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Wie geht’s der Geldschwemme? Was machen die Blasen?

09.07.2013, 12:25 Uhr  ·  Die Zentralbanken haben so viel Geld gedruckt, dass wir im Jahr 2011 Blasen befürchtet haben. Wie geht es der Geldschwemme jetzt? Ein Update.

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Die große Geldschwemme. Oder: Wo wächst die nächste Blase?” Das war die Überschrift über einem Beitrag hier im Blog im November 2011, der das Wachstum der Geldmenge in den vergangenen Jahren aufgespießt hat und ein E-Book inspiriert hat. Es ist so viel Geld unterwegs, das könnte sich in neuen Blasen niederschlagen: So war die Befürchtung, und ich habe drei Kandidaten gesehen. Gucken wir doch mal, was daraus geworden ist. Hier kommt ein kleiner, nicht ganz neutraler Überblick.

1. Rohstoffe, v.a. Gold

Der Goldpreis ist allein in diesem Jahr von rund 1700 Dollar auf rund 1200 Dollar gesunken. Hier ist ganz offensichtlich eine Blase geplatzt – erster Punkt: erwischt.

© FAZ.NETGoldpreis über fünf Jahre

Aber Gold ist aber das kleinere Problem – auch das stand schon damals im Beitrag. Ein Preisabsturz im Gold schadet niemandem außer denen, die das Gold barrenweise in den Keller getragen haben. Oder die “Gold Bugs”, die ihre Geldbestände durch Gold ersetzt haben. Wie steht es um die anderen Blasenkandidaten?

2. Immobilien

Die Preise für Wohnungen und Häuser steigen enorm. Los ging es in den deutschen Metropolen, inzwischen ist der Preisdruck auch im Umland angekommen.

© bern.Immobilienpreise

Die Diskussion über Immobilienblasen ist trotzdem abgeebbt. Ist das jetzt eine Blase oder nicht? Bisher ist nichts entschieden. Das Verstummen der Blasenwarner jedenfalls ist kein Entwarnungssignal. Auch in der amerikanischen Immobilienblase gab es anfangs Warnrufe, doch sie verstummten mit der Zeit. Weil nichts passierte. Weil vielen Rufern das Thema langweilig wurde. Und weil sie mit der Zeit unsicher wurden – schließlich platzte da ja keine Blase.

3. Staatsanleihen

Richtig unangenehm kann es werden, wenn eine Blase in Staatsanleihen platzt. Wenn dann der Staat mehr Zinsen zahlen muss – und der Haushalt entsprechend eingeschränkt wird. Im schlimmsten Fall läuft es dann so wie in der europäischen Peripherie.

Und wie läuft es tatsächlich? Seit die amerikanische Notenbank angedeutet hat, dass sie nicht ewig Staatsanleihen kaufen wird, steigen die Renditen der Staatsanleihen. Und mit ihnen die Zinskosten Amerikas – zumindest in dem Moment, in dem der Staat neue Anleihen begeben muss. Obwohl die Bundesregierung sich mittels langlaufender Anleihen schon niedrige Zinsen gesichert hat, kann das dramatische Folgen haben: In den nächsten zehn Jahren wird der Anteil der Zinsen im Bundeshaushalt sich verdoppeln, schätzt das Budgetbüro: von 6,5 auf 14 Prozent. Das kann den Staatshaushalt ordentlich in Unordnung bringen.

© bern.Rendite 10-jähriger amerikanischer Staatsanleihen

In Deutschland sind die Renditen in den vergangenen Monaten von 1,2 auf 1,7 Prozent gestiegen. Wenn der Trend weitergeht, drohen auch hier Einsparungen, die schmerzhaft werden.

Und was macht die Geldschwemme selbst?

Die Geldschwemme ist noch nicht abgeflossen – das Ausmaß ist nicht kleiner als vor der Eurokrise. Zwar ist die Geldmenge an Euro (M3) in den Krisenjahren nicht viel schneller gewachsen als die Wirtschaftsleistung der Eurozone. Aber Sorgen macht mir eher der alte Überhang: Über die Jahre seit der Euro-Einführung ist die Geldmenge mehr als doppelt so schnell gewachsen wie die Wirtschaftsleistung.

© bernDie Geldmenge im Euroraum (M3) wächst schneller als die Wirtschaftsleistung (BIP).

Die EZB selbst führt das darauf zurück, dass mehr Geld auf den Konten bleibt, und zwar aus drei Gründen: weil die Zinsen in anderen Anlagen gering sind, weil die Inflation niedrig ist und weil es in der Krise wichtiger wurde, Geld flüssig zu haben. Sie verweist auf ein altes Paper aus dem Jahr 2002, in dem abgeschätzt wird, dass das Geld jedes Jahr 0,5 bis 1 Prozent langsamer umgeschlagen wird – entsprechend könnte mehr Geld aufgenommen werden. 0,5 bis 1 Prozent im Jahr sind das allerdings nicht.

Ein Fazit

Drei Blasenkandidaten habe ich im Jahr 2011 gesehen:

  • Rohstoffe, v.a. Gold – Blase geplatzt
  • Immobilien – noch nicht sicher, scheint sich aufzublähen
  • Staatsanleihen – noch nicht sicher, könnte demnächst platzen

Das sieht nicht gut aus. Die Geldschwemme ist trotz Eurokrise nicht behoben. Falls demnächst wirklich eine Blase in den Staatsanleihen platzt und die Staaten mehr Zinsen zahlen müssen, dann könnte das auch für Deutschland übel werden. Es drohen immer noch Sparprogramme, die weder den Politikern noch den Wählern Spaß machen. Aber nicht mehr vor der Bundestagswahl.

 

Veröffentlicht unter: Geldpolitik, Staatsanleihen, Blase, Immobilien, Gold

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (18)
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1 Linus Huber 13.07.2013, 05:33 Uhr

Wo ist die Analyse des grundsaetzlichen Problems?

Wie so oft handelt es sich um eine eher oberflaechliche Betrachtungsweise, welcher dieser Analyse zugrunde liegt.

Zum Beispiel waere es sehr interessant die Frage zu studieren, warum sich die Umschlagsgeschwindigkeit des Geldes reduziert. Koennte es sein, dass die aufgrund vergangener inflationaere Geldpolitik produzierte Boom zunehmend zu Fehlinvestitionen fuehrte, welche einer entsprechenden Abschreibung zugefuehrt werden sollten (Schumpeters "Creative Destruction") und sich dadurch immer weniger profitversprechende Projekte zur Verfuegung stehen? Koennte es sein, dass die dauernde Entwertung der Waehrungen eine nicht nachhaltige Entwicklung in Gang setzte, welche nach einer Resolution schreit? Mag die dauernde Manipulation von Waehrungen schlussendlich in einem Disaster enden? Eine vertiefte Analyse einzelner Aspekte und die Zusammenhaenge der verschiedenen Aspekte ist wohl nicht von den heutigen Oekonomen zu erwarten.

1 Linus Huber 13.07.2013, 05:16 Uhr

Eine falsche Betrachtungsweise im Falle von Gold

Der serioese Halter eines Geldbestandes sieht darin kein Spekulationsinstrument sondern eine Versicherung gegen die Willkuer der Entscheidungstraeger. Wenn sich die Versicherungspraemie senkt, freut er sich darueber.

[...] Jahres ließen Goldanleger zittern....

[...] Jahres ließen Goldanleger zittern. Waren die hohen Goldpreise eine Spekulationsblase, wie auch FAZ-Mann Patrick Bernau glaubt? Und wenn ja, geht der Kursrutsch [...]

0 Konstanz Zwitscher 11.07.2013, 12:12 Uhr

Die Menschen verkaufen Gold weil sie wieder Vertrauen in die Währungen bekommen haben???

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/flucht-aus-der-angstwaehrung-goldpreis-bricht-ein-wie-seit-nicht-mehr-1.1706071

2 Konstanz Zwitscher 11.07.2013, 08:53 Uhr

Wie entsteht aus Zentralbankgeld eine Blase?

Zentralbankgeld ist Geld, welches nicht direkt von einer Zentralbank in Umlauf gebracht wird, sondern von den Zentralbanken zu den Geschäftsbanken gebucht wird. Wie kommt dann dieses Zentralbankgeld, als nachfragewirksame Geldmenge, zu einem Käufer einer Immobilie oder von Gold?
In welchem Zusammenhang steht Zentralbankgeld mit dem Steigen der Rendite bei Staatsanleihen? Steigt die Rendite bei Staatsanleihen nicht deshalb, weil zu wenig Geld für Staatsanleihen zu Verfügung steht - sonst (steigendes Geldangebot, Geldmenge) würde der Schluss doch lauten, je mehr Geld für Staatsanleihen angeboten wird, desto höher ist die Rendite?

Antworten (8) auf diese Lesermeinung

[...] kleinen – und nicht ganz...

[...] kleinen – und nicht ganz neutralen – Blick auf mögliche Kanditaten einer Blasenbildung aufgrund der nun zigfach schon beschriebenen Geldschwämme der großen Notenbanken dieser Welt [...]

[...] Wie geht’s der Geldschwemme?...

[...] Wie geht’s der Geldschwemme? (blogs.faz.net, Patrick Bernau) Die Zentralbanken pumpen immer noch kräftig Geld in den Markt. [...]

2 Reinhold Wüst 09.07.2013, 19:25 Uhr

Argumente pro Umverteilung

denn hier sehen wir auch die Folgen der "Rettungspolitik" via Staatshaushalt und EZB-Staatsfinanzierung. Höhere Besteuerung der durch die "Retterei" Begünstigten würde der Blasenbildung entgegenwirken. Oder wie wäre mit Sozialen Wohnungsbau, auch auf Pump. Das wäre billigere als die Folgen einer geplatzten Blase.

1 Patrick Bernau 09.07.2013, 13:27 Uhr

Kenneth Rogoff interpretiert den Goldpreis anders

"So it is nonsense to say that the rise in the price of gold was all a bubble."

http://www.project-syndicate.org/commentary/interpreting-the-meaning-of-the-collapse-in-gold-prices-by-kenneth-rogoff#7WYVvBp5ByHhjBMs.99

Antworten (1) auf diese Lesermeinung

Jahrgang 1981, verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.