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AEA-Meeting (1): Verstärkt die Globalisierung die Ungleichheit? Ja, aber nicht auf lange Sicht.

02.01.2013, 11:37 Uhr  ·  Die Welt wird ungleicher. Daran ist auch die Globalisierung schuld. Aber ihr Trend soll sich umkehren - sagen Modelle, die beim AEA-Meeting in San Diego vorgestellt werden. Von Patrick Bernau

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Die Welt wird ungleicher. Daran ist auch die Globalisierung schuld. Aber ihr Trend soll sich umkehren – sagen Modelle, die beim AEA-Meeting in San Diego vorgestellt werden.

Von Patrick Bernau

In der öffentlichen Diskussion ist sie schon zum Klischee geworden, die Schere zwischen Arm und Reich, die sich immer weiter öffnet: Zuletzt ist sie im Armutsbericht der Bundesregierung und in der Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten aufgetaucht. Dabei haben sich die Einkommen von Arm und Reich in Deutschland in den vergangenen Jahren nur vergleichsweise schwach auseinanderentwickelt. Anderswo hat die Ungleichheit mit deutlich höherem Tempo zugenommen, vor allem in den Vereinigten Staaten.

Illustration: Alfons HoltgreveGenug Diskussionsstoff für Ökonomen also. In dieser Woche können sie gleich damit loslegen: Am Freitag beginnt in San Diego in Kalifornien das Jahrestreffen amerikanischer Ökonomen, das größte Wirtschaftsforscher-Treffen der Welt. Für das Konferenzprogramm sind schon einige Vorträge über Ungleichheit angemeldet. Der französische Ökonom Emanuel Saez wird beispielsweise begründen, warum er einen Spitzensteuersatz von 80 Prozent für möglich hält.

Viele andere Forscher konzentrieren sich dagegen auf die wirtschaftlichen Ursachen der neuen Ungleichheit. Zumal in den Vereinigten Staaten angesichts andauernder Arbeitslosigkeit gerade eine Debatte Fahrt aufnimmt, die es in Deutschland schon seit der Zeit der großen Arbeitslosigkeit vor zehn Jahren gibt: Wie wichtig ist die Globalisierung, die Auslagerung einfacher Jobs an billige Arbeiter in China? Und was bedeutet es für die Ungleichheit, wenn Maschinen immer mehr Arbeit erledigen und vielen ungelernten Leuten die Stellen wegnehmen?

Drei angesehene Forscher haben sich dieser Fragen angenommen. Und machen Hoffnung: Gerade das Wechselspiel zwischen Globalisierung und technischem Fortschritt könnte die Ungleichheit wieder verringern, argumentieren Daron Acemoglu vom Massachusetts Institute of Technology, Gino Gancia von der Pompeu-Fabra-Universität in Barcelona und Fabrizio Zilibotti von der Universität Zürich. Auf dem Jahrestreffen werden sie ihr mathematisches Modell vorstellen, mit dem sie dieses Argument entwickelt haben. Der Ökonom und Blogger Tyler Cowen lobt die Studie jetzt schon als “eine der wichtigsten des Jahres”.

Der iPod zeigt wunderbar, wie das funktioniert. In Amerika findet die hochspezialisierte Entwicklung statt, zudem gibt es einige einfache Arbeitsplätze im Verkauf. Insgesamt bleibt mehr als die Hälfte des Geldes in den Vereinigten Staaten. Doch die Produktion muss nicht mehr in Amerika stattfinden. Billige Arbeiter in heruntergekommenen chinesischen Fabriken ermöglichen es Apple, die Herstellung dorthin auszulagern. Darum entstehen die Produktionsjobs in China, nicht in Amerika. iPods werden günstiger, Apple kann mehr verkaufen. Davon profitieren die Entwickler und Verkäufer, aber die amerikanischen Fabrikarbeiter haben immer noch keine Stelle. So entsteht zunächst einmal Ungleichheit. Auch das Modell der drei Forscher zeigt, dass beim Auslagern anfangs die Ungleichheit wächst. Doch wenn mehr und mehr Arbeit nach China ausgelagert wird, dreht sich der Trend irgendwann. Die Ungleichheit geht wieder zurück. Das liegt daran, dass die Arbeiter in China mit der Zeit immer zahlreicher werden. Dann lohnt es sich für die Firmen, auch in China in ordentliche Fabriken zu investieren – und ordentliche Fabriken können ihren Arbeitern meist auch ordentliche Löhne zahlen. Plötzlich wird die Konkurrenz aus China schwächer, und auch die Fabrikarbeiter in Amerika haben bessere Chancen auf einen sinnvoll bezahlten Arbeitsplatz. So geht die Ungleichheit wieder zurück.

Die Ergebnisse von Acemoglu, Gancia und Zilibotti stammen zwar aus einem theoretischen Modell. Doch die Praxis scheint ihre Ergebnisse zu bestätigen. Die Löhne gleichen sich vielerorts schon wieder an. Ein Forscherteam von den Universitäten Princeton, Harvard und San Diego ist zwar einen anderen Weg gegangen, kommt aber zum selben Ergebnis: Je länger die Globalisierung andauert, umso eher schrumpft die Ungleichheit wieder. Diese Forscher haben solche Tendenzen in Brasilien gefunden.

Auch die Fabriken in China entwickeln sich so, wie es die drei Theoretiker erwarten. Mit immer neuen Maschinen werden die Fabriken immer moderner. Die Arbeitsbedingungen verbessern sich, die Löhne steigen. Rund die Hälfte von Chinas Lohnerhöhungen nach dem Jahr 2000 geht wirtschaftlich auf den Globalisierungseffekt zurück, schätzen die Forscher.

Auch in den Industriestaaten kommt die Trendwende an. Als erstes in Deutschland. In all den Diskussionen um den Armutsbericht der Bundesregierung ist nämlich untergegangen, dass das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung bereits aktuellere Zahlen veröffentlicht hat. Und die zeigen, dass die Einkommen von Gut- und Schlechtverdienern sich schon seit einigen Jahren wieder annähern. Die Forscher schätzen: Bald wird dieser Trend auch auf die Vermögen durchschlagen – dann werden auch die gleicher verteilt sein.

Der Beitrag ist der Sonntagsökonom aus der F.A.S. vom 2. Dezember. Die Illustration stammt von Alfons Holtgreve.

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (11)
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0 faz-bern 07.01.2013, 10:21 Uhr

Völlig einverstanden, und...

Völlig einverstanden, und vielen Dank für die guten Wünsche!

0 Vult 06.01.2013, 21:50 Uhr

Vielen Dank auch Ihnen,...

Vielen Dank auch Ihnen, Herr Bernau, für Ihren Hinweis auf die Studie des DIW. Es mag für den Zeitraum 2005-2010 die Ungleichheit der Einkommen leicht zurückgegangen sein; sieht man aber in demselben Papier eine längere Zeitspanne an (z.B. Westdeutschland 1991-2010) sieht die Lage wieder anders aus. In dem berühmten kontroversen Armutsbericht der Bundesregierung konnte man ursprünglich auch noch andere Sachen lesen.
Ich denke, wir brauchen da wohl noch etwas mehr Zeit, bevor wir wirklich sehen können, in welche Richtung der Zug fährt, und welches die Auswirkungen sein werden insbesondere der zwei einschneidenden Ereignisse der letzten Zeit, als da sind
a) die Agenda 2010-Reformen
b) sowie die Wirtschaftskrise 2007 ff.
Es ist gut, dass Sie jedenfalls zuversichtlich in das neue Jahr 2013 blicken, für das ich Ihnen, by the way, und all Ihren Mitautoren im oft spannenden und informativen FAZIT-Blog alles Gute wünsche.
Auf ein frohes Wiederlesen
Vult

0 faz-bern 06.01.2013, 17:49 Uhr

Das Gegenteil ist der Fall,...

Das Gegenteil ist der Fall, lieber Vult: Die Ungleichheit sinkt inzwischen nachweislich. Dazu empfehle ich: www.diw.de/.../detail.php

0 Vult 06.01.2013, 17:44 Uhr

Vielen Dank, Herr Braunberger,...

Vielen Dank, Herr Braunberger, für Ihren Hinweis auf Ihren überaus lesenswerten Artikel zu Piketty/Saez... Dass ein erheblicher Unterschied besteht zwischen den den nordeuropäischen Ländern auf der einen und den USA auf der anderen Seite ist sehr richtig. ich glaube, es handelt sich da um eine glückliche Sonderentwicklung, die sehr wahrscheinlich auch daran liegt, dass wir in Deutschland und Skandinavien a) unsere sozialen Systeme und unsere steuerpolitischen Ambitionen nicht auf das von Ronald Reagan et alii für die USA angestrebte Niveau heruntergeschraubt haben b) es eine sehr aktive Unterstützung einer qualitätsorientierten Industrieproduktion gab, die es erlaubte, relativ arbeitsintensive Arbeitsprozesse im Inland zu halten (anders als in G-Britt.) Ich erlaube mir deshalb nur, auf die positiven Aspekte dieser Politik zu verweisen, die in der Tat darüber hinaus den Nebeneffekt haben, einen sozialen Frieden und Zusammenhalt zu garantieren, der wahrschienlich unbezahlbar ist (und der anderswo teuer ausgeglichen werden muss: private neighbourhoods usw.). Und : auch wenn die Zahlen derzeit einen Anstieg der Ungleichheit in D. noch nicht eindeutig belegen können (in dem von Ihnen zitierten Schema aus Ihrem Blog-Artikel bewegt sich das Vermögen der 10% reichsten Deutschen allerdings an dem oberen Rand der in dne letzten Jahrzehnten bemerkten Spanne), so sind fiskalische Gegenmassnahmen dann zu nehmen, wenn die Ungleichheit nachweislich stiege. Denn ob sich diese Sonderentwicklung in Nordeuropa weiter fortsetzt, ist recht unsicher.

0 faz-bern 06.01.2013, 17:36 Uhr

Lieber Tricky1, Ihr Kommentar...

Lieber Tricky1, Ihr Kommentar ist eine prägnante Zusammenfassung der Debatten an den Abendbrottischen der Mittelschichtsfamilien. Acemoglus Modell finde ich einen spannenden Kontrapunkt dazu. Was mit den Produktionsjobs funktioniert, funktioniert ja auch mit den Ingenieursjobs. Wie gesagt: Die Löhne in China steigen schon. Ja, lieber Vult, wir sehen auch schon die Abwanderungstendenzen nach Bangladesch, weil es eben in China kaum noch frische Wanderarbeiter gibt. Aber: Nicht alle anderen Schwellenländer halten ihre Währung derart schwach wie China in den vergangenen Jahren, und keines hat noch mal so ein Heer von Wanderarbeitern. Wir wissen nicht, ob das Modell sich am Ende als zutreffend erweist. Kein Gegenargument ist allerdings, dass die Ungleichheit in den vergangenen Jahren gestiegen ist. Das geschieht ja auch im Modell. Das Modell prognostiziert eine Trendwende - dass wir die im Moment sehen, ist zwar nicht sicher, aber möglich.

0 FAZ-gb 06.01.2013, 16:23 Uhr

@ vult "2. die Erfahrung lehrt...

@ vult "2. die Erfahrung lehrt uns im Gegenteil, dass drei Jahrzehnte der Globalisierung auch zu einer steigenden UNGLEICHHEIT in den entwickelten Ländern der westlichen Welt geführt haben. " Ein Vergleich zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland zeigt aber, dass die Folgen für die Verteilung sehr verschieden sein können: http://faz-community.faz.net/blogs/fazit/archive/2012/11/19/die-reichen-werden-wirklich-immer-reicher-aktuelles-zur-verteilungsoekonomik-1.aspx

0 Georg Trappe 06.01.2013, 07:52 Uhr

Es gibt ein Modell, das...

Es gibt ein Modell, das Fargione Integral, das die seit Pareto bekannte Entstehung von Ungleichheit auf ganz fundamentale oekonomische Verhaltensweisen und Sachverhalte zurueck fuehrt. http://georgtsapereaude.blogspot.com/2012/12/das-fargione-integral-warum.html Es erklaert uebrigens auch die Eskalation von Instabilitaeten im Geld und Bankwesen: http://georgtsapereaude.blogspot.com/2011/11/wie-sich-das-system-selbst-zerstoert.html

0 Vult 05.01.2013, 20:39 Uhr

Verstärkt die Globalisierung...

Verstärkt die Globalisierung die Ungleichheit? Ja, aber nicht auf lange Sicht. — Gut aber : in the long run we're dead. Abgesehen davon teile ich die Skepsis einiger Leser aus zwei Gründen : 1. das OUTSOURCEN nach China ist ja nur der Anfang einer Outsourcing-Kette. China selbst ist so groß und volkreich, dass es ja möglich ist, die Produktion von den Boom-Regionen um Shanghai oder Shenzen weiter ins Landesinnere zu verlagern, wenn die Löhne der Küstenregionen zu steigen beginnen (Löhne die durch das Heer an rechtlosen Wanderarbeitern aber sowieso gedrückt werden...). Und wenn es denn in China gar nicht mehr gehen sollte : wozu gibt es denn Birma und Bangladesh, bitte schön ? 2. die Erfahrung lehrt uns im Gegenteil, dass drei Jahrzehnte der Globalisierung auch zu einer steigenden UNGLEICHHEIT in den entwickelten Ländern der westlichen Welt geführt haben. Da sich die Globalisierung nicht einfach abblasen läßt (wer würde das machen können? und machen wollen ?), ist es also nötig, sowohl auf dem Gebiet der internationalen Warenströme als auch innerhalb unserer Gesellschaften regulierend einzugreifen, um die unliebsamen Wirkungen der Globalisierung abzufedern, als da sind : a) in den Niedriglohnländern Produktion unter menschenunwürdigen Umständen (Kinderarbeit, fehlende Sicherheitsstandards) und massive Umweltprobleme, usw. usf. b) bei uns die Verschiebung in Richtung des Kapitals (eine gefährliche Verschiebung, die ja letztendlich unser Vertrauen unterminiert, es wäre durch eine gute AUsbildung und durch fleißige Arbeit allein möglich, sich emporzuarbeiten...) Die Konsequenzen der Globalisierung sollten also nicht negiert, sondern im Gegenteil klar ins Auge gefasst werden, um genau danach eine ordentliche Wirtschafts- und Sozialpolitik auszurichten. Sonst hilft nur die Idee der Selbstregulierung des Systems auf lange Sicht. Kann vielleicht klappen. Aber, wie gesagt : bis dahin sind wir wahrscheinlich dead.

0 Herold Binsack 03.01.2013, 14:22 Uhr

Wie viel Zeit bleibt uns...

Wie viel Zeit bleibt uns noch? . „Plötzlich wird die Konkurrenz aus China schwächer, und auch die Fabrikarbeiter in Amerika haben bessere Chancen auf einen sinnvoll bezahlten Arbeitsplatz. So geht die Ungleichheit wieder zurück.“ Klar mit Algorithmen kann man viel erklären. Nur was haben die Menschen davon, dass im Jahre 2013 plus x irgendwo auf dieser Welt die „Ungleichheit“ zurück gegangen sein wird? Mal abgesehen davon, dass solche Statistiken beschönigen, reduzieren sie doch die zu verwendenden Kategorien. Wo in solchen Statistiken finden wir Antworten auf die Fragen nach einer jederzeit möglichen politischen Bewegung z.B. jener 200 Millionen und mehr Wanderarbeiter in China, die ein derart prekäres Leben führen, dass nur deren kleinste - und solchermaßen nicht kalkulierte - „Abweichung“ vom Üblichen eine nie dagewesene politische Lawine auslösen könnte? Im Oktober 1917 löste eine vergleichsweise noch kleine Lawine genau das aus, was ein gewisser Amerikaner, namens John Reed, als die „10 Tage“ bezeichnete, „die die Welt erschütterten“. Nahezu ein ganzes Jahrhundert verblieb innerhalb des Bannkreises jener 10 Tage. . Und welche Folgen kann es haben, wenn ausgerechnet innerhalb der reichsten Nation dieser Welt die schärfste Klassenteilung existiert, innerhalb der Nation, in der nicht nur fast jeder Bürger bewaffnet ist, sondern dessen Waffenarsenal insgesamt die Welt immer noch mehrfach vernichten könnte? Wie lange wird das amerikanische Volk es noch hinnehmen, das reichste und zugleich ärmste zu sein? Und welche Rolle spielt es wohl in solchen Berechnungen, wenn man annehmen darf, dass das amerikanische Aggressionspotential eben genau deswegen so hoch ist, weil dieses durch Armut und vielfacher Unbildung niedergehaltene Volk nach Kompensation schreit? Wenn es nicht jetzt schon der tiefere Grund dafür ist, dass man in den USA dem Präsidenten nicht nur wie römische Cäsaren huldigt, sondern, dass man diesen auch manchmal so meuchelt? . Die Massaker in den Schulhöfen sind für mich die geeigneten Vorboten für schlimmere Szenarien. Der Zeitfaktor mag ja in gewissen mathematischen Studien keine Rolle spielen, doch im politischen Leben des Menschen ist er alles entscheidend. Und wie viel Zeit bleibt uns noch?

0 tricky1 03.01.2013, 09:39 Uhr

Diese Modelle eignen sich...

Diese Modelle eignen sich hervorragend zur Erlangung akademischer Lorbeeren, aber leider fast nie für anderes. . " In Amerika findet die hochspezialisierte Entwicklung statt" stimmt leider nur anfangs. Die Entwicklung verlagert sich zunehmend auch nach China, weil sie hervorragend ausgebildete Ingenieure haben die für sehr viel weniger Lohn motivierter sind als die Leute im satten Westen. . Man braucht auch keine Modelle um vorherzusehen, dass nach gewisser Zeit der Lebensstandard in China soweit steigen wird dass ihr Kostenvorteil der Produktion schwinden wird. Nachher wird die kostengünstigste Produktion in weitere Entwicklungsländer verlagert und Schätzungen rechnen dass ein globales Gleichgewicht in etwa 50-100 Jahren erreicht sein würde. . Ich bezweifle allerdings, dass der Westen die damit verbundene ständig steigende Arbeitslosigkeit noch weiterhin hinnehmen kann und wundere mich schon lange, dass sonst niemand sich Gegenmassnahmen überlegt. Es ist für eine Gesellschaft insgesamt schlicht und ergreifend viel zu teuer, so viele Arbeitslose durchzufüttern damit man einen Kostenvorteil mit den in Fernost produzierten Gütern ergattert.

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Jahrgang 1981, verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.