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Wie sich noch ein Harvard-Mann blamiert…

04.05.2013, 20:31 Uhr  ·  Tollhaus Harvard: Erst geraten Reinhart/Rogoff wegen ihrer Staatsschuldenstudie unter Beschuss. Jetzt beleidigt der Wirtschaftshistoriker Niall Ferguson den toten Keynes.

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Der Wirtschaftshistoriker Niall Ferguson hat auf einer Konferenz vor mehr als 500 Investoren die Behauptung aufgestellt, John Maynard Keynes’ wirtschaftliche Überzeugungen, die eine Geringschätzung langfristiger Betrachtungen beinhaltet hätten, seien durch seine Homosexualität beeinflusst gewesen. Keynes sei zwar mit einer Ballerina verheiratet gewesen, mit der aber wohl eher über Poesie geredet habe als dass er sich mit ihr fortgepflanzt hätte. Nach einem Bericht von der Veranstaltung soll Ferguson Keynes zudem als ein “verweichlichtes” (effete) Mitglied der Gesellschaft bezeichnet haben. Das Auditorium war offenbar peinlich berührt.

Da ich mich ein wenig mit Keynes befasst habe, zwei kurze Anmerkungen:

- Von Keynes stammt ein bekannter Beitrag über die sehr langfristige Entwicklung der Wirtschaft, der gerade in den vergangenen Jahren wieder entdeckt worden ist. (“Economic Possibilities for our Grandchildren”). Er hat auch in anderen Arbeiten langfristige Betrachtungen vorgenommen -zum Beispiel in seinen Entwürfen für ein Weltwährungssystem nach dem Zweiten Weltkrieg.

- Da Keynes’ Frau während ihrer Ehe eine Fehlgeburt erlitt, hat sich das Paar möglicherweise nicht nur mit Poesie befasst.

Nachdem Fergusons Äußerungen über amerikanische Medien verbreitet wurden, hat sich der Harvard-Professor nun entschuldigt. Seine Äußerungen seien “dumm und taktlos” gewesen.

 

Veröffentlicht unter: John Maynard Keynes, Weltwährungssystem

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (17)
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0 Gerald Braunberger 08.05.2013, 16:03 Uhr

Paul Krugman macht sich über Anti-Keynesianer lustig

Liegen manche Ökonomen falsch, weil sie keinen Bart tragen?

http://krugman.blogs.nytimes.com/2013/05/08/theres-something-about-maynard/?smid=tw-NytimesKrugman&seid=auto

0 Gerald Braunberger 07.05.2013, 17:21 Uhr

Nikolaus Piper über Ferguson und Keynes

Aus der Süddeutschen Zeitung:

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/diskussion-um-keynes-liebesleben-eines-oekonomen-1.1666930

0 Gerald Braunberger 07.05.2013, 17:19 Uhr

Matthew Yglesias über den Langfrist-Denker Keynes

Hier:

http://www.slate.com/blogs/moneybox/2013/05/07/keynes_in_the_long_run_we_are_all_dead.html

3 Fionn Huber 06.05.2013, 17:47 Uhr

Das Problem mit Wirtschaftswissenschaft heute

POLITIK und Wirtschaftswissenschaft sind heute untrennbar miteinander verbunden.

3 Thomas Strobl 06.05.2013, 16:56 Uhr

Fergusons Qualitäten als Rechercheur

zeigten sich auch in seiner einschlägig bekannten und hochgelobten Rothschild-Chronik ("House of Rothschild") in der über die finanziellen Verstrickungen des Clans in den amerikanischen Sklavenhandel nicht der geringste Mucks zu lesen war.

2 Thomas Borgsmidt 06.05.2013, 01:48 Uhr

Und....

Was geht Keynes geschmach uns an?
Die Frage ist in wie fern seine Arbeit erwähnenswert ist!

5 Carolus Doomdey 05.05.2013, 18:25 Uhr

Gehen wir doch einmal nüchtern an die Sache heran

Ob gay oder nicht-gay, Entgleisung oder nicht - die Frage bleibt: Ist einem das, was einen nicht mehr betrifft, genauso wichtig, wie das, was einen betrifft? Die Distanz könnte ja eine örtliche, wie eine zeitliche sein. Ist es wirklich so abwegig, dass unser Denken durch Motive dieser Art beeinflußt werden? Was interessiert den Raucher der Zigarettenpreis, den BVB Fan der Eintrittpreis bei einem Drittligisten südlich der Isar?

'Nach mir die Sintflut!'. Klingt das so anders als 'At the end we're all dead'?

7 Ingo Stützle 05.05.2013, 18:16 Uhr

Homophober Klassiker

FAZ-Redakteur Rainer Hank: “Dass wir den großen Deuter der Depression heute entdecken, ist unser Glück und unsere Tragik. Ob nämlich die Rezepte der dreißiger Jahren auch die angemessene Therapie für heute sind, ist längst nicht ausgemacht. Dass das viele Geld, das der Staat in die Hand nimmt, nachfolgenden Generationen einmal zur unerträglichen Last und den Staaten zum Verderben werden kann, war dem kinderlosen Keynes egal.” (FAZ, 19.02.09)

DIE ZEIT (1992):
“Fünf lange Jahre verbrachte Keynes auf dem Elite-Internat Eton. Die intellektuellen Anforderungen erfüllte er zwar glanzvoll, aber er hatte in dieser Anstalt nicht die geringste Chance, ein natürliches Verhältnis zum anderen Geschlecht [sic!] aufzubauen. Spätestens in seinem letzten Schuljahr in Eton hatte er seine ersten homosexuellen Kontakte.”

Antworten (1) auf diese Lesermeinung

1 Thomas Gaugen 05.05.2013, 16:14 Uhr

Meinen Sie die Aussage könnte auch von der bekannten Gay Hasser Westerwelle kommen?

Lol, lol.
Wie sie sehen, sie haben dasselbe Problem mit Liberalen wie Niall Fergusson mit Schwulen.

4 Jens Frisch 05.05.2013, 14:58 Uhr

Keynes über Ferguson:

"Der Kapitalismus beruht auf der merkwürdigen Überzeugung, dass widerliche Menschen mit widerlichen Motiven irgendwie etwas für das Allgemeinwohl tun."

Passender kann auch ein ledender VW Proferssor diesen Herrn Ferguson kaum beschreiben:
Für diesen Herrn ist Keynes Ansicht offenbar "schwul" und "verweichlicht".

Wusste gar nicht, dass FDP Heinis schon in Harvard unterrichten...

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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt in der F.A.Z.