Fazit – das Wirtschaftsblog

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Für alle, die’s genau wissen wollen: In diesem Blog blicken wir tiefer in Börsen und andere Märkte - meist mit wissenschaftlicher Hilfe

Viele Leute haben null Ahnung von Geldpolitik

| 16 Lesermeinungen

Moderne Geldpolitik zielt darauf ab, die Inflationserwartungen der Menschen zu beeinflussen. Das setzt aber voraus, dass die Menschen Ahnung haben, was Geldpolitik überhaupt ist und wo die Inflationsrate liegt. Ein Autorenteam legt erschütternde Ergebnisse vor: Die Leute interessieren sich vor allem für den Benzinpreis und nicht für Geldpolitik.

Neuseeland gilt als eine der großen geldpolitischen Erfolgsgeschichten der vergangenen Jahrzehnte. Die dortige Notenbank verschrieb sich dort Anfang der neunziger Jahre als Pionier einer neuen geldpolitischen Strategie; der direkten Inflationssteuerung. Dabei versucht die Notenbank nicht länger, über die Steuerung eines Zwischenziels wie der Geldmenge indirekt auf die Inflationsrate einzuwirken. Im neuen Konzept setzt die Notenbank einen Leitzins und versucht ansonsten, die Menschen verbal von ihrer Absicht zu überzeugen, nur eine geringe Inflationsrate zu tolerieren. Die dahinterliegende Idee ist: Nach aller Erfahrung wird die künftige Inflationsrate stark von den aktuellen Inflationserwartungen der Menschen beeinflusst. Wenn die Notenbank die Menschen davon überzeugt, dass sie die Inflationsrate niedrig hält, werden die Menschen nur eine niedrige Inflationsrate erwarten und diese Erwartungen wirken sich dann vorteilhaft auf die künftige Inflationsrate aus. In der geldpolitischen Fachsprache heißt dies „forward guidance“. In Neuseeland ist, wie in vielen anderen Ländern, in den vergangenen 25 Jahren die Inflationsrate deutlich zurückgegangen.

Man sollte eigentlich denken, dass dieser Erfolg die Fähigkeit der Notenbank belegt, die Inflationserwartungen der Menschen nachhaltig zu verankern. Das Problem ist aber: Offensichtlich ist dies überhaupt nicht der Fall, wie die Befragung neuseeländischer Manager in den Jahren 2013 bis 2015 durch ein Team von Ökonomen ergibt. Demnach sind viele Manager, denen man im Durchschnitt immerhin ein größeres ökonomisches Wissen als einem privaten Haushalt unterstellen kann, mit der Geldpolitik kaum vertraut – nicht einmal ein Drittel kennt den Namen des Gouverneurs der Notenbank. Zwar trauen sie der Geldpolitik grundsätzlich die Steuerung der Inflationsrate zu, aber ihre eigenen Inflationserwartungen unterscheiden sich zum Teil sehr signifikant von den Inflationserwartungen, die von der Notenbank verankert werden möchten. Denn viele Manager interessieren sich gar nicht für gesamtwirtschaftliche Analysen und Inflationsprojektionen der Notenbank, sondern bilden ihre Inflationserwartungen beim persönlichen Einkauf und hier nicht zuletzt an der Entwicklung der Benzinpreise.

Nun ist Neuseeland fern, aber die Arbeit der vier Ökonomen belegt, dass die Situation in den Vereinigten Staaten nicht viel anders ist. Auch dort ist Wissen über die Geldpolitik kaum verbreitet und es wäre wenig erstaunlich, wenn ähnliche Befragungen in Europa ähnliche Ergebnisse zeitigten. Aktuelle Befragungen zeigen, dass der Ölpreis auch in Europa die Inflationserwartungen sehr stark bestimmt.

Was folgt daraus? Daraus folgt nicht, dass Inflationserwartungen in der Wirtschaft irrelevant sind. Vielmehr gaben viele befragte neuseeländische Manager an, dass sie ihre Entscheidungen über Löhne, Preise und Beschäftigung durch Inflationserwartungen beeinflussen lassen, nur übt halt die Notenbank nur einen geringen Einfluss auf die Inflationserwartungen aus. Daraus ziehen die Autoren der Studie den Schluss, dass sich die Notenbanken um eine bessere Kommunikation bemühen sollten.

Das ist sicherlich ein schöner Vorschlag. Aber das Problem ist fundamentaler Natur. Alle auf rationalen Erwartungen fußenden Theorien und Politikempfehlungen der vergangenen Jahrzehnte beruhen darauf, dass die Menschen zwischen der Veränderung eines Preisniveaus und der Veränderung relativer Preise unterscheiden können. Die Fokussierung vieler Menschen auf einen Güterpreis (Öl/Benzin) als Indikator für die gesamte Inflationsentwicklung belegt, dass diese Grundannahme der Theorie brüchig ist. Daher sollte man sich eher fragen, ob die aktuelle Geldpolitik nicht zu viel Gewicht auf die Steuerung von Inflationserwartungen legt. Wenn die Inflationserwartungen in Europa in erster Linie vom Ölpreis abhängen, werden die Versuche der EZB, durch Anleihekäufe Inflationserwartungen zu verändern, wenig erfolgreich sein. Daran dürfte auch eine Ausweitung/Verlängerung des Ankaufprogramms nichts ändern.

 

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16 Lesermeinungen

  1. vergangene Inflationsrate und erwartete Inflationsrate spielen bei Lohnverhandlungen eine Rolle
    Vielleicht spielt die Inflationserwartung deshalb ein so geringe Rolle, weil es den Notenbanken gelungen ist die Inflation über einen langen Zeitraum ziemlich konstant zu halten (und das auf einem relativ niedrigen Niveau, so dass die Inflation nicht in dem Maße wahrgenommen wird, wie zum Beispiel in den 70ern).

    Wenn die Inflationsrate aber plötzlich anzöge oder stärker schwanken würde, ist es naiv zu glauben, Gewerkschaften und Arbeitnehmer würden dies in ihren Lohnverhandlungen nicht berücksichtigen.

    Die 70er sind ein Paradebeispiel hierfür. Mit dem steigenden Ölpreis ist der (inländische) Kuchen kleiner geworden, die Gewerkschaften wollten aber trotzdem ein gleich großes Stück vom Kuchen haben. Folglich wurden hohe Lohnsteigerungen durchgesetzt, und die höheren Lohnkosten haben die Unternehmer auf ihre Preise aufgeschlagen. Die Notenbanken haben aber dafür gesorgt, dass sich diese Spirale nicht immer weiter dreht; folglich war die aggregierte Nachfrage nicht mehr groß genug, damit alle Produkte abgesetzt werden konnten (dazu hätte die Notenbank die Geldmenge im gleichen Maße erhöhen müssen, und dies hätte zu einer sich immmer stärker beschleunigenden Inflation geführt). Dies hatte wiederum zur Folge, dass die Wirtschaft in die Stagflation schlitterte.

  2. Pingback: Artikel über Wirtschaft und Devisen 8. Nov. | Pipsologie

  3. Voodoo Politik?
    Nun, die Leute müssen keine Ahnung von Geldpolitik haben. Die Geldpolitik muss Ahnung von den Leuten haben. So wird ein Schuh daraus. Offensichtlich hat sie das nicht, wie Sie selber sagen. Wer nun wie ich in den letzten 65 Jahren einiges an praktischen Versuchen der Konjunktursteuerung miterlebt hat, von der Schillerschen Art bis zur der von Mario Draghi, muss doch sagen, alle unterlagen einzig dem Gesetz von Versuch und Irrtum. Vielleicht ist es wirklich so, dass „die Leute“, und auch Manager sind nichts als Leute, sich einzelwirtschaftlich ziemlich rational verhalten, nur die Geldpolitik das nicht zur Kenntnis nehmen will. Weil sie ja auch in der Praxis immer Bestandteil von Politik ist und damit nie reinrassig daherkommt, sondern von politischen Wünschen gesteuert ist. Das führt dann zu Missinterpretationen sowohl von Keynes wie auch von Wenn der Staat Geld druckt und die Zinsen künstlich niedrig hält, fliehen die Leute halt in Sachwerte. Wenn nicht genügend Nachfrage da ist, wird weniger investiert WEIL weniger konsumiert wird. Die Geldmenge, das Geldangebot spielt keine Rolle für den Unternehmer, denn warum soll er ohne Nachfrage seine Kapazitäten ausbauen? Nur weil Geld billig ist? Und wer seine geldpolitischen Entscheidungen auf der Basis von schiefen Statistiken fällt wie heute üblich, dem ist sowieso nicht mehr zu helfen. Angeblich wurden ja diesen Monat 240 Tausend Arbeitsplätze in den USA geschaffen. Davon allein 140 Tausend freihändig nach dem sog. Death/Birth Modell, der Rest waren wie üblich Bartender, Verkäufer und Eunpacker. Und das während die Participation Rate auf niedrigstem Niveau verharrt und Walmart und andere Entlassungen vornehmen? Kein einziger Industruearbeitsplatz. Zur Messung der Inflation könnte man nun ähnliches sagen. Und danach richtet sich die Geldpolitik? Was soll da besseres herauskommen als Voodoo Ökonomie? Nein, die Leute sind rational, die Ökonomie muss vielleicht ihre Modelle überprüfen, aber vor allem die Politik ihr Verhalten.

    • Sorry, es muss heißen ...
      Das führt dann zu Missinterpretationen sowohl von Keynes wie auch von Friedman. – In welchem Ausmaß beiden Ökonomen von der Politik Gewalt angetan wurde, ist doch himmelschreiend. Weder hat Keynes je dem unbegrenzten Haushaltsdefizit das Wort geredet, noch wollte Milton Friedman tatsächlich Helikoptergekd verteilen. Es war für ihn eine theoretische Denkfigur. Dass nun Politiker, die tief in ihrem selbst angerichteten Schlamassel sitzen, und Journalisten des Spiegel, die auch nichts von Geldpolitik verstehen, tatsächlich direkt Zentralbankgeld an die Bürger verteilen wollen, schlägt dem Fass den Boden aus. Wie oft wollen sie das tun? Helikoptergeld ist das Strohfeuer der Geldpolitik, so wie Haushaltsdefizit das Strohfeuer der Finanzpolitik ist. Allein Strukturreformen helfen langfristig. Damit sind wir jedoch bei Allokation und Verteilung und das will keiner groß verändern. Politiker zündeln lieber. Natürlich mit dem Geld anderer Leute.

    • Ich bin kein Anhänger einer direkten Verteilung von Zentralbankgeld an die Bürger. Aber man muss auch sehen, dass diese Idee nicht nur von scheinbar verrückten Politikern und Journalisten vertreten wird, sondern von einer wachsenden Zahl definitiv nicht verrückter Ökonomen. Lord Adair Turner hat es mit dieser Idee in diesen Tagen sogar auf die hoch angesehene jährliche Forschungskonferenz des IWF gebracht:
      http://www.imf.org/external/mmedia/view.aspx?vid=4598431166001
      Wir hatten Turners Konzept anlässlich eines Vortrags in Frankfurt in FAZIT vorgestellt:
      http://blogs.faz.net/fazit/2015/03/02/ein-plaedoyer-fuer-helikoptergeld-5398/
      Gruß
      gb

    • Nur weil Geld billig ist?
      Vielleicht doch, dann lohnen sich schlechte Geschäfte, die sich sonst nicht lohnen würden. Die Frage bleibt aber: was soll investiert werden? Ist allein der Unternehmer, wer entscheidet? Ist es sein Geld, was investiert wird? Und über Ursache Wirkung im Kontext von Angebot und Nachfrage kann man viel diskutieren: das gehört zu den politischen Steuerungsmodelle, die sie kritisieren. Aber Sie haben Recht: moderne Geldpolitik ist leider eher Politik als Wirtschaft, ist nicht aus dem Bedürfnis des Zahlungsausgleichs der Wirtschaft entstanden. Staat und „Finanzindustrie“ mit ihren Interessen prägen sie.

    • Keine Macht, nur Verstand
      Ja, Herr Braunberger, Turner hat natürlich in vielem recht, was er sagt. Das habe ich damals ja auch so kommentiert. Und natürlich kann man so rational wie Turner das tut, auch über Helikoptergeld reden, genauso wie über Defizit Spending. Ich fürchte nur, dass wenn der Geist erst einmal aus der Flasche ist, die Politik das genauso wie mit Keynes machen würde, nämlich es als Freifahrtschein betrachten, so weiter zu machen wie bisher. – Demokratische Staaten sind eben so konstruiert, dass sie sich den Frieden in der Gesellschaft mit dem Geld anderer Leute erkaufen und dafür verzinsliche Schuldscheine/Anleihen geben. Das geht nur eine Zeitlang gut und die Preisfrage ist dann immer, wer zahlt die Zeche? Man kann sagen der Staat (Staatsbankrott/Währungsreform), oder die Bürger (Inflation, Steuern, Schuldenschnitt und Nullzinsen). Die zweite scheint die bessere und auch klügere Alternative zu sein, das „Nachsparen was schon verfressen wurde“ im Sinne der Ordoliberalen. Am schmerzfreisten kriegt man das natürlich bei gleichzeitigem Wirtschaftswachstum hin, nur woher nehmen im Schrumpfungsprozess? Vom Inland oder dem Ausland? Deutschland hat die Möglichkeit seine Anpassungsprozesse über das Ausland/den Export abzufedern. Wobei das global gleichzeitig ein Problem ist: Alle können sich nicht über Export entschulden. Realwirtschaftlich sowieso nicht. Wachstum über das Inland kann über den Staat (Staatsverschuldung/aber das will man gerade vermeiden), die Unternehmen (die investieren nicht, mangels Nachfrage) oder die Privaten erfolgen. Diese investieren, jedoch nur in noch rentierliche Sachanlagen. Gibt man Ihnen Helikoptergeld, geben sie es einmalig aus, wie eine Rentenerhöhung, und fertig. – Nimmt der Staat alle privaten Schulden auf sich, und löscht sie in der Zentralbankbilanz, löst er die Krise über die stille Enteignung der privaten Schuldner. Wohin man auch schaut, die Ordoliberalen haben recht: Alle müssen Nachsparen und in Zukunft Turners Vorschlägen folgen. Aber warum sollten sie es diesmal lernen? Wären sie Keynes in Bretten Woods gefolgt, wäre uns viel erspart geblieben. Aber Ökonomen haben ja keine Macht, nur Verstand.

  4. Gedanken zum Sjabath: etwas amüsantes und relativierendes:
    „Mijn moeder klaagde over duurte van levensmiddelen en brandstof.’t Moet dus geweest zijn voor de ontdekking der staathuishoudkunde.Onze meid was getrouwd met de barbiersknecht die maar een been had .Dat was zo zuinig ,meende de ziel,om ‚t schoeisel.Daaruit zou men nu weer besluiten ,dat de staathuishoudkunde wel uitgevonden was.“[Multatuli,Woutertje Pieterse ,Ideen I und II,V,VI und VII,1862-1877].

    Zusätzlich die Ideen von Arthur Spiethoff:Wechsellagen zusammengestellt aus fünf Phasen ,sogenannte Wechselstufen [empirisch ],zugespitzt dargestellt von Institut für Kunjunkturforschung,Berlin,: Tiefstand,Aufschwung ,Hochspannung ,Krise.
    Geldmenge könnte bestimmend sein oder historische Ereignisse wie Goldrush oder die sogenannte Gründerperiode.

  5. Pingback: Kommentar: Viele Menschen interessieren sich für den Benzinpreis, aber nicht für die Geldpolitik der Notenbanken |

  6. Auch viele Fachleute haben null Ahnung von Geldpolitik
    Für dieses Desaster ist unter anderem auch die Deutsche Bundesbank verantwortlich, die auf Basis einer monetaristischen Irrlehre praktische Geldpolitik verkündet und betrieben hat. Ich hatte dieses Drama auch hier in diesem Blog schon mehrfach thematisiert: http://blogs.faz.net/fazit/2015/09/02/illusionen-ueber-geldpolitik-6429/#comment-5041. Etwas ausführlicher habe ich das ganze hier beschrieben: https://zinsfehler.wordpress.com/2015/06/02/zombinomics-oder-die-pfahlung-der-loanable-funds-theorie/

    Und selbst diejenigen, die sich berufen fühlen für Aufklärung zu sorgen, irren in einigen zentralen Punkten immer noch durch den monetären Nebel: https://zinsfehler.wordpress.com/2015/01/20/qe-versus-ml/.

    Wer nicht weiß, was Geld eigentlich ist, der kann nur mit Glück vernünftige Geldpolitik betreiben. Denn wie wir alle wissen ist Korrelation etwas anderes als Kausalität. Die Bundesbank wusste jedenfalls bis zum Beginn der Finanzkrise 2007 nicht was Geld ist und wie es entsteht. Die SNB weiß es bis heute nicht: http://www.snb.ch/d/welt/portrait/banks/4.html, wenn man der FAQ-Seite der Bundesbank Glauben schenken darf (was ich tue): http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/FAQ_Listen/faq_zum_thema_geldschoepfung.html?docId=322134#322134

    LG Michael Stöcker

  7. Wirklich erstaunlich ....
    Da die moderne Geldpolitik nicht so funktioniert, wie die Politiker und Wissenschaftler, die sie betreiben oder die sich damit theoretisch befassen, es erwartet haben, muß das einen Grund haben: Natürlich sind die anderen Leute schuld, weil sie keine Ahnung haben – Oha!

    Ich setze mich also in mein Kämmerlein fernab der Welt, denke mir aus, wie ich die Inflationserwartungen der Menschen steuern will; dann gehe ich hinaus, agiere entsprechend …. und wundere mich, wieso die Leute nicht so sind und nicht so reagieren, wie ich es gerne hätte. Und dann schimpfe ich sie noch Ignoranten, na danke.

    Habe ich nicht alle Tassen im Schrank, oder wer?

    • Titel eingeben
      Es geht meines Erachtens nicht um Tassen in Schränken.

      Es geht darum, dass eine bestimmte geldpolitische Konzeption auf Prämissen aufbaut, die in der Realität so nicht gegeben sind. Daraus folgt nicht, dass irgend jemand verrückt ist. Daraus folgt aber die nicht ganz unwichtige Frage, ob es nicht einer anderen geldpolitischen Konzeption bedarf.

      Gruß
      gb

    • Redundanz
      @Gerald Braunberger
      Naja, eine der Prämissen ist, dass Inflation in letzter Konsequenz vom Handeln aller Wirtschaftsteilnehmer bestimmt wird oder falls man eine Stufe weiter zurück gehen will, von den Erwartungen, die das Handeln aller Teilnehmer bestimmen.
      Durch die Feststellung, dass Geldpolitik wenn überhaupt nur eine untergeordnete Rolle in den Erwartungen spielt, die das Handeln bestimmen und damit Inflation, haben Notenbanken lediglich geringen Einfluss auf die Inflation (zumindest in Neuseeland).
      „Daraus ziehen die Autoren der Studie den Schluss, dass sich die Notenbanken um eine bessere Kommunikation bemühen sollten.“
      Man will aber offenkundig mehr Einfluss ausüben bzw. eine übergeordnete Rolle in den das Handeln aller Teilnehmer bestimmenden Erwartungen spielen und damit die Inflation maßgeblich mitbestimmen.
      Weil notwendig, auch wenn offensichtlich nicht notwendig, aber trotzdem, sicherheitshalber, falls die animal spirits der Neuseeländer mal wieder Überhand nehmen und edle Notenbänker zu ihrer Hilfe eilen müssen, um sie vor sich selbst zu retten. Amen.

      Auch zeigt diese Studie in gewisserweise, dass es purer Zufall ist, wenn die neuseeländische Notenbank ihr Inflationsziel erreicht, weil sie offenkundig nicht selbst dafür verantwortlich sein kann.
      Niemand (schon gar nicht Politiker und schon dreimal nicht Geldpolitiker aka Zentralbänker) ist gern unfähig und überflüssig.
      Ein weiterer Grund, der dazu beiträgen dürfte, die „Kommunikation verbessern“ zu wollen.

      Ökonomen sollten dabei auch nicht vergessen werden, denn jedes Modell, dass implizit davon ausgeht, dass Zentralbanken die Kontrolle über Erwartungen und damit Inflation haben, wird von diesem Studienergebnis ad absurdum geführt – und damit auch die Nutzer dieser Modelle.
      Damit stellen entsprechende Ökonomen die nächste Gruppe dar, die ein existenzielles Eigeninteresse daran hat, dass Zentralbanken auch wirklich die Inflation maßgeblich beeinflussen können und dementsprechend die Kommunikation von Geldpolitik verbessern wollen.

    • Aus einer rein institutionellen Sicht ließe sich ergänzen, dass der Gesetzgeber in vielen Ländern Zentralbanken mit der Wahrung der Preisniveaustabilität beauftragt hat. Insofern kann man ihnen nicht vorwerfen, dass sie die Inflationsrate zu beeinflussen suchen :-) Meines Erachtens gibt es viele Einflüsse auf die Inflationsrate. Zentralbanken können aus meiner Sicht durchaus beeinflussen, ob eine Inflationsrate eher bei null als bei 10 Prozent liegt, aber ich sehe nicht, wie eine Zentralbank die Inflationsrate punktgenau zwischen null und 2 Prozent steuern will. Die Geldpolitik ist ein mächtiges Instrument, aber sie ist nicht allmächtig. Vor allem wirkt sie asymmetrisch: Es besteht kein Zweifel, dass eine Zentralbank eine hohe Inflationsrate senken kann, aber der umgekehrte Fall ist weniger klar.
      Und als Letztes: Ich bin zu einer Zeit an der Uni ausgebildet worden, als das Konzept rationaler Erwartungen zwar in wirtschaftswissenschaftlichen Zeitschriften erheblich an Bedeutung gewonnen hatte, es im Lehrbetrieb aber noch nicht als selbstverständlich vermittelt wurde. Die Idee, dass die Zentralbank wie auf Bestellung Inflationserwartungen zuverlässig steuern kann, habe ich noch nie unkritisch gesehen. Man muss aber einräumen, dass viele junge Ökonomen, die nie etwas anderes gelernt haben, Erwartungssteuerung durch die Zentralbank als selbstverständlich betrachten. Mich erstaunen die Ergebnisse aus Neuseeland (und für die Vereinigten Staaten gibt es ja ähnliche) überhaupt nicht.
      Gruß
      gb.

  8. Nominalismus versus Realismus : einige Notizen zur Terminologie
    Text Brooking Papers immer lesenswert !
    Meines Erachtens der Haken,der Kern der Sache könnte terminologischer Natur sein ,ich meine keine Ahnung haben oder sich nicht eins um andere Mal ein sich vergewissern können oder wollen wie ein Volkswirtschaft funktioniert mit Inbegriff der Zentrale Banks tagtäglicher Arbeit ,rapportiert mit Hilfe scheinbar eingebürgerte Begriffe ,wie Inflation ,Zinzen ,G.N.P, allesamt aggregationen von Zahlen [Makro Niveau],dagegen die Realität jeder Tag[mikro Niveau ],ich meine nicht ein bloßer Ersatzterminologie für Inflation versus Deflation ,aber ein Terminologie [Semantik und Syntax ] näher zum tägliche Betriebswirtschaft bis zum Einkaufen von Ernährung und gasoline undsoweiter ,zugespitzt in diesem Zeitalter des Egotisme[Stendhal wußte Bescheid ].
    Das jeder Publikation der Zentrale Bank Pflichtlektüre war während meiner Studium,ja das war einmal.
    Da waren die Herren Professoren nicht zimperlich.
    Ich denke dass die Wirtschaftswissenschaftliche Terminologie einerseits vereinfacht dargestellt wird für Leser Wirtschaft- und Finanzielle Berichterstattungen,ausnahmsweise erfreulicherweise in hochqualifizierte Zeitungen,wie der F.A.Z.,und lange her het Algemeen Handelsblad in der Niederlanden,andererseits die Fachliteratur.Es muß ja klar sein das von einer „mutual understanding “ gar nicht die Rede sein könnte und darf,daß benötigt klar Sachverständigen .
    Zwei herausragende Artikel zum Beispiel ,die die imaginäre oder reale Kluft zu bewältigen versuchen:Wenn das Klima nur eine Bank wäre ! von Reinhard Loske ,F.A.Z. vom 24,10.2015 und Zahl und Sinn von Professor Dr. Andreas Rödder,F.A.Z. vom 05.07.2010.
    Wiederum ein höchst interessanter Artikel.Danke!h

  9. Pingback: Kleine Presseschau vom 5. November 2015 | Die Börsenblogger

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