Fazit – das Wirtschaftsblog

Fazit - das Wirtschaftsblog

Für alle, die’s genau wissen wollen: In diesem Blog blicken wir tiefer in Börsen und andere Märkte - meist mit wissenschaftlicher Hilfe

Was ist Geld und warum hat es einen Wert? (Teil 1)

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Das ist eine der Kernfragen der Wirtschaftstheorie. „Wir verstehen das Problem heute noch schlechter als früher“, klagt der renommierte Ökonom Martin Hellwig. Wir skizzieren in drei Teilen den Vortrag, den er auf der Tagung des Vereins für Socialpolitik in Wien gehalten hat.1) Im ersten Teil beginnen wir mit der Frage, was man gewöhnlich unter Geld versteht.

 

Was bezeichnet das Wort „Geld“?

Eingangs verweist Hellwig darauf, dass die Bedeutung des Wortes „Geld“ vom Kontext abhängig ist: Denn als Geld wird bezeichnet:

  • die vom Staat ausgegebenen Banknoten und Münzen
  • das, was von Privaten als Tauschmittel akzeptiert wird
  • das, was als Aggregat in einer „Geldmarkt“-Gleichung am besten passt: M1, M3….

 

Beziehungen zwischen Bargeld-Giralgeld-Zentralbankgeld

Dann befasst sich Hellwig mit den Geldbegriffen aus der ökonomischen Theorie und ihren Beziehungen. Und das, was er sagt, dürfte unstrittig sein:

Einlagen von Kunden bei Geschäftsbanken sind Forderungen auf Bargeld. Sind Einlagen bei Geschäftsbanken und Bargeld damit auch perfekte Substitute? Hellwig sagt: Für den Kunden und für den Makroökonomen weitgehend, aber es gibt in Krisen Ausnahmen wie in Griechenland 2015.

Sind für Geschäftsbanken Einlagen von Kunden und Bargeld perfekte Substitute? Hellwig sagt: Nein, denn ohne die Kundeneinlagen brauchte eine Bank eine andere Finanzierung.

Ferner sind Einlagen der Geschäftsbanken bei der Zentralbank Forderungen auf Bargeld. Handelt es sich bei diesen Einlagen und dem Bargeld um perfekte Substitute? Hellwig sagt: Weitgehend ja.

 

Begründet die Ausgabe von Geld eine „Schuld“?

Auch hier dürfte es keinen ernsthaften Dissens geben. Hellwig sagt:

Früher waren Banknoten eine Schuld, als es eine Verpflichtung zur Einlösung zum Beispiel gegen Gold gab. Heute sind Banknoten keine Schuldpapiere mehr.

Einlagen bei Geschäftsbanken begründen hingegen eine Schuld, weil sie eine Verpflichtung auf Einlösung in Bargeld der Zentralbank verkörpern.

 

Wie sieht die „Schuld“-Frage bei der Zentralbank aus (Teil 1)?

Hellwigs Thesen lauten:

  • „In der Bilanz der Zentralbank erscheint die Geldausgabe als Verbindlichkeit. Aber diese Verbindlichkeit verpflichtet zu nichts.“ Das dürfte ziemlich unstrittig sein und gehört seit Jahrzehnten zum Standardstoff in der monetären Ökonomik. Man kann heute nicht mit einer Banknote zur Zentralbank gehen und auf Herausgabe eines Aktivums der Zentralbank pochen. (Im Goldstandard war das eine andere Sache; es wäre auch eine andere Sache, wenn eine Zentralbank heute in einem System fester Wechselkurse verpflichtet wäre, eigene Währung gegen fremde Währung zu einem festen Kurs zu tauschen.)
  • „Vermögenseffekte der Ausgabe von Zentralbankgeld: Zu Gunsten der Zentralbank (des Staates) – und bei normalen Reaktionen der Preise zu Lasten der Wirtschaftssubjekte.“
  • „Zeitinkonsistenz einer am Budgetbedarf des Staats ausgerichteten Zentralbank ist ein Hauptgrund für die Unabhängigkeit der Zentralbank.“

 

Die „Schuld“-Frage bei Zentralbankgeld (Teil 2)

Nun lanciert Hellwig – nicht zum ersten Mal – eine harte Attacke, die sich in seiner Präsentation gegen Bundesverfassungsgericht und Bundesbank richtet. Man könnte aber hinzufügen: Auch gegen Ökonomen wie zum Beispiel Hans-Werner Sinn, mit dem Hellwig darüber bereits eine harte öffentliche Kontroverse ausgefochten hatte. Hellwigs Punkte sind:

  • „Bundesbank/Bundesverfassungsgericht: Es ist demokratietheoretisch problematisch, wenn die Politik der unabhängigen Zentralbank Risiken für den Staatshaushalt mit sich bringt.“
  • „Die Argumentation beweist eine bemerkenswerte Nonchalance gegenüber gerade der deutschen geschichtlichen Erfahrung – oder ein Unwissen darüber, dass jegliche Zentralbankaktivität notwendigerweise Budgetwirkungen hat.“
  • „Genau diese Budgetwirkungen waren seinerzeit der Grund, die Zentralbank unabhängig zu machen.“
  • „Im übrigen verkennen Bundesbank und Bundesverfassungsgericht den Tatbestand, dass letztlich alle Anlagen der Zentralbank riskant sind (siehe die Verluste auf Devisenreserven bei D-Mark-Aufwertungen)…“2)
  • „… und den Zusammenhang, den jeder Geldfälscher versteht, dass bei Geldschöpfung durch Offen-Markt-Käufe zunächst ein nicht ausgewiesener Gewinn entsteht und die Verluste diesen Gewinn nicht übersteigen können.“ In einem Leserbrief an die F.A.Z. schrieb Hellwig einmal erläuternd: „Jeder Geldfälscher weiß, dass er sich bereichern kann, wenn er Papierzettel bedruckt und als ‚Geld‘ in Umlauf bringt, z.B. indem er dafür einen Jahreswagen kauft. Wenn das Auto hinterher kaputt geht, erleidet er einen Schaden, aber danach ist er nicht ärmer als vor dem Kauf des Autos. Die Mitarbeiter der Bundesbank, die vor dreißig Jahren alte, zum Verbrennen bestimmte Geldscheine entwendeten und wieder in Umlauf brachten, wussten das auch. Für die Zentralbank gilt derselbe Zusammenhang, nur dass sie den Staatsanwalt nicht fürchten muss, denn sie hat ein staatliches Monopol für den Verkauf solcher Zettel. Wenn sie dieses Monopol nutzt, um Wertpapiere zu kaufen, so wird sie reicher. Wenn sie später auf diese Wertpapiere einen Verlust erleidet, so wird sie wieder ärmer, aber nicht ärmer als vor dem Kauf.“3)
  • Daraus folgt auch: „Ein Nettoverlust kann nur im Fall einer Umkehr der Offen-Markt-Operationen entstehen, ist aber sehr unwahrscheinlich.“
  • „Hinter diesen Diskussionen steht die Opposition gegen den Aktionismus der EZB.“
  • „Dabei hat gerade Milton Friedman, der Hohe Priester der Marktwirtschaft, betont, eine neutrale Geldpolitik erfordere gleichmäßiges Wachstum von M1 oder M2 und wenn eine Krise im Banksektor kontraktiv auf die Geldmenge wirke, so erfordere Neutralität der Geldpolitik aktive Interventionen der Zentralbank.“3) Aber: „Im späteren Monetarismus verdrängt, teilweise auch unter dem Einfluss von Hayek, der staatliches Papiergeld per se als Übel ansah.“4)

 

Die „Schuld“-Frage bei Giralgeld

Jetzt kommen wir zu einem in den vergangenen Jahren gerade in deutschsprachigen Blogs endlos diskutierten Thema (mit den immer gleichen Thesen durch die immer gleichen Diskutanten): Wie entsteht Geld bei Geschäftsbanken?

Hellwig verweist zunächst darauf, dass er in seinem bekannten Buch mit Anat Admati „Des Bankers neue Kleider“ (hier eine Rezension) geschrieben hat: „Banken finanzieren sich unter anderem mit Einlagen und verwenden die Finanzierung, um Kredite zu vergeben.“ Das ist eine in ökonomischen Texten häufig zu findende Beschreibung, die aber nicht nur in Blogs heftig kritisiert wird.

Dem stellt Hellwig die von älteren Autoren wie Joseph Schumpeter und neueren Autoren wie Ökonomen aus der Bank of England vertretene These entgegen: Es trifft nicht zu, dass Banken Kredite mit Einlagen finanzieren, vielmehr schaffen sie Einlagen, indem sie Kredite vergeben.5)

Hellwig wirft unter anderem die Frage auf, ob hier Strom- oder Bestandsgrößen betrachtet werden sollen. Zwar: „Ein neuer Kredit geht einher mit einer Schaffung einer neuen Einlage.“ Schon recht, doch wir sind hier nur bei Stromgrößen und für die Analyse dessen, was wichtig ist, geht es um die Bestandsgrößen:

„In der Bilanz der Bank steht die Bestandsgröße Kredite auf der Aktivseite und die Bestandsgröße Einlagen auf der Passivseite, und die einzelne Bank kann die Bestandsgröße Einlagen auf der Passivseite nicht einfach durch Kreditvergabe nachhaltig erhöhen.“ Denn die einzelne Bank muss fürchten, dass Einlagen durch Überweisungen ihrer Kunden abwandern. Dem wird häufig entgegen gehalten: Aber im Aggregat der Banken bleibt die Aussage doch gültig! Die Einlagen wandern nur von Bank zu Bank und Banken mit überschüssigen Mitteln vergeben Geldmarktkredite an Banken mit Mittelabflüssen.

Hellwig wendet ein, dass dies eine Schönwettervorstellung ist: „Die Vision eines reibungslos funktionierenden Geldmarkts ist verführerisch…

  • und hat mit zu den Fehlentwicklungen vor 2008 beigetragen
  • zur Unterschätzung von Liquiditätsrisiken
  • und zu Solvenzrisiken.“

Anschließend befasst sich Hellwig kritisch mit einem anderen Argument, das von Schumpeter bis zu den modernen Autoren aus der Bank of England reicht: Durch Kreditvergabe neu entstandenes Giralgeld verschwindet wieder, wenn die Kredite durch Privathaushalte oder Unternehmen zurückgezahlt werden. Hellwig hält auch das für eine Schönwetterveranstaltung, denn es gibt auch andere Gründe, warum Giralgeld der Banken verschwinden kann – und zwar auf eine Art und Weise, die das Banksystem in Schwierigkeiten bringen kann:

  • Durch Barabhebungen und Bankruns wie in den Vereinigten Staaten 1930 bis 1933 und in Griechenland 2015
  • durch Auslandsüberweisungen wie in Spanien 2012
  • durch den Wechsel von Bankeinlagen zu Staatsanleihen wie in den Vereinigten Staaten im September 2008

Hellwig trifft hier einen Punkt, den vor einigen Wochen auch Rüdiger Bachmann in einer Diskussion in der „Ökonomenstimme“ gemacht hatte: Leute, die mit „Loans create Deposits“ alleine die Welt erklären wollen, scheitern gerade in Krisen – wobei ihr Ausgangspunkt oft in der Behauptung besteht, dass ihre Lehren wichtig seien, weil es – mit der Theorie des Mainstreams nicht analysierbare – Krisen gebe.

Des Weiteren klingt in diesen Erörterungen ein Thema an, das im zweiten Teil unseres Beitrags eine wesentliche Rolle spielen wird: Eine befriedigende Geldtheorie müsste eigentlich auf der Behandlung von Stromgrößen und Bestandsgrößen beruhen. Haben wir eine solche Theorie überhaupt?

 

Geschäftsbanken und Zentralbanken

Was folgt daraus?

Solvenzrisiken der Geschäftsbanken können das Vertrauen in einzelne Geschäftsbanken zerstören und einen Kollaps der Liquidität begründen. Dies wiederum begründet die Eigenkapital-Regulierung der Geschäftsbanken.

Hier sieht Hellwig einen „Kontrast zu Zentralbanken. Die Zentralbank kann immer zahlen, braucht deswegen eigentlich kein Eigenkapital.“ Können Zentralbanken insolvent werden, fragt Hellwig und gibt die Antwort: „Nur, wenn ich die Geldausgabe als ‚Schuld‘ ansehe und ‚Insolvenz‘ entsprechend definiere.“5) Aber, wie weiter oben bereits angeführt: Hellwig – und mit ihm wohl die allermeisten auf solche Themen spezialisierten Ökonomen – sieht in der heutigen Geldordnung Zentralbankgeld im ökonomischen Sinne nicht als Schuld.

 

Damit sind wir am Ende von Teil 1. Der zweite Teil wird deutlich theoretischer…

 

 

 


  1. Ich danke Martin Hellwig für die Überlassung der Folien des Vortrags, auf denen der vorliegende Beitrag beruht. Zudem hat mir Martin Hellwig ergänzende Literatur zur Verfügung gestellt und Fragen beantwortet. Einige Aspekte des Vortrags wurden ausgespart. Alle etwaigen Fehler in der Darstellung der Gedanken Hellwigs gehen zu meinen Lasten.
  2. Mit diesem Punkt erinnert Hellwig aus Episoden aus der Geschichte der D-Mark, die in den siebziger Jahren einmal sogar zu einer – technischen – Überschuldung der Deutschen Bundesbank führten, woran Helmut Schlesinger kürzlich erinnerte. Hierzu gibt es den FAZIT-Artikel: „Als die Bundesbank pleite war“
  3. In einer anderen Arbeit kommt Hellwig nicht nur auf das Thema zurück; er nennt ein gerade zu klassisches Werk der monetären Ökonomik als eine Quelle für diese Diskussionen: Don Patinkins „Money, Interest and Prices“.
  4. Dass nicht wenige deutsche Ökonomen, die früher Milton Friedman huldigten, heute in ihrer Opposition gegen die EZB Positionen vertreten, die im Gegensatz zu Analyse Friedmans stammten, war vor längerer Zeit auch Thema des FAZIT-Artikels „Milton Friedmans verstörte Kinder“.
  5. Das auch in FAZIT mehrfach behandelte Papier aus der Bank of England (2014) gilt manchen Kritikern des ökonomischen Mainstreams als eine Offenbarung. Leider ist eine sehr lehrreiche und sehr kritische Diskussion dieses Papiers durch Hellwig nicht öffentlich bekannt, da auch hierzu offenbar nur Folien vorliegen. In diesen Folien erwähnt Hellwig unter anderem einen Aspekt, der seit Keynes und Tobin in die Diskussion gehört und der Thema eines FAZIT-Beitrags war: Man muss die Vorgänge um die Geldentstehung auch als Portfolioentscheidungen analysieren, wenn man sie richtig verstehen will.
  6. Aus dogmengeschichtlicher Sicht ist dies eine sehr treffende Bemerkung. Wenn es um die Fragen von Geldordnung/Geldpolitik und den Einfluss von Friedman und Hayek ging, ließe sich für manche liberale Ökonomen jener Zeit Goethe zitieren: „Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten.“ Lange her…
  7. Eine andere Definition von „Solvenz einer Zentralbank“ präsentieren Robert Hall und Ricardo Reis in einer neueren Arbeit.

 

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  1. Budgetwirkung
    Wenn Gewinne/Verluste der FED nicht über den US-Bundeshaushalt verrechnet werden haben die Anleihekäufe keine Budget-Wirkung.

    Wenn man den Kauf an sich als Budgetwirkung sieht müsste man auch sagen, wenn Herr Schwarzfels aus Wilmington/Delaware US-Staatsanleihen kauft, hat dies eine Budgetwirkung.

    • Über den Einfluss auf den Zins hat Geldpolitik immer Budgetwirkungen, unabhängig davon, ob die Zentralbank privat oder staatlich ist.

      Gruß
      gb

  2. Noch eine Ergänzung zu einem Punkt in Teil 2
    „Es ist demokratietheoretisch problematisch, wenn die Politik der unabhängigen Zentralbank Risiken für den Staatshaushalt mit sich bringt.“

    Einmal abgesehen davon, dass ich nicht bei „jeglicher Zentralbankaktivität“ Budgetwirkungen sehe, sondern immer nur in Höhe des Gewinns/Verlustes der Institution, ließe sich aber jegliche Budgetauswirkung seitens der Zentralbank verhindern, wenn diese privatisiert würde.

    Wobei ich allerdings vermute, dass Herr Hellwig und seine Anhänger auch zu denjenigen gehören, die private Zentralbanken wie z.B. die FED auch sher kritisch sehen.

    • „…ließe sich aber jegliche Budgetauswirkung seitens der Zentralbank verhindern, wenn diese privatisiert würde. Wobei ich allerdings vermute, dass Herr Hellwig und seine Anhänger auch zu denjenigen gehören, die private Zentralbanken wie z.B. die FED auch sehr kritisch sehen.“

      Wollen Sie damit behaupten, die Anleihekaufprogramme der Fed hätten keine Auswirkungen auf das amerikanische Staatsbudget gehabt?

      Gruß
      gb

    • Titel eingeben
      Inwieweit haben denn die Anleihenkaufprogramme der FED Auswirkungen auf das amerikanische Staatsbudget gehabt?

    • Unter der durch viele Studien untermauerten Annahme, dass Anleihekäufe Einfluss auf Renditen und das nominale BIP nehmen, ist der Einfluss auf das Budget ebenso vielfältig wie offensichtlich.

      Gruss
      gb

  3. Eine Frage an Sie, Herr Braunberger:
    Zitat: “ … Auch gegen Ökonomen wie zum Beispiel Hans-Werner Sinn, mit dem Hellwig darüber bereits eine harte öffentliche Kontroverse ausgefochten hatte.“.

    Diesen Satz möchte ich bitte von Ihnen einmal näher erläutert haben. Denn iich habe so einige Zweifel, ob damit Prof. Sinn nicht etwas unterstellt wird, was er nicht so meinte.

    LG Thomas Gerlach

    • Die öffentliche Debatte fand im wesentlichen im Jahre 2015 statt und wurde in mehreren Zeitungen/Blogs ausgetragen, darunter in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, dort aufgehängt unter anderem an einem dort am 8. März 2015 erschienenen Artikel Hellwigs, auf den Sinn in der nachfolgenden Ausgabe vom 15. März 2015 replizierte. An der Debatte waren auch andere Ökonomen beteiligt, zum Beispiel in der „Wirtschaftlichen Freiheit“ Otmar Issing und der mittlerweile verstorbene Manfred J.M. Neumann.
      Gruß
      gb

  4. Warum sind Geldscheine Schulden?
    Warum bucht die Bundesbank die ausgegebenen Banknoten als Verbindlichkeiten? Ganz einfach: Weil sie hierzu rechtlich verpflichtet ist.

    Im Bundesbankgesetz heißt es in § 26 klipp und klar: „Das Rechnungswesen der Deutschen Bundesbank hat den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung zu entsprechen.“

    Und zu diesen Grundsätzen gehört es nun einmal, Forderungen und Verbindlichkeiten zusammenfassend, aktuell und transparent in einer Bilanz aufzuführen. Banknoten sind formaljuristisch unstreitig Schuldverschreibungen; sie müssen daher zwingend in der Bilanz als Verbindlichkeiten ausgewiesen werden.

    Die genauen Regeln für die Verbuchung des Banknotenumlaufs sind von der EZB vorgegeben. „Nach dem zum 31. Dezember 2016 gültigen Schlüssel entfällt auf die Bundesbank ein Anteil von 23,5 Prozent des Wertes der insgesamt umlaufenden Euro-Banknoten“, heißt es im Geschäftsbericht 2016 der Bundesbank (Seite 73). Gemäß dem Verteilungsschlüssel wies das Institut Ende 2016 im Jahresabschluss umlaufende Euro-Banknoten in Höhe von 265 Milliarden Euro aus.

    Allerdings betrug der Wert der von der Bundesbank tatsächlich ausgegebenen Euro-Banknoten 2016 gut 592 Milliarden Euro. Der Unterschiedsbetrag gegenüber dem o. g. Bilanzposten betrug voriges Jahr 327 Milliarden Euro, hatte also einen nicht unbedeutenden Umfang. Der Differenzbetrag wird unter der Passivposition 9.2 „Verbindlichkeiten aus der Verteilung des Euro-Banknoten-Umlaufs innerhalb des Eurosystems“ ausgewiesen. —

    Soweit, wie gesagt, die Rechtslage. Ökonomisch sieht dies natürlich sehr viel anders aus. Charakteristische Eigenschaft einer Schuld ist, dass diese irgendwann zurückgezahlt werden muss – in der Regel mit Zinsen.

    Beide Merkmale sind bei einer Banknote nicht vorhanden. Es gibt keinen Rückzahlungstermin. Und Zinsen werden auch nicht gezahlt.

    Überdies spielt es im Wirtschaftsleben überhaupt keine Rolle, ob Geldscheine als Schuldscheine betrachtet werden oder nicht. In der Eurozone sind Euro-Banknoten ein unbeschränkt gültiges Zahlungsmittel. Und allein darauf kommt es an.

    Es ist für den Normalbürger schlicht irrelevant, ob er die Schuldscheine namens „Banknote“ bei der Bundesbank oder der EZB in Gold, Dollar oder andere Assets umtauschen kann. (Soweit mir bekannt, ist dies nicht oder nur eingeschränkt möglich.)

    Der Punkt, auf den es ankommt, ist ein anderer: Kann ein Bürger, der dem Euro nicht traut, seine Geldscheine problemlos in andere Assets eintauschen?

    Dies ist eindeutig der Fall. Für Euro-Banknoten kann jeder Anleger bei jeder Bank in der Eurozone jederzeit andere hochliquide Assets bekommen – seien dies Staatsanleihen, Gold oder ausländische Währungen. Dies geschieht in der Eurozone Tag für Tag mehrere Millionen Mal, ohne dass es hierbei die geringsten Probleme gibt. Auch in vielen anderen Ländern wird die Gemeinschaftswährung unbeschränkt als Zahlungsmittel akzeptiert.

    Mit Martin Hellwig kann man also völlig zu Recht sagen: Banknoten sind – ökonomisch gesehen – keine „Schuld“.

    • Und das bedeutet was ?
      Also, Schulden ( Verbindlichkeiten, Passiva ) sind keine Schulden, wenn es sich um ausgegebenes Bargeld handelt.

      Den Widersinn in einer solchen Aussage müsste man eigentlich erkennen.

      Und ebenfalls erkennen, dass sich nichts, aber auch nichts dadurch ändert, dass man diese unlogische These aufstellt, dass Schulden „ökonomisch betrachtet“ keine Schulden sind.

      Am meisten schockiert mich, dass selbst Herr Braunberger, von dem ich das nach allem was ich bisher laß niemals erwartet hätte, diesen Schmuh glaubt.

      Vermutlich kommt die übernächste Wirtschaftskrise dadurch zu Stande, dass solche ökonomischen Schnappsideen wie die von Herrn Hellwig oder den Vollgeldphantasten in der Schweiz tatsächlich umgesetzt werden.

  5. Titel eingeben
    „Das ist ein Grund unter vielen, warum ein auf einem anderen Blog häufig schreibender sächsischer Kommentator und Weltverbesserer für permanente Erheiterung unter mitlesenden Ökonomen sorgt.“

    Es drängt sich oft genug der Eindruck auf, dass derlei erheitertes Gehabe nichts weiter als eine ziemlich plumpe Immunisierungsstrategie ist. Wie Jörg Bibow in dieser Sache schrieb: „Der Mainstream weiß schon lange alles!“ (https://makroskop.eu/2017/07/der-mainstream-weiss-und-versteht-alles/)

    Vielleicht verkneift man sich einfach blasierte „Heiterkeit“….. und beschränkt sich auf eine inhaltliche Auseinandersetzung.

    Ansonsten danke für den interessanten Artikel.

  6. Pippi Langstrumpf Ökonomie
    „Ich mach‘ mir die Welt widdewidde wie sie mir gefällt.“

    Wenn man sich die Dinge „per Definition“ so hindreht, wie man sie zur Rechtfertigung seiner falschen Thesen braucht, kann man alles begründen und rechtfertigen. Ich kann einen Apfelbaum argumentativ unter Tierschutz stellen, wenn ich ihn „einfach so“ von der Pflanze zum Tier umdefiniere. Ich kann eine Maus vor dem UN-Menschengerichtshof vertreten, wenn ich sie zuvor „einfach so“ vom Tier zum Mensch „erkläre“.

    Und so kann man alle von Hellwig aufgestellten Thesen durchaus nachvollziehen, wenn man als Kaufmann alle Grundsätze der ordnungsgemäßen und doppelten Buchführung über Bord wirft und „einfach so“ definiert : Diese Verbindlichkeit ( Bargeld ) ist keine Schuld mehr. Dann geht es. Wenn man das aber nicht macht, sind viele der oben genannten Thesen einfach nicht haltbar.

    Was mich wundert ist, dass es immer wieder heißt „unstrittig“. Also für mich stellt die Verbindlichkeit der Bundesbank/EZB Namens „Bargeldumlauf“ immer eine Schuld dar und ich glaube kaum, dass Bundesbank bzw. EZB bei ihren entsprechenden Wirtschaftsprüfern – bisher erfolglos – versuchen zu argumentieren, diese Position ersatzlos aus der Bilanz zu entfernen. Und ich bin mir sicher, dass auch noch viele andere, vom „echten“ Ökonomen über „nur Bänker“ bis in weite Teile der Gesellschaft die ein wenig Ahnung von Buchführung und Bilanzierung hat, dieser wilden These Hellwig’s nicht zustimmt und auch niemals wird.

    Das einzige Argument für seinen „Buchungstrick“ ( der so gesehen definitiv noch besser ist als das was die Griechen 2002 fabrizierten ) ist die fehlende, explizite Einlösungspflicht für Banknoten ? Wem würde denn im Falle einer Liquidation einer Zentralbank der Gegenwert – anteilig natürlich – sonst zustehen ?
    Mich würde interessieren, ob Martin Hellwig bei seiner These bliebe, wenn er „zum Spaß“ bei der EZB erschiene und die Einlösung seiner Euro-Banknote forderte, und zu seiner vermutlich totalen Verblüffung, entsprechend der aktuellen Bilanzrelationen der EZB Gold, Devisen ( bzw. hier Sorten ) und Forderungen gegen Geschäftsbanken erhielte.

    • „…und ich glaube kaum, dass Bundesbank bzw. EZB bei ihren entsprechenden Wirtschaftsprüfern – bisher erfolglos – versuchen zu argumentieren, diese Position ersatzlos aus der Bilanz zu entfernen. Und ich bin mir sicher, dass auch noch viele andere, vom „echten“ Ökonomen über „nur Bänker“ bis in weite Teile der Gesellschaft die ein wenig Ahnung von Buchführung und Bilanzierung hat, dieser wilden These Hellwig’s nicht zustimmt und auch niemals wird.“

      Hellwig plädiert nicht dafür, die Banknoten ersatzlos aus der Bilanz zu entfernen. Es geht auch nicht um einen „Buchungstrick“. Sie lesen etwas in den Text, was dort nicht steht.

      Man kann sich allerdings zumindest bei einer staatlichen Zentralbank grundsätzlich die Frage stellen, ob man sie überhaupt als eine bilanzierende Institution betreibt oder nicht einfach als eine Art Geldausgabestelle – Peter Spahn hatte diesen Gedanken vor einiger Zeit hier präsentiert. Das ist aber eine ganz andere Debatte.

      „Mich würde interessieren, ob Martin Hellwig bei seiner These bliebe, wenn er „zum Spaß“ bei der EZB erschiene und die Einlösung seiner Euro-Banknote forderte, und zu seiner vermutlich totalen Verblüffung, entsprechend der aktuellen Bilanzrelationen der EZB Gold, Devisen ( bzw. hier Sorten ) und Forderungen gegen Geschäftsbanken erhielte.“

      Es geht darum, dass niemand einen Anspruch hat, dass seine Banknote gegen ein anderes Aktivum eingetauscht wird. Es gibt nach meiner Kenntnis weder bei der Bundesbank noch bei der EZB einen Schalter, an dem eine Privatperson auf den Tausch einer Banknote gegen ein Asset der Zentralbank beharren kann. Natürlich könnte dies eine Zentralbank freiwillig tun – allerdings bezweifle ich, dass jemand mit einer Banknote in eine Zentralbank geht und mit einer Forderung gegen eine Geschäftsbank herauskommt.

      Interessant wäre der Fall der Fed – die hat auf ihrer Aktivseite fast ausschließlich Anleihen stehen, weil die Währungsreserven vom Finanzministerium verwaltet werden. Kann man sich vorstellen, dass jemand mit einer Dollarnote zur Fed gehen und darauf beharren kann, dass er den Gegenwert in amerikanischen Staatsanleihen oder Hypothekenpapieren erhält? Hier ist eine Bilanz der Fed:

      https://www.federalreserve.gov/monetarypolicy/files/quarterly_balance_sheet_developments_report_201708.pdf

      Der Punkt, dass Banknoten – von den genannten Ausnahmen abgesehen – für eine Zentralbank buchhalterisch eine Verbindlichkeit, aber im ökonomischen Sinne keine Verpflichtung darstellen, ist nach meiner bescheidenen Kenntnis unter Ökonomen weitgehend unumstritten.

      Gruß
      gb

    • Der Banknotenumlauf ist ein Erinnerungs-/Informationsposten
      Hierzu gab es schon an anderer Stelle Verwirrung. Vielleicht hatten Sie diesen Kommentar von Herr Menéndez ja überlesen: http://www.oekonomenstimme.org/artikel/2017/08/vollgeld-halb-gut/#c3459.

      Der Banknotenumlauf ist keine Verbindlichkeit, sondern vielmehr ein Erinnerungsposten daran, dass die ZB Banknoten in Umlauf gebracht hat. Und das macht sie immer dann, wenn wir Bürger eine Vorliebe für Barzahlungen haben oder aber die negativen Zinsen der ZB die Kosten der Geldbunkerung übersteigen. Mit einer Verbindlichkeit einer ZB hat das aber spätestens seit 1971 nichts gemein.

      Ergänzend zu den Ausführungen von Herrn Braunberger noch ein weiterer Hinweis für ein adäquates Verständnis: https://soffisticated.wordpress.com/2012/05/03/verirrungen-zwischen-geld/ (ebenfalls von Herrn Menéndez).

      Abschließend noch ein kleines Gedankenexperiment:

      Ein Mitarbeiter der Bundesbank fliegt mit einem Geldkoffer nach Ghana und kauft dort für 10 Mio. Goldbarren. Dokumentiert der Banknotenumlauf eine Verbindlichkeit? Falls ja, worin sollte diese Verbindlichkeit bestehen?

      LG Michael Stöcker

    • Bilanztechnisch ist die Ausweisung des Banknotenumlaufs
      als Verbindlichkeit wichtig. Würde dieser Posten ersatzlos aus der Bilanz der EZB gestrichen, würde in deren Bilanz ein zusätzlicher Gewinn in gleicher Höhe entstehen, was zwar für die Finanzminister eine erfreuliche Nachricht wäre, aber der Geldpolitik der EZB zuwiderläuft.

  7. Klarstellung
    Der letzte Satz in meinem Statement sollte nur andeuten, dass Depositen eben kein sicheres „funding“ darstellen. Banken bleiben Schuldner in Einheiten von Zentralbankgeld. Das wurde in der Finanzkrise auch mit Blick auf das Verhältnis zwischen den Finanzinstituten deutlich.

  8. Stock-Flow-Konsens?
    Hellwigs Ausführungen über Kredit- und Buchgeldschöpfung taugen vielleicht zu einem Konsens in der Debatte, ob die Banken nun „aus dem Nichts“ Kredite vergeben können oder auf vorherige Ersparnisse angewiesen sind. Er sagt einerseits, dass Kreditschöpfung eine Bilanzverlängerung darstellt und unabhängig von irgendwelchen Ersparnissen ist (Flow- oder besser Bestandsänderungsaspekt). Andererseits ist der so erhöhte Gesamtbestand der Depositen dem Liquiditätsrisiko einer geforderten Umwandlung in Zentralbankgeld ausgesetzt.
    Dies ist jedoch von seriösen Anhängern der Theorie der autonomen Kreditschöpfung nie bestritten worden. Mit der Stock-Flow-Unterscheidung wird vielmehr umso deutlicher, dass die Ersparnis der laufenden Periode dieses Liquiditätsrisiko nicht abdecken kann: zum einen wegen des Dimensionsunterschieds, zum anderen, weil zusätzliche Haushaltsersparnis die Liquidität des Bankssektors nicht erhöht (jeder nicht konsumierte Euro verringert den Kontostand der Unternehmen).
    Es gibt freilich Postkeynesianer, die dieses Liquiditätsrisiko übersehen: So liest man in einem neuen Paper von Bianco und Sardoni: „Banks fund their lending operations not with excess reserves, but by creating new purchasing power through origination of brand new deposits. […] In doing so, the single bank creates its own funding.“ Wenn es so wäre, hätte es die Finanzkrise nie gegeben…

    • Bis auf den letzen Satz
      könnte ich Ihren Ausführungen zustimmen.

      Aber der letzte Satz zeigt eben, dass zu vieles vermengt und in einen Topf geworfen wird, dass eben sehr unterschiedlich ist.

      Und wenn man weiß, dass die „Finanzkrise“ ( ist ja auch nur ein Schlagwort, im Detail liegt der Teufel ) bei den Banken kein Mangel an (Sicht)Einlagen war, leuchtet auch ein, dass die Fähigkeit zur autonomen Geldschöpfung, die Probleme nicht lösen konnte.

  9. Kreditgewährung im Gleichschritt
    „Denn die einzelne Bank muss fürchten, dass Einlagen durch Überweisungen ihrer Kunden abwandern.“

    So ist es. Von daher: Produktive/Investive Kreditgewährung im Gleichschritt (Hans Gestrich) bei einheitlichen Bonitätsstandards. Dann sind auch die Leistungsbilanzen wesentlich ausgeglichener und der „Wert“ des Geldes ist gesichert. Und für Liquiditätsereignisse gibt es dann ja immer noch die Zentralbank.

    LG Michael Stöcker

  10. Tauschmittel versus Zahlungsmittel
    Die Tatsache, dass auch die Bundesbank immer noch den Tausch (Biber gegen Hirsch) als die zentrale Funktion des Geldes in den Mittelpunkt rückt, zeigt, dass die monetaristische Irrlehre unreflektiert nachwirkt. Sie schreibt:

    „Geld ist in erster Linie ein Tauschmittel, das den Austausch von Gütern vereinfacht.“ https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Dossier/Service/schule_und_bildung_kapitel_1.html?notFirst=true&docId=153022#doc153022bodyText1

    Einer Tauschtheorie des Geldes fehlt die wichtigste Dimension: die Zeit. Es wäre doch mal langsam an der Zeit, das „Tauschmittel“ der Robinsonade durch das gesetzliche „Zahlungsmittel“ zu ersetzen und zu schreiben:

    Geld ist in erster Linie ein Zahlungsmittel, das in einer arbeitsteiligen Wirtschaft den zeitlich versetzten Austausch von Gütern und Dienstleistungen vereinfacht.

    LG Michael Stöcker

    • „Geld ist in erster Linie ein Zahlungsmittel, das in einer arbeitsteiligen Wirtschaft den zeitlich versetzten Austausch von Gütern und Dienstleistungen vereinfacht.“

      Modelle auf dieser Basis sind seit Jahrzehnten in der Theorie verbreitet und bekannt – allerdings ist ihre Existenz nicht allen Kritikern der ökonomischen Theorie bekannt…

      (Das ist ein Grund unter vielen, warum ein auf einem anderen Blog häufig schreibender sächsischer Kommentator und Weltverbesserer für permanente Erheiterung unter mitlesenden Ökonomen sorgt.)

      „Die Tatsache, dass auch die Bundesbank immer noch den Tausch (Biber gegen Hirsch) als die zentrale Funktion des Geldes in den Mittelpunkt rückt, zeigt, dass die monetaristische Irrlehre unreflektiert nachwirkt.“

      Die von Ihnen vertretene These, dass Geld in erster Linie ein Zahlungsmittel ist, führt notwendigerweise zur Tauschtheorie und vielleicht zur „monetaristischen Irrlehre“. Hier ist ein fundamentaler Aufsatz zweier führender Monetaristen, in dem der von Ihnen als scheinbare Neuheit gebrachte Zeitaspekt eine Rolle spielt:
      http://repository.cmu.edu/cgi/viewcontent.cgi?article=1672&context=tepper

      Der Aufsatz ist von 1971…

      Gruß
      gb

    • Danke für den Link zu B/M
      „…in dem der von Ihnen als scheinbare Neuheit gebrachte Zeitaspekt eine Rolle spielt“

      Der „Schein“ war nicht beabsichtigt. Aber vielleicht habe ich mich ja auch missverständlich ausgedrückt. Da gab es selbstverständlich schon viele andere vor 1971 und auch danach. Hier zwei weitere Beispiele:

      http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/josef-ackermann-und-hans-christoph-binswanger-es-fehlt-das-geld-nun-gut-so-schaff-es-denn-1811056.html. Dazu ergänzend nochmals Goethe:

      „Wer sich aufs Geld versteht, versteht sich auf die Zeit, sehr auf die Zeit!“

      Michael Ende hatte diesem Phänomen ein ganzes Buch gewidmet: http://www.sozialoekonomie.info/Weiterfuhrende_Informationen/Momo_UnendlicheGeschichte/momo_unendlichegeschichte.HTM.

      Mir ging es darum, auf einen semantischen Irrtum hinzuweisen, der immer wieder für Verwirrung sorgt. Wenn ausschließlich getauscht wurde, dann gibt es keine weiteren Schuldverhältnisse mehr. Wenn gezahlt wurde, dann geschieht dies aber in den allermeisten Fällen mittels Geld, das per Kreditkontrakt eines fremden Dritten erzeugt wurde. Das zeitlose Tauschparadigma führt leider immer wieder in die Irre.

      Für den Artikel von B/M ist ebenfalls die Zeitdimension entscheidend. Von daher eventuell zu einem späteren Zeitpunkt meine Einschätzung dazu.

      LG Michael Stöcker

    • Dümmliche Bemerkung
      @ Stoecker

      Unmittelbar nach dem Satz der Bundesbank, den Sie zitieren, kommt die Passage „Geld bietet den Vorteil, dass Kauf und Verkauf zeitlich auseinanderliegen können, wenn Waren nicht direkt getauscht werden müssen. In Geld lässt sich somit ein gewisser Wert „speichern“ und zu einem späteren Zeitpunkt wieder eintauschen.“

      Da steht doch unmissverständlich, dass die Zeit eine wesentliche Rolle beim Geld spielt.

      KÖNNEN Sie nicht lesen oder WOLLEN Sie nicht lesen? Sich mit Ihren Posts zu beschäftigen, ist reine Zeitverschwendung.

    • Marsianer auf der Insel
      Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole und Ihre Zeit verschwende: Eine Tauschwirtschaft ist etwas anderes als eine Kreditwirtschaft. Nach einem Tausch gibt es keine offenen Vertragsbeziehungen mehr. Erst durch einen Kreditvertrag kommt die Zeit ins Spiel. Und dabei ist es unerheblich, ob es sich um ein Sachdarlehen oder um ein Gelddarlehen handelt. Auch bei einem Sachdarlehen liegen Kauf und Verkauf zeitlich auseinander. Es handelt sich dabei aber um eine konkrete Gegenleistung zu einem zuvor festgelegten Zeitpunkt. Nach diesem Zeitpunkt ist das Kreditverhältnis beendet und ist nicht vom Willen und der Zeitpräferenz eines fremden Dritten abhängig. Es gibt hier also kein Problem mit der gesellschaftlichen Fristentransformation.

      Das Zeitproblem, auf das ich anspiele, gibt es doch erst im Kontext einer hochkomplexen Zahlungswirtschaft, in der Geld als Erfüllungsmedium von der ursprünglichen bilateralen Kontraktschuld (=Bankkredit) losgelöst ist. Während es beim Wechsel noch um ein abstraktes Zahlungsversprechen geht/ging, das typischerweise innerhalb von 6 Monaten zu erfüllen war, wurde bei dem weiter entwickelten Zentralbankgeld das Zahlungsversprechen durch die Zahlung ersetzt. Wer mit Geld BEZAHLT, der hat sein Schuldverhältnis aufgelöst. Wer mit Geld bezahlt wurde, der ist aber zu nichts weiterem mehr verpflichtet (weder Kauf noch Tausch). Er kann Geldschatzbildung betreiben. Passiert dies in größeren Dimensionen, dann kommt es zur Bankenkrise, sofern es keinen spender of last resort gibt.

      Eine reine Tauschwirtschaft kennt weder Geld noch Kredit und muss sich somit auch nicht dem Problem der Fristentransformation stellen. Von daher sollte mAn der Tauschbegriff im Kontext einer hochkomplexen Geldwirtschaft vermieden werden. Sie können hier gerne anderer Meinung sein, sollten dies dann aber doch besser auf der Sachebene kommunizieren. Aber vielleicht war es ja auch einfach nur ein Cognac zu viel.

      Und falls Sie noch über den Titel rätseln, hier finden Sie die Auflösung: https://www.youtube.com/watch?v=lrh32N7G3ag.

      LG Michael Stöcker

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