Fazit – das Wirtschaftsblog

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Für alle, die’s genau wissen wollen: In diesem Blog blicken wir tiefer in Börsen und andere Märkte - meist mit wissenschaftlicher Hilfe

Schwere Konflikte in der Geldpolitik

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Mario Draghi und Janet Yellen stellen sich gegen die BIZ. Die Schwedische Reichsbank brüskiert ihren Chef und die Bank of England zeigt sich unentschlossen. Immer geht es um ein Thema: Die Rolle der Geldpolitik für die Finanzstabilität bleibt umstritten.

Die Risiken moderner Geldpolitik sind nirgendwo einprägsamer zu beobachten als in Schweden. Das Ringen um den richtigen Kurs ist so verbissen, dass eine Mehrheit der Führung in der Schwedischen Reichsbank ihren Präsidenten Stefan Ingvers brüskierte und gegen seinen Willen eine Senkung des Leitzinses von 0,75 auf 0,25 Prozent beschloss. Als Begründung nannte sie eine Inflationsrate von nahe null Prozent, die unter der Zielrate von 2 Prozent liegt. 1) Gleichzeitig forderte die Reichsbank die Regierung auf, gegen die bereits sehr hohe und weiter steigende Verschuldung der Privathaushalte vorzugehen, da andernfalls Gefahren für die Stabilität des Finanzsystems drohten. Für die Finanzstabilität sei die Reichsbank nicht zuständig, lautete die Botschaft der Geldpolitik.

Soll eine Notenbank ihre Politik eher an der Stabilität des Geldwertes oder an der Stabilität des Finanzsystems ausrichten? So lautet die drängendste Frage für die Geldpolitik in unserer Zeit, auf die es in der Fachwelt keine klare Antwort gibt. Das Thema wird dort sehr kontrovers diskutiert. (Eine sehr lehrreiche Übersicht auf der Basis der aktuellen Forschungsliteratur stammt von Frank Smets. 2))

Eine Antwort ist jedoch dringend notwendig, da sich viele Notenbanken in Industrienationen in einem Zielkonflikt befinden: Einerseits sind die Inflationsraten sehr niedrig und es sind auch auf absehbare Zeit keine bedeutenden Inflationsgefahren erkennbar. Eine primär auf Geldwertsicherung ausgerichtete Geldpolitik erlaubte damit ein Festhalten an sehr niedrigen Leitzinsen. Andererseits begünstigen niedrige Zinsen Spekulationen an Wertpapiermärkten sowie die Aufnahme von Krediten zum Kauf von Immobilien. In der Vergangenheit haben kreditfinanzierte Booms an Immobilienmärkten häufig schwere Banken- und Finanzkrisen ausgelöst. Mit Blick auf die Stabilität des Finanzsystems müssten die Notenbanken an Leitzinserhöhungen denken.

Der Konflikt ist offen ausgebrochen. In den vergangenen Tagen haben sich die Fed-Vorsitzende Janet Yellen und EZB-Präsident Mario Draghi klar zu einer Politik bekannt, die der Sicherung des Geldwertes den Vorrang gibt. „Die Geldpolitik hat enge Grenzen, um Finanzstabilität zu gewährleisten“, sagte Yellen am vergangenen Mittwoch. Auf der anderen Seite steht die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die vor einer Woche die Geldpolitik aufgefordert hat, zur Sicherung der Finanzstabilität bald an höhere Leitzinsen zu denken. In der Schwedischen Reichsbank hat sich eine Mehrheit in der Führung auf die Seite von Draghi und Yellen gestellt. Die Position der Bank of England ist unklar. Ihr Gouverneur Mark Carney hatte Mitte Juni angekündigt, dass eine Erhöhung der Leitzinsen früher stattfinden könnte als an den Finanzmärkten erwartet. Daraufhin schlossen Marktteilnehmer auf eine Leitzinserhöhung noch in diesem Jahr. Nachfolgende Äußerungen aus der Bank of England klangen wieder unentschlossen.

Argumentativ liegen die beiden Lager weit auseinander. Yellen und Draghi stützen sich ein Paradigma, wonach die Notenbanken in erster Linie für die Sicherung des Geldwertes zuständig sind und die Sicherung der Finanzstabilität durch Regulierungen von Finanzhäusern und Kreditnehmern gewährleistet werden soll. (Das Paradigma ist der „Modified Jackson Hole Consensus“ in der Terminologie von Smets 2).) Die Gestaltung optimaler Regulierungen ist unter dem abschreckenden Begriff „makroprudentielle Politik“ derzeit eines der wichtigsten Forschungsgebiete in der Ökonomie Man wisse noch nicht genug über die Wirkung makroprudentieller Politik, räumt Yellen ein. Hier gebe es noch viel zu lernen.

Nach dieser Denkweise muss der Leitzins als ein viel zu grobes Schwert für den Einsatz zugunsten der Finanzstabilität betrachtet werden. Überdies können nach dieser Denkweise frühe Leitzinserhöhungen den wirtschaftlichen Aufschwung gefährden. Daher dürfen sich auch die Sparer nicht über niedrige Zinsen beschweren. „Von Enteignung zu sprechen ist übertrieben“, sagte EZB-Direktoriumsmitglied Sabine Lautenschläger in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. „Wir verfolgen mit dem niedrigen Zinssatz unser Mandat, für Preisstabilität zu sorgen.“

In Schweden hatte die Reichsbank im Einklang mit den Ideen der BIZ schon im Jahre 2010 begonnen, ihren zuvor bis auf 0,25 Prozent gesenkten Leitzins zu erhöhen. (Das BIZ-Paradigma heißt in der Terminologie von Smets „Leaning against the Wind Vindicated“.2)) Im Jahre 2012 erreichte der Zinssatz 2 Prozent. Da die Wirtschaft nur langsam mitzog, begann die Reichsbank wieder, ihren Leitzins zu senken. Nun steht er ein weiteres Mal auf 0,25 Prozent. Dieses Hin und Her ist Wasser auf den Mühlen jener, die sich gegen den Einsatz des Zinses für die Finanzstabilität aussprechen. 3)

Aber auch die Befürworter einer im Dienste der Finanzstabilität stehenden Geldpolitik können sich auf Schweden berufen. Denn ein Erfolg der als Alternative gedachten Regulierungspolitik erscheint nicht garantiert: Durch die niedrigen Zinsen begünstigt, nimmt die Nachfrage nach Kreditfinanzierungen für Immobilien stark zu. Nach Berechnungen der Reichsbank könnte für einen Privathaushalt im Jahre 2015 das Verhältnis von Schulden zu verfügbarem Einkommen 185 Prozent erreichen. Das wäre ein aus schwedischer wie internationaler Sicht sehr hoher Wert. Die Finanzaussicht in Stockholm hat daher den Banken eine größere Unterdeckung von Immobilienkrediten mit Eigenkapital auferlegt. Die Reichsbank glaubt jedoch nicht, dass damit die Nachfrage nach Immobilienkrediten gebrochen wird. Sie fordert Maßnahmen von der Regierung, darunter die Beschneidung des Steuerabzugs von Zinsausgaben. Die Wirksamkeit solcher Maßnahmen lässt sich nicht absehen.

Das ist denn auch das Mantra der BIZ: Ihr Vertrauen in die Wirksamkeit von Regulierungen zur Sicherung der Finanzstabilität ist seit langem gering. 4) Ein Argument lautet, dass Regulierungen Ausweichreaktionen erzeugen: Wer Banken hoch reguliert, damit sie weniger Risiken übernehmen, schafft damit nicht die Risiken ab, sondern verlagert sie auf andere Finanzhäuser, die weniger stark reguliert sind („Schattenbanken“). Umgekehrt hält die BIZ den Leitzins für ein geeignetes Instrument gegen potentiell gefährliche Exzesse in der Kreditvergabe, da man ihm nicht ausweichen kann. Schon kleine Zinserhöhungen reichten aus, um die Kreditvergabe zu bremsen, lautet ein Argument von Chefvolkswirt Hyun Song Shin. „Expansive Geldpolitik kann auch Spekulationen begünstigen“, sagt Lautenschläger. „Deshalb werde ich die Erste sein, die höhere Zinsen und eine Verknappung der Liquidität fordern wird – sobald das gerechtfertigt ist“.

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1) Die Reichsbank schreibt in ihrem aktuellen Bericht: „The main reasons why the repo rate and the repo-rate path are being cut substantially are that inflation has been lower than expected, that inflationary pressures are expected to become much lower and that the forecast for international policy rates has been revised down … At the same time as economic activity in Sweden is strengthening, inflation is low and has continued to be surprisingly low. The broad downswing in inflation also indicates that underlying inflationary pressures are very low. The inflation forecast has therefore been revised downwards somewhat for this year and next year, despite the fact that it is now based on a much more expansionary monetary policy than in April.“

2) Smets unterscheidet zwischen drei Konzepten:
„A Modified Jackson Hole Consensus“: Hier gibt es eine Arbeitsteilung zwischen einer Geldpolitik, die sich um Preisstabilität kümmert, und einer leistungsfähigen makroprudentiellen Politik, die sich um die Finanzstabilität kümmert. Der Leitzins ist ein zu grobes Instrument für Finanzstabilitätspolitik.
„Leaning against the Wind Vindicated“: Makroprudentielle Politik ist nicht ausreichend leistungsfähig. Die Geldpolitik muss auch Finanzstabilität als Ziel akzeptieren und in ihrer Zinspolitik berücksichtigen. Geldpolitik muss langfristiger denken als bisher. Die Frage ist: Was ist mit Zielkonflikten?
„Financial Stability is Price Stability“: Das ist der Ansatz der beiden Princeton-Ökonomen  Markus Brunnermeier und Juliy Sannikov, die mit ihren innovativen Arbeiten Stammgäste auf Ökonomenkonferenzen sind. Die beiden Stabilitätskonzepte lassen sich nach ihrer Ansicht überhaupt nicht trennen, da von der Stabilität des Finanzsystems dessen Fähigkeit zur Produktion von Geschäftsbankengeld („inside money“) abhängt, was für die Geldpolitik wichtig ist. (Wir haben die Arbeiten von Brunnermeier/Sannikov in FAZIT mehrfach behandelt, zum Beispiel hier.)

3) Der Konflikt in der Führung der Reichsbank wurde spätestens im Jahre 2013 offensichtlich und führte zum Rückzug des bekannten Ökonomen und damaligen Vizepräsidenten Lars Svensson, der seine Ablehnung des „Leaning against the Wind“ mehrfach öffentlich gemacht hat – zuletzt hier. Publizistische Unterstützung erhielt Svensson unter anderem von Paul Krugman, der die Zinserhöhungen der Reichsbank als „Sadomonetarismus“ bezeichnet hat.

4) BIZ-Ökonom Claudio Borio unterscheidet zwischen einem „Finanzzyklus“, der nicht mit dem Konjunkturzyklus synchron verläuft. Zur Beherrschung des „Finanzzyklus“ bedarf es nach dieser Analyse einer Geldpolitik, die „sich gegen den Wind lehnt“. (In FAZIT haben wir darüber erstmals Ende 2012 geschrieben.)

Eine kürzere Version dieses Artikels ist am 7. Juli im Wirtschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschienen.


14 Lesermeinungen

  1. Borio: Makroprudentielle Politik hat Grenzen
    Hier:

    http://www.bis.org/speeches/sp140813.htm

  2. Carney: BIZ lebt in einem Vakuum
    Mark Carney, der Gouverneur der Bank of England, hat in einer Anhärung vor einem Ausschuss des britischen Unterhauses schwere Kritik an den Vorschlägen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich geäußert:

    „It’s an interesting report. A report that is made in a vacuum, though, the vacuum of Basel; in a world where a central bank does not have a mandate; a world where a central bank is not accountable to parliament and, through parliament to the people, to achieve specific targets.“

    http://www.centralbanking.com/central-banking/news/2355424/carney-tells-parliament-bis-report-was-made-in-a-vacuum-kohn-defends-leverage-ratio-plans

  3. Handbuch zur makroprudentiellen Politik
    Die in der Diskussion in der Fachwelt stehenden Konzepte für makroprudentielle Politik sind in der Öffentlichkeit wenig bekannt. Hier ist ein Handbuch des ESRB, das Hermann Remsperger vor wenigen Wochen im Wirtschaftsteil der F.A.Z. rezensiert hatte:
    http://www.esrb.europa.eu/pub/pdf/other/140303_esrb_handbook.pdf?629f6d0b5568207fb429ced34ff2e691

    • Kryptisch, wenigstens auf dem ersten Blick für einen Leien
      Selbstverständlich halte ich eine Finanzaufsicht für nötig, ich bin auch für Volckers Regel oder ähnliches, aber um einen vernünftigen Rahmen zu setzen, um das System und die Spielregel zu definieren. Hier geht es um etwas anderes: um Bastelei, um ein Ziel zu erreichen, um Geld zu drucken und die Folgen zu hindern. Es ist ein riesiges, wackliges Vorschriftsgebäude, das wegen des eigenen Gewichtes zusammenbrechen wird. Hier gilt, was Vocke behauptet: was von oben kontrolliert wird, bricht unterirdisch aus.

  4. Eine Umfrage unter britischen Ökonomen...
    …zu makroprudentieller Politik:

    http://www.voxeu.org/article/macroprudential-policy-survey-uk-based-macroeconomists

    • "makroprudentielle Politik"
      Man setzt in Lauf eine Menge neu gedruckten Scheine, gleichzeitig werden die Preise reguliert, den Verkauf rationalisiert. So machte man früher.

  5. Pingback: Kleine Presseschau vom 8. Juli 2014 | Die Börsenblogger

  6. Möglichst na, aber unter 2%: gemäßigt? kontrolliert?
    >>Inflation hat sich immer als Betrug am Volk erwiesen. Daher kann man auch auf die Dauer nicht an eine gemäßigte oder an eine „kontrollierte“ Inflation glauben. Keine Inflation kommt von selbst zum Stillstand, sondern sie frißt weiter, die Entwertung erweitert und beschleunigt sich. Inflation hat nicht die Tendenz, Maß zu halten. Wie ist es mit der „kontrollierten“ Inflation? Wir wissen es aus Erfahrung. Was oben kontrolliert wird, bricht unterirdisch aus. Da wird der Preis künstlich gehalten, dafür verschlechtert sich die Qualität, die Nachfrage wird stärker, wichtige Waren verschwinden vom Markt. Jede Inflation hat ihre innere Dynamik, und auch das, was einige freundlicherweise „gentle Inflation“ zu nennen belieben, ist im Grunde Schwindel, und zwar kein ungefährlicher.<< (Index-Löhne und Gruppeninteressen, Vocke, Memoiren, DVA Stuttgart, Seite 185).

    Interessant ist die Erfahrung: "Was oben kontrolliert wird, bricht unterirdisch aus." Vocke nennt Beispiele, wie es unterirdisch ausbrechen kann, das heutige Geldsystem ist ganz anders geordnet, und deswegen ist das unterirdische Ausbrechen anders, aber es bricht unterirdisch aus.

    Vocke war kein Volkswirt, kein Wissenschaftler, kein Genie wie Schacht, geschweige denn wie die heutigen hoch gefeierten Koryphäen, sondern ein Jurist. Er hatte aber die Erfahrung, den Verstand, die Intuition, die Ehrlichkeit, die den heutigen so gebildeten Geldpolitikern offensichtlich fehlt.

    • Wo und wie wirken die geldpolitischen Maßnahmen?
      Dazu gibt es die obskure Floskel: „Transmissionsmechanismus [geldpolitischer Impulse]“. Sie dient als Vorwand für abstruse geldpolitische Maßnahmen. Aber zurück zur Frage: früher wirkte die Geldpolitik unmittelbar auf den Handel, heute wirkt sie auf die Wirtschaft vor allem durch die Kapitalmärkte. Und so brach früher die gentle Inflation wie Vocke es beschreibt, heute aber in der Stabilität des Finanzmarktes.

    • Müsste man einen Paul Krugman kennen?
      Was ist der eigentlich, Neukeynesianer oder Postkeynesianer?
      Was Predigt der Katechet? Der Staat soll so viele Milliarden neue Schulden machen, bis die Marktwirtschaft wieder in Gang kommt. Wenn 10 Tausend Milliarden Dollar in den USA nicht reichen, dann müssen eben noch ein paar Tausend Milliarden Dollar neue Staatsschulden in diese tote Marktwirtschaft gepumpt werden. Manchmal kann man ja Tote wiederbeleben.
      Was machen nun die undankbaren Deutschen? Die verkünden schuldenfreie Staatshaushalte auf Jahre hinaus und wollen sich doch über 2 Prozent Wirtschaftswachstum jährlich leisten. Das haben die USA seit zehn Jahren mit fünf Prozent neuer Staatsschulden real nicht geschafft.
      Warum müssen die Deutschen immer aus der Reihe tanzen? Die geben ein schlechtes Beispiel ab. Was würde denn aus dem Wachstum, wenn alle es den Deutschen nachmachen sollten?
      Was hat denn Prof. Krugman dazu geschrieben? Er ist doch der Mainstreamökonom. Er ist folglich kein Erneuerer.
      Es geht auch gar nicht mehr um statische oder dynamische Wirtschaftstheorien. Es geht um den kontinuierlichen, unumkehrbaren, Zeitverlauf der Wirtschaft und deren theoretische Erfassung.
      Dazu ist ein multivariables Faktorenmodell nötig, dass mathematisch abgebildet werden kann. Die ceteris paribus Annahme hat dann ausgedient. Denn nach jeder Variablen können Ableitungen geschlossen werden. Es ist für Experten völlig unnötig, die Grenzwertberechnungen des n – dimensionalen Wirtschaftsgeschehens auch nur anzudeuten. In der logarithmischen Berechnung lassen sich sogar die Umkehrpunkte der Konjunktur ermitteln. Die Queen hat also völlig recht: Warum haben die besten Ökonomen des Mainstream das denn nicht erledigt?
      Der Streit der Ökonomen um Geldpolitik und Finanzstabilität findet seine Lösung in einem Metatheoretischen Dritten. Damit ist der Maßstab vorgegeben, an dem der Erkenntnisfortschritt in der Ökonomie gemessen werden kann. In der Wissenschaftsgeschichte ist das keineswegs neu. Man denke nur an die kopernikanische Wende. Wo bleibt diese Wende in der Ökonomie?
      Ende des 19. Jahrhunderts stritten die Physiker um den Wellen – und Teilchendualismus des Lichts.
      Worin bestand dann die Lösung? Es kam Einstein, der die relativistische Physik „erfand“, mathematisch begründete. Wann kommt die relativistische Ökonomie? Wann kommt die Quantenökonomie? Bei gegebener Wirtschaft können unendlich viele Ökonomiken begründet werden. Der Mainstream verhindert das nur. Deshalb darf er nicht so viel Aufmerksamkeit erhalten.
      Der Mainstream wird sich jetzt von Krise zu Krise hangeln und doch keine Erklärungen mehr finden.
      Wie sagte ein berühmter Zeitgenosse: Die Menschen machen immer das Richtige, wenn sie alle Irrtümer hinter sich gelassen und alle Irrwege durchschritten haben. Das wollen die Mainstreamökonomen auch und sie sollen es dürfen.

  7. Pingback: 5 vor 10: Vertrauensarbeitszeit, Geldpolitik, Arbeitsmarktgesetze, Wirtschaftsliteratur, Taxilizenzen | INSM Blog

  8. Es ist doch alles ganz einfach! Ökonomen werden nie eine Lösung finden, solange sie im Entweder/Od
    eingesperrt sind.
    Beispiel Inflation: Traditionelle Ökonomen befürchten seit Jahren die Hyperinflation der Deutschen von 1923. Und die Realität? Wer beantwortet die Frage: Warum bleibt die befürchtete Inflation aus?
    Eine Antwortmöglichkeit: Es gibt die Nationalökonomien in der globalen Wirtschaft nicht mehr! Geschlossene Volkswirtschaften wurden dem Weltmarkt geöffnet. Löhne, Beschäftigung und Wirtschaftswachstum wurden in die Schwellenstaaten verlagert. Güter und Dienstleistungen werden viel billiger als in den Industriestaaten angeboten und von den Ländern der OECD importiert. Der globale Weltmarkt verhindert die befürchtete Inflation sogar in China.
    Dennoch sehen manche Ökonomen, auch in Deutschland, in der Rückkehr zur Nationalisierung die Lösung aller ökonomischen Probleme. Das gipfelt dann in der Forderung nach Rückkehr zur nationalen Währung. Am globalen Weltmarkt werden sich drei Währungen, Dollar, Euro und Renmimbi, durchsetzen. Mit dem stärkeren Renmimbi muss der Dollar an Bedeutung verlieren. Die Folgen davon spüren die Europäer schon.
    Weil es die Inflation nach dem HVPI, dem harmonisierten Verbraucherpreisindex, nicht gibt, muss man die Inflation bei steigenden Vermögenspreisen suchen und finden. Steigende Vermögenspreise machen die Besitzer jedoch reich und nicht arm, wie bei steigendem HVPI. Das spielt dann zwangsläufig in der öffentlichen Wahrnehmung keine Rolle mehr, weil es nicht in den Mainstream der Nationalökonomen passt. Steigende Vermögenspreise mit steigendem Reichtum der Besitzer hatten üblicherweise wachsenden Konsum zur Folge. Das regte dann die Investitionen an und die Beschäftigung stieg. Das volle Wachstumsprogramm eben. Darauf richten sich nun auch alle Erwartungen an die Geldpolitik. Allein das Wachstum würde auch die Finanzstabilität hervorbringen. So war es jedenfalls 80 Jahre lang, nach der großen Depression.
    Betrachten wir die steigenden Preise auf den Immobilienmärkten. Hier steht schon wieder die Immobilienpreisblase im Fokus der Betrachtung. Soweit sind wir aber noch nicht! Steigende Immobilienpreise lassen die Risikovorsorge für Immobilienkredite der Banken sinken und die Erträge steigen. Beispiel USA! Gleichzeitig sinkt die Ausfallgefahr für notleidende Kredite, weil die Verkaufspreise steigen und die Käufernachfrage nach Immobilien auch. Jetzt kommt die Zeit ins Spiel, die bei den Gleichgewichtsmodellen des Mainstream ausgeschlossen wird. Das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage besteht zum Zeitpunkt t und die Zeit bleibt stehen, oder? Bleibt sie eben nicht! Schon in der nächsten Sekunde ist das Gleichgewicht an irgendeinem Ort der Erde gestört. Nur weiß der Mainstream nicht wo und wann.
    Im weiteren Zeitverlauf verkaufen die Immobilienbanken nicht nur die Immobilien, sondern löschen auch die Immobilienkredite aus ihren Bilanzen. Das steigert die Finanzstabilität. Bilanzbereinigung, steigende Erträge bei Banken und hohe Liquidität sind Voraussetzungen für steigende Kreditvergabe an Unternehmen des Nichtfinanziellen Sektors der Wirtschaft. Da sind wir auf gutem Wege, aber noch nicht am Ziel. Es wird noch mindesten zwei, eher drei Jahre dauern, aber, gegen jeden Zweifel, kommt es so. Wer es sehen will kann das sehen.

    Will jetzt jemand glaubhaft machen, dass die Notenbanker das alles nicht wissen? Das mag ich nicht glauben. Wenn man schon nicht alles wissen kann, so muss man glauben. Wenn man schon glauben muss, kann man auch an Monster, Geister oder an Geldpolitik glauben. Wissen kann man es immer erst hinterher!
    Das Anliegen der Kontroverse der Notenbanker ist also völlig verschieden vom lauten Getöse in der Öffentlichkeit. Allerdings gibt es eins, was sämtliche Notenbanker dieser Erde nicht wissen: Was ist Geld?!!! Hier geht es nicht darum, in welchen Formen Geld in der Wirtschaft erscheint oder in welchen Funktionen es wirkt. Es geht darum, was Geld ist! AUCH DAS IST GANZ EINFACH! Geld ist eine Relation zwischen den Menschen. Dieses Verhalten der Menschen zueinander, welches sich im Geldverkehr ausdrückt, hat außer realwirtschaftlichen sowie finanzwirtschaftlichen Komponenten noch geschichtliche und kulturelle Faktoren. Alle zusammen machen die konkrete Relation aus, was Geld heute, am 8. Juli 2014, ist! Sämtliche Probleme der Geldpolitik und der Finanzstabilität finden ihre Lösung dann, wenn die Frage des Geldes geklärt ist
    Das kann die Mainstremökonomie solange nicht leisten, wie sie die Neutralität des Geldes behauptet. Das muss man sich ein mal vorstellen: In der Finanzwirtschaft, wo Geld der Anfang und das Ende, Ausgangspunkt und Resultat, jeder Transkation ist, soll das Geld keine aktive Rolle spielen? Wem will man das glaubhaft machen? Wir spielen und tauschen keine Murmeln mehr.
    Nun ist es wiederum ganz leicht nach den Interessen zu fragen, die die Marktakteure an den Finanzmärkten in Bewegung setzen. Aber das ist schon wieder ein anderes Thema.
    Für die globale Wirtschaft braucht es eine globale Weltökonomie! Die Wissenschaftler leben schon und haben ihre Ausbildung nach der großen Weltfinanzkrise abgeschlossen. Die Öffentlichkeit konzentriert sich dennoch auf den Mainstream und nicht auf die Erneurer. Kritische Fragen und Zweifel sind nicht erwünscht. Man wartet ab, bis die Wirtschaft von selbst in Gang kommt und bleibt bei den alten Theorien. Man hat es ja schon immer gewusst, aber immer erst hinterher. Das ist keine Wissenschaft,sondern Katechismus, Glaubensbekenntnis.
    Noch ein Gedanke: Die jeweilige wirtschaftliche Lage in Europa, Asien, Süd- und Nordamerika sowie in Afrika müssen einzeln analysiert werden. Vergleiche sind erst dann möglich, wenn es Vergleichbares gibt. Verallgemeinerungen in der Wissenschaft sind nur dort zulässig, wenn es allen Wirtschaften gemeinsam ist. In diesem Sinne ist die Ökonomie keine Wissenschaft. Ansonsten muss der Unterschied hervorgehoben werden. Wer kümmert sich denn um solche Marginalien wie Gemeinsamkeiten und Unte

  9. Die Instabilität der Finanzmärkte ist von den Zentralbanken selbst verursacht
    Zum Beispiel mit ihrem Inflationsziel, das der Geldwertstabilität widerspricht. Man kann also nicht so einfach über Konflikt zwischen Geldwertstabilität und Finanzmarktstabilität reden.

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