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Volker Wieland soll Mitglied des Sachverständigenrats werden. Bravo!

14.11.2012, 11:50 Uhr  ·  Wieland (Goethe-Universität Frankfurt) soll im März 2013 den Arbeitsmarktökonomen Wolfgang Franz (Universität Mannheim) ersetzen. Er zählt zu den deutschen Ökonomen mit Amerika-Erfahrung, einer internationalen Vernetzung, Publikationen in erstklassigen Fachzeitschriften und einem hervorragenden Ruf. Und neben einer kurzen Bio haben wir auch ein aktuelles Forschungspapier aus Wielands Werkstatt.

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Wieland (Goethe-Universität Frankfurt) soll im März 2013 den Arbeitsmarktökonomen Wolfgang Franz (Universität Mannheim) ersetzen *). Er zählt zu den deutschen Ökonomen mit Amerika-Erfahrung, einer internationalen Vernetzung, Publikationen in erstklassigen Fachzeitschriften und einem hervorragenden Ruf. Und neben einer kurzen Biografie haben wir auch ein aktuelles Forschungspapier aus Wielands Werkstatt.

Von Gerald Braunberger

 

1. Etwas Biografisches

Volker Wieland - Foto: Felix SeuffertDer Frankfurter Makroökonom Volker Wieland soll im März 2013 in den Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung eintreten. Nach einer Mitteilung des Bundeswirtschaftsministeriums wird Wieland im Rat der „Fünf Weisen” den Arbeitsmarktökonomen Wolfgang Franz ersetzen. Franz wird im Januar 69 Jahre alt. Mit Wieland kommt einer jener modernen deutschen Ökonomen zum Zug, die prägende Jahre in den Vereinigten Staaten verbracht und sich international einen Namen als forschungsstarker Ökonom gemacht haben. Wielands Fachgebiete sind Makroökonomik und Geldpolitik; also zwei Gebiete, die derzeit und wohl auch in den kommenden Jahren im Mittelpunkt des Interesses stehen werden. Auf diesen Gebieten ist zwar auch Wielands künftiger Ratskollege Peter Bofinger tätig, aber es ist vielleicht keine ganz abwegige Idee, ein eminent wichtiges Gebiet wie die Makroökonomik nicht alleine Bofinger anzuvertrauen. Wieland ist aber auch ausgewiesen auf den Gebieten Finanzpolitik und Konjunkturforschung; er deckt somit ein breites Feld ab. Spezialistin auf dem Gebiet der Geldpolitik ist zudem das Ratsmitglied Claudia Buch.

Seine Doktorarbeit schrieb Wieland (Foto: Felix Seuffert) an der renommierten Stanford University in Kalifornien; er hat zudem in führenden internationalen Fachzeitschriften publiziert. Wieland arbeitete einige Jahre für die amerikanische Notenbank Fed und wurde unter dem Einfluss des früheren Bundesbankpräsidenten Axel Weber vor gut zehn Jahren an die Goethe-Universität nach Frankfurt berufen, um dort beim Aufbau eines makroökonomischen Schwerpunkts mitzuwirken, der im Rahmen der Pläne für ein House of Finance eine maßgebliche Rolle spielte. Heute beherbergt das House of Finance mehr als ein halbes Dutzend international erfahrene Makroökonomen. Wieland, mittlerweile Inhaber einer Stiftungsprofessur, hat in jüngerer Zeit die Arbeiten zur Erstellung einer Datenbank koordiniert, mit der Forscher Zugriff auf eine große Zahl makroökonomischer Modelle erhalten. Der Frankfurter Ökonom ist zudem seit Jahren in der Politikberatung tätig, unter anderem für die Europäische Zentralbank (EZB) und die Europäische Kommission.

In jüngerer Zeit hat Wieland mehrere Arbeiten mit Co-Autoren veröffentlicht, die sich kritisch mit den Ergebnissen expansiver Finanzpolitik befassen und in Kürzungen von Staatsausgaben eine Möglichkeit sehen, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Landes zu steigern. Wieland ist Mitglied des liberal geprägten Kronberger Kreises. Kürzlich hat er mit dem Freiburger Finanzwissenschaftler Lars Feld, einem anderen Mitglied des Sachverständigenrats, eine Studie für den Kronberger Kreis verfasst, die sich gegen die Vorstellung einer Fiskalunion in Europa wendet und Vorbehalte gegenüber einer zu raschen Bankenunion äußert. Stattdessen befürworten Feld und Wieland eine Art „Maastricht 2″ mit einer nationalen Verantwortung für die Finanzpolitik in der Währungsunion, einem Verzicht auf dauerhafte Bail-outs und für eine Insolvenzordnung für Staaten. Ein Teil des aktuellen Gutachtens der Sachverständigen ist durch diese Arbeit beeinflusst.

Wieland ist kein Ideologe, kein Scharf- und kein Angstmacher, sondern ein moderner, exzellent ausgebildeter Ökonom, der mit Theorie und Empirie umzugehen weiß. Von dieser Gattung Ökonom kann es in Deutschland (aber auch anderswo) gar nicht genug geben.

In einem aktuellen Gespräch mit FAZIT sagte Wieland, er freue sich sehr, vom Bundeswirtschaftsminister für den Sachverständigenrat vorgeschlagen zu werden. Er wies aber auch darauf hin, dass er bisher nur vorgeschlagen, aber noch nicht vom Bundespräsidenten offiziell ernannt worden sei. Für Wieland würde eine solche beratende Tätigkeit nicht zwingend mit einem Verzicht auf Forschung einher gehen. Schon in seiner Zeit als Ökonom bei der Fed hätten sich aus der Beschäftigung mit der Politik Ideen für Forschungsarbeiten ergeben.

Hier ein Interview mit Wieland aus der F.A.Z. (Mai 2012).
Und hier ein F.A.S.-Sonntagsökonom, in dem ein Wieland-Paper besprochen wurde.

2. Ein aktuelles Paper zur Finanzpolitik

In dem Papier “Fiscal Consolidation Strategy” (wir haben eine Version von September 2012) untersuchen John F. Cogan, John Taylor, Volker Wieland und Maik Wolters die Konsequenzen einer fiskalischen Konsolidierung in den Vereinigten Staaten. Ausgehend von der aktuellen fiskalischen Lage untersuchen sie die Folgen einer allmählichen Kürzung von Staatsausgaben auf ein Niveau, das dem Anteil der Staatsangaben am BIP vor Ausbruch der Krise entspricht. Reduziert werden sowohl staatliche Käufe von Gütern und Dienstleistungen wie auch – zum größeren Teil – staatliche Transferzahlungen. Die eingesparten Mittel verwendet der Staat für Steuersenkungen wie für die Reduzierung der Neuverschuldung.

Nach den Kalkulationen der Autoren auf der Basis eines Modells, das in der EZB Verwendung findet, trägt eine solche Strategie nicht nur langfristige Früchte (was weniger erstaunlich ist) als vielmehr auch kurzfristige Früchte (ein Ergebnis, das unter Ökonomen sehr umstritten sein dürfte). Wie kommt das Ergebnis zustande? Die Erwartung niedrigerer Staatsausgaben in der Zukunft lässt die Menschen niedrigere künftige Steuern erwarten – die höheren Einkommenserwartungen beflügeln den Konsum dann auch schon auf kurze Frist. Zweitens beseitigen künftige Steuersenkungen wirtschaftliche Verzerrungen und erzeugt damit Anreize für eine höhere Produktion. Und drittens begünstigen niedrigere Staatsausgaben und Steuern eine Abwertung der Währung mit dem Ergebnis höherer Ausfuhren.

Wichtig ist vor allem die Glaubwürdigkeit der Konsolidierungsstrategie. Die positiven Effekte stellen sich nur ein, wenn die Bürger den Politikern vertrauen – im Zweifel müssen die Politiker ihr künftiges Handeln schon heute festschreiben.

In der Zwischenzeit hat Wieland auch mithilfe des Modells überprüft, wie eine fiskalische Konsolidierungsstrategie in Europa wirken würde. Auch hier macht es einen entscheidenden Unterschied, wie konsolidiert wird. Besonders schädlich ist eine Reduzierung der Neuverschuldung durch Erhöhungen der Einkommensteuer, während Kürzungen von Staatsausgaben und hier besonders von Transferausgaben (die einen kleineren Multiplikator haben als Staatskäufe von Gütern und Dienstleistungen) weitaus vorteilhaftere Wirkungen entfalten. (Hier gibt es Slides einer Präsentation aus dem Oktober 2012. Und hier ist eine Diskussion des Wieland-Papiers.)

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*) Formal ist Wieland derzeit vom Bundeswirtschaftsminister vorgeschlagen. Ernannt werden Sachverständigenratsmitglieder durch den Bundespräsidenten. Es ist aber sehr unwahrscheinlich, dass der Bundespräsident den Vorschlag der Regierung zurückweist.

 
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Lesermeinungen zu diesem Artikel (1)
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0 tricky1 16.11.2012, 12:23 Uhr

Gegenüber solchen Modellen...

Gegenüber solchen Modellen bin ich grundsätzlich sehr skeptisch eingestellt, weil für die Extrapolation ungetestet Parameter aus der Vergangenheit benützt werden. . Aktuelles Beispiel für gravierende Fehler dieser Art lieferte der IWF mit den unbrauchbaren Berechnungen für Griechenland. . Dass Sparen zum Ausgleich des Staatsdefizits einer Steuererhöhung vorzuziehen wäre, scheint mir unabhängig von Modellen klar zu sein, auch wenn Politiker meistens lieber den anderen bequemen Weg gehen.

Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt in der F.A.Z.