Deus ex Machina

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Über Gott und die WWWelt

Es ist das Internet, dummer Pirat.

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Bürgerrechte im Internet werden versprochen, digitale Bürgerkriege werden geliefert: Nur aus dem Misserfolg der heillos zerstrittenen Piraten muss noch lang kein Desinteresse an der Netzpolitik abgeleitet werden.

Der brüchige Waffenstillstand hat nicht lange gehalten: Während die Skandälchen und Streitereien in der Piratenpartei vor der Wahl etwas nachgelassen haben, brechen die Konflikte nun wieder auf. Zurücktretenden Führungspersonen wird noch einmal der ganze Hass nachgeschüttet, für den die Partei traurige Berühmtheit erlangte, in der Berliner Fraktion wird der Versuch unternommen, der Partei einen noch deutlicheren Linksdrall zu geben, und gross ist der Jammer, dass mit diesem Wahlergebnis eine Absage an die Bürgerrechte im Internet zu verbinden sei – eine Klage, die man übrigens auch von der FDP vernimmt.

Das ist insofern erstaunlich, als die Piraten – wie die FDP – als Vollpartei nicht nur für Bürgerrechte stehen möchten, sondern auch für viele andere Programmpunkte. Das schlimmste Wahlergebnis der Partei, die sich als „die Piraten“ ausgibt, hat sie deshalb vermutlich in Berlin ereilt: 3,6% der Stimmen. Denn im letzten Jahr hat sie eine deutliche Wandlung durchgemacht, von einer Bürgerrechtspartei des Internets hin zu einem eher linken Gemischtwarenladen an Versprechungen, die Berlinern gefallen könnten: Kampf gegen „Scheiss-Mieten“, ein bedimgungsloses Grundeinkommen, Genderthemen und -toiletten, fahrscheinloser Nahverkehr und einen Wombat unter dem Christbaum – wer das nicht versteht: Das ist ein Mem aus dem Internethumor, dessen Plakatierung bei uns in Bayern auf dem Land vielleicht etwas mutig ist.

Mit diesem vollmundigen Programm und sehr weitgehenden, ja fast utopische Forderungen in der Armuts- und Hipsterhochburg Berlin nur 3,6% der Stimmen zu bekommen, ist bitter. Das ist fast so schlimm wie Freibier anbieten, und keiner will es haben. Schliesslich wollen auch Berliner Mieter mal mehr als Nudeln mit Ketchup essen, auch wenn sie ansonsten keine Lust haben, etwas anderes als ihre Wombatmodeseite im Internet zu machen. Oder Post Privacy Ideologie. Oder Katzenbilder. Oder wozu sonst das Internetverständnis zwischen Alex und Hellersdorf reicht. Es mag sein, dass die Piraten genau dieses Publikum halbwegs erreicht haben, und mehr nicht.

Das miserable Abschneiden hat aber vielleicht auch weniger mit dem Internet als vielmehr damit zu tun, dass die 97,8% Nichtpiratenwähler und die Nichtwähler andere Vorstellungen vom Internet haben und jenen, die sich dafür politisch engagieren sollen. Bei den Piraten kauft man, wie bei der FDP, eben nicht nur die Vertreter des Bürgerrechtsflügels wie Frau Nocun oder Frau Leutheusser-Schnarrenberger, sondern auch noch jede Menge anderer Leute, die nun nicht alle zu den strahlendsten Exponenten der Freiheit gehören. So, wie die FDP auch ihren hayeknahen Flügel der Marktradikalen, Bankenlobbyisten und Mövenpicks hat, haben die Piraten auch ihre Sozialutopisten, Drogenfreunde und Leute, die als U-Boote der autonomen Szene gelten. Die FDP musste sicherlich wegen des Skandals um die Dirndlfreundlichkeit des Herrn Brüderle Federn lassen, die Piraten wegen der grotesken Auftritte des Herrn Ponader – keine dieser sozialen Auffälligkeiten davon gibt Auskunft, ob ein Wähler deshalb jetzt gegen Netzsperren oder für freies WLAN für alle ist.

Insofern ist es etwas kurz gedacht, aus dem Piratenergebnis Schlussfolgerungen über die Netzpolitik in Deutschland zu ziehen. Bildlich gesprochen ist das Piraten- und Freidemokratenrezept für Bürgerrechte so, als würde man eine Torte aus Mäusekot, Sahne, Steinpilzen, geraspelte Sandalen und Elefantendung backen, darauf ein Marzipanschwein stellen und dann, wenn niemand das haben möchte, behaupten, Marzipanschweine würden sich nicht mehr grosser Beliebtheit erfreuen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass in Deutschland mehr als 2,2 oder 4,8 oder gar 10% der Bevölkerung die NSA nicht schätzen, Google und Facebook gerne besser kontrolliert sähen und nicht möchten, dass ihre Flugdaten an die USA übermittelt werden. Nur sehen diese Menschen dieses Anliegen unter Berücksichtigung aller Umstände nicht gut genug von FDP und Piraten repräsentiert, um dafür diese Parteien zu wählen.

Es könnte jetzt sogar so sein, dass sich die Wähler nach der Wahl sogar noch in ihrer Entscheidung vollumfänglich bestätigt sehen, das Angebot nicht zu kaufen. Schliesslich zeigen Teile der Piratenpartei auch beim Verlieren noch einmal, dass es mit der neuen, besseren Kultur des Netzes bei ihnen nicht weit her ist. Die besonders schädlichen Berliner Grabenkämpfe unter den Mandatsträgern gehen weiter, vielleicht auch unter dem Eindruck, dass man nun ohnehin nichts mehr zu verlieren hat. Es mag für die vielen engagierten Mitarbeiter unschön sein, aber der Streit um eine Fraktionsklausur in der Berlin hat auch weiterhin mit Zensursula, Netzneutralität, der Drosselkom oder Operation Socialist des Britischen Geheimdienstes gegen die EU nichts zu tun. Es waren und sind spannende Zeiten für Netzpolitik. Leider machten führende Piraten daraus Zeiten für die öffentliche Darbietung ihrer Bettgeschichten, ihres Abiturschnitts oder ihrem generellen Missfallen mit dem, was andere Piraten denken, tun oder sagen.

So etwas gibt es in anderen Parteien auch, aber keine ist so dumm, für derartiges Verhalten ausgerechnet den Kanal zu benutzen, für den sie sagen, sie stehen dafür ein. Was die Piraten getan haben, ist ein wenig so, als hätte sich die Union für Atomkraft eingesetzt und dann versucht, Isar 1 und 2 zu sprengen. Oder als ob ein SPD-Spitzenkandidat als Vortragredner für Schweizer Banken … oh wait. Was wollte ich. Ach so. Die Kompetenz der Piraten, ihr Alleinstellungsmerkmal und wichtigsten Aspekt und Kern zu benutzen, um andere Piraten anzugehen oder sich selbst unwählbar zu machen, ist wirklich ungewöhnlich. Da helfen dann auch keine guten Offlineplakate mehr, wenn sie eine Organisation bewerben sollen, die an ihren schlechteren Tagen so sympathisch wie das Heiseforum ist, und die Natur des Internets trägt dazu bei, dass die Fragwürdigen, Peinlichen und Grössenwahnsinnigen deutlicher auffallen. Im Internet hätten die Piraten zeigen können, was geht. Das können sie jetzt noch weniger, denn inzwischen haben sie auch kein Streaming mehr, weil man den dafür zuständigen Piraten mit einer brutalen Debatte über Sexismus vergrätzt hat. Führend mit dabei, man ahnt es, die üblichen Verdächtigen aus Berlin.

Das hat mit den grossen Themen des Internet nichts zu tun. Zum Glück. So, wie die Lobbyisten der Banken sich jetzt neue Ansprechpartner in die Restaurants einladen müssen, werden die Piraten eben nicht mehr die ersten Ansprechpartner für Netzthemen sein. Die Partei wird vermutlich in den nächsten Monaten eine Zerreissprobe überstehen müssen, und so lange können sich die fähigen Köpfe auch überlegen, wo sie ihre Prioritäten setzen. Wenn sie gut sind und kluge Analysen bieten, und mehr als nur die Forderung nach öffentlichem WLAN, wird man sie auch hören – weil sie gut sind, und nicht, weil sie Piraten sind. Und wenn sie nicht sind, werden es eben andere tun. Das Netz bietet dazu Anlass und Verbreitungsweg, und in den Medien gibt es weiterhin viel Hunger auf netztaugliche Marzipanschweine. Nur den restlichen Piratenkuchen, den hat der Wähler nicht gekauft, und der wird auch kaum in den Medien gefragt sein. Zumindest nicht in dieser Form der Präsentation. Es ist das Internet, dummer Pirat. Und wer mit dem Wähler kuscheln will, sollte kein Berliner Scheusal sein.

HINWEIS:

Kuschlige Kommentare kann man übrigens im kuschligen Kommentarblog ohne abscheuliche Technikprobleme abgeben.

 


31 Lesermeinungen

  1. live aus latte macchiatohausen
    balsam für die geschundene, potenziell, aber-dann-lieber-doch-nicht, piraten wählende seele.

    gruß aus der hipsterhochburg

  2. Männerumarmungen
    Dass die FDP unter der Dirndlfreundlichkeit des Herrn Brüderle gelitten hat, glaube ich eigentlich nicht. Das mag zwar einige Wählerinnen abgestoßen haben, aber es gibt reichlich viele Männer, die des Brüderles Männerwitze gut finden. Die Wahl ist geheim. Da guckt keine Emanze über ihres Mannes Schultern auf das er politisch korrekt wählt. Darüber hinaus lag es nah, nach der demonstrierte Liebe zwischen FDP- und BILDspitze
    .
    https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/roesler-besucht-diekmann-komm-in-meine-arme-12192682.html
    .
    auf höhere FDP Wählersympathie zu wetten. Aber Diekmann und Rössler gingen zu einem technischen Kniefall ins Silikon Valley. So öffentlich Unkenntnis zu demonstrieren, sollte man sich besser überlegen.

  3. Möglich, dass Sie Recht haben. Wahrscheinlich ist es nicht.
    Um einen formulierten Gedanken aus dem DeusEx-Vorläuferbeitrag aufzugreifen: Die grosse Mehrheit betrachtet das Internet (noch) als Mischung aus gelben Seiten und grossem Supermarkt, ergänzt um grosszügigen Platz für Kleinanzeigen. Ein schlechter Resonanzraum für Netzpolitik.

    Wäre Netzpolitik einer genügend grossen Anzahl von Menschen ebenso wichtig, wie die die Atomenergie vor 20 Jahren, gäbe es eine bundespolitische, parlamentarische Vertretung. Und die wäre weniger dilettantisch organisiert, als die PIRATEN. Die es in gerade mal einemJahr geschafft haben, sich über Banalitäten stärker und giftiger zu zerstreiten, als die ehemaligen GRÜNEN-Flügel über existentielle Fragen. Und dabei dachte ich damals, niedriger könne man im öffentlichen Umgang miteinander nicht sinken.

    Richtig ist die Beobachtung, dass man aus dem schlechten Abschneiden der PIRATEN an sich nichts Inhaltliches rückschliessen kann. Selbst für jemanden, der Netzpolitik für das wichtigste Thema seit der Erfindung des Rades hält, könnte die Gurkentruppe noch immer unwählbar gewesen sein.

    Allerdings lieber Don – Sie weigern sich ja auch beharrlich, eine ähnliche Logik für Sozial- und Verteilungsthemen auch nur in Erwägung zu ziehen. Sonst wäre Ihr letzte Stützen-Beitrag anders ausgefallen :-).

    Gruss,
    Thorsten Haupts

  4. Wie dumm muss man eigentlich sein
    Wie dumm muss man eigentlich sein, um sowas zu schreiben:
    „So etwas gibt es in anderen Parteien auch, aber keine ist so dumm, für derartiges Verhalten ausgerechnet den Kanal zu benutzen, für den sie sagen, sie stehen dafür ein.“
    Gerade die Transparenz ist es, die die Piraten auszeichnet. Kein rheinischer Klüngel oder bayerische Vetternwirtschaft, die hier offensichtlich als politische Errungenschaft hochgelobt wird. Anfeindungen zwischen Menschen gehören zu unserer Gesellschaft, ein freie Gesellschaft diskutiert diese Probleme und sieht diese Diskussion positiv. Wie die Piraten!

    • Soso
      Besteht da nicht ein klitzekleiner Unterschied zwischen
      ‚Anfeindungen unter Menschen‘ und ‚Probleme diskutieren‘.

      Dass Probleme offen ausgesprochen und auch diskutiert werden dagegen hat wohl
      Niemand etwas. Nur warum sollte man freiwillig Leute wählen die sich anfeinden.

      Kann man ja gleich zu den Islamisten rennen.

    • Tragen Sie Ihre persönlichen Anfeindungen gerne weiter ganz persönlich aus, öffentlich.
      Ich ermuntere Sie ausdrücklich dazu. Denn solange Sie und Ähnlichdenkende Transparenz mit Pöbelei verwechseln, Diskussion mit Schlammwerfen, Freiheit mit Voyeurismus – solange sind wir alle vor Ihrer Präsenz im Bundestag ganz sicher. Und damit vor reiner, unverfälschter Dummheit.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

  5. Credibility issue
    Ich kann’s kürzer:
    1) Ein NSA-Skandal, der die Aluhut-Fraktion auf einmal sehr vernünftig dastehen lässt.
    2) Eine Partei, die eine gewesene Microsoft-ManagerIn zur Landesvorsitzenden macht.
    Früher hab‘ ich die auch mal gewählt. No more….

  6. versager
    zugegeben, die Piraten haben versagt.

    Und der Rest?

  7. Vielleicht waren die Piraten einfach überfragt
    Eigentlich ist es nicht nur eine Frage des Internets, sondern jeglicher Kommunikation. Wie kann man heute Verhandlungen führen, frag ich mich im Anbetracht der Sondierungsgespräche. Wesentlicher Bestandteil einer erfolgreichen Verhandlung ist, dass man seine eigenen Truppen unter Kontrolle kriegt und hält. Wenn aber potentiell alles abgehört und mitgelesen wird, dann weiß die eine Seite immer schon, worauf die andere hinaus will und wo die Schwachstellen und internen Abmachungen liegen. Wenn darüber hinaus die eine Seite mehr Zugang zu Abhördaten hat als die andere, ist sie offensichtlich im Vorteil.
    .
    Frau Merkels Standpunkt vis-à-vis NSA war ziemlich wischi-waschi. Wenn ich mit ihr zu verhandeln hätte, würde ich immer in Betracht ziehen, dass sie weiß, mit wem ich über was vorher gesprochen habe….. worauf man natürlich seine ganze Verhandlungsstrategie bauen kann – wenn man genug Nerven hat.

  8. Ach ja...
    Ich finde es einfach nur gut, dass die Piraten für ihre geballte Inkompetenz die Quittung bekommen haben. Die Nichtskönner müssen eben auf die harte Tour lernen, dass sie nichts können und so arbeiten diese Leute sich in all den Ämtern und Posten ab und stolpern ständig über ihre eigene Unzulänglichkeit.
    Vor Jahren hieß es mal „wir“ wollen Kompetenz statt nur Köpfe, heute weiß ich, dass die Piraten weder die Köpfe haben, noch die Kompetenz, wobei der Wähler ja noch eher Köpfe honoriert als irgendeinen stammelden Pseudo-Intellektuellen.
    Es ist nur Richtig so, dass all die beratungsresistenten Piraten, die immer alles und jedes Basisdemokratisch und vor allem ohne Struktur erledigen wollen, merken, dass es eben doch nicht ohne Hierarchien geht. Die Frage ist nur, wann sich die Partei eine Struktur gibt, und damit dann endlich die Störer und Spalter entfernt. Politik ist nun ein Geschäft, dass sich nicht auf jede Art betreiben lässt. Und um die Spielregeln zu bestimmen, dazu war die Piratenpartei sowieso nie in der Lage. Bis heute gibt es keinen seriösen Beraterstab für den Vorstand der Strategien entwickeln könnte und durch seine Intelligenz und Kenntnisse Fehler in Kampagnen oder bei der Kommunikation von Themen aufdecken könnte. Stattdessen holt sich Bernd einen PR-Fuzzi für die Selbstdarstellung – wieviele Piraten haben es ihm nicht gleichgetan. Die quasi offen zelebrierte Ignoranz und Beratungsresistenz, dass Einwände und Kritik mit dem Argument abgebügelt wurden, es handele sich ja um Mehrheitsentscheidungen – das war schon wirklich mehr als dämlich. Manchmal und manchmal eben auch öfter irrt eben die Mehrheit, aber die über den Köpfen schwebende „Intelligenz des Schwarms“ würde uns ja alle schon zum richtigen Ergebnis führen – und dann lachten wir über den Deregulierungwahn der FDP und ihre unsichtbare Hand des Marktes, welche schon alles richten würde.
    Das Führungsqualitäten, Wissen, Kompetenz, Intelligenz, Seriosität, Integrität usw. eben nicht gleichmäßig in der Gesellschaft verteilt sind und somit eben automatisch ein recht großer Teil der Bevölkerung/Piraten disqualifiziert ist von der erfolgreichen Ausübung eines Postens oder Amtes hat nie jemanden gestört. Schließlich hat die Partei ihrem Führungspersonal ja auch so gut wie jede Verantwortung abgenommen, so kann man auch nicht in seinen Posten hineinwachsen oder ihn gar ausfüllen. Aber genau diese Unzulänglichkeit, die wir bei den Politikern anderer Parteien moniert haben – eben diese Kriterien haben wir nie bei uns selber angelegt. Offene Kommunikationskanäle samt tobender Shitstorms waren ständiger Begleiter und klares Indiz, was die Basis, als auch manche „Spitzenpolitiker“ doch für ein Kindergarten sind. Mit Debattenkultur hatte dies jedenfalls nichts zu tun.
    Man kann den Piraten nur wünschen sich von dieser romantischen Vorstellung einer basisdemokratischen Partei schleunigst zu verabschieden und sich endlich zu professionalisieren. Die Grünen werden sich damals nicht ohne Grund von diesen Fesseln gelöst haben, außerdem hat selbst die CDU noch basisdemokratische Elemente in ihrer Parteistruktur, nur eben auf ein verträgliches Maß zurecht gestutzt. Jetzt wo die FDP erstmal (aber nicht für immer) kaltgestellt ist, ist es nur richtig sich als Piratenpartei auf Kernthemen zu besinnen und dort Meinungsführer zu werden. Die FDP hat ihren Kampf für Bürgerrechte jedenfalls schon lange aufgegeben, es ist an der Zeit dieses Feld zu besetzen.

  9. Muttis Volk ist anscheinend nicht sehr liberal
    Was die deutschen Liberalen betrifft, hat mich einerseits erstaunt, wie wenig Profil sie zeigen und in den letzen Jahren gezeigt habe, andererseits, dass es die deutsche Bevölkerung so hinnimmt. Hier in den Niederlanden kann man nicht nur zwischen links-liberalen (D66) und rechts-liberalen (VVD) wählen. Letztere stellen sogar den Ministerpräsident (Rutte).

  10. Telefondienste
    Mit Vergnügen sah ich heute Morgen das große Siemens Telefon auf der Titelseite der FAZ Auslandsausgabe. Hat man ja heute nicht mehr. Stattdessen bringt man sein Händie und legt es ostentativ auf den Tisch. Ich halte das für unhöflich. Aber es scheint heute sogar unter wohlerzogenen Damen so zu sein. Letzte Woche hatten wir am Abendbrottisch mit meinem Vater in Deutschland die Tochter eines Diplomaten zu Gast. Als sie ihr kleines Kommunikationsgerät an die Stelle legte, wo vorher die blütendweiße Serviette lag, musste ich automatisch grinsen. Dem Chef ihres Vaters zuliebe habe ich nicht vergessen bei der sehr angeregten Unterhaltung zu erwähnen, dass ich natürlich FDP gewählt hätte (und nicht Die Linke), wenn ich denn hätte wählen dürfen. Als wir dann auch noch auf ein Merkelwahlplakat zu sprechen kamen und ich bemerkte, dass Frau Merkel darauf aussieht, wie meines Vaters vorherige Putzfrau, nachdem sie vorher fachmännisch geschminkt worden war, hat nicht einmal mein Vater widersprochen.

    • Wenn das Bill Clinton liest
      Wo er doch gerade Hilary empfiehlt Angela Merkel nachzueifern, wegen dem Charisma.

      Ein Gentleman dieser Bill.

  11. Bauer suchte Frau?
    Was ich aber zu erwähnen unterließ, war die kleine Episode, wie ich den vorherigen deutschen Botschafter in Den Haag traf. In meinem Tagebuch steht das so:
    .
    As usually I bicycled to Den Haag, bought the FAS and read it while eating a bagel in the bagelshop there. I always come by the German ambassador’s representative house across het Binnenhof. On the way back, I watched with surprise that the French doors to the little balcony of the ambassador’s house opened, and the German ambassador stepped out and look around. I have never seen anybody on that balcony or at the windows. I fall almost from the bicycle laughing. The ambassador was naked on the top, though it was rather cold. He looked like ‚Bauer sucht Frau‘, that is exactly like the half naked beur one on the title page of the NRC magazin on that very weekend.
    .
    For the rest of the trip home I speculated why the half naked ambassador stepped on the balcony in the middle of a cold February Sunday afternoon looking like he needed a bit of fresh air after a lot of sex…..

  12. Ja, jetzt hat der werte Don es den Piraten nochmals richtig gegeben...
    … und mit gewohnt brillanter Schreibe auf die Leiche gehauen was das Zeugs hält.

    Ich hätte allerdings sehr viel lieber gelesen, wie Don denn der siegreichen Mutti schmackhaft machen würde, die unübersehbaren Missstände anzugehen?

  13. Dies ist keine Besserwisserei, sondern eine Bitte um mehr Sorgfalt
    Hervorragende Analyse, lieber Don, aber tun Sie doch bitte sich und Ihren Lesern den Gefallen, Ihre Texte etwas gründlicher Korrektur zu lesen, bevor Sie sie freischalten. Gerade von Ihnen, der wie kein zweiter das in bayerischen Klosterinternaten gelehrte Alte mit der neuen Netzwelt zu verbinden weiß, möchte man keine Sätze lesen müssen wie diesen: „Und wenn sie nicht sind, werden es eben andere tun.“ Das ist auch im Zusammenhang nur auf den zweiten Blick verständlich, und es ist nur ein Beispiel aus diesem Beitrag.
    Versorgen Sie uns weiter mit Ihren klugen Gedanken, aber bitte geben Sie ihnen die Form, die sie verdienen.

  14. Ein Einwand zur Sexismus-Debatte
    Dieser Streaming-Anbieter hatte sich eine eigene Meinung gebildet, die mich an Victim Blaming erinnerte: Ein gestreamter Vortrag im kleinen Kreis enthielt Screenshots von sogenannten „Hatern“ im Internet. Das bezeichnete dieser Mensch als „Internetpranger“, wie auch oben im Artikellink nachzulesen ist, und nahm das Video runter. Am Ende stellte sich dann heraus, dass genau die „Haterin“, der sich durch diese Veröffentlichung ihres Avatars angegriffen fühlte, von einem Mann erfunden wurde und gar nicht existierte, wie im Blog von Malte Welding nachzulesen ist (Lesetipp!). Das Problem der Piraten an dieser Stelle war meiner Meinung nach einzig und alleine, dass dem von ihnen beauftragten Streaminganbieter die Inhalte nicht gefielen bzw. er fürchtete, für was auch immer haften zu müssen.

  15. Die Piraten sind angetreten, um Politik im IT-Zeitalter neu zu organisieren
    Entweder sie treten zügig den Beweis an, dass das praktikabel ist (zumindest in der eigenen Partei) oder sie sollten sich besser auflösen und bei den etablierten Parteien unterschlüpfen. „Yet another Gender-Multikulti-Party“? Braucht niemand. Wir haben schon zuviele Parteien und sind auf direktem Weg in Italienische oder Weimarer Verhältnisse.

  16. Der Pirat ist wirklich dumm
    Und ganz unfassbar ist, wie die NPD-Forderungen nach „Souveraenitaet“ ploetzlich mainstream werden, jedenfalls bei den traditionellen Gegnern der Revanchisten, denn das diese Leute „Rassisten“ sind ist nur ein bequemes „rotes“ Maerchen.

  17. Zwei verschiedene Dinge
    1: ja, die Piraten haben (wie fast jede Neugründung) den Lakmus-Test der ersten Mandate nicht überstanden und mal wieder bewiesen, dass „dagegen“ sein nicht reicht.

    2: Das Thema Internetpolitik interessiert viele. Aber davon kann ich meine Wahlentscheidung nicht abhängig machen. Warum? Weil keine nationale Regierung, so sehr sie es denn auch will, gegen den Datenklau der NSA und anderer Geheimdienste EFFEKTIV vorgehen können. Ebenso wenig wie Regulierung von Facebook und Co. Das ist durchaus vergleichbar mit dem Klimaschutz: da kann man nationale Trippelschritte machen (die auch gut sind), aber das Problem muss global gelöst werden. Dementsprechend wäre es Wahnsinn, dass als Hauptargument der Wahlentscheidung zu nehmen – und dafür noch diese Albernheiten wie Grundeinkommen, Drogen für alle usw. mitzunehmen.

  18. Wieso
    Sollte es dumm sein, sich dem Dschungelkamp auf Twitter oder Facebook zu verweigern.

    Die Wahlbevölkerung besteht doch nicht aus abgehalfterten Promis.

  19. Vielleicht
    Sollte man den Berliner Politikern einen Umzug ins Steuer-Schlaraffenland empfehlen.
    Da wachsen einem die Steuern von selbst in den Mund.

    Das mühselige betteln „wir sind blind…taub… haben einen Wasserkopf…
    und bitten um eine milde Gabe, würde entfallen.

  20. Hayek lesen oder über ihn schweigen
    „So, wie die FDP auch ihren hayeknahen Flügel der Marktradikalen, Bankenlobbyisten und Mövenpicks.“

    Dass Hayeks Position gerne von Staatsradikalen als „marktradikal“ bezeichnet wird ist ja noch völlig in Ordnung. Die Vermischung mit Bankenlobbyismus und „Steuergeschenken“ (generell ein Unwort) legt aber schon fast zwingend eine äußerst oberflächliche Beschäftigung mit seinem Werk nahe – wenn überhaupt. Nichts für ungut.

    • Pardon, aber für die Überschrift hätte ich den Kommentar beinahe in den Spam getreten. Benehmen Sie sich der gehen Sie.

  21. Die Piraten waren erst naiv, dann wurden sie dumm und entmachtet
    Naiv waren sie, weil sie dachten, dass sie unbehelligt weiter rumwurschteln könnten, wenn sie Ergebnisse über 10% einfahren. Dumm waren die Piraten, als sie die ganzen Pöstchenjäger aus der dritten bis letzten Reihe der Grünen etc. aufnahmen und dachten, die würden sich den naiven Wurschtlern unterordnen und brav mitspielen. Entmachtet wurden die Piraten letztlich, als bei einer maßgeblich aus der Parteikasse finanzierten feministischen Frauenveranstaltung nur eine Meinung als korrekt vorgegeben, Kritiker und Abweichler per ideologischem Saalschutz und Hausverbot rausgeschmissen wurden. Und seit diese ganzen haarsträubenden Entwicklungen und Vorgänge bei den Piraten publik wurden, sie sich mehr mit sich selbst, ihren Geschlechtszugehörigkeiten und zusätzlich mit linksextremen Intrigen-Netzwerken beschäftigten, sind sie abgestürzt.

    Hier nur eines von vielen Beispielen, was für – teils auch einschlägig psychisch kranke – Freaks die Piraten in die Bedeutungslosigleit katapultiert haben:

    > https://tagesprolet.blogspot.de/2013/08/bilanz-oder-ragequits-sind-auch-nicht.html

    Wundert sich da ernsthaft noch jemand über die 2%?!

  22. Pingback: Die vage Zukunft der Piratenpartei | libri logicorum - Wirtschaft und Politik.... logisch

  23. Der werte Don macht es hier aber extrem _unkuschlig_, indem...
    … er offenbar Kommentare mit snobistischer Lässigkeit nur dann wieder mal freischaltet wenn es seiner Hoheit gerade wieder mal passt.

    In den anderen FAZ-Blogs funktioniert das inzwischen längst wieder einwandfrei, also bitte …. !!!

    • Ganze 5 Tage hat es gedauert...
      … bis der Kommentar vom 6.10.13 freigeschaltet wurde :(

    • Das war keine böse Absicht des Kollegen, nehme ich an. Jenen Kommentar (wie auch diesen hier, auf den ich antworte) habe ich mehr zufällig gefunden. Sie machen sich keine Vorstellung davon, was hier pro Tag für Mengen an Spam durchkommen seit der Systemumstellung. Ich weiß, das ist keine Entschuldigung, Kommentatoren schmoren zu lassen, aber es ist auch für uns kein Spaß.

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