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Eine kleine Geschichte der Makroökonomik zum Durchklicken

| 32 Lesermeinungen

Von der Weltwirtschaftskrise und John Maynard Keynes bis zur aktuellen Krise und der Wiederentdeckung der gesamtwirtschaftlichen Rolle des Kredits - Markus Brunnermeier und Delwin Olivan (Princeton University) führen durch acht Jahrzehnte makroökonomischer Entdeckungen. Von Gerald Braunberger

Sehr hübsch gemacht: Von der Weltwirtschaftskrise und John Maynard Keynes bis zur aktuellen Krise und der Wiederentdeckung der gesamtwirtschaftlichen Rolle des Kredits – Markus Brunnermeier und Delwin Olivan (Princeton University) führen durch acht Jahrzehnte makroökonomischer Entdeckungen.

Von Gerald Braunberger

 

Hier ist der Link:

http://prezi.com/zr8i4rxdaq0u/a-brief-history-of-macroeconomics/

Die Übersicht erfordert ein paar Fachkenntnisse. Wer in einem WiWi-Studium die Veranstaltungen zur Makroökonomik nicht alle verschlafen und die Veranstaltungen zur Ökonometrie nicht alle geschwänzt hat, sollte aber insgesamt durchkommen.

 

UPDATE: Ich habe auf Markus Brunnermeiers Homepage Unterlagen zu einer Veranstaltung über “International Monetary Theory and Policy II” gefunden, die sich nicht nur an diesem Thema Interessierte einmal anschauen sollten – sondern auch Leute, die meinen, in der Ökonomik gäbe es nichts Neues, oder Ökonomen befassten sich nicht mit aktuellen Themen. Ich habe in den achtziger Jahren an der Goethe-Uni in Frankfurt den Schwerpunkt Monetäre Ökonomik belegt und es ist faszinierend/ernüchternd zu sehen, dass man mit dem damaligen Lehrstoff heute auch nicht mehr in Ansätzen bestehen könnte. Das hängt nicht nur damit zusammen, dass Brunnermeier in seiner Veranstaltung, die offenbar der Vertiefung dient und von daher sowieso spezielle Kost transportiert, sehr stark eigene aktuelle Forschung präsentiert.

 

Zurück zum eigentlichen Thema: Eine verbale, recht bekannte Darstellung der Geschichte der Makroökonomik bis vor Ausbruch der aktuellen Krise in Gestalt eines Aufsatzes stammt von Olivier Blanchard (MIT). Sie ist immer noch sehr lesenswert, auch wenn Blanchard auf der Basis des damaligen Wissenstandes zu dem – im Rückblick hinterfragbaren (aber im Nachhinein weiß man immer alles besser) – Schluss gelangte, die Makroökonomik habe sich damals in einem guten Zustand befunden:

http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=1235536

Ein ebenso ausführliches wie verständliches Lehrbuch zur Geschichte der Makroökonomik haben Snowdon/Vane verfasst (Stand 2005):

http://www.scribd.com/doc/61707916/Snowdon-B-and-H-Vane-2005-Modern-Macroeconomics

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32 Lesermeinungen

  1. @GB:
    > "Allerdings ist die...

    @GB:
    > “Allerdings ist die Mathe, die man für ein normales Studium braucht, nicht sehr schwierig – wer die nicht meistert, hat in einem VWL-Studiengang nichts zu suchen.”
    In einigen schweizerischen Hochschulen wird in den Anfängersemestern von VWL Mathe (nicht nur Statistik) ganz stark forciert, um auf einfachste Weise die Studentenzahlen zu vermindern.

  2. Aus der Webseite eines...
    Aus der Webseite eines Lehrstuhls für Ökonometrie (Uni Würzburg): “Die Ökonometrie überprüft Hypothesen über ökonomische Zusammenhänge auf der Grundlage relevanter empirischer Informationen und mittels geeigneter Methoden der mathematischen Statistik, um so Entscheidungen in der Wirtschaftspolitik oder im Management auf eine gesicherte Basis zu stellen. Die Ökonometrie repräsentiert somit die wichtige Schnittstelle zwischen ökonomischer Theorie, deskriptiver Datenanalyse, mathematischer Statistik, Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnik sowie betriebs- und volkswirtschaftlichem Controlling.” — Es geht also nach dieser Definition um die Überprüfung von Hypothesesen/Theorien/Modelle mit *gewöhnlichen* Mitteln: mathematische Statistik, EDV. Auch andere Wissenschaftler bedienen sich dieser quantitativen Methoden, um ihre Theorien zu überprüfen, um zahlen zu ermitteln, machen aber nicht eine Theorie daraus.

  3. @rum
    "Dass die...

    @rum
    “Dass die konventionelle, aber etwas verwickeltere Mathematik in der empirischen VWL den besonderen Namen “Ökonometrie” bekommt…”
    Das ist schlichtweg falsch, wie man weiter oben lesen kann.
    Übrigens stammt der Begriff Ökonometrie aus den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts. Es handelt sich nicht um eine Entwicklung jüngeren Datums.
    Gruß
    gb.

  4. <p>Irgendwo habe ich Burdas...
    Irgendwo habe ich Burdas Buch über Macroökonomik. Ich benutze es nicht als Buch, sondern als weiche Unterlage für andere Sachen, so wie alte Zeitungen. Nicht anderes würde ich mit Issings Buch über Geldtheorie umgehen, wenn ich es hätte. Es ist entsetzlich zu sehen, wie Ökonomen mit Formeln umgehen: ja, Formeln, Formelvorrat, der Name Mathematik ist da fehl am Platz. Dass die konventionelle, aber etwas verwickeltere Mathematik in der empirischen VWL den besonderen Namen “Ökonometrie” bekommt, bestätigt dies. Der leichtsinnige Gebrauch von Formeln und die ständige Argumentation mit Autoritäten sprechen sehr schlecht über die VWL.

  5. <p>Mathematik brauchen Sie in...
    Mathematik brauchen Sie in der VWL für Theorie und Empirie. Allerdings ist die Mathe, die man für ein normales Studium braucht, nicht sehr schwierig – wer die nicht meistert, hat in einem VWL-Studiengang nichts zu suchen.

  6. Dann hätte man ein Fach mit...
    Dann hätte man ein Fach mit einem Namen wie “Empirische Volkswirtschaftslehre” erfunden, für das man “besondere mathematische Kenntnisse wie Statistik” braucht. Dann hätten die VWL Studenten, die schlecht in Mathe sind, sich etwas Anderes gesucht.

  7. Hier scheint ein...
    Hier scheint ein Missverständnis vorzuliegen.
    Ökonometrie bezeichnet nicht den Formelvorrat der Ökonomen, sondern Verfahren der empirischen Wirtschaftsforschung, bei denen unter anderem auch Mathematik eine Rolle spielt:
    http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96konometrie
    Gruß
    gb.

  8. "Ökonometrie" ist die...
    “Ökonometrie” ist die Angeberei der Volkswirtschaftslehrer mit nicht immer nachvollziehbaren, einfachen arithmetischen Formeln. Kein Physiker würde auf die Idee kommen, seiner Mathematik, geschweige denn seinem Formelnvorrat, einen Namen zu geben. Die Formeln der Volkswirte bilden eine Art Sprache, um vor mathematische Analphabeten anzugeben, und sind nicht die Folge, das natürliche Ergebnis, einer Theorie. Das ganze zeigt nur, wie ernst diese Lehre ist.

  9. Das ist sicherlich ein...
    Das ist sicherlich ein wichtiger Hinweis.
    Diese Arbeiten wurden z.B. in dem deutschen, dogmenhistorisch orientierten, Lehrbuch von Felderer/Homburg dargestellt, aber in dem von mir zitierten englischen Lehrbuch von Snowdon/Vane nicht, obgleich es viel dicker ist.
    So wie ja auch der Ansatz von Leijonhufvud durch die Arbeiten von Lucas etc. völlig verdrängt worden ist.
    Aktuell bedient sich Ihr Kollege Richard Werner (Southampton/Frankfurt) der Arbeiten Malinvauds, aber auch er fühlt sich da wie ein einsamer Reiter. Die Tendenz zu allgemeinen Gleichgewichtsmodellen, die hier im Blog kürzlich auch Carl Christian von Weizsäcker aus kapitaltheoretischer Betrachtung kritisiert hat, hat offenbar alles andere lange Zeit erdrückt.
    Danke für den Literaturhinweis zu Backhouse/Boianovsky. Ich werde mir das Buch besorgen.
    Gruß
    gb.

  10. Eine kleine Anmerkung:
    Auch...

    Eine kleine Anmerkung:
    Auch Herr Brunnermeier ignoriert vollständig die Ratioinierungstheorie, die mikroökonomische Grundlagen makroökonomischer Ungleichgewichte formuliert hat. Ich denke hier an die Arbeiten von Clower, Benassy, Drèze und natürlich Malinvaud. Ich weiß nicht warum das in den USA nie rezipiert worden ist. Solow hat das mehrfach kritisiert.
    Für Dezember hat Cambridge University Press ein Buch von R. Backhouse an M. Boianovsky; Transforming Modern Macroeconomics: Exploring Disequilibrium Microfoundations, 1956–2003 angekündigt.
    Hier wird dann die “Whig-Geschichte” der Makroökonomie behandelt.
    gruß, VC

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