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Ratingagentur Moody’s stuft Großbritannien herab

22.02.2013, 23:10 Uhr  ·  Großbritannien verliert sein Top-Rating "Aaa". An den Anleihemärkten war ein solches Szenario eingepreist.

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Die Ratingagentur Moody’s hat am Freitagabend die Bewertung der britischen Staatsanleihen von der Topnote “Aaa” auf die zweitbeste Note “Aa1″ mit stabilem Ausblick herabgestuft. Als Gründe nennt Moody’s:

1. Die Schwäche der britischen Konjunktur, die nach Einschätzung von Moody’s bis in die zweite Hälfte des Jahrzehnts fortdauern könnte.

2. Die Herausforderungen des schwachen Wirtschaftwachstums für die Stabilisierung der Staatsfinanzen, die sich bis in die nächste Legislaturperiode des Parlaments erstrecken werden.

3. Die hohe und weiter steigende Schuldenlast, die dem Staatshaushalt Potential nimmt, auf Schocks zu reagieren – eine Tendenz, die sich nicht vor 2016 umkehren dürfte.

Hier ist das Kommuniqué von Moody’s:

http://www.moodys.com/research/Moodys-downgrades-UKs-government-bond-rating-to-Aa1-from-Aaa–PR_266844

 

Reaktionen:

In einer ersten Reaktion neigt das Pfund an den Devisenmärkten zur Schwäche; gegenüber dem Dollar fiel das Pfund auf ein Zweijahres-Tief.

Die beiden anderen bedeutenden Ratingagenturen Standard & Poor’s und Fitch haben in der jüngeren Vergangenheit angekündigt, Großbritannien könne bei ihnen das Spitzenrating einbüßen. Die beiden Agenturen haben aber bis zum heutigen Zeitpunkt das Rating Großbritanniens nicht verändert.

Die Financial Times schreibt: “George Osborne, the UK chancellor, said the move was a “stark reminder” of the debt problems facing the country. “Far from weakening our resolve to deliver our economic recovery plan, this decision redoubles it.” Aus der Sicht der FT beschädigt die Herabstufung nicht nur den liberalen Finanzminister George Osborne, sondern auch die Konservative Partei, die im Jahr 2010 in einer Wahlplattform geschrieben hatte: “We will safeguard Britain’s credit rating with a credible plan to eliminate the bulk of the structural deficit over a Parliament.”

Ein Bloomberg-Kommentar sieht die Herabstufung als Chance für die Regierung,die Austeritätspolitik zu lockern, da es nicht länger gelte, aus Prestigegründen das “Aaa” zu verteidigen:

http://www.bloomberg.com/news/2013-02-23/huge-opportunity-from-moody-s-downgrade-of-u-k-.html

 

Eine paar eigene Kommentare auf die Schnelle:

– Es scheinen sich die Erkenntnisse von Reinhart/Rogoff zu bestätigen: Die wirtschaftliche Erholung nach Immobilienkrisen/Bilanzrezessionen dauert viele Jahre. Großbritannien befindet sich offenbar in einem solchen Zyklus. Moody’s schreibt: “The main driver underpinning Moody’s decision to downgrade the UK’s government bond rating to Aa1 is the increasing clarity that, despite considerable structural economic strengths, the UK’s economic growth will remain sluggish over the next few years due to the anticipated slow growth of the global economy and the drag on the UK economy from the ongoing domestic public- and private-sector deleveraging process. Moody’s says that the country’s current economic recovery has already proven to be significantly slower — and believes that it will likely remain so — compared with the recovery observed after previous recessions, such as those of the 1970s, early 1980s and early 1990s. Moreover, while the government’s recent Funding for Lending Scheme has the potential to support a surge in growth, Moody’s believes the risks to the growth outlook remain skewed to the downside.”

– Eine eigene Währung mit der Möglichkeit kompetitiver Abwertungen und umfangreichen Staatsanleihekäufen durch die Notenbank bietet keinen zuverlässigen Schutz gegen Krisen – gerade das britische Beispiel könnte auch hilfreich bei der Analyse der Währungsunion sein. Die Bank von England hat in den vergangenen Jahren ein sehr aggressives “quantitative easing” mit bedeutenden Wertpapierkäufen betrieben – die EZB war in dieser Hinsicht sehr viel zurückhaltender (wenn man die Wertpapiervolumen ins Verhältnis zum BIP setzt.)

– Die Anleihemärkte hatten sich schon vor längerer Zeit auf ein britisches “downgrading” eingestellt (in der F.A.Z auch erwähnt). Das zeigt sich daran, dass Großbritannien an den Staatsanleihemärkten in den vergangenen Monaten seinen Renditebonus gegenüber französischen Anleihen weitgehend aufgezehrt hatte. Frankreich ist auch nur noch mit “Aa1″ bewertet. An den CDS-Märkten ist der britische Vorsprung vor der Ankündigung von Moody’s allerdings erkennbarer geblieben: Mit (aus der Erinnerung) rund 50 Basispunkten für britische und rund 80 Basispunkten für französische Fünfjährige.

 

Der Handel am Montag wird interessant. Oft folgen den Herabstufungen von Ländern die Herabstufungen von Banken aus diesen Ländern. Ab Montagnachmittag wird es dann auch noch Ergebnisse der italienischen Wahlen geben.

 

 

 

 
 

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (13)
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0 Gerald Braunberger 09.03.2013, 13:49 Uhr

Warum die Pfund-Abwertung Großbritannien nicht geholfen hat

Hier:
http://pwc.blogs.com/economics_in_business/2013/01/still-selling-england-by-the-pound.html

0 Gerald Braunberger 09.03.2013, 07:39 Uhr

Der "Economist" ist besorgt. Jim O'Neill ist es auch

Der "Economist" ist über die Lage Großbritanniens so besorgt, dass er ein "Manifest für Wachstum" veröffentlicht hat:
http://www.economist.com/news/leaders/21573113-british-economy-stuck-it-needs-structural-reform-looser-money-and-more-infrastructure?fsrc=scn/tw/te/pe/alittlefastergeorge
Jim O'Neill, der frühere Chefvolkswirt von Goldman Sachs, hat konstatiert, Großbritannien sei kaum in einer besseren Verfassung als Südeuropa.

0 Gerald Braunberger 04.03.2013, 06:32 Uhr

Kritik an Großbritannien

Der "Economist" befasst sich kritischmit der britischen Geld- und Wirtschaftspolitik und der Ansicht, durch Abwerung werde man reicher:
http://www.economist.com/blogs/buttonwood/2013/03/sterling?fsrc=scn/tw/te/bl/Youcanfoolsomepeople

0 Gast 28.02.2013, 16:22 Uhr

[...] Noch vor der Bekanntgabe der...

[...] Noch vor der Bekanntgabe der Wahlergebnisse aus Italien am Montag gab es Ende letzer Woche schlechte Nachrichten Großbritannien betreffend, die irgendwie etwas am Markt untergingen, denn die Ratingagentur Moody’s stufte da die Kreditwürdigkeit Großbritanniens ab. [...]

0 Thomas Schulze 26.02.2013, 16:29 Uhr

Abstrafung

Ich finde es richtig, dass UK mal eine Abstrafung erhalten hat und so sehen es Fachkollegen von http://Forex-handelsplattform.de und weiter es auch. Es kann ja nicht sein, dass England nur von Hedgefunds lebt ohne jeglich Industrie.

2 Gerald Braunberger 26.02.2013, 08:27 Uhr

Bilanzrezessionen in Europa

Als Ergänzung hier ein Überblicksartikel über die drei Länder mit ausgeprägten Bilanzrezessionen in Europa - Großbritannien, Spanien und Irland - und die sich daraus ableitenden Konsequenzen:
http://www.faz.net/aktuell/finanzen/devisen-rohstoffe/europa-in-der-rezession-warum-die-krise-so-lange-dauert-12094258.html

2 Fionn Huber 25.02.2013, 15:43 Uhr

An EU Rating Agency

A couple of questions.
1. Wasn't the EU Commissioner for the Internal Market, Michel Barnier, given the task of setting up an EU Rating Agency? What happened?

2. Aren't there already other rating agencies in existence? But they don't seem to have made a name for themselves.

0 Gerald Braunberger 24.02.2013, 20:59 Uhr

Lange Laufzeit der Staatsverschuldung

Die FT hat sich noch einmal mit der Herabstufung Großbritanniens befasst und in diesem Zusammenhang die durchschnittliche Fälligkeit der Staatsanleihen verschiedener Länder betrachtet:
http://www.ft.com/intl/cms/s/0/64b41684-7ea3-11e2-a792-00144feabdc0.html#axzz2LpoQoavP
Großbritannien: 15 Jahre
Frankreich: 7 Jahre
Deutschland: 6,5 Jahre
Vereinigte Staaten: 5,4 Jahre
Hierzu ist anzumerken, dass Großbritannien sehr viele 30 jährige Staatsanleihen plaziert, indem britische Pensionskassen gezwungen werden, solche Papiere zu kaufen. Ein typischer Fall von "Financial Repression".

6 Ulrich Stauf 23.02.2013, 22:42 Uhr

Aber die Pleiteregion USA hat nach wie vor die Bestnote ...

No further questions!

4 Joerg Gerhard 23.02.2013, 20:50 Uhr

Nullnummer

Der ehemalige S&P Chef hat schon mal gesagt dass die Rating Agenturen eigentlich kein Business haben Staaten zu raten. Ein Land mit eigener Notenpresse und dem Willen diese zu benutzen ist nominal immer AAA fuer Anleihen die in eigener Waehrung begeben werden- das gilt selbst fuer Zimbabwe.
Real sind ALLE Staatsanleihen, inkl. D, CH, N&co, CCC oder in Default.
Was hiermit gemessen wird ist nur die geschaetzte Faehigkeit und der geschaetzte Wille dr Staaten weiterhin nach den ueblichen Regeln zu spielen.
Beide sind im Falle GB's uebrigens derzeit wesentlich groesser als in der AAA Periode von post WW2 bis Anfang der 90er Jahre- von daher sind diese marktgetriebenen Downgrades nur ein weiteres Armutszeugnis fuer die von derzeit primaer von ihrer Subprimeversaeumispanik getriebenen Agenturen.

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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt in der F.A.Z.