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Der Euro gefährdet den Frieden

14.12.2011, 12:08 Uhr  ·  Auch nach dem Gipfel ist der Euro noch lange nicht gerettet. Er hat die Krise mit verursacht und spaltet Europa: Ohne den Euro hätten wir weniger Probleme. Von Philip Plickert

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Auch nach dem Gipfel ist der Euro noch lange nicht gerettet. Er hat die Krise mit verursacht und spaltet Europa: Ohne den Euro hätten wir weniger Probleme.

Von Philip Plickert

Glühende Euro-Europäer reagieren auf das Wort “Euro-Krise” allergisch. “Alles Gerede und Geschreibe über eine angebliche ,Krise des Euro’ ist leichtfertiges Geschwätz von Medien, von Journalisten und von Politikern”, schimpfte Helmut Schmidt jüngst auf dem SPD-Parteitag. Er war einer der Vordenker der Gemeinschaftswährung. Auch der Luxemburger Premier Jean-Claude Juncker, der den Euro mit Kohl und Mitterrand aus der Taufe gehoben hat, bekommt Zustände beim Wort Euro-Krise: “Es macht mich wütend, wenn ich höre, der Euro sei in der Krise.” Viele Veteranen der europäischen Einigung denken so.

“De Eurozeichen vor der EZB - Foto: dpar Euro ist stabil”, lautet das Mantra der Verteidiger. Die Inflation sei wie versprochen niedrig gewesen, im Durchschnitt knapp unter 2 Prozent, rechnet die Europäische Zentralbank (EZB) vor. Auch seinen Außenwert, etwa gegenüber dem Dollar, habe der Euro gut gehalten. Die Gemeinschaftswährung als solche habe mit der Krise nichts zu tun. Es gebe lediglich eine Schuldenkrise einiger Euroländer, deren Fiskalpolitik zu lax war. Und die sollen nun mit verschärften Sanktionen diszipliniert werden.

Vernichtende Bilanz

Unter Martin Feldstein - Foto: Reuters Ökonomen gibt es aber schon länger Zweifel, ob die 1999 begonnene Währungsunion wirklich eine so tolle Sache war. Jetzt hat Harvard-Professor Martin Feldstein, einer der am meisten geachteten amerikanischen Ökonomen, eine vernichtende Bilanz gezogen: Der Euro sei ein kostenträchtiges Experiment, das wenig Nutzen und viel Schaden gebracht habe. Feldstein geht so weit, den Euro als Hauptursache der gegenwärtigen Krise auszumachen. Das Aufkommen von Staatsschuldenkrisen nur zwölf Jahre nach Beginn der Währungsunion “war kein Unfall oder Ergebnis von bürokratischem Missmanagement, sondern die unvermeidliche Folge davon, einer sehr heterogenen Gruppe von Ländern eine Einheitswährung aufzuerlegen”.

Schuldenkrise, Bankenprobleme, die hohe Arbeitslosigkeit, die Handelsbilanzdefizite vieler Länder – praktisch alle ökonomischen Übel, die nun den Euroraum plagen, führt Feldstein auf die Schaffung des Euro zurück. Schon früher hat er dazu pessimistische Aufsätze geschrieben. Dass die Inflationsrate in der Eurozone gering gewesen sei, worauf die EZB so stolz ist, hält er für keine besondere Leistung. Auch andere Länder hätten eine Dekade niedriger Inflation hingekriegt, meint Feldstein, einst oberster Wirtschaftsberater von Präsident Ronald Reagan und langjähriger Chef des National Bureau of Economic Research.

Ein Einheitszins mit verzerrender Wirkung

Seine Kritik richtet sich vor allem auf die verzerrende Wirkung des Einheitszinses für den gesamten Euroraum. Der sei stets für die einen zu tief und für die anderen zu hoch. Für die Peripherie-Länder war der Zins die ersten Jahre deutlich zu niedrig. Denn real, also abzüglich ihrer höheren Inflationsrate, hatten sie sogar negative Zinsen und konnten extrem günstige Kredite aufnehmen. Diese Chance ließen sie sich nicht entgehen. Die privaten Haushalte begannen, sich stark zu verschulden. Die Konjunktur zog an, die Immobilienpreise stiegen – bis eine Blase entstand und platzte. Nun kamen wieder die alten Wettbewerbsschwächen der südeuropäischen Länder zum Vorschein. Die Staatsverschuldung steigt rasant, und die Kapitalmärkte erheben höhere Risikoaufschläge.

Da es keine Abwertungsmöglichkeiten im Euro gibt, haben die Südländer ihr wichtigstes Instrument verloren, um flexibel und differenziert auf Schocks zu reagieren, kritisiert Feldstein. Nach seiner Analyse werden infolge des starren Geld-Korsetts in Europa die zyklische Arbeitslosigkeit und konjunkturelle Krisen künftig zunehmen. Die Handelsgewinne, die es im einheitlichen Währungsraum auch gibt, wögen diese Probleme nicht auf. Beim Vergleich mit den Vereinigten Staaten, die auch einen heterogenen Wirtschaftsraum umfassen, findet Feldstein mehrere entscheidende Unterschiede: Gibt es in einem amerikanischen Bundesstaat hohe Arbeitslosigkeit, ziehen die Menschen woandershin. Die hiesigen Arbeitslosen sind viel weniger mobil; zu hoch sind die Barrieren aus Sprache, Kultur, Religion, Gewerkschaften und Sozialsystemen. Auch wenn nun einige tausend Spanier oder Griechen nach Norden ziehen – es sind vergleichsweise wenige.

Die Transferunion führt zu Unfrieden

In Amerika findet noch ein anderer Ausgleich zwischen Regionen mit schwacher und Regionen mit starker Wirtschaftsentwicklung statt: über den föderalen Finanzausgleich. Etwas vereinfacht rechnet Feldstein vor, dass ein konjunktureller Einbruch beispielsweise in Massachusetts oder Ohio, der dort die Steuereinnahmen um einen Dollar drückt, durch Transfers aus der Bundeskasse von etwa 40 Cent teilweise ausgeglichen wird. Das stabilisiert erheblich. Feldstein ist skeptisch, ob die Europäer eine ähnliche Fiskalunion akzeptieren würden. Vermutlich würden die Bürger in den nordeuropäischen Geberländern auf die Barrikaden gehen, wenn sie für permanente Milliardentransfers zur Kasse gebeten würden.

Was aber wir Proteste in Griechenland - Foto: dpad aus Europa als Friedensprojekt? Der Euro ist dabei, den Frieden zu stören, fürchtet Feldstein. Viele Griechen auf der Straße fühlen sich von Deutschland kojuniert. Kanzlerin Merkel zwinge Südeuropa zu schmerzhaften Sparkuren, die lange Rezessionen bedeuten und deren Erfolg nicht absehbar ist. In Frankreich mehren sich die Stimmen, die sich vor einer germanischen Dominanz ängstigen. Europaminister Jean Leonetti fühlt sich gar an die Stimmung zwischen den Weltkriegen erinnert und warnte vor “hysterischem Deutschenhass”. In der Londoner “Times” leistete sich der europhile Kolumnist Anatole Kaletsky die irre Bemerkung, Deutschland sei “wieder im Krieg mit Europa – wenigsten in dem Sinne, als deutsche Politik in Europa charakteristische Kriegsziele zu erreichen versucht – die Verschiebung internationaler Grenzen und die Unterwerfung fremder Völker”.

Das ist es, das hässliche Wort Krieg. Sagte nicht einst Helmut Kohl, der Euro sei “eine Frage von Krieg und Frieden”? Nun kommt tatsächlich feindselige Rhetorik auf – weil Deutschland nicht bereit ist, eine Transferunion zu schaffen und die Staatsfinanzierung über die Notenpresse zuzulassen. “Die Einführung des Euro hat Spannungen und Konflikte innerhalb Europas geschaffen, die es andernfalls nicht gegeben hätte”, lautet Feldsteins Fazit. Es ist schwer, ihm da zu widersprechen.

Der Beitrag erschien als Sonntagsökonom in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 11. Dezember. Eine andere Ansicht vertritt Olaf Storbeck im Handelsblog.

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Veröffentlicht unter: Euro, Krise, Währungsunion, Martin Feldstein

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (14)
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0 HansMeier555 18.12.2011, 05:51 Uhr

Non ad hominem, sed ad...

Non ad hominem, sed ad absurdum . In Diskussionen soll man sachlich argumentieren und nicht persönlich werden. Diesem Grundsatz führen FAZIT-Blogger ad absurdum: Sie verlangen im Ernst, dass die Biographie des jeweiligen Autors (d.h. seiner Ausbildung, seine früheren Publikationen, sein beruflicher Werdegang, seine politischen Freundschaften und seine Einkommensquellen, etc.) in der Diskussion nicht erwähnt werden darf! Nachdem Rainer Hank schon vor einiger Zeit meine Frage nach seiner wirtschaftswissenschaftlichen Qualifiaktion zensierte, weil er sie für ein unfaires Argument „ad hominem“ hielt (siehe: http://j.mp/tJx7R8) hat jetzt auch Philip Plickert das Argument aufgegriffen. In Antwort auf einen Leserkommentar zum Beitrag „Der Euro gefährdet den Frieden“ schrieb er: «ich [würde] nicht jede … Analyse eines Wirtschaftsprofessors, der schon mal in einer Bank einen Vortrag gehalten hat, einfach mit Hinweis wegwischen, die sei „gekauft“. Besser ist es, sich mit den sachlichen Argumenten auseinander zu setzen und nicht Argumente „ad homini“ zu finden.» (16.12.2011, 15h51) Konkret war Rede die von Martin Feldstein, einem ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden von Firmen wie AIG, JPMorgan und TRW. Muss ich die Absurdität der Position von Hank und Plickert erst nachweisen? Weiß irgendjemand nicht, was die Begriffe „Befangenheit“, „Interessenkonflikt“, „Untreue“, „Lobbyismus“ oder „Bestechlichkeit“ bedeuten? Glaubt oder wünscht jemand eine politische Kultur, in der solche Begriffe nicht mehr benutzt werden dürfen? Glauben die FAZIT-Blogger, dass ausgerechnet preisgekrönte Journalisten eines Qualitätsmediums und deren bevorzugten Referenz-Experten das merkwürdige Privileg genießen sollten, als öffentliche Personen anonym bleiben zu dürfen? Da ich ihnen soviel Ignoranz und Dummheit nicht unterstellen kann, neige ich zu einer psychologischen Erklärung: Im Grunde wissen sie selber ganz genau, dass ihre Propaganda keiner seriösen Kritik stand hält. Ihnen ist das alles jetzt schon peinlich: Sie verhalten sich wie Werbefritzen, die sich für die Qualität der Produkte ihres Auftraggebers ja auch nicht verantwortlich fühlen.

0 janeausten 17.12.2011, 12:10 Uhr

@ schmeconomics Vielen Dank...

@ schmeconomics Vielen Dank für die Links. Zu erwähnen wäre vielleicht noch, dass GB zwar auch eine Immobilienblase hatte, die Preise dort (bis jetzt) aber nicht ganz so massiv eingebrochen sind wie in Irland.

0 tricky1 16.12.2011, 15:53 Uhr

@Philip Plickert (Kommentar...

@Philip Plickert (Kommentar 16. Dezember 2011, 14:51) Wenn es nur um die Grundfrage der (unzweifelhaft) gestörten Harmonie nach Zusammenlegung von Währungen und Kassen gegangen wäre, hätte man den umstrittenen Professor nicht in dieser Weise bemühen müssen. Mein Argument, dass man (auch heute noch) sehr wohl die Währung zusammenlegen und dennoch getrennte Kasse machen kann, haben Sie leider nicht berücksichtigt. Ich bin sehr sicher, dass es nicht zu einer Zusammenlegung aller Kassen kommen wird, weil eben dafür weder eine unbegrenzte Bereitschaft noch eine Notwendigkeit besteht. Weder das Ende des Euros noch seine Aufteilung in Nord und Süd sind zwingend notwendig, denn imho würden sich die südlichen Länder mit eigenen Währungen und hoher Inflation einen Bärendienst erweisen. Die reichen Bevölkerungsteile können sich gegen die schlimmen Folgen der Inflation schützen, bezahlt wird es aus der Tasche der kleinen Leute und insbesondere den Rentnern.

0 faz-ppl 16.12.2011, 14:51 Uhr

Die Grundfrage dieses...

Die Grundfrage dieses Beitrags ist: Bringt es wirklich mehr Harmonie, wenn man das Geldwesen (erst die Währung, bald auch noch die Kasse) zusammenlegt? Ich glaube nein. Getrennte Haushaltskassen in einem Haus sind sinnvoll. Sonst kommt es zu dauerndem Streit. Die einen fühlen sich ausgebeutet, die anderen bevormundet. Mit eigenen Währungen hatte jedes Land mehr makroökonomischen Spielraum. Das ist dem Kontinent besser bekommen als die politisch gewollte, aber ökonomisch übers Knie gebrochene Währungsunion.
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Ralf Dahrendorf warnte 1995: "Die Währungsunion ist ein großer Irrtum, ein abenteuerliches, waghalsiges und verfehltes Ziel, das Europa nicht eint, sondern spaltet."
www.spiegel.de/.../d-9247341.html
Ich glaube, er hat leider recht.
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@mopinsky und tricky1: Der Film „Inside Job“ ist mir bekannt. Ich habe darüber in der F.A.Z. geschrieben (unter dem Titel „Professor Wall Street“ auf der Volkswirt-Seite am 17.1.2011). In diesem Film ging es aber vor allem um Larry Summers.
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Zitat aus dem o.g. Artikel
„Regisseur Charles Ferguson verspricht darin, Hintergründe der Finanzkrise aufzudecken. Besonders schießt er sich auf Rolle des Harvard-Professors Larry Summers ein, der als Finanzminister des damaligen Präsidenten Bill Clinton von 1999 bis 2001 wichtige Gesetze zugunsten der Finanzbranche lockerte. Unter Präsident Barack Obama leitete er 2009 und 2010 den Nationalen Wirtschaftsrat. In der Zwischenzeit hatte Summers laut offizieller Erklärung sein privates Vermögen um 20 Millionen Dollar erhöht - vor allem mit Beraterverträgen für die Finanzbranche, kritisiert Ferguson. Für einen einzigen Vortrag vor der Investmentbank Goldman Sachs habe Summers ein Honorar von 135.000 Dollar erhalten. Summers' Karriere sei symptomatisch für den "unterschätzten Skandal: das Zusammenlaufen von akademischen Ökonomen, Wall Street und politischer Macht", schreibt Ferguson.
In der Ökonomenzunft sind viele peinlich berührt von diesen Anklagen, die einen wahren Kern enthalten….“
Inzwischen hat sich die American Economic Association einen Ethik Codex verschrieben, der Interessenkonflikte aufdecken soll.
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Ich halte die geschäftlichen Beziehungen einiger amerikanischer Ökonomen mit Wall-Street-Firmen für hoch problematisch. Trotzdem würde ich deshalb nicht jede ihrer Analyse eines Wirtschaftsprofessors, der schon mal in einer Bank einen Vortrag gehalten hat, einfach mit Hinweis wegwischen, die sei „gekauft“. Besser ist es, sich mit den sachlichen Argumenten auseinander zu setzen und nicht Argumente „ad hominem“ zu finden.

0 Schmeconomics 16.12.2011, 14:01 Uhr

@janeausten Ja, Sie haben zum...

@janeausten Ja, Sie haben zum Teil auf jeden Fall recht. Ich hatte die Rolle der irischen Banken falsch in Erinnerung. Irische Banken haben traditionell Immobilienkredite vergeben und deren Risiken total falsch eingeschätzt. Irische Banken waren auch im US-Subprime-Markt via MBSs investiert, aber dies machte nur einen kleinen Teil ihrer Schwierigkeiten aus. Hier ist ein Paper dazu: http://www.esr.ie/Vol40_2/Vol-40-2-Honohan.pdf Die Probleme für die irischen Steuerzahler ergab sich dann aus der Tatsache, dass die Regierung den Banken einen Blankoscheck ausstellte und ihre Schulden vergemeinschaftete. -- Auf spanische Immobilienkredite gab's / gibt's aber auf jeden Fall MBSs, vor allem RMBSs. Hier ein Rating-Sheet einer spanischen RMBS: http://www.dbrs.com/research/243618 und hier noch ein Artikel dazu: http://ftalphaville.ft.com/blog/2010/10/21/377031/that-extended-espana-rmbs/ -- Letztendlich habe ich aber keine genauen Zahlen dazu und der Umfang europäischer RMBSs war ohne Zweifel geringer als derer in den USA. Aber Securitization spielte zumindest eine Rolle, wenn auch nicht eine so große wie ich dachte. (Wie groß jedoch die Rolle der niedrigen EZB-Zinsen für die spanische und irische Immobilienblase war, ist mir jedoch nicht klar, weil man ja im UK eine ähnliche Blase hatte.)

0 tricky1 16.12.2011, 13:46 Uhr

Wie schon von mopinsky oben...

Wie schon von mopinsky oben begründet ist der zitierte Prof. M. Feldstein keineswegs der unumstrittene Wirtschaftsguru und seine Thesen äusserst umstritten. Dass sich der Blogschreiber und FAZ-Redaktor blindlings hinter solchen Grössen versteckt ist angesichts deren Dürftigkeit höchst bedenklich. "Der Euro gefährdet den Frieden" ist ein dummer journalistischer Blickfang und die Aussage "Ohne den Euro hätten wir weniger Probleme" schlicht eine falsche und unbewiesene Behauptung. Wir hätten zwar das aktuelle Problem nicht, aber dafür die Vorteile des Euro nicht gehabt und mit grosser Wahrscheinlichkeit einfach andere Probleme! Im Titel "Ein Einheitszins mit verzerrender Wirkung" wird dem Euro ein Versagen angelastet, welches ganz eindeutig von der Finanzindustrie zu vertreten ist. Dass heute ganz selbstverständlich Länder mit zu hoher Verschuldung höhere Zinsen als Gegenwert des höheren Risikos zahlen müssen hätte schon vor Jahren sein müssen, es ist nicht ein Versagen des Euros sondern der Finanzindustrie. "Die Transferunion führt zu Unfrieden" geht in tatsachenwidriger Weise davon aus, dass in Europa eine nur unbegrenzte Transferunion den Euro retten könne und dies ist schlicht falsch. Die kürzlich getroffenen Stabilitätsbeschlüsse packen das Übel an der Wurzel, und falls die Finanzmärkte sich davon nicht überzeugen lassen, könnte es sehr wohl dennoch zu einer Zahlungsunfähigkeit einiger überschuldeter Euroländer kommen. Für diesen Fall werden die starken Länder hoffentlich längst einen Plan bereit haben, wie ein solcher Fall abgewickelt werden kann, ohne dass die zahlungsunfähigen Länder aus der EU austreten bezw. eine eigene Währung einführen müssten. Dass solche Pläne zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht öffentlich diskutiert werden ist naheliegend und müsste auch einem FAZ-Redaktor einleuchten?

0 mopinsky 16.12.2011, 10:36 Uhr

"Harvard-Professor Martin...

"Harvard-Professor Martin Feldstein, einer der am meisten geachteten amerikanischen Ökonomen" - Nicht mehr lange! Googlen Sie einmal nach "Inside Job", dem Oskar-Preisgekrönten Dokumentarfilm über die Verursacher der Finanzkrise. Veehrter Herr Plickert mir scheint fast, als könnten Sie noch ein wenig besser recherchieren, um nicht geradezu im Blindflug derartiges Geschwätz von einem, ach so renommierten Ökonomen widerzukäuen. Im vorgenannten Film erfährt nämlich der Zuschauer ziemlich eindeutig von der unrühmlichen Rolle genau dieses Herrn Feldstein, der wie die meisten renommierten Ökonomen in amerikanischen Universitäten im Sold der Finanzelite, oder sollte ich sagen "Finanzmafia" Amerikas steht. Seine Aussagen sind deshalb im Licht der Standpunkte der wahren Krisenverursacher zu sehen, die seit Beginn der Krise (für mich gehören Subprimekrise und Staatsschuldenkrise zur selben Medallie) ihre Lobbyausgaben verddreifacht haben und keinen Versuch auslassen, ihre Täterschaft zu verschleiern. Dieselben Leute reden der Mainstreampresse die Texte von Schuld und Sparen vor, sind Sie es doch, die für die Deregulierung der Finanzmärkte und ein Verbot der staatlichen Kontrolle mehrere Milliarden Dollar ausgegeben und bis in Senat und Kongress hinein Abgeordnete gekauft und Universitätsprofessoren dazu angestiftet haben ihr Tun wirtschaftswissenschaftlich zu rechtfertigen. Die Resultate sind jetzt nicht nur in Amerika zu besichtigen (mehr als 20 Millionen Arbeitslose) jetzt wird auch noch Europa demontiert. Und Schuld soll der Konstruktionsgfehler des Euro sein? Dass ich nicht lache!!!

0 janeausten 15.12.2011, 20:05 Uhr

@schmeconomics Also dass die...

@schmeconomics Also dass die Immobilienblasen in Spanien und Irland durch komische Finanzprodukte befördert wurden, höre ich zum ersten Mal. War es tatsächlich der Fall, dass irische/britische/spanische Subprime-Loans von Banken zerstückelt als CDO's mit AAA-Rating an Investoren verkauft wurden? Dazu würde mich eine Quellenangabe interessieren. Ich dachte bisher, dass sei nur in den USA der Fall gewesen...

0 Handyman1 15.12.2011, 16:25 Uhr

Nicht gut durchdacht Ich bin...

Nicht gut durchdacht Ich bin nicht mit dem Wirtschaftler einverstanden. Zuerst ist die Arbeitsmobilität in Europa ziemlich hoch. Z.B. in Holland gibt es jetzt schon 200.000 polnische Einwohner und noch mehr Arbeiter die noch in Polen wohnen. Ausserdem werden viele junge Griechen und Spanier in den nächsten Jahren nach Norden wandern. Dann geht es um substanzielle Zahlen. Und ja, Europa ist keine richte Transferunion wie die Vereinigten Staten. Aber es gibt viele Währungsgebiete in der Welt die keine Transferunion sind und trotsdem prima funktionieren trotz grosser lokalen Wirtschaftsunterschiede. Die Krise ist das Beste dass Europa passieren konnte ! Endlich, nach Jahrzehnte, werden die fundamentele Wirtschaftsproblemen deutlich. Im Süden is es die fehlende Wettbewerbsfähigkeit. Durch den Euro gibt es jetzt kein entfliehen mehr durch Währungstricks. Jetzt mussen die richtige Probleme gelöst werden. Aber auch im Norden gillt das fundamentele Probleme jetzt offenbar werden. Z.B. in Holland haben die Leute im durchschnitt die höchste Hypothekverschuldung Europas weil der Stat Hypotheken subventioniert. Durch die Krise gerät Europa jetzt in einen Reformodus die sie letzten Endes stärken wird. Nur diese Krise, die nur indirect mit der Euro zu tun hat, zwingt Europa ihre Probleme zu lösen. Diese Krise ist gut für Europa !

0 rum 15.12.2011, 15:31 Uhr

Auch soziale Unfrieden. Das...

Auch soziale Unfrieden. Das bringt Arebeitslosigkeit und Inflation. Spannung zwischen Arbeitgeber und Arebeitnehmer, zwischen Vermieter und Mieter. Heute wird ein Inflationsgesetz endgültig ratifiziert: Rundfunkbeitrag. Der Kreis der Schuldner wurde immer vergrößert, da jetzt jeder Haushalt Zwangsschuldner ist, können sie die Gebühren für die Staatspropaganda beliebig erhöhen. Und die Staatspropaganda ist in der kommenden EURO-Diktatur sehr wichtig. Wahrscheinlich werden die Rundfunkprogramme nicht genügen, dann werden sie Haschisch und Opium legalisieren, um die Massen ruhig und verblödet zu halten.

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Jahrgang 1979, Redakteur in der Wirtschaft in der F.A.Z.