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Geldpolitik im Teufelskreis

17.04.2013, 18:01 Uhr  ·  In der Krise bewegt sich die Geldpolitik auf einem schmalen Grat zwischen Deflation und Inflation. Geldwertstabilität, Finanzstabilität und die Tragfähigkeit der Staatsverschuldung sind miteinander verbundene Konzepte. Von Markus Brunnermeier und Gerald Braunberger

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Von Markus Brunnermeier *) und Gerald Braunberger

Die im Jahre 2007 ausgebrochene Finanzkrise hat Zweifel an zuvor verbreiteten ökonomischen Konzepten genährt. Vor der Krise galt das „Inflation Targeting“ **) als eine empfehlenswerte Strategie zur Sicherung des Geldwerts. Die Inflationsrate war die direkte Zielgröße, die direkt mithilfe des Leitzinses durch die Zentralbank gesteuert werden sollte. Die Stabilität des Finanzsystems und die Tragfähigkeit der Staatsverschuldung wurden als gegeben angenommen und konnten unabhängig von der Finanzaufsicht und den Regierungen (Fiskalbehörden) abgesichert werden.

Wie die Krise lehrt, sind Geldwertstabilität, Finanzstabilität und die Tragfähigkeit der Staatsverschuldung jedoch keine voneinander unabhängigen, sondern miteinander verbundene Konzepte. Eine Geldpolitik, die dies nicht erkennt, begibt sich in Gefahr, unter Druck von Regierungen oder Banken zu geraten und eine Geldpolitik zu betreiben, die sie vom Ziel der Geldwertstabilität weg führt. Das Ergebnis kann entweder hohe Inflation oder Deflation sein.

Die Verbundenheit der drei Stabilitätskonzepte ergibt sich aus einer Analyse, die Ineffizienzen von Finanzmärkten berücksichtigt, die Rolle von Banken ernst nimmt und Verteilungseffekte zwischen produktiven und weniger produktiven Wirtschaftseinheiten betrachtet. In dieser Analyse spielt die Verteilung der Vermögen eine Rolle für die Kredittätigkeit und das Wirtschaftswachstum. In der Krise unterbleibt eine optimale Allokation von Ersparnissen, weil unterkapitalisierte Banken in ihrer Kreditvergabe gehemmt sind.

Die bislang dominierenden makroökonomischen Modelle können solche Prozesse nicht untersuchen, weil sie von einem für die Wirtschaft repräsentativen Individuum bevölkert werden. Alternative Modelle unterteilen die Gesamtwirtschaft in Sektoren, deren Ausstattung und Präferenzen verschieden sein können. Um ein Beispiel zu geben: Für deutsche Anleger, die Geldvermögen gegenüber Sachvermögen bevorzugen, spielt Inflation eine andere Rolle als für einen Investor in Spanien, der mit einem Bankkredit den Kauf einer Immobilie finanziert hat.

Passive Geldpolitik in der Krise begünstigt Deflation

Der Auslöser einer Krise kann ein negativer Schock oder auch die gewonnene Erkenntnis sein, daß der bisherige Wachstumspfad nicht nachhaltig aufrechtzuerhalten ist. Eine Geldpolitik, die sich nach dem Ausbruch der Krise passiv verhält, kann schweren Schaden anrichten. Der Schock verursacht Wertverluste auf den Aktivseiten von Banken, zum Beispiel in Gestalt fauler Kredite für Wohn- und Gewerbeimmobilien. Die Banken werden auf diese Wertverluste mit dem Versuch reagieren, ihr Geschäft, sprich ihre Bilanzsumme, zu reduzieren, indem sie Aktiva verkaufen und ihr Kreditvergabe zurückfahren.

Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht ist eine geringere Kreditvergabe gleichbedeutend mit einer rückläufigen Geldschöpfung, da Banken weniger Sichteinlagen produktiv einsetzen. Die Verringerung der Geldmenge erzeugt Deflationsdruck, der den Realwert der Verbindlichkeiten von Banken und Unternehmen beeinflusst.

Beide Seiten der Bilanz schaffen den Banken Probleme: Auf der Aktivseite verlieren ihre Forderungen an Wert, während auf der Passivseite der reale Wert ihrer Verbindlichkeiten zunimmt. Angesichts dieser Malaise werden sie versuchen, ihre Bilanzsumme weiter zu reduzieren, was zusätzlichen Deflationsdruck erzeugt, der wiederum die Bankbilanzen unter weiteren Druck setzt. Es entsteht ein erster Teufelskreis: Wenn die Geldpolitik nicht eingreift, droht die Wirtschaft in eine Deflationsspirale zu stürzen, wie sie in der Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre von dem amerikanischen Ökonomen Irving Fisher beschrieben wurde.

Die in den Vereinigten Staaten als „Great Depression“ bezeichnete Krise wurde in der Nachkriegszeit von den Ökonomen Milton Friedman und Anna J. Schwartz in ihrer „A Monetary History of the United States“ auf eine zu passive Geldpolitik zurückgeführt: Damals sah die Fed zu, wie Zusammenbrüche von Banken die Geldmenge reduzierten und die sich anschließende Deflation verschuldete Unternehmen und Landwirte in den Bankrott trieb.

Passive Geldpolitik in der Krise ist nicht verteilungsneutral: Die Deflation schadet Banken und verschuldeten Unternehmen. Auf den ersten Blick, scheint es, dass Haushalte mit Ersparnissen zu den Gewinnern der Deflation gehören. Doch diese Umverteilung von produktiven zu weniger produktiven Einheiten ist gefährlich: Wenn als Folge der Deflation die Wirtschaft in eine schwere Krise stürzt, ist damit niemandem gedient.

Aktive Politik darf nicht nur ein Inflationsziel verfolgen

Das Szenario von Fishers Deflationsspirale zeigt, dass eine passive Geldpolitik eine gefährliche Antwort auf eine systemische Krise darstellt. Aber wie sollte eine aktive Geldpolitik beschaffen sein? Ein von vielen Ökonomen vertretener Ansatz besagt, eine Zentralbank solle durch die Ankündigung eines Inflationsziels versuchen, sich dem Deflationsdruck entgegen zu stemmen, wie dies gerade die Bank von Japan angekündigt hat. Dieser Ansatz berücksichtigt jedoch nicht Verteilungswirkungen.

Krisen können sehr unterschiedliche Folgen für die einzelnen Sektoren einer Wirtschaft besitzen: Wie die Charts demonstrieren, hat die in den neunziger Jahren in Japan ausgebrochene Krise vor allem die Unternehmen getroffen, nachdem deren Verschuldung in den achtziger Jahren stark angestiegen war. In den Vereinigten Staaten erfasste die im Jahre 2007 ausgebrochene Krise vor allem die privaten Haushalte, die sich in den vorhergegangenen Jahren stark verschuldet hatten. Damit stellt sich die Frage, inwieweit eine aktive Geldpolitik konkret gegen Verteilungswirkungen vorgehen sollte, die bei passiver Geldpolitik die Wirtschaft in eine Deflationsspirale stürzen ließen.

Grundsätzlich wäre es zur Überwindung der Krise vorteilhaft, jene Wirtschaftssektoren bevorzugt zu unterstützen, die von den Unvollkommenheiten der Finanzmärkte besonders stark betroffen sind. Deren Bilanzen zu reparieren könnte einen wichtigen Beitrag für die Wiederbelebung der Wirtschaft leisten.

Eine Zentralbank, die immer dem in Schwierigkeiten befindlichen Bereich der Wirtschaft aushilft, schlüpft in die Rolle eines Versicherers gegen makroökonomische Risiken. Die Theorie der Versicherung lehrt jedoch, dass Versicherungen einerseits aus gesamtwirtschaftlicher Sicht effizienzsteigernd wirken können, aber gleichzeitig zu Missbrauch durch moralisches Fehlverhalten („Moral Hazard“) anfällig sind.

Die Zentralbank gerät in einen Zielkonflikt. Unterstützt sie die Banken, steigert sie die gesamtwirtschaftliche Effizienz, weil sie einen Zusammenbruch des Finanzsystems verhindert und eine das Wirtschaftswachstum fördernde Kreditvergabe unterstützt. Gleichzeitig aber trägt sie auch dazu bei, „Zombiebanken“ ohne Geschäftsmodell am Leben zu erhalten und sät den Samen für die nächste Krise.

Der Instrumentenkasten aktiver Geldpolitik

Eine Zentralbank verfügt über Instrumente, um von der Krise besonders getroffene Wirtschaftssektoren zu unterstützen. Traditionelle Geldpolitik besteht aus der Steuerung eines kurzfristigen Leitzinses sowie Ankündigungen über die Ausrichtung künftiger Geldpolitik, mit denen die Zentralbank die Inflationserwartungen steuert und damit indirekt auf den langfristigen Zins am Kapitalmarkt wirkt.

Die Zentralbank ist damit in der Lage, die Zinskurve zu beeinflussen. Eine steile Zinskurve, bei der die Zentralbank den kurzfristigen Zins senkt, aber den langfristigen Zins höher hält, begünstigt vor allem die Banken. Denn zu ihrem Kerngeschäft gehört die Fristentransformation. Banken leihen sich kurzfristig Geld zu niedrigen Zinsen, das sie langfristig zu höheren Zinsen verleihen. Andere Verteilungswirkungen stellen sich ein, wenn die Zentralbank die Zinskurve flach hält; das heißt, wenn sich kurz- und langfristige Zinsen auf einem vergleichbaren und niedrigen Niveau befinden. Hiervon profitieren vor allem hoch verschuldete Unternehmen und Privathaushalte, die häufig langfristig verschuldet sind. Im Gegenzug benachteiligen sehr niedrige zehnjährige Renditen Pensionskassen, Versorgungswerke und Anbieter von Lebensversicherungen.

Neben der traditionellen Geldpolitik betreiben Zentralbanken in der Krise auch noch eine unkonventionelle Geldpolitik. Auch sie ist nicht verteilungsneutral.

Ein unter anderem von der Europäischen Zentralbank benutztes Instrument ist eine erhebliche Vergrößerung des Volumens der an die Geschäftsbanken vergebenen Kredite, bei der die EZB zunehmend qualitativ schlechtere Pfänder („collateral“) akzeptiert hat. Hiervon profitieren die Banken in Form eines reichlichen und billigen Zugangs zu Geld. Das Risiko von Verlusten, die im Falle der Verwertung der qualitativ schlechten Pfänder existiert, trägt direkt die EZB und indirekt alle Geldbesitzer im Euroraum, die als Steuerzahler herangezogen werden, wenn die EZB nach hohen Verlusten rekapitalisiert werden müsste.

Ein anderes, von mehreren Zentralbanken genutztes Instrument besteht im Ankauf von Anleihen. Überwiegend handelt es sich um Staatsanleihen, gelegentlich auch um Unternehmensanleihen oder Hypothekenpapiere. Je nachdem, welche Arten von Anleihen eine Zentralbank kauft, betreibt sie Umverteilung. Die Zentralbank (und indirekt hinter ihr die Geldbesitzer im Währungsraum) tragen das mit dem Ausfall der Gläubiger verbundene Verlustrisiko. Werden die oft mit Abschlag auf den Nominalwert erworbenen Anleihen bedient und zum Nennwert getilgt, entsteht für die Zentralbank ein Gewinn.

Die Gefährdung der Unabhängigkeit

Aus reinen Effizienzgesichtspunkten bestehen gute Gründe für eine aktive Geldpolitik, die sich gegen Verteilungswirkungen einer Krise stemmt. Aber eine Zentralbank agiert nicht in einem Vakuum, sondern in einem komplizierten wirtschaftlichen und politischen Umfeld. Eine Geldpolitik, die gezielt Umverteilung betreibt, untergräbt die Unabhängigkeit einer Zentralbank. So ließe sich argumentieren, dass Verteilungspolitik wie auch die Restrukturierung in Not geratener Unternehmen oder Wirtschaftszweige zu den Aufgaben einer Regierung und nicht einer Zentralbank gehört. Was aber soll eine Zentralbank tun, wenn eine Regierung sich unangenehmen Aufgaben, etwa der Restrukturierung von Banken oder der Deregulierung von Arbeitsmärkten, verweigert und darauf baut, dass an ihrer Stelle die Zentralbank als Versicherer gegen eine Wirtschaftskrise bereit steht? Daher betont die EZB häufig, dass ihre Politik nur Zeit kaufen könne, die von den Regierungen für Reformen genutzt werden müssten.

Zentralbank, Regierung und Aufsicht im Spannungsfeld

Eine wichtige Erkenntnis aus der Krise lautet, dass die drei dominierenden Stabilitätskonzepte – Stabilität des Geldwerts, Stabilität des Finanzsystems (Finanzstabilität) und dauerhafte Tragfähigkeit der Staatsverschuldung – miteinander verbunden sind. Die Aufgaben der Zentralbank, der Regierung und der Finanzaufsicht können daher nicht unabhängig voneinander betrachtet werden: Vielmehr müssen die drei Stabilitätswächter kooperieren, wenn verheerende Teufelskreise vermieden werden sollen.

Aus der Sicht der Finanzbranche geht der Krise ein Übermaß an Fristentransformation voraus: So hatten sich zum Beispiel die im Besitz deutscher Banken wie der IKB, der Sachsen LB oder Commerzbank befindlichen Schattenbanken („conduits“) langfristige Wertpapiere erworben, die unter anderem amerikanische Immobilienkredite beinhalteten. Diese langfristigen Aktiva waren refinanziert durch kurzfristige Schuldpapiere der Schattenbanken, die immer wieder erneuert werden mussten. Nach Ausbruch der Krise fiel es den Schattenbanken und in der Folge auch normalen Banken schwer, Abnehmer für ihre kurzfristigen Wertpapiere zu finden – die für Finanzunternehmen essentielle Liquidität wurde zu einem knappen Gut. Die Banken reagierten darauf mit raschen Verkäufen von Aktiva und der Beschränkung ihrer Kreditvergabe, die den eingangs beschriebenen Deflationsdruck auslöste und die Banken zu weiteren Verkäufen von Aktiva und der weiteren Rückführung von Krediten veranlasste, um. Diese starke Nachfrage nach liquiden Anlagen bildet eine Voraussetzung, um einen unmittelbaren Zusammenbruch des Finanzsystems zu verhindern.

In dieser Situation ist entscheidend, wie sich Zentralbank und Regierung verhalten – ob sie kooperieren oder ob sie ein Spiel mit dem Untergang („chicken game“) bevorzugen, bei dem jede Seite in der Erwartung still hält, die andere Seite werde als erste reagieren.

Angenommen, in einem ersten Szenario hält die Zentralbank nach Ausbruch der Krise still; man spricht hier von monetärer Dominanz. Die Krise erzeugt dann den eingangs beschriebenen Deflationsdruck, der Zahlungsausfälle von Kreditnehmern der Banken verursacht. Sinkende Steuereinnahmen und eine höhere Bailoutwahrscheinlichkeit der Banken gefährden die Tragfähigkeit der Staatsverschuldung. Die Wertverluste der Staatsanleihen erweisen sich als eine zusätzliche Gefahr für die Stabilität der Banken, von denen viele üblicherweise Staatspapiere halten. In einer offenen Welt wird es auf der Suche nach sicheren Anlagen zu einem Kapitalabfluss aus dem Land kommen. Im Modell einer passiven Zentralbank, die Deflation akzeptiert, entsteht der zweite Teufelskreis zwischen dem Risiko zusammenbrechender Banken und dem Risiko einer Zahlungsunfähigkeit des Staates. (Dies zeigt die gestrichelte Linie in der Grafik.)

In einem zweiten Szenario hält die Regierung nach Ausbruch der Krise still, um die Zentralbank zum Handeln zu zwingen. Die Zentralbank greift durch Zinssenkungen und andere Maßnahmen wie Anleihenkäufe ein. Nun wird zwar nicht die Deflation zu einer Gefahr, wohl aber Inflation, weil die Zentralbank in eine Falle zu geraten droht. Zum einen kann die Zentralbank in eine Falle geraten, wenn sie sich mit Rücksicht auf die Gesundheit systemrelevanter Banken nicht traut, auch bei entstehenden Inflationsgefahren die Zinsen nicht zu erhöhen. Hier soll die Zentralbank die Geldwertstabilität zugunsten der Finanzstabilität opfern. Die Zentralbank wird Opfer der „Finanzdominanz“.

Die Zentralbank kann sich aber auch in einer Falle sehen, wenn sie sich mit Rücksicht auf die Regierung nicht traut, trotz Inflationsgefahren ihre Zinsen zu erhöhen. Diese als fiskalische Dominanz bezeichnete Situation wird von den Vertretern der sogenannten Fiskaltheorie des Preisniveaus analysiert, zu denen der an der Princeton University zählende Nobelpreisträger Chris Sims zählt.

Sims hat kürzlich in seiner Ansprache als Präsident der American Economic Association die Gefahren für die Handlungsfähigkeit der Geldpolitik verdeutlicht. In einer Welt, in der Zentralbanken auf Guthaben Zinsen zahlen, werden Zentralbankguthaben aus der Sicht von Geschäftsbanken zu einem Substitut für kurzlaufende Staatspapiere. Für die Vereinigten Staaten bedeutete dies: Sollte die Fed sich gezwungen sehen, ihren Zins auf 6 Prozent zu erhöhen und die Regierung eine Rendite von 6 Prozent auf dreimonatige Schatzwechsel bieten müssen, stiege der Anteil der Zinsausgaben an den gesamten Ausgaben des Bundesstaats von 10 auf 30 Prozent. Dieses Rechenbeispiel gilt unter der Annahme einer Staatsverschuldung in Höhe von 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – ein Schuldenstand, von dem die Vereinigten Staaten nicht mehr weit entfernt sind. Es ist leicht vorstellbar, dass die Fed in einer solchen Situation unter erheblichen Druck geriete, ihren Zins nicht auf 6 Prozent zu erhöhen.

Reagiert die Zentralbank jedoch nicht auf die Inflationsgefahren, bilden sich Inflationserwartungen mit ihren schädlichen Folgen wie zum Beispiel überzogenen Preisanstiegen von Sachgütern wie Immobilien, die Fehllenkungen von Kapital induzieren. Die Zentralbank soll die Geldwertstabilität opfern, um einen Beitrag zur Tragfähigkeit der Staatsverschuldung zu leisten. In diesem Spiel zwischen Regierung und Zentralbank verschlimmerte eine Verzögerungstaktik die Lage.

Die Zentralbank in der Rolle eines Fahrradfahrers

Die vorangegangenen Ausführungen belegen, dass nach Ausbruch einer schweren Krise die Situation für die Zentralbank in jedem Falle misslich ist. Starke Kräfte wirken in entgegengesetzte Richtungen. Kleine Fehler können entweder in eine Inflation mit ihren nachteiligen Folgen oder in eine verheerende Deflationsspirale führen. Ein Vergleich mit einem Fahrradfahrer, dessen Geschwindigkeit sich Null nähert, bietet sich an: Man weiß nicht, ob das Fahrrad eher nach links oder nach rechts stürzen wird. Wohl aber weiß man, dass es für den Fahrer sehr schwierig sein wird, die Balance zu halten. Solange das Fahrrad aber nicht schneller fährt – im Falle der Zentralbank: Solange die Wirtschaft nicht wieder schneller wächst – ist der Balanceakt unvermeidbar.

Rechtzeitige Krisenprävention ist notwendig – und möglich

Es ist daher notwendig, den Ausbruch einer weiteren systemischen Krise in der Zukunft zu vermeiden. Zeiten mit hoher gesamtwirtschaftlicher Stabilität und der Entstehung zahlreicher Finanzinnovationen begünstigen den Aufbau systemischer Risiken. Die Ökonomen müssen wieder lernen, monetäre Analysen ernst zu nehmen. Aus diesem Grunde ist es notwendig, die Entwicklung von Geld- und Kreditvolumina in der Gesamtwirtschaft, aber auch in den einzelnen Sektoren, genau zu verfolgen, um Überschuldung rechtzeitig zu diagnostizieren. Detailliertere Indikatoren, zur Beispiel zur Messung von Liquidität, können ergänzend hilfreich sein.

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*) Markus K. Brunnermeier ist Edward S. Sanford Professor of Economics an der Princeton University. Der vorliegende Beitrag beruht auf mehreren wissenschaftlichen Arbeiten, die Brunnermeier in den vergangenen Jahren mit seinem ebenfalls in Princeton lehrenden Kollegen Yuliy Sannikov verfasst hat. Diese Arbeiten sind auf Brunnermeiers Homepage einsehbar. Es handelt sich um:
- Redistributive Monetary Policy
- Three Stability Concepts
- The I-Theory of Money
Auf der Homepage befinden sind weitere Arbeiten Brunnermeiers aufgeführt, die sich mit Finanzmärkten, ihren Friktionen und der Bedeutung dieser Friktionen für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung sowie das Verhältnis von Zentralbanken, Regierungen und Regulierern befassen. Die von der modernen Makroökonomik vernachlässigte Einbeziehung von Banken und Finanzmärkten in gesamtwirtschaftliche Analyse gehört seit langem zum Forschungsprogramm der Ökonomen in Princeton.

**) Ein brandneues E-Book zum Thema “Inflation Targeting” wurde hier annonciert – es enthält auch einen Beitrag von Brunnermeier/Sannikov. Etwas ältere Überblicke zum Inflation Targeting gibt es zum Beispiel hier und hier und hier.

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Der vorliegende Beitrag ist in der Ausgabe vom 18. April 2013 im Finanzmarkt der F.A.Z. erschienen.

 

 
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1 Linus Huber 14.07.2013, 18:50 Uhr

Eine kleine Geschichte - Teil 5: WENN MENSCHEN ZU RATTEN WERDEN

Durch die Teilenteignung des Geldeigentümers nimmt Geld vermehrt Attribute verbunden mit Besitz anstelle von Eigentum an. Besitz und Eigentum, obwohl sie meist zusammenfallen, sind jedoch konzeptionell verschieden. Wir können sehr wohl ein Auto besitzen, ohne dessen Eigentümer zu sein. Dies stellt sich zum Beispiel ein, wenn man ein Auto mietet. Verhalten wir uns genau gleich unter Verwendung eines gemieteten oder eines eigenen Fahrzeugs? Dieser oder jener Mieter mag sich tatsächlich genau gleich verhalten in der Benutzung des Autos. Trotzdem hält sich das Gefühl der Sorge und der nachhaltigen Pflege für einen nur auf Zeit ausgeliehenen Gegenstand in Grenzen. Es liegt in der Tatsache, dass Eigentum nicht nur ein Recht sondern auch eine Pflicht beinhaltet, nämlich die Pflicht sich nachhaltig darum zu kümmern. Mit der Schwächung des Eigentumsrechts wird der Mensch in der Folge konditioniert, kurzfristig und nicht nachhaltig zu handeln. Wenn dies nur ein einziges oder ein kleiner Teil der Mitglied(er) der Gesellschaft so handhabt, werden die Auswirkungen auf die Gesellschaft schwach ausfallen. Wenn jedoch aufgrund jahrzehntelanger Konditionierung sich zunehmend ein immer höherer Anteil der Gesellschaft ihr Verhalten in diese Richtung verändert, ergeben sich dadurch schädliche gesellschaftliche Folgeerscheinungen, indem sich das kurzfristige und nicht nachhaltige Verhalten festsetzt.

Zum Beispiel entwickelt sich die Kultur der unverzüglichen Gratifikation, welche sich dadurch ausdrückt, dass man etwas sofort besitzen muss und nicht zuerst dafür spart. Man zieht es vor, sich zu verschulden als sich in Geduld zu üben und verantwortungsvoll zu budgetieren. Diese Entwicklung führt dazu, dass das aktuelle Verhalten den Wert der Nachhaltigkeit untergräbt. Das Konzept, dass man sich einen gewissen Lebensstandard zuerst erarbeiten muss, wird dadurch zunehmend geschwächt. Das Leben auf Pump, um einen gängigen Ausdruck zu verwenden, wird hingegen gefördert. Heute und jetzt wird wichtiger, da die Zukunft ungewiss und nicht mehr kalkulierbar geworden ist. Die Konsum- und Wegwerfgesellschaft ist geboren.

Das Verhältnis im Verhalten gegenüber Risiken verändert sich ebenfalls, indem die Kosten von Risiken zunehmend vom Risikonehmer auf die gesamte Gesellschaft transferiert werden. Diese Entwicklung begann nicht mit den kürzlich getroffenen Massnahmen in der Form der Rettung von Finanzinstituten, sondern fand dort seine Kumulation. Eine solche Konstellation produziert erhöhte Risikobereitschaft und untergräbt die Sorgfalt, welche notwendig ist, um eine nachhaltige Entwicklung zu erfahren. Die Entlastung des Risikonehmers von den möglichen negativen Konsequenzen eines Risikos untergräbt die gesellschaftlich positiven Werte der Sorgfalt, Verantwortung, Redlichkeit und Ehrlichkeit.

Da Geld langfristig wertlos zu sein scheint, verlagert der Mensch sich auf materielle Werte um dem Wertschwund des Geldes zu entgehen. Die Idee, sich mit einem Sparbuch eine finanzielle Notreserve oder einen Spargroschen zu sichern, wird verpönt und durch Investitionen in Sachwerte ersetzt. Dies fördert eine materialistische Weltanschauung, in welcher ethische und für das Zusammenleben wichtige Grundsätze an Wert verlieren. Es schürt schrittweise ein allgemeines Misstrauen gegenüber den Entscheidungsträgern (niemand liebt manipuliert zu werden), und produziert die Tendenz zu verstärktem Individualismus und der damit einhergehenden Reduktion des Mitgefühls.

Das wirtschaftliche Wohlbefinden der Bevölkerung beruht zunehmend auf einem Wachstum, welches einzig auf dem Entwerten der Währung beruht, wodurch sich eine immer höhere Machtkonzentration bei den Währungshütern bildet, welche sich schlussendlich wie Hohepriester fühlen müssen. Es wird zusehends unvermeidbar die nicht bestehende Nachhaltigkeit durch Verschleierung und Täuschung zu vertuschen und das Spiel des Perzeption Managements beginnt. Da die Bevölkerung sich ebenfalls an den Status Quo klammert, werden die Proklamationen der Entscheidungsträger auch wenn sie im klaren Gegensatz zu logischen Überlegungen stehen, enthusiastisch empfangen und verzweifelt geglaubt. Ehrbarkeit, Ehrlichkeit, Verantwortlichkeit, Nachhaltigkeit weichen einer Kultur von Lug und Betrug.

Ein anderer Aspekt der durch Manipulation erzeugten Reduktion des Eigentumsrechtes liegt in der Tatsache, dass im Effekt ein Diebstahl legalisiert wird. Die dadurch eintretende Untergrabung der Rechtsstaatlichkeit reduziert den Schutz der persönlichen Freiheit. Natürlich sind gewisse persönliche Freiheitsrechte in Bezug auf grundlegende Menschenwürde und -rechte einzuschränken. Ausserhalb dieses Bereiches hingegen, sollte der Staat die Regeln so formulieren, dass der Schutz der persönlichen Freiheit (und damit der implizierten Selbstverantwortung und anderer positiver gesellschaftlicher Werte) gefördert wird. Ich ordne hier die Zentralbanken den staatlichen Institutionen zu, obwohl sie offiziell formelle Unabhängigkeit geniessen. Jeder Eingriff, jede Regelung, jede Manipulation sollte auf den langfristigen Einfluss, welche diese Massnahme auf die Werte innerhalb der Gesellschaft ausübt, überprüft werden. Es handelt sich hierbei um nicht messbare Grössen oder in andern Worten um nicht quantitativ erfassbare Aspekte, sondern um qualitative Werte. Da Ökonomen sich im Bereiche von messbaren Veränderungen profilieren, sind ihnen philosophisch unterlegte Betrachtungsweisen eher fremd.

Um meinen kleinen Aufsatz abzuschliessen, möchte ich Ihnen folgenden Satz als Gedankenstütze auf den Weg geben: Wenn man eine Gesellschaft wie eine Labor-Ratte manipuliert, wird sie sich zunehmend die Attribute einer Ratte zulegen (Konditionierung). Oder in anderen Worten, wer Geld entwertet, entwertet ebenfalls die Menschlichkeit.

1 Linus Huber 14.07.2013, 18:49 Uhr

Eine kleine Geschichte - Teil 4: WENN MENSCHEN ZU RATTEN WERDEN

Die Kraft der Suggestion spielt in der Psychologie eine wichtige Rolle, indem sie das Selbstverständnis der Zielperson beeinflusst. Diese Methode wird im Bereiche der Erziehung oft bewusst eingesetzt um eine bestimmte Verhaltensweise zu fördern. Auch das Selbstverständnis und, in der Folge, das Verhalten der einzelnen Mitglieder einer Gesellschaft kann in Anwendung dieses Konzeptes verändert werden. Jede Verordnung oder Regelung wirkt auf mindestens zwei Ebenen. Einerseits auf der Ebene der durch die Massnahme beabsichtigten und angestrebten Verbesserungen der Lebensqualität für das einzelne Mitglied der Gesellschaft in sich, andererseits auf der Ebene der durch die adaptive Fähigkeit eines Lebewesens eintretende Verhaltensveränderung. Die Verhaltensänderung kann selber jedoch zusätzlich noch in zwei Bereiche unterteilt werden, nämlich auf den spezifisch auf die Massnahme Bezug nehmenden Bereich einerseits und aufgrund der suggestiven Wirkung auf das durch die Massnahme implizierte Selbstverständnis des einzelnen Mitgliedes einer Gesellschaft andererseits. Grundsätzlich kann man sicherlich festhalten, dass je höher die Verordnungsdichte, desto mehr schwächen sich Eigenverantwortung, Ehrbarkeit, Selbständigkeit, Freiheit, Unabhängigkeit, Gemeinschaftssinn, Respekt gegenüber der eigenen wie Drittpersonen und andere ähnlich gelagerte und essentiell wichtige Werte des gesellschaftlichen Zusammenlebens.

Die Effektivität einer Massnahme auf das Verhaltensmuster der einzelnen Mitglieder einer Gesellschaft ist am höchsten, wenn die gesamte Gesellschaft gleichzeitig und dauerhaft damit konfrontiert ist und damit eine Bewusstseinsveränderung erzeugt wird. Es gibt wohl kein anderes menschlich geschaffenes System, welches das Selbstverständnis und die gesellschaftliche Ordnung stärker beeinflusst, als Geld. Geld ist allgegenwärtig, wird täglich von jedermann benutzt, misst den eigenen wirtschaftlichen Erfolg und trägt massgebend zum Selbstverständnis der eigenen Person bei. Der Einfluss dieses Mediums auf den Menschen eines Währungsraums beschränkt sich keinesfalls einzig auf monetäre Aspekte und ökonomische Aggregate, sondern nimmt, aufgrund der gesellschaftlichen Bedeutung, massgebend Einfluss auf die Werte-Skala der entsprechenden Gesellschaft. Die Eigenschaft einer Währung, welche auf der Geldpolitik einer Zentralbank beruht, ist daher von hoher gesellschaftlicher Bedeutung.

Ausnahmslos verfolgen Zentralbanken eine Politik der Geldentwertung. Es ist eigentlich erstaunlich, dass es keine einzige Ausnahme gibt und sämtliche gegenwärtig im Umlauf befindenden Währungen überall über einen längeren Zeitraum betrachtet, der Entwertung unterliegen. Die einen entwerten sich schneller als die andern, aber sich entwerten, tun sie alle. Ist dies eine natürliche Eigenschaft einer Währung oder ist dies durch Menschenhand gesteuert? Bei genauerer Betrachtung kann man gut erkennen, dass dahinter eine sehr bewusst betriebene Manipulation steckt, indem der Werterhalt einer Währung zugunsten der durch die Manipulation erreichten kurzfristigen wirtschaftlichen Vorteile, geopfert wird. In anderen Worten wird das Recht des Eigentümers der Währung verletzt, um eine statistisch messbare quantitative Verbesserung der Wirtschaftsleistung zu erreichen. Wachstum kann allerdings nur auf quantitativer Ebene gemessen werden, und vernachlässigt dadurch eine qualitative Einschätzung des erzielten Wachstums. In anderen Worten, Wachstum, welches auf inflationärer Geldpolitik beruht, erzeugt in Anwendung oben erklärter Prinzipien menschlicher Natur negative gesellschaftliche Auswirkungen, welche zwar nicht direkt messbar sind, jedoch die Gesellschaft auf verschiedenen Ebenen langfristig und fast unbemerkt schädigen. Nachfolgend werden wir einige dieser Konsequenzen erläutern, wobei die oben aufgeführten Beispiele der Reflexivität als Hilfe dienen.

Wie wir gerade ausführten, wird durch die Manipulation der Währung (dauernde langfristige Entwertung) das Recht des Eigentümers der entsprechenden Währung verletzt. Wenn sich eine Währung entwertet, löst sich der Kaufkraftverlust des Geldeigentümers von zum Beispiel um 20 Prozent in 10 Jahren nicht in Luft auf, sondern jemand anders hat sich diesen Verlust an Kaufkraft angeeignet. Im allgemeinen dürfte derjenige, welcher sich verschuldete, davon profitieren. Es handelt sich in diesem Sinne um einen Umverteilungsmechanismus, an welchen sich eine Gesellschaft schrittweise gewöhnte und damit ihre Verhaltensweise entsprechend angepasst hat. Das Resultat ist eine bankenfreundliche Umgebung, da damit das Wachstum des Kreditvolumens gefördert wird; dies aufgrund der Tatsache, dass der geldmässig negativ positionierte (verschuldete) Akteur unter Abzug der Transaktionsmarge der Bank, ohne entsprechende wirtschaftliche Leistung, einen Gewinn erzielen kann. Im Geiste widerspricht dieser Umstand der in der Verfassung festgehaltenen Gewährleistung des Rechtes auf Eigentum und unterminiert damit die Rechtsstaatlichkeit.

1 Linus Huber 14.07.2013, 18:36 Uhr

Eine kleine Geschichte - Teil 3: WENN MENSCHEN ZU RATTEN WERDEN

Im Bestreben, Risiken des Einzelnen zu reduzieren, haben wir unzählige Systeme und Regelwerke geschaffen. Diese Regeln produzieren natürlich einen zunehmenden Verwaltungsaufwand und entsprechende Institutionen wurden entweder ins Leben gerufen oder ausgebaut. Wie die Gesellschaft ist eine Institution ebenfalls besser als ein Organismus zu betrachten und man sollte der Versuchung, die rein funktionelle Ebene zu sehen, widerstehen. Aus der Natur wissen wir, dass jeder Organismus wachsen will oder sich, wenn bedroht, zu wehren versucht. Dies kann man auch sehr gut nachvollziehen, indem natürlich jeder Verwaltungsangestellte seine Position auszubauen versucht, indem er sich möglichst viele Kompetenzen aneignet um seine Existenz abzusichern. Ein natürlicher Vorgang, welcher auf der menschlichen Natur beruht und in sich als positiv zu betrachten ist. Allerdings mag diese Verhaltensweise des einzelnen innerhalb des Verwaltungsapparates für die Gesamtheit der Gesellschaft negative Konsequenzen in sich bergen und zwar im Zusammenspiel mit der zunehmenden Regulierungsdichte. Es dürfte wie ein Turbo auf die oben beschriebene Entwicklung wirken und viele Regeln institutionalisieren, womit die Flexibilität und langfristige Nachhaltigkeit des gesamten System negativ beeinflusst wird. Die Idee, dass man jegliches Risiko durch entsprechende Massnahmen eliminieren kann, produziert ein Problem der Nachhaltigkeit und unterminiert die Vitalität für die Gesamtheit des Systems. Mit der Reduktion persönlicher Freiheiten, werden auch die menschlichen Qualitäten wie Verantwortungsbewusstsein, Gemeinschaftssinn, Gefühl der Schicksalsgemeinschaft, Mitgefühl, Ehrenhaftigkeit und andere für die Gesellschaft positive Eigenschaften geschwächt. An dessen Stelle tritt der Drang die Regeln zu beeinflussen, die Regeln zu umgehen, Wege zu suchen, sich zu bevorteilen zulasten der Allgemeinheit und dies aus dem einfachen Grunde, dass wir die Pflicht der Verantwortung für das Funktionieren des Gesamten von uns weg delegierten. Ehrenwertes Verhalten hat hier keine Funktion und ist nicht mehr gefragt, sondern einzig Regeln bestimmen den Ablauf. Wer sich benachteiligt fühlt, versucht entweder Einfluss auf die Regeln (nur möglich für die Elite) zu nehmen oder, wie wohl die meisten, konsterniert einfach. Aus sogenannten Effizienz-Gruenden oder weil es der Wirtschaft schaden könnte, sind Regeln und Gesetze zunehmend irrelevant (biegen oder ignorieren von Verfassungsartikeln und Neuinterpretation von Gesetzen, indem deren Geist mit Füssen getreten wird) für Entscheidungsträger, da sie anscheinend das System zu retten haben, dabei jedoch vergessen, dass die damit einhergehende Rechtsunsicherheit möglicherweise bedeutend schädlicher sein mag für das System, als ein temporärer Einbruch des Wirtschaftswachstums.

"Das isch no an richtige Maa" (Dies ist ein richtiger Mann) waren meines Vaters Worte, als nach dem Tode meines Bruders, er dessen Wohnung in Zürich verkaufte und der Käufer mit einem Bündel Tausendernoten zahlte. Obwohl ich kein Kind mehr war, hinterliess seine überzeugende Ausdrucksweise durch die in den Worten mitschwingende Dynamik einen bleibenden Eindruck auf mich. Es handelte sich nicht einzig darum, dass mein Vater die Tatsache bewunderte, dass der Käufer in der Lage war, diesen grossen Betrag in Bar zu produzieren, sondern es war ein Ausdruck der Ehrbarkeit, welche diesem Käufer damit zugeordnet wurde. Aber auch allgemein bekannte Sprichworte weisen auf die Bedeutung des Bargeldes hin. Die Sicht der Dinge meines Vaters, wie vieler andere Leute seiner Generation, wurden durch die Erfahrungen während der Weltwirtschaftskrise nach 1929 geprägt und er hielt an seiner Überzeugung fest, obwohl empirisch betrachtet sich dies seit mindestens der Mitte des letzten Jahrhunderts klar widerlegen liess , indem Geld respektive Bargeld gleich welcher Währung an Kaufkraft einbüsste. Es handelt sich um ein Verhaltensmuster, welches bei ihm eingebrannt war.

Die meisten Menschen jener Generation sind heute nicht mehr am Leben und haben schwerlich noch Einfluss auf das heutige Geschehen. Wenn man mit jungen Leuten darüber diskutiert, wird oft unmissverständlich erklärt, dass man wohl von Geld in der heutigen Zeit keine Ahnung mehr zu haben scheint und heutige Währungen einzig als Zahlungsmittel zu funktionieren haben. Auch viele Ökonomen haben sich mit oft abstrusen Theorien dazu geäußert und viele belächeln die Idee des wertbeständigen und ehrlichen Geldes. Als ich vor gut 12 Jahren einen Neuwagen in Singapur erwarb und nach Abschluss der Verhandlungen erklärte, dass ich gedenke mit Bargeld zu zahlen (ein Betrag von vielleicht umgerechnet chf70k) und nachfragte, wie hoch ein zusätzlicher Barzahlungs-Rabatt (Skonto) ausfallen dürfte, wollte der Verkäufer am liebsten den ganzen Kaufvertrag rückgängig machen. Der Grund lag darin, dass der Verkäufer eine Kommission für jeden Kreditvertrag kassierte und damit dieser Verdienst ausfiel. Schon damals fragte ich mich, welche gesellschaftlichen Werte durch solche Anreizsysteme wohl gestärkt und welche geschwächt werden. Werte in der Gesellschaft sind nie in Isolation zu betrachten, sondern wenn sich ein gesellschaftlicher Wert erhöht, verliert ein anderer Wert relativ gesprochen. Ebenfalls ist es nicht abwegig, den Ursprung für die Veränderung der in der Gesellschaft vorherrschenden Werte zu untersuchen.

1 Linus Huber 14.07.2013, 18:34 Uhr

Eine kleine Geschichte - Teil 2: WENN MENSCHEN ZU RATTEN WERDEN

Ich bin selten krank, jedoch wenn ich von einem nicht lebensgefährdendem Leiden befallen werde, erkundige ich mich über die möglichen Gründe der Symptome im Internet. Ich erwäge in eigener Regie, was die plausibelste Ursache sein mag und konsultiere kurz meine engste Umgebung um mögliche Ratschläge mit zu berücksichtigen. Danach entscheide ich mich auf meine Behandlung, welche oft einzig darin besteht, gar nichts zu unternehmen um den Körper auf die notwendige Widerstandskraft zu trimmen, was langfristig sicherlich vorteilhaft sein dürfte. In anderen Fällen besuche ich einen mir vertrauten Apotheker und diskutiere kurz das bestgeeignete Medikament, kaufe und administriere es, womit die Angelegenheit abgeschlossen ist. Natürlich können sich bei diesem Vorgehen unvorhergesehene Nebenwirkungen melden, dies trifft jedoch auch zu, wenn ich auf den Rat eines Arztes höre. Was jedoch wichtig ist an diesem Beispiel, liegt im Umstand, dass ich Eigenverantwortung und Risiko übernehme und nicht delegiere. Nun, es ist leider nicht möglich in unserem gegenwärtigen System in der Schweiz sowie vielen anderen Staaten der Welt, nach diesem Prinzip zu handeln, da man erstens sämtliche Kosten selber zu tragen hat (Ablehnung der Deckung durch die Krankenkasse) und zweitens das Medikament ohne eine Verschreibung des Arztes gar nicht kaufen darf. Wenn das einzelne Individuum die Kosten persönlich zu tragen hätte, würde die Anzahl Arztbesuche vielleicht um 50% einbrechen und aufgrund des reduzierten Aufwandes somit Nachhaltigkeit gesteigert und Verantwortungsbewusstsein im Bereiche der eigenen Gesundheit gefördert würden. Ich kann daraus schliessen, dass das System falsche Anreize produziert, indem die Eigenverantwortung und das Risiko an eine gefühlsmäßig undefinierbare Masse delegiert wird, was die Regeln der Nachhaltigkeit des gesamten Gesundheitswesens untergräbt, ein Umstand, welcher für die Gesellschaft insgesamt negative Auswirkungen produziert. Wie schon erwähnt, geht es hier nicht darum, das gegenwärtige Gesundheitssystem zu bewerten, sondern einzig darum, den Einfluss von Massnahmen auf das Verhalten des einzelnen Individuums zu untersuchen, und zu demonstrieren, was unter dem Begriff Reflexivität zu verstehen ist. Übrigens und nur als Zwischenbemerkung gemeint, habe ich die hohen Kosten der Verwaltung, welche das System erfordert, noch nicht einmal angesprochen.

"Er haet sin Scheck nie igloest" (er hat seinen Scheck nie eingelöst), erklärte mir mein Vater und ich konnte nicht erkennen, ob er sich ob dieser Tatsache freute oder grämte. Vielleicht war es eher ein Ausdruck leichter Beklommenheit. Mein Vater war kurz zuvor in einen Gerichtsfall verwickelt, als er auf der Basis eines Handschlages ein paar Schweine kaufte und nach Vollzug der Handelstransaktion der Verkäufer seine Meinung änderte, indem er glaubte, einen zu kleinen Preis erhalten zu haben und deswegen eine Klage einreichte. Im Viehhandel ist/war es üblich, sich nicht unter Verwendung von Dokumenten Vertragsabschlüsse zu besiegeln, sondern ein Handschlag war Tradition und Regel. Der Verkäufer verlor vor Gericht und musste die Gerichtskosten beider Parteien berappen. Die ursprüngliche Zahlung für die Schweine in der Form eines Schecks wurde jedoch nie in Anspruch genommen, da der Käufer den Scheck nie in der Bank vorlegte. Nach reiflicher Überlegung kam ich zum Schluss, dass der Verkäufer aufgrund einer der folgenden Umstände den Scheck nie einreichte. Vielleicht zerriss er den Scheck in einem Anfall von Wut und war zu stolz um eine Neuausstellung zu bitten. Vielleicht glaubte er, dass aufgrund des Gerichtsurteils er kein Anrecht mehr auf Bezahlung hatte und dies Teil der Bestrafung darstellte. Vielleicht wollte er damit bezeugen, wie sehr er meinen Vater verachtete und deswegen kein Geld von ihm akzeptieren würde. Was immer der Grund gewesen sein mag, es zeigte jedoch in jedem Fall ein tief verwurzeltes Selbstverantwortungsgefühl und eine damit einhergehende Ehrbarkeit. Das Gericht musste zum Schluss gekommen sein, dass mein Vater den Verkäufer nicht getäuscht hatte und der Handel somit seine Gültigkeit besass. Somit musste der Verkäufer automatisch seine eigene Ehrbarkeit hinterfragen und fühlte sich dementsprechend blamiert und unehrenhaften Verhaltens bezichtigt. Wenn wir dieses Verhaltensmuster mit dem heutig gängigen Verhalten vergleichen, kann man zweifelsfrei eine Verhaltensveränderung erkennen. Ehre, Tradition und Währschaftlichkeit haben an Gewichtung verloren und es zählt oft einzig nur noch das Resultat, welches sich unter dem Strich ergibt. Die Leichtigkeit des Kommerzes, welcher auf gegenseitigem Vertrauen beruhte, ist einem mit unzähligen Bestimmungen ausgeschmücktem Regelwerk gewichen. Die Frage, welche sich in diesem Zusammenhang stellt, besteht darin, ob wir als Gesellschaft uns dadurch eine bessere, ehrlichere und rechtsstaatlicher Umgebung geschaffen haben oder ob dies das Gefühl der Rechtsstaatlichkeit und Rechtssicherheit eher unterminierte. Auch hier will ich keine Bewertung der Entwicklung anstellen, sondern einfach festhalten, dass aufgrund der vielen Regeln der Wert des selbstverantwortlichen und ehrenhaften Verhaltens offensichtlich reduziert wurde. Ehrenhaftes sowie verantwortungsvolles Verhalten kann man nicht durch Gesetze verordnen, sondern sind ethische Werte, welche jeder in sich trägt. Je stärker man hingegen jeden Umstand regelt, desto mehr schwächt man dieses in jedem Menschen inhärente Bedürfnis der Ehrbarkeit und Selbstverantwortung. Auch dies ist ein Beispiel für Reflexivität.

1 Linus Huber 14.07.2013, 18:31 Uhr

Eine kleine Geschichte - Teil 1: WENN MENSCHEN ZU RATTEN WERDEN

WENN MENSCHEN ZU RATTEN WERDEN
(Langzeitwirkung inflationärer Geldpolitik auf die Gesellschaft)

Ich kann mich gut an gewisse Erlebnisse aus meiner Kindheit erinnern und erwäge die kleinen Episoden als wichtig ein, aus dem ganz einfachen Grunde, weil sie aufgrund der Tatsache, dass ich mich überhaupt noch daran erinnere, einen grossen Eindruck auf meine sich formende Persönlichkeit gehabt haben müssen. Es geht hier nicht um die Bewertung der Erfahrungen in sich, sondern um deren Stellenwert auf mein zukünftiges Verhalten als erwachsener Mensch. Es will auch demonstrieren, dass sich Veränderungen im Verhalten des Individuums sehr langsam einstellen, da man durch die Erfahrungen in den Jahren der Persönlichkeitsentwicklung stark dem Einfluss vergangener Prinzipien ausgesetzt ist.

Montag war wohl der wichtigste Tag in meines Vaters Berufsleben. Mit viel Bargeld ausgestattet, machte er sich zwischen 3 und 5 Uhr auf seinen Weg, die in der Vorwoche gekauften Kälber einzusammeln und fuhr dabei von Bauernhof zu Bauernhof um gegen spätestens 8 Uhr auf dem Kälber-Markt vorfahren zu können. Je früher desto besser, da die Nachfrage der Einkäufer von Schlachthöfen und Mästerei-Betrieben ansonsten schon eingedeckt sein mag. Natürlich half ihm das aufgrund langer Erfahrung ausgebaute Beziehungsnetz, jedoch verblieb wohl dauernd ein kleiner Zweifel, denn er hatte sich diesen beruflichen Weg schwer erkämpft, als er den Schritt vom einfachen Bahnangestellten, welcher unter anderem die Bahnhofswaage bediente und dadurch in den Kontakt zu Bauern und dem Viehhandel kam, in die Selbstständigkeit wagte. Schlussendlich hatte er 6 Kinder und eine Frau zuhause, welche von seinem Erfolg abhingen. Sein gelegentlicher Zweifel seines finanziellen Erfolgs des morgigen Tages drückte sich auch nach langen Jahren durch das Auftreten von Ängstlichkeit am Sonntag Abend aus, indem er oft an extremem Juckreiz seiner Fusssohlen litt und diesen mit rigoroser Verwendung einer Bürste bekämpfte.

Diese Episoden sind Ausdruck der Tatsache, dass Risiko einen hohen Grad an Stress produzieren kann und nicht eine angenehme Angelegenheit für den einzelnen Menschen ist. Die Frage, welche allerdings wichtiger sein muss, liegt darin, ob solche Erfahrungen positiv für das Individuum selber und die Gesellschaft insgesamt sind, oder ob man deren Auftreten verhindern sollte (indem man zum Beispiel festlegen würde, dass der Staat den Kauf sämtlicher Kälber, welche zum Markt geführt werden, sicherstellt). Das Individuum hasst zwar den Stress, aber wie viele Studien belegen, hilft Stress das menschliche Verhalten insofern zu beeinflussen, dass man versucht die Unsicherheit oder das Risiko durch entsprechendes Verhalten zu reduzieren, was das Denken im Sinne von Nachhaltigkeit und Verantwortungsbewusstsein fördert. Ebenfalls ist es eine fragwürdige These, dass wenn man das Risiko verallgemeinert (auf die Allgemeinheit verlagert), das Individuum dadurch weniger strapaziert wird, sondern der Fokus wird sich auf andere Gebiete des täglichen Lebens lenken, in welchem ebenfalls Probleme auftreten können. Denn der Mensch braucht und sucht Herausforderungen, ansonsten er langsam abstirbt. Dies zeigt sich oft darin, dass Menschen nach einem lebensveränderndem Ereignis, wie z.B. Pensionierung oder Tod des Partners, lustlos dahin vegetieren, da der stimulierende Stress fehlt. In anderen Worten, ist die Angst vor dem Versagen ein Positivum für den einzelnen Menschen.

Die nächste Frage, welche zu beantworten ist, wie sich die Reduktion der Unsicherheit für den Einzelnen und damit das Verteilen der Kosten des Risikos auf die Gesellschaft auswirkt oder wie ändert sich das Verhalten der einzelnen Individuen in solch einer Gesellschaft. Es ist sicherlich nicht mehr als fair anzunehmen, dass sich die obigen aufgeführte positive Verhaltensweise (Vorsicht und Nachhaltigkeit) mit negativen Vorzeichen besetzt werden dürfte. Die Erkenntnis solcher Reflexivität ist Naturwissenschaftern viel bewusster als den heutigen Wirtschaftswissenschaftlern, da es sich beim Organismus "Gesellschaft" um lebende Subjekte handelt (näher einem Lebewesen als einem physischen Objekt) und das Verhalten der einzelnen Mitglieder einer Gesellschaft dadurch nicht mit mathematischen Formeln vereinfacht erfasst und gemessen werden kann. Um diese Reflexivität besser zu erklären, will ich dies anhand eines praktischen und in diese Zeit passendes Beispiels erörtern.

1 Linus Huber 14.07.2013, 18:24 Uhr

Die Ignoranz der Oekonomen

Ich koennte hier verschiedene fragwuerdige Annahmen obigen Berichtes zerpfluecken, wie z.B. die Idee, dass die Stabilität des Geldwertses gewaehrleistet wurde ueber die vergangen Jahrzehnte, aber bevorzuge es den Ursprung des Problems zu eroertern.

Im Misbrauch der Waehrungen zur Bekaempfung kurzfristiger wirtschaftlicher Schwaechen liegt die eigentliche Ursache der heutigen Problematik. Diese Tatsache wird hingegen von den meisten Oekonomen auch heute noch meist ausgeblendet, denn es wuerde die Fragwuerdigkeit der manipulativen Geldpolitik aufwerfen.

Aufgrund der dauernden leichten Geldentwertung hat sich das Verhalten der oekonomischen Akteure im System derart veraendert, dass es sich lohnte, sich immer staerker zu Verschulden und mit hoeherem Hebel zu arbeiten. Dies versprach die hoechsten Gewinne zulasten jener, welche sich nachhaltig und vorsichtig verhielten. Eine immer staerkere Flucht aus dem Geld und in Sachwerte war eine logische Folge dieser Geldpolitik. Dass dies aufgrund der immer hoeheren Ungleichgewichte im System das Prinzip der Nachhaltigkeit verletzte, wurde von den Kuenstlern der Manipulation entweder nicht erkannt oder einfach ignoriert, da sich ihre persoenliche Zukunft schlussendlich auf der Funktion der Steuerung der Wirtschaft beruhte.

Die dadurch in Gang gesetzte Verzerrung der Preisbildung im Markt wird auch heute nicht wirklich erkannt, sondern man vertritt sogar die Ansicht, dass dies ein erwuenschtes Ergebnis "kluger" Waehrungspolitik sei. Der interessante Aspekt liegt nun darin, dass viele Entscheidungstraeger heute den "Freien Markt" beschuldigen, welcher gezaehmt werden soll und dabei willentlich nicht erkennen, dass wir aufgrund der Manipulation des in allen Ritzen des Systems vordringenden Mediums "Geld" gar nicht in einem nur annaehernd Freien Markt leben. Was versagte, ist die zentralplanerische Funktion der Zentralbanken und nicht der Freie Markt.

Die mit dieser Geldpolitik einhergehende Zerstoerung wichtiger fuer das reibungslose gesellschaftliche Zusammenleben notwendigen Werte, welche in den positiven menschlichen Eigenschaften zum Ausdruck kommen, koennen wir schrittweise selber verspueren, indem Werte wie Ehrenhaftigkeit, Selbstverantwortung, nachhaltiges Verhalten, Ehrlichkeit, Naechstenliebe etc. durch die Gesellschaft schaedigenden Werte ersetzt werden, wie z.B. Egoismus, Kurzfristigkeit, Ruecksichtslosigkeit, Lug und Betrug etc.

Solange ein Oekonom mit etwelchen Rezepten aufwarten will, soll er zuerst sich mit den langfristigen Auswirkungen inflationaerer Geldpolitik befassen, ansonsten seiner Analysen das grundsaetzliche Verstaendnis der Problematik fehlt.

[...] den vergangenen Jahrzehnten...

[...] den vergangenen Jahrzehnten herrschenden Lehre abgelegt wurde und heute an Plätzen wie Basel oder Princeton wieder entdeckt und weiter entwickelt [...]

[...] den vergangenen Jahrzehnten...

[...] den vergangenen Jahrzehnten herrschenden Lehre abgelegt wurde und heute an Plätzen wie Basel oder Princeton wieder entdeckt und weiter entwickelt [...]

1 Thomas Weiss 21.04.2013, 17:22 Uhr

Der Steuerzahler zahlt die Zeche.

Merkwürdigerweise wird in dem Beitrag der Steuerzahler nur über die Zentralbank bemüht (Inflationssteuer). Dass der Staat zur euphemistisch umschriebenen "Restrukturierung der Banken" ebenfalls die Steuerzahler zur Kasse bitten wird, bleibt leider unerwähnt. Der Deus ex machina "Deregulierung der Finanzmärkte" löst dann alle Probleme der Welt.

1 gerhard monsees 20.04.2013, 18:51 Uhr

Nicht die Spur eines Konzepts

Tut mir leid, aber Sätze wie "eine Zentralbank agiert nicht in einem Vakuum, sondern in einem komplizierten wirtschaftlichen und politischen Umfeld" finde ich entbehrlich.

Oder "Eine Geldpolitik, die gezielt Umverteilung betreibt, untergräbt die Unabhängigkeit einer Zentralbank" - aber was anderes tun sie derzeit, und alle Nationalstaaten ebenfalls. Hat irgendein Ökonom mal analysiert, wo das ganze Umverteilte letztlich landet, und ob es dort, wo es landet, irgendeine zukunftsfähige Produktivität oder gar Innovativität bewirkt?

"Szenario - Szenario - Szenario" - scheint stattdessen auf eine besonders affirmative Weise das Vergnügen von Ökonomieprofessoren zu sein.

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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt in der F.A.Z.