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Was Menschen glücklich macht (Merke: Die Politik ist’s nicht)

13.11.2011, 10:24 Uhr  ·  Politiker wollen das Glück der Menschen verbessern. Doch sie haben schlechte Chancen. Denn die Forschung zeigt: Für ihr Glück müssen die Menschen selbst sorgen. Von Patrick Bernau.

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Von Patrick Bernau

Das Glück ist in Mode gekommen. In Deutschland, Frankreich, Kanada – überall haben die Menschen gemerkt, dass Geld allein nicht glücklich macht. Jetzt wollen sie ein Bruttoinlandsglück berechnen. Der Bundestag hat gar eine ganze Grundsatzkommission eingerichtet, deren Chefin ein klar gestecktes Ziel hat: „helfen, die Zufriedenheit der Menschen maximieren”.

Wenn sie sich da mal nicht übernimmt.

Wer sich die jüngsten Forschungsergebnisse anschaut, gewinnt einen klaren Eindruck: Politik und Gesellschaft haben nur wenig Einfluss darauf, ob Menschen glücklich sind oder nicht. Ziemlich ernüchternd ist ein Blick in das Buch „The Pursuit of Happiness”, das die Amerikanerin Carol Graham nach mehreren Jahren Forschung am Brookings-Thinktank geschrieben hat. Es ist ein Buch, das jeder mit Interesse am Glück gelesen haben sollte. Denn sein Forschungsstand ist der deutschen Debatte um Jahre voraus.

Subjektives Wohlbefinden (Lebenszufriedenheit) in verschiedenen LändernUnd was zeigt die Forschung? Erstens: Am wichtigsten sind die Gene. Ob ein Mensch glücklich oder unglücklich ist, hängt vor allem von seiner genetischen Veranlagung ab – je nach Studie – zu einem Drittel oder sogar zur Hälfte.

Was macht den Rest aus? Vor allem der Wochentag. Sonntags, wenn sich der Montagmorgen nähert, ist das Glück der Deutschen regelmäßig auf dem Tiefpunkt. „In einer Welt von Brot und Spielen nehmen Maße wie das Glück, das mehr vom Valentinstag beeinflusst wird als von einer Verdoppelung der Arbeitslosigkeit, nur die Spiele auf und verpassen das Brot” – so schimpfte kürzlich der angesehene Glücksforscher Angus Deaton voller Enttäuschung über sein eigenes Forschungsobjekt.

Allerdings gibt es ein Maß fürs Glück, das etwas stabiler ist als die meisten anderen: Die Antwort auf die Frage, ob die Menschen insgesamt mit ihrem Leben zufrieden sind. Auch diese Frage muss sorgfältig gestellt werden, wie Angus Deaton zeigt. Am Ende aber ist die “Lebenszufriedenheit” zuverlässiger als viele Antworten auf simplere Glücksfragen, auch wenn die Zufriedenheitswerte ebenfalls von den Genen und den Wochentagen abhängen. Diese Lebenszufriedenheit haben sich die Meinungsforscherin Renate Köcher und der Ökonom Bernd Raffelhüschen in ihrem „Glücksatlas Deutschland 2011″ genauer angesehen. Sie haben getestet, was die Deutschen systematisch zufrieden oder unzufrieden macht.

Die Liste überzeugt sofort: Gesundheit ist enorm wichtig, auch eine stabile Partnerschaft macht die Menschen zufrieden. Auf Rang drei der Zufriedenheitsfaktoren stehen regelmäßige Treffen mit Freunden, mit etwas Abstand folgen Sport, Wohnen im eigenen Haus, Autonomie am Arbeitsplatz und eine Gehaltserhöhung (im Beispiel von 1500 Euro auf 1750 Euro). Wer diese Faktoren verliert, wird unzufrieden. Und auch wer seine Arbeit verliert, dem geht es nicht gut.

Politiker können daran wenig ändern. Natürlich ist ein gutes Gesundheitssystem wichtig, aber das allein macht nicht alle Menschen gesund. Ansonsten ist die Politik weitgehend hilflos. Am ehesten können Politiker noch die materiellen Verhältnisse im Land verbessern. Gibt es viele Arbeitslose? Sind die Einkommen hoch? Können sich die Menschen ein eigenes Haus leisten? Diese Fragen lassen sich politisch beeinflussen – dafür allerdings braucht es kein Bruttoinlandsglück, das alte BIP reicht dafür auch.

Fürs Glück sind aber die anderen Faktoren entscheidend: Gesundheit, Freunde, Partnerschaft. Das bleibt dem Einzelnen überlassen – anders geht es gar nicht. Ob man mehr Zeit den Freunden widmet oder der Arbeit, ob man für die Karriere die Ehe aufs Spiel setzt: Das sind wichtige Entscheidungen, aber dabei kann kein Gesetz helfen. Seine Ziele muss jeder selbst abwägen.

Vielleicht waren die amerikanischen Gründerväter noch weiser, als wir bisher dachten. Sie hielten in der Unabhängigkeits-Erklärung nicht etwa ein Recht auf Glück fest, sondern eines auf das „Streben nach Glück”.

 

Dank an Jochen Mai für den Link zur Sonntags-Studie.

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Veröffentlicht unter: Glück, BIP

 

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (21)
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0 Fnordheide 16.11.2011, 17:37 Uhr

Also den Tenor des Beitrags...

Also den Tenor des Beitrags würde ich doch anhand der beigefügten Graphik anzweifeln wollen, zumindest dahingehend, dass gut ausgereifte liberal-demokratische Institutionen einen hohen Beitrag zum Wohlbefinden leisten können. Immerhin kann man bis auf Venezuela wohl allen Staaten im "grünen Bereich" solch ausgereifte Institutionen attestieren, während das für einige der afrikanischen Länder im unteren Bereich wohl eher nicht gilt (Siehe dazu http://de.wikipedia.org/wiki/Demokratieindex). Und die befriedende Wirkung wirksamer staatlicher Institutionen dürfte auch ein Scherflein beitragen. Auch wenn man vielleicht nicht täglich darüber nachdenkt, kann es einen doch glücklicher machen, nicht täglich darüber nachdenken zu müssen, wann man eine Kugel abbekommt.

0 faz-bern 15.11.2011, 09:14 Uhr

Lieber JR42, das ist ein...

Lieber JR42, das ist ein kleines Problem. Selbst die besten Forscher haben noch nicht richtig rausgekriegt, wie Zufriedenheit und andere Faktoren zum Glück beitragen. Sicher ist: Die einfache Frage "Sind Sie glücklich?" liefert keine brauchbaren, vergleichbaren Ergebnisse. Sicher ist auch: Zum Glück gehören mehrere Faktoren, darunter auch Zufriedenheit. Dann gibt es noch den "Affekt" (Kahneman), der eher die kurzfristige Laune abbildet (und der eher mit der instabilen Glücks-Frage zusammenhängt). Aber da ist noch vieles ungeklärt; ich empfehle Kahnemans Vortrag hier: http://www.youtube.com/watch?v=XgRlrBl-7Yg Oben im Beitrag habe ich es bewusst gerade nicht durcheinandergehen zu lassen. Erst geht es um die Frage nach dem Glück, die häufig gestellt wird. Dann gibt es einen Exkurs zur Zufriedenheit, bevor ich zurück komme zur allgemeinen Frage nach dem Glück.

0 ThorHa 14.11.2011, 20:09 Uhr

@Cecile_de_Winter: Fein. Sie...

@Cecile_de_Winter: Fein. Sie haben jetzt in 11 Zeilen bewiesen, dass Sie von Ihren Zahlen für genau eine eine Referenz haben. Einen FAZ Artikel. Danke für die Bestätigung. Gruss, Thorsten Haupts

0 JR42 14.11.2011, 09:55 Uhr

@Patrick Bernau: Glück -...

@Patrick Bernau: Glück - Zufriedenheit, das geht bei Ihnen ja munter durcheinander. Wenn Sie sich auf die sprichwörtlichen "jüngsten Forschungsergebnisse" berufen, also einem wissenschaftlichen Anspruch genügen wollen, sollte hier eine Begriffsklärung erfolgen. . Glück ist subjektiv - vgl. "Happyness is a warm gun". Bleiben Sie besser bei der Zufriedenheit, auch wenn die Überschrift dann nicht ganz so reißerisch ausfällt.

0 Cecile_de_Winter 13.11.2011, 21:15 Uhr

Ja, Herr Haupts, wer im...

Ja, Herr Haupts, wer im Glashaus sitzt... Wer einen Suizidversuch von einem erfolgreichen nicht unterscheiden kann, wer noch nie etwas von Kinderkrebsstationen gehört hat und davon, dass eine gestiegene statistische Lebenserwartung nicht nur etwas mit absolutem Lebensalter sondern bspw. gesunkener Kindersterblichkeit zu tun hat, der sollte sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, sich über andere erheben und beleidigen. Die Zahl der 38% Europäer die jährlich einen diagnostizierten psychischen Defekt aufweisen, stammt übrigens aus der FAZ vom 8.11 (Artikel "Da zappelt die Seele ") und betont ausdrücklich, dass man "von der Pharmaindustrie wohl nicht allzuviel erwarten dürfe". Da Sie als Wissenquelle aber auf eine "Instanz" wie Wikipedia verweisen, dürfte klar sein, aus welcher Richtung der Wind weht: Die Selbstüberschätzung wächst bekanntermassen mit abnehmender intellektueller Reichweite.

0 ThorHa 13.11.2011, 19:11 Uhr

@Cecile_de_Winter: "jeder...

@Cecile_de_Winter: "jeder Fünfte in seinem Leben an einer klinischen Depressionen leidet" Beweis durch Behauptung? Vor allem - wo ist eigentlich der Beleg, dass es in den letzten 2 jahrtausenden jemals anders war? Gibt es nicht? Stimmt! --- "in dem nahezu jeder Zweite in seinem Leben an Krebs erkrankt" Ja, schlimm. Wir sollten dringend in jene menschenfreundlichen Zeiten zurück, in denen Krebs nahezu unbekannt war, weil die Menschen mit 45 starben. Und nicht mit 80. --- "welches jedes Jahr 38% der Menschen in Deutschland in einen Zustand versetzt, der als psychische Krankheit bewertet wird" Pruuust. Der feuchte Traum psychisch gestörter Psychiater in trauter Eintracht mit der nüchtern kalkulierenden Pharmaindustrie? --- "jeder Zehnte sich tatsächlich umzubringen versucht" Ist Ihnen das freie Erfinden von Zahlen nicht peinlich? Die Suizidrate fällt seit 1980 in Deutschland und "Stichprobenschätzungen für Deutschland ermittelten für 2001 für Frauen 131 und für Männer 108 Versuche je 100.000 Einwohner" http://de.wikipedia.org/wiki/Suizid Also jeder Tausendste. --- Bitte, erfinden Sie nur weiter freischwurbelnd Zahlen. Ich halte mich solange an die durchschnittliche Lebenserwartung. Und die steigt in Deutschland ausgerechnet in diesem schrecklich menschenfeindlichen System seit 1945 kontinuierlich, bisher ohne Unterbrechung. http://www.geroweb.de/grafik/lebenserwartung_seit1871.gif Manchmal frage ich mich, ob die Anti-Markt-Ideologen nicht lesen können. Wahrscheinlicher ist, dass sie es nicht wollen. Gruss, Thorsten Haupts

0 MTaege 13.11.2011, 19:07 Uhr

ThorHa Am besten...

ThorHa
Am besten nach Polen und co, um dann erschrocken festzustellen, dass da die Löhne über Streiks steigen..
Das ging vielen so, die meinten, dass man nur die Arbeit auslagern müßte, um kosten zu senken. Nebenbei ist es eine ziemlich Mär. Die meisten Arbeitsplätze fallen der Automatisierung zum Opfer, was an sich auch nicht das Problem ist, da viele Arbeiten von Maschinen besser erledigt werden können, als von Menschen.
Die Ironie ist, dass der technologische Fortschritt noch nie so groß war wie heute, aber die Arbeitsbedienungen mittlerweile mieser als noch in den 70igern. Wo liegt der Fehler? Richtig, bei der Blödheit des Homo Sapiens sapiens

0 ThorHa 13.11.2011, 18:44 Uhr

"Und wer macht dann die...

"Und wer macht dann die Arbeit, wenn es die Arbeitsplätze nicht gibt?" Entweder niemand. Oder sie wird verlagert, wo es geht. Und mehr Leute sind arbeitslos. Quod erat demonstrandum. Nur im Traum gibt es Vollbeschäftigung und ein Mittelstandseinkommen für jedermann. In der Realität gibt es 5 Millionen Arbeitslose nach offizieller Statistik ... Gruss, Thorsten Haupts

0 Jeeves3 13.11.2011, 18:31 Uhr

@Patrick Bernau "Wir haben...

@Patrick Bernau "Wir haben also die Wahl zwischen flexibleren Arbeitsplätzen und keinen Arbeitsplätzen. Da entscheide ich mich für ersteres." War da nicht noch was? Etwas, das man früher als Sklavenarbeit bezeichnete? Die 1-Euro-Jobs, die 400-Euro-Jobs, all die unsinnigen "Fortbildungen", um Statistiken zu verschönern und an denen nur die Veranstalter heftig verdienen... Was ich da oben und zuvor beim Hank las, nennt man schlicht: neoliberale Augenwäscherei.

0 MTaege 13.11.2011, 17:49 Uhr

Die zahlen sind von 1990...

Die zahlen sind von 1990 Einwohner (je 1000)63 254 Arbeitnehmer 31 829 =50,31% 2009 (je 1000) 81 875 Arbeitnehmer 43 539 = 53,11/%
erhöht..
Und dann sollte man sich mal folgendes Ansehen..
www.destatis.de/.../Pressebroschuere__BIP2009,property=file.pdf
Ab seite 18 ff sieht man nämlich Löhne, Arbeitnehmerentgelte..
Und auch deren Entwicklung im vergleich zu Unternehmens, und Vermögenssteigerungen.
Den die nackte Zahl der Arbeitnehmer, sagt weder etwas über die Qualität, noch die Entlohnung aus, geschweigeden über die Gesundheitlichen und Seelischen Belastungen. Den das Erhöhter Sozialer Druck, und schlechtere Arbeitsbedinungen, auch zu erhöhten Krankheitskosten, und Folgekosten führen, wird dabei nämlich vollkommen verdrängt..
www.aerzteblatt.de/.../artikel.asp
Ärzteblatt schreibt da nämlich zurecht!
"Diskussion: Ursachewirkungsbeziehungen und protektive Faktoren sowie neuere gesellschaftliche Stressoren, wie Arbeitsplatzunsicherheit, Personalabbau, diskontinuierliche Erwerbsbiografien und prekäre Beschäftigungen sollten weiter erforscht werden. Das präventive/gesundheitsfördernde Engagement, insbesondere bei Langzeitarbeitslosen, sollte verstärkt werden."
Sprich wir sind in einem Experten an der laufenden Gesellschaft, über deren Folgen wir absolut noch nicht viel sagen können. Das sie aber Ungesund sind, kann man schon erahnen!

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Jahrgang 1981, verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.