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Gustav Horn stört den Ökonomen-Konsens

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Gegentagung? Ein Podium für Kritiker? All das war beim Jahrestreffen der Deutschen Ökonomen dieses Mal nicht geplant. Doch dann kam Gustav Horn.

© Patrick BernauGustav Horn

Die Jahrestagung des Vereins für Socialpolitik hätte dieses Jahr so ruhig ablaufen können. Es gibt dieses Mal keine Gegentagung von Leuten, die sich vom Mainstream ausgeschlossen fühlen, keine Rede von Gerhard Schröder und wahrscheinlich auch keine Gegenrede von Oskar Lafontaine – ja, nicht mal eine größere Diskussion im Plenum ist mit den Kritikern geplant, sie bekommen die eine oder andere Nebenveranstaltung. Demonstrationen wiederum werden schon durch den Ort abgeschreckt: die gut eingezäunte Bundeswehr-Universität Hamburg, die Besucher schon am Eingang darauf hinweist, dass es sich um Militärgelände handelt.

Doch dann kam Gustav Horn, der Leiter des IMK-Instituts in der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Die sponsert die Tagung dieses Mal mit einigem Geld, und das brachte Horn eine Rede beim Eröffnungsempfang ein, die er gleich nutzte – um sich darüber zu beklagen, dass die Volkswirtschaftslehre in Deutschland nach wie vor nicht genügend unterschiedliche Sichtweisen zulasse.

Noch kurz vor der großen Krise hätten sich die Ökonomen in Deutschland statt um die Stabilität des Finanzsystems um die Inflation gesorgt hätten, denn die Inflationserwartungen hätten sich um 0,1 Prozentpunkte nach oben bewegt. „Wenn so viele Leute in die falsche Richtung gucken, dann stimmt etwas nicht“, sagte Horn – „Leute, die an guten Universitäten ausgebildet wurden, intelligent sind und die besten Absichten haben.“

Horn warb für die Arbeit seiner Stiftung: verfeinerte keynesianische Modelle, in denen man auch mal der Rolle der Ungleichheit als Krisenfaktor nachgeht und in denen berücksichtigt wird, dass Menschen lernen können.

Jetzt will Horns Institut einen Index entwickeln, der „Pluralität in der Lehre“ misst. Wie der aussehen soll, sagte Horn noch nicht. Die Ökonomen auf der Jahrestagung klatschten aber schon mal höflich Beifall.

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2 Lesermeinungen

  1. Haben die Ökonomen ihr Selbstvertrauen verloren?
    Das Veranstaltungen dieser Art im 21 Jahrhundert , nur noch hinter Stacheldraht abgehalten werden können, und andere Meinungen von vornerein in Nebenräumen abgeschoben, um den Mainstream nicht zu stören? Nach dem Motto Fehler machen nur die anderen, denn nur wir sind „Allwissend“ und über jede Kritik erhaben? ist doch nicht zielführend.

    Ich habe noch nicht einmal eine wirklich konstruktive Replik von den Ökonomen gehört oder gelesen, die sich mit der Kritik auseinander setzt, außer sich persönlich angegriffen zu fühlen, und eine sachliche Diskussion damit von vornerein nicht zu, zu lassen? Nach dem Motto an dem Wesen der Mainstream Ökonomen soll die Welt zu mindestens aber Europa genesen? Wir haben die größte Krise, die noch schlimmer ist als die 1929, und trotzdem wird an den alten Rezepten von damals festgehalten? Wie viele Millionen Arbeitslose mehr sollen es denn noch in Europa werden, bevor ein Umdenken statt findet?

    Zurecht Gustav Horn fordert nicht einfach mehr Raum für bestimmte heterodoxe Positionen, sondern einfach mehr Pluralität. Das eigentliche Kennzeichen und damit erst sinnstiftend an der Heterodoxie ist die Akzeptanz mehrerer gleichberechtigter und anerkannter Erklärungen von „Realität“. Denn die Existenz alternativer Positionen, Methoden, Techniken und Ansätzen zum Mainstream impliziert nicht automatisch einen offenen Umgang untereinander. Heterodoxe Positionen können ebenso monistisch und orthodox ausgerichtet sein wie der von ihr kritisierte Mainstream.

  2. Bald wird hoffentlich niemand mehr Ökonomen zuhören ...
    Ich kenne keinen anderen Berufszweig, bei dem alle Kriterien nicht gelten, die für andere den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg ausmachen. Nur Ökonomen dürfen sich immer irren, trotzdem scheingenaue Prophezeihungen (für Prognosen fehlt das Instrumentarium) veröffentlichen, keine praxisgerechten Theorien haben, mit verkrüppelten Methoden und unzureichender Datenbasis arbeiten.

    Und werden trotzdem weiter als „Experten“ hofiert. Eine so irre Stellung hat ja nicht einmal der Papst innerhalb der katholischen Kirche.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

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