Schlaflos

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Das Familienblog der F.A.Z.

06. Jul. 2020
von Sonia Heldt
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Eiskönigin, Soy Luna, Julien Bam – brauchen Kinder Idole?

Karol Sevilla, die Darstellerin aus „Soy Luna“, wurde durch die Serie weltberühmt und kann sich über 12 Mio. Follower auf Instagram freuen

Maya (12) ist schwer mit der Neugestaltung ihres Zimmers beschäftigt. Sie reißt sämtliche Soy Luna Poster von Kleiderschrank und Wänden und schmeißt sie zerknüllt in den Papierkorb. „Willst du auch das große Bild an der Decke über deinem Bett abhängen?“, frage ich. Maya nickt und ich erinnere mich daran, wie ich vorletztes Jahr auf Knien auf ihrem Hochbett herumgerutscht bin und hoffte, das Lattenrost würde unter mir nicht zusammenkrachen, während ich das riesige Poster von Ruggero Pasquarelli und Karol Sevilla – den Stars der argentinischen Disney-Serie – mit unzähligen Tesafilm-Streifen befestigte. „Mach es ganz fest, damit es hält und nie mehr abgeht“, bat meine Tochter mich damals. Nachdem ich das bunte Maxi-Poster bombenfest angeklebt hatte, kletterte Maya in ihr Bett, legte sich auf den Rücken, verschränkte die Arme unter ihrem Kopf und starrte selig an die Decke, von der ihr ihre Idole fröhlich zulächelten.

Aber nun ist das Ende von Luna, Matteo, Simón und Amber – wie die Stars in der Telenovela heißen – in Mayas Zimmer besiegelt. Es war abzusehen und eigentlich überfällig. Schließlich lief die allerletzte Folge der finalen Staffel bereits vor eineinhalb Jahren. Die Einschaltquoten der 3. Staffel waren offensichtlich so schlecht, dass der Sender die Ausstrahlung bereits nach wenigen Folgen stoppte und die Serie in die App verbannte. Doch Maya hielt ihren Idolen, allen voran Hauptdarstellerin Karol Sevilla, auch nachdem der große kommerzielle Hype längst vorbei war weiterhin die Treue. Bisher hat Maya noch niemanden gefunden, der Karols Platz einnehmen könnte.

Kinder suchen sich schon sehr früh Vorbilder, an denen sie sich orientieren können. Somit stellen wir, die Eltern, die ersten Idole im Leben unserer Kinder dar, dicht gefolgt von älteren Geschwistern. Maya vergötterte ihre dreieinhalb Jahre ältere Schwester Lara bis ins Grundschulalter. Lara funktionierte wie ein Filter, der ihrer kleinen Schwester Vorlieben und die Art zu spielen vorkaute. Was Lara gut fand, fand Maya auch gut. Wenn Lara mit ihrer Tanzgruppe auftrat, stand Maya staunend am Bühnenrand und prägte sich die Tanzschritte ein, um zu Hause „Genau wie Lara!“ zu tanzen. Lieblings-Kleidungsstücke, die Lara zu klein geworden waren und nach einiger Zeit in Mayas Besitz übergingen, lösten bei Maya so gut wie immer Begeisterungsrufe aus: „Die Jeansjacke hat Lara immer mit ihrem weißen T-Shirt und einer Kette getragen! Genauso will ich die auch anziehen!“ Doch je älter Maya wurde, desto mehr entwickelte sich ihr eigener Geschmack und sie grenzte sich von der Schwester ab, um sich neuen Idolen zu widmen.

Wie fast alle kleineren Kinder, identifizierten sich meine beiden Töchter mit Figuren aus Film und Fernsehen. Disney-Filmfiguren waren besonders beliebt. Maya bewunderte die geheimnisvolle Eiskönigin, die lustige Arielle und Rapunzel mit ihrem wunderschönen Haar. Lara sah sich eher als belesene Belle oder unangepasste Merida. Nachdem Maya „Küss den Frosch“ gesehen hatte, wollte sie kochen lernen und spielte ständig Kellnerin, um wie Tiana später einmal ein Restaurant aufzumachen. Dann wechselte sie ihren Berufswunsch und wollte Polizistin werden, nach Vorbild des taffen Hasen-Mädchen Judy Hopps aus Zoomania. Später verehrte sie Mal, die Tochter der bösen Maleficent aus den Descendants Filmen, wegen ihrer coolen Art und ihres Styles. Wem Maya gerade nacheiferte, konnte man stets an ihrer Zimmergestaltung, ihren Berufswünschen und ihren Klamotten ablesen.

Im Sommer 2016 lief die erste Soy Luna Staffel auf Disney Channel an. Hauptdarsteller: Ein Mädchen namens Luna, auf der Suche nach ihrer wahren Identität und weitere gutaussehende junge Menschen, die gemeinsam Musik machen, singen, auf Rollschuhen tanzen, sich verlieben und entlieben. Eine teenagergerechte, bunte Telenovela. Maya, die schon seit ihrem fünften Lebensjahr leidenschaftlich gerne Rollschuhe läuft und bis zu diesem Zeitpunkt für Pearl – dem Erste-Klasse-Waggon aus dem Rollschuh-Musical Starlight Express – schwärmte, identifizierte sich sofort mit der fröhlichen Luna. Pünktlich saß sie abends vor der Glotze, um auch ja keine Folge zu verpassen. Schnell häuften sich die Merchandise Artikel: Advents- und Jahreskalender, Schulplaner, Stifte, Haarspangen, T-Shirts, Rollschuhtasche, Fahrradhelm. Maya trug Lunas Kette um den Hals, schlief in ihrem Soy Luna Schlafanzug in Soy Luna Bettwäsche, tanzte stundenlang mit ihren Rollschuhen zum Soundtrack der Serie vor unserem Haus und schaute sich immer und immer wieder die gleichen Videos im Internet an: Interviews mit den Stars oder die Lieblingsszenen aus der Serie. Sie sammelte die Songtexte aus den Zeitschriften und schmetterte bald sämtliche Lieder lautstark und auswendig mit. Spanisch bezeichnete sie fortan als schönste Sprache der Welt. Argentinien und Mexiko, die Handlungsorte der Serie, wurden zu ihren Sehnsuchtsländern, die sie irgendwann einmal bereisen würde. Dann gingen die Darsteller mit einer eigenen Show auf große Europa-Tour. Maya träumte davon, Karol Sevilla live zu erleben und vielleicht sogar ein paar Worte mit ihr zu wechseln. Sie bettelte verzweifelt, ich möge mit ihr ein Konzert besuchen.

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06. Jul. 2020
von Sonia Heldt
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29. Jun. 2020
von Chiara Schmucker
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„Tschüs, Wawa“ – ein Zweijähriger nimmt Abschied

Was passiert wohl, wenn der Sessel eines Tages leer ist?

„Sterben ist nicht so einfach“, sagt die Tierärztin mitfühlend, als wir vor zwei Wochen zum dritten Mal innerhalb weniger Tage sehr niedergeschlagen in ihrer Praxis auftauchten. Wir wollen, müssen unserem Hund helfen zu sterben. Er ist todkrank, die Nieren haben ihre Arbeit eingestellt, und seit Tagen hatten wir zu Hause gehofft, dass er diesen letzten Schritt bei uns alleine schaffen möge.

Es waren Tage, an denen wir unseren Sohn Max an der Hand nahmen, uns vor das Körbchen des Hundes knieten und unserem Kleinkind in seinen Worten zu erklären versuchten, was passieren würde. „Der Wawa ist krank“, sagten wir. „Er hat ein Aua im Bauch.“ Und: „Der Wawa kann nicht mit dir spielen.“ Es waren Nachmittage, an denen unser kleiner wilder Sohn lange still am Körbchen stand und unseren Hund mit großen Augen anschaute. Mitten im Spiel unterbrach er sich, zeigte auf den Hund und sagte: „Wawa Aua“.

Es waren Abende, an denen mein Mann und ich uns von unserem Freund verabschiedeten, wenn Max im Bett war. Leise, verzweifelt, traurig.

Wie erklärt man einem nicht einmal Zweijährigen, dass das so lieb gewonnene Haustier sterben wird? Wenn sterben gar kein Begriff ist, wie ich an dieser Stelle vor einiger Zeit beschrieben habe? Damals, als es um tote Insekten ging, sagten wir manchmal, diese seien „kaputt“, wenn Max auf sie trete. Für unseren Hund fanden wir das unpassend – und außerdem hat Max gerade gelernt, dass man etwas Kaputtes meist wieder reparieren kann. Bricht bei seinem Bagger ein Teil ab, will er sofort den Opa anrufen, weil der bei uns in der Familie fürs Reparieren zuständig ist.

Max kennt keine Regenbogenbrücken, über die Tiere vielleicht gehen. Der Himmel ist für ihn für Flugzeuge und Vögel reserviert, nicht für Hunde. Wir erziehen Max nicht religiös und haben noch nie von Gott gesprochen. In einem Moment der Trauer zum ersten Mal damit anzufangen, erschien uns irgendwie zu spät. Und macht den Verlust ja auch nicht weniger schmerzlich.

„Wenn Gott alles sieht, warum hat er dann die Mia vergessen“, schluchzte meine sechsjährige Nichte, als sie nur wenige Tage nach unserem Hund Abschied von ihrer Katze nehmen musste. „Hat er uns nicht lieb, dass er uns so wehtut? Haben wir etwas falsch gemacht? Warum soll die Mia auf Gottes Schoß kuscheln – sie kann doch auf meinem kuscheln, ich war ihre beste Freundin.“ Meiner Schwester brach es fast das Herz, ihr Kind so verletzt zu sehen. Und alle ihre Erklärungsversuche beschrieb sie später selbst als „kläglich“.

Sterben ist einfach oft so unfair, es geht immer zu schnell oder zu langsam, es wirkt anachronistisch in unserem Leben, das sich normalerweise so stetig nach vorne bewegt. Niemand lässt einen Hund, eine Katze oder ein Meerschweinchen gerne gehen, selbst wenn es für das Tier ein langes und letztlich aussichtsloses Leiden verkürzt.

Auch für Kinder ist der Tod existenziell – und doch kaum zu begreifen. In der Bibliothek gibt es nicht viele Bücher zum Thema Tod und Kleinkinder – ich packe alles ein, was ich finde, das meiste ist Literatur für Kita-Erzieherinnen und Erzieher. „Säuglinge und kleine Kinder unter drei Jahren sind bereits im Stande, so etwas wie Trauer zu empfinden“, lese ich da, und dass sie mit ihren Bezugspersonen mitleiden und mit Weinen oder Änderungen im Schlaf- und Essverhalten reagieren. Kinder, die enge Bezugspersonen verlieren und den Verlust nicht kompensieren können, können sogar daran sterben, lese ich. Sie haben kein richtiges Zeitverständnis – eine kurze Zeit kann sich für sie sehr lang anfühlen, ihre Trauer verläuft oft in Wellen und kann auch Monate nach dem Verlust wieder aufbrechen. Sie leiden körperlich, weil sie noch keine Worte haben, ihren Schmerz auszudrücken.

Ich leihe ein Buch über ein Meerschweinchen namens Herr Muffin aus, das so alt ist, dass seine Nase grau geworden ist und der Bauch schrecklich weh tut. Max und ich verabschieden uns von der kleinen Raupe Schmatz, die eines Morgens einfach nicht mehr auf das Rütteln ihrer Freundin an der Blume reagiert. Wir lesen in „Die besten Beerdigungen der Welt“, dass man alle toten Tiere beerdigen kann – ob Biene, Spitzmaus oder Hering aus dem Kühlschrank. Ich bin begeistert, wie ehrlich und ungeschönt die Kinderbücher den Tod beschreiben, nur ist das meiste für Max noch zu schwer verständlich.

Wir können und müssen ihm nicht viel erklären, aber wir wollen ehrlich sein. Ich will keinen Euphemismus von „der Hund schläft ganz tief“ benutzen, weil ich befürchte, dass Max sonst abends nicht mehr ins Bett will, aus Angst, dann selbst nicht wieder aufzuwachen.

„Sag dem Wawa Tschüs, Max“, sage ich zu Max, kurz bevor mein Mann und ich mit unserem Hund den letzten Gang antreten. „Du weißt, der Wawa ist krank. Er sagt dir auch Tschüs. Er kommt nicht wieder.“ Max bleibt bei meinen Schwiegereltern und backt Sandkuchen, während wir beim Tierarzt halten, streicheln und warten. Während Max’ Mittagsschlaf bestatten wir den Hund im Garten und pflanzen eine große Blume darauf. Einem älteren Kind hätte ich die Möglichkeit gegeben, sich noch einmal von dem toten Tier zu verabschieden, wenn es das gewollt hätte, um zu merken, wie kalt es geworden ist, dass es nicht lebendig vergraben wird – das war nämlich meine größte Angst beim Tod meiner Oma. Ich musste sehen, dass kein Leben mehr in ihr ist, auch wenn ich mich davor fürchtete, „sie dann so in Erinnerung zu behalten“, wie ich so oft gehört hatte. Ich habe sie natürlich nicht so in Erinnerung behalten. Wenn ich an sie denke, erinnere ich mich an ihre Direktheit, ihre Klugheit und Neugier und ihren Witz. Wenn ich an unseren Hund denke, erinnere ich mich an seine lustigen Marotten und sein sanftes Schnarchen, wenn er in meinem Arm schlief.

Zwei Wochen ist es her, dass unser Hund gestorben ist – und fast täglich fragt Max nach ihm. „Wawa Opa?“, fragt er. „Nein, Max, der Wawa ist nicht beim Opa. Er ist gestorben und hat dir Tschüs gesagt, erinnerst du dich?“, sage ich. „Wawa düü“, sagt Max. Er sagt es jedes Mal, wenn er an der Ecke vorbeikommt, in der unser Hund sein Körbchen hatte. Ich weiß nicht, ob ihm klar ist, dass der Hund tatsächlich nicht wiederkommt. Der erste Besuch bei Oma und Opa zumindest war schlimm für ihn. Er suchte den Hund und fragte nach ihm. Kürzlich habe ich ihm die große Blume im Garten gezeigt, und ihm gesagt, dass mich die Blume an unseren Hund erinnert. „Himmel“, sagte Max und zeigte nach oben. Ich war überrascht und erfuhr: Mein Mann hatte ihm doch erzählt, dass der Hund im Himmel sei und offenbar gefällt ihm diese Erklärung am besten von allen. Seither haben wir ein neues Spiel: Wir suchen Flugzeuge im Himmel und stellen uns vor, wie unser Wawa darin Loopings fliegt.

29. Jun. 2020
von Chiara Schmucker
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23. Jun. 2020
von Matthias Heinrich
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Helikoptern oder deeskalieren?

Können die das alleine lösen? Oder brauchen sie unsere Hilfe?

Mein kleiner Bruder hatte im Freibad einmal Ärger mit einem älteren Jungen. Den Grund weiß keiner mehr. Auf jeden Fall hatte es der andere richtig auf ihn abgesehen. Es ging so weit, dass mein Bruder Nasenbluten hatte. Meine Mutter ist eine impulsive Frau. Sie ließ sich den Übeltäter zeigen. Als der die Wasserrutsche hinabsauste, wartete sie im Becken auf ihn. Mit ruhiger Stimme ging sie langsam auf den Jungen zu. Und dann knallte sie ihm eine. Anschließend drohte sie dem verschreckten Kerl noch schlimmere Dinge an, sollte er es wagen, eine solche Gemeinheit noch einmal zu begehen. 

Diese Geschichte hat sich Anfang der neunziger Jahre abgespielt. Der alte Bademeister, der schon damals Dienst im Freibad tat, hat sie mir bei einem Heimatbesuch erzählt und zum Schluss gesagt: „Heute könntest du das nicht mehr bringen.“ Er hat recht, zum Glück.

Unser Sohn Theo hat ein offenes Wesen, redet sehr gern und hat jede Menge Selbstvertrauen, noch mehr als mein Bruder damals. Nach unserem Umzug in die fränkische Provinz schloss er schnell Freundschaft mit den Nachbarskindern, insbesondere mit den beiden Jungen. Sie spielten ständig miteinander. Selten gab es Streit. Der Altersunterschied, der Jüngste war damals sechs, mein Sohn fast sieben und der älteste zehn Jahre alt, spielte keine Rolle. Es herrschte Harmonie. Bis Olli dazukam.

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23. Jun. 2020
von Matthias Heinrich
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16. Jun. 2020
von Chiara Schmucker
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Wie viel Spielzeug braucht mein Kind?

Ja, die brauche ich wirklich alle! Statt immer mehr Spielzeug zu kaufen, könnten Eltern auch einfach mal mitspielen.

Kürzlich hatten wir einen alten Schulfreund mit seiner kleinen Familie zu Besuch. Wir Erwachsenen machten es uns im Wohnzimmer auf der Couch gemütlich, für die Kinder breitete ich eine Decke mit Bauklötzen auf dem Boden aus. „Unser Sohn braucht kein Spielzeug“, sagte die Frau meines Schulfreunds da und packte alles wieder ein. Wenige Minuten später stand ihr Sohn neben dem Couchtisch, entdeckte einen Bleistift und machte sich daran, einen guten Malgrund zu suchen. Seine Mutter nahm ihm den Stift weg. Er griff daraufhin nach einem der Magazine – darauf standen leider unsere Getränke. Nur durch einen raschen Griff konnten wir die Gläser vor den Steinfliesen bewahren. Ich war irritiert – was ist denn so schlimm an Spielzeug?

Schaut man auf Instagram, sieht man wunderschön pastellige Kinderzimmer mit Plüschkraken und Geflechtkörben, akkurat bemalte Wände und Blumen neben dem Wickeltisch. Ernsthaft? Es sind Zimmer, in denen kein Kind auch nur drei Minuten allein bleiben würde, denn in Wirklichkeit ist dort gar nichts kindgerecht. Wo sind die Legosteine, Eisenbahnschienen, Puzzle, Bücher und Matchboxautos? „Wie lange braucht ihr, um die bunten Legos zu verstecken?“, fragte dort neulich eine Userin.

Dieser Text soll kein Plädoyer für mehr Konsum sein oder für mehr Plastik in Kinderzimmern, im Gegenteil. Kinder gehören raus in die Natur, ins Freie, auf Laufräder und in den Wald. Sie brauchen nicht viel „echtes“ Spielzeug, sie suchen sich welches. Erstens. Aber es gibt auch wenig Schöneres, als einem Kind zuzusehen, wie es ganz ins Spiel versunken in seinem Zimmer, seinem Reich, angekommen ist. Wo die Phantasie statt die Optik herrscht, das Kind der Dirigent ist und selbst entscheidet, ob die Giraffe, die Oma oder der Polizist auf dem Motorrad fahren darf. (Ich sag nur: Meine Oma, der Hühnerstall, ist klar, oder?)

Unser Sohn Max ist noch keine Zwei und kann sich doch inzwischen schon fast eine Stunde lang mit seinen Duplosteinen, Bauklötzen, Autos und einem gut sortierten Fuhrpark an kleineren und größeren Baggern, Baufahrzeugen, Zügen und Traktoren beschäftigten. Zugegeben: auch ich hätte mir gewünscht, dass sein Spielzeug weniger grell und weniger PS-lastig ausfällt, aber für Max sind Fahrzeuge das Größte. Er brummt, er hupt – Piep Piep – er baut aus Bausteinen Waschanlagen und Autozüge mit Aussichtstürmen. Er stellt im Kleinen nach, was er im Großen sieht. Die Welt, die ihn umgibt, besteht nicht nur aus Pastell, bei Max rummst es, die Autos können fliegen, die Menschen haben Superkräfte.

Mit ist nicht egal, womit mein Kind spielt. Noch bevor Max sitzen konnte, habe ich ihm eine kleine, aber hochwertige Holzeisenbahn gekauft, mit Magnetwaggons und einer Brücke. Einfach nur, weil ich mir als Kind immer eine gewünscht und nie eine bekommen habe. Max’ erste Liebe entbrannte für ein Holzmobile mit Bauernhoftieren, das über seiner Wiege klapperte, wenn er unten mit den Beinchen strampelte. Er spielte mit Löffeln, stapelte Tupperdosen und tauchte im Pekip ein in ein Meer aus Deckeln leerer Babygläschen. In seiner ersten Kita, einer Einrichtung nach dem Konzept der ungarischen Kinderärztin Emmi Pikler, gab es Körbchen, Tücher, Holzringe und Schälchen, dazu Podeste, Kissen und eine Rampe zum Klettern und Rutschen statt richtiger Spielsachen. Und doch dürfen heute in unser Haus gerne auch Plastik, Metall und Gummi einziehen, ob hochwertig oder Marke Überraschungsei.

Spielen in der Natur und mit natürlichen Materialien ist wichtig, es fördert Kreativität und logisches Denken. Doch selbst der Waldkindergarten hier im Ort hat Räume, in denen die Kinder auch drinnen spielen können, mit Puppen, Bausteinen, einem Kaufladen. Spätestens mit der Einschulung findet ein Großteil des Tages drinnen statt –andere Materialien und Spielmöglichkeiten als im Wald von Klein auf kennenzulernen und zu nutzen und sich an eine veränderte Akustik zu gewöhnen, ist daher auch für kleinere Kinder wichtig.

Ob Plastik, Holz oder Tannenzapfen – womit Kinder gerne spielen, hängt auch davon ab, wie Eltern die Rahmenbedingungen gestalten. „Vorbereitete Spielumgebung“ heißt ein Ansatz von Emmi Pikler, bei dem unterschiedliche Spielsituationen im Zimmer aufgebaut werden, sodass die Kinder gleich loslegen können, ohne zuerst etliche Schränke und Fächer zu öffnen oder sich die einzelnen Puzzleteile aus einer Kiste zusammensuchen zu müssen (macht kein Kind). Oft sitzen wir einfach alle zusammen am Boden und spielen gemeinsam, bauen Sofakissen ein oder trockene Nudeln als Baggerladung.

Für Max zählt nicht der Preis eines Spielzeugs, sondern: Wie einsatzbereit ist es? Kann man die Baggerschaufel wirklich beladen? Lassen sich die Räder drehen? Kann man die Autos aneinanderreihen oder aufeinander stapeln? Max’ Lieblingsauto ist momentan das, bei dem er mit etwas Gewalt ein Vorderrad ablösen kann. Dieser vermeintliche Makel macht das Fahrzeug für ihn unwiderstehlich. Hunderte Male haben wir es daraufhin gemeinsam wieder zusammengesteckt. Kaputt ist es noch lange nicht.

Meine größte Angst ist die schiere Menge an Spielzeug – und die häuft sich bei Plastik natürlich viel schneller an, als wenn ein Holzfeuerwehrauto über 150 Euro kostet, was keine Übertreibung ist, wie ich gerade wieder in einem sehr schönen Spielzeugladen gesehen habe. Nichts ist kontraproduktiver als ein Spielzeugschrank, der so vollgestopft ist, dass man gar keine Lust mehr hat, etwas herauszuholen – oder es im Zweifel gar nicht mehr findet. Aber das müssen wir als Eltern regeln, das ist nicht die Aufgabe eines Zweijährigen.

Auch bei uns hat seit Corona das Spielzeug etwas überhand genommen – auf jedem Spaziergang entdeckten wir einen anderen Nachbarn, der gerade seinen Keller aussortiert hatte. Doch nur eines der Fundautos hat es in Max’ Top 5 geschafft – ein Abschleppauto mit einem Haken hinten dran. Weil es etwas kann. Die anderen durfte ich trotzdem nicht aussortieren. Das eine, das gar nichts kann, ist ideal für die Badewanne. Das andere für den Sandkasten. Sogar in den Urlaub durften sie mitfahren in einer ganzen Kiste Autos und Bausteine. Denn so gerne Max draußen tobt, so wichtig sind für ihn auch die Auszeiten und die Ruhe, die sich über ihn legt, wenn er mit seinen Spielsachen steckt und drückt, schiebt und pult. „Ach, verreist das Kinderzimmer jetzt auch mit?“, wurde ich gefragt. Und wenn’s so wäre? Wenn Max zwischen unseren Beinen baggert und Sand in seinem Betonmischer dreht, während wir den Sonnenuntergang beobachten? Wunderschön ist das. Und ich bin mir sicher: Kurz hingeschaut hat er auch mal.

16. Jun. 2020
von Chiara Schmucker
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09. Jun. 2020
von Sonia Heldt
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Wenn Teenager sich nicht entscheiden können

Entscheidungen treffen muss man lernen und üben – auch wenn es keinen Spaß macht.

„Da ist eine E-Mail von der Schule bekommen. Ich muss einen Kurs für die Oberstufe abwählen. Ich habe sonst zu viele Stunden und zu viel Stress“, teilt Lara (16) nachmittags beim gemütlichen Familiengrillen mit. Dass die gesamte Familie gemeinsam einen Tag im Garten zusammenhockt, ist inzwischen nicht mehr selbstverständlich. Lara verbringt ihre Zeit am liebsten mit ihren Freunden oder allein und hält sich nicht mehr unnötig lange bei uns auf. Selten gibt es Gelegenheit, in entspannter Atmosphäre ernsthafte Gespräche mit ihr zu führen, ohne dass sie nach spätestens zehn Minuten genervt die Flucht ergreift. Das ganze Blabla von uns ist ihr zu anstrengend. Nervtötend. Zu viele Fragen. Jugendliche scheuen elterliche Verhöre und erkennen sofort, wenn Eltern versuchen, ein paar Informationen im Plauderton aus ihnen herauszukitzeln. Wer ist denn dieser Leon, der letztens hier war? Auf welche Schule geht er? Und woher kennst du Marta? Was habt ihr den ganzen Abend gemacht? War es nett? Tust du genug für die Schule?

Fragen, die Lara knapp oder manchmal gar nicht beantwortet, je nachdem, wie es ihr Gemütszulage gerade zulässt. Mal ist sie zugänglich und wir kriegen eine Unterhaltung hin. Ein anderes Mal ist jedes an sie gewandte Wort zu viel. Gespräche über ihre Zukunft oder die Schule gestalten sich momentan besonders schwierig. „Mensch, ich bin sechzehn. Ich will meine Jugend genießen“, betont sie. „Da gibt es wichtigere Dinge als die Schule. Und ich kann doch jetzt noch nicht wissen, was ich für den Rest meines Lebens machen will.“ Mit sechzehn malt man sich keine berufliche Super-Zukunft in bunten Farben aus. Mit sechzehn träumt von der großen Liebe. Vom perfekten Sommer. Von Partys und Reisen mit den Freunden. Vom Führerschein. Zukunft findet für die meisten Jugendliche nur kurz- und maximal mittelfristig statt.  

Aber nun hat Lara die Igitt-Schule-Zukunft-Sache auf die Grillplatte gelegt und daher sehe ich es als mein gutes Recht an, dieses Thema nun einmal ordentlich durchzugaren. „Bis wann musst du Bescheid geben? Was willst du abwählen? Du weißt, jedes Fach, das du nun abwählst, kannst du nächstes Jahr auch nicht mehr nehmen. Du musst dich ja hier und heute nicht für einen Beruf oder einen Studiengang entscheiden. Aber dir sollte zumindest klar sein, in welche Richtung du gehen willst, damit du deine Schwerpunkte dementsprechend wählen kannst.“ Corona hat in den letzten Wochen nicht nur unzählige Unterrichtsstunden geschluckt, sondern auch die Termine und Gespräche in der Schule, die zur ersten Berufsorientierung dienen sollten. So wie der Besuch des Berufsinformationszentrums, der eigentlich letzten Monat für die Stufe 9 angedacht war. Dort hätte Lara sich zwangsläufig mit diesen Themen befassen müssen. Auch der Frankreich-Austausch, der ebenfalls wegen Corona nicht stattfand, hätte Lara eventuell bei ihrer Entscheidung, ob sie die französische Sprache auf Dauer weiterführen möchte oder nicht, geholfen. Sprachen, die kann man doch immer gebrauchen. „Also, wie entscheidest du dich? Was wählst du ab?“, fragte ich Lara. Sie zuckt nur die Schultern und macht ein finsteres Gesicht. Sie will in Ruhe ihr Grillsteak und ihre Melone essen und bereut offensichtlich zutiefst, das Thema angeschnitten zu haben. Denn nun hängt sie am Familientisch fest. Zumindest so lange, bis ihr Teller leer und ihr Magen halbwegs gefüllt ist.

Lara bemerkt oft und nachdrücklich, dass sie keine Einmischung in ihre Angelegenheiten wünscht und ihre eigenen Entscheidungen treffen will. „Das ist meine Entscheidung“, sagt sie, wenn ich von ihr verlange, ihr Zimmer aufzuräumen oder sie frage, ob sie wirklich so spät abends noch fettigen Mist essen muss. „Das ist meine Sache, mein Zimmer und meine Ernährung.“  Und dann gibt es die Momente, in denen sie sich die ein oder andere Entscheidung gerne abnehmen lassen würde. Das ist praktisch. Denn wenn sie das Gefühl hat, sie wurde falsch beraten, kann sie dem Berater den schwarzen Peter zuschieben: „Du hast doch gesagt, es ist nicht so kalt und ich brauche keine Jacke. Jetzt friere ich wegen dir.“ Deswegen gebe ich zwar nach wie vor gerne Ratschläge, werfe aber grundsätzlich hinterher: „Das würde ich machen, wenn ich an deiner Stelle wäre. Aber im Endeffekt musst du das selbst entscheiden.“

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09. Jun. 2020
von Sonia Heldt
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02. Jun. 2020
von Martin Benninghoff
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Schön kuschelig autoritär

Sohn und Vater, in harmonischer Eintracht. Aber wehe der Sand geht aus.

Jeder kennt die 1-2-3-Methode in der Kindererziehung. Stellt sich ein Kind bockig an, will es nicht, was Sie wollen, fordern Sie es weiter auf, die Apfelkitsche (gemeint ist der Rest eines Apfels, ein Wort aus meiner NRW-Heimat, in anderen Regionen gibt es dafür andere Bezeichnungen) dennoch in den Mülleimer zu bringen und nicht in der Sofaritze zu entsorgen. Bleibt es bei der Totalverweigerung, zählen Sie langsam und in Zeitlupe bis drei. Sollten Sie bei drei ankommen, ohne dass das Kind das sozial erwünschte Verhalten zeigt,  müssen Sie eine Konsequenz parat haben. Eine Strafe, die sich gewaschen hat. Sonst stehen Sie ziemlich dumm da – und das Kind lacht sich im Stillen kaputt.

Das ist mir neulich passiert. Im Anflug von „strenger Daddy“ zählte ich mich durch die drei Zahlen, und mein dreijähriger Sohn reagierte natürlich überhaupt nicht. Bei der Zahl drei angekommen, fiel mir auf, zugegebenermaßen etwas zu spät, dass ich eigentlich überhaupt nicht darüber nachgedacht hatte, welche Konsequenz aus seiner Blockade folgen sollte. Die pure Erzieher-Hölle. Hastig justierte ich nach und verkündete das harte Urteil, das meinem Sohn natürlich die Farbe aus dem Gesicht weichen ließ: „Dann heute kein Apfel mehr“. Das Weltgericht hatte gesprochen. Die abschreckende Wirkung dürfte sich in Grenzen gehalten haben, vermute ich.

Saublödes Urteil, dachte ich noch. Die Zweifel kamen im Moment der Urteilsverkündung. Warum gerade kein Apfel mehr? Der Junge isst gelegentlich zu viele Haribos, aber Äpfel? Da kann ich doch nur froh sein, wenn er genügend abbekommt. Mir wurde schlagartig bewusst, dass die ungeliebte 1-2-3-Methode ohnehin nur funktionieren kann, wenn man Ziele und Strategien definiert. Wer sich, wie ich, keine Konsequenzen ausgedacht hat oder sich unsicher ist, ob sich diese umsetzen lassen, vergisst die Erziehungsmethode am besten gleich wieder. Selbst der noch unausgebildete Intellekt eines Kleinkindes speichert Inkonsequenz unter der Rubrik Unglaubwürdigkeit ab.

Aber vielleicht muss ich noch den einen Schritt zurückgehen. Die 1-2-3-Methode war mir bis dato immer maximal unsympathisch. Ich hielt sie für autoritär, einen Kasernenhof-Ton dulde ich zuhause nicht, weder bei den Erwachsenen noch beim Kleinkind. Zumal mir solche Töne aus der Kindheit durchaus geläufig sind, wenn auch nicht im eigenen Elternhaus. Manche Elternteile meiner Freunde konnten sich innerhalb weniger Sekunden vom netten Onkel zum autoritären Übervater wandeln – und das war wenig angenehm und bis heute keine gute Erinnerung. Auch deshalb nicht, weil ich wohl damals nicht verstand, woher dieser plötzliche Wandel rührte. Die konkreten Fälle sind längst vergessen, aber solche Verhaltensmuster, Stimmungen und Töne bewahren sich ein Leben lang im Gedächtnis auf.

Vor wenigen Tagen führte ich ein Interview mit einer prominenten Sängerin, die plötzlich, als wir über Kindererziehung sprachen, die 1-2-3-Methode erwähnte. Als etwas Positives, das zwar nicht mehr so richtig modern sei, aber doch ungemein effektiv – und überhaupt, Kinder brauchten Regeln. Dem letzten Gedanken kann ich nur zustimmen, aber wie gesagt: Das autoritäre Gehabe früherer Generationen brauche ich auch nicht, da können sich noch so viele oftmals ältere Männer über „Kuschel-Väter“ und „Softy-Daddys“ lustig machen, das ist mir völlig egal: Autoritäre Verhaltensweisen prägen Kinder mehr als einem lieb sein kann. Erwachsene, die sich heute autoritär gebärden, sind häufig in ähnlichen Kontexten groß geworden. Wer nach einem starken Führer ruft, darf gerne mal in seiner Kindheit kramen, woher das wohl kommen mag. Für mich ist das kein möglicher Lebensentwurf, sondern schlicht ein Irrweg.

Aber zurück zum Kind: Was tun? Kann es gelingen, aus beiden Welten eine Synthese hinzubekommen, die die Nachteile autoritären Gehabes reduziert, die Vorteile einer klaren Regel-Erziehung fürs Kind aber beibehält? Damit die 1-2-3-Methode wirkt, sollten die Schritte und Konsequenzen nicht nur bedacht, sondern auch vernünftig erklärt werden. Bevor man zur Tat schreitet, könnten Sie dem Kind erklären, was Sie vorhaben – und welche Regeln gelten. Erklären Sie, dass Sie es nicht tolerieren, wenn die Apfelkitsche im Sofa landet, und dass da auch Diskussionen nichts nutzen. Dann erläutern Sie kurz, dass das Kind zwei Chancen hat, um das Verhalten zu ändern. Zählen Sie die eins, dann die zwei – erst wenn Sie genügend Chancen und Zeit gegeben haben, kommt die drei. Wenn Sie die Konsequenz schließlich ausgesprochen haben, gibt es keine Diskussionen mehr, keine Erklärungen oder Ablenkungen. Das spart Zeit und Energie – und ist vor allem eine klare Ansage.

Was bei der berühmten Apfelkitsche natürlich nicht gut funktioniert hat, ist die Frage der Konsequenz. Die muss gut beantwortet werden und am besten im Zusammenhang mit dem „Delikt“ stehen. Wenn es darum geht, den Apfelrest zu entsorgen, könnte eine wirksame Konsequenz sein, heute keine Gummibärchen mehr zu bekommen. Da hilft auch kein Zetern mehr! Ein Fernseh- oder Tabletverbot hingegen würde von Ihrem Kind mit Sicherheit mit einem „Warum?“ quittiert werden, und das nicht ganz zu unrecht. Und klar sein muss auch: Wir sprechen hier von Kindern jenseits des dritten oder vierten Lebensjahres, die einfache Zusammenhänge und logische Folgen verstehen können. Nach der Grundschule muss dann aber auch Schluss sein damit – denn sonst zeigt Ihnen der Teenager einen Vogel, auch das nicht zu unrecht: „Was will der Alte denn?“ Und geht dann aus dem Zimmer. Hätte ich genauso gemacht. Nur die Apfelkitsche wäre im Zimmer geblieben, möglicherweise sogar in der Sofaritze.

02. Jun. 2020
von Martin Benninghoff
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28. Mai. 2020
von Tanja Weisz
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Mama verschwindet

Von unseren Eltern müssen wir uns oft in kleinen schmerzhaften Schritten verabschieden.

Ein Besuch im Altersheim unserer Mutter gleicht derzeit einer Kostümparty. Das Outfit liegt in der Desinfektionsschleuse bereit: blaue Plastikhandschuhe, grüner Kittel, Duschhaube, Nasen-Mundschutz und ein Plastikvisier oben drüber. „Du siehst aus wie ein Frosch“ begrüßt mich Mama und lächelt freundlich.

Das ist eine wunderbare Begrüßung, denn dieses Lächeln ist vertraut. In diesen Tagen weiß man nie, was einen erwartet: Desinteresse, Jammern oder Einsilbigkeit, herzliche Freude oder eine brüchige Stimme, die davon spricht, endlich sterben zu wollen.

Mütter haben eigentlich einen Vertrag unterzeichnet, als Konstante bereitzustehen. Als Markierung durch den Dschungel des Lebens, die manchmal hell aufleuchtet und den Weg vorgibt, uns manchmal als Warnsignal in die komplett andere Richtung jagt. Aber sie sind da, verlässlich, oft nervig, liebevoll, übergriffig, voller Macken wie wir auch. Wir kennen sie eben und können uns an ihnen orientieren.

Das ist jetzt vorbei. Mama ist alt geworden und ändert sich zum ersten Mal in einer Weise, die sie uns fremd werden lässt. Jahrzehntelang war sie die perfekte Tochter aus besserem Hause: souverän und selbstsicher, freundlich und hilfsbereit. Ihr Trick in allen widrigem Lebenslagen: Sei nützlich und helfe anderen.

Sie fand immer irgendwo eine bedürftige Nachbarin, für die sie einkaufen konnte, ein vernachlässigtes Schulkind, dem sie bei den Hausaufgaben half, eine krebskranke Freundin, der sie regelmäßig Mut zusprach. Sie hatte immer eine Aufgabe und wurde gebraucht.

Jetzt fällt Mama der Name des Schulkinds nicht mehr ein, die Nachbarin war ihr ja schon immer sehr lästig gewesen und auf den Tod der Freundin reagiert sie mit den Worten: „Ach, jetzt erst?“. Die da draußen sind allesamt unwichtig geworden, sie interessieren sie nicht mehr. Ihre Welt schrumpft, zieht sich auf jene 20 Quadratmeter zusammen, die sie nun im Altersheim bewohnt. Was da draußen ist, hat kaum noch Bedeutung. Wir Kinder drängen uns in ihr Blickfeld, aber wann wird sie uns gar nicht mehr sehen?

Der Unfall eines Verwandten, die Schulprüfung meines Kindes, ihre Wohnung, die aufgelöst werden muss, alles gerät in den Randbereich ihrer Wahrnehmung. Ihre Wirklichkeit spielt sich nur noch in ihrem Ein-Zimmer-Appartement ab. Plus Balkon mit Blick ins Grüne. Dort sitzt sie oft und schaut auf das grün schimmernde Blätterdach eines Kastanienbaums, aus dessen Tiefen Vogelgezwitscher dringt. „Die singen viel lauter als früher“, sagt sie überzeugt und lauscht ihnen andächtig. Diese Stimmen scheinen sie viel eher zu erreichen.

Rausgehen mag sie trotzdem nicht, schon gar nicht jetzt, wo doch alle mit Stoff vor dem Gesicht herumlaufen. Sie versteht auch kaum etwas, wenn die anderen auf Abstand durch ihre Masken murmeln. Sie will auch kaum noch mit anderen reden.

Sie, die früher die Haschbrüder, Mopedrocker und Gefängniswärter, die meine Schwester und ich im Lauf der Zeit so anschleppten, um den Finger wickeln konnte. Die Kollegen, Angestellte und Verwandte über Jahre an sich band. Alle lagen ihr über kurz oder lang zu Füßen. Mama ging auf jeden Menschen zu und entwaffnete ihn mit einem Lächeln.

Jetzt wirkt sie oft ernst, in ihrem kleinen 20-Quadratmeter-Leben. Das scheint sie weniger zu bedrängen als uns Töchter. Wir sehen, was sie verliert, wenn wir die Kisten voller Fotos und Briefen aus ihrer Wohnung holen, die Bücher mit Widmungen, die Reiseandenken. Mutter braucht nur noch ihren Fernsehsessel, ihren Rollator und den Computer, um daran Patiencen zu legen.

An manchen Tagen fühlt sie die Einsamkeit tonnenschwer auf sich liegen, aber sie weiß nicht mehr, was man dagegen tun kann. Ihre vielen Bekannten anzurufen, fällt ihr nur an manchen Tagen ein, an anderen Tagen ergibt sie sich dieser bleiernen Schwere und dämmert darunter weg.

Beim nächsten Besuch macht sie die Tür nicht auf. Also muss sich der grüne Besuchsfrosch schwitzend einen Ersatzschlüssel für das Appartement besorgen und nachsehen, ob alles in Ordnung ist. Mama ist fest im Fernsehsessel eingeschlafen, hat sogar noch ein Beruhigungsmittel genommen und ist wie weggetreten, als ich sie wecke. Es dauert die Hälfte der erlaubten Besuchszeit von einer Stunde, bis sie ansprechbar ist.

Dann sagt sie unvermittelt mit trauriger Stimme: „Wir haben uns doch früher blind verstanden, warum fällt es denn jetzt so schwer, miteinander zu reden?“ Und während ich den Kloß in meinem Hals runterschlucke, bevor ich antworte, plappert sie schon weiter: „Ich hatte so ein gutes Mittagessen heute, es gab Spargel, und dann noch ein leckeres Dessert.“

Sie lächelt beseelt in Erinnerung an ihre leckere Mahlzeit und die Traurigkeit ist bei ihr wie weggeblasen und landet nun in meinen Rucksack, den ich wieder mit nach Hause nehme.

Unser Leuchtturm geht verloren. Noch scheitern wir daran, das auszuhalten.

28. Mai. 2020
von Tanja Weisz
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19. Mai. 2020
von Anneli Pereira
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Wie Kinder sich ihre Freunde aussuchen

Kinder suchen sich ihre engen Freunde früh selbst aus – und vermissen sie jetzt.

Der Satz kam wie aus dem Off. Eben noch tobte Fabian mit seinem Bruder über die Couch und spielte das beliebte „Ich schubs dich, du schubst mich“-Spiel, als er plötzlich innehielt und vor sich hinmurmelte: „Mama, ich vermisse meine Freunde.“

Dass meine Jungs weder Freunde noch andere Familienmitglieder neben meinem Mann und mir in den letzten Wochen gesehen haben, haben sie eigentlich ganz gut verkraftet. Dachte ich zumindest. Immerhin sind sie Zwillinge, da ist der beste Freund ja sozusagen immer mit dabei. Fabian und Tiago geht es sicher besser als Einzelkindern oder Geschwistern mit großem Altersunterschied. Welchen Einfluss der Lockdown tatsächlich auf die Psyche unserer Kinder haben wird, muss noch erforscht werden. Erste Studien geben bereits einen Ausblick: Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) hat mehr als 8000 Eltern mit Kindern im Alter von drei bis 15 Jahren zum Thema „Kindsein in Zeiten von Corona“ befragt. 27 Prozent gaben an, dass sich ihr Kind derzeit einsam fühle. Bei 97 Prozent der Befragten sind die Kontakte der Kinder zu ihren Freunden komplett eingebrochen.

Auch bei meinen Jungs. Anfangs freuten sich Tiago und Fabian über die coronabedingte Kitaschließung. Doch mit jedem Tag, der vergeht, fragen sie häufiger nach ihren Spielkameraden. Aus den Augen, aus dem Sinn? Fehlanzeige! In Gedanken sind die Freunde immer mit dabei. Als Fabian neue Ninjago-Sammelkarten geschenkt bekam, war seine erste Reaktion: „Jetzt will ich doch mal einen Tag in den Kindergarten, damit ich die Noah zeigen kann.“

Noah ist nämlich der absolut aller-, allerbeste Freund meines Fünfjährigen. Und er ist der erste Freund, den sich Fabian selbst ausgesucht hat. Für mein Empfinden nicht die beste Wahl. Noah ist tendenziell noch wilder und verfügt über einen reichen Wortschatz, der das Prinzip Toilettengang beschreibt. Fabian findet das natürlich super. Noah ist ein Jahr älter, Rolemodel und Rudelführer, dem Fabian, aber auch sein Bruder Tiago folgen. „Der Noah hat gesagt…“, damit beginnt eigentlich so gut wie jeder zweite Satz meines Sohnes. Umso schwerer tun sich die Kinder nun, diese Freundschaft in Zeiten von Abstandsregeln und Hygienevorschriften aufrecht zu erhalten. Toben und Raufen fällt jetzt erst einmal aus. Dafür hat Fabian Noah einen Brief „geschrieben“ und ein Ninja-Bild gemalt. Einmal telefonierten die beiden auch, oder besser gesagt, sie versuchten es. Das Gespräch dauerte etwa 30 Sekunden und bestand in erster Linie aus Schweigen. Klar, sie sind erst fünf Jahre alt, aber machen wir uns nichts vor: Ich kenne Männer Anfang 40, die genauso wortkarg am Telefon sind. 

Aber suchen sich Fünfjährige ihre Freunde wirklich schon gezielt aus? Ja, sagen die Pädagogen. Kinder können bereits ab einem Alter von etwa drei Jahren Freundschaften schließen. Als Freund wird aber erst einmal jeder bezeichnet, der verfügbar ist und Spielkompetenz mitbringt. Im Fall von Noah und Fabian hat das mit einer gewissen Affinität zu Ninjas aus Lego zu tun. Wobei das wohl auf viele Fünfjährige zutrifft. 

Aber nicht nur ähnliche Interessen sind entscheidend. Ganz simpel gesprochen, kommt es natürlich auch auf die Verfügbarkeit an. Welche Kinder gehen mit mir in die gleiche Kitagruppe, mit welchen Familien treffen sich meine Eltern gerne? Bei uns ist das nicht anders. Meine Freundin Isabell zum Beispiel hat zwei Söhne im etwa gleichen Alter. Unsere Kinder badeten schon mit 8 Monaten gemeinsam im Planschbecken und gehen sogar in den gleichen Kindergarten. Die Jungs spielen zusammen und freuen sich, wenn sie sich sehen. Doch so sehr Isabell und ich es uns auch wünschen, die besten Freunde werden unsere Kids nicht. All unsere Verkupplungsversuche laufen ins Leere. Das geht sogar soweit, dass Tiago und Fabian die beiden Söhne meiner Freundin nicht zu ihrem Geburtstag einladen wollten. Und das will schon etwas heißen. Die Geburtstags-Gästeliste ist ein sensibles Thema und wird bei uns bereits ab Februar diskutiert (meine Kinder sind im Dezember geboren!). Und wenn Fabian mal richtig böse auf jemand ist, meinen Mann und mich eingeschlossen, spricht er die ultimative Drohung aus: „Dann lade ich dich nicht zu meinem Geburtstag ein!“ Die Kinder meiner Freundin Isabell bekamen am Ende trotzdem eine Einladung. Ansonsten versuche ich mich aus der Freundeswahl meiner Söhne herauszuhalten. Was gar nicht so einfach ist. Denn immerhin muss ich ja meistens noch mit zu den Playdates. Und das bedeutet, dass ich mich mindestens ein oder zwei Stunden an irgendeinem Küchentisch oder auf der Bank am Spielplatz mit anderen Eltern unterhalten muss. Eine Grundsympathie ist da von Vorteil.

In den achtziger Jahren war das noch ganz anders. Ich kann mich nicht erinnern, dass meine Mutter jemals das Haus meiner besten Freundin betreten hätte. Zugegeben, das war auch gar nicht nötig. Ich hatte großes Glück, denn meine beste Freundin wohnte gleich nebenan. Unser Kennenlernen werde ich nie vergessen: Mit drei Jahren (und glauben Sie mir, ich kann mich an diesen Tag wirklich noch erinnern) tauchte zwischen den Tannenbäumen in unserem Garten ein kleines Mädchen mit dunklen Augen und langen braunen Haaren auf. „Wohnst du da?“, fragte ich und zeigte aufs Nachbarhaus. Das kleine Mädchen nickte, und ab diesem Tag waren wir Freundinnen. Wir kochten gemeinsam Grassuppe im Garten, führten meine Hühner spazieren, spielten später Indianer auf unserem Dachboden und dachten uns sogar eine eigene Sprache aus. In unserer Welt hieß sie Tosh-Hiok und ich Mka-Sue. „Der mit dem Wolf tanzt“ war unser Lieblingsfilm.

Ende der vierten Klasse zog Tosh-Hiok, die eigentlich Melanie heißt, mit ihrer Familie weg. Am Abend, an dem die Umzugs-Lkw losrollen sollte, versteckten wir uns auf dem Dachboden, schworen uns ewige Freundschaft und heulten herzerweichend. Jahrelang besuchten wir uns anschließend in jeden großen Ferien, schrieben hunderte von Briefen, die ich alle in einer großen Holzkiste aufbewahrt habe, veranstalteten Mitternachtsparties, schauten in die Sterne und fragten uns, woher wir kommen und wohin wir gehen.  Irgendwann haben wir uns dann nur noch selten gesehen. Jede schlug andere Wege ein, studierte und verliebte sich. Es gab keinen Trennungsschmerz wie damals, als Melanie wegzog. Keine Vorwürfe, Streit oder Wut. Die Freundschaft wurde nur immer leiser und verstummte irgendwann ganz, wie bei einem Fade Out eines Songs. Eines ausgesprochen guten Songs. Dem Sound meines Lebens. Wie es Melanie wohl geht? Ich sollte sie mal wieder anrufen. Schließlich sehe ich gerade an meinen Kindern, wie wichtig und prägend frühe Freundschaften sind.

19. Mai. 2020
von Anneli Pereira
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12. Mai. 2020
von Sonia Heldt
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Wenn sich Vollzeitarbeit nicht mehr lohnt

Kind oder Karriere? Die Rentenversicherung wird ihr diese Entscheidung später vorrechnen.

Letzte Woche habe ich unsere Unterlagen sortiert und neue Ordner angelegt. Dabei fielen mir meine jährliche Renteninformation und eine alte Gehaltsabrechnung aus Zeiten vKi (vor Kindern) in die Hände und ich bekam im ersten Moment schlechte Laune. Ich hatte fast verdrängt, wie gut ich einmal verdient habe. Vor sechzehn Jahren sah es rententechnisch (zumindest auf dem Papier) ganz gut für mich aus: „Sollten bis zum Rentenbeginn Beiträge im Durchschnitt der letzten fünf Kalenderjahren gezahlt werden, bekämen Sie ohne Berücksichtigung von Rentenanpassungen von uns eine monatliche Rente von…“ Damit wäre in ein paar Jahren wahrscheinlich kein Altersruhesitz in Florida drin und auch kein Privatjet, aber ich würde nach damaligem Stand ganz ordentlich dastehen. Meine letzte Renteninformation dagegen: Ernüchternd. Über sechzehn Jahre raus aus der Vollzeitbeschäftigung, dafür lässt einen die Rentenversicherung ordentlich bluten. Geplant war das nicht. Es hat sich einfach entwickelt.

Bevor ich meinen Mann heiratete und mit ihm eine Familie gründete, zog ich zu ihm und pendelte fortan ins Büro, zwei Stunden Stau täglich inklusive. Nach Laras Geburt blieb ich fürs Erste zu Hause. Ein Jahr später bot mir mein Arbeitgeber an, stundenweise im Homeoffice zu arbeiten. Das war 2005 noch nicht ganz so selbstverständlich wie heute. Viele Leute haben mich beglückwünscht: „Das ist ja toll, dass du nicht aus dem Haus musst, dich gleichzeitig um die Kleine kümmern kannst und trotzdem Geld verdienst.“ Nur wer selbst keine Kinder großzieht, hat diese verklärte Vorstellung vom Homeoffice in dieser Kombination. Je kleiner die Kinder sind, desto anstrengender ist es, denn zum unbezahlten Kinder-Fulltime-Job kommen die Homeoffice-Stunden hinzu, die Mann oder Frau sich irgendwie vom Tag abzweigen muss. Es sei denn, man greift auf Oma, Opa, Partner, Kita oder Tagesmutter zurück, die sich um das Kind kümmern, während man vorm PC und am Telefon hängt. Letztere, also die bezahlte Betreuung, sollte dann möglichst nicht den Großteil des mühsam erarbeiteten Gehalts auffressen, sonst bekommt man schnell das Gefühl, man arbeitet nur für die Emanzipation, „um drin zu bleiben“ oder weil man sich wahnsinnig mit seinem Baby oder Kleinkind langweilt.

Im ersten Jahr waren meine Arbeitsstunden noch überschaubar, dennoch wartete ich unter Druck jeden Mittag darauf, dass Lara endlich tief und fest schlief, damit ich mich in Ruhe und konzentriert für ein oder zwei Stunden an den Computer schleichen konnte, um meine Arbeit nicht komplett in den Abend schieben zu müssen. Abends war ich nämlich erschöpft vom Tag mit Kind. Außerdem kam mein Mann immer spät nach Hause und ich hatte keine Lust, dass wir uns nur noch abklatschen. Wenn Lara nach dem Mittagessen in ihrem Bett lag, sah ich das Spielzeug und die Wollmäuse auf dem Boden liegen, das dreckige Geschirr vom Mittagessen in der Spüle, die Wäsche, die unbedingt aufgehängt werden musste, meine ungewaschenen Haare im Spiegel und die Couch, die mir zurief: „Du bist heute wieder so früh aus dem Schlaf gerissen worden. Komm und leg wenigstens für einen kurzen Moment die Beine hoch und vergiss das Chaos um dich rum.“ Ich bin diesem Ruf selten gefolgt.

Nach einem weiteren Jahr stockte ich stundenmäßig auf, fuhr aber freiwillig zweimal die Woche ins Büro, weil ich den Spagat zwischen Kind, Küche und Computer bei der Anzahl der Stunden für nicht machbar hielt. Dafür nahm ich eine Fahrt zu meiner Mutter, die Laras Betreuung übernahm, und den abendlichen Stau mit Kind auf dem Rücksitz in Kauf und war froh, Lara später in einer privaten Kindergruppe unterbringen zu können.

Meine zweite Schwangerschaft, keine drei Jahre nach Laras Geburt, weckt noch heute unschöne Erinnerungen. Die Monate erschienen mir endlos lang. Ich fühlte mich ausgelaugt und war ständig krank. Lara machte die typischen Kleinkind-Infekte durch und ich jeden einzelnen direkt mit ihr. Unser Haus war eine Dauer-Baustelle. Ein lebhaftes Kleinkind mit unerschöpflichem Akku. Pendelei ins Büro plus Homeoffice und Haushalt. Ein Arbeitgeber, der von der zweiten Schwangerschaft nicht sonderlich begeistert war. Mein schlechtes Gewissen, wenn ich nicht bei meiner Tochter war, ausgelöst durch meinen Hormonüberschuss. Noch nie habe ich so viel geheult wie in diesen neun Monaten. Die letzten Schwangerschafts-Wochen schleppte ich mich mit einer furchtbaren Bronchitis und Sinusitis durch die Gegend, hörte auf beiden Ohren kaum noch etwas und konnte aufgrund einer Penicillin-Allergie nicht befriedigend behandelt werden.

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12. Mai. 2020
von Sonia Heldt
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28. Apr. 2020
von Tanja Weisz
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Das liegt ja gar nicht an den Lehrern?!

Schule in Unterhaching: Wer ist erleichterter, dass es wieder losgeht, Schüler oder Eltern?

Es ist still im Haus. Ganz still. Nach sechs Wochen Hausarrest in einer viel zu kleinen Gemeinschaftszelle ist plötzlich Ruhe eingekehrt. Keine laute Musik, kein Dauergequatsche am Handy, keine überfallartigen Raubzüge in der Küche. Mein Kind geht seit heute wieder in die Schule. Nur stundenweise zunächst, im Schichtdienst, mit Schutzmaske und ängstlichem Herzen, aber sie ist immerhin aus dem Haus. Ich habe sturmfreie Bude.

Die Erleichterung darüber ist kaum in Worte zu fassen. Nach sechs Wochen Familien-Dschungelcamp darf ich mein 15 Jahre altes Kind wieder in geschulte pädagogische Hände abgeben. Und meine Dankbarkeit ist grenzenlos.

Klar, irgendwie haben wir die vergangenen Wochen mit Homeschooling auch überstanden und das gar nicht mal so schlecht. Aber es war halt doch kein Homeschooling! Auch wenn dieser Begriff in den Medien in Dauerschleife verwendet wurde und suggerierte, wir verlegen jetzt einfach mal eben die Schule nach Hause und machen ansonsten weiter wie bisher, hatte das, was wir als Eltern zu Hause angestellt haben, nicht viel mit einem zielgerichteten Lehrplan zu tun. Weder hatten wir die nötigen Ressourcen noch die notwendigen  Erklärungen an die Hand bekommen. 
Wo hätte beides auch herkommen sollen, so plötzlich wie diese Pandemie auftauchte? In vielen Büros mag der Umgang mit Zoom, Teams und Skype ja schon eingeübt sein, aber in unseren Schulen, die sich zum Teil nicht mal einen neuen Wandanstrich leisten können, geschweige denn Computer für jeden Schüler und jeden Lehrer, scheint das wie ein Entwicklungssprung vom Ackerbau zur industriellen Revolution.

Technische Fallstricke gibt es reichlich: Natürlich sind nicht alle Lehrer und vor allen Dingen nicht alle Schulen darauf vorbereitet, binnen weniger Wochen ein perfektes digitales Lehrprogramm aus dem Boden zu stampfen. Dabei scheint die Erwartungshaltung sehr groß zu sein, ganz so, als hätte es für diese außerordentliche Situation irgendwo in einer abgespeicherten Datei doch sicher einen Notfallplan geben müssen. Angesichts der schlechten digitalen Ausstattung der Schulen wäre das aber eine Überraschung gewesen. 

Theoretisch hätte man natürlich überhaupt nicht aufpassen müssen bei diesem ganzen Homeschooling-Ereignis. Das Kind ist alt genug, um alle Hausarbeiten eigenständig zu erledigen. Eigentlich. Aber während man sonst dieses dumpfe Brüten über den Hausaufgaben im besten Fall gar nicht zu Gesicht bekommt, weil es erledigt wird, während man selbst bei der Arbeit ist, sprang einen nun die pubertäre Verzweiflung jeden Tag im Homeoffice wie eine Raubkatze an. 

Da war anfangs durchaus auch der Gedanke: Hey, es interessiert mich,  was sie da gerade lernt und wie sie rangeht und überhaupt, vielleicht macht es ja auch Spaß, sich das zusammen anzueignen. (Ein naiver Gedanke, ich weiß es ja jetzt.)

Nach unserer eigenen Arbeit haben wir uns mit Videotutorials und den Schulbüchern  selbst schlau gemacht, um die Lernetappe am nächsten Tag einigermaßen zu überstehen, ohne dass das eigene Ansehen vorm Kind allzu großen Schaden leidet: Wie war noch mal die Formel für das Berechnen des Volumens einer Pyramide, wer stand sich bei der Schlacht von Sedan gegenüber und wie formuliert man ein Bewerbungsschreiben für ein Praktikum auf Französisch?

Ich will es nicht leugnen, es gab Erfolgsmomente, in denen ich meiner Tochter dabei zusehen konnte, wie der Groschen fiel. Und ich die Münze eingeworfen hatte. Aber sie waren nicht allzu zahlreich. Des Öfteren bekam ich stattdessen dünnlippig mitgeteilt, dass man in der Schule ja besser lernen könne, weil man dort die Sachen erklärt bekomme. Dass also offenbar meine ausschweifenden Erläuterungen nicht in die Rubrik gelungene Erklärung fielen. Seltsamerweise. Die meiste Zeit sah ich mich einem unmotivierten, lernfaulen Teenager gegenüber, der sich erst gegen Mittag aus dem Bett und dann an einen Schreibtisch gequält hatte. 

In diesen Momenten dämmerte mir, wie furchterregend es sein muss, morgens um 8 Uhr etwa 30 Exemplaren dieser Art gegenüberstehen zu müssen. Was für eine übermenschliche Leistung es ist, einen mundfaulen Teenagerhaufen zu motivieren, zu bespaßen und in solchen bildungsfernen Schädeln auch noch irgendetwas dauerhaft zu verankern. Kurz: meine Hochachtung vor Lehrkräften ist in diesen Wochen exponentiell gestiegen. Vor allem weil ich an mir selbst feststellen musste, dass man eben nicht jeden Tag in der Lage ist, mit dem eigenen pädagogischen Zauberstab Funken zu sprühen. Bisher habe ich es mir leicht gemacht und Lehrerinnen und Lehrer selbst dafür verantwortlich gemacht, diesen Beruf gewählt zu haben. Die letzten Wochen haben mich jedoch neuen Respekt gelehrt.

Vor diesem ersten neu-normalen Schultag hat meine Tochter viel darüber spekuliert, wie man denn in der Schule Abstand halten könne und ob die Pausenaufsicht wohl die Kinder auseinander treiben werde, ob genug Seife da sei und ob man so eine Maske wirklich den ganzen Tag aufbehalten könne. Als ich unserer Klassenlehrerin als Antwort auf einen Elternbrief viel Kraft für diese Woche wünschte, schrieb sie mir offen zurück: Danke, mir ist aber auch ganz schön mulmig.

Wozu sie jedes Recht hat und was ich bestens nachvollziehen kann, und doch wünscht man sich als Eltern, dass Lehrer an solchen Ausnahmetagen wie Felsen in der Brandung stehen. Weil man selbst ja in den vergangenen Wochen ständig diesen Spagat vollführt hat: Offen über Gefahren der Pandemie zu sprechen, den Kindern aber gleichzeitig keine übertriebene Angst einjagen zu wollen. Sich selbst zusammenzureißen, auch wenn man sich manchmal einfach die Decke über den Kopf ziehen möchte und hoffen, dass am nächsten Morgen dieses verdammte Virus endlich wieder dahin zurückgekrochen ist, wo es herkam. 

Ab heute sind nun endlich wieder andere Erwachsene dran, ständig stark sein zu müssen. Lehrer, die jeden Tag das tun, was wir Eltern in den vergangenen sechs Wochen stemmen mussten: sich zusammenreißen, funktionieren, am besten mit einem Lächeln, das Sicherheit ausstrahlt, damit die Kinder möglichst unbeschadet durch diese Zeit kommen. 

Ich danke euch Lehrern!

28. Apr. 2020
von Tanja Weisz
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21. Apr. 2020
von Sonia Heldt
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Ich wünsche mir, dass ein Wunder passiert

Auch Kinder müssen sich an Corona-Regeln halten: Ein Mädchen mit Schutzmaske steht in Kathmandu vorm Supermarkt an.

Wenn Corona schon für Erwachsene so beängstigend und belastend ist – wie muss es dann erst Kindern gehen? Hier erzählt die zwölfjährige Maya, Tochter unserer Autorin Sonia Heldt, wie sie mit der sozialen Isolation zurechtkommt.

Zuhause bleiben ist so blöd! Es macht mich traurig, dass das Homeschooling nach den Osterferien nun weitergeht. Ich besuche die 6. Klasse eines Gymnasiums in Nordrhein-Westfalen. Mir fehlt es, meine Freundin morgens an der Straßenecke zu treffen und mit ihr gemeinsam zur Schule zu radeln, dort die anderen aus meiner Klasse zu sehen und nachmittags zum Sport zu gehen. Ich liebe den Sport und meinen Verein. Obwohl ich versuche, zuhause fit zu bleiben, fühle ich mich untätig. Und ich hasse den Onlineunterricht!

Als im März verkündet wurde, dass die Schule noch vor den Osterferien geschlossen werden würde, haben sich ganz viele Kinder aus meiner Klasse gefreut. Das konnten meine beste Freundin und ich überhaupt nicht verstehen. Es war doch klar, dass wir dafür zu Hause lernen müssen! Inzwischen findet das keiner mehr toll. Außerdem ist unsere Klassenfahrt wegen Corona ausgefallen: Wie wären vor den Osterferien eigentlich fünf Tage auf eine Burg gefahren. Vielleicht war ich anfangs sogar ein klitzekleines bisschen erleichtert, weil ich mir Sorgen um das Essen in der Jugendherberge gemacht hatte. Ich esse ziemlich viele Dinge nicht und das ist mir manchmal peinlich. Aber dann war die Enttäuschung doch größer als die Erleichterung. Es wäre unsere allererste Klassenfahrt auf dem Gymnasium gewesen und bestimmt wäre es megacool geworden.

Am ersten Homeschooling-Tag habe ich gedacht: „Okay, jetzt kann ich wenigstens ein bisschen länger schlafen“. Das habe ich dann auch die erste Woche getan. Ich bin zwischen neun oder zehn Uhr aufgestanden, habe gefrühstückt und bin zwischen den Aufgaben mit meiner Mutter spazieren gegangen. Die Lehrer haben uns die Aufgaben über die App „Microsoft Teams“ geschickt. Ich war richtig erschrocken, wie viel das war! Ich saß in der ersten Woche fast jeden Tag bis abends an meinem Schreibtisch. Das ist mir ganz schön auf die Nerven gegangen. Manchmal war ich kurz vorm Heulen. Ich hatte das Gefühl, gar keine richtige Freizeit mehr zu haben. Also habe ich meinen Vater gebeten, mich morgens schon um 7 Uhr zu wecken, bevor er das Haus verlässt. Ich habe dann eine Stunde gechillt, gefrühstückt und den Fernseher angemacht, bis meine Mutter gegen acht Uhr aufgestanden ist. Dann habe ich mich an die Aufgaben gesetzt. Das klappte besser und deswegen mache ich es nun, nach den Ferien, auch wieder so.

Die meisten Lehrer schicken ihre Aufgaben ordentlich und übersichtlich in einem Ordner und man kann Fragen stellen. Aber es gibt auch Lehrer, bei denen man merkt, dass sie sich weniger Mühe geben. Das finde ich nicht fair, das ärgert mich. Und es gibt andere Lehrer, die viel zu viel aufgeben und wegen denen man stundenlang nur an einem Fach sitzt, das man eigentlich an dem Tag gar nicht hätte. Es ist nicht einfach, sich alles selber beizubringen. Vor allem Mathe finde ich schwer, so ohne Lehrer. Viele Themen sind ja neu für uns. Ich würde lieber in der Schule sitzen und es erklärt bekommen und in der Pause mit meiner Freundin auf dem Schulhof rumlaufen. Diese Woche werden wir in einigen Fächern zu einer bestimmten Uhrzeit einen Anruf von unseren Lehrern bekommen. Das finde ich gut. Dann sitze ich nicht alleine am Schreibtisch. Es wird bestimmt total stressig, wenn die Schule wieder losgeht und wir dann eine Arbeit nach der anderen schreiben müssen.

Auf der Suche nach Beschäftigung

Nachmittags, wenn ich mit meinen Aufgaben fertig bin, gehe ich in den Garten oder versuche mich drinnen zu beschäftigen. Letztens habe ich im Fernsehen „Das große Backen“ gesehen und bekam plötzlich Riesenlust auch zu backen. Ich habe Haferflockenkekse und Brownies gemacht und mir für diese Woche einen Kuchen vorgenommen. Die Trainer meines Sportvereins denken sich fast jeden Tag eine sportliche Challenge aus. Sie tanzen zum Beispiel einen bestimmten Tanz und wir tanzen ihn nach und senden die Videos an die Trainer, die alle Videos sammeln und in ihren WhatsApp-Status stellen. Oder wir stoppen mit der Stoppuhr, wer sich am längsten im Ellbogenstütz halten kann.

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21. Apr. 2020
von Sonia Heldt
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14. Apr. 2020
von Sonia Heldt
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Nachtaktiv und übellaunig

Nachtaktiv und bei Ansprache übellaunig: Nai Bonet hat als Vampir in „Nocturna“ von 1979 mit Teenagern einiges gemeinsam.

Ich lese gerne die Anzeigen in der Wochenendausgabe unseres Käseblättchens. Letzte Woche las ich eine Anzeige, in der Eltern ihrem Sohn auf sehr sarkastische Art und Weise alles Gute zum achtzehnten Geburtstag wünschten. Sie schrieben, er solle ruhig so bleiben wie er wäre, weiterhin sein dreckiges Geschirr im Zimmer sammeln, chillen und die Nächte durchzocken und bloß niemals auf die Idee kommen, den Rasen zu mähen. Da wusste ich: Es trifft nicht nur mich. Sie sind überall, mitten unter uns – Teenager-Vampire, die unsere Gutmütigkeit und Geduld bis zum letzten Tropfen aussaugen und unseren Kühlschrank leerräumen. Bei Lara fing die Verwandlung letztes Jahr pünktlich zum fünfzehnten Geburtstag an. Mein Kind mutiert immer mehr zu einem Geschöpf der Nacht, das Joghurtbecher und leere Flaschen in seinem Zimmer sammelt, ständig telefonierend am Handy hängt, die Vormittagssonne meidet und die Zähne angriffslustig fletscht, sobald man es wagt, ihre Gruft unaufgefordert zu betreten.

Am Wochenende versammeln sich gerne ihre gleichgesinnten Freundinnen in unserem Keller, um ungestört und unbeobachtet gemeinsam zu kichern, Chips und Pizza zu essen, DVDs zu schauen, im Morgengrauen auf der großen Sofalandschaft einzuschlafen und erst am nächsten Mittag aufzustehen. Die Abgeschiedenheit des Kellers hat für meinen Mann, Maya und mich den Vorteil, dass wir ungestört durchschlafen können. Wenn Lara nämlich in ihrem Zimmer, das an unserem Schlafzimmer grenzt, die Nacht zum Tag macht, ist es aus mit der Nachtruhe. Sie sucht ständig die Toilette auf oder holt sich in der Küche etwas zu trinken und reißt uns damit regelmäßig aus dem Tiefschlaf. Also bin ich dankbar für unseren Keller und dankbar, dass Lara ihre Nächte am Wochenende bisher noch weitestgehend zu Hause verbringt und wir uns (noch) nicht ständig die Nächte um die Ohren schlagen, weil wir sie mitten in der Nacht von einer Party abholen oder uns Sorgen machen müssen.

Während der Schulzeit bleibt meiner Teenager-Tochter nichts anderes übrig, als zu einer menschlichen Tageszeit die Beine aus dem Bett zu schwingen. 7.20 Uhr, das ist montags bis freitags in etwa Laras Zeit, um unter Anstrengungen aus dem Bett zu kriechen. Wenn es gut läuft, 7.10 Uhr. Früher bewegt sie nicht einmal den kleinen Zeh. Da kann ich noch so oft durchs Haus brüllen und sie auffordern, ihren Handywecker endlich auszustellen, der jeden Morgen erfolglos ab 6.45 Uhr in Dauerschleife jault und jeden nervt – außer sie selbst, denn sie wird davon als Einzige nicht wach. Sie nimmt sich jeden Tag aufs Neue vor, zeitiger aufzustehen (weil sie sich z.B. ein besonderes, zeitaufwendiges Styling vorgenommen hat). Es bleibt gewöhnlich bei dem guten Vorsatz. Schon als Baby hatte meine Große einen äußerst komatösen und ausdauernden Schlaf. Einmal eingeschlafen, konnte man sie schlafend aus dem Auto tragen und problemlos in ihr Bettchen oder in den Kinderwagen umbetten. Sie schlief rasend schnell durch und wachte nicht einmal auf, wenn man direkt vor ihrem Zimmer staubsaugte oder die Musik aufdrehte. Selbst während Fahrradtouren nickte sie im Fahrradsitz ein, weil sie das urgemütlich fand. Jede Seite hat zwei Medaillen! Was früher angenehm war, raubt mir heute den letzten Nerv.

Die Schule startet pünktlich um 8 Uhr. Lara verlässt das Haus nie vor 7.50 Uhr, holt ihr Rad und strampelt zur Schule. 2,5 km, mehrere Ampeln inklusive. Ich benötige für die Strecke mindestens 10-12 Minuten, meine Tochter packt sie locker in 8. Zumindest hatte sie bisher noch keine einzige Verspätung auf ihrem Zeugnis. Es war mir immer wichtig, dass meine Töchter nicht mit leerem Magen das Haus verlassen. Ein Kakao oder ein Glas Saft und ein paar Bisse ins Brot, darauf habe ich von jeher bestanden. Aber irgendwann hat Lara einfach aufgehört morgens zu frühstücken: „Wann verstehst du das endlich! ICH-HABE-KEINEN-HUNGER!“ 30 Minuten reichen in der Regel morgens auch kaum aus, um ein einigermaßen passendes Outfit zusammenzustellen, an seiner Frisur zu verzweifeln, mit der kleinen Schwester im Badezimmer einen Revierstreit vom Zaun zu brechen, einen Wutanfall über einen neuen Pickel zu bekommen, Schuhe zu suchen und dann auch noch zu frühstücken. Unter der Woche herrscht bei uns morgens selten harmonische Stimmung.

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14. Apr. 2020
von Sonia Heldt
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07. Apr. 2020
von Chiara Schmucker
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Bitte nicht anfassen!

"Komm mir nicht zu nah" - für Tiere sind Kinder meist weniger vergnüglich als umgekehrt.
„Komm mir nicht zu nah“ – für Tiere sind Kinder meist weniger vergnüglich als umgekehrt.

Wenn mein Sohn Max auf ein Insekt trifft, ist das wie Russisches Roulette – natürlich für das Insekt. Max ist eineinhalb und ist nicht grade zimperlich, wenn er eine spannende Entdeckung wittert. Und Käfer, Bienen, Raupen und Regenwürmer zählen zu den alleraufregendsten Entdeckungen seines momentanen Alltags. 

Kürzlich entfuhr mir ein spitzer Freudenschrei, als ich in unserer Mahonie einen Marienkäfer entdeckte, der gerade dabei war, seine starren Glieder in der Frühlingssonne unserer Terrasse aufzuwärmen. Schon stand Max neben mir, drängelte und wollte direkt zupacken. Ich konnte den ersten Angriff verhindern und versuchte, das Tierchen dazu zu bewegen, freiwillig auf Max‘ jetzt ausgestreckte Hand zu krabbeln. Doch der Marienkäfer stellte sich tot – und so half Max etwas nach. Er drückte auf die gepunkteten Deckflügel, und da war es auch schon zu spät. Noch bevor ich den Tropfen bräunliche Flüssigkeit auf Max‘ Hand sah, wusste ich, dass der Marienkäfer die Neugier meines Sohns nicht überlebt hatte. 

Das gleiche Schicksal haben seither zwei Raupen, zwei Spinnen, drei Feuerwanzen, zwei weitere Marienkäfer und ein Regenwurm erleiden müssen. Wo auch immer Max ein Insekt oder ähnlich großes Tier entdeckt, drückt, zieht, quetscht er daran herum. Erst habe ich erklärt, irgendwann geschimpft. Inzwischen halte ich Max auf Abstand und rette die Tiere auf Mauern oder Blätter, die er nicht erreichen kann. Finde ich bei der Gartenarbeit ein Tier, behalte ich es in meiner Hand und schließe sie schnell, wenn Max‘ Grapschhand sich wieder nähert.

Wie erklärt man einem Kleinkind, dass auch Insekten Tiere sind, die man nicht einfach töten darf? Einem Kind, das mit dem Wort „tot“ noch gar nichts anfangen kann – und auch nichts anfangen können muss? Ich versuche es mit: „Max, schau, der Käfer geht kaputt. Nur gucken, nicht anfassen.“ Es klappt mäßig. „Max, das ist Papa Feuerwanze, er geht zur Arbeit. Das ist Mama Feuerwanze, sie geht auch zur Arbeit, schau wie schnell sie läuft, und das ist das Baby, so wie du.“ Schon besser. Max guckt aufmerksam und behält seine Finger bei sich. Am meisten Erfolg hat mein Mann: „Max, ein Käfer ist ein Tier, wie unser Hund, nur in ganz ganz klein.“ „Wawa“, sagt Max.

Einen Marienkäfer mit einem Hund zu vergleichen – ein kluger Schachzug. Denn Hunde kennt und liebt Max. Er weiß, dass sie zwicken, wenn man ihnen wehtut. Ganz vorsichtig ist er mit ihnen und gluckst vergnügt, wenn er mit seinem Finger behutsam Fell oder Schnauze berühren darf. 

Ich habe mir für meinen Sohn Natur gewünscht, die er anfassen kann, ohne dass ich befürchten muss, dass er Zigarettenkippen, Glasscherben oder Schlimmeres in die Hand bekommt. Dafür sind wir aus der Stadt hinaus ins Grüne gezogen. Ich wusste, dass es das Richtige ist, als ich beobachtet habe, wie ruhig Max im Wald wurde. Wie sicher er sich bewegte und den Geräuschen lauschte. Wie er Vögel in den Zweigen entdeckte und Käfer unter der Rinde alter Bäume. Ich will, dass Max die Natur entdecken und lieben lernt – aber auch respektvoll damit umgeht. Dazu gehört, keine Tiere zu zertreten, Äste abzubrechen oder Blumen abzureißen. 

Als Kind verbrachte ich jeden Sommer in einer Kinderfreizeit im Wald. Vorsichtig mit Tieren umzugehen, brachte es dort sogar zu einer Strophe im Ferienlager-Lied: „Frösche, Krebse, Salamander fangen niemals wir mit’nander“, hieß es da. Wir haben sie natürlich trotzdem gefangen, wollten doch wissen, wie sich so ein großer Frosch in der Hand anfühlt. Seine starken Beine und sein klopfendes Herz spüren. Wir wollten entdecken, untersuchen, alles ganz genau wissen. Die Liedzeile dichteten wir um in „Fangen fröhlich wir mit’nander.“ Nach kurzer Zeit ließen wir die Tiere wieder frei. 

Auch ich habe Schnecken gesammelt und mit Salat gefüttert, wir haben Schneckenrennen veranstaltet und einmal, als einer Schnecke das Haus gebrochen war, habe ich aus Neugier immer weiter daran herumgepult. Die Schnecke ist noch in der Nacht vertrocknet, bis heute habe ich deshalb ein schlechtes Gewissen. 

Ich kann Max‘ Entdeckerdrang also durchaus nachvollziehen, doch ich will ihn in positive Bahnen lenken. Deshalb fahren wir so oft wie möglich in den Wald, locken zu Hause die Katzen unserer Nachbarn mit Leckerli und beobachten Insekten aus sicherer Entfernung. Außerdem habe ich mir in einigen Internetforen Tipps geholt und für Max eine Becherlupe bestellt. So kann er sich die Tiere in Groß anschauen – ohne dass sie in Gefahr sind. Ich habe auch unseren Bücherbestand um das Thema Insekten aufgestockt; seit Corona haben wir ja viel Zeit zum Draußensein und Bücher lesen. „Die kleine Raupe Nimmersatt“ haben wir schon, jetzt kommt „Die kleine Spinne Widerlich“. Ein Buch, das selbst die größten Spinnenhasser gnädig stimmen soll. Mal sehen, was es nützt. 

07. Apr. 2020
von Chiara Schmucker
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31. Mrz. 2020
von Martin Benninghoff
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Notbetreuung: Gutes Recht oder unsolidarische Extrawurst?

Selbst wenn die Kita für die Notbetreuung geöffnet ist: Es ist dort einsamer als sonst.

Mindestens 1,50 Meter Abstand, in die Armbeuge niesen und möglichst häufig Händewaschen – willkommen in einer Kita, wo solche guten Vorsätze garantiert nur Vorsätze bleiben!

Die Verhaltensregeln, die in Zeiten der Corona-Pandemie befolgt werden sollen, sind mit Klein- und Kleinstkindern faktisch nicht einzuhalten. Wenn ein Kind immer auf den Schoß und an die Hand möchte, wird es sich kaum auf Abstand halten lassen, und das wäre im Binnenverhältnis Erzieher-Kind wohl auch kaum angebracht. Kein Wunder also, dass viele Erzieherinnen und Erzieher nicht gerade begeistert sind, dass sie weiterhin Kinder in ihren Kitas betreuen sollen. Wenn auch nur in Kleinstgruppen und im Rahmen einer Notbetreuung für Eltern, die systemrelevante Berufe ausüben. „Berufsgruppen, die zur Aufrechterhaltung des öffentlichen Lebens unverzichtbar sind“, so nennt das hessische Gesundheitsministerium solche systemrelevanten Berufe in Corona-Zeiten.

Meine Frau und ich gehören dazu. Sie, die als Therapeutin traumatisierte und schwertraumatisierte Kinder und Jugendliche betreut, und ich als Journalist, der seine Aufgaben nicht mal eben so nebenbei oder abends erledigen kann und dabei hilft, das Informationsbedürfnis der Bevölkerung zufriedenzustellen. Andere Berufsgruppen: Ärzte, Pfleger, Technisches Hilfswerk, Richterinnen, Staatsanwälte, Polizistinnen, Hebammen und Kinderkrankenhelfer, aber auch Fachkräfte, die nach den Sozialgesetzbüchern oder dem Asylbewerberleistungsgesetz Geld auszahlen und somit dabei helfen, dass Menschen nicht in existenzielle Nöte rutschen. Die Regeln, wer Anspruch auf Notbetreuung bekommt, wurden mittlerweile in den meisten Bundesländern, nicht allen, gelockert: Es reicht, wenn ein Elternteil zur Riege dieser systemrelevanten Berufe gehört. Zuletzt ist Brandenburg nachgezogen.

Die Kitas – so die anfängliche Sorge – könnte die großzügige Bemessung, wer und was als systemrelevant gilt, vor Probleme stellen. Denn natürlich gilt der Schutz vor Infektionen auch für Erzieherinnen und Erzieher. Zudem: Die Tatsache, dass die Ausbreitung von SARS-CoV-2 verlangsamt werden soll, macht es grundsätzlich nötig, Gruppenansammlungen ab drei Menschen zu verhindern. In der Kita-Frage ergibt sich daraus ein Zielkonflikt: Nimmt man die Regeln ernst, müssten die Kinder zuhause bleiben. Will man den Betrieb am Laufen halten und nicht ganz Deutschland komplett stilllegen, müssen die systemrelevanten Berufsgruppen ihrer Tätigkeit nachgehen können.

„Steigende Betreuungszahlen erwartet“

Dass dieser Zielkonflikt nicht größere Welle schlägt, liegt daran, dass bislang relativ wenige Eltern von der Notbetreuung Gebrauch machen: In Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsreichsten aller Bundesländer, sind nach Angaben des Familienministeriums derzeit nur zwischen 2,4 und 4,7 Prozent aller Kinder in den Kitas und der Kindertagespflege notbetreut. Allerdings dürften die Zahlen in diesen Tagen steigen, nachdem die Regeln gelockert und die Gruppe der Berufe vergrößert worden sind.

Wir leben in Hessen und dürfen unseren Sohn seit vergangener Woche in die Notbetreuung schicken – haben die Möglichkeit aber bislang nicht genutzt.

Warum? Eine Antwort fällt nicht ganz leicht, denn wir hätten allen Grund, die Notbetreuung in Anspruch zu nehmen. Die Tage sind derzeit kaum zu organisieren, die Betreuung eines Dreijährigen mit zwei berufstätigen Elternteilen eine – wie sagt sich so euphemistisch – Herausforderung, die sich zumindest stundenweise nicht lösen lässt. Aber der erste Gedanke, der zugegebenermaßen eher meiner Frau als mir kam, war: Das geht in diesen Tagen fast allen berufstätigen Eltern so! Also schaffen wir das auch! Das zweite Argument ist eher rationaler Natur als das vorherige emotionale: Je öfter der Kleine in die Betreuung geht, desto höher ist das Infektionsrisiko für die Kita-Mitarbeiter und für ihn und damit auch uns selbst. Die Argumentation ist eine Mischung aus pragmatischen Gründen und emotionaler Scheu, in solidarischen Zeiten eine Extrawurst anzunehmen, selbst wenn sie einem per Gesetzgeber zugestanden wird.

„Es gibt keine zufriedenstellende Antwort“

Allerdings kommen auch Stunden, in denen wir das Angebot dennoch annehmen müssen, weil es nicht anders geht. Die Betreuung durch die Großeltern fällt vorübergehend aus, die Nachbarn im Haus, die selbst ein Kleinkind zu versorgen haben, helfen, wo sie können – aber sie stoßen natürlich ebenfalls an ihre Grenzen. Und die Babysitterin, die wir ab und beschäftigen, ist eine willkommene Hilfe, aber auch sie muss sich in diesen Tagen schützen. Insofern ist das Argument der Kitas, dass sich die Erzieher wie alle anderen schützen müssen, natürlich richtig – aber es gilt genauso für Menschen wie Babysitter oder Nachbarn, die sich in ähnlicher Weise exponieren würden. In der Frage gibt es deshalb – aus unserer Sicht – keine vollständig zufriedenstellende Antwort, sondern nur eine Abwägung, die man jede Woche und jeden Tag neu begründen muss.

Sollten die Betreuungszahlen in diesen Tagen weiter steigen, kommt es darauf an, die Kleingruppen in Kitas nicht häufig wild neu zu mischen und nicht zu groß werden zu lassen. Im Grunde wäre eine Eins-zu-Eins-Betreuung der sinnvolle Weg, allerdings lässt sich das nicht machen, das gibt der Personalschlüssel in Kitas nicht her. Im Übrigen ist die Notfallbetreuung – bei allen guten Gegenargumenten – ein wichtiger Rettungsanker, nicht nur für berufstätige Eltern in Schlüsselbranchen. So will die Stadt Karlsruhe beispielsweise die Notfallbetreuung auf jene ausdehnen, die von Berufs wegen nicht zur systemrelevanten Gruppe gehören: nämlich dann, wenn Eltern in schwierigen Verhältnissen Überforderung droht und somit das Kindeswohl gefährdet sein könnte. Dass der Frieden in ohnehin gestörten Familiensystemen derzeit einem Stresstest unterzogen wird, ist anzunehmen. Womit wir zugleich die Antwort haben, weshalb der Beruf meiner Frau, Psychotherapeutin, auch und leider gerade in diesen Tagen systemrelevant ist.

31. Mrz. 2020
von Martin Benninghoff
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24. Mrz. 2020
von Sonia Heldt
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Was Kinder von der Langeweile lernen können

„Uns ist langweilig!“ Aber Eltern wissen: Kinder haben herausragende Fähigkeiten, sich selbst zu beschäftigen.

„Was machst du gerade? Mir ist langweilig.“ Diesen Satz höre ich in den letzten Tagen aus gegebenem Anlass wie viele andere Eltern, die mit ihren Kindern zu Hause festhängen, nun etwas häufiger. Maya möchte Federball, Findet-Hubi oder Kniffel mit mir spielen. Ich unternehme gerne etwas mit meinen Kindern, fahre mit ihnen Rad, spiele leidenschaftlich gerne Kniffel und Stadt-Land-Fluss und manchmal auch Federball und Tischtennis, aber ich stehe auf keinen Fall auf Abruf parat. Wenn ich zu tun habe, erwarte ich von Maya, dass sie sich alleine beschäftigt und in diesem Fall nicht nonstop zum Smartphone greift. Einer Zwölfjährigen „Nein, ich habe jetzt keine Zeit für dich“ zu sagen ist natürlich einfacher als einem jüngeren Kind, das nicht immer versteht und auch nicht akzeptieren will, wenn man es abweist. 

Geschwister vereinfachen in dieser Hinsicht vieles. Maya hatte großes Glück. Ihre dreieinhalb Jahre ältere Schwester Lara gab die perfekte Spielpartnerin ab. Lara war schon als kleines Kind ungemein kreativ und fantasievoll. Sie brauchte nicht viel, um sich mit sich selbst zu beschäftigen. Im Sommer reichte ihr ein Gefäß, mit dem sie in Garten Käfer sammeln konnte, oder die Schaukel. Wenn gerade keine Spielgefährtin verfügbar war, unterhielt sie sich angeregt mit ihren Stofftieren oder anderen imaginären Freunden. Das konnte auch schon mal ein Baum sein. Brettspiele oder angeleitete Spiele lehnte sie größtenteils ab. Die waren ihr zu fade, sie lebte lieber in ihrer eigenen Fantasiewelt. Als Maya alt genug war, dass Lara etwas mit ihr anfangen konnte, baute Lara die kleine Schwester wie selbstverständlich in ihre Rollenspiele ein. Zusammen richteten meine Töchter pompöse Puppen-Hochzeiten aus, verwandelten den Garten in ein riesiges Ponyhofgestüt oder bauten sich unter dem Hochbett eine Höhle und spielten „Eingeschlossene Kinder im Schneesturm“. Dadurch war auch ich sehr verwöhnt. Meine Kinder waren immer beschäftigt und ich konnte zu Hause ungestört meine Arbeit erledigen. Zwischendurch baten sie mich höchstens um Verpflegung für ihre Weltreise durch den Garten oder um Taschenlampen, damit sie im Keller Sankt Martin spielen konnten.  

Als Lara langsam in die Pubertät kam, wurden die gemeinsamen Spiele mit der Schwester weniger und Maya mutierte – zumindest spieltechnisch – zum Einzelkind. Immer öfter zog die Langweile bei ihr ein. Maya gehörte zu den wenigen Grundschulkindern, die mittags nach Hause kamen. Fast alle ihre Freundinnen nahmen an der Ganztagsbetreuung in der Schule teil, kamen erst nachmittags nach Hause und hatten anschließend noch diverse Freizeitaktivitäten. Einen gemeinsamen Spieltermin mit Freundinnen zu finden, war manchmal schwerer als einen EU-Sondergipfel einzuberufen: „Montag? Nein, montags kann Lilly nicht. Wenn sie aus der Betreuung kommt, muss sie zum Ballett. Dienstag dann Klavier und Donnerstag Schwimmunterricht. Mittwoch würde gehen, aber erst ab halb fünf, wenn ich sie von der Betreuung abgeholt habe. Aber da hat deine Maya ja Tanzen. Vielleicht kannst du Lilly am Freitag früher aus dem Ganztag abholen? Das haben die Betreuer zwar nicht gern, aber ich frage nach, ob es ausnahmsweise geht.“ Der Alltag vieler Kinder ist oft schon im Kindergarten streng durchgetaktet. Da bleibt wenig Zeit fürs Nichtstun oder Langweile. Dabei ist Langweile nicht immer negativ und eigentlich sehr wichtig. Langweile tut nicht weh. Langweile fördert die Kreativität, das ist wissenschaftlich belegt. Durchatmen und einen Moment für sich alleine haben. Ohne Geräuschkulisse. Selbst entscheiden, was man mit der freien Zeit anfängt. Sich selbst organisieren. Eigene Spiele erfinden. Eigenständig entscheiden, was man unternehmen möchte. Vor einem leeren Blatt Papier sitzen und nicht wissen, was darauf in der nächsten Stunde entstehen wird: Ein Bild? Eine Geschichte? Ein Klebemosaik? Mit selbst zusammengesuchten Materialien etwas erschaffen, ohne Anleitung oder Bauplan. Eigene Ideen entwickeln. Nachdenken. Staunen, zu was man fähig ist.

Leider haben wir Erwachsenen oft das Gefühl, es grenzt an Vernachlässigung, sobald wir unsere Kinder nicht sinnvoll beschäftigen. Dabei müssen wir kein schlechtes Gewissen haben, wenn wir sagen: „Beschäftige dich jetzt mal eine Weile alleine.“ Es tut den Kindern gut. Natürlich brauchen sie Struktur in ihrem Alltag, aber auch unverplante Zeit gehört unbedingt in den Tagesablauf. Und nicht alles, was ein Kind tut, muss einen Sinn oder einen sichtbaren Lerneffekt haben.

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24. Mrz. 2020
von Sonia Heldt
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