der nationalstaaten.“ (also auch der nationalen geheimdienste (!) – und ja, „alte“ haben angst, angst vor kontrollverlust zumal … .)

    https://www.3sat.de/mediathek/index.php?display=1&mode=play&obj=34534
    .
    „europa ist ein projekt zum teilen, auf dem ganzen kontinent“ so menasse. und recht hat er.
    .
    „das war aber noch nie so“, so muss man unbedingt anfügen, „denn der deutsche kleinbürger (in teils persistierender wut auf alles fremde, und wären dise anteile weitgehend unreflektiert) wollte noch nie teilen, mit südländern z.b..“
    .
    und die real existierende politk des jetzt hätte – zu recht! – auf auf diese anteile rücksicht zu nehmen. denn schon weiland willi brandt hatte versuchte die „sozialistische internationale“ wieder aufleben zu lassen, als er kanzler war. wie die politik-eliten dieses landes sehr wohl nicht vergessen haben werden.
    .
    und das ergebnis war? leider vorhersehbar. auch und grade der deutsche arbeiter und kleinbürger hat (im grunde seines wahren herzens) als letztes vor, europäisch zu teilen. „jedenfalls er direkt selbst möchte das eher nicht“. sieht über seine privaten (auch europäischen) vorteilsnahmebestrebungen (durch „europäische arbeitsteilung“) hinsichtlich eines guten, ja, relativ besseren lebens, lieber den mantel des schweigens und der klugen ablenkung gebreitet („nein, ich doch nicht, ich nehme keine vorteile aus europa, jedenfalls keine sozial teilenswerten, ic arbeite ja doch auch viel härter, als alle anderen, warum also, usw., usf. – jedenfalls nicht in direkter demokratie und in direkter begegnung. – „denn sonst hätten wir ja evtl. längst kontinentweit europäische gewerkschaften, aber wo sind die?“
    .
    und jetzt kommt „das internet“ – „und will einfach alles gleich machen“? „da wäre aber unser staat (klug) vor – und alle beelzebub austreiben mit ihm“ – „schließlich ist „das internet“ nur eine „sogenannte“ fortschrittsveranstaltung: bloß für junge – und andere habenichtse!!! …
    .
    generationenkonflikt, klar doch. (die jungen erben eh alles, und schenller wahrscheinlich, als gedacht, daher eile mit weile.)
    .
    https://www.tagesspiegel.de/politik/zum-100-geburtstag-von-willy-brandt-brandt-erweckte-die-sozialistischen-internationale-zur-gespraechsarena/8358484-3.html
    .

  10. Danke
    Ein Danke an die Herren Dreamtimer und Braun für die Teilhabe an ihrer brillanten und komplexen Kommunikation.

  11. Deus ex Machina
    Ich möchte, etwas unorthodox, die Highlights der Befindlichkeit in Form zitierte Headlines der FAZ von heute kurz zusammenfassen:
    „Keine Helmpflicht für Radler“
    „Abschied vom aufrechten Gang“
    „Der Markt ist rational, das glaube ich immer noch“
    „Die Jeans zum Mieten“
    „Robust und doch schmuck“
    „Das bekannteste Hotel der Welt geht an die Börse“
    „Der letzte große Mann“
    „Wenn du keine Auge hast, benutze dein Herz“
    „Der Retroschnarrer für die Weihnachtsparty“
    „Amerikanerin gewinnt beinahe arabischen Talentwettbewerb“
    „Bollywood in Barcelona“

    Was das jetzt mit dem Thema zu tun hat? Nun ja. Deus ex Machina.

  12. Titel eingeben
    „Regularien sind die Werkzeuge der Hilflosen“
    Hm.
    Da denke ich an zweierlei:
    a) Microsoft wurde aufgegeben, auch andere Browser als den IE zuzulassen, und das haben sie schließlich getan. – Geschraube im Nachhinein, Bröckchen vom Monopol abgeben.
    b) Als Eisenbahnen noch neu waren, mußten die bis 24:00 Uhr im Schuppen sein (Störung der Nachtruhe und so). – Diese Regelung wurde sehr schnell „weggewaschen“.

    Wo wir gegenwärtig mit Big Data stehen, bzw. mit seiner Regulierung, ob eher bei a) oder bei b), ist nicht so wirklich ausgemacht. Vermutlich dazwischen.

  13. Mitnichten
    sind Regularien die Werkzeuge der Hilflosen. Sie sind der Garant für Zivilisation und das Gegenteil von Hilflosigkeit.
    Amüsant ist es, überall Ratschläge zu bekommen, wie man, polemisch ausgedrückt, seine Katzenbilder verschlüsseln kann. Dies ist das Werkzeug der Hilflosen.
    Und natürlich ist der Westen kein Waisenknabe, aber die Frage muss erlaubt sein, ob das eventuell auch am Gegner liegt.
    Die Antwort auf ideologischen oder religiösen Irrsinn kann nicht eine Sitzblockade sein.
    Krieg hat viele Gesichter und darauf gilt es zu reagieren. Es ist natürlich einfach, im gemachte Nest zu sitzen und mit dem Finger auf eine Supermacht zu seigen, die ihre Hausaufgaben bereits gemacht hat. Das muss enorm den Wohlfühlfaktor steigern, an dem Ast zu sägen, auf dem man sitzt.
    Welches Bäumchen hätten man denn gern? Nordkorea, China, Rußland, Afrika, die Welt des Islam, die Osterinseln? Oder welches System? Die Vereinigten Staaten der Töpfer- und Batikmeister?
    Und natürlich geht es um Machtpolitik und um Interessen. Um was denn sonst.
    Eigenartigerweise findet man das Gods-own-country–Bashing oft bei Leuten, die einem immer erklären, wo Gott wohnt oder die Natur oder der perfekte Mensch.
    Meine zentrale Frage wäre, liegt das Verhalten des demokratischen Westens nicht vielleicht auch am Gegner? Einem Gegner, der sich genauso wenig einen Dreck um andere Kulturen schert, wie das dem Westen immer nachgesagt wird.
    Dem Alpha zu sagen, wo die Grenzen sind, findet momentan richtigerweise statt. Die Horde ist empört.
    Die Systemfrage daran zu knüpfen, halte ich sehr gefährlich. So viele kochen im Moment ihr Süppchen.

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