Home
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Weitersagen Kommentieren (26)
 

Leben deutsche Ökonomen auf einem fernen Planeten? Über den Zusammenhang von Geldbasis und Inflation

13.09.2012, 10:54 Uhr  ·  Nein - natürlich leben nicht alle deutschen Ökonomen auf einem fernen Planeten. Aber manche deutsche Ökonomen leben, wenn es um die Zusammenhänge von Geldbasis und Inflation geht, auf einem anderen Planeten als Ökonomen, die an moderner Theorie und Empirie arbeiten. Wir stellen die zwei Planeten gegenüber: den Planeten, auf dem deutsche Traditionalisten leben (Planet A), und den "moderneren" Planeten, dargestellt anhand von Autoren der Princeton-School, darunter des Nobelpreisträgers Chris Sims (Planet B). Von Gerald Braunberger

Von

Nein – natürlich leben nicht alle deutschen Ökonomen auf einem fernen Planeten. Aber manche deutsche Ökonomen leben, wenn es um die Zusammenhänge von Geldbasis und Inflation geht, auf einem anderen Planeten als Ökonomen, die an  moderner Theorie und Empirie arbeiten. Wir stellen die zwei Planeten gegenüber: den Planeten, auf dem deutsche Traditionalisten leben (Planet A), und den “moderneren” Planeten, dargestellt anhand von Autoren der Princeton-School, darunter des Nobelpreisträgers Chris Sims (Planet B).

Von Gerald Braunberger

 

Planet A: Die Erhöhung der Geldbasis führt zwingend zur (Hyper-)Inflation. Drei Beispiele:

Thorsten Polleit: “Im Zuge des Staatsanleihe-Aufkaufprogramms gibt der EZB-Rat die Kontrolle über die (Basis)Geldmengenentwicklung (endgültig) auf. Fortan bestimmen Angebot von und Nachfrage nach Staatsanleihen die Geldmengenexpansion…Die kommende (Hyper-)Inflation im Euroraum wird weite Teile der Bevölkerung verarmen lassen.”

Joachim Starbatty: “Es gibt langfristig nur eine Ursache von Inflation – die Finanzierung von Staatsdefiziten durch die Notenbank. Aktuelle rezessive Tendenzen mögen das noch überspielen. Aber dass daraus Inflation erwächst, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Mit Münzbetrug wird Draghi den Euro nicht retten können.”

Manfred J.M. Neumann: “Die Zentralbankgeldmenge, international als Geldbasis bezeichnet, ist das Schlüsselaggregat der Geld- und Kreditschöpfung. Diese Geldmenge hat die EZB innerhalb der noch kurzen Amtszeit Draghis um gut 50 Prozent auf 1,8 Billionen Euro angehoben…So beträgt die Verschuldung der italienischen Banken beim Eurosystem inzwischen das 7-fache ihrer Basisgeldreserven, die entsprechende Verschuldung der griechischen Banken sogar das 24-fache. Bei solchen Verhältnissen nur von Bankrott zu sprechen, wäre Bagatellisierung…Wenn sich das Bundesverfassungsgericht nicht der Bürger erbarmt und Draghi ein „Halt” zuruft, wird er den Euro bald vollends demontiert haben.”

 

Planet B: So etwas erzählt man an guten Wirtschaftsfakultäten nicht einmal mehr in einer Einführungsvorlesung.

Wir zeigen Chris Sims, Professor in Princeton und Nobelpreisträger des Jahres 2011, in einer aktuellen Vorlesung für PhD-Studenten vom September 2012.**) Darin stellt er die “Fiskaltheorie des Preisniveaus” vor. Eingangs befasst er sich mit der Behauptung, die Geldbasis spiele eine Rolle für die Bestimmung des Preisniveaus:

http://tandbergtcs.princeton.edu/tcs/#page:recordingList&pageNumber:1&id:ABB4DB0B-E994-4C07-9636-4FD5E7801C87

Eine Zusammenfassung der Thesen Sims':

1. Monetäre Theorien ohne staatliche Budgetbeschränkung und der Annahme, dass Zentralbankgeld nicht verzinst wird, sind obsolet.

2. Das gilt auch für die Vorstellung eines engen Zusammenhangs zwischen der Geldbasis, der Geldmenge und dem Preisniveau. Sie ist ebenfalls obsolet. Ihr liegt die Annahme einer festen Beziehung zwischen der Geldbasis und der Geldmenge zugrunde, sprich ein stabiler Geldmultiplikator. Aber: “In good places the money multiplier is no longer taught in Ec1.” Warum? Weil Zentralbanken heute Mindestreserven verzinsen, was die Banken dazu veranlasst, freiwillig Überschussreserven bei der Zentralbank zu halten, zumal wenn die Reserven höher verzinst werden als kurzfristige Geldmarktanlagen. Daraus folgt: “Interest on reserves blows up the money multiplier.” Und: “The relation between the actual reserves and the money stock is completely out the window.” *) 

3. Daraus folgt auch: Die speziell deutsche Furcht, als Folge einer Aufblähung der Geldbasis durch EZB-Käufe von Staatsanleihen müsse irgendwann die Inflationsrate explodieren, ist in einem modernen Sinne unwissenschaftlich. Die Fed und die Bank of England kaufen seit Jahren hohe Bestände an Staatsanleihen. Wo ist die hohe Inflation in GB und in den USA?

4. Anschließend erläutert Sims ausführlich die “Fiskaltheorie des Preisniveaus”, die von ihm mitentwickelt wurde. Die Kernthese lautet: Die Geldpolitik bestimmt nicht alleine das Preisniveau, Geldpolitik und Finanzpolitik sind enger miteinander verbunden als oft geglaubt. Wir wollen die “Fiskaltheorie des Preisniveaus” bei Gelegenheit in FAZIT behandeln.

 

*) Das ist für jeden offensichtlich, der sich die Daten anschaut, z.B. den entsprechenden Chart in diesem Artikel.

- Daraus folgt nicht, dass die Entwicklung breiter gefasster Geld- oder Kreditmengen (also nicht der Geldbasis) irrelevant wäre: Sie ist, worauf moderne Arbeiten anderer Vertreter der Princeton-School wie Hyun Song Shin oder Markus Brunnermeier und Yuliy Sannikov (“A theory of money needs a proper place for financial intermediaries”) hinweisen, wichtig für die Beurteilung der Frage, inwieweit Risiken für die Finanzstabilität durch kreditfinanzierte Vermögenspreisblasen entstehen, nach deren Platzen das Banksystem in Not gerät. “Money (or credit) matters”, aber anders, als es deutsche Traditionalisten darstellen: Nicht die Geldbasis alleine zählt, sondern, was im Finanzsektor insgesamt geschieht. Hier kann man aber nicht mechanistisch argumentieren, sondern muss sich Verhaltensfunktionen von Finanzintermediären anschauen.

- Daraus folgt auch nicht, dass Staatsanleihenkäufe von Zentralbanken unproblematisch wären. Nur ist das Problem nicht Inflationsgefahr als Folge der Aufblähung der Geldbasis, das Problem ist institutionenökonomischer Natur, wenn die Zentralbank infolge ineffizienten Regerungshandelns zu einem Versicherer gegen makoökonomische Großrisiken wird und damit über ihre normale Aufgaben hinauswächst. Dann kann es sein, dass die Zentralbank das Ziel der Inflationsbekämpfung hinten anstellt, wenn einmal Inflationsgefahr existiert. Siehe hierzu das aktuelle Papier von Brunnermeier/Sannikov aus Jackson Hole, das wir in FAZIT kürzlich vorgestellt haben.

**) Es ist nicht unser Thema in diesem Beitrag, aber wer wissen will, was heutzutage an einer international führenden Universität auf dem Gebiet Money/Finance/Macro für Doktoranden gelehrt wird, findet in diesem Link Informationen, die für Professoren und Studenten in Deutschland von Interesse sein könnten. (Den Beitrag über die Geschichte der Makroökonomik haben wir in FAZIT bereits vorgestellt.) Die Idee dieser Princeton-Initiative ist: “Following the Princeton tradition of incorporating financial frictions in macroeconomic models – scholars like Ben Bernanke come to mind – this camp brings together top 2nd year Ph.D. students who wish to write a Ph.D. thesis at the intersections between Macroeconomics and Finance. The recent experience starting with the run-up of imbalances and bubbles in the first decade of the 21st century, followed by a severe financial crisis that ultimately led to the Great Recession, calls for new frameworks to study macro-prudential policy tools and to design a new international financial architecture. The aim of this meeting is to bridge the gap between modern finance and macroeconomics and expose the best students from across the country to macroeconomic models with financial frictions and /or non-standard expectations.” (Dank an Markus Brunnermeier für den Hinweis auf die Princeton-Initiative).

 

____________________________________________________________________

Das Blog finden Sie unter http://www.faz.net/fazit und auf:
Fazit-Blog auf Twitter  Fazit-Blog auf Facebook
Fazit-Blog auf Google Plus

 
 

Richtlinien für Lesermeinungen

Die FAZ.NET-Redaktion bietet allen registrierten und eingeloggten Nutzern die Möglichkeit, sich mit den aktuellen Beiträgen auf FAZ.NET konstruktiv und kritisch auseinanderzusetzen und eigene Lesermeinungen zu veröffentlichen. Für jede Meinungsäußerung stehen 6000 Zeichen zur Verfügung. Voraussetzung für eine Veröffentlichung ist, dass die Verfasser und Verfasserinnen ihren wirklichen Namen nennen, d.h. in ihrer FAZ.NET-Registrierung den korrekten Vor- und Nachnamen eingetragen haben. Im Falle der Veröffentlichung der Lesermeinung weisen wir am Beitrag den Klarnamen des Lesers aus. Unter Pseudonym oder anonym verfasste Texte können nicht berücksichtigt werden.

Veröffentlicht werden nur Beiträge, die auf den jeweiligen Artikel und sein Thema seriös und sachbezogen eingehen. Links- und rechtsradikale, pornographische, rassistische, beleidigende, verleumderische sowie ruf- und geschäftsschädigende Inhalte können nicht berücksichtigt werden, ebenso wenig sachlich falsche oder in angemessener Zeit nicht nachprüfbare Behauptungen. Links sind in den Lesermeinungen von FAZ.NET nicht gestattet. Die Redaktion behält sich vor Lesermeinungen zu kürzen oder zu modifizieren. Jeder verfasste Beitrag wird von der Redaktion geprüft und schnellstmöglich veröffentlicht, sofern er diesen Richtlinien für Lesermeinungen nicht zuwiderläuft. Nutzern, die wiederholt versuchen, den Richtlinien nicht entsprechende Beiträge zu veröffentlichen, kann die Registrierung entzogen werden.

Für veröffentlichte Meinungsbeiträge gewähren Sie uns das unentgeltliche, zeitlich und örtlich unbegrenzte und nicht ausschließliche Recht, diese Aussagen ganz oder teilweise zu nutzen, zu vervielfältigen, zu modifizieren, anzupassen, zu veröffentlichen, zu übersetzen, zu bearbeiten, zu verbreiten, aufzuführen und darzustellen, Dritten einfache Nutzungsrechte an diesen Aussagen einzuräumen sowie die Aussagen in andere Werke und/oder Medien zu übernehmen.

Weitere Artikel

Datenschutzerklärung

Allgemeine Nutzungsbedingungen von FAZ.NET und seinen Teilbereichen

Wir möchten Sie ausdrücklich darauf hinweisen, dass der gesamte Auftritt von FAZ.NET von verschiedenen Suchmaschinen intensiv ausgewertet wird und die Inhalte dort auch gelistet werden. Das schließt die Lesermeinungen automatisch ein, so dass diese auch über FAZ.NET hinaus im Internet jederzeit recherchierbar sind.

Schließen

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden
  1 2 3  
Lesermeinungen zu diesem Artikel (26)
Sortieren nach

[...] sie unausweichliche hohe Inflation und...

[...] sie unausweichliche hohe Inflation und damit die Misere als Folge der aktuellen Geldpolitik - und stützen sich dabei auf eine Lehre, die anderswo vor Jahrzehnten wegen ihrer Unzuverlässigkeit längst abgelegt wurde. In Amerika [...]

0 FAZ-gb 26.09.2012, 12:28 Uhr

Zur Fiskaltheorie des...

Zur Fiskaltheorie des Preisniveaus habe ich mittlerweile den in Aussicht gestellten Beitrag verfasst: http://faz-community.faz.net/blogs/fazit/archive/2012/09/25/die-inflation-springt-aus-der-kiste-die-fiskaltheorie-des-preisniveaus-vor-risiken-und-nebenwirkungen-wird-ausdruecklich-gewarnt.aspx

0 FAZ-gb 23.09.2012, 17:49 Uhr

Rüdiger Bachmann (RWTH...

Rüdiger Bachmann (RWTH Aachen) verweist in seinem Blog "Lumpenökonom" (www.vwlmac.rwth-aachen.de/blog)auf ein neues Paper von Bianchi/Melosi, das theoretisch eine Art "Überraschungsinflation" als Folge expansiver Fiskalpolitik herleitet und auch ein paar empirische Beispiele nennt:
public.econ.duke.edu/~fb36/Papers.../BianchiMelosi_Dormant.pdf

0 FAZ-gb 20.09.2012, 20:59 Uhr

Hier ist ein sehr...

Hier ist ein sehr interessantes Interview mit zwei Chicago-Ökonomen, John Cochrane und Harald Uhlig:
faculty.chicagobooth.edu/.../52-59_MorningstarConversation.pdf
Es ist hübsch zu sehen, wie Cochrane mit der "Fiskaltheorie des Preisniveaus" loslegt und Uhlig dann versucht, die Debatte über Konjunktur, Staatsverschuldung und Inflation auf ein traditionelleres Terrain zu führen. Gleichwohl gibt es auch viel Übereinstimmung.
Mich würde aber interessieren, ob ich der Einzige bin, der ihre Aussagen bezüglich durchaus sinnvollen Staatsdefiziten in der Rezession und ihrer Ablehnung aktiver Fiskalpolitik etwas, sagen wir, unscharf findet? Uhlig argumentiert mit automatischen Stabilisatoren (da braucht man keine aktive Fiskalpolitik). Das ist ein Argument, das man aus deutscher Sicht sofort nachvollzieht, aber wie sieht es damit in den USA mit ihrem geringer ausgebauten Sozialstaat aus? War nicht ein Argument von Raghuram Rajan (noch ein Chicago-Ökonom), dass man gerade in den USA wegen eines unterentwickelten Sozialstaats (und einer schieferen Einkommens- und Vermögensverteilung) in Rezessionen besonders aggressiv zu Makropolitik greift? (Mir ist bekannt, dass Rajans Argument umstritten ist, aber was ist auf diesem Gebiet nicht umstritten?)

0 FAZ-gb 18.09.2012, 19:52 Uhr

Ich komme gerade von einer...

Ich komme gerade von einer Veranstaltung bei der Deutschen Bundesbank. Hier hat der amerikanische Ökonom Michael Bordo (sites.google.com/.../michaelbordo), ein exquisiter Kenner der Währungsgeschichte, ein Paper vorgestellt, in dem er zeigt, dass monetäre Staatsfinanzierung in der Geschichte oft, aber keineswegs immer, zur Inflation geführt hat. (Das Paper ist - noch - nicht im Internet erhältlich, ggf. reiche ich einen Link nach.) Bordos Ausführungen belegen, dass die Ausschließlichkeitsthese, mit der deutsche Traditionalisten wie Joachim Starbatty und Thorsten Polleit, eine Verbindung zwischen monetärer Staatsfinanzierung und Inflation herstellen, empirisch unhaltbar ist.
Vermerkt sei auch, dass in dieser Veranstaltung der Finanzwissenschaftler Kai Konrad (Geschäftsführender Direktor am Max-Planck-Institut für Steuerrecht und Öffentliche Finanzen inmMünchen) auf die Frage, ob die EZB-Politik Inflation erzeugen werde, mit einer für einen Ökonomen bemerkenswerten und nicht selbstverständlichen Offenheit sagte: "Ich weiß es nicht."
Eine solche Äußerung finde ich weitaus ehrlicher und seriöser als die scheinbar wuchtigen Ausschließlichkeitsprognosen: Die Zukunft ist nun einmal unsicher, und niemand verfügt über eine magische Glaskugel, aus der sich die Zukunft unfehlbar erkennen lässt.

0 rum 18.09.2012, 14:28 Uhr

Ich muss mein voriges Argument...

Ich muss mein voriges Argument korrigieren/ergaenzen. Sekundaerer Konsumkredit ist preistreibend weniger wegen der erhoehten Nachfrage, wenn es überhaupt solche gibt, sonden wegen der Verschiebung des Verhaeltnisses zwischen Angebot und Nachfrage. Da liegt ein großer Unterschied mit Primärer Konsumkredit. Es gibt wahrscheinlich eine erhöhte Nachfrage nach gewissen "Konsumprodukten", und das ist auch allgemein preistreibend. Man darf nicht vergessen, dass Sparen nicht weniger Konsum bedeutet, sondern dass eher von denjenigen konsumiert wird, die an der Produktion beteiligt sind, als jene die konsumieren, damit es konsumiert ist.

0 rum 18.09.2012, 14:03 Uhr

@vcaspari, Konsumkredit ist...

@vcaspari, Konsumkredit ist grundsaetzlich immer preistreibend, zwar nicht so schlimm und traumatisch wie Primärkredit dafür, aber doch preistreibend, und Kredit an den Staat ist grundsätzlich Konsumkredit, denn der Staat zahlt eher konsumierende Beamte als das Geld anzulegen. Stellen Sie sich es so vor: die Waren werden einfach verzehrt und nicht in Produktionanalagen umgewandelt, die die umlaufende Warenmenge vermehrt. Es gibt eine höhere Nachfrage. Das gilt auch, wenn Sie oder die Staatsanleihen kaufen.

0 vcaspari 17.09.2012, 18:47 Uhr

@rum "Direkt" heißt...

@rum
"Direkt" heißt direkt durch die Zentralbank aufgekauft - egal ob Primär- oder Sekundärmarkt.
Wenn die Bonds hingegen nur von Ihnen oder mir aufgekauft werden, ergibt sich kein direkter Effekt auf die Geldmenge.

0 rum 17.09.2012, 16:51 Uhr

@vcaspari, was heißt "direkt"...

@vcaspari, was heißt "direkt" in "die Nettokreditaufnahme (durch Staatspapiere) direkt von der Zentralbank durch Aufkauf der Bonds finanziert würde"? --- Meinen Sie, der "Geldumlauf" steige nicht, wenn die Käufe im Sekundärmarkt statfinden? Helfen diese Kredite nicht der Staatsverschuldung, also Konsumkredite, die die Nachfrage erhöhen und die Preise treiben?

0 vcaspari 17.09.2012, 11:56 Uhr

@Treusorg Eine Verdoppelung...

@Treusorg Eine Verdoppelung des Bundeshaushaltes würde in erster Linie zu einem Anstieg der Gesamtnachfrage führen. Die Geldmenge würde nur steigen, wenn der Staat zur Finanzierung a) einen sogenannten Schöpfungkredit (verboten) in Anspruch nehmen würde, oder b) die Nettokreditaufnahme (durch Staatspapiere) direkt von der Zentralbank durch Aufkauf der Bonds finanziert würde. Wenn der Staat seine zusätzlichen Ausgaben durch neue Steuern finanzieren würde, hätte das keinen direkten Effekt auf die Geldmenge. Wenn die Staatsnachfrage steigt, dann ist die Inflationsgefahr größer, weil die Gesamtnachfrage auf ein kurzfristig konstantes Produktionspotenzial trifft und damit Preissteigerungen ausgelöst werden.

  1 2 3  

Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt in der F.A.Z.