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Wir können nur in einem Wohlfahrtsstaat leben, weil die Amerikaner keinen haben. Über die Zusammenhänge von Innovation und Ungleichheit

16.10.2012, 18:22 Uhr  ·  Hier kommt eine provozierende These: Europa kann sich seine Wohlfahrtsstaaten nur leisten, weil Europa von amerikanischen Innovationen profitiert. Die Vereinigten Staaten können ihre Rolle als Pioniere im Bereich der Innovation aber nur spielen, wenn sie darauf verzichten, einen europäischen Wohlfahrtsstaat zu installieren. Ein Forschungspapier von Daron Acemoglu, James Robinson und Thierry Verdier.

Von

“Clearly, the ideas developed in this paper are speculative…Whether these ideas contribute to the actual divergent institutional choices among relatively advanced nations is largely an empirical question.” Daron Acemoglu, James Robinson und Thierry Verdier

1. Die Vereinigten Staaten von Amerika und die skandinavischen Länder sind, gemessen an der Wirtschaftsleistung (BIP pro Kopf) im Weltmaßstab reiche Nationen. Aber die Unterschiede sind doch so groß, dass man von unterschiedlichen Ausprägungen des kapitalistischen Modells reden kann. In den Vereinigten Staaten liegt das BIP pro Kopf um 25 bis 30 Prozent höher, die Menschen arbeiten mehr und der Wohlfahrtsstaat ist weniger ausgebaut als in Skandinavien (oder in Deutschland). Die Einkommens- und Vermögensverteilung ist in den Vereinigten Staaten ungleicher; dort gibt es, gemessen am Bevölkerungsanteil, auch mehr arme Menschen. Dafür werden in den Vereinigten Staaten – gemessen an jeweils einer Million Einwohner – sehr viel mehr Patente angemeldet, die für eine größere Innovationskraft der amerikanischen Wirtschaft sprechen.

2. Die Daron Acemoglu (Foto: privat)moderne Kapitalismusforschung befasst sich unter anderem mit der Frage, ob sich die unterschiedlichen Ausprägungen des Kapitalismus aneinander annähern können. Oder, anders gefragt: Können wir alle Skandinavier werden? Acemoglu (Foto: privat) & Co. sagen: Nein! Als Begründung betonen sie die Rolle von Innovationen in Modellen des Wirtschaftswachstums. Darin breiten sich in einem Lande gewonnene Innovationen über den Globus aus. Da das Wirtschaftswachstum stark durch technischen Fortschritt beeinflusst wird, profitiert die Weltwirtschaft von der Ausbreitung von Innovationen, die in einem Land gewonnen wurden.

3. Ausgangspunkt ist die Feststellung, dass die amerikanische Wirtschaft nicht nur mehr Patente generiert, sondern auch die Grenzen der Anwendung von Technologie weiter hinausschiebt als die europäischen Nationen. Um es an einem Beispiel festzuhalten: Die deutsche Industrie verbessert permanent die Qualität deutscher Autos und erzielt damit auch sehr ansehnliche Erfolge. Aber am Ende des Tages bleibt ein Auto in seiner Verwendung ein Auto, ob es nun eine Sitzheizung hat oder nicht. Es handelt sich um graduelle (wenn auch zum Beispiel in Sicherheitsfragen sehr wichtige) Verbesserungen vorhandener Produkte. Aus der amerikanischen Wirtschaft stammen hingegen weite Teile der modernen IT unter anderem mit ihren vielfältigen Anwendungen im Internet. Microsoft, Google und Apple haben nicht einfach lange vorhandene Produkte weiterentwickelt, sondern völlig neue geschaffen, die unsere Welt verändern.

4. Die bahnbrechenden Innovationen aus Amerika breiten sich in einer Welt freien Handels über den Globus und damit auch nach Europa aus. Wir profitieren damit von erstklassiger Technologie, ohne sie mit hohem Aufwand selbst entwickeln zu müssen. Diese Möglichkeit, auf anderswo entwickelte Technologien zurückzugreifen, erspart uns viel Geld und erleichtert es uns in Europa, an unseren Wohlfahrtsstaaten festzuhalten. Dies wiederum reduziert bei uns in Europa die Anreize, sich selbst um Technologieführerschaft zu bemühen. Daraus folgt eine interessante Form von Asymmetrie zwischen den Vereinigten Staaten und Europa: “In particular, innovation incentives by economies at the world technology frontier (i.e. Amerika) will create higher growth by advancing the frontier, while strong innovation incentives by followers (i.e. Europa) will only increase their incomes today since the world technology frontier is already being advanced by the economies at the frontier.” Hier wird ein dynamischer Prozess beschrieben: Die Amerikaner erfinden Technologie A, und während die Europäer dann anfangen, A möglicherweise zu verbessern, verändern die Amerikaner bereits mit Technologie B die Welt.

5. Da die Amerikaner die hohen Pioniergewinne für ihre Innovationen einstreichen, haben sie einen höheren Anreiz, nach weiteren Innovationen zu suchen als die Europäer. Dies setzt aber in den Vereinigten Staaten institutionelle Arrangements voraus, die es den Unternehmern und hochqualifizierten Mitarbeitern erlauben, die hohen Pioniergewinne auch zu realisieren. Dies wiederum geht nach Acemoglu & Co. aber nur, wenn der Staat darauf verzichtet, die materiellen Früchte dieser Pioniergewinne durch hohe Besteuerung zur Finanzierung eines europäischen Wohlfahrtsstaates zu verwenden. Würden die Amerikaner durch einen Wohlfahrtsstaat auf technologische Innovationen verzichten (und könnte sie niemand in dieser Rolle rasch ersetzen), würde das Wirtschaftswachstum in der Welt zurückgehen mit nachteiligen Folgen auch für das amerikanische Wirtschaftswachstum.

6. Beide Typen des Kapitalismus sind in gewisser Weise in ihrem jeweiligen Modell “gefangen”. Die Amerikaner können nicht aus ihrem heraus, aber auch für die Europäer ist es nachvollziehbar, in ihrem zu bleiben, solange sie von der Ausbreitung der amerikanischen Technologien profitieren können.

7. Das Fazit von Acemoglu & Co.: “This logic implies that the world equilibrium – with endogenous technology transfer – may be asymmetric, and some countries will have greater incentive than others. Since innovation is associated with more high-powered incentives, these countries will have to sacrifice insurance and equality. The followers, on the other hand, can best respond to the technology leader’s advancement of the world technology frontier by ensuring better insurance to their population – a better safety net, a welfare state and greater equality.”

 

Wie das Eingangszitat zeigt, betrachten die Autoren diese These selbst als spekulativ und einer empirischen Überprüfung bedürftig. Aber das Paper ist ein Beispiel für moderne Ökonomik: eine interessante, durchaus politikrelevante These, eine theoretische Formulierung (die Autoren leiten ihre These anhand eines modernen Wachstumsmodells ab) und die Notwendigkeit, Theorie und Empirie zusammen zu führen. Wer behauptet, dass moderne Ökonomik weltfremd und irrelevant sei?

 
 

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (28)
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0 Gerald Braunberger 04.06.2013, 13:59 Uhr

Nun auch in der ZEIT

Die Kollegen in Hamburg haben das Paper nun auch entdeckt:

http://www.zeit.de/wirtschaft/2013-06/usa-europa-kapitalismus

0 Stefan Siewert 29.05.2013, 13:56 Uhr

Die These des asymmetrischen Gleichgewichts ist überzeugend und hat global eine hohe Erklärungskra

Die industrielle Revolution schuf einen globalen Zusammenhang, eine klassische Win-Win-Situation, bei der das System mehr ist als die Summe der Teile. Europa investierte die Gewinne aus den geographischen Entdeckungen, dem Gewürz- und Transantlantikhandel in Technologie und neue Institutionen (Rechtsstaat, Gewaltenteilung, Privateigentum, Demokratie), wobei die gesamte Welt von billigen Textilien bis zu den Menschenrechten profitierte. Zugleich sicherte sie sich ein Premium, setzte seine Macht zur Sicherung der Absatzmärkte und dem Zugriff auf Rohstoffe ein (Hungersnot bei traditionellen Webern in Indien, Opiumkriege, Sklavenhandel). Mehr noch war es mit dem technologischen Durchbruch in Europa für den Rest der Welt wirtschaftlich einfach attraktiver, sich in die internationale Arbeitsteilung einzuklinken als die hohen Kosten und Risiken von Innovationen zu tragen. So wurde eine beginnende Industrialisierung außerhalb Europas beendet und Bevölkerungswachstum importiert, mit entsprechenden Auswirkungen auf die Bildung von Humankapital. Trotz vieler Versuche ist es seither nur in Einzelfällen und unter spezifischen Voraussetzungen einzelnen Ländern gelungen, sich dieser globalen Determiniertheit zu entziehen (Südkorea, Hongkong und Taiwan – kalter Krieg, Singapur – Handelsspot).

Heute ist die Situation, dass die USA an der institutionellen und technologischen Grenze die höchsten Kosten und Risiken tragen, den brutalsten Wettbewerb ausgesetzt sind, die schnellsten Innovationszyklen sowie die größten sozialen Verwerfungen haben, um Basisinnovationen zur Marktreife zu bringen und damit den Rahmen der globalen Wirtschaft vorzugeben. Die gegenwärtige tiefste politische Polarisierung zwischen Demokraten und Republikanern seit 80 Jahren ist aus innovativer Sicht ein Ringen um die Institutionen, die morgen unser Leben bestimmen werden. Kein anderer Staat kann sich solche Kosten eines Suchprozesses leisten. Mit der globalen Leitwährung, Dominanz der internationalen Organisationen, einem historisch ungesehenem Monopol im militärischen Bereich, der Attraktivität für Talent und Kapital „ernten“ sie über die wirtschaftliche Spitzenstellungen auch ein überproportionales Premium. Oben auf der Hühnerleiter ist man näher an der Sonne.

Entwickelte Staaten in Europa und Japan folgen. Sie haben einen vergleichbaren Lebensstandard und –qualität, nicht zuletzt durch einen größeren öffentlichen Sektor, ohne die außerordentlichen Kosten der USA zu tragen. Zugleich stoßen sie an eine gläserne Decke, an der sie rationelle Kompromisse zwischen Innovationstiefe und Wohlstand machen, beispielsweise indem sie einfach weniger arbeiten, Forschung verbieten (Stammzellen), Technologie verhindern (genmodifizierte Pflanzen, Fracking), dem Pazifismus anhängen oder einfach nationalen Gewohnheiten fortschreiben (ethnische Homogenität Japans). Es ist die wirtschaftliche Logik, der Ruf nach mehr Wohlstand zu einem akzeptablen Risiko, der die Ausprägung nationaler Institutionen in einer globalen Welt treibt, nicht umgekehrt.

Selbst in entlegenen Entwicklungsländern hat man heute eine Klimaanlage, Flugverbindung, mobiles Internet – Zugang zu Errungenschaften, die diese Länder aus eigener Kraft kaum erwirtschaften könnten. Zugleich sind die Institutionen, gemessen beispielsweise an der Qualität der Regierungsführung, zu schwach für wirkungsvolle Innovationen in einer globalen Wettbewerbsgesellschaft. Mitunter führt die wirtschaftliche Logik ins Abseits. 1.5 Milliarden Menschen leben in fragilen Staaten, mit Subsidenzwirtschaft, ohne Elektrizität, fehlendem Zugang zu Nahrung, Bildung und Medizin. Den Schlusspunkt setzten nationalen „Parasiten“, die von der internationalen Gemeinschaft mit einem höheren Aufwand gestützt werden als sie selbst an Wertschöpfung erbringen, wie Afghanistan, Haiti, Liberia und Somalia. Hier ist das positive Verhältnis der USA zwischen Innovation und Wohlstand in sein Gegenteil umgeschlagen und die Errungenschaften des Westens werden als Demütigung des eigenen Lebensstils wahrgenommen oder verhindern den Aufbau nachhaltiger Strukturen, was nicht zuletzt auch von Religionen wie dem Islam thematisiert wird.

Die Aussichten? Neue Technologien, neue Spielregeln. Alles ist möglich, die Zukunft ist ungewiss. Die letzten 20 Jahre haben einen abrupten Wandel zuungunsten des Westens gezeigt, mit fast einem Prozentpunkt Verlust am globalen BSP je Jahr. Womöglich verlangsamt sich dieser Trend oder kehrt sich gar um. Die USA stehen vor einer Reindustrialisierung, genährt nicht nur durch billiges Gas. Sie verfügen über eine gute demographische Lage und baut den institutionellen Vorsprung vor dem Rest der Welt eher wieder aus. Europa wird in einigen Jahren seine Hausaufgaben erledigt haben und wieder auf einen Wachstumspfad schwenken, mit einem deutlichen institutionellen Vorteil gegenüber anderen Staaten, wenn auch weiter abgeschlagen zu den USA. Japan hat mit Abenomics begonnen, verzögerte strukturelle Reformen in Angriff zu nehmen.
Der Superzyklus bei den Rohstoffen scheint vor einem Ende zu stehen, damit Wachstumsimpulse für viele rohstoffreiche Länder.
China wird sich nach 30 Jahren strukturellen Reformen stellen müssen, ein ähnlich lukratives Wachstumsmodell ist selbst in Ansätzen nicht sichtbar, wobei allein Gegenimpulse von Umwelt und Demographie kaum zu kompensieren sind.
Ungewissheiten sind die Wirkungen der neuen Technologien. Die mobile Kommunikation hat zum Wirtschaftsaufschwung in Afrika beigetragen. Überraschungen sind daher nicht ausgeschlossen.

Summa summarum: das seit 100 Jahren von den US-dominierte globale asymmetrische Wachstum ist ungeachtet vieler Turbulenzen erstaunlich stabil. Wahrscheinlich sollten wir uns wünschen, dass es in den kommenden Jahrzehnten insgesamt auch so bleibt, zumal wir in Europa und Deutschland über ausreichende Möglichkeiten verfügen, Einfluss zu nehmen. Die Idee eines asymm

0 faz-bern 19.12.2012, 10:31 Uhr

Auf Voxeu argumentieren...

Auf Voxeu argumentieren drei nordische Ökonomen: Die Skandinavier sind viel innovativer! www.voxeu.org/.../nordic-innovation-cuddly-capitalism-really-less-innovative
Allerdings zählen die nordischen Ökonomen vor allem die Patente. Gab es viele richtig große Innovationen aus Skandinavien?

0 FAZ-gb 24.11.2012, 23:39 Uhr

Mittlerweile liegt das Paper...

Mittlerweile liegt das Paper von Acemoglu/Robinson/Verdier zusammengefasst und ohne Mathematik bei voxeu vor: http://www.voxeu.org/article/cuddly-or-cut-throat-capitalism-choosing-models-globalised-world

0 tricky1 25.10.2012, 11:10 Uhr

Das Paper scheint mir wie sehr...

Das Paper scheint mir wie sehr viele sog. wissenschaftlichen Publikationen von Ökonomen im Glashaus mit viel zu stark gefiltertem Bezug zur Wirklichkeit entstanden und wurde zu Recht vielfältig kritisiert. Wie die Kritik zu Recht am Beispiel des Skandinaviers Linus Torvalds und seinem Betriebssystem Linux darlegt, kann man kein überzeugendes Modell des Erfinders annehmen. Auch der Versuch, den in USA praktizierten Kapitalismus mit höheren Zahlen von Patentanmeldungen zu rechtfertigen und Europa als Profiteure darzustellen ist nur zu durchsichtig.

0 Domday 25.10.2012, 10:59 Uhr

Meine Vermutung, dass Acemoglu...

Meine Vermutung, dass Acemoglu und Robinson ihre These nicht werden beweisen können, habe ich oben geäußert. Weitere Ideen für meine Vermutung, dass Geld- und Finanzpolitik die wesentliche Rolle spielen, finden Sie hier: über Zerohedge http://www.zerohedge.com/news/2012-10-24/guest-post-plutonocrits zu Charles de Trenck, Reversing the downside effects of recent plutonomies http://de.scribd.com/doc/111034042/Of-Plutonocrits-Oct-12-Final-1 Womit wir dann wieder bei Acemoglu und Robinson und ihren "Extracting Institutions" wären. Und dann wird es spannend. Hallo Herr Schönbauer, ich halte Fehlertoleranz und Mut zu Fehlentwicklungen für besonders wichtig. Management kann sehr hinderlich sein: "In The Innovator’s Prescription, Christensen and his fellow authors write that fostering disruptive innovation within the firm isn’t a solution, because the culture of the existing business will crush the innovation: .... " http://www.forbes.com/sites/stevedenning/2011/03/10/yes-a-business-can-disrupt-itself/ Wenn wir über strategische Ansätze bei Innovation ansetzen wollen, gehe ich persönlich als Laie, der ich nun einmal bin, immer wieder von Prof. Clayton Christensens 1. und 4. (?), seinem bisher letztem Buch aus (The Innovator's Dilemma und The Innovator's DNA). Da ich im Moment vor der Frage stehe, ob/wie sich eine (e r f o l g r e i c h e) Organisation selbst erneuern kann, habe ich die Analyse über den Niedergang der höchst innovativen Firma Kodak (HEC, Paris Tech Review: oder Wharton Business School) mit Interesse gelesen. Nokia wäre ein anderes Beispiel. Zurück zum Acemoglu und dem Gini-Effekt Ich sehe Parallelen zwischen den genannten Businessanalysen und unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit, inclusive Gini-Effekt. Nur wird der in den (plakativen) Forbes Artikel propagierte Managemansatz "from outside in" schwer zu verwirklichen sein, denn wir sind selbst unsere customers. Sozialdemokratisierung ist nur eine billige, oberflächliche Scheinlösung.

0 FAZ-gb 18.10.2012, 19:16 Uhr

Acemoglu und Robinson...

Acemoglu und Robinson antworten auf die Kritik an Ihrem Papier:
whynationsfail.com/.../economic-research-vs-the-blogosphere.html
"...We are surprised and intrigued. This is the first time, to the best of our knowledge, that one of our papers, a theoretical one at that, has become such a hot button issue. Upon reflection, we think this says not so much about the paper but about ideology and lack of understanding by many of what economic research is - or should be - about. So this gives us an opportunity to ruminate on these matters..."

0 FAZ-gb 18.10.2012, 19:15 Uhr

Das Papier von Acemoglu,...

Das Papier von Acemoglu, Robinson und Verdier ist in mehreren englischsprachigen Blogs diskutiert worden, zum Beispiel: 1.) http://www.cogiddo.com/2012/09/acemoglu-robinson-and-verdier-ask-cant-we-all-be-more-like-scandinavians/ 2.) http://economistsview.typepad.com/economistsview/2012/09/will-american-innovation-slow-if-we-go-cuddly.html 3.) http://lanekenworthy.net/2012/09/29/will-everyone-be-worse-off-if-the-united-states-turns-social-democratic/

0 Teutobrecht 18.10.2012, 00:22 Uhr

Hi Domday, ließe...

Hi Domday,
ließe sich ergänzen: dezidiert kompetitives Klima, Elitismus, Maximalismus in der Zielvorgabe, harte Arbeits- und Disziplinanforderungen an sich selbst (und, später, an andere), unerbittliche Orientierung am aktuellen Forschungsstand bei unverhohlener Präferenz für lukrative, auch lukrativ geförderte Forschungsfelder, Förderung durch Vorgesetzte, die es kraft eigener Reputation nicht nötig haben, sich mit Ideenklau über Wasser zu halten ...
Bliebe die Frage: Was schlagen Sie als Indikator für die Innovationsmessung vor, wenn Patente angeblich invalide sind?
Mit freundlichem Gruß
G. Schönbauer

0 Domday 17.10.2012, 22:00 Uhr

Wir sind hier mehr für...

Wir sind hier mehr für Strafen als für Belohnung - :-)
Aber für die Innovation bedarf es auch des 'mindset', der Offenheit, des Willens, des Wollens. Der Innovateur hat eine Vision, ahnt aber nicht, was alles er zugrunde richtet. In einer Welt der Versicherung, der Risikovermeidung, der festgefügten Institutionen hat der Innovateur keine Entfaltungsmöglichkeit.
Vielleicht muß hier zwischen Entrepreneur und Innovateur unterschieden werden. Es war mir ganz hilfreich, in diesem Zusammenhang den unterschiedlichen Absolvententyp der Universitäten Babson College vs Stanford, MIT kennen zu lernen. Babson College 'produziert' eher Entrepreneure, MIT und Stanford mehr Innovateure. Ich denke, dass das Wort 'disruptive', 'game changing' den Unterschied macht.

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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt in der F.A.Z.