Fazit – das Wirtschaftsblog

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Für alle, die’s genau wissen wollen: In diesem Blog blicken wir tiefer in Börsen und andere Märkte - meist mit wissenschaftlicher Hilfe

ESBies: Wie die EZB Anleihen wieder los werden kann

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Neue Wertpapiere mit Namen „ESBies“ sollen Anlegern einen sicheren Hafen bieten und die Verbindung zwischen Banken und Staaten lockern. Anders als bei Eurobonds  sieht das Konzept keine nationale Haftung vor. Jetzt prüft die EU-Kommission das Vorhaben. Aber es gibt Widerstand aus Deutschland, da Bundesregierung und Bundesbank eine nationale Haftung durch die Hintertür befürchten.

Vier Fliegen mit einer Klappe will eine Idee schlagen, als deren Folge aus europäischen Staatsanleihen ein neues Wertpapier mit dem Namen ESBies („European Safe Bonds“) gebildet würde. Erstens erhielte die Eurozone neben Anleihen aus Ländern wie Deutschland und den Niederlanden Anleihen mit einer sehr geringen Ausfallwahrscheinlichkeit. Die hohe Bedeutung solcher sicherer Kapitalanlagen wird in jeder Krise deutlich, weil eine starke Nachfrage nach solchen Papieren ihre Kurse stark steigen und ihre Renditen stark fallen lässt. (Mit dem Thema haben wird uns in FAZIT unter anderem hier beschäftigt.)

Zweitens könnten Banken vor allem aus dem Süden der Eurozone mit dem Erwerb solcher Papiere ihre enge Bindung an die jeweiligen Staaten reduzieren, was die Gefahr einer neuen Finanzkrise in der Eurozone reduzieren würde. Denn diese Banken würden dann weniger Staatsanleihen aus dem eigenen Land halten. Die Idee läuft auch darauf hinaus, dass es damit weniger Anreize für Kapitalflucht aus einem Land der Währungsunion in andere Länder geben dürfte und sich die Wahrscheinlichkeit der Ausbreitung einer Krise von einem Land auf die gesamte Währungsunion verringerte – eine Vorstellung, an der nicht zuletzt Deutschland ein Interesse haben sollte.

Drittens erhielte die Europäische Zentralbank eine Möglichkeit, ihren Anleihebestand bei Bedarf zu verringern, indem sie die von ihr gehaltenen nationalen Staatsanleihen in ESBies bündelt und an interessierte Investoren verkauft. Das ist zwar gegenwärtig kein Thema, weil die EZB weiterhin Anleihen kauft. Aber falls sie nach einem Ende des Kaufprogramms nicht passiv warten will, bis durch Tilgungen ihr Anleihebestand einmal sinkt 1), könnte sie ihn durch die Umwandlung in ESBies aktiv verwalten. Und viertens und gerade aus deutscher Sicht besonders wichtig: Im Unterschied zu nahezu allen Versionen von Eurobonds, die in den vergangenen Jahren vorgeschlagen worden sind, existiert bei den ESBies keinerlei Haftung von Nationalstaaten.2)

Die Idee der ESBies geht auf das Jahr 2011 zurück, als sie nach Ausbruch der Eurokrise von einer Gruppe von Ökonomen vorgeschlagen wurde, in der sich auch der deutsche Princeton-Professor Markus Brunnermeier befand. Nunmehr wurde das Konzept noch einmal präzisiert 3), und wie zu hören ist, stößt es in der EZB auf Interesse. Die Grundidee ist einfach: Ein Emittent – das können staatliche Institutionen ebenso sein wie private Finanzunternehmen – bündeln Staatsanleihen aus der Eurozone in einem Portfolio, wobei sich die Anteile der Anleihen aus den einzelnen Ländern nach einem festen Schlüssel ergeben. Das kann der Anteil eines Landes am Bruttoinlandsprodukt der Eurozone sein oder der Anteil eines Landes am Eigenkapital der EZB.

Ein solches Portfolio hätte allerdings ein durchschnittlich größeres Risiko als Bundesanleihen. Um sichere Anlagen zu erzeugen, wollen die Väter der ESBies das Portfolio in zwei Tranchen aufteilen. 70 Prozent des Portfolios werden zur Ausgabe erstrangiger ESBies benutzt und die verbleibenden 30 Prozent als nachrangige European Junior Bonds (EJBies). Diese Junioranleihen sind riskanter, weil im Falle von Zahlungsausfällen nationaler Schuldner zunächst diese Anleihen Wertverluste erleiden würden. Die Junioranleihen dienen als eine Art Sicherheitspuffer für die ESBies.

Man hätte damit Wertpapiere, die in ihrer Konstruktion ein wenig an Anleihe-ETFs erinnern. Eine naheliegende Frage lautet: Reicht der Sicherheitspuffer durch die Junioranleihen aus, um die Besitzer der ESBies im Falle von Zahlungsschwierigkeiten eines oder mehrerer Euroländer abzuschirmen? Das ist die Voraussetzung, damit ESBies als deutschen Bundesanleihen vergleichbare sichere Kapitalanlagen nachgefragt werden können.  Die Ökonomengruppe hat umfangreiche Simulationen vorgenommen, in denen auch eine schwere Rezession in der Eurozone angenommen wird und gelangt zu dem Schluss, dass die ESBies die Anforderungen an eine sichere Kapitalanlage erfüllen würden. Die Implementierung sollte auch aus politischen und juristischer Sicht nicht zu kompliziert sein: „Crucially, ESBies are designed with political reality in mind. They entail no joint liability among sovereigns and require no significant change in treaties or legislation.“

Wer käme als Emittent von ESBies in Frage? „Die wahrscheinlichsten Kandidaten sind private Finanzhäuser wie große Banken oder Vermögensverwalter oder eine öffentliche Institution wie der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM), die Europäische Investitionsbank (EIB) oder die EZB oder sogar eine neue Europäische Schuldenagentur“, schreibt die Ökonomengruppe. Es gebe keine Exklusivität; ESBies könnten gleichzeitig von privaten und von staatlichen Emittenten begeben werden.  Als Erwerber stellen sich die Verfasser unteranderem Banken vor, die bisher hohe Bestände an Staatsanleihen ihres Heimatlandes halten. Durch die mit dem Tausch nationaler Staatsanleihen in ESBies verbundene geografische Diversifizierung der Anleihenbestände lockerte sich die große Abhängigkeit der Gesundheit der Banken von der Gesundheit der Staaten.

Wie das „Handelsblatt“ in seiner Ausgabe vom 27. Januar schreibt, will die EU-Kommission das ESBies-Konzept im März in ein Weißbuch aufnehmen. Allerdings gäbe es Widerstand bei Bundesregierung  und Bundesbank, da dort die Befürchtung existiere, dass bei einer Emission solcher Papiere durch eine öffentliche Institution wie die EZB am Ende doch nationale Haftungsrisiken auftreten könnten. Eine solche Sorge hatte bereits der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Lage in seinem jüngsten Jahresgutachten geäußert. Dort heißt es einerseits lobend: „Der Hauptvorteil der ESBies liegt in der Schaffung einer sicheren europäischen Wertpapierklasse bei gleichzeitiger Wahrung der Marktdisziplin und ohne explizite Vergemeinschaftung der Risiken…Der Vorschlag ist also grundsätzlich verschieden von der Einführung von Eurobonds, bei denen eine gemeinschaftliche Haftung der Mitgliedstaaten bestünde.“ Andererseits warnt der Sachverständigenrat aber auch: „Es bestehen allerdings Risiken bei der Einführung von ESBies, die durch eine angemessene Ausgestaltung begrenzt werden müssten. Insbesondere müssten implizite Haftungsrisiken ausgeschlossen werden. Dies spricht für eine private Emission der Wertpapiere, da eine öffentliche Institution einem größeren Druck ausgesetzt wäre, im Krisenfall Haftungsrisiken zu übernehmen. Außerdem müssten die Kriterien für die Ausgestaltung der ESBies dem laufenden politischen Prozess weitgehend entzogen sein.“ Der Wissenschaftliche Beirat beim Bundesfinanzministerium gibt zu bedenken, ESBies wären „besonders anfällig für politische Einflussnahme.“

Eine mit dem Konzept verbundene wichtige Frage lautet, wer als Käufer der riskanteren Junioranleihen aufträte, denn ohne die Ausgabe von Junioranleihen gäbe es keine ESBies. Die Ökonomengruppe ist zuversichtlich, dass die Junioranleihen für eine große Zahl von Anlegern interessant sein müssten. Aber ob diese Annahme zutrifft, könnte erst ein Markttest zeigen für die beiden neuen Wertpapiere zeigen. „Wie bei jedem neuen Markt, und besonders bei einem umfangreichen und hoch-standardisierten Emissionsprogramm, würde es eine gewisse Zeit dauern, bis sich die ESBies etablieren“, sagen die Ökonomen voraus. Dies hängt auch mit der Notwendigkeit eines liquiden Sekundärmarktes zusammen. Die EZB könne die ESBies fördern, indem sie diese Papiere bevorzugt für ihre Geldmarktgeschäfte benutze, heißt es. Der Sachverständigenrat ist in seinem Gutachten weniger zuversichtlich: „Unklar bleibt gleichwohl, ob die Einführung der ESBies die angestrebten Ziele tatsächlich erreichen kann. Vor allem stellt sich die Frage, ob die Junior-Tranchen in Krisenzeiten noch Käufer finden und ob eine Emission von ESBies dann überhaupt noch möglich ist. Es kann nicht ausgeschlossen wer-den, dass die EZB sich genötigt sähe, als Käufer der Junior-Tranchen aktiv zu werden. Eine vollständige Wiederherstellung der Marktdisziplin ist daher unwahrscheinlich. Schließlich hängt die Fähigkeit des Euro-Raums, sichere Wertpapiere zu schaffen, entscheidend von der fiskalischen Entwicklung ab.“ Manche Experten sind der Ansicht, dass die ESBies erst nach einer Anpassung der Regeln, wie Banken Anleihen mit Eigenkapital unterlegen müssen, attraktiv werden können.

 

 


  1. Nach einem vor allem zu Beginn des EZB-Anleihekaufprogramms verbreiteten Mythos können die Bilanzsummen der Zentralbanken angeblich nicht mehr sinken, weil sie angeblich keine Anleihen verkaufen könnten. Diese Idee – auf die man allerdings kaum noch trifft – übersieht, dass Anleihen (von wenigen Ausnahmen abgesehen) im Unterschied zu Aktien eine begrenzte Laufzeit haben. Wenn eine Zentralbank gar nichts täte, verschwänden die Anleihen im Laufe der Zeit von selbst. In der Praxis ersetzen Zentralbanken wie die Fed oder die EZB fällige Anleihen durch neue Papiere, aber zwingend ist dies nicht.
  2. Für einen Überblick: „Other proposals for union-wide safe assets engender some form of joint liability, rendering them susceptible to political problems (since fiscal union requires political union to ensure democratic account-ability) and incentive issues (since joint liability implies moral hazard), as documented by Claessens,Mody & Vallée (2012) and Tumpel-Gugerell (2014). Common issuance of eurobonds, contemplated by the European Commission (2011) and Ubide (2015), implies joint liability. The blue-red proposal of Von Weizsacker & Delpla (2010) entails joint liability for the first 60% of a sovereign’s debt stock (relative to GDP). The “eurobills” proposal of Philippon & Hellwig (2011) involves joint issuance of short-maturity bills of up to 10% of a country’s GDP. Even the German Council of Economic Experts’ (2012) proposal for a “European Redemption Pact” involves some degree of joint liability, albeit with strict conditionality, and without leading to the creation of a union-wide safe asset. Hild, Herz & Bauer (2014) envisage a security similar to ESBies, namely a synthetic security backed by a GDP-weighted portfolio of sovereign bonds, but with partial joint liability among nation-states. To our knowledge, the only proposal for a pooled security that does not engender joint liability is that of Beck, Wagner & Uhlig (2011), whose “synthetic eurobond” is comparable to ESBies without tranching.
  3. Ein mathematisches Modell, das sich vor allem mit der Bedeutung für die Banken beschäftigt, ist hier.

 

 

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43 Lesermeinungen

  1. Wie kann aus einer Neubündelung irgendeine Bonitätsverbesserung entstehen?
    Doch nur, wenn andere Emittenten einen Bonitätsverlust hinnehmen; das wäre dann die Gemeinschaftshaftung.
    Eine sachorientierte Darstellung, wie das sonst rechnerisch ausgehen soll, wäre interessant.

    Da diese Bündelungen klar durchrechenbar sind, kann man auch weiterhin ganz genau berechnen, wie umverteilt wird.

    Tut mir leid Herr Braunberger, aber der Artikel hier und ihr fast zeitgleicher Artikel „Sparen in der Inflation“ gehen an den tatsächlichen Zahlen vorbei. (Z.B. beim anderen Artikel die inflationsindexierten Anleihen des Bundes: Ich habe mir die Anleihenkurse schon lange angeschaut, und etwaige Vorteile und Nachteile waren immer schon eingepreist. An den echten Zahlen für Risiko, Preis und Zins kommt schon seit Jahrzehnten niemand mehr vorbei.)

    • Sie irren – offenbar haben Sie die Grundkonstruktion nicht erfasst.
      Stellen Sie sich das Ganze als ein Portfolio vor, aus dem nicht ein Anleihen-ETF, sondern zwei Anleihen-ETFs mit unterschiedlicher Besicherung gebildet werden.
      Die „Bonitätsverbesserung“ entsteht nicht, indem andere Emittenten einen Nachteil hinnehmen müssen. Die „Bonitätsverbesserung“ entsteht durch die Tranchierung des Portfolios in ESBies und Junioranleihen – und das Portfolio mit den Junioranleihen enthält die meisten Bonitätsrisiken.
      Dies Bündelungen sind auch klar durchrechenbar – das haben die Schöpfer der ESBies in dem von mir verlinkten Papier ausgiebig getan. Die Rechnungen können dort nachvollzogen werden.
      Gruß
      gb

    • Erinnert mich schwer an Mortgage Backed Securities ..
      .. nur dass statt Hypotheken Staatsanleihen dem Wertpapier zugrunde liegen. Motiv: Mittelmeeranrainer sollten eigentlich nicht EZB-refinanzierbar sein, mangels Bonität. Um Refinanzierbarkeit trotzdem zu realisieren, darf im Falle einer Zahlungsunfähigkeit die EZB möglichst nicht betroffen sein – es darf also nicht zu einem sog. hair-cut der betreffenden Anleihen kommen. Das kann man konstruieren, wenn die „Subprimes“ in den EJBies als erstes einen Totalverlust erleiden, ehe die „Subprimes“ in den ESBies ein Problem bekommen. So könnte quasi die Hälfte der Staatsschulden der Subprime-Staaten Trippel-A Status ergattern.
      So seh‘ ich das.

    • Am Ende kann ich nur einen Zweck bei dieser Konstruktion erkennen: Anlegergeld, das nach bestimmten
      Regeln durch die Verwalter angelegt werden muss, wird in die vorgeblich sicheren „erstrangigen ESBies“ gezwungen. Das würde dann bis hinein in mündelsicher anzulegende Gelder gehen.
      Offiziell haben das die Verantwortlichen (Draghi, Schäuble und Co) nämlich noch nicht geschafft.
      Mit „erstrangigen ESBies“ wird dies ganz offiziell geschehen. Niemand (Politiker; Manager, die im Verlauf von mehreren Jahren hunderte Milliarden an Bonusen dabei bekommen) wird bei einem Euro-Zusammenbruch mehr strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden können, da sich auf dem Papier alles zwangsläufig ergeben hat.

      Außerdem kann man bei einer möglichen Volksabstimmung für einen Dexit (aus EU oder nur aus dem Euro) große Teile der Bevölkerung in Deutschland mit der Verarmung bedrohen: Wer für den Ausstieg stimmte, würde bestraft mit Verlust von Betriebsrenten, Fondsvermögen und eventuell sogar Verlust von Sparkonto-Vermögen wegen Zusammenbruchs deutscher Banken und Versicherungen, die zuviele „erstrangige ESBies“ gekauft hatten.

      Und die 70/30 Teilung hat man doch nur gewählt, weil man 1.) ungerade Zahlen niemandem erklären könnte und 2.) weil die 60/40 Teilung schon in dem anderen erwähnten Vorschlag in der Öffentlichkeit verbrannt war.

    • „Am Ende kann ich nur einen Zweck bei dieser Konstruktion erkennen: Anlegergeld, das nach bestimmtenRegeln durch die Verwalter angelegt werden muss, wird in die vorgeblich sicheren „erstrangigen ESBies“ gezwungen.“

      Niemand soll gezwungen werden, ESBies zu kaufen.

      „Und die 70/30 Teilung hat man doch nur gewählt, weil man 1.) ungerade Zahlen niemandem erklären könnte und 2.) weil die 60/40 Teilung schon in dem anderen erwähnten Vorschlag in der Öffentlichkeit verbrannt war.“

      Es ist mir unbegreiflich, wie man so etwas schreiben kann. Aus meinem Artikel wie aus dem verlinkten Originaltext geht klar hervor, dass die 70/30-Aufteilung gewählt wurde, weil man davon ausgeht, dass bei dieser Aufteilung die Juniortranche ausreicht, um entstehende Risiken abzufedern. Der Originaltext beschreibt die Simulationsrechnungen der Autoren für diesen Fall.

      Gruß
      gb

  2. Zombie-Banken als Käufer der EJB ?
    Die höher verzinslichen EJBs könnten v.a. für Schulden-belastete Banken von Interesse sein, um damit ihre Bilanz nominell aufzuhünschen – die dann aber umso mehr von der nächsten Staatsschuldenkrise bedroht wären.

    Am liebsten würde ich die EJBs den euroäischen Rentnern an Stelle eines Teils der Rentenansprüche in ein Depot legen – dann hätten sie ein Interesse, in Wahlen an der Stabilisierung ihrer Länder mitzuwirken, stattt denjenigen zu wählen, der ihnen noch ein paar Jahre Komfort und „Betandsschutz“ auf Pump zu Lasten der Jungen verspricht. Leider geht das rechnerisch nicht auf, weil ja auch die Rentenzusagen wie zusätzliche, versteckte Staatsschulden wirken.

  3. Bonds
    ESBies, European Safe Bonds sind „naked bonds“ vom IES „institute für environment
    and substainability“. Die EZB ist der einzige „bevorrechtigte Käufer“ dieser Bonds und
    wird die unter „bullet loans“ verbuchen.
    Insgesamt eine wirklich gelungene Erklärung der Aussichtslosigkeit. Als noch dazu die
    Raitingagenturen das Produkt mit AAA bewerteten, kauften die Menschen Gold und
    tauschten die Geldscheine aus Angst vor einem Bankencrash ein. So kurz könnte Ihre
    Erklärung sein, Herr Braunberger!

    • „So kurz könnte Ihre Erklärung sein, Herr Braunberger!“

      Danke für den Tipp, aber ich werde es weiterhin mit sachorientierten Darstellungen versuchen.

      Gruß
      gb

  4. Verbrennen?
    Theoretisch koennte man die eingesammelten Anleihen heute verbrennen. Als Konsequenz waere die Staatsverschuldung in allen Laendern geringer. Man muesste sich nur einig sein, dass dies nicht der Startschuss zu neuen Kreditausfnahmen der Euro-Laender waere. An sich waere das Loeschen der Bonds nicht inflationaer, aber eine nachfolgende Steigerung der Staatsausgaben schon. Ich faende es aber sehr sinnvoll die Bonds zu behalten um falls notwendig in ferner Zukunft die Inflation durch den Verkauf der Bonds zu bekaempfen. Interessanterweise gibt zum Beispiel die argentinische Zentralbank Lebacs aus, nimmt also Kredit auf (den man nicht braucht), um die Inflation zu bekaemfen. Haette man Bonds in Depot muesste man das nicht machen.

  5. Man kann sich nur verwundert die Augen reiben,
    wenn man nicht der Zunft der Ökonomen angehört und ob diese Mangels viele Beiträge nicht unbedingt zur Gänze versteht, wohl aber das Schnüren eines Paketes zum Verkauf von EZB-Anleihen mental durchaus erfassen kann. „ESBies sollen Anlegern einen sicheren Hafen bieten und die Verbindung zwischen Banken und Staaten lockern“: Wieder so ein Konstrukt, welches, – wie ehedem politisch gewollte faule Hypotheken amerikanischer Banken in neue Pakete geschnürt und dann weiterver- kauft wurden und wie man heute weis, zu einem Bankendesaster und zur Finanzkrise geführt haben – Anleihen solcher Staaten guter Bonität mit solchen schlechter Bonität mischt und dann hoffentlich wieder einen „dummen“ Käufer findet, seien es Banken, private oder institutionelle Anleger. Die Ursache des unbeschränkten Anleihekaufs auch nahezu insolventer oder insolventer Staaten durch die EZB ist doch politisch inauguriert: Zum einen will man Spekulationen mit dem Euro verhindern, dessen Einführung ebenfalls kein Ruhmesblatt politischen Ökonomieverständ-nisses war, zum anderen den reformunfähigen Staaten helfen, weiterhin keine Reformen durchzuführen, weil ansonsten die Gefahr durch rechte und linke Populisten weiter zunimmt, wohl sehend, dass auch in den Ländern, die für die Negativsaldi „bürgen“, die Bürger mit dieser Schuldenübertragung nicht einverstanden sind und ebenfalls politisch instabiler werden (Wilders, Hofer, Petry). Man muss sich fragen, weshalb sich Ökonomen immer wieder der Politik anbiedern, ökonomisch verbrämte, wohlfeile aber unreelle Pakete zu schnüren, die dann die Folgen jahrelanger Missachtung jeglicher Verträge durch Politikverant-wortliche verhindern sollen. Das Argument, jetzt sei das Kind in den Brunnen gefallen und man müsse egal wie eingreifen, möchte ich nicht gelten lassen. Der Zweck heiligt eben nicht die Mittel, schon gar nicht wenn der Teufel durch Beelzebub ausgetrieben werden soll.

  6. Schuldscheine mit schlechter Bonität versteckt man
    unter die Schuldschein mit guter Bonität und meint keiner merkt etwas.

    • Nein, sie werden in dem Vorschlag ausdrücklich nicht versteckt, sondern öffentlich als nachrangige Papiere gehandelt.

      Gruß
      gb.

  7. Investoren wollen keine Esbies
    Ich fürchte, Esbies werden keine strahlende Erfolgsstory. Aus Sicht der Investoren sprechen allzu viele Gründe gegen dieses Finanzinstrument.

    Ganz generell hat die Securitisation an den Finanzmärkten seit Ausbruch der Finanzkrise kein gutes Renommee. Der Markt für die Verbriefung von Bankkrediten ist weitgehend zusammengebrochen. 2008 betrug das Volumen an Neu-Emissionen europaweit 650 Milliarden Euro. 2015 waren es nur rund 200 Milliarden – also nicht einmal ein Drittel.

    Zudem sind Esbies ein recht kompliziertes und wenig transparentes Produkt. Hierin befinden sich Anleihen mit ganz unterschiedlichen Laufzeiten, Zins-Coupons etc. Manche Bonds sind inflationsindexiert, andere nicht. Und die Titel stammen aus 19 verschiedenen Ländern.

    Der Bund begibt eine breite Palette von Bundeswertpapieren mit sehr unterschiedlichen Laufzeiten – eben weil die Investoren dies verlangen. Bei Esbies können die speziellen Wünsche der Anleger hingegen nicht berücksichtigt werden. Seit Ausbruch der Finanzkrise favorisieren die Anleger aber schlanke Produkte, die sie rasch und umfassend einschätzen können.

    Bei Bundesanleihen brauche ich mir als Investor nur eine Meinung über die Bonität eines einzigen Emittenten bilden – bei Esbies muss ich die finanziellen, wirtschaftlichen und politischen Risiken in 19 verschiedenen Staaten bewerten.

    Bei vielen Fondsgesellschaften gibt die Geschäftsleitung den diversen Aktienfonds, Rentenfonds etc. einen klaren Rahmen für Investments vor – beispielsweise das Ziel, das Exposure in Frankreich oder Spanien zu reduzieren. Der Fondsmanager eines Rentenfonds dürfte dann vermutlich keinen einzigen Esbie kaufen.

    Brunnermeier und Co-Autoren liebäugeln mit der Möglichkeit, dass die Emission von Esbies von Geschäftsbanken oder anderen privaten Finanzinstituten betrieben werden könnte. Sie erwähnen ausdrücklich die Schaffung von Special Purpose Vehicles (SPV). Ich bin mir nicht sicher, ob die Banken ausgerechnet Bundesanleihen oder andere Staatsanleihen mit AAA-Rating in ein SPV auslagern wollen.

    In jedem Fall aber sind Haftungsfragen bei SPV sehr heikel. Im Falle einer Insolvenz steht die Zweckgesellschaft ja nur mit ihrem Portfolio an Staatsanleihen ein, das eine ganz unterschiedliche Qualität hat. Das ist, nach den Erfahrungen aus der Finanzkrise, vielen Investoren zu unsicher.

    Alternativ erörtern die Autoren die Emission durch eine staatsnahe EU-Institution, etwa die EZB oder den Rettungsschirm. Hierbei gäbe es aus Sicht der Investoren das Problem, dass dann bei der Insolvenz eines Euro-Landes m. E. ein klarer Interessenskonflikt auftreten würde. Staatsnahe EU-Institutionen werden sicher nicht mit Verve die Interessen der Investoren vertreten, sondern eher an das Wohl der EU-Mitgliedsländer denken.

    Dies wirft ferner die Frage auf, in welchen Jurisdiktionen die Esbies begeben werden sollen. Ich würde als Investor nur solche kaufen, die in der Schweiz, in Luxemburg oder einem anderen Land mit anlegerfreundlicher Rechtssprechung emittiert wurden. Einen Esbie aus Italien oder gar Griechenland würden die Investoren vermutlich verschmähen.

    Und noch zur Tranchierung. Lieber Herr Braunberger, Sie argwöhnen ja selbst, dass für die 30 Prozent Junior Tranche möglicherweise zu wenige Käufer zu finden sein dürften. Da dürften Sie recht haben.

    • Vorsicht vor Anmaßung vor Wissen
      Lieber Herr Heismann,

      vielen Dank für Ihren Beitrag! Ich teile manche Ihrer Überlegungen, aber an zumindest einer Stelle unterscheiden wir uns deutlich.

      Ich äußere Zweifel an der Attraktivität der Junioranleihen und möchte auf einen Markttest warten. Sie schreiben: „Investoren wollen keine Esbies.“ So weit würde ich heute nicht gehen. Ob Ökonomen, ob Politiker, ob Marktteilnehmer, ob Journalisten: Wir können Marktergebnisse nicht mit Sicherheit vorhersagen, vor allem nicht bei einem bisher nicht bekannten Finanzprodukt.

      Man kann natürlich unterschiedliche Ansichten zu den ESBies haben. Man hat aber mit Sicherheit heute kein Wissen über einen künftigen Markterfolg.

      Viele Grüße
      Gerald Braunberger

  8. Noch ein Punkt spricht zweifelsohne für ESBies...
    …ein derart unverkrampfter Umgang mit europäischer Geldpolitik würde unseren lieben Ordos jede Menge schlafloser Nächte bereiten!

  9. Krankheit der Abhängigkeit
    Ein Emittent bündelt die von Ihm gekauften Schuldscheine in einem Portfolio, das er in zwei Tranchen aufteilt: 70 Prozent des Portfolios werden als erstrangiges profitables Wertpapier und die verbleibenden 30 Prozent als nachrangiges Wertpapier an Kaufinteressenten angeboten.

    Als Käufer dieser mit „Wertpapier“ getarnten Bündel von Schuldscheinen stellen sich die Verfasser unteranderem Banken vor, die bisher hohe Bestände an Schuldscheinen des Staates ihres Heimatlandes halten.

    Durch die mit dem Verkauf nationaler Schuldscheine bei gleichzeitigem Kauf von in einem als Wertpapier bezeichneten Schuldscheinbündel lockere sich die große Abhängigkeit der als Krankheit der Banken (Bestand erhaltener fauler Sicherheiten für vergebene Kredite) von der Krankheit der Staaten (Bestand gegebener Schuldscheine für Anleihen). Die Abhängigkeit ändert sich scheinbar. Die Krankheiten bleiben damit tatsächlich.

    Für das neue Jahr bleibt der Wunsch auf Gesundheit. Die Therapie dafür beginnt damit, nicht mehr mit in Deutsch unsinnigen Wortekonstrukte (z.B. „Anleihekäufe“) die Ursache der Krankheit zu verschleiern

  10. Alter Wein
    in neuen Schlaeuchen. Nicht unaehnlich einer Struktur, die vormals im US Hypothekenmarkt als CDO sehr erforlgreich war und von den Ratingagenturen ueblicherweise mit AAA bewertet wurde, zumindest die erste Tranche. Halt, da war doch was. So vor etwa 8 oder 9 Jahren…

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