Deus ex Machina

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Über Gott und die WWWelt

Komm, wir tauschen Treuekarten!

| 58 Lesermeinungen

Wenn ich im kleinen Supermarkt an der Kasse hinter einem Menschen stehe, der seine Pfennigartikel mit Kredit- oder EC-Karte bezahlt, werde ich unruhig. Und das sollte er auch – aus anderen Gründen.

Man hat in den letzten Monaten einiges über Algorithmen gelesen, die uns klassifizieren, in gute und schlechte Kunden einteilen, die über Kreditwürdigkeit und Telefonverträge entscheiden, und dies aufgrund der Analysen verfügbarer Daten. Sie bestimmen die Kreditwürdigkeit meines Nachbarn oder versuchen, aus dem gegenwärtigen Einkaufsverhalten von Kunden ihre zukünftigen Bedürfnisse abzuleiten. Ein Beispiel, das in den letzten Monaten die beunruhigend erscheinende Macht jener Algorithmen verdeutlich hat, spielte sich – natürlich – in den Vereinigten Staaten ab.

Target, ein Betreiber großer Einkaufszentren analysiert das Einkaufsverhalten seiner Kunden wie viele Einzelhändler auf der ganzen Welt, indem er die an der Kasse bezahlten Waren der einzelnen Kunden speichert. Das Vorgehen ist dabei recht einfach: Ein Kunde weist sich an der Kasse durch seine Kundenkarte aus, über die er vielleicht außerdem Prämienpunkte sammelt, die ihm das anschließende Einlösen dieser Punkte in Prämien gestattet oder einen prozentualen Preisnachlass bringt. Alle nachfolgend (oder vorher) auf das Band gelegten Waren werden mit dem individuellen Kundenkonto verknüpft. Die sich daraus ergebende Historie der Einkäufe und mögliche Änderungen im Einkaufsverhalten der Kunden können analysiert und interpretiert werden.

Der Einzelhandelskonzern kann mit Hilfe der Analyse dieser erhobenen Daten beispielsweise Voraussagen treffen, ob ein bestimmter Kunde – oder besser: eine bestimmte Kundin – schwanger ist. Mit der Zusendung entsprechender Werbeunterlagen kann es gelingen, werdende und junge Eltern für mehrere Jahre an eigene Läden zu binden: ,,Kaufen sie erst einmal Windeln, kaufen sie irgendwann alles bei uns.“ Um diese Käufergruppe zu erreichen, muss man deshalb bei der Zusendung entsprechender Werbebroschüren schneller sein als die Konkurrenz: Die Datenanalysen von Target erlauben eine zuverlässige Identifikation Schwangerer bereits während des zweiten Schwangerschaftsdrittels.

In Minneapolis betrat ein wütender Vater eine Target-Filiale und beschwerte sich beim Manager, ob der Target durch die Zusendung von Prospekten mit Schwangerschaftskleidung und Kinderzimmereinrichtung versuchen würde, seine noch die Highschool besuchende Tochter aufzumuntern, schwanger zu werden? Wenige Tage später räumte er ein Gespräch mit der Tochter ein und ihre Beichte und bestätigte das Ergebnis der Target-Vorhersage. Der Manager rief gerade beim Vater an, um sich für die als belästigend empfundene Werbung zu entschuldigen.

Die Qualität der Analysen und der Vorhersagen steht und fällt mit den Algorithmen und der Menge und der Qualität der Rohdaten, die einem Individuum zugeordnet werden können. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass die oben beschriebene Qualität der Vorhersagen nicht die Ausnahme bleibt, sondern zur Regel wird, sobald sich mehrere Unternehmen zusammenschließen und ihre Daten bezüglich der einzelnen Kunden und Nutzer austauschen oder gemeinsam analysieren; Target verknüpft die eigenen Daten bereits heute mit zugekauften Informationen wie dem Familienstand seiner Kunden, deren Bonität und der Historie der von ihnen besuchten Webseiten. Ein Gedankenspiel dieser Art stellt der bereits 2004 erschienene Kurzfilm Google EPIC dar. Die Autoren greifen die Bedenken gegenüber der Datenanalyse durch große Konzerne im Internet auf, die ihr Wissen verknüpfen und durch Beeinflussung der medialen Realität einige Macht über die einzelnen Nutzern ausüben (können). Schon heute muss eine Webseite als nicht existent gelten, wenn sie nicht im Index von Google aufgenommen oder in den Suchergebnissen angezeigt wird.

Große Unternehmen und Serviceanbieter, bei denen viele Internetnutzer ein (Kunden)Konto besitzen, analysieren das Nutzerverhalten im Netz weit über die eigene Webseite hinaus. Dies funktioniert unter anderem über das Tracking mit Hilfe von Cookies und Social Media Buttons, jenen Knöpfen, die Websurfern ermöglichen, die aktuell besuchte Seite mit Gefällt mir zu markieren oder direkt in der eigenen Timeline zu veröffentlichen. Der Code für diese Buttons wird direkt von den Betreibern geladen, zum Beispiel von Facebook. Dadurch weiß der Anbieter, auf welcher Webseite sich der einzelne Nutzer – der vielleicht in einem anderen Browsertab gerade mit seinem Facebook-Profil angemeldet ist – aufhält, er weiß, welche Webseiten der Nutzer in der Vergangenheit besucht hat und gewinnt damit ein umfassendes Bild. Das gleiche funktioniert mit Werbeanzeigen, sie nennen es Predictive Behavioral Targeting.

Für den Nutzer bedeutet dies, dass er – nach einer Zeitspanne, die der Algorithmus zum Lernen benötigt – keine für ihn uninteressanten Werbeanzeigen mehr angezeigt bekommt. Der Anzeigenprovider registriert kontinuierlich, auf welche Anzeigen der Anwender klickt und er registriert, in welchem Kontext (auf welcher Webseite) das Werbebanner angezeigt wird. Er merkt, wenn der Anwender auf die Werbeanzeige eines Sportwagens klickt, die auf den Seiten zweier Automobilmagazine angezeigt wird und auf die Anzeige eines Abführmittels, die in einem Medizinforum angezeigt wird. Der Werbeanbieter weiß auch: Schweigepflicht gilt nur für wenige Berufsgruppen.

Also?

Wer auf individuell zugeschnittene Werbung verzichten kann, dem bieten Browser-Plugins wie Ghostery die Möglichkeit, das Tracking mit Hilfe von Cookies zu verhindern. Kreativer und deutlich aufwändiger ist der Austausch von Cookies mit anderen Nutzern, mit denen sich darüber hinaus auch Treue- und Payback-Karten austauschen lassen, um dennoch in den Genuss der in den Bonusprogrammen versprochenen Prämien und Preisnachlässe zu kommen. Beides führt zu einer ,,Verschmutzung“ der Daten: Die Webseitenbesuche bzw. die Einkäufe werden einem einzelnen Kundenkonto zugeordnet, doch falls hinter diesem Konto mehrere verschiedene Individuen stehen mit unterschiedlichen Surf- und Einkaufsverhalten, funktioniert das Tracking zwar noch, die Datenanalyse jedoch bringt verfälschte Ergebnisse und verschlechtert damit die Qualität der Vorhersage – insbesondere wenn das System aus bereits aufgezeichneten Daten lernt und versucht, in ihnen autonom neue Muster zu erkennen, die es zukünftig bei der Datenanalyse berücksichtigt.

Die Ergebnisse jener Analysen, denen komplexe Algorithmen zu Grunde liegen, sind gerade so gut wie der Entwurf ebenjener und wie die Qualität der zu analysierenden Daten. Die heutigen Möglichkeiten sind beeindruckend. Während mich vor ein paar Jahren bereits erstaunte, dass eine Bank die Kreditkarte eines Freundes sperrte, weil über diese innerhalb weniger Minuten zwei Transaktionen an mehrere einhundert Kilometern voneinander entfernten Orten getätigt wurden,  deutet die Target-Geschiche an, wohin die Entwicklung geht.

In Oslo, vor einigen Jahren, ging ich mit einem Freund in eine Bar. Er kannte den Barkeeper flüchtig, drückte ihm seine Kreditkarte in die Hand und einige Stunden später gab sie dieser, als wir die Bar wieder verließen, zurück. So feiert und so zahlt man in Norwegen. Gibt es eigentlich Kreditkarten, die von einem Institut herausgegeben werden, das seinen Sitz in einem Land hat, in dem strenge Regeln für den Datenschutz existieren? Ich frage für einen Freund und all jene, die hier im Supermarkt mit Kreditkarte zahlen.


58 Lesermeinungen

  1. verzweifeln kann man nicht nur bei diesen...
    Bei den anfangs erwähnten D’ppen an der Supermarktkasse (bei denen ich auch immer sichtbar den Kopf schüttele), die ihre 13 Euro 98 stolz(?) mit einer Karte bezahlen, ist Hopfen und Malz verloren; die kapieren’s nie.
    Ähnlich wie bei anderen Dingen, die eigentlich jeder wissen sollte (und wissen kann, wenn er will). Die politischen Wahlen zeigen es immer wieder, ebenso das alltägliche Verhalten dieser Leute, die auch noch in der Mehrheit sind. Hauptsache: bequem. Und alles mitmachen, was mir als bequem oder schick oder günstig angeboten wird.

    • Titel eingeben
      Das hat mich in Oslo auch erstaunt, wie leichtfertig man dort seine Kreditkarte einem Barkeeper überlässt.

      Mein Friseur hat gestern erzählt, dass es in Spanien irgendeine Gruppe von Menschen gibt, die sich Chips (oder RFID-Tags) unter die Haut operieren lassen…
      Das habe ich aber noch nicht nachgelesen.

    • Kredit- oder EC-Karte?
      Wie auch immer, hatte mir das Verschwinden des Bargelds schon auf die Liste der Blogthemen für hier gesetzt, als ich las, dass in Griechenland, Spanien und Italien Bargeldzahlungen über einen bestimmten vierstelligen Betrag hinaus verboten wurden. Und ist in Schweden nicht das Bargeld inzwischen mehr oder weniger ganz abgeschafft? Da zahlt man auch Kleckerlesbeträge wie für das Eis am Stiel an der Tanke mit Karte.

      Das mit dem Chip unter der Haut hab ich irgendwo auch gelesen, mal die Bookmarks durchforsten, ob ich mir das abgespeichert habe.

    • Ah, hier haben wirs:
      https://www.banktip.de/rubrik2/20212/2/kontaktlos-rfid-und-finger.html

      und zu Schweden:
      https://www.welt.de/finanzen/article106169026/Schweden-wollen-ihr-Bargeld-abschaffen.html
      (ist also noch nicht ganz so weit, wie ich dachte)

    • Titel eingeben
      In Italien ist die Grenze für Barzahlungen 999 Euro.
      Mein Schneider z.B. hat dann einfach eine Rechnung für die Hose und eine für das Jacket des Anzugs ausgestellt.

    • Spanien
      Ah, danke sehr für den Link.

      Ich finde das ja spannend: Wenn ich nun so ein RFID-Transponder unter meiner Fingerkuppe habe, erkennt mich dann mein iPhone 5S eigentlich noch?

      ;-)

    • @jeeves
      Sie haben den wahren Kern der Sache angesprochen und bezeichnend wie immer ist, dass keiner von fünf Kommentierenden darauf eingegangen ist.

      Es wäre politisch einfach nicht korrekt genug schlicht und einfach die Blödheit der Masse für dieses Problem, bzw. ganz sicher nicht nur für dieses Problem, anzuzprangern.

      Und genau deshalb gibt es gegen alles von Google bis zur NSA keinerlei Mittel… der Zug ist längst abgefahren.

      Austausch von Treuekarten… gehts noch ne Nummer lächerlicher? Da gibts aber-Millionen dieser Karten und 200 die tauschen verderben denen das System?

      Ach Gott, wenn Gut-Menschen damit anfangen irgendein Problem lösen zu wollen gibts immer was zu lachen. Oder zu Weinen?

    • Titel eingeben
      Rechnung? In Italien????? Was soll das sein? ;-)

    • Titel eingeben
      internet > NSA > Guardia di Finanza!
      Immer schön vorsichtig :-)

    • Ach, Tyler...
      Und was außer wohlfeile Distinktionsgewinne soll es noch bringen, ständig mit dem Finger auf „die Masse“ zu zeigen, die noch doofer ist als man selber, hahaaa, sind die bescheuert mit ihren Paybackpunkten, ihren Facebook-Accounts und ihren Kreditkarten-Kleintransaktionen? Das hatten wir hier doch auch alles schon mehrfach, da brauchen wir jetzt keine Fleißbienchen zu verteilen an geschätzte Kommentatoren, die es schon immer gewusst haben wollen – und uns darüber auch in der Vergangenheit schon nicht im Unklaren ließen.

    • Ich zahle gerne mal einen kleinen Betrag mit der Karte.
      Zum Feierabend gegen 17 Uhr habe ich keinen Bock extra zur Bank zu fahren bei der erstmal kein Parkplatz frei ist und ich 3 mal um den Block fahren kann.Ne da renne ich eben in den Aldi und zahle mir mein Abendessen und das Frühstück des nächsten Morgens eben mit Karte. Juhuu ich bin gerne ein Depp.

      Und Stolz bin ich darauf nicht.Aber ich muss mich dafür auch nicht schämen.

    • Jawoll - sowas gibt es.
      Sie tummeln sich ja vorwiegend in Meran, also außerhalb Italiens (die römische Regierung mag das anders sehen). Aber z. B. im Cilent (sehr schön, auch für Radfahrer, es gibt dort Tourenkarten für verschiedene Schwierigkeitsgrade), wo die Camorra die Staatsaufgaben übernommen hat, sieht das ganz anders aus. Sie kaufen bloß ein Gelato oder eine andere Kleinigkeit, legen das Geld passend auf den Zahltisch und verlassen den Laden. Sekunden (ja, tatsächlich nur Sekunden!) später steht der Besitzer, die Verkäuferin mit angstvollem Gesicht atemlos vor Ihnen und nötigt Ihnen Ihr ricevuta-Zettelchen auf.

    • ????
      Fürs Flicken des Fahrradschlauches???

    • Auch wenn sie es nicht glauben werden...
      … weil es ihnen politisch zu unkorrekt wäre, es gibt auch echte Probleme.

      Dinge die ihre Existenz nicht einzig und allein der Blödheit der Vielen verdanken. Und für die es möglicherweise sogar Lösungen geben könnte?

      Aber nett, dass sie sich die Zeit nehmen, ich grüsse Sie auch…

  2. Alles hat seinen Preis
    Das Thema ist interesant, doch nicht neu. Vor Jahren schon war bekannt, daß die EC-Kartenabrechnungen – nicht nur CC – nicht etwa von den ausstellenden Instituten erstellt werden, sondern von Dienstleistern, die sogar in Indien oder sonstwo beheimatet sind. Mißbrauch vorprogrammiert. Happy-Diggits und der ganze Mist dient nur der Auswertung des Kaufverhaltens inkl. Bewerbung, wozu sonst.
    @jeeves, neulich vor mir: 1,78€ per EC.

    • Titel eingeben
      Natürlich ist das nicht neu. Ich frage mich nur, wer die alten Artikel liest. Oder ob das nur innerhalb meiner Filterblase so ist, dass man lieber mit Bargeld in den Urlaub fährt als mit zwei Kreditkarten.

    • Niemand
      liest die alten Geschichten, Herr Fallenbeck, die Verfallszeit ist ja bekannt. Nur ist es, vermute ich, so, daß die meisten nicht über so eine Filterblase verfügen, denn sonst gäbe es ja nicht den Zulauf bei diesen unnützen Freundepotalen. Wer dort aktiv ist, gibt auch seine cc bedenkenlos ab, geschweige denn, daß er sich Gedanken über den Sinn von cookies, temp.dat., flahplayerdat. etc. und deren Verwendung macht, ist er online. Allerdings gehen die Ahnungslosen ja unbeschwerter durchs Leben:-)
      Ohne Kreditkarten geht es in manchen Ländern gar nit mehr, wenn man a la carte reist.

    • A la carte …
      … ist ein wunderschöner Terminus in diesem Zusammenhang.

    • ????
      ….dazu muss man in ihrer Welt extra einen Artikel lesen?

  3. die Story von der Schwangeren und ihrem Vater...
    … ging vor einigen Monaten weltweit durch die Presse, ließ aber schon damals meinen Bullshitalarm durch die Decke gehen. Was für ein Käse, wenn man auch nur kurz darüber nachdenkt, und einzige Quelle für die Anekdote ist ausgerechnet der Entwickler dieses Verfahrens, der die Geschichte der NYT erzählt hat. Kurz gegoogelt, und schon habe ich eine Quelle, die das Märchen haarklein zerlegt: https://www.magillreport.com/Stupid-NY-Times-Watch-All-the-BS-That-Fits-Our-Narrative/

    Unglaubliche Geschichten brauchen starke Belege. Diese Anekdote ist wirklich zu doof, um ernst genommen zu werden.

    • Naja…
      Danke für den Link, den kannte ich nicht. Aber.
      Der Link geht ja nun mit keinem Satz auf die technische Realisierbarkeit einer solchen Vorhersage ein (aus gutem Grund – technisch ist dies nämlich möglich). Vielmehr versucht der Artikel, die Glaubwürdigkeit der Geschichte durch Überprüfung und in Abrede stellen der Plausibilität der Handlungen der teilnehmenden Personen zu widerlegen. Ich stimme der Argumentation in dem von ihnen erwähnten Artikel bestenfalls halb zu.

      Aber mir geht es tatsächlich um etwas anderes, nämlich um die Verdeutlichung der technischen Möglichkeiten, die sich durch die Sammlung und Analyse gewaltiger Datenmengen ergeben.
      Wer etwas in dieses Thema abtauchen will, dem sei folgender Übersichtsartikel empfohlen:
      https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0160791X02000386

    • Der Sinn des ganzen.....
      Recherchieren? Internet Konsumenten?

      Die meisten Nutzer suchen im Intrenet nach Bestätigungen ihrer Meinungen, bzw Vorurteile.
      Egal wie dämlich eine Meinung ist, es findet sich immer jemand der gleicher Meinung ist.
      Wer den Artikel mit der „Schwangeren“ gelesen hat, der konnte sich an der Idee aufgeilen wie wichtig doch auch er selber sein müsse, wenn sich Firmen auch um seine Gewohnheiten scheren! Der Kampf gegen Google und REWE wird zum Lebensinhalt. Natürlich nicht der Kampf „gegen“, sondern die Suche nach weiteren Hinweisen imm Net die auf die eigene Wichtigkeit schliessen lassen. Hinweise, wie dieser Blogartikel eben leider auch nur einer ist…..

      Descartes 2013: Die NSA und der BND speichern meine Metadaten, also bin ich!

    • Jaaa,
      Die NSA und der BND speichern meine Daten, also bin ich!

      Dieses Lebensgefühl unterscheidet sich doch deutlich von den sonst angebotenen
      Wiss. Studien und Statistiken, in denen sich keiner wiederfinden kann.

    • Vermutlich
      Ging es Descartes in seiner Zeit schon genauso.

      Lieber a la carte.

    • Nochmal Descartes
      “ ich weiß, dass ich existiere, ich frage aber, wer jenes Ich ist,
      von dem ich weiß, er ist.“

      Dieser Mann ist zurecht berühmt.

    • Nur mal so nebenbei.....
      … sogar der Precht hat ja mal einen Satz dazu abgelassen, der wirklich gut ist.
      Und wie dem alten Rene kommt man auch ihm mit Unverständnis entgegen… Immer hin muss er nicht nach Schweden ziehen um dort an Lungenentzündung zu sterben, sondern nur ins Öffentlich Rechtliche.

  4. Das Ganze
    Geschehen beunruhigt mich wenig.
    Lästig ist allenfalls das man gezwungen wird dauernd in den eigenen Spiegel
    zu schauen.
    Dieses Schicksal ereilt auch die Betreiber der Systeme.
    Das wird ein feines „Stockholm-Syndrom ‚.

  5. Kommt drauf an
    Ich lebe zur Zeit in Luxemburg, da habe ich eine Treuekarte bei einem Lebensmittelkonzern, der diese Karten direkt an einer Theke ausliefert auf Anfrage, das heisst, sie brauchen keine reelle Adresse oder richtigen Namen anzugeben, da diese nicht nach Hause geschickt werden.
    Das lob ich mir.

    • einfach konsequent
      nenne ich das. Da hat die Treue zum Geldverstecken auf das Brot und Butter-Geschäft durchgeschlagen. Chapeau!
      Sind Sie sicher, geehrter Herr Regisseur, daß kein Gesichtsscanner hinter der Theke versteckt ist?

  6. guter Beitrag..
    ..nur einer Sache widerspreche ich:

    „Schon heute muss eine Webseite als nicht existent gelten, wenn sie nicht im Index von Google aufgenommen oder in den Suchergebnissen angezeigt wird.“

    -> Silkroad

    Google hat auch seine Schwachstellen (:

    • Stimmt
      Da haben sie natürlich Recht. Dergleichen gibt es viel: Webserver, die keinen Hostnamen (www. domain.de) tragen sondern nur über ihre IP-Adresse erreichbar sind. Diese Inhalte sind – sofern sie nicht von anderen Webseiten verlinkt werden – für Suchmaschinen in der Regel unsichtbar und nur einer eingeweihten Benutzergruppe bekannt. Wie Silkroad.

  7. schwer getäuscht
    Alles-Inklusive-Reisen zeigt sich also nun als der wahre Pionier in Sachen Trackingschutz. Und mir waren die Leute immer suspekt. Demütig neige ich mein Haupt.

  8. Gescannte Welt
    Wahrscheinlich wäre es auch möglich, über längere Zeit bar bezahlte Einkäufe über die jeweiligen Einkaufsgewohnheiten (Produkt x immer in Verbindung mit y und häufig z, aber nie Produkt a, etc.) einem hypothetischen Individuum oder zumindest einem Milieu mit einiger Wahrscheinlichkeit zuzuordnen. Immerhin aber zunächst noch ohne Personendaten, möglicherweise aber wiederum in Verbindung mit einem Bild einer Kamera an der Kasse. Und wenn dann doch mal mit Karte bezahlt wird… Was solls, es hat niemanden gekümmert, es wurde genügend gewarnt, nun ist die Büchse der Pandora offen. „Sammeln Sie Treuepunkte? Haben Sie eine Kundenkarte?“, oder jedesmal bei Alnatura, dem superethischen Supermarkt: „Haben Sie eine Payback-Karte?“. Und erstaunlich viele Leute haben dann. Auch jedesmal ein großes Ärgernis: „Sagen Sie mir noch Ihre Postleitzahl?“ Und wie Lemminge oder Zombies sagt die ganze Supermarktschlange vor einem brav ihre Postleitzahl auf, und dann ist man selber dran, und schon leicht angespannt und vergrätzt antwortet man „wofür brauchen Sie die denn, bei einem Supermarkteinkauf?“ und die Kassiererin lächelt höflich und sagt „Sie müssen sie mir ja nicht sagen“ und schon kommt man sich sonderbar vor, die Leute in der Schlange hinter einem kucken auch schon interessiert: da tanzt jemand aus der Reihe. Da gibt es ein Problem. Da hat jemand was zu verbergen.

  9. Titel eingeben
    Das Problem ist doch im Grunde noch weit umfangreicher, denn wenn man Datensparsam ist, kann dies mit fortschreiten dieser Praxis ebenso zu Problemen führen.

    Nämlich dergestalt, dass man einen Risikoaufschlag in Kauf nehmen muss, weil nicht genug Daten für ein ausreichendes Maß an „Gläsernheit“ vorliegen. Dann kommen wir an den Punkt wo man schon suspekt ist, nur weil man seine Privatsphäre schützt.

    • Das passiert schon
      In diesem Zusammenhang fällt mir die Anekdote eines Freundes ein, der einige Monate in den USA gelebt und dort gewohnheitsgemäß viel zu Fuß unterwegs war.
      Da Fußgänger in der Gegend der USA offenbar absolut ungewöhnlich sind, wurde er tatsächlich einmal von einer Polizeistreife wegen ,,verdächtigen Verhaltens“ angesprochen.

    • Titel eingeben
      Fußgänger waren in den USA schon 1980 verdächtig. Allen, die nicht in Auto oder Einkaufszentrum eingebunkert waren, wurden finstere Absichten unterstellt. Daß man auf eigenen Füßen einfach zum Vergnügen spazierengehen und sich die Gegend anschauen könne, war jenseits der Vorstellungswelt – „draußen sind nur Räuber“ oder so.

  10. OMG wo hat denn der Autor diese Fotos her
    Und welchen Bezug haben die zum Thema des Textes??

  11. "Wenn ich im kleinen Supermarkt an der Kasse hinter einem Menschen stehe, der seine ...
    … Pfennigartikel mit Kredit- oder EC-Karte bezahlt, werde ich unruhig.“

    Warum denn das? Wenn der Totalbetrag so klein ist, hat er damit doch nur sehr wenig über sich preisgegeben?

    > „Gibt es eigentlich Kreditkarten, die von einem Institut herausgegeben werden, das seinen Sitz in einem Land hat, in dem strenge Regeln für den Datenschutz existieren? “

    Diese Frage ist leider viel zu ungenau gestellt. Was bedeutet „strenge Regeln für den Datenschutz“ in einer Welt, wo die NSA den weltweiten Datenverkehr (in der BRD über den BND) fast lückenlos abschnorchelt? Selbst wenn die Kreditfirma dicht hält kann die Übertragung der Belastung auf solch verschlungenen Pfaden leaken.

    Diesem ganzen Schlamassel wird ein flüssig aber dünn geschriebener Blogartikel überhaupt nicht gerecht.

    • Titel eingeben
      Die Preisgabe von Daten hat nicht unbedingt etwas mit dem zu zahlenden Betrag zu tun. Interessant ist, dass eben offenbar wird, wo sie sich zur Zeit aufhalten. Für ein solches Bewegungsprofil sind die gekauften Waren uninteressant.

      Dabei muss man natürlich sagen, dass Bewegungsprofile auch ohne die Nutzung von EC- und Kreditkarten einfach anfertigbar sind, wenn sie ein Telefon in der Tasche haben. Dass SIM-Karten in mobilen Telefonen mit Hilfe der Provider sehr gut ortbar sind, macht sich ja auch die Polizei zu nutze.

      Das mit der ungenauen Fragestellung bzgl. der Datenschutzregelungen räume ich ein. Sogar mehr: Datenschutzregelungen allein reichen nicht, wenn ich nicht davon ausgehen kann, dass diese zur Ausführung kommen und nicht verletzt werden. Letztlich haben sie recht: Auch ein bundesdeutsches Kreditkarteninstitut würde an der Problematik nichts ändern.

    • ...in einem Land hat, in dem strenge Regeln für den Datenschutz existieren...
      Sie verkennen das Problem.
      Gesetze gelten immer nur für das eigene Land und selbst wenn wir jetzt mal so albern so sein wollen davon auszugehen, dass ein Staat die eigenen Gestze befolgt, so gilt das keineswegs für alle anderen Länder.
      Die USA zB geben mehr Geld für den „Cyberwar“ aus als für Bildung….
      Was meinen sie denn was diese NSA Leute so den ganzen Tag machen?

    • Titel eingeben
      Die Preisgabe an Daten bleibt sich vollkommen gleich, ob 1 Cent oder 1 Mio Euro. Weil es um die Bewegungsdaten geht, wer wann wo ist.

    • @colorcraze
      Wenn es vollkommen gleich bleibt, ob 1 Cent oder 1 Mio. Euro.

      Das sind doch alles auf Gewinn gerichtete Wirtschaftsunternehmen, wer bezahlt
      am Ende dieses Spektakel, wenn für 1 Cent der gleiche Aufwand betrieben werden
      muss wie für 1 Mio Euro.

      Wenn man übel wollte, sollte man nur noch Cent-Beträge mit der Karte zahlen.

    • Kein Wunder
      Sind die Beobachter überzeugt, dass die Deutschen reich sind, wenn sie nur
      hohe Beträge mit Karte zahlen.
      Was gäbe es überzeugenderes, als wenn alle nur noch für Cent-Beträge einkaufen:
      Da läge doch der Schluss nahe, die Deutschen sind arm.

    • Scheinbar
      Befinden sich nicht nur die Politiker auf einer Geisterbahnfahrt.

      Auch der gemeine Deutsche lügt sich in die eigene Tasche.

    • Pro Kartentransaktion
      selbst wenns nur um ein Tütchen Weingummi geht, sind in Schweden umgerechnet 60 cent fälig, wenn es stimmt, was da kürzlich in der „Welt“ stand. Somit ist klar, wer am meisten davon hat, die Geldströme möglichst komplett zu digitalisieren. Und wie gesagt, das Gejammer der Geldinstitute über entgangene Zinsen für das in Automaten vorgehaltene Bargeld wird auch hierzulande immer lauter.

    • Naja Banken...
      Wer hat das nochmal gesagt: ‚Banking‘ ist notwendig, Banken nicht.

  12. Komm, wir tauschen Treuekarten!
    ich verstehe den Text, ich verstehe die Problematik, aber was genau will uns eigentlich der Autor sagen?

    • Titel eingeben
      Daß man das Berechnetwerden zumindest ein klein wenig aushebeln kann, indem man Daten vermischt mittels Kartentausch z.B. oder noch besser durch Vermeiden von Kartenzahlungen.

  13. Einen Ausblick auf die Zukunft erlebte jemand, der 2006 für die FORTIS Bankengruppe
    arbeitete.

    Dort gab es eine Arbeitsgruppe, die sich mit der für sicher gehaltenen Möglichkeit sowie dem Zeitpunkt beschäftigte, zu dem europaweit das Bargeld abgeschafft würde. Ich glaube zwar nicht an eine schnelle Umsetzung, insbesondere für die immer noch bargeldverliebten Deutschen nicht.

    Aber ich weiss schon, warum ich seit Jahren Kreditkartenzahlung ebenso ablehne, wie Kunden- und anderen elektronische Karten aller Art. Mir reicht schon die Zielgenauigkeit, mit der AMAZON in der Lage war, mir nach wenigen Einkäufen tatsächlich Dinge zu empfehlen, die mich interessieren konnten. Als einige Jahre mit Data Mining Fragen Befasster überrascht mich diese Entwicklung nicht wirklich. Targeting/Kundenbindung war noch 2001 ein verdammt guter Grund, Firmen viele Millionen schwere Oracle-Datenbanken mitsamt Server-Hardware zu verkaufen.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • Titel eingeben
      Es gibt durchaus aktuelle Bemühungen in die Richtung, das Bargeld abzuschaffen.
      Ich möchte hier nur kurz auf den Link verweisen, den Marco Settembrini in einem der oberen Kommentare eingebracht hat:
      https://www.welt.de/finanzen/article106169026/Schweden-wollen-ihr-Bargeld-abschaffen.html

    • Nach allem,
      was ich bisher so zu dem Thema Digitalisierung der Geldströme/Ende des Bargelds gesehen habe, scheint mir eine „Operation Brechstange“ in naher Zukunft nicht sehr wahrscheinlich. Es läuft im Moment zumindest noch mehr über eine Politik der kleinen Schritte an vielen verschiedenen Stellen. In Südeuropa öffnete die Krise das Window of Opportunity, größere Bargeldtransaktionen zu kriminalisieren, in Skandinavien geht es mehr den sanften Weg über die Bequemlichkeit und „wir haben doch alle nichts zu verbergen, oder?“. Dieser Tage stöhnten hierzulande die Verbände der Finanzwirtschaft, wie teuer sie das Bargeld käme, denn für das, was in den Automaten vorgehalten werde, könne man ja keine Zinsen einnehmen. Vielleicht fängt es erst mit den Scheidemünzen an (wogegen es möglicherweise im LEH aufgrund der gelernten unrunden Schwellenpreise auf xy,99 € zu Widerständen kommen könnte, aber auch dagegen ließen sich Kostenargumente anführen), und irgendwann ist dann selbst der Imbisswagen in der völligen Prärie mit einem Girocard-Terminal ausgestattet…

    • @Marco/Fallenbeck: Ja, die Gefahr der kleinen Schritte besteht.
      Sie passt auch zum Trend des behüteten Kindergartens in allen westlichen Gesellschaften. Bequemlichkeit, Umweltschutz, Integration, Terrorismus, psychische Krankheiten – der Mensch ist von Gefahr und Bedrohung umzingelt und vertraut mangels Familien- oder sonstiger Bindungen immer mehr auf den Staat, doch bitte auf ihn aufzupassen.

      Da ist der schleichende Bargeldverlust nur ein kleiner Baustein, der durchaus nicht nur von Interessen des Staates oder der Wirtschaft getrieben wird.

      Wir sind auf dem Weg der Selbstentmündigung bisher schon weit vorangekommen.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Aber, aber
      Wer wird denn …sooo…herzlos sein, Hänsel und Gretel im finsteren Wald auszusetzen.

  14. Die wahren Gefahren der Informationsverarbeitung liegen doch an ganz anderer Stelle.
    Die Werbeflut hat, zumindest bei mir, längst zu totaler Ignoranz geführt.

    Allerdings sind dieselben Mechanismen auch sehr gut geeignet, gesellschaftliche Entwicklungen vorherzusagen und entsprechend zu reagieren – die Gesellschaft zu manipulieren. Indem ich dies schreibe, nehme ich, wie alle, die im Internet ihre Meinung verbreiten, bereits teil an diesem Prozeß.

    Und das ist doch weit gefährlicher, als ein wenig Werbung, oder?

    • Die Gesellschaft
      in ihrem Intersse zu manipulieren wollen alle. Daher die Milliarden Investitionen.

      Dass der gemeine Nutzer noch schneller übersättigt ist, als der Hochfrequenzhandel
      der Banken sich träumen lässt, war nicht vorgesehen.

  15. Das Monstrum kam aus der Mitte der Gesellschaft
    Ein FAZ.net – Artikel über die Neueste Hitlerbiographie.
    Dazu ein Leserkommentar:
    „Ich habe mich schon immer gewundert wie damalige Politiker ernsthaft Glauben konnten,
    dass es möglich wäre Hitlers Radikalität zu zähmen, dass sie ihn parlamentarisch
    „einrahmen“ und sogar politisch instrumentalisieren könnten.
    Was haben diese Leute am Ende der Weimarer Republik eigentlich geglaubt wen
    sie da vor sich haben?“
    Einfach Hitler durch Google, Facebook und NSA etc. ersetzen und es stimmt wieder.

    Dann kann man fröhlich weiter auf den kleinen Mann/Frau schimpfen, die so dumm
    sind das Angebot anzunehmen.

  16. Nicht nur Norwegen,
    dem Barmann seine Kreditkarte zu geben, um ein „Tap zu oeffnen“ ist auch in den USA (und ich nehme an in vielen anderen Laendern) durchaus ueblich. Gerade in unuebersichtlichen Bars (in Gegenden mit Zechprellern) ist das auch recht praktisch; die Alternative waere ja, jedes Getraenk separat direkt zu zahlen. Man kann die Rechnung am Ende auch durchaus bar bezahlen, was einige auch tun. Die Karte ist dabei nur Pfand. Ohne unterschriebenen Beleg hilft die Kreditkarte der Bar ja auch eher wenig. (Klar, Unterschriften kann man faelschen, aber eine solche Bar waere vermutlich nicht lange im Geschaeft.)

    @Tyler: “ Die USA zB geben mehr Geld für den „Cyberwar“ aus als für Bildung…. “
    Wo haben Sie denn diese Weisheit wieder her? Soviel ich weiss gibt kein Land (=Bund+Staaten+privat(!)) der Welt mehr Geld fuer Bildung aus, obwohl es zweifellos Beispiele hoeherer Effektivitaet gibt.

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