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Fazit – das Wirtschaftsblog

Fazit - das Wirtschaftsblog

Das Faszinierendste aus Wirtschaft und Finanzen. Prägnant beschrieben und kenntnisreich analysiert von Autoren der F.A.Z. und der Sonntagszeitung.

Zurück in die Siebziger

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Großbritannien zeigt: Eine eigene Währung und die Möglichkeit der Abwertung schützen nicht vor ökonomischen Problemen. Manchmal verlockt die Existenz einer eigenen Währung zu wirtschaftspolitischen Fehlern.

Die siebziger Jahre waren in Großbritannien das Jahrzehnt des wirtschaftlichen Niedergangs mit Inflationsraten bis 26,9 Prozent *) , schwindsüchtiger Produktivität und steigender Arbeitslosigkeit. Das Land durchlief eine schwere Krise, erlebte aber ab den achtziger Jahren einen Aufschwung, der nicht zuletzt mit der Politik der Premierministerin Margaret Thatcher verbunden wird. Wie andere Länder wurde Großbritannien im Jahre 2007 von der Finanzkrise erfasst. Seitdem läuft die Wirtschaft nicht mehr richtig. Sechs Jahre nach Ausbruch der Krise fragen sich ernsthafte Leute auf der Insel, ob Großbritannien davor steht, in eine Malaise wie in den siebziger Jahren zurück zu fallen.

Eine verbreitete Erklärung der britischen Krise lautet, dass sie vor allem das Ergebnis einer unzureichenden gesamtwirtschaftlichen Nachfrage ist. Diese Analyse verbindet sich mit Namen von Ökonomen wie Paul Krugman (zum Beispiel hier) oder Nouriel Roubini. Nach dieser Lesart ist die – eigentlich nicht sehr extreme – Austeritätskur der Finanzpolitik völlig verfehlt, die durch sehr niedrige Leitzinsen und umfangreiche Anleihenkäufe der Bank of England gekennzeichnete Geldpolitik nicht expansiv genug und die im Jahr 2008 eingesetzte Abwertung des Pfund nicht ausreichend. So kann es gehen: Großbritannien verzeichnete im Jahre 2012 trotz eigener Währung einen Rückgang seiner Exporte, während die Exporte in den Euro-Krisenländern Spanien und Portugal gestiegen sind.

Eine Variation des Themas Nachfrageschwäche bietet der Ökonom Richard Koo vom Nomura Institute mit dem Verweis auf eine Bilanzrezession: Als Folge eins Immobilienbooms ist die private Verschuldung zu hoch und sind die Banken zu schwach. Da sich die Privaten entschulden müssen, stimulieren auch sehr niedrige Zinsen nicht die Nachfrage nach Krediten. Nach Koos Ansicht muss der Staat über expansive Finanzpolitik für die fehlende gesamtwirtschaftliche Nachfrage sorgen. Auch nach dieser Lesart wäre die aktuelle britische Finanzpolitik falsch ausgerichtet.

Was aber, wenn diese überwiegend auf die gesamtwirtschaftliche Nachfrage ausgerichteten Erklärungen falsch oder zumindest einseitig wären? Dann käme man zu einer ganz anderen Erklärung der britischen Malaise, die tatsächlich Annäherungen an die Situation der siebziger Jahre zeigt, auch wenn die damaligen Exzesse wie zweistellige Inflationsraten vermutlich nicht wieder erreicht werden dürften. **) Kontrovers diskutiert wurde ein solches Szenario kürzlich im „Economist“ (hier und hier) und in anderen britischen Medien; die Argumentation zusammengefasst hat der Chefökonom der britischen Großbank HSBC, Stephen King.

Der Ausgangspunkt dieser Argumentation ist die aus einer langfristigen Perspektive unbefriedigende Entwicklung der Arbeitsproduktivität in Großbritannien, der vor der Finanzkrise eingesetzt hatte und sich auch in kontinentaleuropäischen Ländern beobachten lässt. In den vergangenen drei Jahren ist die Arbeitsproduktivität in Großbritannien gar nicht mehr gestiegen; im dritten Quartal 2012 gegenüber dem Vorjahr sogar um 2,4 Prozent gefallen.
Ein Grund hierfür besteht nach Kings Beobachtungen in der Tatsache, dass viele Unternehmen in der Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung in absehbarer Zeit viele Mitarbeiter behalten, die sie aktuell überhaupt nicht benötigten. Eine solche künstliche Überbeschäftigung ist somit nicht alleine ein Phänomen, das man aktuell in Ländern mit rigiden Arbeitsmärkten beobachtet.

King erinnert an die Situation der siebziger Jahre, als in Großbritannien Staatsbetriebe Personal behalten mussten, das sie überhaupt nicht benötigten; in gewisser Weise wurden sie ein Bestandteil des Sozialstaats. Die heute wieder zu beobachtende künstliche Beschäftigung gefährde die langfristige Wettbewerbsfähigkeit Großbritanniens, meint der Ökonom. Wie in den siebziger Jahren vertraue man darauf, dass expansive Geldpolitik und Währungsabwertung die Wirtschaft aus dem Schlamassel führten und vergesse darüber die Probleme, die man sich auf der Angebotsseite schaffe.

Kings vernichtende Einschätzung lautet: „Die lockere Geldpolitik hat die Kreditkosten niedrig gehalten, aber sie hat damit auch Zombie-Unternehmen am Leben gehalten, die andernfalls gegen die Wand gefahren werden. Die Schwäche des Pfund Sterling mag Vergleichbares bewirkt haben, indem sie ineffizienten Unternehmen erlaubt, ihre ineffizienten Geschäftsmodelle weiter zu betreiben. Indem diese Unternehmen überleben, reduziert sich die Wahrscheinlichkeit, dass effiziente neue Unternehmen an Bedeutung gewinnen.“ Diese Politik erinnere an die Praxis der siebziger Jahre, die damaligen Staatsunternehmen zu stützen. Falls die Produktivität nicht wieder steige, werde es nicht lange dauern, bis die Arbeitslosigkeit deutlich zu steigen beginne.

King erinnert daran, dass in den Boomjahren vor 2007 vor allem im Baugewerbe, in der Finanzbranche und im öffentlichen Dienst Stellen geschaffen worden seien. Auf diese Branchen solle man aber heute nicht viel Hoffnung setzen. Das ist in einem Land wie Spanien eigentlich nicht wesentlich anders. Vielmehr scheint es, wie das „Wall Street Journal“ schreibt, so zu sein, dass neue Stellen in Großbritannien am ehesten in „alten“ Branchen mit niedriger Produktivität entstehen dürften wie dem Handel und der Herstellung einfacher Produkte im verarbeitenden Gewerbe.
Diese Analyse belegt, dass in Wirtschaftskrisen, die auch Strukturkrisen sind, die vorteilhaften Effekte von Geldpolitik oder der Wahl einer Währung oder eines Wechselkurses nicht überschätzt werden dürfen. Wenn Unternehmen und Privatpersonen die wirtschaftlichen Aussichten schlecht einschätzen, sorgt auch eine expansive Geldpolitik nicht für eine lebhafte Kreditnachfrage.

Wer mit einer Abwertung Exporte generieren und gleichzeitig einen Anstieg seiner Anleiherenditen verhindern will, muss möglichst viele eigene Staatsanleihen im Inland unterbringen (weil Ausländer wegen des Abwertungspotentials der Währung eine Risikoprämie auf die Renditen fordern dürften). So ist es nicht erstaunlich, dass, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, keine Zentralbank eines größeren Landes so viele Anleihen kauft wie die Bank of England. Staatsanleihen mit dreißigjähriger Laufzeit werden mit entsprechenden Vorschriften den Pensionskassen aufgezwungen.

Kings Befürchtung lautet: „Mit der gegenwärtigen Politik droht sich das Vereinigte Königreich auf lange Sicht ein niedriges Wirtschaftswachstum einzuhandeln.“ ***)

In den siebziger Jahren gelangte der Labour-Premierminister James Callaghan  zu der Erkenntnis:

“We used to think that you could spend your way out of recession and increase employment by cutting taxes and boosting government spending. I tell you in all candour that that option no longer exists, and in so far as it ever did exist, it only worked on each occasion since the war by injecting a higher dose of inflation into the economy, followed by a higher level of unemployment as the next step.”

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*) Eine interessante Analyse der damaligen Inflation in den Vereinigten Staaten und in Großbritannien stammt von Nelson.

**) Aktuell beträgt die Inflationsrate in Großbritannien knapp 3 Prozent; die Arbeitslosenquote liegt bei 7,8 Prozent. Interessante Zahlen zur Staatsverschuldung liefert dieser Link zu einer Arbeit des “Guardian”.

***) Wobei man die aktuelle Lage auch nicht dramatisieren muss: Nachdem die Ratingagentur Moody’s die britische Bonität um eine Note herabgestuft hat (FAZIT berichtete), droht nun auch die Ratingagentur Fitch einen solchen Schritt an. Das ist sicherlich ein Warnschuss, aber es gibt viele Länder, die mit der zweitbesten Note glücklich wären.

Eine kürzere Version dieses Beitrags ist am 24. März 2013 als “Sonntagsökonom” in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erschienen.

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18 Lesermeinungen

  1. Eine gute Übersicht mit interessanten Links ...
    … aber eigentlich ist es ja eine Binsenweisheit dass eine eigenständige Währung allein noch kein Wirtschaftswunder macht. Das übersehen alle Kritiker des Euros nur zu geflissentlich. Kommt dazu dass die Anpassung der eigenen Volkswirtschaft an die übrige Welt mittels Inflation auch immer eine stille Enteignung darstellt, was für faule Politiker immer bequem war, aber in Zukunft hoffentlich von mündigen Bürgern nicht mehr hingenommen wird.

    PS: Warum werden Kommentare für den Blog des unverbesserlichen Optimisten nicht freigeschaltet?
    Vlt. war sein Beitrag ja auch nur als dummer April-Scherz gedacht und zu früh veröffentlicht :p

  2. Good old England
    natürlich kann man auch mit einer eigenen Währung Fehler machen, aber nie
    so große wie “D” im Euro jetzt. Und in der DM wurden vergleichsweise, zum.
    unter den Bürgerlichen, wenige Fehler gemacht. Große waren zu Sozizeiten an-
    gesagt, als zum Beispiel die gut gefüllte Rentenkasse zugunsten sachfremder
    Wohltaten geplündert wurden.

  3. Interessante Parallelen
    Mir fällt gerade auf, dass es bei einem sogenannten Boom oder Aufschwung immer um das selbe Schema handelt:
    Baubranche = Immobiliensektor boomt, Finanzbranche wächst über Kredite natürlich mit, andrer Branchen folgen und dann kommt die Stagnation, weil Ottonprmalbürger erst mal den Kredit auf das Haus abstottern muss. Natürlich wird die Währung während der Krise immer stabiler. Ein Zufall? Eine Folge des Sozialismus? Spätrömische Dekadenz? Oder vielleicht nur ein Konstruktionsfehler des Finanzsystems?

  4. Vergessen! - oder nie gewußt?
    Nun gut, der Autor war in den 70er Jahren noch jung, sonst hätte er in seinem Artikel nicht ver­gessen über den damaligen Zustand der englischen Wirtschaft infolge der Macht der Gewerkschaften und der Ohnmacht der Politiker zu schreiben.

    Das beseitigen dieser Macht und Ohnmacht war und ist das Kernfundament von Frau Thatchers Politik bis heute: Zielstrebigkeit, Standfestigkeit und Unnachgiebigkeit gegenüber Defätisten. Ein gute Beispiel, da mit Europa nicht zusammenhängend, war und ist der Falklandkrieg. Aber interessant, daß man nach über 30 Jahren immer noch von den Fähigkeiten und Leistungen dieser Frau spricht. Sie muß etwas Großartiges geleistet haben! Denn danach kamen – ja wer???? – ach so ja, sogar ein Tony Blair und trotzdem: immer wieder Thatcher!

    Auch hat der Autor vergessen, daß man damals von der “Englischen Krankheit” sprach. Diese kurierte eine “Ärztin Thatcher” nämlich gründlich und nachhaltig. Heute spricht man im Ausland über Deutschland nicht nur vom “alten Europa” sondern auch von “the German disease”.

    Zwar hat man unseren weiblichen Staatsratsvorsitzendenkanzler oft mit Frau Thatcher verglichen, aber es stellte sich schnell heraus, daß es die Lachnummer des Jahrzehnts ist. Es ist unsere heutige Problematik: wir schlittern sehenden Auges wieder in einen Sozialismus, dieses Mal in den schwarzen Sozialismus. Es wäre nicht so fatal, gäbe es auch in D einen/eine Politiker/Politikerin wie Frau Thatcher. Der erneute Abstieg in den Hades bliebe uns so erspart, wie den Engländern, Dank Thatcher.

  5. Fehlsteuerung - Die geistige Elite geht ins Finanzwesen oder in die Juristerei und 'ist dann weg'
    Ein Grossteil der begabten und gut ausgebildeten Leute in UK wird durch die Fehlsteuerung des Marktes in das Finanzwesen oder in die Juristerei gelockt. Deshalb ist dem Vereinigten Köngigreich schon ein Grossteil mindestens einer Generation verlorengegangen. Wenn diese Menschen 15 oder 20 Jahre als Steuervermeidungs-Banker oder Anwalt zum Beispiel im viel zu teuren Familienrecht tätig waren sind diese für das noch einigermassen sinnvolle Bankwesen (z.B. für Mittelstandsfinanzierungen oder Unternehmensgründungen) bzw. Wirtschafts- oder Patentrecht (der Beruf eines Patentanwaltes ist sehr sinnvoll) schlichtweg verloren.

    Nicht nur die Gesellschaft in Grossbrittannien sondern u.a. auch in den USA wird in nicht allzu ferner Zukunft erkennen dass diese Beruftsgruppen nur selten Werte schaffen.

    Die Personen welche dort im Ingenieurwesen oder als Wissenschaftler tätig werden, kommen zum Grossteil aus anderen Ländern sofern überhaupt Bedarf an solchen Qualifikationen dort vorhanden ist.

    In der Süddeutschen Zeitung war erst ein Bericht über die Hoffnungslosigkeit der weissen, männlichen Jugendlichen erschienen. Oft Scheidungskinder ohne Kontakt zum Vater (die Mütter können sich alles herausnehmen, das Sorgerecht wird nahezu nicht entzogen es kommt auch keine Mutter ins Gefängnis etc) und meist dem Fussball und dem Alkohol verfallen.

    James Dyson hatte in einem Interview mal erwähnt dass er seine Produkte heute nicht mehr in England produzieren könnte. Die potentiellen Zulieferer sind nicht mehr im Land. Ob dieser hätte mehr dagegen hätte tun können steht auf einem anderen Blatt.

    Gab es da nicht den vielsagenden Zweiteiler: ‘The Party is over’. Zuvor werden die Banker-Heuschrecken aber noch viel Schaden anrichten. Und wenn es nur darum geht Geldes der EU Rettung, welche illegal aus den Enpfängerländern transferiert werden, dort zu verstecken.

    Es gibt noch ein paar Hoffnungsschimmer (teilweise auch in der Rüstung) wie z.B.:
    – Dyson,
    – RollsRoyce (Flugturbinen)
    – das Ingenieurwesen und der Motorenbau in der Formel I
    – RepRap
    – Hackspaces.

    Letztlich ist das sehr traurig. UK ist ein offenes, liberales Land mit vielen Fehlentwicklungen wie z.B. das überteuerte Rechtswesen.

  6. So ist es
    Der Artikel macht sehr schön deutlich, dass im Rezesseionsfall eine künstliche Nachfragesteigerung – wenn sie überhaupt machbar ist – gar nichts bringt, solange offenbar das Angebot nicht stimmt, weil zu teuer oder falsch strukturiert. Mit Nachfragesteigerung will man sich um die notwendigen Strukturänderungen auf der Angebotsseite herummogeln, was auf Dauer natürlich nicht funktioniert. Es entsteht ein Reformstau, dessen schlussendliche Auflösung dann viel größere soziale Verwerfungen zeitigt, als wenn man diese Strukturänderungen in kleinen Schritten, aber zügig und rechtzeitig vorgenommen hätte.

  7. England bezahlt (zu recht) auch für wirtschaftspolitische Fehler.
    Hier sind auch die fortgesetzte Deindustrialisierung und die einseitige Fixierung auf die City Of London zu nennen. Je weniger Diversifizierung in den Sektoren der Wirtschaft besteht, umso härter die zyklischen Rückschläge für des Land, wenn es im einzig verbliebenen Sektor kriselt.
    Die Defizite bei der Produktivität wurden zu recht angesprochen.

    In jedem Fall zahlt England nur(!) für eigene Fehler, Deutschland zahlt und bürgt für die Fehler aller übrigen Länder, ohne Einfluss auf deren Politik zu haben.
    Auch ist England, sofern es Schulden weginflationieren will, nur gezwungen, bis zu dem Grad die Vermögen der eigenen Bürger zu entwerten, bis die eigenen Schulden “abgetragen” sind.
    Deutschland musss der Entwertung seiner Vermögen zusehen, bis alle alten, heutigen und zukünftigen Schulden aller übrigen Euroländer weginfationiert sind, also weit über das Maß hinaus, das es selbst zu vertreten hat.
    Die verherenden Anreizwirkungen auf die Leistungsbereitschaft der Deutschen sind noch gar nicht abzusehen.

    Eine eigene Währung bewahrt ein Land trivialerweise nicht vor den Konsequenzen eigener Fehler. Eine Gemeinschaftswährung hingegen internalisiert alle Fehler der übrigen Teilnehmer, auch wenn man selbst Musterknabe war. Ich persönlich büße lieber nur für eigene Fehler.

    Wenn man die großen und lautstarken Einflüsterer aus der amerikanischen Riege der Ökonomen betrachtet, so hat uns jahrzehntelang die Monetaristenschule um Milton Friedman eingebläut, dass der Staat sich vollkommen herauszuhalten hat, jede Intervention seinerseits vom Optimum wegführt.
    Heute rufen Krugnman und Konsorten nach zeitlich und quantitativ unbegrenztem deficit spending, nach ungehemmter Verschuldung und Aufkauf aller Anleihen durch die Zentralbank.
    Wenn der Staat sich heraushält, ist es plötzlich böse Austerity.

    Bei amerikanischen Ökonomen und Journalisten kann man nach der Erfahrung davon ausgehen, dass sie zielgerichtet beinhart für die Sache der USA argumentieren.
    Unter Fridman´s Anfeuerungsrufen haben die Länder Europas ihr Volkseigentum und ihr Tafelsilber privatisiert=verkauft, sich also großer Aktiva entblößt, nun sollen sie – mit leeren Taschen und ohne Sicherheiten – nach Krugman das ganz große Verschuldungs- und Subventionsrad drehen. Das ist nicht seriös realisierbar.

    Die Chancen, mit überschaubaren Verlusten durch die Krisenjahre zu kommen und sogar einen Kollaps des Finanzsystems zu überstehen und damit auch die Chancen auf einen zeitnahen Aufschwung danach stehen für ein Land mit eigener Währung besser.
    Sie gibt in der Wirtschafts- und Fiskalpolitik gestalterische Autonomiebereiche, die Deutschland unter der Eurofessel ncht mehr hat.
    Der Verlust von Autonomiebereichen in der Politik, in der Gesetzgebung und Rechtsprechung, in der Wirtschaft und auch im privaten Leben ist m.E. mit der sog. Europäischen Integration immer weiter fortgeschritten und hindert viele Länder Europas an der Erreichung volkswirtschaftlichen Wohlstands und persönlichen Glücks. Das Gefühl, nicht zurück bzw. nicht raus zu können verschlimmert die Situation.

    Ich beneide England daher und werde bei jedem Aufenthalt dort darin bestärkt.

  8. Dann ist die Geldpolitik wohl an ihr Ende angelangt
    Nachdem alle Schlachten gegen die Unproduktivität geschlagen sind und die Selbstausbeutung an ihre Grenzen gestossen ist, sieht es nun ganz so aus, als ob wir es mit einem “Briten-Burn-Out” zu tun haben. Der Traum vom schnellen Geld ist ausgeträumt, die Lust am Konsum sinkt zusehends und kann auch durch Produktinnovationen kaum noch gesteigert werden.

    Der ganze Briten-Rabbatz und die Drohung mit einem Referendum soll also nur vom Scheitern einer Geldpolitik ablenken, die letztendlich auf eine Wahnsinnsarbeitslosigkeit hinausläuft.

  9. Fakt ist, die Insel ist abgehängt
    Das eigentliche Problem Großbritanniens ist seine schwache Industriebasis. Sie liegt gerade noch bei 12% des BIP und in Deutschland liegen wir bei 27%. Die noch vorhandene Industriebasis ist durchwegs marode und nicht mehr wettbewerbsfähig. Ich habe jahrelang Großbritanniens Firmen besucht und immer wieder feststellen müssen, wie groß der Gap zu Deutschland geworden ist. Bei manchen Unternehmen ist es wie eine Zeitreise in die 60er Jahre. Noch gut in Erinnerung habe ich wie deutsche Ökonomen vor 20 Jahren unser Land für seine hohe Industriebasis heftig kritisierten. Die Zukunft liegt in der Dienstleistung hieß es und das GB der nach-Thatcher-Ära wurde als Vorbild genannt. Gut dass wir auf diese Ökonomen nicht hörten. Die Insellage verschärft noch das Problem, denn man ist mit sich zufrieden und bekommt nicht mit welche Fortschritte die Länder des Kontinents in den letzten Jahren wirtschaftlich gemacht haben. Britanniens Wirtschaft ist in einem Dämmerzustand aus der sie nicht herausfindet. Man kann sich nur noch gegenseitig Pizzas oder Chineese takeaways liefern, denn die Dienstleistung klappt noch.

  10. GB hat zwei riesige Probleme, die nichts mit der Währung zu tun haben
    1: Zuviel der industriellen Basis wurde zu leichtfertig aufgegeben

    2: Durch ungesteuerte Armutsimmigration ist das Land völlig aus dem sozialem Gleichgewicht gekommen. Die Sozialkosten sind völlig aus dem Ruder gelaufen. Die leistungsfähige Mittelschicht flieht aus dem Land nach CAN, AUS, NZ. Die Einwanderer verputzen, was sie Einheimischen aufgebaut haben. Die Generation der Älteren verarmt.

    Labour trägt hierfür die Hauptverantwortung. Die Blair Regierung setzte voll auf den Bankensektor und öffnete die Tore für Lohndumping und die Prekarisierung der Gesellschaft. Auch damals hier es :”Alle würde profitieren”.

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