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Das Faszinierendste aus Wirtschaft und Finanzen. Prägnant beschrieben und kenntnisreich analysiert von Autoren der F.A.Z. und der Sonntagszeitung.

Ökonomen im Gespräch (3): Carl Christian von Weizsäcker über den Nutzen von Staatsschulden für die schwäbische Hausfrau, die Logik von Nullrenditen und die Bedeutung der Kapitaltheorie

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Staatsverschuldung ist kein Übel, sondern eine zwingende Notwendigkeit, wenn die Menschen sorgenfrei für ihr Alter vorsorgen wollen. Diese provozierende...

Carl Christian von Weizsäcker (Foto: privat)Staatsverschuldung ist kein Übel, sondern eine zwingende Notwendigkeit, wenn die Menschen sorgenfrei für ihr Alter vorsorgen wollen. Diese provozierende These stammt nicht von einem Außenseiter der Zunft, sondern von einem der namhaftesten deutschen Ökonomen. Carl Christian von Weizsäcker hat unter anderem am Massachusetts Institute of Technology (MIT) bei den späteren Nobelpreisträgern Paul Samuelson und Robert Solow studiert. Seinen Ruf verdankt er nicht zuletzt Arbeiten zur Kapitaltheorie, eines sehr komplizierten Teilgebiets der ökonomischen Theorie. Er war Professor am MIT sowie an  Hochschulen in der Schweiz und in Deutschland, Vorsitzender der Monopolkomission und Leiter des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität Köln. Seit einigen Jahren ist er Senior Research Fellow am Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern in Bonn. Er publiziert unter anderem über Wohlfahrts- und Wettbewerbsökonomik, über Umwelt- und Energiepolitik sowie über Grundfragen der Sozialen Marktwirtschaft. Die in diesem Gespräch erörterte kapitaltheoretische Begründung der Staatsverschuldung hat Carl Christian von Weizsäcker mehrfach ausführlich (hier und hier und hier und hier), darunter in der F.A.Z., behandelt.

 

Herr von Weizsäcker, die Renditen von Staatsanleihen aus Ländern wie Deutschland, der Schweiz, aus Skandinavien und den Vereinigten Staaten sind nahe Null. Viele Marktteilnehmer sehen darin den Ausdruck einer Spekulationsblase. Sie sehen darin eine ökonomisch logische Entwicklung. Inwiefern?

Wir haben, global betrachtet, ein hohes Angebot an Sparkapital von natürlichen Personen und von Unternehmen, die Gewinne einbehalten. Dem Sparkapital stehen als Gegenposten die privaten Investitionen und die Staatsschulden entgegen. Die privaten Investitionen sind seit Jahren nicht ausreichend, um das Sparkapital aufzunehmen. Die schwache Konjunktur verstärkt diese Tendenz. Wir haben eine Unterauslastung der Kapazitäten, weil die Spartätigkeit so hoch ist und es an gesamtwirtschaftlicher Nachfrage fehlt, um die Kapazitäten auszulasten.

Wenn es in den Industrienationen keine ausreichende Investitionsnachfrage gibt, warum wandert das Sparkapital dann nicht in die Schwellen- und Entwicklungsländer ab, in denen fraglos ein hoher Investitionsbedarf existiert?

Die Schwellenländer exportieren im Saldo Kapital. Daher sind die Schwellenländer als Outlet für unsere Ersparnisse nicht verfügbar. Das Musterbeispiel ist natürlich China mit seinem enormen Leistungsbilanzüberschuss, der von einem entsprechenden Kapitalexport begleitet wird, der überwiegend in amerikanischen Staatsanleihen angelegt wird. In die Dritte Welt kann man nur tröpfchenweise Kapital exportieren, weil die politischen Zustände in diesen Ländern es sehr unsicher machen, ob man dort eine Rendite erwirtschaften kann. Daher wird dort kaum investiert.

Sie haben in einem Vortrag auf die Situation in Afrika verwiesen: Dort gäbe es genug Wasser, aber kaum eine Wasserwirtschaft, um die Trinkwasserversorgung sicher zu stellen.

Der unternehmerische Erfolg eines Wasserversorgers hängt sehr von der Regulierung ab. Da es in vielen Ländern Afrikas Inflation gibt, besitzt die Politik dort Anreize, die Wasserpreise künstlich niedrig zu halten. Wer einmal investiert hat, ist der Gefangene der Regulierung des Gastlandes. Der Druck der Bevölkerung auf die Regierung des Gastlandes, die Wasserpreise niedrig zu halten, ist in der Regel sehr hoch. In Verbindung mit der durch die Inflation bedingten Abwertung der heimischen Währung lohnt es sich für ein ausländisches Unternehmen nicht, in Afrika in die Wasserversorgung zu investieren.

Inwieweit ist diese Denkweise statisch? Wenn man beispielsweise das Buch “Why Nations fail” von Acemoglu/Robinson liest und mit den Autoren hofft, dass die Welt in institutionenökonomischer Hinsicht ein sicherer Ort werden könnte, erscheint eine Umleitung der Kapitalströme in die Dritte Welt vorstellbar.

Rein theoretisch stimmt das. Aber institutioneller Wandel wie die Abschaffung von Korruption ist ein sehr langfristiger Prozess. Das sehen wir auch in Teilen Europas. Gleichzeitig gilt: Wenn sich in diesen Ländern der institutionelle Rahmen verbessert und Eigentum einigermaßen sicher ist, ein Entwicklungsland also zum Schwellenland wird, setzt auch dort eine höhere Spartätigkeit ein. Ostasien hat uns das gezeigt. Die Erfahrung lehrt, dass die meisten Länder durch Erfolge auf dem Weltmarkt von Entwicklungs- zu Schwellenländern wurden. Gerade Exporte erweisen sich als Lehrmeister für institutionelle Verbesserungen im Inland. Die chinesische Wirtschaft hat Marktdisziplin und die allmähliche Befreiung von Korruption auf dem Weltmarkt gelernt. In einem geschlossenen System kann man ein Geschäft machen, indem man seinen Partner besticht. In einem weltoffenen System muss man gute Ware anbieten. Wenn das Wachstum vom Export herrührt und daher ein Schwellenland mehr exportiert als importiert, eignet es sich nicht als Outlet für das Kapital der reichen Länder.

Kehren wir zurück zu den reichen Nationen, in denen viele Menschen für das Alter sparen wollen. In diesem Zusammenhang verwenden Sie den Begriff “Sparperiode”. Was haben wir darunter zu verstehen?

Die Sparperiode ist das Verhältnis zwischen der Höhe des Vermögens, das gespart wurde, zum jährlichen Konsum. Dieses Verhältnis hat die Dimension “Zeit”. Daher der Name “Sparperiode”. Wenn man für das Alter sparen will, lautet eine wichtige Frage: Wie lange wird der dritte Lebensabschnitt dauern, in dem man seine Ersparnisse konsumiert? Wenn wir die Gesundheitskosten mit einbeziehen, können wir näherungsweise davon ausgehen, dass ein Mensch im Alter ein vergleichbar hohes Konsumniveau behält wie in seiner aktiven Zeit. Die durchschnittliche Altersperiode beträgt in Deutschland wie in den meisten anderen reichen Ländern etwa 20 Jahre. Nach einer Daumenregel beläuft sich die “Sparperiode” etwa auf die Hälfte des abzusichernden Zeitraums. Das wären 10 Jahre. Rechnet man noch 2 Jahre hinzu, weil viele Menschen nicht nur Vermögen für den Konsum im Alter bilden, sondern auch, um ihren Nachkommen etwas zu vererben, gelangt man zu einer Sparperiode von mindestens 12 Jahren.

Gut, damit haben wir das aus der Ersparnis der privaten Haushalte stammende Kapitalangebot behandelt. Jetzt müssen wir die Frage klären, warum aus Ihrer Sicht die private Kapitalnachfrage für Investitionen nicht ausreicht, um das Kapitalangebot zu absorbieren.

Hier beziehe ich mich auf die österreichische Kapitaltheorie in der Tradition Eugen von Böhm-Bawerks und auf seine Theorie der Mehrergiebigkeit der Produktionsumwege. Je länger die Produktionsumwege sind, desto mehr Kapital erfordert die Güterproduktion. Ich meine aber, dass es für diese Mehrergiebigkeit der Produktionsumwege Grenzen gibt – und damit Grenzen für den Kapitalbedarf der produzierenden Unternehmen.

Um das für interessierte Laien, die sich nicht mit der Kapitaltheorie auskennen, etwas frei auszudrücken: Die Zahl rentabler langfristiger privater Investitionsmöglichkeiten ist begrenzt. Wie kann man das messen?

Hierzu können wir den sogenannten Kapitalkoeffizienten verwenden. Der Kapitalkoeffizient, das ist das Verhältnis von Realkapital zu jährlichem Konsum, ist in Deutschland seit Jahrzehnten nicht mehr gewachsen und hat eine Größenordnung von etwa 5 Jahren.

Kapitalangebot und private Kapitalnachfrage wären dann in einem Gleichgewicht, wenn wir für die Sparperiode und den Kapitalkoeffizienten identische Laufzeiten hätten. Das ist aber nicht der Fall: Die Sparperiode ist mit 12 Jahren deutlich länger als der Kapitalkoeffizient mit 5 Jahren. Können Sie diese Beschränkung der Investitionsmöglichkeiten anschaulich schildern?

Wir können das an den Immobilienblasen in Südeuropa nach der Einführung des Euro sehen. Das sind im Nachhinein Projekte mit massiven negativen Renditen gewesen. Weltweit besteht der größte Teil des Sachkapitals aus Immobilien; das aus produzierenden Anlagen bestehende Sachkapital ist viel geringer. Wenn Sie eine Immobilie, nehmen wir ein Bürohaus, haben, müssen Sie es instand halten. Die Instandhaltungskosten wachsen in etwa proportional mit der Fläche. Die Produktivität der vorgegebenen Arbeitskräfte, die in dem Bürohaus arbeiten, wird  bei der Vergrößerung des Bürohauses vielleicht zunehmen, aber mit abnehmender Rate, so dass sich ab einer bestimmten Größe die Instandhaltungskosten nicht mehr rentieren. Deswegen hat es keinen Sinn, immer mehr Gewerbeimmobilien zu bauen. Für den Wohnungsbau gilt dasselbe. Wir haben einen durchschnittlichen Wohnraum von 50 Quadratmeter pro Kopf in Deutschland. Wenn man auf 60 Quadratmeter ginge, stünden die Instandhaltungskosten vermutlich in keinem Verhältnis mehr zu dem Nutzen, die diese 10 zusätzlichen Quadratmeter dem Bewohner bringen.

Ihr Tübinger Kollege Joachim Starbatty hat in einem Beitrag in der F.A.Z. kürzlich die folgende These vertreten: Wenn man durch eine geeignete Wirtschaftspolitik mehr unternehmerische Dynamik im Sinne Schumpeters wecken könnte, würden diese innovativen Unternehmer zusätzliche Investitionsprojekte und damit eine zusätzliche Kapitalnachfrage entwickeln.

Das bestreite ich. Die erfolgreichsten innovativen Unternehmer unserer Zeit, man denke zum Beispiel an Microsoft, Amazon, Apple oder Google, finden wir in der IT-Branche. Diese Unternehmen könnte man etwas karikierend als Banken mit angeschlossenem IT-Geschäft bezeichnen. Diese Unternehmen verfügen über sehr viel Liquidität, weil sie gar nicht wissen, wo sie sinnvoll investieren können. Mehr “Schumpeter” führt heutzutage nicht zu mehr Kapitalbedarf. Immobilieninvestitionen, die hauptsächliche Form der Realkapitalbildung, sind nicht besonders “schumpeterianisch”.

Ihre Provokation aus der Sicht des Zeitgeistes lautet: Weil die private Kapitalnachfrage geringer ist als das Kapitalangebot, muss sich der Staat verschulden, um den Kapitalüberschuss aufzunehmen, damit die privaten Haushalte ihre Ersparnisse wenn auch vielleicht nicht verzinslich, aber doch wenigstens sicher anlegen können.

Es hat schon immer eine Art Vorsorge-Albtraum aus der Sicht des Sparers gegeben: Ist mein Vermögen, von dem ich im Alter leben will, überhaupt sicher?  Diese Rechnung geht nur auf, wenn es für die Kapitalanlage große und solide Schuldner gibt. Der größte und sicherste Schuldner ist der Staat, weil er durch die Quasi-Verpfändung künftiger Steuereinnahmen dem Gläubiger Sicherheit verspricht. Dadurch kann verhindert werden, dass sich eine negative Kapitalrendite einstellt.

Wolfgang Streeck, der Direktor des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung in Köln, hat kürzlich in seinen Adorno-Vorlesungen aus Ihren Überlegungen ein demokratiekritisches Argument abgeleitet. Aus seiner Sicht folgt daraus, dass sich der Staat verschulden muss, damit reiche Leute ihr Geld sicher anlegen können. Gleichzeitig stranguliert der Staat wegen des mit der Staatsverschuldung verbundenen Schuldendienstes und einer eventuellen Notwendigkeit von Austeritätspolitik die Möglichkeit der Finanzierung einer Daseinsvorsorge, die wir von einem modernen Staat erwarten. Ist an dieser “linken” Weizsäcker’schen Interpretation etwas dran?

Streeck verkürzt meine Analyse auf die expliziten Staatsschulden, also diejenigen, die im Kapitalmarkt eine Rolle spielen. Diese sind nur die Spitze des Eisbergs. Viel größer sind die impliziten Staatsschulden in der Form von Verpflichtungen zu künftigen Rentenzahlungen oder künftigen Krankenkassenzahlungen, die von den Menschen durch Betragszahlungen “angespart” worden sind, ohne dass der Staat einen entsprechenden Deckungsstock gebildet hätte. Auch die staatliche Garantie der Bankguthaben der Sparer ist eine implizite staatliche Eventualverbindlichkeit. Vieles mehr könnte genannt werden. Vorsorge ist ja im Sozialstaat nicht nur etwas für reiche Leute, sondern für jedermann. Meine These vom Überhang des Vorsorgemotivs über vernünftigerweise zu bildendes Realkapital beruht ganz wesentlich auf den Charakteristika des modernen Sozialstaats. Damit wird aber die Staatsverschuldung ein ganz wesentlicher Teil der sozialstaatlichen Daseinsvorsorge. Im Übrigen sind auch die expliziten Staatsschulden dann keine Belastung und kein Zwang zur Austeritätspolitik, wenn der Realzins, den der Staat auf seine Schulden bezahlt, Null ist.

Wie erklären Sie sich, dass Staatsschulden nicht nur in der allgemeinen Volksmeinung, sondern auch unter vielen Gelehrten in Verruf geraten sind?

In der Öffentlichkeit ist ein Vorverständnis verbreitet, wonach sich der Einzelne, abgesehen vom Hypothekarkredit für sein Eigenheim, nicht verschulden, sondern sparen soll. Das ist eine sehr vernünftige Einstellung, solange man nicht unternehmerisch tätig ist. Daraus wird aber der Schluss gezogen, dass sich auch der Staat, also die Gemeinschaft, nicht verschulden dürfe. Dieser Analogieschluss ist falsch.

So denkt die berühmte schwäbische Hausfrau. Aber denken Ökonomen auch so?

Im deutschsprachigen Raum herrscht unter Ökonomen – im angelsächsischen Raum ist das zum Teil anders – das sogenannte neoklassische Modell vor. Ein Beispiel ist das Barro/Ricardo-Theorem. Es besagt, dass der Staat durch Verschuldung die gesamtwirtschaftliche Nachfrage überhaupt nicht stimulieren könne, weil die Bürger in der Antizipation künftiger Steuerzahlungen in der Höhe der Staatsverschuldung zusätzliche Ersparnisse bilden. Dieses Theorem setzt voraus, dass der Zinssatz über der wirtschaftlichen Wachstumsrate liegt. Dieser Auffassung sind viele meiner Kollegen verhaftet. Wenn aber, wie ich annehme, der Zinssatz unter der Wachstumsrate liegt, gilt das Barro/Ricardo-Theorem nicht.

Mit der Position der Neoklassiker kommen wir zu den Einwänden gegen Ihre Theorie. Was stimmt an der Vorstellung der Neoklassiker, der Zinssatz liege über der Wachstumsrate, nicht?

Es gibt ein kluges neoklassisches Argument gegen die Annahme eines Zinssatzes von Null. Es zielt auf den Boden ab und besagt, bei einem Zinssatz von Null müsste der Wert des Bodens gegen unendlich streben. Dann gibt es das von mir geschilderte Anlageproblem nicht. So hat Martin Feldstein schon in den siebziger Jahren argumentiert; später hat Stefan Homburg diesen Gedanken weiter ausgearbeitet. Das Argument ist logisch völlig richtig, aber ich halte es aus empirischer Sicht nicht für durchschlagend, weil es immer die Gefahr der Expropriation gibt, und sei es durch Besteuerung. Im modernen Steuerstaat wird der Wert des Bodens daher nie gegen unendlich streben, selbst wenn er knapp sein sollte. Je höher der Bodenwert ist, umso höher ist die Verlockung für den Staat, den Boden zu besteuern.

Wie hoch liegt dieser Zinssatz, Sie rekurrieren in Ihren Arbeiten auf Knut Wicksells “natürlichen Zins”, in der Praxis?

Man kann diesen “natürlichen Zins” heute nicht messen. Es handelt sich um den hypothetischen Zinssatz, der sich aus dem Zusammentreffen von Kapitalangebot und privater Kapitalnachfrage bei hoher Beschäftigung einstellte – also ohne Staatsverschuldung. Da, wie ich oben abgeleitet habe, bei einem Zinssatz von Null eine riesige Lücke zwischen dem Kapitalangebot und der privaten Kapitalnachfrage herrscht, muss der “natürliche Zins” negativ sein.

Ein zweiter Einwand gegen Ihre Theorie lautet, dass die Kapitalmärkte nicht immer bereit sein mögen, alle Staatsanleihen zu kaufen, weil sie Angst haben, dass sich der Staat finanziell übernimmt.

Das ist zum einen eine Frage der Perzeption. Die britische Krone hatte am Ende der Napoleonischen Kriege eine Staatsschuld in Höhe von etwa 250 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, wie Historiker zurückgerechnet haben. Trotzdem hat man die Zahlungsfähigkeit der britischen Krone nicht in Frage gestellt. Heute hat Japan eine sehr hohe Schuldenquote. Zweitens ist das eine Frage institutioneller Vorkehrungen.

Denken Sie dabei an eine Schuldenbremse?

Die Schuldenbremse wurde von den Schweizern erfunden und von den Deutschen ins Grundgesetz übernommen. Die Schuldenbremse ist aus meiner Sicht kontraproduktiv, weil sie die Rolle der Staatsverschuldung beim Ausgleich von Kapitalangebot und Kapitalnachfrage gefährdet. Stattdessen braucht man eine andere Regel, die Vertrauen der Kapitalmärkte in die Solvenz des Staates schafft. Hier könnte man an sogenannte Covenants denken: Wenn ein Staat bestimmte Kennzahlen nicht erfüllt, muss er dem Gläubiger eine Zusatzprämie zahlen.

Mit Ihrer Befürwortung von Staatsverschuldung könnte man Sie für einen Keynesianer wie Paul Krugman halten. Das ist aber nicht der Fall, denn Sie argumentieren nicht keynesianisch?

Wenn ich das richtig sehe, hat Krugman keine kapitaltheoretische Fundierung für seine Ansichten. Diese kapitaltheoretische Fundierung stelle ich bereit. Ich betrachte mich auch deshalb nicht als reinen Keynesianer, weil dies zu dem Missverständnis führen könnte, ich akzeptierte keine Grenze für die Staatsverschuldung. Es gibt in meiner Theorie sehr wohl eine Grenze der Staatsverschuldung: Sie liegt dort, wo die Staatsverschuldung unter der Annahme hoher Beschäftigung die Lücke zwischen dem Kapitalangebot und der privaten Kapitalnachfrage bei einem Realzins von Null füllt.

Wie ist die Aufnahme bei Ihren Kollegen? 

Ich habe in Deutschland bei Kollegen wie Martin Hellwig und Hans-Werner Sinn, aber auch anderen, einen gewissen “Aha-Effekt” erreicht. In Amerika gibt es unter anderem positive Resonanz bei Kollegen am MIT in Boston. Es wäre sicher wünschenswert, wenn sich junge Ökonomen des Themas annähmen und darüber in Fachzeitschriften publizierten.

Inwieweit stellt Ihre Verwendung der Kapitaltheorie gerade für jüngere Kollegen eine Hürde dar, weil Kapitaltheorie, wie es scheint, an den Universitäten kaum mehr gelehrt wird?

Sie wird überhaupt nicht mehr gelehrt – und den Bologna-geschädigten Studenten von heute schon gar nicht. Das ist ein Problem, denn in der Wissenschaft gibt es auch den Prozess des Vergessens. Das gilt für die Kapitaltheorie, die in den sechziger und siebziger Jahre hoch im Kurs stand. Im Zusammenhang mit dem Siegeszug der Neoklassik haben sich viele Ökonomen für die dynamischen, stochastischen Allgemeinen Gleichgewichtsmodelle der Makroökonomie interessiert und darüber die Kapitaltheorie vernachlässigt. Sie ist den mathematischen Vereinfachungsstrategien bei der Konstruktion dieser Modelle zum Opfer gefallen.  Wie sich zeigt, hat man auf der Basis der modernen Makroökonomie aber nicht immer die besten wirtschaftspolitischen Vorschläge machen können. Jetzt befindet man sich in dem Dilemma, dass die modernen Ökonomen kein Modell haben, das auf die reale Wirtschaft passt. Ich schlage daher eine Rückbesinnung auf die Kapitaltheorie vor.

 Das Gespräch führten Gerald Braunberger und Rainer Hank.

 

UPDATE: In den Kommentaren hat Peter Bernholz, emeritierter Professor der Universität Basel, eine Kritik der Thesen Carl Christian von Weizsäckers veröffentlicht, auf die Herr von Weizsäcker eine Replik verfasst hat.

 

Bisher sind in der Reihe “Gespräche mit Ökonomen” erschienen:

1. Rüdiger Bachmann (RWTH Aachen) über DSGE-Modelle und die moderne Makroökonomik

2. Daron Acemoglu (MIT) über die Anwendung seiner Institutionenökonomik auf die Krise in Europa

 

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23 Lesermeinungen

  1. Gedanken zur natürlichen...
    Gedanken zur natürlichen Wirtschaft:
    Finanzkapital an sich ist so nutzlos wie Gold in der Schatzkammer. Erst im System der unternehmerischen Gesellschaft mit Güteraustausch kann es als Risikokapital für Innovationen sowie als Langzeitfinanzierung von Infrastruktur die Lebenswelt beeinflussen.
    Staaten haben dabei eine Sonderstellung, einerseits wegen Zinsschöpfung aus Besteuerung, andererseits wegen Aufgaben in der Daseinsvorsorge mit einem zur menschlichen Lebensspanne passenden Zeithorizont für die Kapitalanlage.
    Risiko gerade bei Staaten ist die Kapitalvernichtung durch nicht produktiven Konsum oder Krieg. Staatsverschuldung als Verlegenheitslösung der Kapitalanlage ist daher
    ein kurzsichtiges Konzept.
    Wesentlicher als Finanzkapital ist bei Systembetrachtung Humankapital, die entscheidende Ressource für Angebot und Nachfrage, Innovation und Rekonstitution.
    Geschäftsmodelle, die Friktionen und Fluktuationen des Marktgeschehens gewinnbringend zu verstärken suchen, sind nicht kapitalbildend. Wünschenswert ist daher eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme zur Abgrenzung von Ökonomie und Paraökonomik.
    Ansonsten mahnen Kaufmannsregeln und Bankiersweisheiten jede Wissenschaft, die Theorien in der Realität auch kritisch nachzumessen.

  2. Carl Christian von Weizsäcker...
    Carl Christian von Weizsäcker hat eine Replik zu den Äußerungen seines Kollegen Peter Bernholz verfasst:
    “Sein Punkt 1 ist mir unverständlich: es kann sehr wohl auch langfristig einen Zinssatz geben, der unter der Wachstumsrate liegt. Vgl. den bekannten Aufsatz von Peter Diamond in der American Economic Review 1965, der im Übrigen von einem Komitee von bekannten Ökonomen vor zwei Jahren zu den 20 wichtigsten Aufsätzen gezählt wurde, die je in der AER erschienen sind.
    Sein Punkt 2 ist irreführend. Natürlich gibt es Schumpetersche Innovationen. Aber genau, weil diese vorher existierendes Realkapital obsolet machen – und dies von deren Eigentümern im Durchschnitt antizipiert wird – verlangen Investoren eine vergleichsweise kurze Pay-Back-Periode, der eine niedrige Produktionsperiode entspricht. Wenn jede Innovation, wie Bernholz meint, zu einer steigenden gesamtwirtschaftlichen Produktionsperiode führen würde, dann wäre der Kapitalkoeffizient im Verlauf der letzten hundert Jahre ständig angestiegen. Er müsste heute einen Wert von 20 Jahren oder 30 Jahren haben. Faktisch ist die Produktionsperiode, also der Kapitalkoeffizient nicht gestiegen. Also kann die Bernholz-Theorie nicht richtig sein. Natürlich entspricht die reale Wirtschaft nicht genau einem Steady State Modell. Aber im Aggregat wächst die Produktionskapazität relativ gleichmäßig. Insofern ist ein Steady State Modell keine schlechte Annäherung. Hier eine Analogie: Der Fluss des Wassers im Rhein ist voller Turbulenzen. Die Wassermenge, die an einem Punkt pro Sekunde vorbeifließt, schwankt mit den Niederschlägen und mit der Schneeschmelze in den Alpen. Dennoch kann man für viele analytische Zwecke den Begriff der im Jahresdurchschnitt pro Sekunde fließenden Wassermenge gut gebrauchen, weil dies über die Jahre gerechnet ein ziemlich konstanter Wert ist.
    Zum Punkt 3. Die Kapitalmärkte orientieren sich an vorherrschenden Meinungen. Die von Bernholz hier geäußerte Meinung ist vorherrschend. Daher sind die Kapitalmärkte nervös. Das ist zuzugeben. Jedoch vergisst diese vorherrschende Meinung, dass der Zinssatz auf Staatsschulden erster Bonität Null ist und daher keine Belastung der Staatsfinanzen darstellt. Meine Theorie dient genau dazu, diese vorherrschende Meinung zu ändern. Wenn alle Euro-Mitglieder Schuldenbremsen einführen und sich wirklich daran halten würden, dann müsste, um hohe Beschäftigung zu erreichen, der Euro-Raum erheblich mehr exportieren als importieren. Das wird dann schon deshalb verhindert, weil der Euro dann “stark” sein wird und dies die Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt stark beeinträchtigt. Außerdem entsteht dann in verstärktem Maße Protektionismus in aller Welt, nicht zuletzt in den USA und in Asien. Die Rechnung mit der Schuldenbremse wird daher nicht aufgehen.”

  3. <p>@ AlexM3</p>
    <p>Da Carl...

    @ AlexM3
    Da Carl Christian von Weizsäcker Mitglied der Grundsatzkommission der FDP war, halte ich auch in Kenntnis anderer Schriften aus seiner Feder die These für abwegig, er hege die Vorstellung einer “allmächtigen gottgegebenen Staatsmacht”.
    Hier das Papier der Grundsatzkommission:
    http://www.fdp.de/…/Freiheitsthesen_Entwurf_der_Grundsatzkommission.pdf
    Gruß
    gb.

  4. So einleuchtend es auf den...
    So einleuchtend es auf den ersten Blick erscheint, liegt diese Kapitaltheorie in der Realität völlig falsch, weil sie von einer Vorstellung von einer allmächtigen gottgegebenen Staatsmacht ausgeht. Die Vergangenheit hat immer wieder bewiesen, daß eine konituierlich wachsende Staatsverschuldung erst einmal nichts anderes als eine Umverteilung von allen “normalen” Bevölkerungsmitgliedern zu einer (wenn auch zunehmend breiteren) Schicht der Staatsbeamten, Politiker und dergleichen im Ruhestand ist, die auf Dauer immer schlimmer wird und am Ende in einer Katastrophe endet. Es waren endweder Bürgerkriege oder Kriege, die vom Zaun gebrochen wurden, um der Bevölkerung weitere Resourcen zu beschaffen und von der Misere abzulenken. Bei heutigen Volkswirten fehlt es wohl an etwas Realitätssinn, zu begreifen was man eigentlich selbst in Jura am Anfang lernt: wenn es um Geld geht, muss ein Staat (“Fiskus” genannt) wie ein Unternehmen betrachtet werden. Und eine Bevölkerung ist nicht ungerenzt durch Steuern belastbar, weil bei allem guten Willen die Gemeinschaft eben nicht vorgeht, wenn man verhungert und der Staat eben das keineswegs sichern kann. Die heutige Politik hat da aber mit dem Konzept der “sozialen Marktwirtschaft” ebenso absurde Allmachtsphantasien wie manche frühere Könige mit ihren Beratern.

  5. Da braucht man noch nicht mal...
    Da braucht man noch nicht mal einen Bachelor in Ökonomie, um die Axiome dieses sicherlich verdienten Ökonomen kritisch zu hinterfragen. Der schwäbischen Hausfrau müsste eigentlich jeder Keynesianer ein Dorn im Auge sein, auch wenn er noch so unorthodox daherkommt.
    Sicherlich sind Staatsschulden notwendig, um Kapital langfristig und sicher zu binden.
    Doch sie bleiben meines Erachtens ein Übel. Sie schränken, selbst wenn es niemals zur Zahlungsunfähigkeit käme, den Handlungsspielraum des Staates auf Dauer massiv ein.
    Überdies bleiben sie riskant. Überschüssiges Kapital ist flüchtig und verhält sich bisweilen irrational. So könnte es doch durchaus einmal sein, dass das Kapital trotz bester Bonität und trotz allerlei Zusatzprämien aus verschiedenen Gründen (z.B. Krieg) den Weg zum Staat nicht finden will.
    Außerdem ist die ständige Verschuldung von Staaten psychologisch gesehen von Nachteil, da sie zu einer Laissez-faire-Mentalität führen. Was also theoretisch plausibel erscheint, kann dennoch praktisch falsch sein.

  6. <p>Der Zins ist ein Anteil an...
    Der Zins ist ein Anteil an der Produktion, als Belohnung für den Verzicht des Gläubigers. Wenn der Zins nicht mit der Produktion gezahlt werden kann, dann mit der Substanz: Zuerst sind Gläubiger zu bedienen. Ja, so eine Kredit unwürdige Firma muss mal Konkurs melden, und nicht mit negativen Zinsen, mit Enteignung des Gläubigers und der Kunden durch Inflation, gerettet werden, so dass der Enteignete nicht mal Anspruch an einen Teil der Firma hat. Um Zinsen zu zahlen, braucht man nicht mehr und immer mehr zu produzieren, braucht man kein Wachstum: wenn mit Kapital von anderen produziert wird, dann gehört ein Teil der Produktion diesen anderen. Es ist ein Irrglaube, Wachstum als Voraussetzung für alles mögliche zu setzen. Schrumpfung ist mal notwendig, zum Beispiel bei Schrumpfung der Einwohnerzahl.

  7. <p>Zum Glück hat Hr....
    Zum Glück hat Hr. Braunberger wenigstens noch eine fachlich fundierte Kritik an den Theorien des Ökonomen mit berühmtem Namen beigefügt.
    .
    “Der größte und sicherste Schuldner ist der Staat” ist in dieser Verkürzung absurd. Hat der noble Herr im Elfenbeinturm noch nie was von Staatsbankrott gehört?
    .
    Es wäre zu wünschen dass man hier im Blog Interessanteres vorfindet!

  8. Peter Bernholz (Universität...
    Peter Bernholz (Universität Basel) schreibt:
    “Ich habe bereits bei einer Konferenz des Walter Eucken-Instituts in Freiburg als Koreferent in aller Freundschaft kritisch zu den Thesen von Herrn v. Weizsäcker Stellung genommen. Besonders folgende Punkte sind wichtig:
    1. Es wird ein Gleichgewichtswachstummodell verwendet. Nach den Ergebnissen dieses Modells kann es jedoch den angeführten negativen Zinssatz nur bei einem negativen Wachstum geben, da der Zinssatz i kleiner oder gleich g, der Wachstumsrate, sein muss. Bisher wurde jedoch in Deutschland in den letzten Jahren und Jahrzehnten fast nie ein negatives Wachstum des BIP beobachtet. Damit entfällt die Begründung der notwendigen Staatsverschuldung wegen eines Zinssatzes der negativ sein müsste.
    2. In Wirklichkeit gibt es kein Gleichgewichtswachstum. Die Realität ist durch immer neue Prozess- und Produktinnovationen gekennzeichnet.
    Diese machen jedoch immer wieder Realkapital obsolet, verlängern die mehrergiebigen Produktionswege und führen daher zu positiven Realzinssätzen (siehe die von Bernholz, Faber Stephan, Winkler und anderen weiter entwickelte österreichische Kapitaltheorie), die das Gleichgewichtswachstum nur als Sonderfall umfasst.
    3. Eine weitere Staatsverschuldung in der gegenwärtigen Schuldensituation der Staaten würde von den Finanzmärkten nur zu wesentlich höheren Zinsen aufgenommen werden und den Weg zum Staatsbankrott beschleunigen.”

  9. Ich muss mich korrigieren. Ich...
    Ich muss mich korrigieren. Ich schrieb: “Und was nicht gespart wird, soll auch nicht produziert werden”. Es sollte lauten: “Und was nicht konsumiert wird, soll auch nicht produziert werden”. Der Ansatz ist: was der eine spart, soll ein anderer konsumieren und, wenn nicht dieser, ein Dritter schulden. Was für Sinn hat dann die “Sparperiode”, die das Verhältnis zwischen der Höhe des Vermögens, das gespart wurde, zum jährlichen Konsum, sein sollte? Freilich kann mehr gespart als konsumiert werden: wozu aber?! Beispiel: die ganze Wirtschaft produziert 20 Killo Äpfel, und 5 Kilo werden nicht von den jenigen, die sie produzieren, gegessen. Sie werden also “gespart”. Bedeutet das, dass die 5 Kilo Äpfel niemand essen soll und verfaulen sollen? Bedeutet es nicht eher, dass es ein Fehler war, sie zu produzieren? Es gibt viele Ersparnisse, die eben nicht konsumiert werden können, weil sie nur Papier sind, das nie gedruckt werden sollte. Jede Urkunde, und das sind ebenso Banknoten wie ihre Entartung namens Geldscheine, sollen eine Wirklichkeit verbriefen. Leider brechen die moderne Geld- und Finanzpolitik damit, sie tricksen, um die negativen Wirkungen zu verzögern und betrügerisch “akzeptierbar” zu machen, Inflation soll mittlerweile eine Selbstverständlichkeit sein, wie ein Naturphänomen. Auch die Krisen wie die jetzige sollen Naturkatastrophen sein und nicht die Folge einer falschen Geld-, Kredit- und Finanzpolitik sein.

  10. <p>Sicher enthält der Aufsatz...
    Sicher enthält der Aufsatz viele Wahrheiten. Ohne Verschuldung gibt es zum Beispiel kein Sparen und keine private Vorsorge. Aber Herr von Weizsäcker hat grundsätzliche falsche Annahmen, die zu haarsträubenden Schlüsse führen. Er verwechselt immer wieder Geld mit Kapital, die streng zu trennen sind. Er übersieht, dass der Staat genau wie andere Kreditnehmer sich an gewisse Regeln halten soll: langfristiges Geld nimmt man nicht für kurzfristige Anlagen, darunter Konsum, denn Konsum auf Kredit von heute soll man mit entweder Konsumverzicht oder mehr Einkünfte von morgen zahlen. Aber wozu heute mehr konsumieren, um morgenb weniger zu konsumieren? Und wie ist man sicher, dass man morgen mehr Einnahmen hat? Zur Verwechselung von Geld und Kapital will ich es mit einem Beispiel erklären. Die Offenmarkttätigkeit der Notenbanken, die heute die Grundlage der bizarren Geldpolitik ist und früher verpönt war, hat immer die Reichsbank vom Anfang an in einem gewissen Maßen betrieben. Sie lieh Geld unmittelbar dem Staat, der Staat gab dieses Geld aus, in der Regel für Konsum, und dann gab es Feuerwerk in den Kapitalmärkten, dann konnte die Reichsbank teuer Schatzanweisungen verkaufen, die später eventuell in langfristigen Papiere umgeschichtet werden konnten. Dieses Spiel kann man aber nie unendlich betreiben ohne Nebenwirkungen: da irrt sich Herr von Weizsäcker, dass diese Politik zu sicheren Anlagemöglichkeiten führt. Frage: ist dieses Geld Ersparnisse? Eben nicht! Solche Gelder waren auch für die Reichsbank ein Problem nach den Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der 30er. Ersparnisse ist echtes Kapital und nicht Papier, ist Konsumverzicht damit andere, die im Bau von Produktionsanlagen tätig sind, konsumieren. Und was nicht gespart wird, soll auch nicht produziert werden. Die Ersparnisse der Chinesen gehen nicht in die Produktion, sondern in den Konsum der US-Amerikaner: woher werden die Chinesen mit Zinsen ihre Ersparnisse zurückbekommen? Das sind nur Beispiele, man muss mit viel Zeit von Wizsäckers Aufsätze wie ein Philologe analysieren, um seine impliziten Annahmen und Verwechselungen, seine Schlüsse und Trugschlüsse zu entdecken.

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