Fazit – das Wirtschaftsblog

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Für alle, die’s genau wissen wollen: In diesem Blog blicken wir tiefer in Börsen und andere Märkte - meist mit wissenschaftlicher Hilfe

Die Versager von der Fed

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Die amerikanische Notenbank Federal Reserve wird 100 Jahre alt. Ihre Ziele hat sie nicht erreicht.

Über den Jubilar nichts Schlimmes. Getreu diesem Motto haben viele amerikanische Ökonomen der Zentralbank Federal Reserve in diesem Jahr eine im Kern gute Bilanz ausgestellt. Am 23. Dezember jährt sich zum 100. Mal der Tag, an dem Präsident Woodrow Wilson den Federal Reserve Act unterzeichnete und die Geldversorgung monopolisierte.

Auf Gedenkkonferenzen dazu gab es zwar kritische Studien zur Geldpolitik in den beiden Episoden des Versagens, der „Großen Depression“ der Dreißiger und der „großen Inflation“ in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Doch die meisten Einlassungen zeichnete ein freundlicher Grundton aus. Nur wenige Ökonomen stellen die Rolle der Fed und des monopolisierten Geldes grundsätzlich in Frage, die meisten widmen sich allein der geldpolitischen Debatte im Rahmen des Federal Reserve System.

© Alfons Holtgreve 

Für diese Verzerrung spielt eine Rolle, dass das Federal Reserve System mit seinen Hunderten Ökonomen und zahlreichen Konferenzen die geldpolitische Forschung nicht nur beeinflusst, sondern externen Wissenschaftlern auch viele Möglichkeiten zur Selbstdarstellung bietet. Das enge Miteinander könnte ein Grund dafür sein, dass die Fed im Urteil des Fachpublikums weit besser dasteht als in der Öffentlichkeit.

Die amerikanische „Main Street“, also der „kleine Mann auf der Straße“, wirft der Fed jedenfalls immer noch hauptsächlich vor, sie habe erst die Immobilienblase angefeuert und dann während der Finanzkrise die großen Geldhäuser herausgepaukt. Lange vorbei sind die Zeiten Ende der achtziger Jahre, als Wirtschaftsnobelpreisträger Milton Friedman formulieren konnte: „Keine größere Institution in den Vereinigten Staaten hat eine so schlechte Leistung für eine so lange Zeit, aber zugleich eine so große öffentliche Reputation.“ Heute scheinen in der Öffentlichkeit Leistung und Reputation der Fed oft gleich schlecht.

Dramatische Geldentwertung

Ein nüchternes Bild auf die geldpolitischen Leistungen der Fed in ihren 100 Jahren warfen in einer umfassenden Studie schon 2010 George Selgin, William Lastrapes und Lawrence White. White hat die Ergebnisse für das marktliberale Cato-Institut in Washington in vier Punkten resümiert: Erstens habe die Fed die säkulare Inflation dramatisch gesteigert – verglichen mit dem wettbewerblichen Geld im Goldstandard der Vor-Fed-Ära. Ein Warenkorb, der 1879 für 100 Dollar zu haben gewesen sei, kostete 1914 nur 99,95 Dollar. Gegen diese Preisniveaustabilität verblasst die Bilanz der Fed zum Beispiel in den vergangenen 50 Jahren: Der gleiche Warenkorb, 1963 für 100 Dollar gekauft, kostete in diesem Jahr 761,54 Dollar. Zweitens habe die Fed die Unsicherheit über das künftige Preisniveau erhöht. Im Ergebnis seien sehr langfristige Unternehmensanleihen fast völlig vom Markt verschwunden. Drittens habe die Fed den Konjunkturzyklus nicht gezähmt. Die Schwankungen der gesamtwirtschaftlichen Produktion waren mit der Fed viel größer als in der Vor-Fed-Zeit. Selbst nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Schwankungen nicht geringer, obwohl die stärker diversifizierte Wirtschaft kleinere Schwankungen erwarten ließ. Viertens habe die Fed – nicht unerwartet, aber dennoch im Widerspruch zu ihrem Mandat – die Arbeitslosigkeit nicht verringert.

Die Bilanz der Fed sei „nicht beneidenswert“, meint auch Gerald O’Driscoll, der frühere Vizepräsident der Federal Reserve Bank von Dallas. Als besonders schädlich erwies sich nach seiner Analyse die Abkehr vom Goldstandard und der Übergang zur reinen Papierwährung, die nur noch durch das Vertrauen in die Notenbank gedeckt war. Die Fed habe ihre Aufgabe leidlich nur dann erfüllt, wenn die Regierung fiskalpolitisch konservativ mit geringen Defiziten oder Überschüssen wirtschaftete oder wenn die Fed sich an Regeln hielt und auf geldpolitische Experimente verzichtete. „Die große Frage ist, ob die Fed ihren Zweck überlebt hat und wettbewerbliches Geld und ein Warenstandard ihren Platz einnehmen sollte“, fragt O’Driscoll. Er selbst hielte das nicht für die schlechteste Lösung, sieht dafür aber auf absehbare Zeit keine Chancen.

Geldpolitik für die leeren Kassen

Der Grund liegt in der Geschichte. Die meisten Zentralbanken wurden nicht gegründet, um eine stabilitätsorientierte Geldpolitik sicherzustellen. Schon bei der Gründung der Bank of England im Jahr 1694 ging es vielmehr darum, die Ausgabenwünsche des Königs oder anderer Herrscher zu finanzieren. Wo früher Kriegskosten die Defizite trieben, sind es heute die Kosten des Wohlfahrtsstaates. Für Politiker sei es unwiderstehlich, Geld zu drucken, um zu versuchen, Fehler der Regierung zu korrigieren, erinnert sich Jerry Jordan, der frühere Präsident der Fed von Cleveland.

Ausgerechnet die Federal Reserve entstand zwar nicht, um leere Staatskassen zu füllen, sondern um nach der Wall-Street-Panik von 1907 weitere Finanzkrisen zu verhindern. Doch ließ sie sich von der Regierung schnell in die Pflicht nehmen, um die Kosten des Ersten und Zweiten Weltkriegs durch inflationäre Entschuldung zu verringern. Auch die heutige Rettungspolitik, die auf die Finanzkrise folgte, ähnelt mehr einer fiskalischen Kreditvergabe als einer Geldpolitik – ganz zu schweigen vom Ankauf von Staatsanleihen in Billionenhöhe. Es ist schwer vorstellbar, dass der Kongress dieses Instrument aufgeben würde. O’Driscolls Schlussfolgerung lautet daher: Will man die Zentralbanken abschaffen, muss zuallererst der Staat und damit sein Appetit auf Geld für Kriege und Sozialausgaben geschrumpft werden. Jordan würde dem nicht widersprechen. Resignierend vor dem Ideenreichtum von Politikern, sich fiskalisch auszubreiten, sieht er ein Ende des Zentralbankmonopols und ein wettbewerbliches Geld aber auch als vielversprechendes Mittel, um die Regierenden zu fiskalischer Disziplin anzuhalten.

 

Ein weiterer Sonntagsökonom zum 100. Jubiläum der Fed findet sich hier:
Geldpolitische Bescheidenheit ist keine Zier.

 

Literaturhinweise:
Gerald O’Driscoll (2013): „The Fed at 100“, in: Cato unbound, November 2013.
Lawrence White (2013): „The Fed’s Track Record“, in: Cato unbound, November 2013.
Jerry Jordan (2013): Who Will Guard the Monetary Guardians?, in: Cato unbound, November 2013.
George Selgin, William Lastrapes, Lawrence White (2010): Has the Fed Been a Failure? Cato Working Paper.

 

Der Beitrag erschien als „Sonntagsökonom” in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung am 1. Dezember. Die Illustration stammt von Alfons Holtgreve.

Der Autor auf Twitter.

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11 Lesermeinungen

  1. Privatisierte Zentralnotenbank!?
    Statt die taktischen Symptome des Systems (teils falsch) zu beschreiben, wie waere es zur Abwechslung mit einem Artikel ueber die wahren Zusammenhaenge und die u.U. eigentliche Agenda der handelnden Personen? Zwei Punkte zur Diskussion:

    1. Wurde die Fed durch ein Notfallgesetz vor 100 Jahren praktisch privatisiert oder nicht? Eine Veroeffentlichung der Aktionaersstruktur der Fed waere ein grossartiger Schritt. Empfehle jedenfalls jedem, sie zu googlen; eine feine Tapete mit den ueblichen Verdaechtigen.

    2. Ist es wirklich nur eine Verschwoerungstheorie, dass diese ueblichen Verdaechtigen ein Interesse haben, die Maerkte durch hohe Geldmenge aufzublasen, um sie alle 5-10 Jahre durch Schocks zum Sturz zu bringen und die Aktien, Firmen, Immobilien etc. einzusammeln?

  2. Fiskalische Disziplin
    Zur fiskalischen Disziplin sollen die Staaten gezwungen werden. Ändert aber nichts daran, dass sich jemand verschulden muss, sofern weiter gespart wird. Wer dieser Schuldner sein soll, wird im Artikel natürlich nicht gesagt.
    Was konkurrierende Währungen betrifft, sieht man ja anhand von Bitcoin, wie schön solche Schneeballsysteme funktionieren, sofern man nur nicht der Trottel ist, der zu spät aussteigt und die ganze Zeche der Party zahlen muss.

  3. FED: Die größte Firma der Welt!
    Wie kann ein Artikel gut anfangen und mit zwei fetten Falschaussagen enden? Ist das Desinfo-tainment? Die Bank von England wurde 1694 nicht gegründet um den König Geld zu verschaffen, sondern Ziel der Drahtzieher war es, ein parasitäres, fraktionales Geldsystem zu implementieren, mit dem eine Gruppe von Privatleuten das Land ausbeuten konnte. Dazu hat man sich des Königs und der Gestzgebung bedient. Kann man wirklich überall nachlesen! Zweitens: Ohne die gigantische Aufschuldung der Länder( in Folge der Kriegskosten) durch die FED, d.h. ohne den Willen der Eigentümer dieser Geldmaschine, hätten beide Weltkriege nicht geführt werden können. Liberales Gedankengut sieht den Schurken im Stück leider zu einseitig beim Staat und den Politikern und nicht beim Finanzier!

  4. Ein sehr guter Beitrag
    der es leider vergisst zu erwähnen dass die FED eine 100% private Gesellschaft ist .Sie wurde extra zu dem Zweck erschaffen mittels Fractional Banking ,Inflation u Zinseszins auszurauben.
    Sie ist zudem laut US Gesetz illegal,weil nur die US Regierung das recht hat Geld zu drucken

    Auch hätte man die Inflation besser veranschaulichen solle.

    Diese Betrug vor der FED unter 0.05% in 40 Jahren während sie nun ca 800% beträgt.Das sollte sich jeder mal vergegenwärtigen!!!

    DH 2%-3%Inflation+Wachstum wie sie unsere Politiker ständig predigen sind absolut unnötig wenn es die Zentralen Banken+ FIAT Geld nicht gibt.

    Lobenswert ist die kritische Betrachtung der Finanzexperten welche sich am Busen der FED nähren u deshalb sparsam mit Kritik an der FED-IWF/WTO umgehen u nie Blasen u Verwerfungen im Markt erkennen wollen(wohlwissend dass sie ihren Status verlören etc)
    Genauso „seriös“ funktioniert es übrigens in der Klimaforschung wo gut bezahlte Funktionäre die Erderwärmung durch einen lächerlichst geringen Anteil an co2 herbeireden wollen,auch gg Wissenschaftliche Standards(eine negative korrelationa(wie aktuell bei der klimatheorie) welche eine Theorie widerlegt wird hier schlichtweg ignoriert analog zu der aktuellen Entwicklung der Aktienmärkte welche sich Entgegengesetzt zur Wirtschaft entwickeln aber trotzdem nirgends als useriöse Blase erkannt wird)

  5. Der FED-Act am 23.Dez.1913 mittels Manipulation durch den Kongeress gebracht....
    während nach einer mehrjährigen heißen Diskussion zur Notwendigkeit – ob Ja oder Nein – man einer Reihe bekannter Gegner nicht informierte, daß ausgerechnet dieser Beschluß 2 Tage vorm amerikanischen Weihnachten im Kongreß abgestimmt werden solle. So hatten die Befürworter die Oberhand und die neue „Zentralbank“ FED gehörte den Bankhäusern Rockefeller, Rothschild, Kuhn&Loeb, Warburg und Morgan Chase – war damit ein absolut privat geführtes Unternehmen! Der $ ein privates Schuldscheinsystem ohne jede staatliche Kontrolle, wie bei der EZB ebenfalls.
    Als Kennedy diesen Umstand wieder unter staatliche Kontrolle stellen wollte – er gab Staatsgeld aus – wurde er ermordet. Herrhausen setzte sich für einen Schuldenerlaß in der Dritten Welt ein und gab 1988 die Grundlage für einen ausgleichenden Zustand in Zentraleuropa (Gorbatschow mit Prof. W. Daschitschew, Deutschland in den Grenzen von 1937 ohne jede Vorbedingung) und er wurde ermordet!
    Richtig, mittels der FED wurden Ziele erreicht, die für viele, sehr viele nicht zu verstehen aber zig Mill. Menschen in den letzten 100 Jahren das Leben kosteten!
    Die FED in Zusammenarbeit mit der „City of London“, den Bilderbergern, CfR u.ä. haben das Gesicht der Erde nach ihrem gutdünken verändert und sind fleißig weiter dabei dies zu tun – ob zu Guten, mag der Leser beurteilen….

  6. Büchse der Pandora
    Der Artikel verschweigt geflissentlich, daß die Fed eine PRIVATE Notenbank ist, die Kreditgeld an die Regierung VERLEIHT. Wenn man sich ein wenig mit den inseszins System beschäftigt, der wird feststellen, daß eine daraus resultierende Inflation ein zwangsläufiger Charakter dieses Modells ist. Wer die Tatsache, daß die FED eine Privatbank ist für V hält, dem empehle ich folgendes zu googlen:Lewis v. United States, 680 F.2d 1239 (1982)
    Im Prozess stellt das Gericht eben oben genannte Tatsache fest. Ansonsten hilft Wikipedia bei der Geschichte der FED gut weiter, wenn auch unvollständig. Solange wir also ein Kreditgeld System benutzen, welches streng gnommen nichts weiter als ein Ponzi Scheme ist, solange werden wir uns in manischen Phasen zwischen kurzen Hochs und langen Tiefs auf eine menschlische, ökonomische und ökologische Katastrophe zubewegen. Streng genommen ist die FED, oder besser die Bank of England eine Büchse der Pandora, die uns vielleicht das Leben auf diesen Planeten kosten wird.

  7. Die FED hat sehr wohl ihre Ziele erreicht
    Man muss aber verstanden haben, was die Ziele der FED sind.

  8. Oh doch, das Ziel wurde schon lange erreicht
    Wer den Umkehrschluss zulässt, wird merken, dass nach dem Motto (Zitat:) „…die Fed hat die säkulare Inflation dramatisch gesteigert“, die Fed sehr wohl ihr Ziel erreicht hat.

    Diese beschriebene effektive Inflation vermag die Fed sogar den europäischen Regierungen als Deflation zu verkaufen, die es wiederum zulassen, dass ein Mann ihres Schlags als Chef der EZB gewählt wird. Und dieser kann im Namen dieser „Deflation“ so viel billiges Geld drucken, dass die Zinsen ins Bodenlose fallen.

    Den Preis bezahlen alle, die sich nicht am Monopoly mit den Spielregeln der Fed mitspielen. D.h. alle anderen, nur nicht jene, die dafür verantwortlich sind – oder anders ausgedrückt: bestimmt nicht die Finanzdienstleister.

  9. Ihre Ziele erreicht sie ganz im Gegenteil täglich aufs Neue: Das Ausbeuten der Bürger zugunsten
    der Politkaste und Banken.
    Das ist nämlich das eigentliche, wirkliche Ziel.
    Alles andere ist verlogene Propaganda.
    Erreicht wird das Ziel durch maßloses Gelddrucken und Zuschanzen dieses Geldes an die Profiteure, die dann damit einkaufen wie Falschmünzer.

  10. Die FED ist kein Versager sondern funktioniert wie ein Uhrwerk
    Die wahren meister of the finance universe halten sich bedeckt.
    Eine Analyse der Finanzmärkte zeigt, dass die Finanzen der Welt in den Händen von nur wenigen Investmentfonds, Banken und Konzernen sind. Die acht größten US-Finanzinstitute (JP Morgan, Wells Fargo, Bank of America, Citigroup, Goldman Sachs, U.S. Bancorp, Bank of New York Mellon und Morgan Stanley) werden zu 100 Prozent von zehn Aktionäre kontrolliert. Vier Unternehmen sind bei allen Entscheidungen immer dabei: BlackRock, State Street, Vanguard und Fidelity. Zudem besteht die Federal Reserve aus zwölf Banken, die von einem Direktorium aus sieben Leuten repräsentiert werden, und die aus den Vertretern der „Großen Vier“ bestehen, die wiederum in allen anderen Institutionen vertreten sind. Kurz gesagt: Die Federal Reserve wird von vier Konzernen kontrolliert:

    BlackRock, State Street, Vanguard und Fidelity.

    Das sind die Verbrecher und Auslöser aller Krisen dieser Erde!

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