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Es geht nicht um Griechenland! Es geht um Spanien!

18.06.2012, 14:12 Uhr

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Keine umfassende Entspannung nach der Wahl in Athen: Die spanischen Anleiherenditen steigen immer weiter. Dafür gibt es einen Lichtstreif in Portugal.

Von Gerald Braunberger

Ein kurzer Überblick zur aktuellen Lage an den Finanzmärkten:

Die Kurse griechischer Aktien und Staatsanleihen sind am Montagvormittag deutlich gestiegen, haben aber ihre Tageshöchststände nicht halten können. Gegen 17.54 Uhr notierte der ASE-Aktienindex mit knapp 4 Prozent im Plus nach einem vorübergehenden Anstieg bis rund 7 Prozent. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen sank um 86 Basispunkte auf immer noch astronomische 24,78 Prozent. Es gab heute viele aktuelle Analystenkommentare zur Wahl, meist des Inhalts: Das Wahlergebnis ist eine Atempause, aber nicht mehr. Die Credit Suisse beziffert die Wahrscheinlichkeit eines Austritts Athens aus dem Euro in diesem Jahr mit 20 Prozent. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg kaufen Hedgefonds derzeit hypothekenbasierte griechische Anleihen. Das Kalkül: Die Renditen sind so hoch bzw. die Kurse so sehr im Keller, dass man selbst im Falle eines Austritts Griechenlands aus dem Euro nicht viel mit diesen Papieren verlieren dürfte. Umgekehrt bieten die sehr niedrigen Kurse prächtige Gewinnchancen, falls es gut geht.

Schlecht lief es in Spanien, wo die Zentralbank für den April den Anteil der notleidenden Kredite der Geschäftsbanken und Sparkassen an allen Krediten mit 8,7 Prozent bekannt gab, dem höchsten Stand seit 18 Jahren. Im März hatte der Anteil noch bei 8,4 Prozent gelegen. Daraufhin legten die Renditen spanischer Staatsanleihen deutlich zu. Die Rendite der Zehnjährigen stieg um 28 Basispunkte auf 7,09 Prozent, nachdem vorübergehend ein Euro-Rekordstand von 7,24 Prozent erreicht worden war. Die Rendite der Zweijährigen legte um 39 Basispunkte auf 5,24 Prozent im Nachmittagshandel zu. Hier hatte das Tageshoch 5,50 Prozent betragen. Der spanische Finanzminister forderte die EZB zu Käufen von Staatsanleihen auf. Auch zu Spanien gab es heute viele Analystenkommentare, häufig des Inhalts: Auf Sicht von drei bis sechs Monaten wird das Land ein größeres Hilfsprogramm brauchen. Analysten der Pariser Großbank BNP Paribas beziffern den spanischen Emissionsbedarf bis zum Jahresende auf 30 bis 35 Milliarden Euro und halten ein Eingreifen der EZB für notwendig. Im Handel mit Staatsanleihen achten viele Marktteilnehmer zumindest kurzfristig auch auf Indikatoren aus der technischen Analyse. Wie die Citigroup schreibt, gibt es bei zehnjährigen spanischen Staatsanleihen aus langer Vorzeit stammende technische Widerstandsmarken bei 7,31 und 7,67 Prozent. Die spanischen Renditen zogen auch die Renditen italienischer Staatsanleihen ein Stück weit mit. Die Zehnjährige aus Italien rentierte nachmittags mit 6,03 Prozent 13 Basispunkte höher als am vergangenen Freitag.

In den beiden Programmländern Portugal und Irland setzte sich die Tendenz sinkender Renditen vor allem für Kurzläufer fort. Portugiesische Zweijährige rentierten erstmals seit März 2011 unter 8 Prozent, während die Rendite für irische Zweijährige mit 5,67 Prozent festgestellt wurde.

Die gegenläufige Tendenz zwischen steigenden spanischen und fallenden portugiesischen Renditen ist seit Wochen erkennbar und sollte all jene zur Vorsicht mahnen, die glauben, in der Peripherie seien Ansteckungseffekte zwingend. Vielmehr erhält Portugal viel Lob für die konsequente Umsetzung seiner Reformpolitik, während Spanien alles tut, um ein Reformprogramm von außen abzuwehren, und dabei immer tiefer in die Misere gerät. In Portugal fällt zwar nach Angaben des Banco de Portugal das aggregierte Kreditvolumen der Banken, aber die Banken geben der Exportwirtschaft immer noch netto Kredite. Die Exporte Portugals nehmen seit längerer Zeit deutlich zu.

An den Märkten für deutsche Aktien und Anleihen tat sich nicht viel.

Und zum Schluss noch eine positive Nachricht: Rohöl wird immer billiger. Ein Fass Nordseeöl der Sorte Brent kostet zur Stunde 96,28 Dollar und damit so wenig wie zuletzt im Januar 2011. Im März 2012 wurde noch ein Höchststand von gut 126 Dollar je Fass verzeichnet. Deutlich sinkende Ölpreise wirken wie ein Konjunkturprogramm und tragen in der Peripherie ceteris paribus zu sinkenden Leistungsbilanzdefiziten bei.

 
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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt in der F.A.Z.