Fazit – das Wirtschaftsblog

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Für alle, die’s genau wissen wollen: In diesem Blog blicken wir tiefer in Börsen und andere Märkte - meist mit wissenschaftlicher Hilfe

Keine Angst vor dem Computer

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Roboter und Computer vernichten massenweise Arbeitsstellen, heißt es. Neue Studien zeigen: Mehr Gelassenheit wäre angebracht. Von Britta Beeger und Patrick Bernau

Mix mir einen, Robbie!


Alles begann vor etwas mehr als vier Jahren. Da veröffentlichten die beiden Forscher Carl Frey und Michael Osborne aus Oxford eine Untersuchung mit einem schockierenden Ergebnis: Jeder zweite Arbeitsplatz in Amerika könne durch die Automatisierung wegfallen; neben der Logistik und dem Verkauf seien vor allem Tätigkeiten in der Produktion bedroht.

Nach vielen hitzigen Debatten und weiteren Analysen ist klar: Die Zahl der beiden Wissenschaftler – konkret sahen sie 47 Prozent aller Stellen in Gefahr – dürfte deutlich zu hoch liegen und lässt sich auf den deutschen Arbeitsmarkt nicht einfach übertragen. Wie viele Arbeitsplätze Roboter und Künstliche Intelligenz aber tatsächlich vernichten und wie viele zugleich neu entstehen könnten, darüber gehen die Meinungen weit auseinander.

In einer aktuellen Untersuchung mahnt die Arbeitssoziologin Sabine Pfeiffer von der Universität Erlangen-Nürnberg nun, dass die Beschäftigungseffekte der Digitalisierung tendenziell überschätzt werden könnten. Grund ist eine Annahme, die viele Studien gemein haben: Sie unterscheiden Berufe und Tätigkeiten in Routine und Nichtroutine und gehen davon aus, dass Routineaufgaben grundsätzlich leicht automatisierbar und damit ersetzbar sind. Die Forscher Frey und Osborne hätten zwar Fachleute aus der Technikforschung zu Rate gezogen, argumentiert Pfeiffer. Diese würden aber das Potential ihrer Technikfelder über- und mögliche Probleme in der praktischen Anwendung unterschätzen. Kurzum: So einfach, wie viele Analysen glauben machen, ist die Sache aus Sicht der Wissenschaftlerin nicht. Vielmehr müssten viele Beschäftigte selbst in hochautomatisierten Industrien im Alltag immer wieder auf unvorhersehbare Ereignisse reagieren.
Beispiel Automobilbranche: In eigener empirischer Forschung hat Pfeiffer die Arbeit eines Anlagenführers begleitet, der innerhalb einer eng getakteten Serienfertigung acht Produktionsroboter überwacht. Die Arbeit dieses Facharbeiters, so Pfeiffer, würde wohl in jeder Untersuchung als Routinetätigkeit eingestuft. Tatsächlich aber greife der Mann in einer normalen Schicht ohne jegliche Störung 20 bis 30 Mal präventiv in den Produktionsprozess ein. Sein Verständnis der technischen Zusammenhänge, der Materialien und Verschleißprozesse sowie der Anlagensteuerung helfe ihm dabei. Nach außen hin sei das jedoch kaum sichtbar.

Automatisierbare Stellen fallen nicht immer weg

Die Argumentation der Forscherin geht in eine ähnliche Richtung wie eine im vergangenen Jahr erschienene Analyse von Wissenschaftlern des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung. Sie stellen darauf ab, dass die Tätigkeiten von Menschen mit dem gleichen Beruf von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz stark variieren können und selbst Menschen in vermeintlich bedrohten Berufen oft schwer automatisierbare Aufgaben wie Präsentieren und Beraten haben. Ihre Schlussfolgerung: Potentiell seien nur 9 Prozent der Arbeitsplätze gefährdet. Tatsächlich haben Katharina Dengler und Britta Matthes am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung für die Jahre 2013 bis 2016 ausgezählt: Ob ein Beruf prinzipiell automatisierbar ist, hat nur einen kleinen Einfluss darauf, ob dies tatsächlich geschieht.

Um eine konkrete Prognose geht es Sabine Pfeiffer und ihrer Ko-Autorin Anne Suphan von der Uni Erlangen-Nürnberg nicht. Sie wollen vielmehr die Grenzen einer simplen Unterscheidung in Routine- und Nicht-Routine-Tätigkeiten aufzeigen. Sie haben einen Index gebildet, der darstellen soll, inwieweit Mitarbeiter in bestimmten Berufen mit Unwägbarkeiten, Komplexität und Wandel umgehen. Dazu nutzen sie eine Befragung von mehr als 20.000 Erwerbstätigen durch das Bundesinstitut für Berufsbildung und die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Das Ergebnis: 74 Prozent aller Beschäftigten haben täglich mit solchen Herausforderungen zu tun. Und: In den für die Industrie 4.0 – die hochautomatisierte, vernetzte Produktion – relevanten Berufen sind die Werte besonders hoch. Beispiele sind Elektroberufe, Ingenieure, Techniker und IT-Berufe. Eine Gegenüberstellung zeigt, dass das auch für viele der Tätigkeiten gilt, die die Forscher Frey und Osborne aus Oxford für gefährdet halten. Schleifer und Polierer beispielsweise sind laut Frey und Osborne mit einer Wahrscheinlichkeit von 97 Prozent durch Automatisierung gefährdet – im Index von Pfeiffer schneiden sie überdurchschnittlich gut ab.

Der Düsseldorfer Ökonom Jens Südekum betont in einer neuen Arbeit: Selbst wenn Berufe unter Druck gerieten, würden nicht alle Stellen wegfallen. Auch die Produkte würden billiger. Südekum setzt gleichzeitig auf Bildung. Zusätzliche Fachhochschulen könnten für Ausbildung sorgen und gleichzeitig vielen Betrieben helfen, die Digitalisierung in die Praxis zu bringen.

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Patrick Bernau


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