Fazit – das Wirtschaftsblog

Fazit - das Wirtschaftsblog

Für alle, die’s genau wissen wollen: In diesem Blog blicken wir tiefer in Börsen und andere Märkte - meist mit wissenschaftlicher Hilfe

Alle sind gegen Wachstum

| 13 Lesermeinungen

Die Wachstumskritiker haben Konjunktur. Doch ihnen fehlt eine schlüssige makroökonomische Alternative.

Wachstum ist anstrengend. Damit die Wirtschaft weiter zulegt, müssen wir ständig neue Ideen liefern. Mit verbesserten Technologien müssen wir in kürzerer Zeit immer mehr produzieren. Bloß nicht ausruhen, denn in einer schrumpfenden Bevölkerung hat jeder noch mehr zu leisten – sonst stagniert das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Wäre das denn so schlimm, fragen sich viele. Warum nicht einfach mal einen Gang zurückschalten?

Neoklassische Ökonomen halten solche Fragen für naiv. Damit eine Volkswirtschaft stabil bleibt, sagen sie, muss sie wachsen. Stillstand bedeute Rückschritt. Im Geldsystem wird der eingebaute Wachstumsmechanismus sichtbar: Wer Geld verleiht, verlangt dafür einen Zins. Aus 1000 verliehenen Euro werden so je nach Höhe des Zinses 1005 oder 1010 Euro. Der Differenzbetrag muss erwirtschaftet werden. Und das funktioniert – auf die gesamte Volkswirtschaft gesehen – nur bei positiven Wachstumsraten.

Und auch die Arbeitnehmer hätten bei Nullwachstum wenig zu lachen, sagen die tonangebenden Ökonomen. Steigt die Produktivität in Unternehmen von Jahr zu Jahr weiter, jedoch nicht die Menge der verkauften Produkte, dann schaffen die Arbeit auch weniger Menschen. Jedes Jahr aufs Neue müssten dann Arbeitskräfte vor die Tür gesetzt werden.

Es gibt Kritik an diesem angeblichen Wachstumszwang. Sie ist so vielstimmig, dass es schwerfällt einen Überblick zu behalten. Kirchen, Gewerkschaften, Umweltschützer, Nichtregierungsorganisationen und auch Ökonomen – sie alle sind irgendwie gegen Wachstum. Die einen fordern den Wachstumsstopp, weil nur so die natürlichen Ressourcen geschont werden könnten. Andere machen sich für regionale Wirtschaftskreisläufe, alternative Geldsysteme oder eine postmaterialistische Definition von Wohlstand stark. Und wieder andere wollen gleich das ganze System umstürzen.

Den Wachstumskritikern mangelt es nicht an kleinteiligen Ansätzen. Was sie jedoch bislang nicht hervorgebracht haben, ist der passende ökonomische Überbau für ihre Kritik. Es fehlt ein umfassendes makroökonomisches Alternativmodell, das darlegt, wie all das, was unter dem Schlagwort der „Nachhaltigkeit“ gefordert wird, zusammengehen kann. Wie wirkt sich eine Abkehr vom Wachstum auf Preise, Schulden, Arbeitslosigkeit, Sozialleistungen und den Außenhandel aus? Und was bewahrt in einer Postwachstumsökonomie vor einer Abwärtsspirale?

Diese Fragen liegen auf der Hand. Umso erstaunlicher, dass sich bislang nur wenige wachstumsskeptische Ökonomen mit ihnen befasst haben. Sie bieten zwar „quantitative Informationen, die ihre Argumente unterstützen und illustrieren. Aber sie schufen nicht ihre eigenen ökonometrischen Modelle oder benutzten die von anderen, um ihre Thesen aufzustellen“, räumte der wachstumskritische Ökonom Peter Victor schon vor Jahren selbstkritisch ein. Und eine Kommission, die bis 2011 unter Leitung des Ökonomen Tim Jackson für die britische Regierung die Grenzen des Wachstums erforschte, kam zu dem Schluss: „Es gibt kein makroökonomisches Modell für Nachhaltigkeit, doch es besteht ein dringender Bedarf für ein solches.“

Dieser blinde Fleck ist auch deshalb verwunderlich, weil Wachstumsskepsis kein neues Phänomen ist. Zu den frühen Mahnern gehörten Thomas Malthus (1766-1834), John Stuart Mill (1806-1873) und John Maynard Keynes (1883-1946). Der viel beachtete und viel gescholtene Bericht des Club of Rome, der Wachstumskritik einst salonfähig gemacht hat, feierte im vergangenen Jahr schon seinen 40. Geburtstag.

Eine der wenigen Ausnahmen, die sich modellhaft an makroökonomischen Überlegungen versucht haben, ist der Kanadier Peter Victor (York University). Victor simuliert mit Hilfe von wirtschaftlichen Variablen, wie sie auch in neoklassischen Modellen verwendet werden, wie sich Arbeitslosigkeit, Armut, BIP pro Kopf, Verschuldungsquote und Treibhausgasemissionen in seinem Heimatland bis zum Jahr 2035 entwickeln – angenommen, die Wirtschaft wächst zuerst nur noch langsam, dann gar nicht mehr. Trotz des Verzichts könne die Arbeitslosen- und Armutsquote nach einem anfänglichen Anstieg unter das heutige Niveau sinken, kalkuliert Victor. Treibhausgasemissionen und selbst die Verschuldung verringerten sich um mehr als 30 Prozent. Möglich sei das durch politische Eingriffe: Unter anderem soll Arbeit durch kürzere Wochenarbeitszeit auf mehr Schultern umverteilt werden, der Staat soll mit Investitionen aktiver werden. Victors Simulationen wirken holzschnittartig und äußerst staatsgläubig, eine ernsthafte Debatte entfacht haben sie unter Ökonomen bis heute nicht.

In eine ähnliche Richtung zielt die in mehreren Ländern wachsende „Degrowth“-Bewegung, zu deren Vordenkern der frühere Weltbank-Ökonom Herman Daly gehört. Daly ist Verfechter der Idee eines „steady state“, einer Volkswirtschaft, die in einem bestimmten, als optimal betrachteten Zustand verharrt. Ist dieser Zustand erst einmal erreicht, soll es nur noch Effizienzsteigerungen, kein quantitatives Wachstum mehr geben. Zusammengenommen führe das zu weniger Ressourcenverbrauch. Das Kapital sei in einer solchen Welt weiter ein begehrtes Gut, der Zins falle nicht auf null, behauptet Daly. Arbeitsintensive Sektoren würden im „steady state“ besonders profitieren, vor Massenarbeitslosigkeit müsse sich deshalb niemand fürchten. Auch dieser Ansatz setzt auf einen starken Staat und wirft mit jeder Antwort mindestens eine neue Frage auf: Wie soll etwa eine Explosion der Staatsschulden verhindert werden, wenn der Staat investiert, aber nicht wachsen darf? Nicht nur aus ökonomischer Perspektive hat der Entwurf bedenkliche Aspekte. Weil die Zahl der Arbeitskräfte in einem „steady state“ konstant zu sein hat, schreckt Daly nicht davor zurück, Limits für Geburten zu erwägen. Sieht sie so aus, die bessere Gesellschaft, die sich so viele Wachstumskritiker erträumen?

Viele der etablierten makroökonomischen Modelle haben sich in der Finanzkrise als unzureichend entpuppt. Die Gelegenheit, an der Verbesserung bestehender Ansätze mitzuwirken oder mit Alternativen zu punkten, haben wachstumskritische Ökonomen vorerst verstreichen lassen.

0

13 Lesermeinungen

  1. das Evolutionsprojektwissen u n d die instrumentellen Inhalte des 'Alternativmodell' sind vorhande
    Das Erkenntnisdefizit der Wachstumszwang-Kritiker, von dem hier geredet wird, gibt es nicht: „Den Wachstumskritikern mangelt es nicht an kleinteiligen Ansätzen. Was sie jedoch bislang nicht hervorgebracht haben, ist der passende ökonomische Überbau für ihre Kritik. Es fehlt ein umfassendes makroökonomisches Alternativmodell, das darlegt, wie all das, was unter dem Schlagwort der “Nachhaltigkeit” gefordert wird, zusammengehen kann. “

    Der hinreichende, Perestroika-projektfähige Erkenntnisstand wird totgeschwiegen.

    Das projektfähige Wissen für den Exodus aus der 2%Wachstumszwang-Verfassung der Industriestaaten u n d die steuerungsinstrumentellen Bestandteile der evolutionsprozess-logischen Folgeverfassung/Ordnung sind genau und projektfähig – bis zum dominomächtigen Durchsetzungs-Szenario bekannt, und werden seit Jahrzehnten aus nachvollziehbaren Macht- und Wirtschaftsinteressen von allen Partei- und Regierungs-Spitzen, von Wissenschaftlern und Medien totgeschwiegen.

    Stichworte zum Evolutionsprojekt-Wissen und zum Alternativ-Modell sind: Ordnung des KREATIVEN Evolutionspfades, Kostenscheren-Politik statt Wachstumszwang-Tyrannei, KREATIV-Lohn (= öko- und kapitalstock-steuerfinanziertes Zweiteinkommen für jedermann) statt Flächentariflohnerhöhungen, ‚Wachstum, das unten ankommt‘ (Angela Merkel), kybernetisches Evolutionsprozess-Modell und Chaosphysik, uvam.

    Der Exodus aus der 2%Wachstumszwang-Kapitalismus der Kapitalstock- und Schulden- und Zinseinkommen-Maximierer ist eine Revolution, und diese kommt gesteuert/genial oder ungesteuert/brutal. Wir haben noch die Wahl.

    Der Verfasser setzt seine Kräfte für die Freisetzung der goetheschen Genialität-in-den-Dingen ein. Nach heutigem evolutionsprozess- und chaosphysikalischen Wissensstand gilt es, die Genialität im Evolutionsprozess für den globalen Ordnungsübergang zu nutzen, vor allem, diesen in die öffentliche Diskussion zu lassen.

  2. Marxismus und Wachstum - Herold Binsack
    Was Herold Binsack schreibt ist doch schon alles gesagt worden.

    Die beste explizite Beschreibung der gesellschaftspolitischen und damit auch wirtschaftlichen Vision des Marxismus hat Karl Marx selbst in seiner Kritik am Gothaer Programm der SAPD (Bebel/Liebknecht/Lassall) gegeben: „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!“. Wer möchte das nicht? Und die Antwort, wie man da hin kommt, stammt auch von ihm: „Expropriation der Expropriateure“ während der „Diktatur des Proletariats“, das er auch als „Sozialismus“ bezeichnet. Damit hat er m.E. abschließend Ziele, Methode und Organisation seiner Vision beschrieben.

    Von ressourcenschonendem Wachstum und ähnlichem kann ich im Marxismus nichts finden. Allerdings schon von viel Arbeit, die aber nach Marx aus den befreiten Menschen dann als eine Urgewalt hervorbrechen wird.

    Wie man 7 oder 10 Milliarden Menschen in den Zustand „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!“ versetzen will, bleibt mir verborgen. Von einer Umverteilung der noch verbliebenen Vermögen könnten auf die jetzige Weltbevölkerung könnten alle höchstens ein Jahr leben.

    Danach warten wir auf das Hervorbrechen der Urgewalt Arbeit.

  3. Wachstum und Ressourcenverbrauch
    Wachstum muss nicht bedeuten, dass deshalb auch mehr Ressourcen verbraucht werden. Mit zunehmender Rationalisierung können bei gleichem oder höherem Output auch weniger Ressourcen verbraucht werden.

    Die Verteilung von Arbeit auf mehrere Schultern mag in manchen Bereichen möglich sein, in vielen anderen auch sicher nicht. Ein Softwareingenieur, der die Hälfte seiner Arbeitszeit oder sogar mehr mit Weiterbildung und der Definition seiner Arbeit verbringen muss, kann nicht auf seinen eigentlich produktiven Zeitanteil verzichten. Bei einem Bademeister oder Altenbetreuer mag das anders sein.

    Der Produktivbereich, der die nötigen Güter für Essen und den physischen Lebensbedarf deckt, wird mit Sicherheit immer kleiner werden. Man braucht halt nur eine begrenzte Menge an Essen, um satt zu werden. An sich gäbe es ja auch genug zu tun, gerade eben bei der Altenbetreuung, nur sind diejenigen, die eine solche Arbeit bräuchten, meist nicht in der Lage, diese Arbeit aus eigener Kraft zu bezahlen. Zum Teil liegt dies auch an unserem Steuersystem. Es gibt viele Fälle, da holen sich die Kinder für ihre alten Eltern billige (unversteuerte) Kräfte aus dem Osten, weil sie die normal angestellten Altenbetreuer nicht bezahlen können – die kosten eben leicht das Doppelte, ohne dass diese netto tatsächlich mehr bekommen.

    Natürlich kann man da leicht auf die Idee kommen, die Steuern zu erhöhen, um solche Leistungen abzudecken. Aber da sind wir halt schon an der Grenze dessen, was die Menschen hier an Steuern und Sozialabgaben abgeben können, oder abgeben wollen. Der Mittelstand, der keine Alternative hat, liegt mit dem, was ihm übrig bleibt, nur noch geringfügig über dem, was die Niedriglöhner mit all den staatlichen Zusatzleistungen verdienen. Und die wirklich Reichen sind mit ihrem Kapital meist sehr flexibel, und suchen schnell das Weite, wenn ihnen höhere Abgaben drohen. Es bringt unserer Gesellschaft nichts, wenn die Quants ihre BMW-Anteile an amerikanische oder chinesische Finanzinvestoren verscherben (siehe etwa Grohe), und dann in Steuerparadiesen leben. Diese zahlen dann bei uns gar keine Steuern mehr.

  4. Karikatur der Neoklassik
    Nach Ansicht der Klassischen und Neoklassischen Ökonomen ist ein Zustand ohne Wirtschaftswachstum unproblematisch oder sogar wünschenswert. Der Autor könnte etwa J. St. Mills Kapitel „Of the Stationary State“ lesen oder Pigous „The Economics of Stationary States“.

    Wachstum als Allheilmittel wird nicht von Neoklassikern gepredigt, sondern von den Apologeten der Gier: Keynesianern, Finanzindustrie und Gewerkschaften. Sie sind es auch, und nicht die Neoklassiker, die fälschlich meinen, Zinsen seien nur bei Wachstum zu erwirtschaften, obwohl tausende Jahre Wirtschaftsgeschichte das Gegenteil beweisen.

    • Sehr richtig
      Was beständig wächst ist die Staatsquote. Wenn man davon ausgeht, dass die Staatsverschuldung mangels Rückzahlungsmöglichkeit ja nichts als eine Form der Vermögenssteuer ist (Siehe auch 1,25% Verzinsung) und sie deshalb auch zur Staatsquote gehören müsste liegen wir in Deutschland bezogen auf das Volkseinkommen bei ungefähr 65%. Und werden von der Politik für vielerlei Wohltaten an ihre Wähler ausgegeben. Hier liegen die eigentlichen Ursachen für die Wachstumsideologien. Schönes Beispiel: Die Abwrackprämie (Menge neuer Autos) oder die Energiewende (Megawatt installierter Windräder).

  5. Die Unfaehigkeit den Unterschied zwischen qualitativem und quantitativem Wachstum zu erkennen
    „Damit eine Volkswirtschaft stabil bleibt, sagen sie, muss sie wachsen.“

    Was offensichtlich ist, liegt in der Tatsache, dass einzig quantitatives Wachstum gemessen werden kann. Der qualitative Aspekt des Wachstums ist nicht einfach messbar, jedoch sind gewisse Tendenzen sicherlich eruierbar, indem man z.B. unverhaeltnismaessig hohes Geldmengenwachstum als negativ einstuft und das Sozialprodukt unter Einbeziehung dieses Faktors neu berechnet.

    In der unentwegte Entwertung von Waehrungen liegt der Ursprung dieser nicht nachhaltigen Entwicklung, womit verschiedene ungesunde Entwicklungen in Gang gesetzt wurden, welche schlussendlich zu den heute erkannten massiven Ungleichgewichten fuehrte. Das Vermeiden kurzfristiger und leicht verdaubarer Wachstumseinbrueche der vergangenen Jahrzehnte durch manipulative Geldpolitik (immer linear in Richtung Entwertung) haette jedem einigermassen logisch denkendem Oekonomen zeigen muessen, dass es sich hierbei um eine nicht nachhaltige Entwicklung handeln muss, welche irgendwann seine Konsequenzen nach sich ziehen wird. Die Unfaehigkeit die groesseren Zusammenhaenge und die langfristige Verhaltensaenderung der Akteure im System aufgrund der zentralistischen Planung der Zentralbanken auch nur im Ansatz zu erkennen, erscheint mir fast schon eine gewollte Ingoranz oder zumindest ein hoher Grad an Inkompetenz.

    Jetzt, wo der Karren im Schlamm versinkt, die grossen Fragen nach alternativen Modellen zu stellen, ist natuerlich rhetorische Selbstbefriedigung.

    • Qualitatives Wachstum ist möglich
      Qualitatives Wachstum ist völlig normal und findet auch statt. Wir müssen nur richtig damit umgehen. Insbesondere sollte diese Form des Wachstums bezogen auf den induzierten Zuwachs am BIP deutlich ressourcenschonender sein. Natürlich kann man auch qualitatives Wachstum „messen“. Einfach über ein verbessertes Qualitätsmerkmal und dann über den Preis, der für die tatsächlich verbesserte Qualität bezahlt wird! Wobei Qualität immer aus Sicht des Kunden zu verstehen ist, der ja dafür etwas mehr bezahlen soll. Letzteres wird von unseren Neomarxisten natürlich bestritten.

  6. Pingback: Marxisten sind keine Wachstumskritiker, doch Kritiker des kapitalistischen Wachstums

  7. Marxisten sind keine Wachstumskritiker, doch Kritiker des kapitalistischen Wachstums, 2. Versuch!
    (Warum wird der Beitrag nicht freigeschaltet? Wo liegt das Problem? Setzen Sie sich doch damit auseinander!)
    .
    „Jedes Jahr aufs Neue müssten dann Arbeitskräfte vor die Tür gesetzt werden.“ Müssten? Steht das hier tatsächlich im Konjunktiv? Nun ja, alles eine Frage der Perspektive, nicht wahr? Es könnten auch mehr sein.
    Doch hier verrät sich der Autor: „Und wieder andere wollen gleich das ganze System umstürzen.“ Also marxistische Umstürzler sind keine Wachstumskritiker. Doch bezweifeln sie den produktiven Gehalt des kapitalistischen Wachstums. Darüber hinaus prognostizieren sie hierbei eine Zuspitzung des Grundwiderspruchs zwischen Kapital und Arbeit, bzw. zwischen den Produktionsverhältnissen (den kapitalistischen Eigentumsverhältnissen – http://blog.herold-binsack.eu/die-kapitalistische-unmoral-hat-die-menschen-verdorben/) und den durch das Kapital – durch diesen Klassenkampf zwischen Kapital und Arbeit hindurch – rasant revolutionierten Produktivkräften.
    Daher die Grundprognose von Marx und Engels im Kommunistischen Manifest: Entweder Kommunismus oder Barbarei.
    .
    Das kapitalistische Wachstum zerstört die Basis der kapitalistischen Produktionsweise selber. Und führt das nicht zum Kommunismus, dann eben zur Barbarei. Entweder werden die Produktionsverhältnisse revolutioniert, oder sie behindern die Produktivkräfte – das weitere Wachstum also. Das perverse Wachstum des Finanzsektors – des sog. virtuellen Kapitals, was zu Lasten der Realwirtschaft sich krebsartig ausbreitet –, mag uns davon einen Vorgeschmack liefern.
    .
    Daher jetzt auch die konservative Kritik am kapitalistischen Wachstum. Die Konservativen sind ob ihrer Angst alles zu verlieren, nicht so systemblind wie die Neoliberalen. Dennoch wollen sie das System natürlich nicht zerstören. Sie möchten die Barbarei verhindern und den Kommunismus auch. Das ist ihr Dilemma. Daher sind sie in Bezug auf die Kritik am aktuellen Finanzkapitalismus auch das falsche Subjekt. Und wenn ein Frank Schirrmacher – http://blog.herold-binsack.eu/wenn-revolutionarer-widerstand-okonomisch-ausgebeutet-wird/ – sich noch so anstrengt. Und daher ist kapitalistische Wachstumskritik per se eine konservative. Die Konservativen ahnen, dass es das kapitalistische Wachstum selber ist, welches den Kollaps des Systems vor sich hertreibt – und damit immer wieder neue Möglichkeiten für Revolutionen geschaffen werden. Doch in der Tat: das Wachstum stoppen zu wollen, hieße gerade aus kapitalistischer Sicht kollektiver Selbstmord. Das Kapital hat keine Alternative zum Wachstum. Daher ist ja der Klassenwiderspruch zwischen Kapital und Arbeit nicht aufzuheben. Und genau das macht die Lohnarbeit immer wieder zum revolutionären Subjekt.
    .
    Die Lohnarbeit bleibt also das einzig mögliche Subjekt, das objektiv revolutionäre. Denn der Umsturz der Produktionsverhältnisse deckt sich mit dessen Befreiungsstreben. Mit dessen Streben nach Abschaffung der Lohnausbeutung – der Klassengesellschaft. Auch dies bei Strafe des eigenen Untergangs. Denn entweder werden die Klassen auf revolutionäre Weise geschleift, oder eine kleine Oligarchie schleift die Reste jeglicher Demokratie und versklavt den Rest der Menschheit.
    Die Losung ist schon ausgegeben – seitens dieser Oligarchie: Neue Weltordnung.
    Und wie diese Weltordnung aussieht, das zeigen uns solche Programme wie PRISM.
    Es ist höchste Zeit für eine Wende – eine revolutionäre.
    Und ich hoffe, dass der Aufruf von Juli Zeh –
    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/ueberwachung/offener-brief-an-angela-merkel-deutschland-ist-ein-ueberwachungsstaat-12304732.html – der Auftakt dazu wird.

  8. Naja,
    dass es keinen umfassenden Ansatz gibt ist nicht ganz richtig:
    Es gibt das „Bandbreitenmodell“. Nur müsste sich man als Journalist mal die Mühe machen, sich damit zu beschäftigen! Wenn diejenigen, die insbesondere von unserem dezeitigen Wirtschaftsmodell mit einem zinsbasierten Schuldgeldsystem profitieren, nämlich die Kapitaleliten, davon hören, kriegen die verständlicherweise Pickel. Aber: Wäre das so schlimm? Was ist gerechter, als das von allen Erarbeitete auf alle gleichmäßig zu verteilen? Was ist gerechter, als Rationalisierungseffekte dazu zu benutzen, um Menschen ihre Freizeit genießen zu lassen? Gibt es irgendein Gesetz das da lautet: Lieber eine Arbeit und arm, als keine Arbeit und arm? Das ist nämlich die aktuelle Wirtschaftspolitik – einfach nur erbärmlich! Und das nur, weil jeder von uns mit seiner Hände Arbeit diejenigen mit durchfüttern muss, die als „Leistungsträger“ getarnt in Wirklichkeit leistungslose Einkommen beziehen. Der Bailout der Zocker und reichen Gläubiger der Banken war ein Paradebeispiel dafür, welche Prioritäten tatsächlich gesetzt werden – und das sind definitiv die falschen! Diejenigen die die Krise ausgelöst haben, haben nämlich am Ende auch profitiert. Das ist nachweislich so und ist die größte Umverteilung von fleißig zu reich in der Geschichte der Menschheit. Der zweite Teil der Geschichte steht uns dicht bevor: Der totale und endgültige Zusammenbruch des Finanzsystems!
    LG Traumschau

  9. Marxisten sind keine Wachstumskritiker, doch Kritiker des kapitalistischen Wachstums
    „Jedes Jahr aufs Neue müssten dann Arbeitskräfte vor die Tür gesetzt werden.“ Müssten? Steht das hier tatsächlich im Konjunktiv? Nun ja, alles eine Frage der Perspektive, nicht wahr? Es könnten auch mehr sein.
    Doch hier verrät sich der Autor: „Und wieder andere wollen gleich das ganze System umstürzen.“ Also marxistische Umstürzler sind keine Wachstumskritiker. Doch bezweifeln sie den produktiven Gehalt des kapitalistischen Wachstums. Darüber hinaus prognostizieren sie hierbei eine Zuspitzung des Grundwiderspruchs zwischen Kapital und Arbeit, bzw. zwischen den Produktionsverhältnissen (den kapitalistischen Eigentumsverhältnissen – http://blog.herold-binsack.eu/die-kapitalistische-unmoral-hat-die-menschen-verdorben/) und den durch das Kapital – durch diesen Klassenkampf zwischen Kapital und Arbeit hindurch – rasant revolutionierten Produktivkräften.
    Daher die Grundprognose von Marx und Engels im Kommunistischen Manifest: Entweder Kommunismus oder Barbarei.
    .
    Das kapitalistische Wachstum zerstört die Basis der kapitalistischen Produktionsweise selber. Und führt das nicht zum Kommunismus, dann eben zur Barbarei. Entweder werden die Produktionsverhältnisse revolutioniert, oder sie behindern die Produktivkräfte – das weitere Wachstum also. Das perverse Wachstum des Finanzsektors – des sog. virtuellen Kapitals, was zu Lasten der Realwirtschaft sich krebsartig ausbreitet –, mag uns davon einen Vorgeschmack liefern.
    .
    Daher jetzt auch die konservative Kritik am kapitalistischen Wachstum. Die Konservativen sind ob ihrer Angst alles zu verlieren, nicht so systemblind wie die Neoliberalen. Dennoch wollen sie das System natürlich nicht zerstören. Sie möchten die Barbarei verhindern und den Kommunismus auch. Das ist ihr Dilemma. Daher sind sie in Bezug auf die Kritik am aktuellen Finanzkapitalismus auch das falsche Subjekt. Und wenn ein Frank Schirrmacher – http://blog.herold-binsack.eu/wenn-revolutionarer-widerstand-okonomisch-ausgebeutet-wird/ – sich noch so anstrengt. Und daher ist kapitalistische Wachstumskritik per se eine konservative. Die Konservativen ahnen, dass es das kapitalistische Wachstum selber ist, welches den Kollaps des Systems vor sich hertreibt – und damit immer wieder neue Möglichkeiten für Revolutionen geschaffen werden. Doch in der Tat: das Wachstum stoppen zu wollen, hieße gerade aus kapitalistischer Sicht kollektiver Selbstmord. Das Kapital hat keine Alternative zum Wachstum. Daher ist ja der Klassenwiderspruch zwischen Kapital und Arbeit nicht aufzuheben. Und genau das macht die Lohnarbeit immer wieder zum revolutionären Subjekt.
    .
    Die Lohnarbeit bleibt also das einzig mögliche Subjekt, das objektiv revolutionäre. Denn der Umsturz der Produktionsverhältnisse deckt sich mit dessen Befreiungsstreben. Mit dessen Streben nach Abschaffung der Lohnausbeutung – der Klassengesellschaft. Auch dies bei Strafe des eigenen Untergangs. Denn entweder werden die Klassen auf revolutionäre Weise geschleift, oder eine kleine Oligarchie schleift die Reste jeglicher Demokratie und versklavt den Rest der Menschheit.
    Die Losung ist schon ausgegeben – seitens dieser Oligarchie: Neue Weltordnung.
    Und wie diese Weltordnung aussieht, das zeigen uns solche Programme wie PRISM.
    Es ist höchste Zeit für eine Wende – eine revolutionäre.
    Und ich hoffe, dass der Aufruf von Juli Zeh -http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/ueberwachung/offener-brief-an-angela-merkel-deutschland-ist-ein-ueberwachungsstaat-12304732.html – der Auftakt dazu wird.

  10. 1 bis 2 Prozent Wachstum
    „Slow and Steady“ ist das Ziel in der Schweiz Boom and Bust ist unerwünscht.

Kommentare sind deaktiviert.