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Ende einer Idylle: Finanzmärkte, Banken und Geldpolitik in der Globalisierung

10.01.2013, 18:00 Uhr  ·  Die theoretisch reine Welt, in der Märkte immer perfekt funktionieren und die Politik nicht über ihren nationalen Tellerrand hinaus blicken muss, ist nicht die Welt, in der wir leben. Um Finanzstabilität und Globalisierung zu sichern, befürworten moderne Ökonomen mehr Kooperation und sogar Eingriffe in den Kapitalverkehr. Darauf pochen nicht zuletzt Schwellenländer.

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(Ergänzung 21. Januar 2013: Das neue Paper von John Taylor zur internationalen Kooperation ist veröffentlicht und hier unter Punkt 5 vorgestellt) 
(Ergänzung 21. Januar 2013: Eine Analyse der New York Fed bestreitet, dass die Käufe amerikanischer Anleihen durch die Fed starke Auswirkungen auf die Anleihenmärkte von Schwellenländern hatten.)
(Ergänzung 2. Februar 2013: Taylor hat eine neue Attacke gegen die Fed gestartet, die allerdings auf harte Kritik unter anderem von Paul Krugman gestoßen ist. Wir behandeln sie in den Kommentaren.)

1. IWF: Beschränkungen des Kapitalverkehrs sind eine Option

Der Internationale Währungsfonds hat kürzlich für Aufsehen gesorgt, als er Beschränkungen des internationalen Kapitalverkehrs in bestimmt Fällen für sinnvoll erklärte. Der IWF betrachtet freien Kapitalverkehr zwar grundsätzlich weiterhin als eine sehr vorteilhafte Ordnungsform, aber im Unterschied zu einer theoretisch perfekten Modellwelt sieht er in der Praxis als Ergebnis mangelnder politischer Kooperation zwischen Staaten und erheblicher Marktunvollkommenheiten Beschränkungen des Kapitalverkehrs als eine ultima ratio an, zum Beispiel zur Sicherung der Finanzstabilität in einem Land. Blanchard/Ostry haben die Position des IWF hier knapp zusammengefasst; eine ausführliche Darstellung findet sich hier. Eine vergleichbare Argumentation stammt von einer internationalen Gruppe von Fachleuten, dem Committee on International Economic Policy and Reform, in einem im Herbst 2012 vorgelegten Bericht. Dem Kommittee gehören mit Dani Rodrik (Türkei), Raghuram Rajan (Indien) und Hyun Song Shin (Korea) auch drei namhafte Ökonomen aus Schwellenländern an, die heute an bekannten amerikanischen Universitäten lehren; Andrés Velasco war Finanzminister Chiles.

Den Autoren des IWF und des Kommittees geht es nicht darum, die finanzielle Globalisierung durch Markteingriffe zu beschädigen, sondern im Gegenteil die finanzielle Globalisierung vor größeren und nachhaltigen Schäden zu bewahren. Und die Befürworter sehen durchaus ein nicht zu verleugnendes Problem: Man kann es mit solchen Eingriffen auch übertreiben.

 

2. Das Beispiel Korea

Worum es in der Praxis geht, zeigt das Beispiel Südkoreas (siehe Bruno/Shin und die dort angegebene Literatur). Das Finanzsystem des Landes war bereits in der Asienkrise 1997/98 schweren Belastungen ausgesetzt. In den Jahren vor der aktuellen Finanzkrise floss den in die finanzielle Globalisierung eingebundenen koreanischen Banken viel Geld von außen zu. Im Anschluss an den Untergang der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers zogen viele ausländische Gläubiger Geld ab, was eine erhebliche Gefährdung der Stabilität des koreanischen Banksystems zur Folge hatte.

Wie lässt sich die potentielle Gefährdung eines nationalen Banksystems vorab diagnostizieren? Ein Weg ist der Blick auf die Passivseite der Bankbilanz, auf der sich die Verbindlichkeiten befinden, und hier auf die Unterscheidung zwischen “Kern-Verbindlichkeiten” und “Nicht-Kern-Verbindlichkeiten”. Als “Kern-Verbindlichkeiten” werden üblicherweise einigermaßen stabile Einlagen von inländischen privaten Haushalten und Unternehmen verstanden, die auch in einer Krise überwiegend zur Verfügung stehen dürften. “Nicht-Kern-Verbindlichkeiten” hingegen sind Verbindlichkeiten, die in einer Krise möglicherweise rasch beglichen werden müssen. Dazu zählen Einlagen von Ausländern, kurzfristige Wertpapiere und Geldmarktgeschäfte (Repos).

Je höher das Gewicht der “Nicht-Kern-Verbindlichkeiten” ist, umso größer wird die Gefahr einer existenzgefährdenden Liquiditätskrise in Turbulenzen. Die Grafik setzt diese “Nicht-Kern-Verbindlichkeiten” für Korea ins Verhältnis zur Geldmenge M2. *) Man sieht, wie diese Verbindlichkeiten in den neunziger Jahren wuchsen, ehe sie nach Ausbruch der Asienkrise 1998 deutlich zurück gingen. Von 2001 bis 2009 haben sie dann sehr stark zugenommen (in der Spitze machten sie rund 50 Prozent der Geldmenge M2 aus), ehe sie unter dramatischen Begleitumständen wiederum deutlich zurück gingen: “(T)he banking sector saw very substantial capital outflows, associated with the deleveraging of the banking sector. Deleveraging sets off amplifying effects through price changes, where the depreciation of the Korea won against the US dollar increases the size of external liabilities relative to domestic currency assets. In addition, the creditor banks in global capital markets are similarly shrinking their lending in response to heightened measures of risk. The feedback loop generated by such reactions to price changes can lead to amplification of shocks.”

Als Ergebnis dieser Turbulenzen wurden in Korea zwei einschränkende Maßnahmen beschlossen:
a) Eine Begrenzung (“cap”) der kreditfinanzierten Derivategeschäfte mit Fremdwährungen. Für Niederlassungen ausländischer Banken wurde die Grenze auf das 2,5-Fache ihres Eigenkapitals festgelegt, für koreanische Banken auf 50 Prozent ihres Eigenkapitals: “Foreign banks could in principle increase their positions by allocating greater capital to their branches in Korea, but the leverage cap lowers the return to capital for banks engaged in this segment of their business, thereby serving as a disincentive on expansion of derivatives positions.”
b) Eine Abgabe auf die auf Fremdwährungen lautenden “Nicht-Kern-Verbindlichkeiten” der Banken, deren Höhe von den Laufzeiten der Verbindlichkeiten abhing: “The levy consists of an annualized 20 basis point charge on the wholesale foreign exchange denominated liabilities of the banks of maturity up to 12 months. Lower rates are applied in a graduated manner to maturities of over one year. The levy was designed so that the proceeds of the levy are paid into a special segregated account of the foreign exchange reserves, rather than going into the general revenue of the government. In this respect, the Korean levy was designed from the outset as a financial stability tool, rather than as a fiscal measure…  By targeting non-core liabilities only, the levy was also designed to address the procyclicality of the banking sector while leaving unaffected (as far as possible) the intermediation of core funding from savers to borrowers.”

Bild zu: Ende einer Idylle: Finanzmärkte, Banken und Geldpolitik in der Globalisierung 

3. Das Geschäft internationaler Banken

Wie und warum gelangt so viel ausländisches Geld in Schwellenländer wie Korea? Calvo/Leiderman/Reinhart haben vor rund 15 Jahren in einem viel gelesenen Beitrag sechs Gründe für Kapitalbewegungen von Industrie- in Schwellenländer aufgezählt: **)
a) Ein deutlicher Rückgang der Zinssätze in den Industrienationen reduziert dort die Attraktivität  von Kapitalanlagen
b) Ein oft schwaches Wirtschaftswachstum in den Industrienationen reduziert dort ebenfalls die Attraktivität von Kapitalanlagen
c) Viele Großanleger orientieren sich an globalen Anlagestrategien
d) Die wirtschaftliche Lage hat sich in vielen Schwellenländern verbessert
e) Viele Schwellenländer haben sich durch die Deregulierung auch von Finanzmärkten für ausländisches Kapital geöffnet
f) Die besondere Attraktivität einzelner Schwellenländer in einer Region lässt auch Nachbarländer von Kapitalzuflüssen profitieren

Deregulierungen und eine lockere Geldpolitik mit niedrigen Zinssätzen haben etwa seit dem Jahr 2000 vor allem die internationalen Geschäfte nicht zuletzt europäischer Banken erheblich wachsen lassen, und hier nicht alleine die Geschäfte mit Euro, sondern auch mit Dollar (siehe Grafik). Diese Geschäfte sind mittlerweile sehr gut erforscht: Zeitweise hielten führende amerikanische Geldmarktfonds bis zur Hälfte ihrer Mittel in kurzfristigen Dollar-Wertpapieren europäischer Banken. Die europäischen Banken transferierten die Dollar von ihren amerikanischen Niederlassungen zunächst in ihre europäischen Hauptquartiere, um sie von dort um die Welt auf (tatsächlich oder scheinbar) attraktive Anlageziele zu verteilen.

Die niedrigen Dollarzinsen ermutigten die europäischen Banken zu umfangreichen Aufnahmen von Fremdkapital und zu einer nicht übermäßig risikoscheuen Geschäftsstrategie. Im Ergebnis wuchs das grenzüberschreitende Geschäft europäischer Banken (vor allem aus Großbritannien, der Schweiz, Deutschland und Frankreich) zwischen 2000 und 2009 außerordentlich stark. Bis zur Krise nach dem Kollaps von Lehman Brothers lenkten die europäischen Banken einen Teil dieser Mittel in die Schwellenländer.

 

4. Mehr internationale Kooperation?

Der IWF sieht sich in seiner aktuellen Position in der Tradition seiner Gründerväter John Maynard Keynes und Harry D. White, indem er auf die gemeinsame Verantwortung der Länder für das Gedeihen der Weltwirtschaft hinweist: “In thinking through the circumstances in which capital controls may be appropriate, a multilateral perspective is essential. Indeed this was a key tenet of the IMF’s founding fathers, Keynes and White. Keynes considered that managing capital flows would be much more difficult by unilateral actions than if movements of capital could ‘be controlled at both ends’ of the transaction. White concluded that capital controls would be ineffective unless there was cooperation across countries in their implementation.”

Im konkreten Fall hat sich Korea mit Eingriffen gegen eine Gefährdung der Stabilität seines Finanzsystems gewandt, aber die Ursache der Übel lag in der extremen Geschäftsausweitung westlicher Banken in den Jahren zuvor. Viele Schwellenländer, Brasilien ist seit längerer Zeit ein prominentes Beispiel, betrachten die sehr expansive amerikanische Geldpolitik als eine protektionistische Maßnahme mit dem Ziel, den Dollar an den Devisenmärkten zu schwächen. Überhaupt kommt die Forderung nach mehr Kooperation und im Zweifel Kapitalverkehrskontrollen oft aus Schwellenländern.

Ganz wichtig: Die traditionelle liberale Empfehlung an Länder, sich mittels flexiblen Wechselkursen gegen externe Schocks abzusichern, funktioniert nicht unbedingt, wenn man ein modernes Banksystem angemessen modelliert. Das ist ein wesentliches Argunet für internationale Kooperation.

Für die konkrete Ausgestaltung einer Zusammenarbeit sind unterschiedliche Wege denkbar. Sollte auch die Geldpolitik länderübergreifend kooperieren? Diesen Gedanken hat jüngst auf der AEA-Tagung in San Diego der Stanford-Ökonom John Taylor geäußert, aber der Gedanke ist natürlich schon älter. Im Jahre 2011 hat das oben erwähnte Committee on International Economic Policy and Reform in einer Studie mit dem Titel “Rethinking Central Banking” für eine solche Kooperation plädiert. (Hier und hier sind Zusammenfassungen).

Die Verfasser plädieren zum einen dafür, die Geldpolitik für Gefährdungen der Finanzstabilität zu sensiblisieren und gegen solche Gefährdungen vorzugehen – wenn auch nicht zwingend alleine. Das ist heute weitgehend Konsens – die sogenannte “makroprodentielle Politik” (ein schrecklicher Ausdruck) wird gerade installiert. Die Autoren stellen sich in einem zweiten Schritt aber auch vor,  dass die Präsidenten der großen Notenbanken regelmäßig einen Bericht erstellen, indem sie über ihre Geldpolitik und deren internationale Konsequenzen informieren. Dieser Bericht sollte der G-20-Gruppe vorgelegt und in einem möglichst breiten Rahmen diskutiert werden. Die Verfasser der Studie sehen diesen Vorschlag allerdings selbst zumindest derzeit als wenig realistisch an. Dass die Rezepte aus den Industrienationen für die Schwellenländer  längst nicht mehr selbstverständlich sind, zeigt auch ein aktueller Meinungsbeitrag Velascos.

 

5. Taylor: Die Sünde erzwingt die Kooperation

John Taylor (Stanford University) geht vom Konsens seit den achtziger Jahren aus, dass in einer Welt flexibler Wechselkurse die optimale Politik für jedes Land darin besteht, eine an seinen Interessen ausgerichtete Geldpolitik zu betreiben. Nach diesem Konsens wären die Erträge zusätzlicher Kooperation gering. Diese Sichtweise habe sich bis vor wenigen Jahren bewährt und auch die wissenschaftlichen Modelle seien nicht unbrauchbar. Entscheidend für Taylor ist allerdings, dass sich nicht nur in den Vereinigten Staaten etwa ab dem Jahr 2003 die Geldpolitik von einer Regelbindung entfernt habe – eine Sichtweise, die durch eine neue Arbeit aus der BIZ unterstützt wird. Internationale Effekte nationaler Geldpolitiken können dann Reaktionen zur Folge haben, die weitere Probleme aufwerfen wie Wechselkursmanipulationen oder Kapitalverkehrskontrollen. Um wieder auf den richtigen Weg zurückzukehren, hält Taylor internationale Kooperation für notwendig.

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*) Die Geldmenge M2 umfasst neben dem Bargeldumlauf die von Nichtbanken gehaltenen Sicht- und Termineinlagen.
**) Gleichwohl fließt über längere Sicht netto Kapital von den Schwellenländern in die Industrienationen, ein Phänomen, das als “Lucas-Paradox” bekannt ist. Daraus folgern moderne Ökonomen, dass die Betrachtung von Nettosalden im internationalen Kapitalverkehr nicht ausreichend ist – man muss die Bruttosalden analysieren, um einen vollständigen Blick zu erhalten.

Eine kürzere Version dieses Beitrags ist am 11. Januar 2013 im Finanzmarkt der F.A.Z. erschienen.

 

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (29)
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0 FAZ-gb 07.02.2013, 09:29 Uhr

Eine kleine Anmerkung zum...

Eine kleine Anmerkung zum Thema Blogs, da ich in den meinen vorangegangenen Kommentaren mehrere englischsprachige Blogs erwähnt habe. Mir sind kürzlich zwei, wie ich finde, beeindruckende Zahlen begegnet:
So kommt www.marginalrevolution.com auf eine durchschnittliche Zahl von 200.000 Abrufen je Artikel. Das ist schon höchst beeindruckend, lässt sich aber immer noch übertreffen.
Von Paul Krugmans Blog kennen wir nicht die Abrufzahlen, aber die Zahl der Follower bei Twitter: Sie liegt bei gut 950.000 (!!!). Daraus wird man schließen dürfen, dass er Blogbeiträge mit mehr als einer Million Abrufe haben dürfte!
FAZIT kommt, wie wir kürzlich mitgeteilt haben, auf 7000 Abrufe je Beitrag. Damit dürften wir im deutschen Sprachraum bei Wirtschaftsblogs in der Spitzengruppe rangieren - ich kenne auch Blogs, deren durchschnittliche Abrufzahlen je Beitrag deutlich unter 1000 liegen.
Es gibt somit Welten zwischen Amerika und Deutschland in dieser Hinsicht - übrigens auch, was die Wirkung von Blogs betrifft.

0 FAZ-gb 06.02.2013, 20:50 Uhr

Taylor hat auch noch andere...

Taylor hat auch noch andere Leute irritiert: http://www.themoneyillusion.com/?p=19091 http://uneasymoney.com/2013/01/30/john-taylor-post-modern-monetary-theorist/

0 FAZ-gb 02.02.2013, 10:32 Uhr

John Taylor hat eine neue...

John Taylor hat eine neue Attacke gegen die Niedrigzinspolitik der Fed in Form eines Meinungsbeitrags für das "Wall Street Journal" gestartet:
online.wsj.com/.../SB10001424127887323375204578267943236658414.html
Darin stellt Taylor unter anderem die These auf, die niedrigen Zinsen hielten die Geschäftsbanken von der Kreditvergabe ab (vor der Krise veranlassten niedrige Zinsen die Banken angeblich zu einer viel zu großzügigen Kreditvergabe), was der Gesamtwirtschaft schade. Kritiker aus der Ökonomenzunft werfen Taylor vor, seine Argumentation leide unter Fehlern, die keinem kundigen Studenten im Grundstudium unterlaufen dürften:
blog.supplysideliberal.com/.../contra-john-taylor
krugman.blogs.nytimes.com/.../calvinist-monetary-economics
Selbst wenn Taylors Annahme über das Bankenverhalten richtig wäre (ich bin nicht sicher, dass sie einen empirischen Test überlebte), ließe sich daraus nach meiner bescheidenen Einschätzung nicht der Schluss ziehen, die privaten Unternehmen litten notwendigerweise unter einer Unterversorgung mit neuem Fremdkapital. Denn viele Unternehmen sind nicht auf Bankkredite angewiesen, sondern können sich durch die Ausgabe von Anleihen Fremdkapital beschaffen. Wie das in der Krise in Amerika funktioniert hat, zeigt eine Arbeit von Adrian/Colla/Shin "Which Financial Frictions?", über die wir vor längerer Zeit in der F.A.Z. berichtet hatten:
http://www.princeton.edu/~hsshin/www/whichfinancialfrictions.pdf
Auch in Europa ist - nicht nur von der F.A.Z. kontinuierlich beschrieben - seit längerer Zeit ein Boom bei Unternehmensanleihen zu sehen, von dem auch kleinere Unternehmen profitieren. Für viele Banken ist es reizvoller, hier als Arrangeur Kommissionen zu vereinnahmen, als die Rolle des Kreditgebers zu übernehmen (wobei die neuen Eigenkapitalregeln die Kreditvergabe stärker dämpfen dürften als das Niedrigzinsumfeld). Insofern trägt auch Regulierungsarbitrage dazu bei, dass die Finanzintermediation sich stärker vom Kreditmarkt auf den Anleihemarkt verschiebt.

0 Blickensdörfer 12.01.2013, 17:09 Uhr

Ach, Herr Braunberger...

Ach, Herr Braunberger (12.Januar 2013, 11.30 Uhr), damit ist nichts erklärt: Welcher „Rahmen“ einer „sogenannten (warum muss sie so genannt werden?) . . . Politik“, in dem (?) „Zentralbanken, Aufsichtsbehörden und Regierungen (von wem?) gemeinsam beauftragt“ seien, „Risiken der Finanzstabilität“ (woran festgestellt) gemeinsam „zu identifizieren“ und gegen diese Risiken gemeinsam „vorzugehen“ – was immer darunter zu verstehen ist, da doch das „seit Jahren“ Diskutierte (was davon, welche seine Ergebnisse?) „mittlerweile umgesetzt“ werde(n)? Herr oder Frau Huthmann (12.Januar 2013, 16.14 Uhr) hat mit der“ Frage, was Investieren bedeutet“, was mit „Investieren“ zu verstehen und zu bezeichnen ist, darauf hingewiesen, dass ohne ihre eindeutige Beantwortung, nicht nur dieses Wort Investieren beliebig zu verstehen ist, sondern auch jede Aussage mit diesem Wort. Also auch „Investitionslenkung“. Und Aussagen damit bleiben nur „Erzählungen“. Diese wiederum werden dann zwar auch gern (beliebig) als Meinungen oder Theorien bezeichnet, doch auch hier ohne eindeutig zu bestimmen, was diese Worte bedeuten. Schade, Herr Braunberger, dass Sie sich nicht mit dem herrschenden Verständnis auseinandersetzen, sondern lieber erzählen.

0 Andreas Gehrmann 12.01.2013, 16:43 Uhr

Hallo Herr Braunberger, vielen...

Hallo Herr Braunberger, vielen Dank für die Rückmeldung. Sie haben wahrscheinlich recht damit, dass sich mit den Themen der Regulierung beschäftigt wird. Aber m.E. nur sehr unzureichend. Das folgt zumindest für mich aus der immer noch unzureichenden Regulierung der Finanzmärkte bzw. der immer noch "angewendeten neoklassischen Theorie", deren Postulat der "Freien Märkte" m.E. in die Tonne getreten gehört. Ich bin mittlerweile davon überzeugt, dass es weder freie Märkte noch die der neoklassischen Theorie zugrunde liegenden Annahmen (z.B. perfekte Information) gibt - von Gleichgewichten ganz zu schweigen. Diese Traum-Welt gibt es nicht. Und ja, und mein Vorschlag wäre in der Tat eine staatliche Investitionslenkung - zumindest sollte diese in einer noch zu bestimmenden Bandbreite erfolgen. Ich sehe dazu keine Alternative! Dass sich die Profiteure der Deregulierung und des ständigen Bailouts der Banken dagegen wehren ist klar. Man darf aber die Frösche nicht fragen, wenn der Sumpf trocken gelegt werden soll. Und warum wird eigentlich Banken die mit immenser krimineller Energie (Libor, etc.) agieren nicht die Lizenz entzogen? Die Strafen die da verhängt werden, meistens Vergleiche, sind doch Peanuts - letztlich zahlt das doch indirekt wieder der Steuerzahler, oder? Für mich ist das alles nicht zielführend. Es sind Nebelkerzen zur Beruhigung. In Wirklichkeit läuft doch alles so wie vor der Krise! LG A. Gehrmann

0 Huthmann 12.01.2013, 15:14 Uhr

Sehr geehrter Herr...

Sehr geehrter Herr Braunberger,
die Finanzkrise hat das Vertrauen eines sehr weiten Kreises der Bevölkerung in die Finanzbranche erschüttert, umso mehr, daß diese die Krise nicht "auf der Rechnung hatte".
Leute wie Keen haben erst darauf aufmerksam gemacht, daß die Beschleunigung der Geldschöpfung durch das Bankensystem zu dieser Situation geführt hat. Die Mainstream-VWL hat das heute noch nicht verstanden ist mein Eindruck. Und in den wichtigen Makro-Modellen taucht die Geldschöpfung erst gar nicht auf. Da wird immer noch gepredigt, daß Nettoinvestionen = Sparen sei.
Insofern hat die Mainstream-VWL noch gar nicht verstanden, was die Ursache unserer Probleme ist und die maßgeblichen Vertreter dieser Branche sitzen in den USA. Maßgeblich gemacht auch durch eine gewisse "Hörigkeit" von außeramerikanischem Wirtschaftsjournalismus, dem Eleganz von Modellen, die die Wirklichkeit nur mangelhaft abbilden, wichtiger ist als ein Gesamtverständnis des wirtschaftlichen Geschehens. Übrigens haben die Amerikaner in der Weltwirtschaft doch zutiefst eigene Interessen, das muß doch verstanden werden können und sollte etwas kritischer hinterfragt werden.
Man sollte sich mehr beschäftigen mit der Frage, was Investieren bedeutet, wer mit welchen Rechten und Pflichten investiert (Haftung), aus welchen Mitteln das finanziert werden kann, etc. Ich wiederhole mich da. Ich kann Ihnen versichern, daß das auf der sogenannten Mikroebene in Unternehmen verstanden und auch gelebt wird.
Umso mehr wir uns am Ende eines Verschuldungszyklus befinden, der mit Keynes begonnen hat, sollte über Auffassungen von Autoren diskutiert werden, die diese Problematik schon damals verstanden haben.
Was Ihre Abwertung über "verblichen" anbetrifft, so halte ich persönlich von Schumpeters Beschreibung der wirtschaftlichen Entwicklung sehr viel. Für mich gibt es keine treffendere Beschreibung des wirtschaftlichen Geschehens danach.
MfG

0 FAZ-gb 12.01.2013, 10:28 Uhr

Im Rahmen der sogenannten...

Im Rahmen der sogenannten makroprudentiellen Politik sind Zentralbanken, Aufsichtsbehörden und Regierungen gemeinsam beauftragt, Risiken für die Finanzstabilität rechtzeitig zu identifizieren und dagegen vorzugehen, wobei die Wahl der Mittel abhängig ist von der Ursache und dem Grad der Gefährdung:Das kann eine Reaktion der Geldpolitik sein etwa in Gestalt einer Leitzinserhöhung, das kann eine Verschärfung von Eigenkapitalregeln sein, um die Kreditvergabe teurer zu machen, das kann auch eine steuerpolitische Antwort sein (und es gibt zahlreiche andere Möglichkeiten - zum Beispiel das, was die Koreaner getan haben). Dies wird seit Jahren diskutiert und mittlerweile umgesetzt; wer sich darüber informieren möchte, kann beispielsweise auf die Finanzstabilitätsberichte der Bundesbank oder der EZB zurückgreifen, auf die im jüngsten FAZIT-Beitrag über Schattenbanken verlinkt wurde. Wir haben in der FAZ sehr häufig über diese Themen geschrieben - das ist kein Geheimwissen, man muss sich nur damit beschäftigen wollen. Manche Diskutanten fordern die Lektüre längst verblichener Altmeister, um Probleme zu erkennen, mit denen man sich in der Realität doch längst beschäftigt - und über die seit Jahren geschrieben wird. Wenn eine Zentralbank allerdings Banken vorschreiben sollte, wofür sie Kredite vergeben, wären wir bei der staatlichen Investitionslenkung.

0 Andreas Gehrmann 12.01.2013, 09:57 Uhr

Hallo! Mhh, wozu...

Hallo! Mhh, wozu Kapitalverkehrskontrollen? Wäre es nicht einfacher, wenn die Zentralbanken den Banken Auflagen machen würden? Z.B. den Banken die Geldschöpfung für Kredite für den Erwerb von Finanzprodukten zu untersagen bzw. nur Kredite für Investitionen in die Realwirtschaft zu erlauben. Das ist doch eine Kernaufgabe der Zentralbanken oder könnte sie sein? (window guidance) Das würde Blasen verhindern und damit die dauernden Rettungsorgien überflüssig machen. Braucht man dazu erst ein theoretischen Diskurs oder reicht nicht vielleicht der gesunde Menschenverstand? Wer hat eigentlich ein Interesse daran, dass das nicht gemacht wird? Oder anders: Geld regiert die Welt - aber wer regiert das Geld? LG A. Gehrmann

0 Huthmann 12.01.2013, 09:33 Uhr

Wenn das globale...

Wenn das globale Bankensystem zuviel Geld schöpft und als Kredite ausreicht, dann treten selbstverständlich Probleme der Zahlungsfähigkeit auf. Dies ist unsere Situation heute. Ja noch mehr: unsere wirtschaftliche Elite meint, daß sie ohne eine Beschleunigung der Nettokreditaufnahme kein zukünftiges Wachstum mehr erzielen kann, da in der Vergangenheit die Beschleunigung der Geldschöpfung zum Hauptwachstumstreiber wurde, was eine grob fahrlässig einfache Lösung war. Geldschöpfung in diesem Sinne ist ein Investieren von zukünftigen Sparvolumina und deren "Vernichtung".
Wir müssen wieder zurück zu einer Vorstellung, was überhaupt Investieren heute ist, wer investiert mit welchen Rechten und Pflichten (Haftung) und aus welchen Mitteln es finanziert werden kann. Sicher nicht allgemein durch zukünftige Sparanstrengungen.
Und da bietet die österreichische Schule eben eine bessere Einsicht. Dahingehend, daß der Zinssatz, wenn er zu niedrig ist, Konsum wie auch Investitionen nicht nachhaltig wachsen läßt sondern einen Wachstumszyklus künstlich schafft, der dann automatisch in eine Rezession führen muß, wenn er nicht weiter durch Geldschöpfung wieder herbeigezwungen wird. Damit sollte man sich mehr beschäftigen meiner Überzeugung nach. Was wieder zu Mises, Hayek, etc. führt.
MfG

0 FAZ-gb 12.01.2013, 08:43 Uhr

Wer sich für die...

Wer sich für die theoretischen Grundlagen der aktuellen Betrachtung solcher Eingriffe interessiert:
papers.ssrn.com/.../papers.cfm
Eine Zusammenfassung:
This paper provides an introduction to the new economics of prudential capital controls in emerging economies. This literature is based on the notion that there are externalities associated with financial crises because individual market participants do not internalize their contribution to aggregate financial instability. We describe financial crises as situations in which an emerging economy loses access to international financial markets and experiences a feedback loop in which declining aggregate demand, falling exchange rates and asset prices, and deteriorating balance sheets mutually reinforce each other - a common phenomenon in recent emerging market crises. Individual market participants take aggregate prices and financial conditions as given and do not internalize their contribution to financial instability when they choose their actions. As a result they impose externalities in the form of greater financial instability on each other, and the private financing decisions of individuals are distorted toward excessive risk-taking. Prudential capital controls can induce private agents to internalize their externalities and thereby increase macroeconomic stability and enhance welfare.

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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt in der F.A.Z.