Fazit – das Wirtschaftsblog

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Für alle, die’s genau wissen wollen: In diesem Blog blicken wir tiefer in Börsen und andere Märkte - meist mit wissenschaftlicher Hilfe

Die Deutsche Bundesbank läutet die Reformation der Makroökonomik ein – oder doch nicht?

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Der Makroökonom Rüdiger Bachmann hat in einem Interview mit FAZIT harte Kritik an den monetären Vorstellungen heterodoxer Ökonomen geübt. Mit diesem Beitrag bringen wir eine Replik von Dirk Ehnts. (gb.)

 

Ein Gastbeitrag von Dirk Ehnts

In dem Interview mit dem Makroökonomen Rüdiger Bachmann unter dem Titel „Es werden Scheindebatten geführt“ wurde jüngst an dieser Stelle über Geldtheorie diskutiert. Anlass waren meine Beiträge in der „Ökonomenstimme“, welche unter anderem Bezug nahmen auf einen Artikel der Deutschen Bundesbank, der im Monatsbericht April 2017 erschien. Im Folgenden möchte ich die Diskussion versachlichen und die wesentlichen Punkte herausarbeiten.

 

 

 

 

 

Herr Bachmann, die Bundesbank und ich sind uns in einigen Punkten einig: Geschäftsbanken schöpfen Geld durch Kreditvergabe, und die Zentralbank übt über ihre Zinsen einen Einfluss mindestens auf die Kreditnachfrage aus. In dem Moment der Kreditvergabe, wenn also die Unterschriften der beiden Parteien trocknen, erhöht die Bank den Kontostand des Kreditnehmers. „Dies widerlegt einen weitverbreiteten Irrtum, wonach die Bank im Augenblick der Kreditvergabe nur als Intermediär auftritt, also Kredite lediglich mit Mitteln vergeben kann, die sie zuvor als Einlage von anderen Kunden erhalten hat“, kommentieren die Autoren der Bundesbank in dem oben genannten Aufsatz.

Herr Bachmann erwähnt selbst, dass in manchen Einführungsveranstaltungen ein damit verbundenes Modell des „Geldmultiplikators“ gelehrt wird, in dem, so der Gesprächspartner Gerald Braunberger, „die Zentralbank über die Zuteilung von Zentralbankengeld die Menge des Geschäftsbankengeldes eng und mechanistisch steuern kann“. Laut Herrn Bachmann sind die Modelle in Einführungsvorlesungen „aus pädagogischen Gründen sehr einfach“; später würden die Studierenden dann realistischere Modelle kennenlernen.

An dieser Stelle möchte ich zwei Fragen aufwerfen. Erstens, gibt es innerhalb der Ökonomie einen Konsens über die Frage der Geldschöpfung, so wie ihn Bachmann ausmacht („Das ist den Ökonomen alles bekannt.“)?

Zweitens, inwiefern ist das Modell der Bank als Intermediär mit der Zentralbank als Institution, die via „Geldmultiplikator“ Kreditmengenwachstum und damit Inflation steuert, eine „Vereinfachung“?

 

Paul Krugman vs Steve Keen: Diskussionsbedarf

Kommen wir zu der Frage, ob innerhalb der Ökonomik ein Konsens herrscht. Vor inzwischen fünf Jahren gab es eine kurze, aber heftige Debatte zwischen den Makroökonomen Steve Keen (Heterodox United) und Paul Krugman (Mainstream City). Steve Keen legte vor mit folgendem Minsky-Zitat:

“For real aggregate demand to be increasing, . . . it is necessary that current spending plans, summed over all sectors, be greater than current received income and that some market technique exist by which aggregate spending in excess of aggregate anticipated income can be financed”.

Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage kann nach Hyman Minsky nur wachsen, wenn die geplante Ausgabenhöhe der Akteure höher liegt als die erhaltenen Einkommen, und folglich muss es eine Marktlösung geben, durch welche diese Differenz finanziert wird. Mit anderen Worten: Die Kreditschöpfung der Banken oder andere Finanzierungsarten wie die Ausgabe von Aktien oder Wertpapieren finanzieren zusätzliche Ausgaben, meist Investitionen. Diese werden eben nicht durch Einnahmen finanziert und auch nicht durch Konsumverzicht anderswo, wie es Herr Bofinger letzte Woche in seinem Beitrag auf FAZIT treffend herausarbeitete.

Paul Krugman, der gerade ein Modell mit Bezug auf Minsky entworfen hatte, war damit gar nicht einverstanden und konterte:

“If I decide to cut back on my spending and stash the funds in a bank, which lends them out to someone else, this doesn’t have to represent a net increase in demand”.

Dies ist nichts anderes als die Sichtweise der Bank als Intermediär: Die Ersparnisse der einen wandern in die Bank und die verleiht sie dann an jemanden anders. Da die Diskussion damit endete, dass sich beide Ökonomen zurückzogen auf die eigenen Positionen, kann ich daraus nur schließen: Hier besteht Diskussionsbedarf. Paul Krugman ist Nobelpreisträger und Kolumnist der New York Times und Steve Keen ist bzw. war Leiter der „School of Economics, History and Politics“ in Kingston bei London.

Es gibt noch weitere Indizien, die auf einen Diskussionsbedarf schließen lassen. So wurde der Artikel der Bank of England zur Geldschöpfung – „Money creation in the modern economy“ – bis heute satte 368-mal zitiert. Mein Artikel bei „Ökonomenstimme“ ist aktuell der meistgelesene Artikel der letzten 30 Tage mit über 6000 Aufrufen und inzwischen fast 300 Kommentaren – ein Rekord bei Ökonomenstimme. Die durchschnittliche Bewertung von 3,44 deutet wohl darauf hin, dass es sehr gemischte Reaktionen auf den Inhalt gab.

 

Die Dinge einfacher machen, aber nicht zu einfach

Wenn die beiden Theorien sich entgegenstehen und kein Konsens in der Disziplin herrscht, dann wäre dies an sich für die Ökonomik zwar unbefriedigend, aber kein Beinbruch. In der Physik koexistieren seit etwa einhundert Jahren Quantenelektrodynamik und Allgemeine Relativitätstheorie ohne große Probleme für die Reputation der Disziplin. Nun hat Herr Bachmann behauptet, die Lehre vom „Geldmultiplikator“ – Banken verleihen Geld von der Zentralbank gleich mehrfach weiter an Haushalte und Unternehmen – wäre ein Modell, welches „aus pädagogischen Gründen sehr einfach“ gehalten wäre. Meiner Meinung nach ist diese Aussage verharmlosend. Die Darstellung ist nicht vereinfacht, sondern schlichtweg falsch.

Weder die Bestimmung der Geldmenge durch die Zentralbank, so wie es das IS/LM-Modell beschreibt, noch die Idee der Umwandlung von Ersparnisse in Investitionen durch die Banken hält einer empirischen Überprüfung stand. So schreibt die EZB auf ihrer Internetseite: „The interest rates on the marginal lending and deposit facilities normally provide a ceiling and a floor for the overnight market interest rate“. Der Übernachtzins wird also durch die Zinssätze der Einlagefazilität nach unten und Spitzenrefinanzierungsfazilität nach oben beschränkt. Von Veränderungen der Geldmenge ist hier keine Rede. Auch Ulrich Bindseil, der geschäftsführende Direktor der EZB, der für das Tagesgeschäft zuständig ist, kritisiert in seinem weitverbreiteten Standardwerk „Monetary Policy Operations and the Financial System“ den Ansatz des „Geldmultiplikators“ als „wenig überzeugend“ („hardly convincing“, Seite. 32). Auch er sieht übrigens Kreditschöpfung als Prozess der Verlängerung der Bankbilanz.

Wenn also das Modell des „Geldmultiplikators“ keine Vereinfachung der Realität ist, sondern schlicht und einfach falsch, warum wird es dann gelehrt? Und wenn es gelehrt wird, warum wird den Studierenden dann nicht gesagt, dass sie hier eine Vereinfachung vor sich haben bzw. eine Verfälschung, die später dann gegebenenfalls korrigiert wird? In den aktuellen Lehrbüchern von Mankiw und Blanchard finden sich jedoch keine derartigen Hinweise. Auch im hinteren Buchteil gibt es keine Klarstellung bzw. Richtigstellung, Taylor-Regel hin oder her. Die Taylor-Regel besagt eh lediglich, dass die Zentralbank den Zins setzt – was die Studierenden dann verwirrt, weil sie ja auch schon die Geldmenge kontrolliert – und dass es einen Mechanismus gibt, der Zins und Investitionen miteinander verknüpft. Dieser Mechanismus, dass also niedrige Zinsen zu hohen Investitionen führen, funktioniert aber schon seit 2007 nicht mehr, und das ist ja Teil des Versagens der Modelle.

Zwei Schlussfolgerungen sind aus dem Einsatz von Geldmultiplikator-Modellen in Lehrbüchern der Makroökonomik zu ziehen: entweder wissen es die Lehrbuchautoren und die Dozenten nicht besser, oder sie nehmen eine Fehlinterpretation der Studierenden in Kauf. Beides sollte man zum Anlass nehmen, den aktuellen Einsatz dieser Lehrbücher zu überdenken. Dabei sollte man auch die Lehrbücher der Einführungsveranstaltungen durchsehen, denn auch die hängen häufig noch der überholten Theorie des „Geldmultiplikators“ an. Gerald Braunberger fand viele Lehrbücher mit „richtiger“ Geldtheorie, aber keines der Werke war eines zur Makroökonomik. Genau da aber liegt das Problem, den Makroökonomie hören meist alle Studierenden (inklusive der BWLer) im Bachelor-Studium und Geldtheorie nur noch ein Teil (VWLer, aber auch nicht alle) im Master-Studium. Es geht also die Mehrzahl der Studierenden mit einer falschen Vorstellung der Funktionsweise von Geld von der Universität ab.

Es sind die weitverbreiteten makroökonomischen Lehrbücher von Mankiw, Blanchard aber auch Krugman, in denen die Geldschöpfung nicht korrekt dargestellt wird. Diese Lehrbücher werden an vielen deutschsprachigen Universitäten genutzt, ohne dass auf die Irrtümer der Geldtheorie hingewiesen werden würde. Die Freie Universität (FU) Berlin beispielsweise listet für ihre Veranstaltung „Grundlagen der Makroökonomie“ als Literatur die Werke von Mankiw (plus Arbeitsbuch) und Blanchard auf. In meiner Zeit als Vertretungsprofessor an der FU hatte ich das Gefühl, dass die Studierenden im Bachelor Economics keine andere Geldtheorie kannten als den „Geldmultiplikator“.

Bei Blanchard wird der „Geldschöpfungsmultiplikator“ erklärt, bei Mankiw ist es ebenso, wie ein Aufsatz von Di Muzio und Noble aufzeigt (Seite 89): der Kunde bringt Bargeld zur Bank, und diese verleiht dann sein Geld weiter. Krugman/Obstfeld/Melitz, deren Standardwerk „Internationale Wirtschaft“ wohl an den meisten Unis benutzt wird, schreiben u. a. auf Seite 440: „Einlagen werfen deshalb Zinsen ab, weil sie in Wirklichkeit Kredite an die Bank darstellen“. Der Kreditnehmer nimmt also einen Kredit auf, die Bank schreibt ihm Einlagen gut auf seinem Konto, und dann verleiht der Kreditnehmer seine Einlagen zurück an die Bank? Das passt so nicht zusammen, und das Resultat ist Verwirrung statt Klarheit an einem der wesentlichen Punkte der Ökonomik, nämlich der Rolle des Geldes.

 

Die stille (R)Evolution der Makroökonomie

Inzwischen haben viele Ökonomen die Sichtweise der Kreditschöpfung als Bilanzverlängerung übernommen, u. a. die Bank of England, die Bundesbank, die EZB sowieso, der Princeton-Ökonom Markus Brunnermeier, Joseph Stiglitz und das Lehrbuch des CORE-Projekts, welches vom Institute for New Economic Thinking unterstützt wird. Auch mein eigenes Buch erklärt die Kreditschöpfung der Banken (wie auch der Zentralbank) in der Eurozone als Bilanzverlängerung. Dass Autoren wie Wicksell, Keynes und Schumpeter die Kreditschöpfung schon Anfang des 20. Jahrhunderts verstanden, ist dabei zwar für das Verständnis einer modernen monetären Ökonomie des 21. Jahrhunderts irrelevant, sollte aber in ideengeschichtlichen Vorlesungen behandelt werden.

In meinen Artikel bei Ökonomenstimme und anderswo habe ich immer betont, dass viele heutige Lehrbücher der Makroökonomie und die aktuelle Sichtweise der Bundesbank nicht zusammenpassen. Die Bundesbank war lange Jahre monetaristisch geprägt, u. a. durch Otmar Issing, einen der Gründungsväter des Euros, der noch 2010 eine Rückkehr des Monetarismus prophezeite. Die Geburtsfehler des Euros sind heute weitestgehend behoben, es ist eher der fehlende fiskalische Gegenpart, welcher die Eurozone unten hält. Otmar Issing hat also auf wackliger theoretischer Basis eine stabile Zentralbank geschaffen – eine Leistung, der Anerkennung gebührt. Heute hat sich die Bundesbank, übrigens letzte Woche vor genau 60 Jahren gegründet, von den alten monetaristischen Positionen emanzipiert und ist nun in ihrer Geldtheorie progressiver als große Teile der akademischen Welt. Um nichts Anderes ging es mir in dieser Debatte, als dies aufzuzeigen.

 

 


Zum Thema „Geld und Makroökonomik“ sind zuletzt erschienen:

 

 

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25 Lesermeinungen

  1. Wann flog Geld (exogen und endogen) aus der Mainstream-Makro?
    Am Anfang des Prozesses stand wohl dieses Paper, erstmals 1996 in Mexico City vorgetragen:

    http://www.columbia.edu/~mw2230/mexico-final.pdf

    Auf der EZB-Abschiedskonferenz für Otmar Issing 2006 legte Michael Woodford nach (in der Zwischenzeit war auch Woodfords einflussreiche Monografie erschienen):

    https://www.ecb.europa.eu/pub/pdf/other/roleofmoneyen2008en.pdf?646922df8deac54767d75918036d8dfd
    (ab Seite 55, interessant ist auch der Kommentar von Harald Uhlig).

    Gruß
    gb

  2. Neue Themen
    Lieber Herr Braunberger,

    gerne können wir die Debatte weitertreiben. Ich hatte schon mal hier und da einen Versuchsballon losfliegen lassen, leider ohne rechte Reaktion. Deshalb eine Zusammenfassung und Erweiterung, welche Themen m. E. näher erforscht bzw. diskutiert werden sollten.

    1. Die Geldschöpfung durch die Banken spielt heute in Deutschland nur noch eine marginale Rolle. Wie bereits gepostet, hat die Kreditschöpfung seit 2010 nur zu einer Ausweitung der Geldmenge M3 von durchschnittlich circa 0,2 Prozent pro Jahr geführt. Die Frage an die geldtheoretische Forschung: Ist dies ein genereller, anhaltender Trend?

    2. Hingegen hat die Geldschöpfung durch die Europäische Zentralbank laut den Wirtschaftsberichten der EZB seit Beginn der Ankaufprogramme kräftig zugenommen. Sie ist heute nicht nur in Deutschland, sondern in der gesamten Eurozone deutlich größer als die Geldschöpfung durch die Banken. Wie beurteilt die Geldtheorie diese Entwicklung?

    3. Der Bestand an Krediten, die die Banken in Deutschland an inländische Nichtbanken ausgereicht haben, ist seit etwa dem Jahr 2010 nahezu konstant. Was sind die Ursachen hierfür? Sind die regulatorischen Vorgaben zu scharf, so dass die Banken beim besten Willen keine zusätzlichen Kredite vergeben können?

    4. Oder ist die Nachfrage zu schwach, weil die Wirtschaft so langsam wächst? Dies erscheint kaum plausibel, denn seit 2010 hat das Bruttoinlandsprodukt in der Bundesrepublik kontinuierlich zugelegt.

    5. Benötigt die Wirtschaft einfach weniger Kredite, weil der Bedarf an Investitionen sinkt? Wir befinden uns bekanntlich auf dem Weg zur Wissensgesellschaft. Softwarehäuser und IT-Dienstleister benötigen aber erheblich weniger Kapital als Ölraffinerien und Stahlwerke.

    6. Eine weitere Erklärung wäre: Statt bei den Banken finanzieren sich die Unternehmen zunehmend am Kapitalmarkt – durch die Emission von Aktien, Anleihen und anderen Wertpapieren. Selbst größere Mittelständler haben heute, anders als vor 15 oder 20 Jahren, Zugang zum Kapitalmarkt. Welche dieser Erklärungen ist aus makroökonomischer Sicht wirklich relevant?

    7. Zugleich vermischen sich die Finanzierungsformen. In den vergangenen Jahren hat der gute alte Schuldschein im Mittelstand eine erstaunliche Renaissance erlebt. Auf der einen Seite teilen Schuldschein-Darlehen viele Merkmale mit (syndizierten) Krediten. Andererseits handelt es sich, wie bei Anleihen, um verbriefte (jedoch nicht handelbare) Schuldverschreibungen.

    8. Solche hybriden Finanzinstrumente werden sich, dank der Digitalisierung, zunehmend ausbreiten. Seit einigen Jahren sind auch in Deutschland zahlreiche Internet-Plattformen aktiv, die Crowdfunding, Crowdinvesting und Crowdlending anbieten. Bankaufseher rätseln, worum es sich hierbei genau handelt: Nachrang-Darlehen, partiarische Darlehen oder Spielwetten?

    9. Dies rückt einen Punkt in den Fokus, der in den Debatten, soweit ich sehen kann, überhaupt nicht angesprochen wird: Was, bitte, ist genau ein Kredit? Neben Geldkrediten vergeben Banken ja auch Bürgschaftskredite (Aval-, Akkreditiv-, Akzept- und Standby-Kredite), die in den Bilanzen weitgehend nicht ausgewiesen werden müssen. Da kann also schlechterdings keine Geldschöpfung per Buchungssatz stattfinden. Oder etwa doch?

    10. Schließlich gewinnen Schattenbanken zunehmend an Bedeutung. Deren kumulierte Bilanzen sind laut Bundesbank in Europa mittlerweile genauso hoch wie die der regulierten Banken. Wie beurteilt die Geldtheorie diese Entwicklung? Haben die komplexen Aktivitäten der Schattenbanken, zu denen auch Repo-Geschäfte gehören, Auswirkungen auf die Geldmenge?

  3. Anregung
    Ich denke, dass zumindest zwei Punkte ausdiskutiert und nicht wirklich umstritten sind.
    – Erstens: Banken betreiben Geldschöpfung und zwar überwiegend durch Vergabe von Krediten.
    – Für viele Banken sind Einlagen eine wichtige Quelle ihrer Refinanzierung.
    Das muss man sich möglicherweise nicht länger gegenseitig versichern/vorhalten.

    Vielleicht kann man ein wenig weitergehen und die Äußerungen von Bachmann, Bofinger und Ehnts als Ausgangspunkt für die Frage nehmen, was dies für makroökonomische Lehrbücher und Forschungen bedeutet. Welche Anforderungen wären überhaupt an solche Modelle zu stellen?

    Gruß
    gb

    • Welche Anforderungen?
      Überfüllte Bücherregale,Universitätsbibliotheken…
      Welche Anforderungen :
      Das die ungesättigter anstachelnder Neugier immer wieder anstößt zur
      weitergehen . Die ökonomische Signatur weit,weit hinaus.
      Es sind nicht die Lehrbücher aber die Lehrmeister .

    • Sie haben recht: Für gute Lehrbücher braucht man gute Lehrmeister.

      Aber es scheint durchaus Bedarf zu geben. Wenn ich Professoren frage, welches aktuelle Lehrbuch über Geld sie gut finden und empfehlen, erhalte ich oft die Antwort: „Keines.“

      Gruss
      gb

    • "Creatio ex nihilo" //Geldschöpfung
      gute Lehrbüchern?
      doch gibt es …
      ein ausgezeichneter „Gebrauchsanweisung“ : „Lijmen/Het Been“,Willem
      Elsschot [ deutsche Übersetzung gibt es ].
      Ein Schriftsteller mit zuverlässiger betriebswirtschaftlicher Berufserfahrung !

  4. @ Kohlbacher
    Jetzt kommt wieder der beliebte Taschenspielertrick. Wenn Heterodoxen die Argumente ausgehen, wechseln sie gerne die Ebene – von der EINZELNEN Bank zum gesamten Banken-SYSTEM. Da muss man aber schon sauber trennen, da hier andere Wirkungsmechanismen vorzufinden sind.

    Lieber Herr Kohlbacher, Sie dürfen durchaus davon ausgehen, dass dem Verfasser makroökonomische Kreisläufe sehr gut vertraut sind. Aber die sind hier nicht das Thema.

    Ehnts Beitrag und mein Kommentar dazu befassen sich damit, wie Geldschöpfung aus Sicht der einzelnen Bank stattfindet. Und da behauptet Ehnts, dass Kundengelder hierbei kaum eine Rolle spielen würden.

    Da hat der Professor den von ihm immer wieder zustimmend zitierten Artikel der Bundesbank (ebenso wie andere Heterodoxe) wohl nicht zu Ende gelesen. Im Monatsbericht vom April 2017 heißt es nämlich:

    „In der Abwägung von Erträgen und Risiken werden Banken aber versuchen, ihre Refinanzierung nicht nur auf kurzfristige Zentralbankkredite, sondern vor allem auch auf längerfristige Einlagen und verbriefte Titel (Schuldverschreibungen) zu stützen. Denn bei der Akquisition derartiger, bisher bei anderen Banken gehaltener Kundengelder fließt einer Bank ebenso wie bei einem kurzfristigen Zentralbankkredit Zentralbankguthaben über den bargeldlosen Zahlungsverkehr zu. Diese Refinanzierungsformen werden von den Kunden weniger schnell abgezogen. Längerfristige Anlageformen haben daher den Vorteil, dass den mittel- und längerfristigen Krediten auf der Aktivseite ihrer Bilanz eine fristenkongruentere Refinanzierung auf der Passivseite gegenübersteht.“

  5. Sehr geehrter Herr Heismann....
    …eine ehrliche Frage:

    Wie würden Sie vorgehen, wenn Sie ein Buch zur Geldtheorie schreiben müssten?

    D.h. welche Regelungen müsste man lesen, welche juristischen Kenntnisse müsste man erwerben etc.?

    Beste Grüße

  6. Viva Loanable Savings
    Ehnts schreibt:

    „Weder die Bestimmung der Geldmenge durch die Zentralbank, so wie es das IS/LM-Modell beschreibt, noch die Idee der Umwandlung von Ersparnissen in Investitionen durch die Banken hält einer empirischen Überprüfung stand.“

    Ganz ähnlich hatte Ehnts auf der Ökonomenstimme schon behauptet, dass das „Verleihen von Kundengeld“ für die Geldschöpfung nicht wesentlich sei. „Dies (ist) weder theoretisch möglich noch empirisch plausibel (…)“, behauptete er.

    Ich möchte dem energisch widersprechen. Was Ehnts da von sich gibt, ist einfach Unsinn.

    Eine Bank verwandelt durchaus Ersparnisse in Investitionen. Sie tritt hier ganz klassisch als Intermediär auf.

    Das Verleihen von Kundengeldern ist theoretisch sehr wohl möglich. Es ist überdies empirisch gesehen die weitaus wichtigste Quelle für die Refinanzierung von Krediten. Die Zentralbank und der Interbankenmarkt sind hingegen von absolut nachrangiger Bedeutung.

    Dies lässt sich glasklar an der Deutschen Bank aufzeigen, dem weitaus größten Kreditinstitut mit Sitz in der Bundesrepublik. In der jüngsten Bilanz (zum 31. März 2017) weist die Deutsche Bank Kredite in Höhe von 409 Milliarden Euro aus.

    Dieser Summe stehen Finanzierungen auf dem Interbankenmarkt von elf Milliarden und bei der Zentralbank von 19 Milliarden Euro gegenüber. Die beiden Positionen addieren sich zu 30 Milliarden Euro.

    Das entspricht gerade einmal 7,5 Prozent der ausgereichten Kredite von gut 400 Milliarden Euro. Geldmarkt und Zentralbank spielen also bei der Refinanzierung des Kreditgeschäfts der Deutschen Bank nur eine ganz untergeordnete Rolle.

    Weitaus wichtiger sind Kundengelder und Anleihen. Die Deutsche Bank weist in dem erwähnten Zwischenbericht 1Q2017 ein externes Finanzierungsvolumen von rund einer Billion Euro aus.

    Hiervon entfallen 300 Milliarden auf Einlagen von Privatkunden. Ebenfalls einen dreistelligen Milliarden-Betrag erreichen die emittierten Anleihen (besicherte und unbesicherte).

    Diese langfristigen Finanzierungen – und nicht die kurzfristigen von Geldmarkt und EZB – sichern Umfang und Stabilität des Kreditgeschäfts der Deutschen Bank. —

    Was für eine einzelne Bank gilt, trifft auch auf das Bankensystem insgesamt zu. Ende 2016 hatten die Kreditinstitute hierzulande Buchforderungen an Haushalte, Unternehmen und Staat von 3,2 Billionen Euro.

    Hiervon kann nur ein sehr kleiner Teil von der Zentralbank finanziert worden sein. In der Bilanz der Bundesbank für 2016 finden sich auf der Aktivseite Forderungen an Kreditinstitute aus dem Euroraum von insgesamt 65,5 Milliarden Euro.

    Es handelt sich also nicht nur um deutsche Banken, so dass die Kredite an inländische Geldinstitute deutlich kleiner sein dürften. Doch selbst 65,5 Milliarden entsprechen lediglich gut zwei Prozent des Bestandes an Krediten.

    Ganz erheblich größer sind die Ersparnisse, die die privaten Haushalte den hiesigen Banken anvertraut haben. Tagesgelder, Festgelder, Sparbriefe etc. summieren sich auf insgesamt 2,2 Billionen Euro.

    Das sind mehr als zwei Drittel der insgesamt in Deutschland ausgereichten Kredite. Kundeneinlagen sind also die mit klarem Abstand wichtigste Quelle, um Darlehen an Häuslebauer, Autokäufer und investitionswillige Unternehmen zu finanzieren!

    Nun bezweifelt Dirk Ehnts, dass Kundeneinlagen in Kredite umgewandelt werden können. Dem Herrn Professor kann geholfen werden.

    Nehmen wir an, dass ein großer Kunde des Bankhauses Nabob zu Frankfurt am Main – nämlich die Firma Hotzenplotz – 100 Millionen Euro als Tagesgeld anlegen möchte. Die Summe stammt aus dem Verkauf eines Betriebsteils; die Hotzenplotz AG weiß noch nicht genau, wie sie diese Gelder am besten langfristig anlegt.

    Was macht die Nabob-Bank mit dem Geld, für das sie vorerst ebenfalls keine langfristige Verwendung hat? Nun, sie legt es bei der Bundesbank an.

    Die Überschussreserven, die sich auf diese Weise ansammeln, kann Nabob nun dazu nutzen, Überweisungen an andere Geschäftsbanken abzuwickeln. Diese Überweisungen resultieren beispielsweise aus Kreditlinien, die die Bank ihren Kunden gewährt hat.

    In einem Satz: Je mehr Gelder die Kunden einzahlen, desto höher sind die Reserven von Nabob bei der Zentralbank und desto größer ist der Spielraum der Bank für zusätzliche Kredite.

    Was ist daran so schwer zu verstehen? Offenbar begreifen nur heterodoxe Ökonomen diese einfachen Zusammenhänge nicht.

    • Woher kommen die "Ersparnisse"?
      (Noch kurz, bevor es zum Flughafen geht)

      Zitat: „Ganz erheblich größer sind die Ersparnisse, die die privaten Haushalte den hiesigen Banken anvertraut haben. Tagesgelder, Festgelder, Sparbriefe etc. summieren sich auf insgesamt 2,2 Billionen Euro“

      Und die Bankkunden haben die „Ersparnisse“ vom Geldbaum geerntet, oder woher kommt dieses Geld?

      Nein, Herr Heismann, diese Ersparnisse sind zum großen Teil das Ergebnis vergangener Kredite.
      Bitte begnügen Sie sich nicht mit der Antwort, die Sparer hätten das gesparte Geld „halt verdient“, es geht um die originäre Quelle dieser Ersparnisse.

      Insofern verkennen Sie die Kausalrichtung. Loans create deposits und nicht in umgekehrter Reihenfolge.

      Dennoch haben Sie recht, das ist unbestritten, dass Kunden für die Bank eine Möglichkeit der „Refinanzierung“ darstellen. Ich glaube, dass Sie die Heterodoxen, die angeblich nichts begreifen, etwas gründlicher lesen sollten.

  7. Heismann
    Heismann: „Hierzu gehört vor allem das Postulat, dass die Banken alle liquiden Mittel, die ihnen zufließen, umgehend und in voller Höhe zur Finanzierung neuer Kredite verwenden.“

    Das ist nicht der Punkt, der am Multiplikatormodell kritisiert wird. Es wird bestritten, dass Banken überhaupt „zufließende liquide Mittel“ verleihen.
    Ob nun in voller Höhe oder auch nur teilweise, ist völlig egal…

    Banken verleihen keine zufließenden Mittel, nicht in voller Höhe, nicht teilweise, gar nicht.

    Damit ist NICHT bestritten, dass Banken „Kundengelder“ zur Refinanzierung nutzen, bzw. dass eingehende Zahlungen der Kompensation ausgehender Zahlungen dienen können.

    Mit besten Grüßen (auf etwaige Antworten werde ich wegen Urlaub nicht eingehen können)

    • Tohuwabohu
      Ich schrieb:

      “ (..) dass die Banken alle liquiden Mittel, die ihnen zufließen, umgehend und in voller Höhe zur Finanzierung neuer Kredite verwenden.“

      Sie schreiben:

      „Damit ist NICHT bestritten, dass Banken „Kundengelder“ zur Refinanzierung nutzen, bzw. dass eingehende Zahlungen der Kompensation ausgehender Zahlungen dienen können.“

      Wo besteht zwischen diesen beiden Aussagen der geringste Widerspruch?

      Irrnis Wirrnis!

  8. Anmerkungen
    Meines Erachtens spiegelt diese Kontroverse weniger einen wissenschaftlichem Erkenntnisgewinn wieder, sondern es handelt sich vielmehr um eine ideologische Auseinandersetzung innerhalb eines größeren wirtschaftspolitischen Kontext.

    1). Hat Herr Ehnts voll und ganz Recht, wenn er die Standardlehrbücher von Mankiw und Blanchard / Illing attackiert, denn dort wird der Kreditvergabeprozess als Aktivtausch dargestellt, während mittlerweile jeder Interessierte verstanden hat, dass der Kreditvergabeprozess mit einer Bilanzverlängerung einhergeht. Das Lehrbuch von Krugman / Obstfeld / Melitz muss in Schutz genommen werden, denn dieses verweist einfach für eine detaillierte Erklärung auf das Lehrbuch von Rick Mishkin. Dort werden die bilanziellen Zusammenhänge korrekt dargestellt.

    2). Weshalb die „Bundesbank“ sich emanzipiert haben soll ist nur indirekt klar. Natürlich betreibt das ESZB keine klassische Steuerung der aggregierten Geldmenge (was ist Geld?), aber mir scheint es, dass die Postkeynesianer verzweifelt Angriffsfläche gegen die Monetaristen suchen. Ich denke M. Friedman war sicherlich klar wie der Kreditvergabeprozess abläuft, doch ein endogener Geldentstehungsprozess steht nicht im Widerspruch zur Kernbotschaft des Monetarismus, höchstens zu einer simplifizierten Form der Quantitätstheorie, nach welcher die Zentralbank die Geldmenge faktisch direkt steuert. Über lange Zeiträume (sog. Lange Frist) ist dies als Annahme keineswegs abwegig, wenn auch nicht exakt realitätsgetreu.

    Ich denke Herr Ehnts möchte einfach (überspitzt formuliert) mitteilen: Monetarimus ist fehlerhaft => Neoliberalismus fehlerhaft; aber so leicht ist es nun doch nicht.

    Der Beitrag ist jedoch deutlich sachlicher als die Replik ggü. dem Papier von Quaas in der Ökonomenstimme, wo folgendes geschrieben wurde: „Wenn er Ersparnisse meinen sollte, dann gehört er zu den Neoklassikern und sollte sich offen dazu bekennen.“ Das Feindbild wird seither von jenen verwendet, die nicht mit ihren Argumenten überzeugen können.

    • Buchungen
      Sie schreiben:

      „Hat Herr Ehnts voll und ganz Recht, wenn er die Standardlehrbücher von Mankiw und Blanchard / Illing attackiert, denn dort wird der Kreditvergabeprozess als Aktivtausch dargestellt (…)“

      Na ja, letztlich läuft ein Kredit doch auf nichts anderes als einen Aktivtausch hinaus, jedenfalls dann, wenn der Kreditnehmer sein Guthaben ausgeschöpft hat.

      Ein Beispiel: Max Lehman nimmt 400.000 Euro auf, um damit einen Hauskauf zu finanzieren. Nach Genehmigung des Kredites tritt die berühmte Bilanzverlängerung ein.

      Dann bezahlt Max Lehman nach und nach Architekten, Maurer, Maler etc., bis sein seine Kreditlinie erschöpft ist. Infolgedessen schrumpft in der Bilanz die Passiv-Position „Verbindlichkeiten gegenüber Kunden“ um 400.000 Euro und zugleich reduziert sich der Aktiv-Posten „Liquidität (Guthaben bei den Zentralbanken)“ ebenfalls um 400. 000 Euro (infolge der Überweisungen von Max Lehmann.)

      Die Bilanz hat sich wieder verkürzt auf das ursprüngliche Volumen. Auf der Aktivseite sind, wie gesagt, die Liquidität um 400.000 Euro geschrumpft, während die Position „Forderungen an Kunden“ um 400.000 Euro angewachsen ist.

      Warum sollte dies nicht als Aktivtausch bezeichnet werden dürfen?

      Im Übrigen möchte ich die Buchhaltungsfetischisten darauf aufmerksam machen, dass Buchungssätze keine Naturgesetze sind, sondern menschliche Konventionen. Wie ein Kredit verbucht wird, hängt a) davon ab, um welche Art von Kredit es sich handelt, und b) davon, welcher Bilanzstandard maßgeblich ist.

      Europäische Großbanken bilanzieren in der Regel nach den International Financial Reporting Standards (IFRS). Hierzu gehört der (recht neue) Einzelstandard IAS 37, der die Verbuchung von Eventualverbindlichkeiten regelt.

      Darunter fallen zum einen Bankavale (Bürgschaftskredite) und zum anderen in vielen Fällen auch unwiderrufliche Kreditzusagen (Kreditlinien, Standard-by-Kredite, Revolving Credit Facilities). Diese Eventualverbindlichkeiten sind nicht in der Bilanz auszuweisen, sondern müssen lediglich im Anhang zum Jahresabschluss verzeichnet werden.

      Die Deutsche Bank weist im jüngsten Geschäftsbericht unter den Notes Kreditzusagen von mehr als 100 Milliarden Euro aus. Das sind also keine Petitessen.

      Wie gebucht wird, entscheiden nicht Volkswirtschaftsprofessoren, sondern die Standardsetzer.

  9. Geldmultiplikator
    Ehnts schreibt ferner:

    „Wenn also das Modell des „Geldmultiplikators“ keine Vereinfachung der Realität ist, sondern schlicht und einfach falsch, warum wird es dann gelehrt?“

    Hierzu kurz eine wissenschaftstheoretische Bemerkung: Modelle sind falsch, wenn aus den zugrunde liegenden Annahmen falsche Implikationen und Schlüsse gezogen werden. Dies aber ist beim Geldmultiplikator m. E. nicht der Fall.

    Vielmehr treffen die gewählten Annahmen in der heutigen Zeit nicht zu. Hierzu gehört vor allem das Postulat, dass die Banken alle liquiden Mittel, die ihnen zufließen, umgehend und in voller Höhe zur Finanzierung neuer Kredite verwenden.

    Genau dies tun die Banken aber nur, wenn es a) eine entsprechende Nachfrage nach Krediten gibt, sie b) mit zusätzlichen Krediten auch Geld verdienen und c) der Kreditexpansion keine regulatorischen Vorgaben z. B. (Eigenkapitalanforderungen) entgegenstehen.

    Diese drei Voraussetzungen sind heute aber großenteils nicht erfüllt, so dass das Multiplikatormodell schlicht nicht anwendbar ist. Der Multiplikator bezeichnet eine Obergrenze für die Geldschöpfung, von der wir heute sehr weit entfernt sind.

  10. Einlagen
    Dirk Ehnts schreibt:

    „Krugman/Obstfeld/Melitz, deren Standardwerk „Internationale Wirtschaft“ wohl an den meisten Unis benutzt wird, schreiben u. a. auf Seite 440: „Einlagen werfen deshalb Zinsen ab, weil sie in Wirklichkeit Kredite an die Bank darstellen“. Der Kreditnehmer nimmt also einen Kredit auf, die Bank schreibt ihm Einlagen gut auf seinem Konto, und dann verleiht der Kreditnehmer seine Einlagen zurück an die Bank?“

    Da versteht Ehnts die Autoren völlig falsch. Er geht offenbar davon aus, dass die betreffenden Guthaben BANKINTERN aufgrund einer Kreditvergabe entstanden sind. Da wäre die Passage in der Tat etwas befremdlich.

    Aus dem Zusammenhang geht aber unzweideutig hervor, dass Krugman et al. von EXTERNEN Einlagen sprechen, die aufgrund einer Überweisung oder Bareinzahlung entstehen. Und diese Einlagen können in der Tat als Kredite verstanden werden: Einlagen sind juristisch Forderungen der Kunden und Verbindlichkeiten der Banken.

    Ein solcher doch recht krasser Fehler solltle einem Ökonomieprofessor eigentlich nicht unterlaufen.

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