Fazit – das Wirtschaftsblog

Fazit - das Wirtschaftsblog

Für alle, die’s genau wissen wollen: In diesem Blog blicken wir tiefer in Börsen und andere Märkte - meist mit wissenschaftlicher Hilfe

Warum die Technik unterschätzt wird

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Der Computer wird immer wichtiger, trotzdem geht das Wirtschaftswachstum langfristig zurück. Was ist da los? Philippe Aghion hat eine neue Idee. Sie erklärt manches – doch das große Rätsel bleibt.

© Patrick JunkerZwischen mehreren Brockhaus Bänden steht ein Modell des menschlichen Kopf mit einer Phrenologie-Darstellung. Aufgenommen am 28. März 2017.

„Den Computer sieht man überall, außer in der Produktivitätsstatistik“: Das Zitat von Wachstumsforscher Robert Solow ist zwar schon 30 Jahre alt, wird aber wichtiger denn je. Während Informationstechnik und Künstliche Intelligenz immer wichtiger werden, erreichen die Wachstumsraten längst nicht das Niveau der 80er-Jahre. Erwarten würde man: Maschinen erlauben, mit weniger Arbeit mehr Umsatz zu erreichen – also die Produktivität zu steigern. Doch davon ist in den Statistiken wenig zu sehen.

Nun ist es so, dass Technik auch viel Arbeit macht. In Krankenhäusern zum Beispiel haben viele Mitarbeiter das Gefühl, die Technik würde ihren Stress eher erhöhen – auf der anderen Seite aber werde die Behandlung besser.

Vielleicht steckt die Erklärung also doch woanders. Seit einiger Zeit schon wird darüber gesprochen, dass das Internet viele seiner Errungenschaften kostenlos zur Verfügung stellt. Das bedeutet: Der Wohlstand wächst schneller, als das Geld-basierte Bruttoinlandsprodukt zeigt. Doch ob dieser Effekt viel ausmacht, ist umstritten: Erik Brynjolfsson und Joo Hee Oh kamen nur auf 0,3 Prozentpunkte im Jahr – allerdings in einer reichlich abschätzenden Rechnung.

An dieser Stelle eine andere Frage: Haben Sie in letzter Zeit mal probiert, einen Brockhaus fürs Regal zu kaufen? Wahrscheinlich nicht. Vielleicht haben Sie gar nicht gemerkt, dass er seit drei Jahren gar nicht verkauft wird. Es interessiert sich einfach niemand mehr dafür. So ähnlich geht es auch den Statistikern.

Aghion findet viel Wachstum, aber kann das Problem nicht lösen

Sie haben schon genügend Probleme damit, den Fortschritt von Computern oder Handys zu messen: Jedes neue Modell kann mehr als das alte, kostet aber vielleicht noch genauso viel. Also werden ausgefeilte statistische Methoden eingesetzt, um die Qualitätsunterschiede in eine Art Preissenkung umzurechnen. Was aber geschieht, wenn ein Produkt keinen besseren Nachfolger erhält? Wenn es – wie bei Schumpeter – von der kreativen Zerstörung komplett hinweggefegt wird? Also wenn zum Beispiel der gedruckte Brockhaus gar nicht mehr erscheint?

Immerhin lassen sich diese Effekte mit etwas Sorgfalt genauer berechnen. Philippe Aghion und ein Autorenteam haben sich dessen in einem Paper angenommen, das vor kurzem veröffentlicht wurde. Sie verwenden zwei unterschiedliche Methoden, um die Wirkung dieser kreativen Zerstörung zu ermessen. Unter anderem schätzen die Marktanteile der Firmen, die verschwinden, die neu auf den Markt kommen und die bleiben. So können sie die Inflationsraten neu berechnen.

Das Ergebnis zeigt zwar, dass die kreative Zerstörung gar nicht so wenig an ungemessenem Wachstum bringt: zwischen 1983 und 2013 waren das jedes Jahr durchschnittlich 0,6 Prozentpunkte – ein Viertel des tatsächlichen Wachstums würde so nicht gemessen. Den Fall der Wachstumsraten und des Produktivitätswachstums in den vergangenen Jahren kann das aber nicht erklären. Denn der Wachstumsbeitrag hat sich zwischen 1983 und 2013 kaum verändert, das generelle Wachstum aber ist zurückgegangen.

Hier im Blog hat der Darmstädter Wirtschaftstheoretiker Volker Caspari einmal daran erinnert, dass die Wachstumsraten selbst während der industriellen Revolution nicht höher waren als heute. So gesehen, könnte man die Jahrzehnte nach dem zweiten Weltkrieg als Sonderfall betrachten, die nur deshalb so viel Wachstum brachten, weil so viele Kriegsfolgen und entgangene Weiterentwicklungen aufzuholen waren.

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Patrick Bernau


9 Lesermeinungen

  1. Nur bezahlte Produktivität ist wahr
    In einer Geldwirtschaft sind Aktivitäten, gleich welcher Art, nur dann ein Beitrag zur Produktivität, wenn sie bezahlt werden. Bei Audi arbeiten schon mal 15 Ingenieure 3 Jahre lang an der Entwicklung der Beifahrer-Armlehne. Oberflächenbeschaffenheit, komfortabelster Neigungswinkel, solche Sachen. Ist das nun Produktivität oder Verschwendung? Die Antwort ist einfach: solange es bezahlt wird ist es produktiv, wenn es nicht bezahlt wird, ist es unproduktiv.

  2. Es kommt hinzu, dass heute (de Facto) weniger standardisiert ist, als früher
    Das hört sich auf den ersten Blick merkwürdig an, gehen doch ERP- und Workflowsysteme prinzipiell vom Gegenteil aus. Ich will das mal anhand eigener Erfahrungen erläutern.

    Als Ford die Tin Lizzy hat am Fließband bauen lassen, war jeder Handgriff standardisiert und es gab nur eine Produktfarbe –> Schwarz. Da erzielt man hohe Produktivität. Diese Form der Produktion ist mittlerweile weitestgehend in Niedriglohnländer verlagert, wo Arbeitskraft teilweise immer noch günstiger ist, als digitalisierte und von Robotern durchgeführte Produktion.

    Was wir hauptsächlich haben, sind Forschung, Entwicklung und neben „günstigen“ Dienstleistungen, wie Friseure und Gastronomen eben auch hochwertige Dienstleistungen (Beratungen jeder Art, IT-Troubleshooting…). Diese kann man zwar pro Forma standardisieren (es gibt dezidierte Projektmanagement-Rulebooks mit definierten Phasen und Meilensteinen in Softwareentwicklung oder auch Umorganisation in Unternehmen oder Behörden), de Facto aber sind Projekte immer etwas Einzigartiges und Einmaliges.

    Wenn es z.B. eine Entwicklungsphase gibt, welche mit dem Meilenstein „Prototyp erstellt“ endet, auf welche eine Testphase folgt, die wiederum durch den Meilenstein „Validierung erfolgreich“ abgeschlossen wird, dann kann ich hierfür standardisierte Formulare und Buchungsvorgänge anlegen. Entwickeln und Testen sind aber im Detail gerade nicht standardisierbar, hier ist Kreativität erforderlich und wenn ein Ansatz nicht gangbar ist, muss ein anderer gefunden werden. Lägen die Lösungen und Ansätze jedes Mal auf der Hand, würden sie längst automatisiert erfolgen.

    Das ist aber m.E. nicht schlimm, denn durch diese hochkreative Arbeit entstehen hochwertige Produkte, welche derzeit (noch) nicht überall möglich sind. Man sollte daher das Auseinanderklaffen von Digitalisierung und Produktivität (die ja immerhin auch steigt) nicht als negativ bewerten, sondern die ganzheitlich betrachten.

    Auch wenn dies über das Thema ein wenig hinausgeht, so drängt sich mir doch auch die oft angesprochene Sorge auf, dass Digitalisierung zu Massenarbeitslosigkeit führen könnte. Die Sorge halte ich weder für komplett überzogen, sehe jedoch auch (derzeit) keine apokalyptischen Katastrophenszenarien. Natürlich entstehen durch die Digitalisierung nicht unbedingt im IT-Bereich genau so viele Arbeitsplätze, wie bei perfekter Technik wegfallen könnten. Mir erscheint es jedoch durchaus fragwürdig, ob im „denkenden“ Bereich tatsächlich so viele Menschen überflüssig würden, wie manche annehmen. Denn Technik (gerade neue) ist eben oft nicht perfekt und je komplexer das Thema wird, desto mehr muss der Mensch wieder „feintunen“.

    Ja, es ist denkbar, dass auch Entwicklungstätigkeiten teilweise automatisiert werden können. Aber… ich bin in diesem Bereich erfahren, wenn z.B. eine Ressource (z.B. Testumgebung) ungeplant ausfällt (und dies geschieht immer ungeplant), dann würde ein automatisierter Prozess das Projektende um die Zeit, welche zur Wiederbereitstellung der Ressource benötigt wird, nach hinten schieben. Ein menschlicher Projektmanager such andere Wege, die auch nicht immer funktionieren, aber eben doch recht oft.

    Einen Fehler im fortgeschrittenen Entwicklungsstadium zu finden und zu beheben, ist deutlich schwerer und teurer, als dies in früheren Phasen oder Stadien der Fall ist. Wenn also ein „Entwicklungsautomat“ einen Fehler gemacht hat und dann Fehlerbehebung von einem Menschen nötig wird, der nicht im bisherigen Prozess beteiligt war, dann dauert dies länger und wird teurer als bisher, wo auch die Entwicklung durch den Menschen geleistet wurde. Mögliche Vorteile sind dann rasch dahin.

    Und was das Testen angeht, nun, die Durchführung lässt sich (habe ich auch gemacht) gut automatisieren. Die Konzeption und das Design kann jedoch nur menschlich erfolgen, denn wenn ein Automat sich selbst überprüft, wird er nie einen Fehler finden. Und wenn ein Fehler nicht gefunden wird und der gesamte Prozess im Zuge Re-Engineering durch Menschen nachvollzogen werden muss, dann macht es überhaupt keinen Sinn.

    Auch für die oft zitierte „Buchhaltertätigkeit“ gilt, dass Technik unterstützen kann, der Mensch aber nicht komplett ersetzbar ist. Stellt z.B. bei der Jahresabschlußprüfung ein Wirtschaftsprüfer Fehler fest, kann ein System (das eigene Fehler nicht erkennen kann) ihm seine Feststellungen nicht so erläutern, dass Abhilfe möglich ist. Da der Prüfer selbst den Abschluß nicht erstellen darf (Verbot Eigenkontrolle), wäre dann eine 3. Partei (nicht mit Prüfung beauftragter Wirtschaftsprüfer) erforderlich, die Feststellungen zu untersuchen und Korrekturbuchungen durchzuführen. Da so etwas ungeplant ist, wäre die Frage, wie rasch eine solche 3. Partei verfügbar ist. Hielte man sie vorsorglich gleich bereit, wäre dies ggf. auch unwirtschaftlich.

    Und letztlich… es wird im Zuge der Digitalisierung auch einiges schiefgehen und dies wird Heerscharen von Juristen beschäftigen, die dabei aber auch keine Wertschöpfung leisten.

  3. Der Brockhaus und
    vergleichbare Enzyklopädien haben als Statussymbol Buchregale gefüllt und die Ausgaben hierfür wurden Teil der Wertschöpfung. Seit dem Erfolg von Wikipedia ist lexikalisches Wissen fast zum Nulltarif verfügbar und es werden dort sehr viel häufiger Informationen gesucht als in früheren Zeiten die enzyklopädischen Wanddekos tatsächlich als Nachschlagewerk genutzt worden sind. Nach der Zahl der Recherchen hat der Computer die Produktivität der Wissensvermittlung vermutlich sehr gesteigert, da die finanziellen Aufwendungen aber nicht ansatzweise in gleichem Umfang gestiegen sind, wahrscheinlich sogar rückläufig waren, bleibt ein entsprechend positiver Effekt auf das Bruttosozialprodukt (Wachstum) aus.

    Soweit EDV und computergesteuerte Produktionsprozesse die Produktionskosten senken und durch den Wettbwerb die Preise fallen, ist der Beitrag zur Wertschöpfung auch nicht positiv. Bleibt schließlich noch der Effekt der Arbeitszeitentwicklung zu beachten.

    Wenn Arbeitnehmer Freizeit gegen Arbeitszeit getauscht haben und sie in der Lage sind in weniger Zeit durch eine höhere Produktivität die gleiche Wertschöpfung zu erzeugen, dann schlägt sich die gewonnene Freizeit ebenfalls nicht in einem zusätzlichem Wachstum des Bruttosozialprodukts nieder.

    Auch haben Computer Arbeit verdrängt, wodurch vielleicht die Grenzproduktivität der beschäftigten Arbeit gestiegen ist, doch hat dies nicht notwendigerweise auch direkt zu einem höheren gesamtwirtschaftlichen Wachstum geführt.

  4. Entwicklung der Produktivität in der BRD
    Schaut man sich die Totale Faktorproduktivität (also das Solow Residuum) an, sieht es mit dem Beitrag des technischen Fortschritts zum Wachstum armselig aus.

    Die Arbeitsproduktivität (je Arbeitsstunde) hat sich von 1991 – 2016 je nach Sektor ganz unterschiedlich entwickelt. Recht ordentlich steigend im Sektor „Kommunikation und Information“. Das beinhaltet die IT Dienstleistungen, Film-und Rundfunkwirtschaft, Presseservice. Rückläufig(!!!) ist die Arbeitsproduktivität im Bausektor, bei den Unternehmensdiensleistern und in der Finanz- und Versicherungsbranche. Moderat gestiegen (ca. 80% in 25 Jahren) ist die Arbeitsproduktivität im produzierenden Gewerbe und schwach gestiegen (weniger als 50% in 25 Jahren) in den restlichen Sektoren, wie Handel, Landwirtschaft und Staat. (Daten sind vom Stat. Bundesamt)

    Die IT Revolution hat – wenn überhaupt – im IT Sektor und im Kommunikationsbereich stattgefunden („mehr emails, Telefonsgespräche und Fernsehsendungen pro Mitarbeiterstunde). Bösartig ausgedrückt: mehr Geschwätz und Geschwurbel pro Arbeitsstunde.
    In den anderen Sektoren hat die IT noch keine produktivitätssteigernde Effekte ausgelöst, was man von sogenannten „all purpose technologies“ eigentlich erwartet. Es bleibt spannend.

  5. Demonetizing Everything
    Dieser Trend wird sich vermutlich noch verstärken. Warum? Das erklärt Peter Diamandis in diesem Vortrag: https://youtu.be/3cXPWyP0BBs.

    LG Michael Stöcker

  6. Eigentlich noch schlimmer
    Es gibt nicht nur die kreative Zerstörung, also ein Produkt wird durch ein technologisch anderes ersetzt sondern auch die Abqualifizierung der Neuprodukte.

    Zwar ist ein neues Apple-Notebook schicker und kann bis zum gewissen Grad auch mehr als das alte, auf der anderen Seite kann es aber weniger.
    Akku hält nicht mehr so lange (kann natürlich auch an intensiverer Nutzung liegen), aber z.B. das Trackpad ist schwächer und wird auch so konstruiert, damit ist es leicht billiger und hält eben nicht mehr so lange.

    In der Menschheitsgeschichte gibt es nicht so viele wirkliche Produktivitätssteigerungen. Heutige Produktivitätssteigerungen sind in aller Regel Augenwischerei, einfach weil sie in aller Regel nicht auf technologischem Fortschritt beruhen sondern auf Kostensenkung, Minimierung der benötigten Arbeitskräfte aber auch der eingesetzten Materialen. Damit sind zwar noch gewisse Steigerungen machbar, sie fallen aber eben gering gegenüber neuen Technologien aus.

    Echte Produktiovitätsteigerungen sind deshalb z.B. in China zu beobachten. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung arbeitet noch in der Landwirtschaft, hier gibt es also noch ein großes Portenial.
    In Europa gibt es dieses Potential nicht mehr.
    Außerdem bietet die Größe von China eben mehr Möglichkeiten Schnellzüge einzusetzen. Der bejubelte „Superzug“ von München nach Berlin, wäre in China keine Zeile wert. Spitze 300kmh fahren dort Schnellzüge schon lange.

    Das Internet, Informatik und KI haben zwar die Arbeit verändert, aber vieles eben nicht ersetzt.
    Wenn früher die Sekretärin den Urlaubszettel ausgefüllt hat, dann macht sie das heute eben am Computer oder jeder Mitarbeiter selber. Dabei wird aber keine Zeit eingespart, u.U. dauert es sogar länger, weil der Mitarbeiter nicht so gut tippen kann und außerdem erst lernen muss wie das neue System funktioniert, schliesslich füllt man Urlaubszettel nicht so oft aus.

    Auffällig ist auch, dass durch die Produktivitätssteigerungen menschliche Arbeit so verteuert wurde, dass einfache Tätigkeiten nicht mehr ausgeführt werden. Zwar wurden Strassenkehrer durch Maschinen ersetzt, die putzen aber nicht über all und deshalb bleibt mehr Dreck liegen. Soziale Arbeit, wie z.B. Kofferträger am Bahnhof, andere soziale unterstützende Tätigkeiten sind entweder verschwunden oder fristen als ehrenamtliche Arbeit ein Schattendasein.
    In einem chinesischen Schnellzug wird ständig geputzt, im deutschen sind die Toiletten verstopft.

    Wenn ich ein Produkt, eine Technologie verbessern will, dann muss ich das Produkt herstellen, da aber in Europa die Entindustrialisierung veranschreitet verlieren wir auch die Fähigkeit Produkte herzustellen und damit zu verbessern, was dann wiederum zu geringer Produktivität bzw. Produktivitätssteigerungen führt.

    Das alles muss keine Katastrophe sein, aber eine Gesellschaft muss darauf reagieren. Die Reaktion kann aber nicht darin bestehen, die Reichen reicher zu machen und die Armen ärmer. Weil die Prozesse eben nicht dazu führen, dass eine höhere Produktivität erreicht wird sondern die Gesellschaft als soziale Gemeinschaft zerrissen wird.

  7. Titel eingeben
    Ein Brockhaus lässt sich heute durch Wikipedia oder durch CD-Rom-Ausgaben ersetzen. Zum Protzen dient die Buchausgabe vor Kennern eh nicht, das bilden sich nur irgendwelche Kleinbürger ein.

    Ansonsten ist natürlich der Manager beim Abtippen und Bedienen der EDV unproduktiver als die Sekretärin, denn welcher BWLer etc. lernt schon MS-Word oder das Zehnfingersystem systematisch. Und da die Office-Programme und Computer oft eh machen, was sie wollen, sinkt die Produktivität hier.

  8. Das Offensichtliche wird ignoriert
    Jeder hat es schon x-fach erlebt. Ein Anrufer will eine Umfrage zum Thema Mediennutzung, Schlafverhalten oder Wahlpräferenzen durchführen, wozu man nach dem zweiten Mal keine Lust mehr hat. Überall prangen Verheißungen, das Produkt x oder y zu kaufen, die Hochschulen haben 100 Genderlehrstühle, die die abscheuliche Unterdrückung durch das fehlende Binnen -I- nachzuweisen versuchen, die Zeitungen leben von der 792ten Studie zum Abnehmen, low carb oder low fat etc.
    Es ist ganz schlicht: die Leute, die durch die EDV in der Produktion überflüssig wurden sind jetzt in „modernen“ Berufen mit der Wertschöpfung Null beschäftigt.

  9. Es ist nicht unbedingt die Technik, die über- oder unterschätzt wird
    anders als in früheren Zeiten – auch noch kurz nach Gründung der Bundesrepublik – haben wir heute auch in der Wirtschaft einen überbordenden Bürokratismus. Für alles und jedes müssen Handbücher geschrieben, Dokumentation erstellt und Statistiken erhoben werden, die dann durch irgendeine Auditing-Firm mit einem „Zertifikat“ belohnt werden. Ja, Umweltschutz, Arbeitsschutz, Anleger- bzw. Gläubigerschutz und alles ist wichtig, aber es geht leider über das gute Maß weit hinaus.

    Dazu sind die Personaldecken dünner, als früher, viele Führungskräfte haben keine eigene Sekretärin mehr, weil man mit der EDV den Schriftverkehr ja selbst erledigen kann (muss). Die Produktivität der Menschen ist durchaus gestiegen und es arbeiten derzeit so viele Menschen, wie noch nie, da aber viele hauptsächlich (oder nebenher) unproduktive Tätigkeiten ausüben müssen, steigt die Produktivität nicht so, wie es anzunehmen wäre.

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