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Das Glück der großen Geschwister

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Erstgeborene sind intelligenter und erfolgreicher als ihre Brüder und Schwestern. Warum?

© Picture AllianceGeschwister

Wer ältere Geschwister hat, der darf sich jetzt benachteiligt fühlen. Was die Kleinen zumindest in der Kindheit immer argwöhnen, das stimmt: Die großen Schwestern und Brüder haben’s leichter im Leben.

Zwar sind fast alle offiziellen Privilegien der Erstgeborenen abgeschafft – nur in Königshäusern fällt der Thron nach wie vor dem Ältesten zu –, aber trotzdem stechen die großen Geschwister ihre jüngeren Brüder und Schwestern häufig aus. Intelligenz, Bildung, Geld: In allen Belangen haben die Erstgeborenen eher Erfolg als ihre Geschwister. Und der Vorteil der Erstgeborenen wird noch größer, wenn ihre Eltern selbst wenig Bildung haben. Kann das alles stimmen? Und woran liegt das?

Ein Blick durch die Politik zeigt wenig Widerspruch. Angela Merkel war die große Schwester, Papst Franziskus der große Bruder. Barack Obama hat zwar eine ältere Halbschwester – aber die hat er erst mit 23 Jahren kennengelernt. Und darum geht es.

Der Vorteil der großen Geschwister ist nicht angeboren

Denn so viel scheint festzustehen: Der Vorteil der frühen Geburt ist nicht angeboren. Er entsteht erst im Lauf des Lebens. Schon vor einigen Jahren haben zwei norwegische Psychologen die Intelligenztests von rund 250.000 jungen Norwegern bei der Musterung untersucht. Sie stellten fest: Die erstgeborenen Männer haben durchschnittlich einen Vorsprung im Intelligenzquotienten: Sie erreichten 103,2, während Zweitgeborene nur auf 101,2 kamen und Drittgeborene auf 100,0. Wenn die Männer aber einen älteren Bruder hatten, der im ersten Lebensjahr gestorben war, dann lag ihr Intelligenzquotient fast so hoch wie der der Erstgeborenen. Also haben die Erstgeborenen keinen biologischen Vorteil, sondern nur einen sozialen – es liegt am Verhältnis der Geschwister untereinander oder an den Eltern.

Was genau den Unterschied ausmacht, dazu gibt es viele Ideen. Ein Grund könnte sein, dass die Erstgeborenen in den wichtigen ersten Lebensjahren ihre Eltern für sich alleine haben, also mehr Aufmerksamkeit abbekommen.

Eine zweite Idee stellt das Verhältnis zwischen den Geschwistern in den Mittelpunkt. Die Erstgeborenen erklären ihren jüngeren Geschwistern schließlich vieles – und wer etwas erklärt, versteht es dadurch selbst besser, so viel wissen Pädagogen schon lange.

Eine dritte These kommt daher, dass viele Geschwister unterschiedliche Interessen entwickeln. Viele jüngere Geschwister wollen nicht mit älteren auf den Feldern konkurrieren, auf denen die älteren schon Vorteile haben, argumentiert der amerikanische Psychologe Frank Sulloway. Die Erstgeborenen haben dann die freie Wahl der Interessen – die jüngeren Geschwister müssen nehmen, was übrigbleibt, und konzentrieren sich oft auf Sport oder Kunst und auf Ideen, die die bestehende Ordnung auf den Kopf stellen. Wer dazu Beispiele sucht, findet viele jüngere Geschwister unter erfolgreichen Unternehmensgründern, zum Beispiel Bill Gates von Microsoft oder Mark Zuckerberg von Facebook.

Noch eine andere Idee hatten im vergangenen Jahr die beiden Ökonomen Joseph Hotz und Juan Pantano: Könnten sich die Erziehungsmethoden der Eltern im Lauf der Jahre verändern? Sind die Eltern mit Erstgeborenen strenger? Große Geschwister kennen die Diskussion aus der Familie: Ob es ums Colatrinken geht, ums lange Aufbleiben oder um Discobesuche: Die Älteren müssen erst jedes neue Recht mühsam durchsetzen, die Jüngeren müssen dann meistens nicht mehr lange warten, bis sie auch dürfen. Hotz und Pantano haben in einer Umfrage aus den Vereinigten Staaten gesehen, dass Eltern die älteren Geschwister sogar bei schlechten Noten deutlich eher bestrafen als die jüngeren. Vielleicht wollten sie mit den älteren Geschwistern besonders hart sein, um an ihnen den Kindern Disziplin beizubringen, folgerten Hotz und Pantano. Andere sagten: Die Strenge wird den Eltern mit der Zeit selbst zu anstrengend.

Entscheidend ist die Pubertät

Ihre These hat noch mehr Beachtung verdient. Das zeigt eine neue Untersuchung, die der Wirtschaftsforscher Feifei Bu an der Universität von Essex in Großbritannien veröffentlicht hat. Er hat eine Umfrage ausgewertet, die Forscher regelmäßig unter mehr als 10 000 Briten unternehmen.

In der neuen Studie guckt Feifei Bu, wie viel Bildung die Kinder während ihrer Erziehung abbekommen – gemessen daran, wie lange sie in der Schule bleiben. Das ist eine ganz interessante Größe: Sie hängt davon ab, wie intelligent die Kinder sind – aber auch davon, wie ehrgeizig ihre Ziele sind. Gleichzeitig hilft Bildung, später im Leben Macht und Geld zu erlangen.

Die Forscher achteten aber nicht nur darauf, was die Kinder tatsächlich tun. Sondern auch darauf, welche Pläne sie überhaupt machen. Mit 13 Jahren werden die Kinder gefragt, ob sie mit 16 die Schule verlassen wollen. Das ist ein interessantes Datum, denn bis zum 13. Geburtstag haben die meisten Jugendlichen eine ganz gute Einschätzung davon, ob sie gut in der Schule sind oder nicht.

In ihren Plänen sind die Erstgeborenen nur ein bisschen strebsamer als ihre jüngeren Geschwister. Jüngere Mädchen geben sich aber oft noch deutlich bildungsbeflissener als ihre älteren Brüder. Wenn dann die Entscheidung aber tatsächlich ansteht, kommt es viel mehr aufs Alter an als auf das Geschlecht. Die ältesten Geschwister bleiben zu 16 Prozent häufiger an der Schule als die jüngeren. Der Unterschied zwischen den Mädchen und den Jungen beträgt nur 4 Prozent. Was passiert da?

Welche Rolle spielt die Pubertät?

Sicher ist: Wenn die Erstgeborenen mit 13 sich noch nicht so sehr von ihren jüngeren Geschwistern unterscheiden, dann wird es eher nicht an den ersten Lebensjahren liegen, in denen sie die Eltern alleine hatten. Auch die These, dass die Älteren beim Erklären viel lernen, wird unwahrscheinlicher. Schließlich haben sie das mit 13 Jahren auch schon häufig gemacht. Die neue Beobachtung lässt sich nicht mal damit erklären, dass die Geschwister unterschiedliche Interessen entwickeln – auch das wäre mit 13 Jahren schon weitgehend geschehen. Was also passiert da zwischen den Plänen und der Wirklichkeit?

Man könnte auf die Idee kommen, dass es am Geld liegt: Das älteste Kind kann noch zur Schule, die jüngeren müssen mal ans Geldverdienen kommen – vor allem weil der Erstgeborenenvorteil in sozial schwachen Familien größer ist. Das passt aber auch nicht zu den Daten, denn dieser Effekt müsste mit wachsender Kinderzahl stärker werden – und das tut er nicht.

Der Blick richtet sich zurück auf die Eltern: Möglich, dass sie mit ihren Erstgeborenen strenger sind und sie eher dazu anhalten, auf der Schule zu bleiben. Vielleicht, damit es als Vorbild für die anderen dient. Vielleicht auch, weil ihre Sorgen etwas kleiner werden, wenn aus dem ältesten Kind schon mal etwas geworden ist.

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  1. Das Glück der großen Geschwister
    „Füllmaterial“: Dieser Beitrag entbehrt jeder Grundlage. Die genannten Zahlen und Ergebnisse sind nicht signifikant und somit nicht relevant. Vollkommen aus der Luft gegriffen, ohne Anfang und ohne Ende. HJB

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