Fazit – das Wirtschaftsblog

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Für alle, die’s genau wissen wollen: In diesem Blog blicken wir tiefer in Börsen und andere Märkte - meist mit wissenschaftlicher Hilfe

Geldpolitik aus dem Gebirge

| 21 Lesermeinungen

Die Inflationsraten sind historisch niedrig, aber die Geldpolitik steht unter Beschuss. Sind die Notenbanken heute so mächtig wie noch nie? Oder sind sie an den Grenzen ihrer Macht angekommen? Wer ist eigentlich für den Zins verantwortlich? Zehn Thesen zur Geldpolitik anlässlich der Tagung in Jackson Hole.


1. Entfremdung
Die Sicherung der Stabilität des inländischen Preisniveaus gehört zur Kernaufgabe der Geldpolitik. Zu Zeiten der Deutschen Bundesbank wurde sie von der Öffentlichkeit nahezu ausschließlich an diesem Ziel gemessen. Danach wäre die Geldpolitik heute so erfolgreich wie zuletzt vor rund einhundert Jahren. Die aktuelle Inflationsrate liegt nahe Null und ernsthafte Inflationsgefahren sind nicht zu sehen; in dieser Disziplin ist die Europäische Zentralbank erfolgreicher als die Bundesbank. Der Befund historisch niedriger Inflationsraten gilt auch für viele andere Notenbanken. Angesichts dieser Erfolgsbilanz müssten die Menschen ihre Geldpolitiker eigentlich im Triumphzug durch die Straßen tragen. Doch das Gegenteil ist der Fall: Die Geldpolitiker erfahren Skepsis und Ablehnung, zum Teil auch tiefe und offene Abneigung. Das gilt nicht nur für die EZB. Die Popularitätswerte der Fed in den Vereinigten Staaten sind in der Finanzkrise des Jahres 2009 eingebrochen und haben sich  nicht mehr erholt; sogar die Steuerbehörde genießt heute ein höheres Ansehen. Eine Entfremdung zwischen der Geldpolitik und der Öffentlichkeit ist unverkennbar – und sie ist schädlich.

2. Dialogunfähigkeit
Für diese Entfremdung ist ein erschreckendes Maß an Dialogunfähigkeit mitverantwortlich. Eine durch und durch akademisierte Geldpolitik kommuniziert in erster Linie in einer Außenstehenden nicht zugänglichen Fachsprache mit spezialisierten Ökonomen und Journalisten sowie mit Teilnehmern an Finanzmärkten, über die Geldpolitik auf die Wirtschaft zu wirken versucht. Dass sich die Geldpolitik stärker als andere Bereiche der Wirtschaftspolitik auf wissenschaftliche Erkenntnisse stützen will, verdient Anerkennung. Aber die Kommunikation mit dem Menschen auf der Straße, der ja letztlich der Adressat der Geldpolitik ist, wird  vernachlässigt. Gerade in einem auch von Elitenkritik geprägten Zeitgeist wird damit auch die Geldpolitik zur Zielscheibe – ganz unabhängig von ihrer Qualität. Doch der Vorwurf der Dialogunfähigkeit richtet sich nicht alleine gegen die Geldpolitiker. Notenbanken benötigen unbedingt eine kritische Begleitung; aber in den vergangenen Jahren ist ein Teil der von Ökonomen vorgebrachten Kritik maßlos geworden. Geldpolitik wird häufig gar nicht mehr an ihrem eigentlichen Auftrag, der Sicherung eines stabilen Preisniveaus, gemessen; statt dessen dient sie auch als Blitzableiter für ein generelles Unbehagen an den wirtschaftlichen und politischen Zuständen.

3. Baustelle
Obgleich über kein anderes Gebiet der Wirtschaftspolitik so viel nachgedacht und geschrieben wird und obgleich die Inflationsrate heute ein beneidenswert niedriges Niveau erreicht hat, erscheint die Geldpolitik in vielerlei Hinsicht als eine Baustelle. Dies gilt nicht nur für ihre Kommunikation mit der Öffentlichkeit, sondern auch für ihr wissenschaftliches Fundament, für Fragen des praktischen Instrumenteneinsatzes, aber auch grundsätzlich für ihre Rolle im Rahmen eines demokratischen Gemeinwesens. Eine stärkere Regelorientierung der Geldpolitik wäre wünschenswert, aber es besteht kein Konsens darüber, wie eine solche Regel aussehen könnte. In einer offenen Gesellschaft sollte ein unaufgeregter und sachorientierter Austausch über diese Themen möglich sein.

 4. Sicherheit
Die Geldpolitik hat in den schweren Krisenjahren einen wesentlichen Beitrag zur Stabilität des Finanzsystems und damit zur politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Stabilität geleistet. In einer Zeit, in der schwer angeschlagene Geschäftsbanken nicht mehr in der Lage waren, eine angemessene Versorgung der Wirtschaft mit Geld und Kredit zu sichern und um das eigene Überleben kämpften, half die Notenbank mit der Produktion eigenen Geldes aus. Hier wird die  Nutzen stiftende Rolle der Notenbank als eines Versicherers gegen gesamtwirtschaftliche Großrisiken in einer schweren Krise deutlich. Aber diese Rolle des erfolgreichen Stabilisators in einer Notsituation macht die Geldpolitik anfällig: Wie jeder Versicherer droht sie ausgenutzt zu werden. Überdies wird ihre Macht überschätzt.

5. Machtgrenzen
Die Geldpolitik will in normalen Zeiten das Preisniveau für Güter und Dienstleistungen beeinflussen. Viele Notenbanken verbinden dieses Ziel, offiziell oder inoffiziell, mit der Idee, über die Beeinflussung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage auch auf die Konjunktur einzuwirken. Unmittelbar wirkt die Notenbank mit ihren Instrumenten, dem kurzfristigen Zins (Leitzins) oder Anleihekäufen, vor allem auf die Finanzmärkte ein. Damit ist zwar einleuchtend, dass sie in einer schweren Krise die Finanzmärkte und ihre Teilnehmer stabilisieren kann. Aber ihr Zugriff auf das Geschehen im Rest der Wirtschaft ist indirekt. Der britische Ökonom John Maynard Keynes hatte vor 80 Jahren daraus den Schluss gezogen, dass die Fähigkeit der Geldpolitik, eine lahmende Wirtschaft auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zurückzuführen, nur begrenzt sein kann. Eine  Ironie unserer Zeit besteht darin, dass nicht nur Gegner von Keynes, sondern auch Ökonomen, die sich in der Tradition des großen Briten sehen, der Geldpolitik eine Kraft zubilligen, die in einer von Unsicherheit und mangelndem Vertrauen gekennzeichneten Ära keine Notenbank besitzt. Unter illusionären Vorstellungen von der vermeintlichen Macht einer Notenbank leiden nicht nur Befürworter der aktuellen Geldpolitik, sondern auch Gegner.

6. Negativerlebnis
Die Grenzen der Macht der Geldpolitik werden nirgendwo besser deutlich als im Einsatz ihrer Instrumente in einer Situation nahe der Nullzinsgrenze. Mehrere Notenbanken – die EZB, die Dänische Nationalbank, die Schwedische Reichsbank, die Schweizerische Nationalbank und die Bank von Japan – haben in den vergangenen Jahren negative Leitzinsen eingeführt. Nach moderner ökonomischer Auffassung ist die Einführung eines negativen Zinses nichts Besonderes; eine ältere Auffassung, nach der ein negativer Zins per se unnatürlich und damit Ausdruck von Verrücktheit sei, ist  weitgehend überwunden. Doch was immer die theoretisch vorteilhaften Wirkungen negativer Zinsen auf Preisniveau und Wirtschaftswachstum sein mögen – bis heute ist nicht gelungen, einen Nutzen negativer Zinsen für eine breite Öffentlichkeit  zu kommunizieren. Die psychologischen Folgen des Negativzinses für Unternehmen und Verbraucher, die darin  ein Krisensymptom sehen, sind von der Geldpolitik unterschätzt worden. Eine Geldpolitik, die Unsicherheit produziert, wirkt aber schwerlich vorteilhaft. Unterschätzt worden sind auch die nachteiligen Folgen des Negativzinses für die Banken und Sparkassen, an deren Gesundheit die Geldpolitik schon allein deshalb ein vitales Interesse besitzen muss, weil sie den Finanzsektor für die Durchleitung geldpolitischer Signale an  Unternehmen und Verbraucher dringend benötigt. Daher sind mittlerweile auch von Geldpolitikern skeptische bis kritische Stimmen gegenüber dem Negativzins zu hören. Abschreiben sollte man das Instrument nicht: Gerade hat mit Marvin Goodfriend ein angesehener konservativer Ökonom auf der geldpolitischen Tagung in Jackson Hole ein  Plädoyer für den Negativzins gehalten.

 7. Kauflust
Das Plädoyer für den Negativzins erklärt sich mit Zweifeln an einem anderen Instrument, zu dem Notenbanken seit einigen Jahren häufiger greifen: dem Ankauf von Wertpapieren, vor allem von Anleihen. Während Anleihekäufe als Instrument in einer schweren Krise  kaum umstritten sein dürften, ist ihr Nutzen in anderen Zeiten hinterfragbar. Wiederum existiert bei Befürwortern wie bei Gegnern, eine übertriebene Vorstellung von ihren Wirkungen. Nach Schätzungen für die Vereinigten Staaten, für Großbritannien und für den Euroraum haben Anleihekäufe die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen um rund einen Prozentpunkt gesenkt – das heißt, ohne die Käufe gäbe es vermutlich keine negativen Anleiherenditen, aber deutlich positiv wären sie auch nicht. Der großflächige Kauf von Anleihen geht  mit Risiken einher, unter anderem für die Bilanz der Notenbank und für die Liquidität der Anleihemärkte. In manchen Ländern besteht die Möglichkeit, dass die Notenbank den Markt in absehbarer Zeit leer kauft. Auf der Tagung in Jackson Hole bezeichnete die Fed-Vorsitzende Janet Yellen Anleihekäufe als ein Instrument, das auch in Zukunft Anwendung finden könnte. Ein Autorentrio um den Harvard-Professor und früheren Geldpolitiker Jeremy Stein hat in Jackson Hole einen Vorschlag vorgelegt, die Bilanzsumme der Notenbank für die Produktion sicherer Anlagen zu nutzen und auf diese Weise die Geschäftsbanken davon abzuhalten, zu viele Risiken einzugehen. Der Vorschlag ist sehr interessant, bedarf aber weiterer Erörterungen.

8. Zinsarmut
Negative Zinsen und negative Anleiherenditen sind für viele Menschen sichtbarer Ausdruck einer Welt, die scheinbar aus den Fugen geraten ist – ganz abgesehen davon, dass sie die langfristige Kapitalbildung durch die Anhäufung sicherer Kapitalanlagen erschwert bis verunmöglicht. Auch wenn die Geldpolitik unbestreitbar zu den sehr niedrigen Zinsen und Renditen beigetragen hat, ist sie nicht der einzige „böse Bube“, als der sie manchmal dargestellt wird. Die treibende Kraft eines nunmehr seit Jahrzehnten währenden Rückgangs der Renditen ist neben dem erfreulichen Rückgang der Inflationsraten ein säkularer Rückgang des Realzinses, der durch die Geldpolitik kaum beeinflusst werden kann. In diesem Rückgang drücken sich fundamentale Kräfte aus wie die Demografie, das Verhältnis von Ersparnis und Investition, die Qualität wirtschaftlicher und politischer Institutionen, die Produktivitätsentwicklung und das wirtschaftliche Wachstumspotential. Dieser  „natürliche Zins“ befindet sich nach Schätzungen in den Industrienationen derzeit nahe Null. Die konkreten Schätzungen sind unter Ökonomen  kontrovers, aber die Existenz eines säkularen Falls des „natürlichen Zinses“ wird kaum noch bestritten. Die Vorstellung, die Notenbank müsse nur ihren Leitzins erhöhen, damit die Anleiherenditen automatisch steigen und die Menschen  glücklicher werden, steht nicht im Einklang mit moderner Theorie und der Empirie. Der Zins ist primär ein wirtschaftliches und nur sekundär ein politisches Phänomen. Wer einen höheren Zins will, braucht vor allem mehr Wirtschaftswachstum. Hier lauert jedoch ein psychologisches Problem. Zu akzeptieren, dass in einer Zeit, in der es vielen Menschen in Deutschland wirtschaftlich gut geht, der Zins – und damit ein wesentlicher Anreiz zum Sparen – aus fundamental-wirtschaftlichen Gründen nahezu wegfällt, ist rein intuitiv schwierig. Psychologisch leichter fällt es, für den Wegfall des Zinses vermeintlich böse Menschen verantwortlich zu machen, die man nicht kennt und die abgeschottet in fernen, hohen Türmen hausen.

 9. Bankenangst
Der säkulare Rückgang der Anleiherenditen in den vergangenen Jahrzehnten war eine Bonanza für Vermögensverwalter, die Geld in sicheren Anleihen geparkt und von den mit dem Verfall der Renditen verbundenen Kursgewinnen profitiert hatten. Jetzt zählen diese Vermögensverwalter, darunter Banken, Fondsgesellschaften und Versicherungen,  zu den schärfsten Kritikern der Geldpolitik, die sie für die niedrigen Renditen verantwortlich machen. Hier ist eine Akzentverschiebung erkennbar: Heute rücken Risiken der Geldpolitik für die Finanzstabilität als Folge der Auszehrung von Banken und Versicherern immer mehr in den Blickpunkt. Die Frage, inwieweit die Notenbank neben der Sicherung der Preisniveaustabilität auch explizit Verantwortung für die Finanzstabilität übernehmen soll, ist bis  nicht wirklich geklärt. Auch bleibt die Frage vorerst offen, wie die Geldpolitik mit sich daraus ableitenden Zielkonflikten umgehen soll. Etwas in den Hintergrund sind zuletzt Befürchtungen getreten, eine expansive Geldpolitik erzeuge Spekulationsblasen an Vermögensmärkten, die in schweren Krisen münden könnten. Es gibt einen Grund, warum solche Warnungen seit einigen Monaten seltener zu hören sind: Nach der Erfahrung sind vor allem kreditfinanzierte Spekulationsblasen gefährlich. Die gesamtwirtschaftlichen Kreditvolumina wachsen  aber nur gering. Das grundlegende Thema ist jedoch nicht abgehakt. Nicht gelingen sollte es der Finanzbranche und hier vor allem den Banken jedoch, durch Debatten über die Geldpolitik von eigenen Schwächen und Versäumnissen abzulenken.

 10. Geldsystem
Geldsysteme fallen nicht vom Himmel und sie sind auch nicht unveränderlich. Der technische Fortschritt, menschliche Verhaltensweisen, ökonomische Erkenntnisse und der jeweilige Rechtsrahmen begleiten Geldsysteme durch die Zeitläufte. Die digitale Revolution kreiert für die Finanzwelt neue Möglichkeiten und vielleicht sind Bitcoins Vorboten einer neuen monetären Welt. Wichtig bleibt aber die Feststellung, dass unser  zweistufiges Geldsystem, das aus einer Zentralbank und Finanzintermediären wie Geschäftsbanken besteht, aus heutiger Sicht keinen fundamentalen Defekt aufweist. Die Brauchbarkeit eines Geldsystems bestimmt sich am Ende des Tages wesentlich in seiner Fähigkeit, ein wertstabiles Zahlungsmittel zu schaffen. Niemand wird erstaunt sein, wenn in einer Hyperinflation das Geldsystem in Frage gestellt wird. Ein Geldsystem in einer Zeit historisch niedriger Inflationsraten überzeugend zu verdammen, ist schon schwieriger. Yellen hat es in Jackson Hole auf den Punkt gebracht: Wer nachhaltiges Wirtschaftswachstum will, darf nicht alleine auf die Geldpolitik schauen, aber wirkungslos ist die Geldpolitik auch nicht. Man braucht wenig Phantasie für die Prognose, dass Regierungen auch zur Bekämpfung populistischer Strömungen in den kommenden Jahren geneigt sein werden, eine expansivere Finanzpolitik zu betreiben – und sei es durch Schuldenfinanzierung von Steuersenkungen. Eine expansivere Finanzpolitik wird die Geldpolitik etwas entlasten und ihr, ausgehend von den Vereinigten Staaten, die Möglichkeit geben, sich ein Stück weit aus der sehr expansiven Geldpolitik zu verabschieden. Die Geldpolitiker werden froh sein, wenn sie weniger im Scheinwerfer der Öffentlichkeit stehen werden. Aber auch dann wird die Geldpolitik für lange Zeit eine Baustelle bleiben.

 


Dieser Beitrag ist in ähnlicher Form am 28. August 2016 in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erschienen.

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21 Lesermeinungen

  1. Die Geldpolitik will sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse stützen
    Auf welche denn? Carlyles Charekterisierung der Nationalökonomie als „dismal science“ (trostlose Wissenschaft) trifft meines Wissens immer noch zu. Es gibt verschiedene, einander diametral widersprechende Theorien, zwischen denen nicht experimentell oder auf irgendeine andere Weise objektiv entschieden werden kann. Die einander widersprechenden Argumente sind alle plausibel- aber eben auch nicht mehr als nur plausibel. Mir ist völlig unklar, wie man auf derartige Erkenntnisse etwas stützen will. Niemand weiss, welche Geldpolitik heute richtig wäre, Ideologen verschiedene Prägung behaupten, die von ihnen favorisierte sei es und umgesetzt wird die Geldpolitik derjenigen Ideologen, welche die bessere Machtposition haben.

    Was der Autor aber vor allem verkennt, ist Folgendes: Ob eine Geldpolitik sich als richtig oder falsch erweisen wird (im Nachhinein kann man es manchmal feststellen), hängt sehr stark von der massenpsychologischen Reaktion auf eben diese Geldpolitik ab, also davon, ob die wichtigsten Akteure im Markt an die gleiche Ideologie glauben, wie diejenigen, die in den Machtpositionen sind. Wenn sich also ein starkes Misstrauen gegen die Eliten breit macht, so ist der resultierende Zweifel an der durch solche Eliten verfolgten Geldpolitik mit hoher Wahrscheinlichkeit eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.

    Am Ende ist es halt so: Entweder die Eliten finden einen Weg, Vertrauen zurück zu gewinnen oder die Eliten müssen ersetzt werden. Das gilt nicht nur in der Geldpolitik. Man kann auf Dauer keine freie, offene und demokratische Gesellschaft haben und gleichzeitig Machteliten, denen die Mehrheit misstraut.

    • Treffende Kritik, aber ...
      … es sollte eher eine kaufmännische als eine politische Sache sein.

      Dollar (Taler) war der Name einer Münze, ihr Wert war der Wert ihres Metalls. Man hatte solche Kurantmünzen, man verhalf sich mit Schuldverschreibungen (Akkreditiv, Wechsel, Schecks, Noten), auch mit Scheidemünzen, die wie solche Papiere zu betrachten sind. Heute haben wir Geldscheine, auch Scheidemünzen, aber ohne Bezug auf Metall.

      Der Verlust des Bezugs auf das Metall muss aber mit noch mehr gesetzlicher Regulierung ersetzt werden. Wie soll es gehen? Da soll man sich Gedanken machen, eben Wissenschaft machen, aber auch Ideologie, das letzte besonders, wenn man andere Aufgaben vom Geld erwartet als die klassischen (Wertmesser, Tauschmittel, Wertaufbewahrung).

    • @jeschkeg

      Ich wäre nicht so fatalistisch. Zwei Punkte:
      1. Man beobachtet seit Jahrzehnten einen Rückgang der Inflationsraten in der Welt bis in die Nähe von null Prozent heute. Dieser Rückgang betrifft nicht nur die Industrienationen, sondern in noch viel stärkerem Maße die Schwellenländer. Man wird kaum behaupten wollen, dass die geldpolitische Strategie der direkten Inflationssteuerung, die seinerzeit zuerst in Neuseeland angewandt wurde, dazu keinen bedeutenden Beitrag geleistet hat. Und das hängt damit zusammen, dass in der Theorie der damaligen Zeit die Bedeutung der Erwartungen einen erheblichen Aufschwung nahm. Die Geldpolitik ist im Laufe der Zeit schon deutlich besser geworden, aber sie ist alles andere als perfekt und sie muss sich immer wieder auf ein sich wandelndes Umfeld einstellen.
      2. In der modernen Theorie der Geldpolitik kommt den Erwartungen der Menschen eine wichtige Bedeutung zu. Nun zeigen alle Messungen, dass die Inflationserwartungen der Menschen ziemlich stabil sind; das heißt, die Menschen erwarten keine deutliche Beschleunigung der Inflationsrate in absehbarer Zeit. Das ist im Vergleich etwa zu den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts schon ein erheblicher Fortschritt.
      Gruß
      gb.

  2. Die Geldpolitik der Bundesbank wurde nicht nur an der Höhe der Infaltion gemessen
    sondern und vor allem am äußeren Wert, d.h. am Wechselkurs. Und da hat der Wert des EUR stark gelitten. Nicht gegenüber dem Yen und nur wenig gegenüber dem US$. Aber das nur, weil deren Notenbanken genau die gleich schlechte und wirkungslose Geldpolitik betrieb.
    Noch schlimmer ist allerdings, dass durch die derzeitige Geldpolitik, dem verbotenen Ankauf von Staatsanleihen, nein, vor allem von Ramschanleihen, ganz große Risiken aufgebaut werden. Und diese Risiken können nur durch eine Politik, wie sie die Bundesbank jahrzehntelang umgesetzt hat, wieder abgebaut werden. Doch dazu ist weder die EZB bereit, und schon gar nicht Mitgliedsländer der EU wie FR, IT und leider auch Deutschland. Und deshalb wird die Geldpolitik der EZB so stark von Ökonomen kritisiert. Weil sie nämlich nur das Problem verschoben hat, statt es zu lösen.

  3. Thesen zur Geldpolitik – welch 'gewaltiger' Umfang G. Braunberger
    Zum ‚Glück‘ Gerald Braunberger, ist für Sie, also in Ihrem Blog-Beitrag, das Setzen von Link-Adressen gestattet |:-) So lässt sich manch Erweiterte und Hintergründige in den Blick nehmen.

    Geld und Politik – Macht und Banken – Inflation und Zinsverlust – Wachstum und Grenzen

    Danke für Ihre vielsichtige und vielschichtige Betrachtung, die allerdings zunächst einmal, ob der (fast) Vollständigkeit, überfordernd ist.
    Nimmt Mann die Ansicht des BGH-Richters Thomas Fischer für ‚bare Münze‘ „Sie verstehen praktisch nichts, was sich nicht in kurzen Hauptsätzen mit sechs Worten sagen lässt.“, dann ergibt sich ein überschaubarer Personenkreis, der unbegrenzt folgsam mitgeht.

    Zu Ihrer These 1: Mir fröstelt, so die Begriffe „Geld“, „Politik“, „Bank“, „Niveau“, „Stabilität“, „Sicherung“ und „Öffentlichkeit“ in einem Atemzug verknüpft werden, ohne dass „Dienen“ mit genannt wird!
    Dienstbar sein, denn dies beinhaltet das Anforderungsprofil der Genannten! Dienst leisten, gegenüber der Gesellschaft (Öffentlichkeit) – besonders der in den Parlamenten Platz nehmenden.
    Abgeordnete/Volksvertreter _nicht_ Politiker/Politikerinnen!
    J. Eichelhaeher formuliert zu den genannten – Auszug „… Jeder in Diensten des Staates arbeitet nicht – er hat Dienst zu leisten, an der Gesellschaft; als Erfüllungsgehilfe mit besonderem Auftrag, mit _mehr Pflichten_ nicht mehr Rechten!“

    So ist Ihr gewählter Begriff „Entfremdung“ wohl gewählt |:-)) Das ‚abgehoben sein‘ vom gesellschaftlichen Auftrag, der zuallererst zu erfüllen ist! Sie, die von Ihnen Genannten, haben sich den Schaden selbst zuzuschreiben – den sie wahrzunehmen gewillt werden. Zögerlich, nur durch öffentlichen Druck hervorgerufen, ihre Wahrnehmung.

    Sie Blicken zu den Vereinigten Staaten – etwas weiter blicken lohnt sich.
    Präsident Bill Clinton übernahm von seinem Vorgänger die höchste Staatsverschuldung in der Geschichte der USA. Bill Clinton hat den „Gramm-Leach-Bliley Act“ komplett aufgehoben, um die Wettbewerbsfähigkeit der US-amerikanischen Geschäftsbanken zu stärken. Tatsächlich sind damit die Ursachen der Fehlentwicklung in der Finanzbranche begründet worden! Der Untergang so mancher Finanzdienstleister folgte daraus – Weltweit exportiert!! Drei Privatunternehmen, genannt Ratingagenturen (Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch Ratings), sind „Bestimmer“ aus Sicht der US-Amerikaner – als „Schönfärber“ der Eigenen, zu denen sie sich ‚rechnen‘!
    Wir haben anderes erlernt – Entwicklung als Motor für unsere Gesellschaft, und das Weltweit, in den Vordergrund zu stellen.

    Es grüßt aus Stuttgart Jürgen Sojka

  4. "Für diesen Zweck bleibt der Negativzins ein wichtiges und gutes Instrument."
    Ein aktuelles Interview mit Andréa Maechler, Mitglied des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank (SNB):

    http://www.blick.ch/news/wirtschaft/snb-direktionsmitglied-andrea-maechler-nur-wenige-zentralbanken-sind-so-transparent-wie-wir-id5427030.html

    Gruß
    gb.

  5. Das größte geldpolitische Experiment aller Zeiten
    Die Politik, einschließlich der Geldpolitik, ist ein permanentes Krisenmanagement. Auch wenn wir derzeit in D. auf ökonomischem Gebiet eine gewisse Windstille erleben. Es warten doch alle auf den nächsten Sturm. Die Probleme werden nicht gelöst, sondern allenfalls gemanagt oder nur in die Zukunft verschoben. Das Eurosystem wird – trotz der Preisstabilität – als höchst labil wahrgenommen, allein von einem gewissen politischen Willen, oder einer gewissen Regulierungswut nach dem Motto „Not kennt kein Gebot“ aufrecht erhalten.

    In diesem Klima entsteht kein Vertrauen. Vertrauen in eine stabile Zukunft ist jedoch Voraussetzung vieler Investitionen. Statt dessen betreibet man „Vermögensrettung“ oder Flucht in Sachwerte. Die EZB heizt diese Flucht bis zu einem gewissen Grad mit der Null-Zins-Politik weiter an und kann zugleich viele Probleme im Euroraum nicht lösen. Das wäre Aufgabe der Politik. Doch bevor die Politik diese Aufgabe angehen könnte, müsste sie die Fehler der Vergangenheit bekennen. Dazu ist sie jedoch unfähig, weshalb sich überall sog. populistische Parteien in Europa formieren, ebenfalls ein Zeichen tiefer Verunsicherung angesichts eines nicht überzeugenden Krisenmanagement der Etablierten. Italien ist nur ein Beispiel und vielen. Der Euro ist gerade in Italien nur noch ein politisches Konstrukt gegen jede ökonomische Vernunft. – Also warten alle auf den nächsten großen Knall oder „ziehen sich warm an“. Alles in allem: Kein Klima für Investition und Reformen, sondern „großes Abwarten“.

    • Permanentes Krisenmanagementspiel nach Motto "Not kennt kein Gebot"
      Und so verliert das System an Konturen, so entsteht Unsicherheit, wenn nicht Misstrauen.

  6. Danke für den tollen und sachlichen Beitrag! Ein paar ergänzende Gründe für die Skepsis
    der Bevölkerung. Wer heilt hat recht, umgekehrt sind Entscheidungen kommunikationsbedürftig, deren Heilerfolg nicht unmittelbar sichtbar sind. Das Vertrauen erodiert auch aus folgenden Gründen:

    a) Die (EU- und Welt-) Wirtschaft wächst nicht mehr.
    b) Die EU mit Flüchtlingskrise und Brexit scheint nicht erfolgreich, der Euro führt offenbar zur Armut in Süd- und Osteuropa.
    c) Die Bankenkrise wurde nicht erfolgreich gelöst (unfaire Verteilung von Gewinnen und Verlusten).
    d) Im Zivilschutzkonzept wird ausdrücklich festgehalten, dass die Banken KEINE Verpflichtung haben, die Verfügbarkeit von Bargeld sicherzustellen – auch nicht über Geldautomaten http://bit.ly/2bvL7Da Im Krisenfall geht es uns also wie Griechen und Zyprern. Wir müssen Gold und Waren als Tauschmittel bereithalten.
    e) Die Bundesregierung schönt ihre Zahlen (ständige Änderungen der Arbeitslosen- und BIP-Statistiken, die Vergleichbarkeit verunmöglichen).
    f) Es ist nicht abzusehen, wo zukünftige Wirtschaftskraft entstehen sollte (TTIP? Alternative Energien? IT-Start-ups? E-Autos?), es gibt keine „Erfolgsrezepte“ aber auch keine breite Diskussion.
    g) In der Politik herrscht offenbar ökonomische Planlosigkeit.
    h) Die Bundesregierung scheint sich auf einen Krieg oder Notstand vorzubereiten. Auch wenn das nur eine PR-Strategie für sinnvolle Vorratshaltung ist, erweckt es einen instabilen Eindruck.
    i) Bei einem Zerbrechen von EU oder Euro-Zone hätte Deutschland heftige Lasten zu tragen.

  7. ....
    Die Gefahr die ich sehe ist das Immobilien, Edelmetalle und ähnliches nun eine massive Blase erleben.
    Wenn man Geld nicht mehr wirklich anlegen kann um damit zumindest rudimentären Gewinn zu machen wird man andere Wege suchen und zumindest in meiner Gegend Österreichs ist das vor allem die Immobilie.
    Die Preise schiessen mittlerweile in Höhen wo ein normaler Arbeitnehmer keine Chance mehr hat zu erwerben, weil die Vermietung oder Verpachtung einen Weg darstellt wie man Geld anlegen kann und dabei noch was rauskriegt.

    Über kurz oder lang wird sich was ändern müssen damit gerade sparen mit positivem Zinssatz für den einzelnen wieder möglich ist, sonst fallen wir unter Umständen in einen neuen Feudalismus.

  8. Grenzen sind schon lange erreicht
    Die Grenzen sind schon lange erreicht, spätestens mit der EZB, die versucht für alle Länder eine Einheitliche Geldpolitik zu machen. Dafür sind in Europa zu uneinheitliche Wirtschaftssysteme vorhanden. Was für ein Land gut ist, kann für andere Länder uneingeignet sein und Negative auswirkungen haben, die man aus „Berufsblindheit“ nicht erkennen will oder kann. Viele Instrumente hat die EZB eingesetzt, viele auch durch falschen Einsatz auch verbrannt und sind mittlerweile Wirkungslos, überall wird mit ungeeigneten Massnahme eingegriffen und die Wirtschaft ihren Natürlichen Heilmöglichkeiten beraubt. Man sieht ja gerade bei Unternehmen die im Grunde Pleite sind und auch das Falsche Konzept haben, das man diese Rettet wegen den Arbeitsplätzen, dadurch aber andere Gesunde Unternehmen in Schwierigkeiten bringt und zwingt zum Teil genauso Falsch zu handeln.

    Gerade bei der Geldpolitik wird gerade denen gegeben die noch Geld haben, die wo Geld brauchen und der Wirtschaft neue Impulse verleiten könnten, bekommen kein Geld. Deshalb gibt es auch trotz niederig Zinsen und Niedriglöhne ( ggf. Aufstocken ) kein wirklicher Aufschwung.

    Man sollte als EZB und FED etc. wieder back to the Roots gehen und von Grund auf nachdenken wie Funktioniert Wirtschaft und zwar Real und nicht nur aufgrund Bilanzen und Statistiken, die eh meist nicht die Realität wiederspiegelt

  9. noch-einen-schritt-weiter
    Preisstabilität ist die einzige Aufgabe der Notenbank. Deflation ist nicht beneidenswert, sie ist gefährlich. Die Vermögensinflation ist gefährlich und wird letztendlich von der Allgemeinheit finanziert. Das Problem sind unfähige „Wirtschafts“-Politiker. Es ist kein Naturgesetz das billige Geld über Geschäftsbanken für die Spekulation zu erlauben. Eine kluge Gesetzgebung würde das sofort beenden und diese Gelder dürften nur noch in Investitionen realer Dinge münden. Ein positiver Zins ist ebenfalls kein Naturgesetz. Superökonomen wie Merkel und Schäuble und deren Berater, Weise und Lobbyisten verstehen davon nichts, sie sind Gesetz gewordene schwarze Nullen. Finanzmärkte müssen lediglich wieder reguliert werden, sie sind schädlich, produzieren Nichts und müssen in diesem System vom Steuerzahler zwansläufig immer subventioniert werden, DAS IST KEIN NATURGESETZ. Aber es ist politisch von unseren Superökonomen gewollt, seit den Eichels, Steinmeiners bis zum Superökonomen Schäuble. Die Notenbank ist nur ein Puzzleteil, ein wichtiges aber eben nur ein Einziges. Um volkswirtschaftliche Erfolge für alle! hinzubekommen gibt es nur eine Lösung. Kluge Menschen ohne Ideologie. Und das ist leider eine Utopie geworden. Unsere Politker sollen sich einfach ansehen was sie geschaffen haben. Sie sollten sich an dem messen lassen was sie in Europa angerichtet haben, Massenarbeitslosigkeit, Nationalismus, Supervermögenskonzentration, Kampf der Nationen. Die EZB hat keine Möglichkeiten mehr, sie hat alles getan, aber, sie ist eben nur ein Puzzleteil von vielen.

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