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Fazit – das Wirtschaftsblog

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Das Faszinierendste aus Wirtschaft und Finanzen. Prägnant beschrieben und kenntnisreich analysiert von Autoren der F.A.Z. und der Sonntagszeitung.

Wie geht’s der Geldschwemme? Was machen die Blasen?

| 18 Lesermeinungen

Die Zentralbanken haben so viel Geld gedruckt, dass wir im Jahr 2011 Blasen befürchtet haben. Wie geht es der Geldschwemme jetzt? Ein Update.

Die große Geldschwemme. Oder: Wo wächst die nächste Blase?” Das war die Überschrift über einem Beitrag hier im Blog im November 2011, der das Wachstum der Geldmenge in den vergangenen Jahren aufgespießt hat und ein E-Book inspiriert hat. Es ist so viel Geld unterwegs, das könnte sich in neuen Blasen niederschlagen: So war die Befürchtung, und ich habe drei Kandidaten gesehen. Gucken wir doch mal, was daraus geworden ist. Hier kommt ein kleiner, nicht ganz neutraler Überblick.

1. Rohstoffe, v.a. Gold

Der Goldpreis ist allein in diesem Jahr von rund 1700 Dollar auf rund 1200 Dollar gesunken. Hier ist ganz offensichtlich eine Blase geplatzt – erster Punkt: erwischt.

© FAZ.NETGoldpreis über fünf Jahre

Aber Gold ist aber das kleinere Problem – auch das stand schon damals im Beitrag. Ein Preisabsturz im Gold schadet niemandem außer denen, die das Gold barrenweise in den Keller getragen haben. Oder die “Gold Bugs”, die ihre Geldbestände durch Gold ersetzt haben. Wie steht es um die anderen Blasenkandidaten?

2. Immobilien

Die Preise für Wohnungen und Häuser steigen enorm. Los ging es in den deutschen Metropolen, inzwischen ist der Preisdruck auch im Umland angekommen.

© bern.Immobilienpreise

Die Diskussion über Immobilienblasen ist trotzdem abgeebbt. Ist das jetzt eine Blase oder nicht? Bisher ist nichts entschieden. Das Verstummen der Blasenwarner jedenfalls ist kein Entwarnungssignal. Auch in der amerikanischen Immobilienblase gab es anfangs Warnrufe, doch sie verstummten mit der Zeit. Weil nichts passierte. Weil vielen Rufern das Thema langweilig wurde. Und weil sie mit der Zeit unsicher wurden – schließlich platzte da ja keine Blase.

3. Staatsanleihen

Richtig unangenehm kann es werden, wenn eine Blase in Staatsanleihen platzt. Wenn dann der Staat mehr Zinsen zahlen muss – und der Haushalt entsprechend eingeschränkt wird. Im schlimmsten Fall läuft es dann so wie in der europäischen Peripherie.

Und wie läuft es tatsächlich? Seit die amerikanische Notenbank angedeutet hat, dass sie nicht ewig Staatsanleihen kaufen wird, steigen die Renditen der Staatsanleihen. Und mit ihnen die Zinskosten Amerikas – zumindest in dem Moment, in dem der Staat neue Anleihen begeben muss. Obwohl die Bundesregierung sich mittels langlaufender Anleihen schon niedrige Zinsen gesichert hat, kann das dramatische Folgen haben: In den nächsten zehn Jahren wird der Anteil der Zinsen im Bundeshaushalt sich verdoppeln, schätzt das Budgetbüro: von 6,5 auf 14 Prozent. Das kann den Staatshaushalt ordentlich in Unordnung bringen.

© bern.Rendite 10-jähriger amerikanischer Staatsanleihen

In Deutschland sind die Renditen in den vergangenen Monaten von 1,2 auf 1,7 Prozent gestiegen. Wenn der Trend weitergeht, drohen auch hier Einsparungen, die schmerzhaft werden.

Und was macht die Geldschwemme selbst?

Die Geldschwemme ist noch nicht abgeflossen – das Ausmaß ist nicht kleiner als vor der Eurokrise. Zwar ist die Geldmenge an Euro (M3) in den Krisenjahren nicht viel schneller gewachsen als die Wirtschaftsleistung der Eurozone. Aber Sorgen macht mir eher der alte Überhang: Über die Jahre seit der Euro-Einführung ist die Geldmenge mehr als doppelt so schnell gewachsen wie die Wirtschaftsleistung.

© bernDie Geldmenge im Euroraum (M3) wächst schneller als die Wirtschaftsleistung (BIP).

Die EZB selbst führt das darauf zurück, dass mehr Geld auf den Konten bleibt, und zwar aus drei Gründen: weil die Zinsen in anderen Anlagen gering sind, weil die Inflation niedrig ist und weil es in der Krise wichtiger wurde, Geld flüssig zu haben. Sie verweist auf ein altes Paper aus dem Jahr 2002, in dem abgeschätzt wird, dass das Geld jedes Jahr 0,5 bis 1 Prozent langsamer umgeschlagen wird – entsprechend könnte mehr Geld aufgenommen werden. 0,5 bis 1 Prozent im Jahr sind das allerdings nicht.

Ein Fazit

Drei Blasenkandidaten habe ich im Jahr 2011 gesehen:

  • Rohstoffe, v.a. Gold – Blase geplatzt
  • Immobilien – noch nicht sicher, scheint sich aufzublähen
  • Staatsanleihen – noch nicht sicher, könnte demnächst platzen

Das sieht nicht gut aus. Die Geldschwemme ist trotz Eurokrise nicht behoben. Falls demnächst wirklich eine Blase in den Staatsanleihen platzt und die Staaten mehr Zinsen zahlen müssen, dann könnte das auch für Deutschland übel werden. Es drohen immer noch Sparprogramme, die weder den Politikern noch den Wählern Spaß machen. Aber nicht mehr vor der Bundestagswahl.

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18 Lesermeinungen

  1. Wo ist die Analyse des grundsaetzlichen Problems?
    Wie so oft handelt es sich um eine eher oberflaechliche Betrachtungsweise, welcher dieser Analyse zugrunde liegt.

    Zum Beispiel waere es sehr interessant die Frage zu studieren, warum sich die Umschlagsgeschwindigkeit des Geldes reduziert. Koennte es sein, dass die aufgrund vergangener inflationaere Geldpolitik produzierte Boom zunehmend zu Fehlinvestitionen fuehrte, welche einer entsprechenden Abschreibung zugefuehrt werden sollten (Schumpeters “Creative Destruction”) und sich dadurch immer weniger profitversprechende Projekte zur Verfuegung stehen? Koennte es sein, dass die dauernde Entwertung der Waehrungen eine nicht nachhaltige Entwicklung in Gang setzte, welche nach einer Resolution schreit? Mag die dauernde Manipulation von Waehrungen schlussendlich in einem Disaster enden? Eine vertiefte Analyse einzelner Aspekte und die Zusammenhaenge der verschiedenen Aspekte ist wohl nicht von den heutigen Oekonomen zu erwarten.

  2. Eine falsche Betrachtungsweise im Falle von Gold
    Der serioese Halter eines Geldbestandes sieht darin kein Spekulationsinstrument sondern eine Versicherung gegen die Willkuer der Entscheidungstraeger. Wenn sich die Versicherungspraemie senkt, freut er sich darueber.

  3. Pingback: Preissturz beim Gold: War es eine Blase? | Wirtschaftswurm

  4. Die Menschen verkaufen Gold weil sie wieder Vertrauen in die Währungen bekommen haben???
    http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/flucht-aus-der-angstwaehrung-goldpreis-bricht-ein-wie-seit-nicht-mehr-1.1706071

  5. Wie entsteht aus Zentralbankgeld eine Blase?
    Zentralbankgeld ist Geld, welches nicht direkt von einer Zentralbank in Umlauf gebracht wird, sondern von den Zentralbanken zu den Geschäftsbanken gebucht wird. Wie kommt dann dieses Zentralbankgeld, als nachfragewirksame Geldmenge, zu einem Käufer einer Immobilie oder von Gold?
    In welchem Zusammenhang steht Zentralbankgeld mit dem Steigen der Rendite bei Staatsanleihen? Steigt die Rendite bei Staatsanleihen nicht deshalb, weil zu wenig Geld für Staatsanleihen zu Verfügung steht – sonst (steigendes Geldangebot, Geldmenge) würde der Schluss doch lauten, je mehr Geld für Staatsanleihen angeboten wird, desto höher ist die Rendite?

    • Hier geht es nicht um Zentralbankgeld
      Lieber Konstanz-Zwitscher,

      die Geldmenge, die ich hier betrachte, ist nicht das Zentralbankgeld, sondern “M3″ – also schon die nachfragewirksame Geldmenge, die (grob gesagt) von den Banken durch Kredite geschaffen worden ist.

      Beste Grüße

      Patrick Bernau

    • @Patrick Bernau Ich dachte nur, weil in der Überschrift steht:
      “Die Zentralbanken haben so viel Geld gedruckt, dass wir im Jahr 2011 Blasen befürchtet haben.”

      Kredite werden erst nach Nachfrage der Kreditnehmer gewährt. Die Banken bestimmen nicht direkt, über ein Angebot, das Kreditvolumen, es müssen sich immer Kreditnehmer finden, die das Angebot annehmen und ihre Gründe (Renditeerwartung) dafür haben. Die Zentralbanken sind Zentralbankgeldbeschaffer, um den Banken zu ermöglichen, die Nachfrage nach Krediten, seitens der Kreditnehmer, nach zu kommen.

      Ebenfalls: lieber Patrick Bernau
      und natürlich auch einen schönen Gruss

    • Die Zentralbanken haben schon die Aufgabe, diesen ganzen Prozess nötigenfalls auch einzugrenzen. Das tun sie nicht, stattdessen setzen sie auf immer mehr Geld.

    • @faz-bern Ja, die bösen Zentralbanken, deshalb standen sie wahrscheinlich in der Überschrift.
      Natürlich sind die Zentralbanken Teil des Prozesses. Was deren Einflussmöglichkeiten (Geldmenge) betrifft, liest man eher von geringen Fähigkeiten auf die Geldmenge Einfluss zu nehmen – das Instrumentarium (Zinshöhe für gewährte Kredite an die Geschäftsbanken, Mindestreserven…) ist zu schwach. Seis drum…

      Viel interessanter, aus meiner Sicht, ist, dass jede Geldmengenveränderung Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum hat, in beide Richtungen. Wobei Geldmenge und die Menge (gemessen in Währungseinheiten) an Waren, Dienstleistungen einschließlich der Finanzindustrie ident ist, ident sein muss.

    • "Steigt die Rendite bei Staatsanleihen nicht deshalb, weil zu wenig Geld für Staatsanleihen ..."
      Oder nicht deshalb, weil es zu viele Staatsanleihen gibt, viel zu viele im Verhältnis zur Gesamtproduktion, so dass sie mit dem Steuereinkommen nie eingelöst werden können?

    • Es ist ja umgekehrt
      Die Zentralbanken könnten mit ihren Instrumenten die Geldmenge locker begrenzen. Aber sie wollen ja nicht, sie fahren ja eher eine Politik der Ausweitung – und das klappt tatsächlich nicht mehr schneller, als die Leute es wollen. Nur ist das aus meine Sicht wirklich die falsche Richtung.

    • @Sophia Orti Wenn Sie meinen, derzeit stände die Rendite von Staatsanleihen kaum mit absoluten Geld
      -mengen im Zusammenhang, dann habe ich die gleiche Meinung.

      Wenn jemand ein Haus auf Kredit kauft, dann verschuldet er sich, normalerweise, mit einem mehrfachen seines Jahreseinkommens. “Der durchschnittliche Brutto-Jahresarbeitslohn je Arbeitnehmer in Deutschland betrug im Jahr 2012 nach Angaben des Bundesministeriums der Finanzen rund 28.950 Euro.” Das “Jahreseinkommen” einer Volkswirtschaft ist das BIP. Die Verschuldungsquote z.B. Deuschlands lag 2012 bei 83%. Wo sehen Sie ein Problem. Der Hauskäufer kann mit einem Teil seines Jahreseinkommens die Schulden bedienen. Warum soll ein Staat, mit seinen Steuereinnahmen, es nicht genauso können?

    • @Patrick Bernau "Die Zentralbanken können...:" Deshalb lässt sich Inflation besser einfangen als
      Deflation. Dies ist auch der Grund für die Vorgabe einer “Sockelinflation” von 2%.

      In beiden Fällen, Begrenzung oder Ausweitung, besteht ein Kreditbedarf in einer bestimmten Grösse. Mehr Geld, mittels Kredit, in die “Wirtschaft” zu “pumpen” als von dieser nachgefragt wird, ist schlecht möglich. Umgekehrt, weniger Geld zur Verfügung zu stellen, als von den Kreditnehmern nachgefragt wird, lässt das mögliche Wachstumspotential unausgeschöpft. Der “Flaschenhals”, die bestimmende Grösse, ist der Kreditbedarf.

      Wenn die “Ausweitung” nicht in dem Mass möglich ist, wo sehen Sie dann das Problem und warum soll man, welche, Geldmenge begrenzen?

      Wachstum ist nur durch Nettoneuverschuldung möglich. Weiters kann man sich eine “stationäre” Wirtschaft vorstellen – die Höhe der Neuverschuldung entspricht den zurückgezahlten Krediten. Oder die Wirtschaft schrumpft-> Kreditvolumen (Geld) verringert sich.

  6. Pingback: Aus anderen Blogs – KW 28/2013 | Kapitalmarktexperten.de

  7. Pingback: 5 vor 10: Griechenland, Eurokrise, Geldschwemme, Bitcoin, Medien | INSM Blog

  8. Argumente pro Umverteilung
    denn hier sehen wir auch die Folgen der “Rettungspolitik” via Staatshaushalt und EZB-Staatsfinanzierung. Höhere Besteuerung der durch die “Retterei” Begünstigten würde der Blasenbildung entgegenwirken. Oder wie wäre mit Sozialen Wohnungsbau, auch auf Pump. Das wäre billigere als die Folgen einer geplatzten Blase.

  9. Kenneth Rogoff interpretiert den Goldpreis anders
    “So it is nonsense to say that the rise in the price of gold was all a bubble.”

    http://www.project-syndicate.org/commentary/interpreting-the-meaning-of-the-collapse-in-gold-prices-by-kenneth-rogoff#7WYVvBp5ByHhjBMs.99

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