Home
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Weitersagen Kommentieren (2)
 

Das Geheimnis der 50. Oder: Wenn Unternehmen zu klein bleiben

05.03.2013, 12:47 Uhr  ·  In Europa bleiben Unternehmen als Folge von Regulierungen oft zu klein. Das führt zu Nachteilen im internationalen Produktivitätsvergleich. Für Frankreich gilt dieser Befund auch, wie eine neue Studie zeigt.

Von
© Quelle: Garicano u.a.Kleine Unternehmen

Eine Kombination aus Arbeitsmarktregulierungen und zu geringer Lohnflexibilität sorgt dafür, dass in Frankreich viele Unternehmen nicht groß genug werden, um optimal produzieren zu können. Daraus entsteht ein Nachteil im internationalen Wettbewerb.

Die Untersuchung der Rolle von Unternehmensgrößen für den internationalen Produktivitätsvergleich ist seit einigen Jahren ein Trendthema in der Ökonomik. Wir hatten kürzlich eine Arbeit erwähnt, die sich mit den Nachteilen zu kleiner Betriebsgrößen für die Wirtschaft in Portugal beschäftigt. Nunmehr liegt eine Arbeit für Frankreich vor. Generell gilt, dass die durchschnittliche Betriebseinheit in der Europäischen Union 23 Prozent weniger Mitarbeiter zählt als eine durchschnittliche Betriebseinheit in den Vereinigten Staaten von Amerika.

 Die Grafik belegt, dass es in Frankreich (Stand: 2007) sehr viel weniger Unternehmen mit 50 bis 60 Beschäftigten gibt als Unternehmen mit 40 bis 49 Beschäftigten. Der Unterschied ist so auffällig, dass es dafür einen Grund geben muss. Die Autoren führen an, dass in Frankreich ab Betriebsgrößen mit 50 Mitarbeitern zusätzliche Regulierungen greifen. Dazu zählen:

- die Zulassung eines Betriebsrats (comité d’entreprise), dessen Budget mindestens 0,3 Prozent der Lohnsumme ausmacht

- die Zulassung eines speziellen Komitees, das die Arbeits-, Gesundheits- und Sicherheitsbedingungen in den Unternehmen prüft

- ein Plan zur Gewinnverteilung muss erstellt werden

- die Haftung des Arbeitgebers bei Arbeitsunfällen wird größer

- eine monatliche und detaillierte Berichtspflicht über die bestehenden Arbeitsverhältnisse gegenüber der Regierung

- eine deutliche Zunahme der Kosten bei der Entlassung von mindestens 10 Mitarbeitern. Diese spezielle Regulierung gilt seit langem als eine Art implizierter Zusatzsteuer und als ein wesentlicher Grund für die Zurückhaltung von Arbeitgebern gegenüber Neueinstellungen.

- für jeden Mitarbeiter ab 45 Lebensjahren muss eine formale Einschätzung seiner Qualifikation erstellt werden.

 

Ein wesentliches Ergebnis der Studie lautet, dass diese Regulierungen ihren Schaden für Produktivität und Beschäftigung vor allem im Verein mit einer zu geringen Lohnflexibilität in Frankreich entfalten. Wären die Löhne flexibler, fiele auch ein geringerer Schaden an:

“One key finding is that it is not just the regulation, but the interaction between regulation and downwardly rigid real wages that causes large welfare losses. When wages are fully flexible, we find that these regulations operate mainly as a variable cost, and are equivalent to a 1.3 percentage point increase in labor costs. The aggregate welfare loss is small: under 1% of GDP. There are interesting distributional consequences: aggregate wages and the profits of large firms drop by about 1%, but profits of smaller firms rise by about 4% because they enjoy lower wages without suffering the regulatory burden. Large deadweight losses only take place when wages are downwardly rigid. In this case, the regulation reduces GDP by 4-5% mainly through increased unemployment.”

Die Folgen für die französische Wirtschaft sind leicht nachvollziehbar:

Overall, the labor regulations that we study place a significant burden on the economy if wages are not downwardly flexible, by keeping firms below their optimal size and by reducing output. Too many employees work for smaller firms, and too few for large firms. In our French example, downward wage flexibility due to strong unions and minimum wages probably makes the welfare effects of regulation substantial whereas in the US, where wages are more flexible, the Obamacare firm-size provision is unlikely to have a such a substantial effect.”

 
  Weitersagen Kommentieren Empfehlen (3) Drucken
 

Richtlinien für Lesermeinungen

Die FAZ.NET-Redaktion bietet allen registrierten und eingeloggten Nutzern die Möglichkeit, sich mit den aktuellen Beiträgen auf FAZ.NET konstruktiv und kritisch auseinanderzusetzen und eigene Lesermeinungen zu veröffentlichen. Für jede Meinungsäußerung stehen 6000 Zeichen zur Verfügung. Voraussetzung für eine Veröffentlichung ist, dass die Verfasser und Verfasserinnen ihren wirklichen Namen nennen, d.h. in ihrer FAZ.NET-Registrierung den korrekten Vor- und Nachnamen eingetragen haben. Im Falle der Veröffentlichung der Lesermeinung weisen wir am Beitrag den Klarnamen des Lesers aus. Unter Pseudonym oder anonym verfasste Texte können nicht berücksichtigt werden.

Veröffentlicht werden nur Beiträge, die auf den jeweiligen Artikel und sein Thema seriös und sachbezogen eingehen. Links- und rechtsradikale, pornographische, rassistische, beleidigende, verleumderische sowie ruf- und geschäftsschädigende Inhalte können nicht berücksichtigt werden, ebenso wenig sachlich falsche oder in angemessener Zeit nicht nachprüfbare Behauptungen. Links sind in den Lesermeinungen von FAZ.NET nicht gestattet. Die Redaktion behält sich vor Lesermeinungen zu kürzen oder zu modifizieren. Jeder verfasste Beitrag wird von der Redaktion geprüft und schnellstmöglich veröffentlicht, sofern er diesen Richtlinien für Lesermeinungen nicht zuwiderläuft. Nutzern, die wiederholt versuchen, den Richtlinien nicht entsprechende Beiträge zu veröffentlichen, kann die Registrierung entzogen werden.

Für veröffentlichte Meinungsbeiträge gewähren Sie uns das unentgeltliche, zeitlich und örtlich unbegrenzte und nicht ausschließliche Recht, diese Aussagen ganz oder teilweise zu nutzen, zu vervielfältigen, zu modifizieren, anzupassen, zu veröffentlichen, zu übersetzen, zu bearbeiten, zu verbreiten, aufzuführen und darzustellen, Dritten einfache Nutzungsrechte an diesen Aussagen einzuräumen sowie die Aussagen in andere Werke und/oder Medien zu übernehmen.

Weitere Artikel

Datenschutzerklärung

Allgemeine Nutzungsbedingungen von FAZ.NET und seinen Teilbereichen

Wir möchten Sie ausdrücklich darauf hinweisen, dass der gesamte Auftritt von FAZ.NET von verschiedenen Suchmaschinen intensiv ausgewertet wird und die Inhalte dort auch gelistet werden. Das schließt die Lesermeinungen automatisch ein, so dass diese auch über FAZ.NET hinaus im Internet jederzeit recherchierbar sind.

Schließen

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden
Lesermeinungen zu diesem Artikel (2)
Sortieren nach
0 Fionn Huber 06.03.2013, 17:57 Uhr

Karel de Gucht in "Le Monde"

Der EU-Handelskomissar hat seine Meinung zum Thema Unternehmen in Frankreich geäussert - heute online in "Le Monde".

http://www.lemonde.fr/economie/article/2013/03/06/karel-de-gucht-la-france-n-est-pas-un-pays-libre-echangiste_1843890_3234.html

2 Gerald Braunberger 05.03.2013, 13:31 Uhr

Mehr Literatur

Wer Bedarf nach mehr aktueller Fachliteratur zu diesem Thema hat, kann hier hinschauen:

http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2194782
http://www.princeton.edu/~erossi/AFPH.pdf

Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt in der F.A.Z.