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Kinder sind keine Gummibärchen

05.09.2012, 07:16 Uhr  ·  Warum und wie außerfamiliäre Kinderbetreuung subventioniert werden sollte. Und warum und wie Deutschland von Skandinavien lernen könnte. Ein Gastbeitrag von David Domeij, Paul Klein und Almut Balleer

Von

Warum und wie außerfamiliäre Kinderbetreuung subventioniert werden sollte. Und warum und wie Deutschland von Skandinavien lernen könnte. Ein Gastbeitrag.

Von David Domeij, Paul Klein und Almut Balleer *)

 

In den nordischen Ländern wird außerfamiliäre Kinderbetreuung für Klein‐ und Kleinstkinder stark subventioniert. In Schweden zum Beispiel gibt es einen Rechtsanspruch auf 525 Stunden kostenlose Kinderbetreuung im Jahr für alle Kinder zwischen 3 und 5 Jahren. Diese Kinderbetreuung wird prinzipiell durch die Gemeinden bereitgestellt, es gibt aber häufig auch die Möglichkeit, im Zuge eines Gutscheinsystems zwischen öffentlicher und privater Kinderbetreuung zu wählen. Über die 525 Stunden hinaus ist Kinderbetreuung zwar nicht umsonst, aber immer noch sehr stark subventioniert. So tragen Eltern insgesamt nur etwa 10 Prozent der tatsächlichen Kosten. Während in Schweden rund 75 Prozent aller Kinder zwischen 1‐5 Jahren gewöhnlich den ganzen Tag in einer Kinderbetreuungseinrichtung verbringen, werden in Deutschland weniger als 60 Prozent der Kleinkinder außerfamiliär betreut, und das meist auch nur für ein paar Stunden. Da überrascht es nicht, dass im Jahr 2004 in Deutschland deutlich weniger Mütter mit Kindern unter 6 Jahren arbeiteten als in Schweden (58 Prozent im Vergleich zu 78 Prozent).

Vor dem Hintergrund der anstehenden politischen Entscheidung zum Betreuungsgeld sowie dem 2013 in Kraft tretenden gesetzlichen Anspruch auf einen außerfamiliären Kinderbetreuungsplatz stehen das ob und wie staatlich subventionierter Kinderbetreuung im Zentrum der aktuellen familienpolitischen Debatte. Während die Debatte in Deutschland geprägt ist von den familienpolitischen Ausrichtungen der verschiedenen Parteien, lohnt die Frage nach den ökonomischen Gründen, Kinderbetreuung zu subventionieren. Auf den ersten Blick erscheinen derartige Subventionen ökonomisch wenig sinnvoll, denn das zentrale Argument für freie Märkte lautet, dass ein Markt im Allgemeinen am besten funktioniert, wenn Preise den tatsächlichen Kosten entsprechen.

Wenn ich im Verhältnis zu den volkswirtschaftlichen Kosten zahle und im Verhältnis zu meinem volkswirtschaftlichen Beitrag entlohnt werde, dann habe ich einen Anreiz, genau das zu tun, was für alle Mitglieder der Gemeinschaft am besten ist. Stimmen diese Verhältnisse nicht, kommt es zu Verzerrungen und Externalitäten. Falls zum Beispiel meine Fabrik die Luft verschmutzt und ich dafür nicht zahlen muss, dann stehen meine Gewinne nicht im Verhältnis zu meinem volkswirtschaftlichen Nettobeitrag und ich werde mehr produzieren als für die Gesellschaft insgesamt am besten wäre. Gute Wirtschaftspolitik sollte daher bestehende Verzerrungen abbauen, oder zumindest keine neuen generieren.

Nun verlockt es, aufgrund dieses allgemeinen Grundsatzes zu argumentieren, dass Eltern die tatsächlichen, nicht subventionierten Kosten von Kinderbetreuung übernehmen sollten. Denn genau wie Gummibärchen nicht subventioniert werden, sollte auch Kinderbetreuung nicht subventioniert werden. Aber kann man den Genuss von Gummibärchen mit Elternschaft vergleichen? Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung in den reichen westlichen Ländern ist es durchaus sinnvoll, Familien mit kleinen Kindern zu unterstützen.

 In Deutschland, mit einer Fertilitätsrate von 1,36 Kindern pro Frau, werden für eine sehr lange Zeit relativ wenige junge Arbeitnehmer relativ viele Rentner und Pensionäre unterstützen müssen, mit erheblichen Auswirkungen auf den Staatshaushalt. Sollte sich die Fertilitätsrate nicht erholen, wird in der fernen Zukunft Deutschlands Bevölkerung sogar schrumpfen und verschwinden. Durch diese positiven Externalitäten von Nachwuchs auf die Gesellschaft sind daher Gummibärchen und Elternschaft nicht direkt vergleichbar.

Aber auch wenn der Staat generell junge Familien unterstützen sollte, wird häufig argumentiert, dass dies nicht notwendigerweise eine Subvention außerfamiliärer Kinderbetreuung impliziert. Sollte man nicht stattdessen den jungen Familien direkt Geld geben, damit sie es nach Bedarf und Geschmack ausgeben können? Warum sollte man Eltern subventionieren, die außerfamiliäre Kinderbetreuung nutzen, wenn sie stattdessen ihre Kinder auch zu Hause betreuen könnten? Schließlich sind sie die Experten und wissen am besten, was gut für ihr Kind ist. Sollten Eltern auf einem freien Markt nicht gerade selbst entscheiden können? Ist der Grund für freie Märkte nicht gerade der, dass sie frei sind, und dass mehr Freiheit dazu führt, dass die Volkswirtschaft die Bedürfnisse ihrer Mitglieder effizienter befriedigen kann?

Diese Argumentation ist genau falsch. Ginge es bei freien Märkten um Freiheit, wären Gummibärchen kostenlos. Aber das sind sie nicht, und sollten es nicht sein. Ein gut funktionierendes Marktsystem ist eben kein System unbeschränkter Freiheit, sondern ein System, in dem die Mitglieder der Gesellschaft die richtigen Anreize haben. Es ist natürlich nicht verwerflich, als Mutter zu Hause bei den Kindern zu bleiben. Aber im Vergleich zu arbeitenden Eltern leisten Eltern, die zu Hause bleiben, keinen volkswirtschaftlichen Beitrag durch ihre Arbeitskraft und Steuerzahlungen. In einer effizienten Volkswirtschaft sollten sie daher die dadurch entstehenden Kosten selbst tragen.

Während es also ökonomisch nicht sinnvoll ist, Kinderbetreuung nicht‐arbeitender Eltern zu subventionieren, heißt das deswegen nicht automatisch, dass Kinderbetreuung für arbeitende Eltern subventioniert werden sollte. Um das zu verstehen gilt es zunächst festzustellen, dass eine ideale Volkswirtschaft, in der alle Preise ihren tatsächlichen (Grenz‐)kosten und alle Einkommen exakt ihren volkswirtschaftlichen Beiträgen entsprechen nicht erreichbar ist. Jede Volkswirtschaft muss einige Güter und Dienstleistungen, wie z.B. Infrastruktur, Sicherheit, gesetzliche Institutionen, Alters‐ und Krankenversorgung, kollektiv finanzieren.

Zu diesem Zweck erhebt der Staat Steuern, normalerweise anhand von Mehrwertsteuer und Einkommenssteuer. Die Erhebung von Steuern führt unvermeidbar zu volkswirtschaftlichen Verzerrungen, indem sie einen Keil zwischen den sozialen Beitrag und den persönlichen Verdienst der Arbeitsleistung treibt. Würde in einer derart verzerrten Volkswirtschaft subventionierte Kinderbetreuung nicht zusätzliche Verzerrungen verursachen? Es gibt allerdings gute Gründe zu glauben, dass das nicht der Fall ist, sondern die Subvention von Kinderbetreuung bestehende Verzerrungen sogar abbauen kann.

Zahlen Eltern Kinderbetreuung aus ihrem Nettoeinkommen, so ist für sie der Unterschied zwischen persönlichen Verdiensten und dem sozialen Beitrag ihrer Arbeit grösser als für Arbeitnehmer ohne Kinder. In einem einfachen Beispiel verdient ein Elternteil 10 Euro pro Stunde, die mit 50 Prozent besteuert werden. Für jede gearbeitete Stunde muss dieser Elternteil Kinderbetreuung für 2 Euro pro Stunde nutzen, wobei dies den tatsächlichen Kosten für die außerhäusliche Betreuung entspricht. Der volkswirtschaftliche Nettobeitrag pro Stunde der arbeitenden Eltern entspricht 8 Euro. Der persönliche Nettoverdienst, nach Abzug von Steuern und Kinderbetreuungskosten, entspricht 3 Euro. Die tatsächliche „Besteuerung” von Eltern entspricht also 62,5 Prozent (5/8), während Arbeitnehmer ohne Kinder nur zu 50 Prozent besteuert werden. Arbeitsanreize von Eltern sind also in größerem Masse verzerrt als die von Arbeitnehmern ohne Kinder. Oder, anders gesagt, die Arbeitsanreize sind dann mehr verzerrt, wenn Arbeitnehmer kleine Kinder haben im Vergleich zu früheren oder späteren Lebensphasen.

Um zu zeigen, dass diese Ungleichheit in der Belastung und den Arbeitsanreizen nicht dem bestmöglichen Steuersystem mit der kleinstmöglichen Verzerrung entspricht, braucht man ein mathematisches Modell, das alle gesamtwirtschaftlichen Aspekte gleichzeitig berücksichtigt. In unserem aktuellen wissenschaftlichen Beitrag konstruieren wir ein entsprechendes Modell für Deutschland. Die zentrale Aussage ist allerdings auch ohne detaillierte Kenntnis des Modells zu verstehen. Gehen wir mal davon aus, dass Gummibärchen und Schokoriegel gleich besteuert werden sollten. Dann sollten auch Eltern mit kleinen Kindern mit der gleichen effektiven Rate besteuert werden wie jeder andere Arbeitnehmer.

In unserem Beispiel von oben bedeutete das eine effektive Steuerrate von 50 Prozent für Eltern und Nicht‐Eltern. Dies ist erreichbar, indem Kinderbetreuung zu 50 Prozent subventioniert wird. Der persönliche Nettoverdienst von Eltern wäre dann 4 Euro pro Stunde, genauso wie der von Arbeitnehmern ohne Kinder. Tatsächlich können im Allgemeinen die Unterschiede zwischen Eltern und kinderlosen Arbeitnehmern dadurch ausgeglichen werden, dass Kinderbetreuung entsprechend des Grenzsteuersatzes subventioniert wird. Kinderbetreuung sollte also steuerabzugsfähig sein. Im Vergleich zu einem System ohne Subventionen steigen natürlich die Steuern aller Mitglieder der Gesellschaft, um die Subventionen von Kinderbetreuung zu finanzieren.

Unser Modell zeigt jedoch, dass durch den Ausgleich der Ungleichheiten der Belastung alle Ressourcen effizienter genutzt und verteilt werden. Im aktuellen Steuersystem sollte Kinderbetreuung in Deutschland im optimalen Fall zu 50 Prozent subventioniert werden. Dies schlussfolgern wir nicht nur aus dem Argument, das Ungleichheiten in der Belastung ausgeglichen werden, sondern auch aus der Tatsache, dass eine auf diese Art subventionierte Kinderbetreuung eine Motivation für Mütter und Väter darstellt, überhaupt zu arbeiten. Vor allem für alleinstehende Mütter sind die Arbeitsanreize im Vergleich zur Sozialhilfe häufig sehr gering und eine subventionierte Kinderbetreuung würde dies ändern. Und je mehr Eltern arbeiten, desto höher ist das Steueraufkommen und desto günstiger ist subventionierte Kinderbetreuung für den Staatshaushalt.

Als letztes Argument gegen Subventionen außerhäuslicher Kinderbetreuung wird gern daran gezweifelt, ob dies gut für die Kinder ist. Wissenschaftlich gibt es kaum Belege dafür, dass Kinderbetreuung klare negative Auswirkungen auf die spätere Lebenssituation hat. In einer aktuellen Studie für Norwegen in 2011 dokumentieren Havnes und Mogstad starke positive Auswirkungen von Kinderbetreuung, vor allem, aber nicht nur für Kinder aus benachteiligten Familien. Gathmann und Sass finden ähnlich positive Ergebnisse in einer Studie für Deutschland. Doch diese Diskussion, sowie das Argument, dass Subventionen und eine bessere Bereitstellung von Kinderbetreuung Arbeitsplätze schaffen und dazu beitragen würde, Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern abzubauen, soll hier einmal außen vor bleiben. Tatsächlich gibt es theoretisch fundierte ökonomische Gründe, Kinderbetreuung zu subventionieren und es scheint, dass das deutsche System in dieser Hinsicht reformbedürftig ist. Der momentane Entwurf zum Betreuungsgeld geht sicherlich nicht in die richtige Richtung. Warum sollte man es sich nicht einmal von den Nachbarn im nördlichen Europa abschauen?

*) Almut Balleer ist Professorin für empirische Wirtschaftsforschung an der RWTH Aachen. David Domeij ist Professor an der Stockholm School of Economics. Paul Klein ist Professor an der Simon Fraser University in Kanada.

Literatur:

Domeij, David und Paul Klein (2012), Should day care be subsidized, in Kürze erscheinend im Review of Economic Studies

Havnes, Tarjei und Magne Mogstad (2011), No child left behind: Subsidized child care and children’s long‐run outcomes, American Economic Journal: Economic Policy 3 (2), 97-129.

Gathmann, Christina und Björn Sass (2012), Taxing Childcare: Effects on Family Labor Supply and Children, IZA discussion paper, 6440

 

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (9)
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0 Heike Schneider 04.04.2013, 21:59 Uhr

Seit Jahren...

...wir die von der DDR übernommene kritisiert. Jeder Psychologe weiss, wie wichtig es ist, das Kinder bis zum dritten Lebensjahr zu Hause bleiben. Und niemand hatte etwas dagegen, dass Subventionen in Kinderbetreuung fließen, ab dem 3. Lebensjahr bis zum Schulalter den Kindergarten, hinter die weiterführende Schule, ab einem Gewissen Alter ob Gymnasium überhaupt in Frage kommt. Wenn wir nach volkswirtschaftlichem Nutzen eingestuft werden würden, dann müssten sehr viele Menschen eigentlich höhere Renten kriegen, auch diejenigen, die aus gesundheitlichen Gründen aufhören mussten. Im Gegensatz zu einer Unzahl von Menschen die nie einen Cent in die Kassen eingezahlt haben verarmen wir. Wir hätten uns nie die Mühe machen müssen, und vor allem stecken hinter unseren Lebensbiographien ja noch andere Fakten und Tatsachen. warum wir innerlich und mental dieser Regierung total verweigern ist ja gerade der Grund, weil Arbeit nie gewürdigt wurde und Transfer in einer Form geflossen ist, das es gegen jegliche ökonomische Vernunft spricht. Ich würde auch kein Kindergeld mehr zahlen. Die vielen Scheidungen und Trennungskinder, die vielen Kinder die wegen einer Liebesnacht gezeugt werden, obwohl gar keine Liebe da war. Sie werden das keinem normalen Menschen weiter erklären können, dass das so weiter geht! Leider hat sich Deutschland damit in jeder Hinsicht sehr viel verspielt. Und auch der Bauboom kommt ja dadurch, dass das Kinderkriegen damit einkalkuliert wird und die Immobilie damit abbezahlt wird. Heute las ich hier vor Ort über eine Kindertagesstätte in Neumünster, "Hauke Haien" die eine Auszeichnung bekam. Ich war in dieser Tagesstäte drin, um Bastelmaterial für die Kinder zu spenden, das ich nicht mehr brauche. ich habe in der Vergangenheit sehr viel für Kinder getan und versucht und bin aber an der Entwicklung in Deutschland gescheitert, inklusive dem Nichtsperren von bestimmten Seiten im Internet. Unsere Gesundheit ist ruiniert. In der DDR hatten wir als Kinder und Jugendliche das Problem mit der Ideologie und jetzt haben wir das Problem, das Grenzen so überschritten worden sind, dass sie jedem gesunden Menschen abgehen. Wir haben echt seit Jahren versucht mit unserer Meinung rüber zu kommen. Ich fand die Atmosphäre in dieser Tagesstätte sehr angenehm und ich merkte, dass so wie früher etwas von mir auf die Kinder übersprang. Ich glaube sie meinen mit den Gummibärchen auch das Lied von Herbert Grönemeyer. "Kinder an die Macht". Dabei ging es um das Thema Krieg, wegen der Sehnsucht nach Frieden. Ich kann das alles nachvollziehen, zutiefst emotional. Aber das andere extrem was ich eben auf Grund der DDR erlebt habe ist eine sehr extreme Antiautoritäre Erziehung, die echt Terroristen und Tyrannen herausbringt. Die goldene Mitte in dem Systemvergleich zu finden ist schwer, aber aus dem Vergleich kann man auch lernen. Ich wohne hier im haus mit Menschen die aus Hamburg kommen, sind und die selbst in Hamburg im Milieu gewohnt haben. wissen sie was diese zu mir gesagt haben, obwohl sie praktisch auf der Meile groß geworden sind und gelebt haben. Das ihnen das sehr auf die Nerven geht, dass seit der Wiedervereinigung jeder machen kann was er will und das alles nur noch nach "Lust und Launeprinzip" läuft. Wieso erzählen mir das ausgerechnet Rentner, die St. Pauli kennen? Spinnen die, wollen die mich ärgern, idealisieren sie? Wieso sagen so viele Westdeutsche, dass es ihnen vor der Wiedervereinigung besser ging? Viele sind frustriert, weil es so vile Sozialleistungen und soviel umsonst gibt. Und sind der Meinung das es nicht mehr normal ist, was in Deutschland passiert. Auch viele Frauen, deren Eltern Nazis waren, und die nicht Zucht und Ordnung wollen, sondern eben ganz einfach anständig sind, Gewalt gegen Frauen und Kinder ablehnen und denen man es anmerkt, dass sie auch für jedes vernünftige Gespräch über die Vergangenheit dankbar sind. Mir tun die Kinder leid, da sie sehr von der belogen werden.

0 derherold 06.09.2012, 07:41 Uhr

In Deutschland liegt die...

In Deutschland liegt die Jugendarbeitslosigkeit <10%, in Schweden über 20%. In Schweden gibt es in allen Altersgruppen einen erheblichen höheren Verbrauch von Alkohol; die Suizidrate liegt um etwa 20% höher als in D. Schweden liegt bei der letzten PISA-Studie hinter Deutschland.
Damit habe ich bewiesen, daß das schwed. Kinderbetreuungsmodell gescheitert ist und das Land sich an D. orientieren sollte.
Wenn man möchte, kümmere ich mich ähnlicher Weise um die paper von Duflo und Acemoglu. ;)

0 Zurfer 06.09.2012, 06:07 Uhr

Ich finde den Vorschlag in der...

Ich finde den Vorschlag in der Hinsicht sinnvoll, dass vorallem bei sozialschwachen Familien die KInder durch außerfamiliäre Betreuung mehr Chancen bekommen. Durch das Betreuungsgeld bekommen die Eltern mehr Geld, dass leider in manchen Familien nicht mal ansatzweise bei den Kindern ankommt. Für sie sieht die Betreuung so aus, dass die Kinder vor dem Fernseher ruhig gestellt werden. Das könnte im Falle einer außerfamiliären Betreuung nicht passieren. @tricky: Auch wenn es ein Vorurteil ist, dass nicht auf alle zutrifft, aber wer hat den in unserer Gesellschaft die meisten Kinder? Es sind vorallem extrem sozialschwache und zum Teil ausländische Schmarotzer, die nur Kindergeld kassieren und nicht mal unsere Sprache können. Solche Leute, die meiner Meinung nach überhaupt nicht in der Lage sind ihrem Kind eine verantwortsvolle und wertvolle Erziehung angedeihen zu lassen, weil sie einfach keine positive Vorbildwirkung haben werden dafür belohnt nichts außer Kinder zu machen. Es ist doch viel eher so, dass junge berufstätige Paare ihren Kinderwunsch aus finanziellen Gründen immer weiter verschieben oder sich dann auch für max. ein Kind entscheiden. Wenn man diesen Eltern wie in Schweden die Möglichkeit gibt Familie und Beruf besser zu arrangieren und sie nicht hop oder top zu einem sagen müssen, dann denke ich wird die Fertilitätsrate auch wieder ansteigen... auch wenn 2,1 in den nächsten Jahren sicherlich nicht wieder erreicht werden.

0 ErnstLudwig 06.09.2012, 05:21 Uhr

Selbst 100 % Subvention für...

Selbst 100 % Subvention für eine außerfamiliäre Betreuung von 6 Uhr bis 18 Uhr täglich garantieren keineswegs, daß die Fertilitäsrate auf 2,1 (100 % Reproduktion) ansteigt und daß weiterhin beide Elternteile Vollzeit arbeiten - es sei denn, man würde Vater und Mutter zu Zwangsarbeit verpflichten, damit sie tüchtig Steuern und Sozialvericherung zahlen können ;-) . Einem Staat, der in dieser Beziehung mehr einem Bienenstock bzw. Ameisenhaufen ähnelt, kann ich wirklich nichts abgewinnen.

0 kathi06 05.09.2012, 15:02 Uhr

Zu dem Kommentar von bhayes....

Zu dem Kommentar von bhayes. Ich bin überrascht was für Kindergärten / Betreuung manche offenbar erlebt haben. Ich kann das so nicht nachvollziehen! Zum Thema Betreuungkosten und Subventionen. Ich mache Kommunalpolitik und bei uns im Ort zahlen Eltern ca. 20-25% der Betreuungskosten für Kinder im Kindergartenalter. Bei der unter-dreijährigen-Betreuung ist es nicht viel mehr. (Auf jeden fall unter 50%). Nach der Argumentation der Autoren wäre die Betreuung damit übersubventioniert! Was ich überhaupt nicht verstehe: Wieso sollen wir von Schweden lernen, wenn dort die Betreuung kostenlos ist und der wirtschaftlich optimale Grad der Subvention im Sinne Ihres Modelles bei 50% liegt?

0 bhayes 05.09.2012, 14:48 Uhr

Die Autoren betrachten zu sehr...

Die Autoren betrachten zu sehr die wirtschaftlichen Aspekte. Hier geht es aber gerade NICHT um solche, sondern um die Frage, WER die Kinder ERZIEHT (vs. betreut). Grundsätzlich sollten die Eltern die alleinige Entscheidungshoheit über diese Frage haben und nicht von irgendwelchen Funktionärskadern etc. durch Subventionen etc. in die eine oder andere Richtung beeinflußt werden. Wer einem frühzeitigem Entzug der Kinder Richtung Krippen das Wort redet, sollte auch bedenken, dass die Kinder dort indoktriniert werden (z.T. sehr subtil), sie werden dazu verbogen, Funktionären hörig zu sein, von klein auf. Sie werden dazu erzogen, sich als Teil eines Kollektivs zu sehen, immer schön brav der Herrscherkaste, die sie mit sorgfältig gefilterten "Informationen" füttert, zu folgen, ständig Mehrheitskonforn zu sein usw. usw. Mit anderen Worten: Hier werden Menschen zu Volksheiminsassen verbogen, zu Untertanen, die unterwürfig auf die Funktionärskastenmitglieder aufblicken. Ich überzeichne hier bewusst etwas, um den Punkt deutlich zu machen, aber im Kern ist es so, wie ich es hier beschreibe. Wir brauchen ganz im Gegenteil eine neue Kultur weg von der Indoktrination, hin zu selbstständigem Denken, zu selbstverantwortlichen Menschen. Ein wesentlicher Schritt hierzu ist die Auflösung des Quasimonopols bei Kindergärten, -krippen und Schulen, die deutliche Stärkung des Einflusses der Eltern auf Lehrpläne, Inhalte, die Berufung und Abberufung von Lehrern und Erziehern etc. etc.

0 netzhexe1 05.09.2012, 14:37 Uhr

Kostenlos? Was heißt denn...

Kostenlos? Was heißt denn kostenlos?
Nach meiner Erfahrung bedeutet dieses "kostenlos" immer, dass das Geld an anderer Stelle wieder eingezogen wird. Des weiteren wird grundsätzlich weniger umverteilt, als vorher eingestrichen wurde. Ein exzellenter Vortrag dazu ist hier nachzulesen unter dem provokanten Titel: Schluss mit der Familienförderung
www.deutscher-familienverband.de/index.php
In Schweden mag es kostenlose Kinderbetreuung geben, aber in Schweden kann man nicht mal ansatzweise von einem Gehalt leben, weil die Abzüge so exorbitant hoch sind, dass grundsätzlich von 2 Einkommen ausgegangen werden muss. Anders ist Famillie nicht machbar. Also ist auch hier nicht kostenlos drin, wo kostenlos draufsteht.
Für die Über-Drei-Jährigen ist der Kindergarten auf jeden Fall ein Gewinn. Bei den Kleinsten streiten die Experten. Einig ist man sich, dass gerade in diesem Alter die Bindungsfähigkeit gebildet wird bzw. Bindung das wichtigste ist. Schweden ist das Land mit der höchsten Scheidungs- und Trennungsquote Europas. Man könnte darüber ins Grübeln kommen.

0 tricky1 05.09.2012, 12:15 Uhr

Das demografische Problem kann...

Das demografische Problem kann imho nur dadurch gelöst werden, dass Menschen ohne Nachkommen mehr von ihrem Einkommen abgeben müssen und dies den Familien mit Kindern zugute kommt. . Die externe Betreuung ist vermutlich kostengünstiger, weil pro erwachsene Betreuungsperson mehr Kinder versorgt werden als in der Familie, und es mag für bestimmte Kinder sogar besser sein als in der Familie. Trotzdem sollte es aber für eine Familie möglich sein, auf Wunsch die Kinder selber zu betreuen! Auch Mischformen müssten problemlos möglich sein, dass also ein Kind nur gewisse Tage in der Krippe verbringt und für den Rest zuhause betreut wird.

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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt in der F.A.Z.