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Das Faszinierendste aus Wirtschaft und Finanzen. Prägnant beschrieben und kenntnisreich analysiert von Autoren der F.A.Z. und der Sonntagszeitung.

Zu viele Banken sind richtig schlecht

| 2 Lesermeinungen

Ein leistungsfähiges Finanzsystem ist gut für das Wirtschaftswachstum eines Landes. So steht es zurecht in den Lehrbüchern. Was dort nicht steht: Ein überdimensioniertes Finanzsystem schadet dem Wirtschaftswachstum eines Landes. Von Gerald Braunberger

Ein leistungsfähiges Finanzsystem ist gut für das Wirtschaftswachstum eines Landes. So steht es zurecht in den Lehrbüchern. Was dort nicht steht: Ein überdimensioniertes Finanzsystem schadet dem Wirtschaftswachstum eines Landes.

Von Gerald Braunberger

In einem aktuellen Diskussionspapier der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) demonstrieren Stephen C. Cecchetti und Enisse Kharroubi die schädlichen Folgen eines überdimensionierten Finanzsystems für das Wirtschaftswachstum und die Produktivität einer Volkswirtschaft. Mithilfe empirischer Verfahren gelangen sie zu ernüchternden Beispielen. So stieg der Anteil der privaten Schulden am Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Neuseeland zwischen der Mitte der neunziger Jahre und dem Ausbruch der aktuellen Krise von 90 auf 150 Prozent. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass dieser Anstieg im Gegenzug den Trend des langfristigen Produktivitätszuwachses um rund einen halben Prozentpunkt reduzierte. Umgekehrte Verhältnisse sind in Thailand zu beobachten, wo der Anteil der privaten Schulden am BIP seit dem Jahr 1997 von 150 auf rund 95 Prozent zurückgegangen ist. Dies führte zu einem Zuwachs des langfristigen Produktivitätswachstums um rund einen halben Prozentpunkt. Die Simulation für die Vereinigten Staaten von Amerika gelangt zu einem spektakulären Ergebnis: Sollte es dort gelingen, die private Verschuldung von 200 auf 100 Prozent des BIP zu halbieren, könnte dies zu einem Anstieg des Produktivitätswachstums um 1,5 Prozentpunkte führen.

Wie kommt man dorthin? Cecchetti und Kharroubi beginnen ihre Geschichte mit der herkömmlichen Wachstumstheorie: Sie ist in den vergangenen Jahrzehnten zu dem Schluss gekommen, dass ein leistungsfähiger Finanzsektor nicht nur ein Beiprodukt einer leistungsfähigen Wirtschaft darstellt (wie man früher glaubte), sondern dass ein leistungsfähiges Finanzsystem direkt zum langfristigen Wirtschaftswachstum beiträgt.*) Warum? Ein leistungsfähiges Finanzsystem bringt in einer Wirtschaft Ersparnis und Investition effizient zusammen. Auf diese Weise senkt das Finanzsystem die Kosten, die mit dieser Allokation ansonsten verbunden werden; und es verteilt Kapital und Risiken über die gesamte Wirtschaft. Das sollte sich positiv auf die Investitionen und damit auf das Wirtschaftswachstum auswirken.

Die beiden Autoren vertreten die These, dass in vielen entwickelten Ländern die Finanzbranche so groß geworden ist, dass sie keinen positiven, sondern einen negativen Beitrag zum Wachstum von Wirtschaft und Produktivität leistet. Als Beispiel nennen sie eine Verschwendung von Ressourcen, wenn Finanzhäuser in einem Boom hochqualifizierte junge Leute einstellen, die in anderen Branchen weitaus besser aufgehoben wären. Man könnte in diesem Zusammenhang an die zahlreichen Mathematiker, Informatiker, Ingenieure und (Astro-)Physiker denken, die von Investmentbanken eingestellt wurden, um dort hochkomplizierte FInanzprodukte vor allem für die Terminmärkte zu entwickeln.

Cecchetti und Kharroubi erinnern an die Technologie-Spekulationsblase Ende der neunziger Jahre und stellen fast, dass in einem solchen Boom die Investitionen (zu denen Humankapital zählt) mit erstaunlich hohen Raten wachsen können und das ganze Ausmaß der Überinvestition erst in der anschließenden Krise wirklich bekannt wird: “Following the dotcom bust innumerable computers were scrapped, office buildings vacated and highly trained people laid off.”

 

*) Es ist bemerkenswert, dass in der langfristig orientierten Wachstumstheorie in den vergangenen Jahrzehnten die erhebliche Bedeutung der Finanzbranche für die Gesamtwirtschaft erkannt wurde, während die Finanzbranche im selben Zeitraum aus der kürzerfristig orientierten makroökonomischen Theorie weitgehend verbannt wurde. Insofern ist eine Generalisierung des Typs “Die Ökonomen haben die Rolle von Geld und Banken nicht gesehen” unzutreffend.

 

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2 Lesermeinungen

  1. Ich kann mir nicht erklaeren...
    Ich kann mir nicht erklaeren warum diese Banken immer noch da sind, wenn viele von denen angeblich so schlecht sind?
    Man duerfte doch erwarten dass die Kunden von den “Schlechten” fern bleiben, und dies sollte dann deren Existenz in kuerzer Zeit beenden — es sei den dass man “Rettungpakete” konstruiert um deren ueberleben zu bewahren — wahrscheinlich aus politischen Gruenden.
    Welcher Polito moechte ueber den Kollaps einer Bank praesidieren? Man moechte wohl unangenehme Folgen vermeiden.
    The spectre of a run on a bank, still haunts politicians of all stripes. Memories of the Great Depression still linger, and images of people in the street clamouring for their money.
    A run on the banks? Unacceptable these days, so it seems.
    In fact we had such a situation not too long ago with long lines of Depositors at Banks in the UK and Iceland. Could it happen here ?
    Perhaps it’s time to let the market determine who among the banks survives. Perhaps that will sort the good ones from the bad ones.
    Pax vobiscum

  2. "These, dass in vielen...
    “These, dass in vielen entwickelten Ländern die Finanzbranche so groß geworden ist, dass sie keinen positiven, sondern einen negativen Beitrag zum Wachstum von Wirtschaft und Produktivität leistet”.
    Interessante These, die Begründung mit Einstellungspolitik finde ich allerdings ein wenig enttäuschend. Könnte mir Beispiele bezüglich Finanzmenge relativ zur Innovationsmenge vorstellen. Oder auch zum “Wachstum”, möglicherweise weil dieses nur noch einem politischen Glauben an einen permanenten “Wachstumsmechanismus” folgt, möglicherweise “Beiträge” nur verschwendet.

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