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Die ökonomische Logik des Euro

30.01.2013, 18:53 Uhr  ·  Erklärungsversuche, wonach die Europäische Währungsunion nur politische Begründungen habe, sind "Mythen". Die Fakten sind anders: Der Euro besitzt ein wirtschaftliches Fundament, das sich aus der dominierenden Rolle des Dollar ableitet. Warum ist in der Währungsunion einiges schief gelaufen? Weil sich die Politiker gegenüber den Experten durchgesetzt haben. Wer behauptet dies alles? Harold James: Der bekannte Währungshistoriker war in Frankfurt zu Besuch. FAZIT war dabei.

Von

Harold James, gebürtiger Brite und seit vielen Jahren Professor an der renommierten amerikanischen Princeton University, hat im Laufe der vergangenen drei Jahrzehnte viel über Banken- und Währungsgeschichte geschrieben – nicht zuletzt über deutsche Themen. Sein neues Buch (“Making the European Monetary Union”), das er am Mittwochabend im Rahmen einer Veranstaltung des Center for Financial Studies an der Goethe-Universität in Frankfurt vorstellte, greift auf die Entstehungsgeschichte der monetären Integration in Europa zurück, die lange vor der Einführung des Euro begann. James thematisiert vor allem die wirtschaftliche Logik des Projekts, die sich aus der amerikanischen Hegemonie ableitet, sowie einen Dauerkonflikt zwischen Politik und Fachleuten.

James unterscheidet drei Phasen auf dem Weg zum Euro, die allesamt mit dem Dollar zusammen hängen und mit der Furcht von Politikern, extreme Schwankungen flexibler Wechselkurse könnten Abwertungswettläufe und Kapitalverkehrskontrollen provozieren und damit die Gefahr eines Rückfalls in das Chaos der Zwischenkriegszeit erzeugen:

 

1. Bretton Woods bricht zusammen – in Europa entsteht der Werner-Plan

Das die ersten Jahrzehnte der Nachkriegszeit dominierende Festkurssystem von Bretton Woods geriet ab der zweiten Hälfte der sechziger Jahre in Schwierigkeiten, weil die Amerikaner als Führungsmacht Inflationspolitik betrieben, mit der viele andere Länder unter anderem in Europa nicht einverstanden waren. Zu dieser Zeit entwickelten in Europa Fachleute unter Führung des luxemburgischen Premierministers Pierre Werner den sogenannten Werner-Plan, der eine europäische Währungsunion bis zum Jahr 1980 vorsah. Als Bretton Woods Anfang der siebziger Jahre kollabierte, sah sich die europäische Politik allerdings nicht zu einem so weitreichenden Schritt in der Lage, sondern bevorzugte kurzfristige Arrangements für Wechselkursstabilisierungen wie die sogenannte “Schlange”.

 

2. Ende der siebziger Jahre: Amerika betreibt Abwertungspolitik – in Europa entsteht das EWS

Die Vereinigten Staaten hatten in den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg den Eindruck vermittelt, der Wechselkurs des Dollar interessiere sie nicht wirklich. Der Fachbegriff hieß “benign neglect”. Ende der siebziger Jahre entstand allerdings der Eindruck, die Amerikaner strebten einen schwachen Dollar an, um ihren Export zu fördern. Nun sprachen Fachleuten von “malign neglect”. In dieser Zeit verständigten sich der französische Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing und der deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt auf ein europäisches Festkurssystem mit im Prinzip anpassungsfähigen Wechselkursen und der Absicht, dieses Währungssystem in eine Währungsunion zu überführen: das Europäische Währungssystem (EWS) war geboren. James sieht hier allerdings bereits einen Konflikt zwischen Politik und Fachleuten: Das EWS war ein Projekt der Politiker, aber die Deutsche Bundesbank war davon nicht begeistert und hatte sich das Recht ausbedungen, nicht an Devisenmarktinterventionen teilzunehmen, wenn sie die heimische Geldwertstabilität bedroht sah. Aus der Sicht James war das EWS damit “fundamentally flawed”, auch wenn es lange Bestand hatte.

 

3. Mitte der achtziger Jahre: Die Abwertung des Dollar setzt in Europa Überlegungen in Gang, die zu Maastricht und zum Euro führten

Der amerikanische Dollar wertete in der ersten Hälfte der achtziger Jahre deutlich auf, ab 1985 aber stark ab. Damals versuchten die führenden westlichen Industrienationen, durch internationale Vereinbarungen (“Plaza” und “Louvre”) Zielzonen für die Wechselkurse zu definieren, um übergroße Kursschwankungen zu verhindern. Weil aber der Bau eines stabilen Währungssystems damals global nicht möglich war, versuchte der damalige französische Wirtschafts- und Finanzminister Edouard Balladur ***), einen Plan wenigstens für eine engere währungspolitische Kooperation in Europa zu erstellen. In diesem Dokument, das eher technischen Charakter besaß, sieht James einen wesentlichen Schritt hin zum späteren Euro, da sich in Deutschland Außenminister Hans-Dietrich Genscher und der EU-Kommissionspräsident Jacques Delors für das Projekt erwärmten. Die europäischen Staats- und Regierungschefs installierten die sogenannte Delors-Kommission, die mehrheitlich aus Zentralbankpräsidenten (darunter Bundesbankpräsident Karl Otto Pöhl *) gebildet war und ansonsten drei andere Fachleute umfasste. Diese Kommission legte im April 1989 den sogenannten Delors-Plan vor, der einen dreistufigen Übergang zu einer Wirtschafts- und Währungsunion beschrieb.

Ganz wichtig aus dieser Sichtweise von James: Die auch in Deutschland bekannte Verschwörungstheorie, wonach Frankreich im Zuge der deutschen Einheit die Idee der Europäischen Währungsunion entwickelte, um Deutschland zu entmachten, stimmt zeitlich nicht. Der Delors-Bericht lag bereits im Frühjahr 1989 vor, als kaum jemand an eine deutsche Wiedervereinigung innerhalb kurzer Zeit gedacht haben dürfte.

James zeigt, und das ist interessant, wie innerhalb der Delors-Kommission von Fachleuten bereits zwei Themen diskutiert wurden, die für die Währungsunion spätestens im Verlauf der aktuellen Krise von Bedeutung wurden:

1. Man hatte in der Kommission wenig Vertrauen in die Fähigkeit von Kapitalmärkten, Mitgliedsländer vor einer exzessiven Verschuldungspolitik abzuhalten. Daher hielt man finanzpolitische Regeln für wichtig. Die Politik allerdings beschloss zwar Fiskalregeln in den Maastricht-Verträgen, die aber völlig arbiträr waren – es gibt keine ökonomische Begründung, warum das Limit der Neuverschuldung exakt bei 3 Prozent des BIP liegen soll **) und der Schuldenstand bei höchstens 60 Prozent des BIP – und überdies bald von den Politikern in der Praxis aufgegeben wurden. Heute wird das Thema wieder diskutiert -wobei die Ideen von einer Art Rückkehr nach Maastricht bis zu einer regelrechten Fiskalunion mit der Aufgabe nationaler Hoheitsrechte reichen.

2. In der Kommission gab es Stimmen, die in einem Währungsgebiet mit freien Finanzmärkten die Bildung europäischer Banken und damit die Notwendigkeit einer Bankenregulierung auf europäischer Ebene vorher sahen. Zu diesen Befürwortern gehörten interessanterweise die Briten, während die Deutschen (aber nicht nur sie) bremsten. Nationale Interessen verhinderten den Aufbau einer europäischen Bankenaufsicht. Heute ist auch dieses Thema auf der Agenda – nun aber gleich in Gestalt einer Bankenunion, die über eine Bankenaufsicht hinaus geht.

Heute, in der Krise, muss man somit die Probleme lösen, die Fachleute schon Ende der achtziger Jahre thematisiert hatten, die von den Politikern aber unterschätzt wurden.

 

*) Die Zentralbankpräsidenten waren offiziell als Individuen Mitglied der Kommission und nicht in ihrer Funktion als Zentralbankpräsident. Ursprünglich sollte Pöhl statt Delors den Vorsitz erhalten, um auf diese Weise de facto stärker die Bundesbank in das Projekt einzubringen, aber Pöhl winkte ab.

**) Die Geschichte des 3-Prozent-Kriteriums ist bemerkenswert: Der damalige französische Finanzminister Jacques Delors hatte dieses Kriterium im Jahre 1983 für die französische Finanzpolitik vorgesehen, weil nach Berechnungen von Ökonomen Frankreich bei einer solchen Neuverschuldung damals in der Lage sein sollte, einen stabilen Wechselkurs mit Deutschland im EWS aufrecht zu erhalten. Knapp zehn Jahre später, in Maastricht, holte der französische Verhandlungsführer Jean-Claude Trichet dieses nahezu vergessene Kriterium aus der Schublade und setzte sich durch. Denn das deutsche Konzept des Artikels 115 GG, wonach nur Investitionen durch Schulden finanziert werden dürfen, ließ sich nicht auf Europa üertragen, weil es keine einheitliche Definition des Begriffs öffentliche Investitionen gab.

***) Einer der wichtigsten Mitarbeiter Balladurs war damals Jean-Claude Trichet.

 
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Lesermeinungen zu diesem Artikel (39)
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0 fionn 05.02.2013, 16:34 Uhr

@...

@ Devin08
"Währungskrieg" - also called in English "A race to the bottom"......

0 Devin08 05.02.2013, 14:34 Uhr

Korrektur: Der Satz im 2....

Korrektur: Der Satz im 2. Absatz muss natürlich lauten: "Unter diesem Aspekt gewinnt die Tatsache, dass die neue japanische Regierung zum Beispiel sich regelrecht auf den Krieg vorzubereiten scheint, an Brisanz."

0 Devin08 05.02.2013, 14:28 Uhr

Vom Währungskrieg zum...

Vom Währungskrieg zum heißen Krieg
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Ich vergaß es zu erwähnen, aber manchmal holt einem die Realität/die Berichterstattung in der FAZ schneller ein, als man sich wünscht: Aus den Geld-Geldgeschäften Maximalprofite ziehen zu wollen, ohne Rücksicht auf die realen Gewinne aus der Geld-Waren-Geld-Bewegung, also ohne Rücksicht auf die reale Mehrwertschöpfung, führt zu bestimmten Formen des „Krieges“ - des „kalten Krieges“, vorerst noch.
Oder was sagen wir zu folgendem, nachzulesen unter: www.faz.net/.../auftritt-vor-dem-europaparlament-frankreichs-praesident-plaediert-fuer-euro-wechselkurspolitik-12051959.html
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„Warnung vor Währungskrieg
Der gerade aus dem Amt geschiedene Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker hatte explizit vor einem zu starken Euro gewarnt. Bundesbankpräsident Jens Weidmann und der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble gaben unlängst verbale Warnschüsse in Richtung Japan ab, wo die Notenbank auf Druck der Regierung eine Politik verfolgt, die mindestens als Seiteneffekt bisher einen substantiell schwächeren Yen zur Folge hatte.“
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Unter diesem Aspekt gewinnt die Tatsache, dass die neue japanische Regierung zum Beispiel sich regelrecht auf den Krieg vorzubereiten scheint. Japan ist der bisherige Top-Verlierer in all den letzten Krisen, insbesondere der Finanzkrise. Und das wirft auch ein Licht auf die Tatsache, dass die USA das Schwergewicht ihrer militärischen Präsenz in den Pazifik verlagert haben - blog.herold-binsack.eu. Gibt das doch der Gefahr ein konkretes Gesicht.
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All die in den letzten Tagen bekannt gewordenen und solchermaßen geradezu antik anmutenden aufgestellten Forderungen z.B. Japans gegenüber Russland, Korea, China verweisen auf eines: Japan greift nach den realen Werten um sich der tödlichen Umklammerung seitens der Krise zu entziehen. Und das scheint auch die einzige Lehre zu sein, die das japanische Volk bereit war aus der Tsunami- und Atomkatastrophe zu ziehen. Sonst hätte es diese Kriegstreiber nicht an die Regierung gewählt.
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Und wer möchte bestreiten, dass Währungskriege, die solchermaßen aufgeladen sind, nicht schnell in heiße Kriege umschlagen. Die Tatsache, dass der von den USA geführte Westen Japan während des kalten Krieges eine ganz bestimmte Rolle in diesem Krieg zugedacht hatte, welche Japan aber aufgrund seiner ökonomischen Schwierigkeiten nicht einhalten konnte, könnte diesen Preußen des Ostens zu wahnwitzigen Abenteuern verleiten. China an seiner steilen Karriere nicht gehindert haben zu können, das scheint der Ehre dieses stolzen Volkes abträglich gewesen. Und angesichts der offenkundigen Schwäche Russlands, nach dem Niedergang der Sowjetunion, glaubt man vielleicht diese Scharte dort wett machen zu können. Also fordert man forsch von den Russen die Inseln zurück, so als hätten die Russen den Krieg verloren. Doch Russland wie China sind Atommächte, also was liegt nicht näher als der Wille Japans ebenfalls Atommacht zu werden?
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In solchen Szenarien verliert auch der antiislamistische Krieg seine Bindungskraft. Im Gegenteil: Er wird zur Triebkraft heißer Kriege. Scheint doch der Iran genau darauf zu spekulieren.
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Und in solch Treiben wird auch das Schicksal eines Euro/eines vereinten Europas möglicherweise völlig neu entschieden, gleich was auch immer sein Grund gewesen ist.

1 olaf Metzger 05.02.2013, 13:58 Uhr

in J Atalis biographie...

in J Atalis biographie über Mitterand liest sich das aber anders---
und auch Viele F sehn das so...
Jacques Attalis Memoiren - Verbatim I-III ("Wörtlich, Bd. I-III") - über seine Zeit im Elysee-Palast veröffentlichte, wo er als "Graue Eminenz" unter François Mitterrand zwischen 1981 und 1991 bei jedem wichtigen Treffen Mitterands zugegen war. In einem neueren Buch mit dem Titel „Es war François Mitterrand“ präsentierte Attali weitere Details, aus denen hervorgeht, daß Mitterrand aus Angst, Frankreich würde seine politische Führungsrolle in Europa verlieren, gegen die Wiedervereinigung Deutschlands war und sein Möglichstes tat, sie aufzuhalten und sogar zu verhindern. Attali berichtet über ein Treffen Mitterrands mit dem deutschen Außenminister Hans-Dietrich Genscher, den Bundeskanzler Kohl am 30. November 1989 nach Frankreich geschickt hatte, um die Nachricht zu überbringen, daß die deutsche Regierung der EWU beim Gipfeltreffen von Straßburg zustimmen würde. Als Genscher über eine deutsche Wiedervereinigung redete, ohne sie in den Kontext einer neuen EWU zu stellen, hämmerte Mitterrand auf Genscher ein: "Wenn die Einheit Deutschlands vor der Schaffung einer europäischen Einheit realisiert wird, werden Sie sich einer Tripelallianz (Frankreich, Großbritannien und UdSSR) gegenübersehen, genau wie in den Jahren 1913 und 1939. Sie werden, ohne Zweifel, 80 Millionen Bürger zählen, aber wenn die UdSSR sich gegen Sie stellt, sind Sie eingekreist, und das wird in einem Krieg enden, in dem alle Europäer sich gegen die Deutschen stellen werden. Ist es das, was Sie wollen? Wenn jedoch die deutsche Einheit nach der Vollendung einer europäischen Einheit weiterbetrieben wird, werden wir Ihnen helfen."
Zwei der engsten Mitarbeiter Mitterrands bestätigten, daß Frankreich von Deutschland tatsächlich forderte, im Austausch für die deutsche Wiedervereinigung der EWU und der Eurozone beizutreten. In einem Interview für das Magazin Limes erklärte Hubert Védrine 1998: "Die Idee der EWU bestand seit den siebziger Jahren in Gestalt des Werner-Plans... Es war der besondere Zusammenhang, der durch den Beginn der Wiedervereinigung geschaffen wurde, die schon bestehende starke persönliche Beziehung zwischen Mitterrand und Helmut Kohl, ihre gemeinsame Vision der Zukunft und Europas, die es erlaubten, im Dezember 1989 in Straßburg die wahre Entscheidung zu treffen, aus der sich alles übrige ergab." Auf die gleiche Frage antwortete Jacques Delors lächelnd, daß "die Umstände den großen Ideen manchmal dienlich sind - und taktische und politische Fähigkeiten"!
Als Gegenleistung für seine Zustimmung zur EWU forderte Deutschland seinerseits, daß die EZB unabhängig von politischer Kontrolle sein müsse.
Bei solchen Freunden brauch mn eigentlich keine Feinde mehr.

2 Herold Binsack 05.02.2013, 11:42 Uhr

Wenn die Verschwörung den...

Wenn die Verschwörung den realen polit-ökonomischen Beziehungen zuwiderläuft
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Verschwörungen, soweit es sie gibt, die den realen polit-ökonomischen Beziehungen zuwiderlaufen, können auf lange Sicht besehen nicht erfolgreich sein. Nehmen wir als Beispiel die Verschwörungstheorie bzgl. Pearl Harbour. Historisch besehen war der Kriegseintritt der USA unvermeidbar, ja wünschenswert. Aus dieser Perspektive ist es von wenig Belang, ob Pearl Harbour von den USA selbst inszeniert war oder nicht. Dennoch bliebe es als eine Selbstinszenierung ein Verbrechen, und als erfolgreiches Verbrechen ein übles Vorbild für die darauf folgende Geschichte. Doch das steht auf einem anderen Blatt.
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Ganz anders mit dem Anschlag von 9/11. Sollte dieser Anschlag zu dem Zwecke der Verschleppung der Finanzkrise selbst inszeniert worden sein, ein denkbares Szenarium, dann wäre die Krise dennoch nicht aufzuhalten gewesen, wie wir zwischenzeitlich wissen. Allerdings wäre das Ausmaß der Krise durch diese Verschleppung mit zu verantworten. Und eine solche Verschwörung wäre natürlich ein gigantisches Verbrechen – das von Pearl Harbour noch überbietend. Doch aus dieser Perspektive käme die Verschwörung als Bumerang zurück. Die ökonomischen Kräfte lassen sich nicht überlisten.
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Nun zum Dreiecksverhältnis Frankreich-England-Deutschland.
Gemeinsames Ergebnis beider Weltkriege ist der Niedergang des Kolonialismus und damit der Kolonialmächte. Daraus ergibt sich eine Begünstigung der nichtkolonialen Beziehungen.
Dass selbst der Hauptverlierer der beiden Weltkriege, nämlich Deutschland, heute wie ein Kriegsgewinner dasteht, das hätte keine Verschwörung verhindern können. Das ist kontingent. Eben genauso wie der Niedergang Englands und Frankreichs.
Daraus folgt aber zwingend, dass Deutschland gut daran täte, wenn es sich nicht in die neokolonial daherkommenden Aktivitäten Frankreichs z.B. hineinziehen lässt.
Sollte Deutschland sich dieser Versuchung nicht widersetzen können, wird sein Niedergang ebenso unvermeidbar wie der von Frankreich und England.
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Der Niedergang der englischen Industrie folgt ja nicht wirklich den Visionen einer Maggi Thatcher, sondern eine Maggie Thatcher folgte diesem Niedergang. Der im Übrigen schon vor dem 1. Weltkrieg begann und welcher selbst durch zwei gewonnene Weltkriege nicht aufzuhalten gewesen ist.
Die Rückflüsse aus den Kolonien ruinierten zunächst den englischen Grundadel und dann die englische Industrie. Und darauf folgte die Innovation des Investmentgeschäfts. Was einen Versuch darstellte, die Profite im Geld-Geldkreislauf (nicht im Geld-Waren-Geldkreislauf) abzuschöpfen.
Mächte wie China sind ein deutliches Beispiel dafür, dass es dem Finanzkapital nicht mehr gelingt, trotz seiner transnationalen Unternehmen, Maximalprofite direkt aus dem Produktionskreislauf zu realisieren.
Die Finanzindustrie wird zum wichtigsten Produktionszweig. Und genau dieser nun ist seit 2007 in seiner ultimativen Krise.
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Der sog. Krieg gegen den islamistischen Terror zeigt aber, dass der Kolonialismus in neuen Formen fortgesetzt wird. Auf Dauer kann das Weltkapital nicht akzeptieren, dass ehemalige Kolonialländer mit ihren Dollarreserven das Weltkapital dominieren.
Die Existenz des Euro ist auch ein Indiz dafür, dass in diesem Kampf keine klaren Koalitionen mehr existieren. Auch dies folgt einem politischen Phänomen, was man mit dem Niedergang des Sowjetimperialismus, welcher sich Sozialismus nannte, datieren kann.
Doch auch dieser Niedergang ist weniger irgendwelchen politischen Lichtgestalten zu verdanken als vielmehr der letzten technologischen Revolution – welche das Informationszeitalter kreierte.
Auch das Geld-Geldgeschäft wird dadurch ja erst so richtig möglich.
Und jede Art von Verschwörung, die jetzt noch erfolgt, muss den Kreisläufen dieses Geld-Geldgeschäftes folgen, oder sie wird scheitern.

0 FAZ-gb 05.02.2013, 09:14 Uhr

@fionn Ich glaube, Sie...

@fionn Ich glaube, Sie überschätzen die Bedeutung von Wechselkursänderungen und besonders die angeblichen Vorteile von Abwertungen. Wenn ich mir die wirtschaftliche Lage in den Vereinigten Staaten, besonders aber in Großbritannien ansehe, habe ich nicht den Eindruck, dass diese Länder in irgendeiner Weise von Abwertungen profitiert haben. Es ist auch nicht so, dass der Export eines Landes sofort einbricht, wenn die Währung mal ein wenig aufwertet.

0 fionn 05.02.2013, 08:56 Uhr

Why was Rajoy (with some...

Why was Rajoy (with some ministers) in Berlin yesterday? Is a two-tier Euro coming for Greece, Spain and Italy? The stronger euro is real bad news for the PIGS. The Americans know that a weaker currency is necessary for economic recovery, hence the weaker USD.

1 Blickensdoerfer 04.02.2013, 18:11 Uhr

Danke, Gerald Braunbeger,...

Danke, Gerald Braunbeger, für den Hinweis, denn ich hatte bereits vergessen, sie gelesen und auch kommentiert zu haben. Wenn es auch schwierig ist, sich - insbesondere bei den Themen Geld - Währung - Politik - mit dem herrschenden Verständnis dazu auseinanderzusetzen, sollten es gerade und öffentlich die wie Sie, Herr Braunberger,tun, welche sich mit diesen Themen intensiv befassen. Denn ohne diese Auseinandersetzung bleibt es bei einem beliebigen Verstehen, auch von scheinbaren Begriffen.
Gruß´
PB

0 SAAB 04.02.2013, 18:02 Uhr

@Thomas...

@Thomas Gerlach
Zitat: "Die Griechen betrachten die Deutschen als sympathische friedliche Mitgenossen in Europa? Na dann fahren Sie mal nach Athen und outen sich ... viel Spaß dabei."
So ein Blödsinn, die Kritik da unten geht gegen die Politik und NICHT gegen das Volk, also so lange man nicht aussieht wie Angela Merkel ist das echt KEIN Thema.
Natürlich gibt es in jedem Land auch Idioten, das ist leider Überal so, auch bei uns!!!

0 FAZ-gb 04.02.2013, 17:34 Uhr

@blickensdoerfer Über...

@blickensdoerfer Über internationale Zusammenarbeit in der Geldpolitik hatten wir in FAZIT erst kürzlich zwei Beiträge: http://faz-community.faz.net/blogs/fazit/archive/2013/01/10/ende-einer-idylle-finanzmaerkte-banken-und-geldpolitik-in-der-globalisierung.aspx http://faz-community.faz.net/blogs/fazit/archive/2013/01/22/monetaere-kooperation-ist-sinnvoll.aspx Gruß´ gb.

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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt in der F.A.Z.