Fazit – das Wirtschaftsblog

Fazit - das Wirtschaftsblog

Für alle, die’s genau wissen wollen: In diesem Blog blicken wir tiefer in Börsen und andere Märkte - meist mit wissenschaftlicher Hilfe

Mehr Senioren? Mehr Roboter!

Alternde Bevölkerungen werden nach einer verbreiteten These zu einer trendmäßigen Verlangsamung des Wirtschaftswachstums begleitet. Das ist falsch, sagen Daron Acemoglu und Pascual Restrepo, mit Blick auf die Empirie. Denn mit dem Anteil der Alten in der Bevölkerung nimmt der Anteil der Roboter in den Fabriken zu.

Verbirgt sich hinter Korrelation auch eine Kausalität? Diese Frage wollen Daron Acemoglu und Pascual Restrepo beim gegenwärtigen Stand ihrer Forschungen noch nicht beantworten. Aber interessant ist schon, was sie herausgefunden haben: Bei einer länderübergreifenden empirischen Analyse für die Jahre 1990 bis 2015 stellen sie fest, dass die Automatisierung in der Wirtschaft eines Landes umso stärker verlief, je schneller die Bevölkerung alterte und dass in diesen Ländern das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf nicht litt. Das widerspricht zum Beispiel jenen Anhängern der These einer „säkularen Stagnation“, die in alternden Bevölkerungen einen wesentlichen Grund für eine trendmäßige Verlangsamung des Wirtschaftswachstums sehen.

In den Worten der beiden Autoren: „(W)e show that countries undergoing more rapid demographic change are more likely to adopt robots… (W)e show that when capital is sufficiently abundant, a shortage of younger and middle-aged workers can trigger so much more adoption of new automation technologies that the negative effects of labor scarcity could be completely neutralized or even reversed.“ 

Die Anfang Januar 2017 auf dem Jahrestreffen der Vereinigung amerikanischer Ökonomen vorgestellte Arbeit von Acemoglu/Restrepo ist nur eine Art „Appetithappen“; eine ausführlichere Studie befindet sich in Vorbereitung. Die Autoren behaupten keinen kausalen Zusammenhang zwischen der Alterung der Gesellschaften und dem Robotereinsatz. In theoretischer Hinsicht geben sie zu bedenken, dass in einer Welt, in der Kapital billig ist, und gleichzeitig das Angebot an jungen Arbeitskräften zurückgeht, ein Anreiz für Innovationen besteht, gerade von jungen Leuten ausgeübte Arbeiten zu automatisieren.

Inwieweit diese Erklärung trägt, muss man sehen. Die Beobachtung, dass mit der Alterung der Gesellschaft die Häufigkeit von Robotern zunimmt, ist aber recht interessant. Theoretisch haben sich damit im vergangenen Jahr außerdem Forscher der Internationalen Währungsfonds auseinandergesetzt, die ebenfalls klarmachten, dass Roboter theoretisch jedes demographische Problem lösen könnten, zugleich aber Verteilungskonflikte drohen dahingehend, wem die Roboter gehören – wer also ihre „Rendite“ bekommt.

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