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Fazit – das Wirtschaftsblog

Fazit - das Wirtschaftsblog

Das Faszinierendste aus Wirtschaft und Finanzen. Prägnant beschrieben und kenntnisreich analysiert von Autoren der F.A.Z. und der Sonntagszeitung.

Überforderte Magier

| 32 Lesermeinungen

Szenen im Juni 2013: Kein Zweig der Politik steht unter einem so starken Einfluss von Fachleuten wie die Geldpolitik. Kein Zweig der Politik hat so stark an Bedeutung gewonnen wie die Geldpolitik. Und kein Zweig der Politik ist so sehr durch Überforderung bedroht.

Immer im Juni eines Jahres veranstaltet die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) eine Konferenz in Luzern. Am nordwestlichen Ende des Vierwaldstätter Sees sprechen international angesehene Ökonomen über den Zustand des globalen Finanzsystems und über die Rolle der Geld- und der Finanzpolitik. Dies sind Themen, mit denen sich die in Basel (Fotoquelle: Reuters) ansässige BIZ, Bank der Zentralbanken und Denkfabrik in einem, seit ihrer Gründung im Jahre 1930 befasst. In diesem Jahr zog der scheidende Chefökonom der BIZ, der Amerikanischer Stephen Cecchetti, eine persönliche Bilanz seiner Erfahrungen der vergangenen Krisenjahre.

 

© ReutersDie Bank für Internationalen Zahlungsausgleich – Foto: Reuters

Cecchettis Fazit seiner fünf Jahre als Chefökonom in Basel lautete: Geldpolitiker sollten stärker auf die Entwicklung von Geld- und Kreditmengen achten; sie müssten sich hüten, in Abhängigkeiten von Regierungen und Geschäftsbanken zu geraten; sie müssten über nationalen Gartenzaun schauen und auf internationale Wirkungen ihrer Politik achten und schließlich sollten Geldpolitiker nicht zu sehr auf die Rationalität der Teilnehmer an den Finanzmärkten vertrauen. All dies klingt nachvollziehbar, logisch und richtig. Der Clou lautet: In einem um das Jahr 1975 erschienenen Lehrbuch dürften sich diese Erkenntnisse allesamt finden. In der Zwischenzeit wurden diese alten Erkenntnisse verdrängt und abgelegt. Nunmehr, in der kompliziertesten Wirtschafts- und Finanzkrise, hat die Geldpolitik einerseits eine im historischen Vergleich vermutlich einmalig große Bedeutung erhalten. Gleichzeitig war sie sich ihres Wissens und ihrer Fähigkeit selten so unsicher wie heute.

Eine verbreitete allgemeine Kritik an Politik lautet, sie lasse sich von den persönlichen Interessen ihres Personals leiten und höre zu wenig auch fachlichen Rat. Auf die Geldpolitik lässt sich diese Kritik kaum anwenden. Im Gegenteil: Wohl kein anderer Politikbereich ist so stark durch wissenschaftlichen Rat und Expertise geprägt. Nicht nur haben es einige Professoren an die Spitze bedeutender Notenbanken gebracht wie Ben Bernanke in den Vereinigten Staaten und, bis vor wenigen Jahren, Axel Weber in Deutschland. EZB-Präsident Mario Draghi trägt einen Doktorhut des angesehenen Massachusetts Institute of Technology in Boston. Der gerade ausgeschiedene Gouverneur der Bank of England, Mervyn King, studierte in Cambridge und Harvard. Sein Nachfolger Mark Carney besuchte Harvard und Oxford. Bundesbankpräsident Jens Weidmann machte seinen Doktor an der Universität Bonn und arbeitete anschließend unter anderem als Generalsekretär des Sachverständigenrats, einer bewährten Karriereposition für junge deutsche Ökonomen. Fachleute finden sich aber nicht nur in den Notenbanken, sondern in ihrem engsten Umfeld.

Ob in Jackson Hole in den Rocky Mountains, ob in Luzern in der Schweiz, in Eltville am Rhein, in Konferenzsälen großer Hotels in Boston oder auf der Insel Reichenau im Bodensee – vielerorts finden regelmäßig Konferenzen statt, auf denen sich akademische Ökonomen mit Geldpolitik befassen und ihre Kenntnisse den Geldpolitikern zu Verfügung stellen. Derart von Fachwissen eingehegt, müssten die Geldpolitiker zielbewusst auch in dieser Krise ihren Weg gehen und Vertrauen erzeugen. Statt dessen ist das Vertrauen in die Geldpolitik fragil geworden; ihre führenden Vertreter befinden sich in der Gefahr, als überforderte und unwissende Magier wahr genommen zu werden. Kein Trost darf sein, dass sie immer noch ein größeres Vertrauen genießen als Regierungen und Bankmanager.

Die Produktion von Geld ist auch in einer Zeit, in der der größte Teil des Geldes nur mehr elektronisch, also als Bits und Bytes, existiert, keine Geheimwissenschaft – ebenso wenig die Sicherung eines annähernd stabilen Preisniveaus für Güter und Dienstleistungen. Es ist gerade ihr Erfolg in dem Vierteljahrhundert zwischen 1982 und 2007 gewesen, der die Geldpolitiker und ihre akademischen Berater unvorsichtig werden ließ. Zwar brachten sie die Inflationsraten auf historisch niedrige Niveaus und erfüllten damit ihren offiziellen Auftrag. Gleichzeitig erlaubten sie eine gewaltige Expansion der Mengen umlaufenden Geldes und Kredits, die Banken und andere Finanzmarktteilnehmer risikoreichen Geschäften ermunterten und die Preise für Immobilien und andere Vermögensgüter stark steigen ließen. Gewarnt hatten in den Jahren vor 2007 nur wenige Fachleute, darunter der frühere Chefökonom der BIZ, William White (hier ist seine jüngste Analyse), und einer der bis heute erfindungsreichsten BIZ-Ökonomen, Claudio Borio (hier ein wichtiges Paper aus dem vergangenen Jahr). Die meisten akademischen Berater der Geldpolitik, und hier nicht zuletzt führende amerikanische Ökonomen, hielten das Studium der Entwicklung von Geld und Kredit für vorsintflutlich und das Studium der Finanzmärkte für sinnlos, da diese nach der dominierenden Lehre ohnehin so gut wie immer perfekt funktionieren sollten.

Die Pressekonferenzen des Vorsitzenden der amerikanischen Notenbank Fed finden in einem fensterlosen Raum in Washington statt. Eher wie ein Professor als wie ein Politiker liest Ben Bernanke an einem Mittwoch im Juni 2013 rund 10 Minuten lang stoisch einen langen Text vor, der die vorangegangenen Beratungen des wichtigsten Gremiums der Fed, des von Bernanke geleiteten Offenmarktausschusses, zusammen fasst. Während die zur Pressekonferenz geladenen Journalisten still dem einleitenden Vortrag Bernankes folgen, erläutern über Twitter Ökonomen und Journalisten im Halbminutentakt ihre Wahrnehmung der Äußerungen Bernankes, während in den Handelssälen der Banken und Fondsgesellschaften hektisch Verkaufsaufträge für Staatsanleihen in die Computer eingegeben werden. Bernankes Ankündigung, die Fed erwäge eine Reduzierung ihrer Anleihenkäufe, erzeugt rund um den Globus Nervosität. Die Renditen vor allem für langlaufende Anleihen steigen; der Goldpreis setzt seine Baisse fort; am Devisenmarkt wertet der Dollar auf.

Die Geldpolitik befindet sich in der industrialisierten Welt auf einem Höhepunkt ihres Einflusses: Nicht nur soll sie den Geldwert weiter stabil halten; sie soll auch einen Beitrag zur Belebung des Wirtschaftswachstums leisten, das geplagte Bankensystem stabilisieren und die Erwartungen der Teilnehmer an den Finanzmärkten so lenken, dass es dort nicht zu einer Panik kommt.

“Whatever it takes” – was immer notwendig ist: Dieser Satz verbindet sich mit der Ankündigung Mario Draghis aus dem Sommer 2012, die EZB werde alles im Rahmen ihres Mandates Notwendige tun, um den Euro zu erhalten. Diesen Satz gebrauchte allerdings auch Ben Bernanke und zwar mehrere Jahre vor Draghi: Recht früh in der im Jahre 2007 ausgebrochenen Krise versicherte Bernanke, die Fed werde alles in ihren Möglichkeiten Stehende tun, um eine schwere wirtschaftliche Depression zu verhindern, wie sie die Vereinigten Staaten nach dem Börsenkrach des Jahres 1929 erlebt hatten. Die Geldpolitiker haben die Rolle des Krisenhelfers angenommen – nicht unbedingt, weil sie sich um diese Aufgabe gerissen haben. Anfangs erschien ihr Eingreifen zwingend, weil in einer Welt, in der das Finanzsystem vor dem unmittelbaren Zusammenbruch zu stehen scheint, nichts schneller und zuverlässiger hilft als die unverzügliche Bereitstellung zusätzlichen Geldes durch Notenbanken.

Doch die Nothilfe hat sich in Dauerhilfen verwandelt: Nicht nur haben Notenbanken ihren Leitzins auf Null oder nahe Null gesenkt. Die Fed, die Bank of England und die Bank von Japan kaufen Staats- und andere Anleihen an, um die Wirtschaft anzuregen. Die EZB hat selbst im Vergleich nur wenige Anleihen gekauft, aber dafür die Geschäftsbanken großzügig zu Niedrigzinsen mit Geld ausgestattet, damit diese Anleihen kaufen können. In der Schweiz hat die Nationalbank viel neues Geld geschaffen, um im Interesse der Konjunktur die Aufwertung des Franken zu bremsen. Im Interesse dessen, was sie als großes Ganzes versteht, akzeptiert die Geldpolitik die Nebenwirkungen ihres Handelns: Ihr Markteingriffe verzerren Preise mit der Gefahr der Bildung von Spekulationsblasen, die niedrigen Zinsen entwerten Ersparnisse und alle ihre Handlungen besitzen Verteilungswirkungen.

So sind die Geldpolitiker zu scheinbar allmächtigen Magiern geworden – aber eben auch zu unwissenden Magiern. Gerade jene Politikdisziplin, die auf wissenschaftlichen Rat zu hören pflegt, kann sich auf Rat derzeit kaum stützen. Entgegen mancher Befürchtungen sind die Inflationsraten in den Industrienationen bisher nicht deutlich gestiegen und es sieht auch nicht so aus, als würden sie in naher Zukunft stark steigen. “Inflation ziemlich tot” schreibt der Chefökonom der Commerzbank, Jörg Krämer, in einer aktuellen Analyse der Lage in den Vereinigten Staaten. Die Folgen aktueller Geldpolitik kann nur einschätzen, wer die Bedeutung von Banken und Finanzmärkten für die Gesamtwirtschaft untersucht – eine früher selbstverständliche Disziplin, die von der in den vergangenen Jahrzehnten herrschenden Lehre abgelegt wurde und heute an Plätzen wie Basel oder Princeton wieder entdeckt und weiter entwickelt wird.

Während dessen sind Alchemisten unterwegs. In Deutschland beschwören sie unausweichliche hohe Inflation und damit die Misere als Folge der aktuellen Geldpolitik - und stützen sich dabei auf eine Lehre, die anderswo vor Jahrzehnten wegen ihrer Unzuverlässigkeit längst abgelegt wurde. In Amerika fürchten sie die Deflation und beschwören höhere Inflationsraten als Heilmittel – und stützen sich dabei auf eine wenig ausgegoren wirkende Lehre, für die keine zuverlässigen Erfahrungen aus der Praxis vorliegen.*) Die seit der frühen Neuzeit entstandenen Hunderte Regalmeter geldpolitischer Literatur ändern nichts daran, dass die Folgen der heutigen Geldpolitik für Preis- und Finanzstabilität sowie für das Wirtschaftswachstum schlichtweg nicht zuverlässig kalkulierbar sind. Es ist die Stunde der Forscher, nicht der scheinbar allwissenden Ratgeber.

In diesem Juni 2013 ist Jens Weidmann nach München gekommen. Der Bundesbankpräsident hält vor dem Almuni-Club der Münchener Volkswirte einen Vortrag zum Thema „Krisenökonomik – die Krise als Herausforderung für Ökonomen“. Weidmann thematisiert das Grundproblem der aktuellen Geldpolitik: Es ist die Gefahr der Überfrachtung der Notenbanken mit Kompetenzen, die eigentlich einer gewählten Regierung zustehen, nicht den von den Regierungen unabhängigen Herren der Geldpolitik. Weidmanns Widerstand gegen das geplante Anleihenkaufprogramm der EZB ist nur ein Ausdruck eines Unbehagens über eine Entwicklung, die Notenbanken in die ihre traditionellen Rollen überschreitende Funktion eines Versicherers gegen gesamtwirtschaftliche Großrisiken drängt und die Regierungen scheinbar von der Verpflichtung befreit, unangenehme Entscheidungen in der Wirtschafts- und Finanzpolitik zu treffen.

 

Die Geldpolitiker drohen zu Gefangenen ihrer eigenen Erfolge in der Bekämpfung der Inflation und in der Gewährleistung der Stabilität des Finanzsystems zu werden. Weidmann akzeptiert, dass als Folge der Krisenerfahrungen die Bedeutung einer klugen Regulierung der Finanzmärkte gewachsen ist, auch in Europa: „Die Notwendigkeit einer Bankenunion zu erkennen und anzuerkennen gehört zweifellos zu den großen Lerneffekten der Krise im Euroraum.“ Aber Weidmann sieht auch die großen Themen, die keinen Paradigmenwechsel vertragen: die Unabhängigkeit der Notenbank, ihr Fokus auf Sicherung der Geldwertstabilität und ihr Verzicht auf Vereinnahmung durch Regierungen und das Finanzgewerbe. Es ist ja nicht so, dass eine Notenbank nicht in der Lage wäre, die Inflationsrate niedrig zu halten. Aber wenn sie gleichzeitig andere Prioritäten verfolgt, kann sie die Sicherung der Geldwertstabilität vernachlässigen – und wenn Verbraucher und Unternehmer dies mitbekommen, kann Inflation tatsächlich zu einem Problem werden. Es sind sehr alte Themen, und hier würden Cecchetti und Bernanke dem Bundesbankpräsidenten fraglos zustimmen, die in dieser Krise wieder modern geworden sind.

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*) Es ist kein Zufall, dass die Vertreter dieser Ansicht die jüngsten Appelle der BIZ für ein geldpolitisches Maßhalten (“Monetary policy at the crossraods“) hart kritisieren.

Eine kürzere Version dieses Beitrags ist am 29. Juni 2013 als “Lounge” im Wirtschaftsteil der F.A.Z. erschienen.

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32 Lesermeinungen

  1. Das Dilemma
    der Geldpolitiker – wie aller Politiker – ist, daß sie zunehmend irrevisibel dem Irrglauben zu verfallen scheinen, sie wären erstens wichtig, zweitens von Bedeutung (was nicht dasselbe ist) und drittens sie vermöchten (fast) alle Probleme der Welt(ökonomien) zu managen.

    Wenn eines sicher ist, dann, daß sie damit komplett falsch lägen.

  2. Die Geldpolitiker drohen zu Gefangenen ihrer eigenen Erfolge ... zu werden????
    Zunächst mal Dankeschön für diese informative Erörterung. Die Lektüre der FAZ ist einfach ein Muss in dieser turbulenten Zeit.

    Für mich ist aber die Geldpolitik der Fed und der EZB ein Hauptgrund dieser Krise. Historisch niedrige Zentralbankzinsen in den Jahren 2002 bis 2005 haben die Kreditblase befeuert, unter denen wir heute zu leiden haben. Diese Zinsen gab es, um die Folgen des Platzens der DotCom-Blase abzuferdern.

    Seit 2007 wird dieser Fehler im gigantomanischen Maßstab wiederholt. Zentralbanken haben nahezu Nullzinsen und akzeptieren alles was nicht niet- und nagelfest ist als Sicherheit für Kredite. Mir schwant das Schlimmste! Wenn man das an den 5 Fingern ausrechnet, muß der Crash ja global vernichtend werden (inklusive Japan und China).

    Daher denke ich, daß momentan kurzfristige Termingeldanlagen das Vernünftigste sind, weil starke Güterpreisinflation starke Güternachfrage vorraussetzt. Terminanlagen bevorzuge ich so lange, bis echte Werte wieder zu günstigen Preisen erhältlich sind. Bis dahin geniesse ich es, keine überbewerteten Güter gekauft zu haben, die mich in die Bredouille bringen, wenn ihr Wert verfällt.

    Sie sehen, ich bin Bewohner des Planeten B und am Horizont ist keine Inflation zu sehen. Aber vielleicht habe ich auch nur zu viele angloamerikanischen Medien gelesen ;).

    • @Dr. Oliver Strebel
      Wenn Sie Ihrer eigenen Analyse Glauben schenken (global vernichtender Crash), dann ist jedes Papiergeld falsch. Egal ob das Ding Euro heisst, Xyz-Zertifikat oder Termingeld.

      Vor den Folgen Ihrer eigenen Analyse schützt Sie nur: Immobilien, selbst aufbewahrte Aktien und selbst aufbewahrtes physisches Gold, sowie dingliche Güter mit Werterhalt (Kunst, Oldtimer und dgl. mehr).

      Bei meinem Kommentar handelt es sich weder um eine Beratung, noch um eine Empfehlung. Es ist ein wenig Logik, mehr nicht -:)

    • @ Herr Winkler
      In einem Crash als Folge einer Kreditblase werden alle mögliche echten Werte versilbert, um die Kreditschulden zu tilgen. Daher fallen die Preise für echte Vermögenswerte.

      Dann muss man sie kaufen ;). Wohl dem der dann Bares hat.

      Bis da hin sitze ich komfortabel auf Ternineinlagen.

    • Dr. Oliver Strebel
      Bei einem globalen Crash gehe ich von einer Währungsreform aus. Da können Sie Ihre Termineinlagen vergessen.
      Bei einem globalen Crash gehe ich von massiven Bankenpleiten aus. Termineinlagen sind dann höchstgefährdet.

      Wie auch immer man es dreht und wendet: etwas absichern kann einen nur eine Mischung aus mehreren Anlageformen in unterschiedlichen Risikoklassen und unterschiedlichen Ländern.

      Viel Glück mit Ihren Termineinlagen….

    • "ich bin Bewohner des Planeten B und am Horizont ist keine Inflation zu sehen"
      Was sind schon 3 Kilometer…smile…

      Herzliche Grüße

      Osswald

    • @Herr Winkler: Sie haben natürlich recht
      Am Ende werden Währungsreformen und Schuldenschnitte ungeahnten Ausmasses stehen. Diese werden nach einem Crash durchgeführt werden. Zwischen Crash und Währungsreform bleibt also eine kurze Zeitspanne, um von Termineinlagen auf echte Werte umzusatteln.

      Wenn mir das nicht rechtzeitig gelingt, bin ich natürlich aufgeschmissen. Wer hätte vor 10 Jahren gedacht, daß Termineinlagen mal de facto eine derart spekulative Anlage werden LOL .

    • Dr. Oliver Strebel
      Ihr Wort in Gottes Ohr :-)

      Die bisherigen Währungsreformen kamen über Nacht, ausser jener zur DM nach dem 2. Weltkrieg.

      Ich denke, dass wir eine plötzliche Handelsunterbrechung und einen mehrtägigen “Bank Holiday” bekommen. Danach gelten dann neue Werte, neue Regeln und neue Währungen, die wohl noch den alten Namen tragen können (Euro, Dollar, Yen…), de Facto aber nichts mit der alten Währung zu tun haben.

      Währungstechnisch (nicht laut Bezeichnung und Name) ist der zyprische Euro eine Fremdwährung. Er wird devisenbewirtschaftet und die Auszahlung ist limitiert, hat also mit dem Euro in Deutschland nichts zu tun. Das ist aber dann eine andere Währung, die zufällig auch Euro heisst.

      So ist das im Lande der Lügner und Betrüger – das Volk hat’s noch nicht gemerkt!

  3. Notenbanken spielen an/mit der Börse ...
    … und sind so überfordert wie die zahlreichen mittelmäßigen, ahnungslosen Spekulanten da. Die letzten leben wenigstens von der Hoffnung, mal reich damit zu werden.

  4. Gut analysiert, aber sehr wohlwollend beurteilt....
    Zunächst einmal eine wirklich gute Analyse, insbesondere technisch. Das ist die Grundlage für weitere Gedanken.

    Mir will scheinen, dass solche Analysen im quasi “luftleeren Raum” kaum noch eine echte Relevanz haben, wenn nicht das “cui bono”, also das “wem nützt das Ganze” mit analysiert wird.

    Offiziell wird für die scharfen Eingriffe der Notenbanken die Not herangezogen, die Not nämlich der Investmentbanken und der mit diesen verbundenen Geschäftsbanken, die sich total verspekuliert haben und die mit dieser Fehlspekulation den Zusammenbruch des gesamten Geldsystems heraufbeschwören könnten.

    Dabei wird aber gerne vergessen, dass es gerade bei dieser Art von Rettung genau zwei Gruppen gibt: Gewinner und Verlierer. Gewinner sind die Banker, Großspekulanten und Großkapitalanleger – also ein kleines Kartell -, Verlierer sind die Staaten und die Steuerzahler – also die übergroße Mehrheit.

    Die Zentralbanken werden heute überwiegend von Menschen gesteuert, die ihre Karrieren eben nicht überwiegend in der Wissenschaft gemacht haben – wie hier unrichtig behauptet wird- sondern die Nutzniesser der “Revolving Door” sind, also Menschen die hemmungslos hin- und herwechseln zwischen Kontrollorganen und zu kontrollierenden Institutionen. Sie profitieren dabei persönlich ungewöhnlich stark mit Einkommen und Vermögen, insbesondere wenn man das ins Verhältnis mit ihren Leistungen setzt.

    Das kleine oben beschriebene profitierende Kartell sitzt also quasi an der Spitze der Zinspyramide, die sich automatisch im Geldsystem der Teildeckung, der privaten Geldschöpfung und des Zins- und Zinseszinssystems ergibt.

    Warum bei solchen Analysen immer wieder unterschlagen wird, dass dieses Pyramidensystem mathematisch unweigerlich zum Zusammenbruch kommt, ist mir ein Rätsel. Vielleicht liegt es daran, daß Volkswirte den Zusammenbruch des Währungssystems in wiederkehrenden ungleichen Perioden für normal halten. Vielleicht liegt es auch an der mangelnden Phantasie, die sich den Ausgang exponentieller Funktionen nur schwer vorstellen kann. Vielleicht ist es aber scchlicht und einfach der Tatsache geschuldet, dass man Opfer schulischer und universitärer Indoktrination geworden ist.

    Kurz gesagt: das Kartell der Profiteure kann kein Interesse daran haben, die Unzulänglichkeit des geltenden Geldsystems zu beschreiben. Alle Fachvorträge, Tagungen und Symposien setzen das geltende System als gegeben voraus. Diskutiert und erörtert werden nur Technikalitäten innerhalb des Systems.

    Die Gruppe der Politiker, die eigentlich die Interessen der Steuerzahler und der Wähler vertreten müssten tun dies auch nicht. Dafür gelten vorwiegend zwei Gründe. Der Hauptgrund ist simpel: die Politiker lieben Geldausgeben. Das ist historisch schon immer so gewesen. Geldausgeben sichert vermeintlich die Popularität, etwas was narzisstische Politiker brauchen wie die Luft zum Atmen.
    Der zweite Grund ist leider nicht besser: die meisten Politiker verstehen von Wirtschaft, speziell Volkswirtschaft gar nichts. Sie sind auf Beratung angewiesen, die sie sich im Kartell holen. So schliesst sich der Kreis!

    Bleibt das Volk, der Steuerzahler, von seinen Politikern im Stich gelassen, welches auf die gute Aufklärungsarbeit von Medien und Presse angewiesen wäre. Da ist überwiegend nichts. Selbst hier in der FAZ ,wird von ansonsten guten Analysten immer dann innegehalten, wenn wirklich Substantielles kommen sollte. So stellt dich der Steuerzahler zurecht die Frage: sind die Medien und ist die Presse Teil des Kartells, oder ist es Faulheit oder Dummheit, dass die Frage nach dem “cui bono” seltenst oder nie gestellt wird ?

    Wenn wir Völker uns nicht auf ein Geldsystem jenseits von “FIAT”, Teildeckung und Zins-und Zinseszins einlassen, dann werden wir periodisch enteignet und in die Verarmung gestürzt, zum Nutzen eines kleinen Kartells. Das ist eigentlich nicht so sehr schwer zu begreifen. Wir Völker sollten nutzen, dass wir Viele, die Kartellmitglieder nur Wenige sind.Die Kartellmitglieder haben Angst vor uns, zurecht. Das ist eine Chance, die es zu nutzen gelte.

    Dafür müssen aber die Notenbanken abgeschafft werden und das Basler Kartell zerschlagen werden. Im richtigen System sind Notenbanken überflüssig, nicht überfordert.

    • Was für die einen
      ein Systemzusammenbruch mit ungeheuren sozialen Verwerfungen ist,
      ist für den anderen die stetige Fortsetzung eines Machtanspruchs, der durch Dynastien
      seinen Ausdruck findet. Die Fortsetzung des Schuldgeldsystems unter anderen Namen wird oft mit dem Geblitztdingst eines gehaltfollen, angemessenen Krieges eingeleitet, der
      alle Erinnerungen an die Schuldigen in einer Woge von Hass und Gewalt verbirgt.

    • @Günter Düsterhaus
      Ich gehe mit Ihnen in der Analyse einig. Damit beim bevorstehenden nächsten Mal nicht wieder die Schuldigen davon kommen, tut Aufklärung not. Diesmal kann das Volk es wissen, wenn es die zur Verfügung stehenden Instrumente nutzt. Dieses Mal kann man sich nicht herausreden mit: “das konnte ich nicht wissen” . Dieses Mal ist das Volk selber mitverantwortlich, wenn es seine Zeit vor dem Fernseher verdaddelt, anstatt die Möglichkeiten des Informationszugangs zu nutzen. Freiheit ist Arbeit, wer die nicht machen will, ist und bleibt Zinssklave…

    • Guter Beitrag.
      Hätte ich eine Langfassung schreiben wollen, wäre es Ihre gewesen, Herr Winkler. Sie haben recht, wenn Sie sagen, dass eben selbst gute Analytiker, wie Herr B. innerhalb des Systems nie die Frage stellen (können) “Wem nützt es?”. Volkswirtschaft ist auch keine reine Wissenschaft, sondern eine Erfahrungswissenschaft. Hier ist leider Erkenntnis fast immer mit Interesse verwoben. Und, dem Volk kann man keinen Vorwurf machen. Es versteht nichts von Wirtschaft. Unser Schulsystem ist darüberhinaus so grottenschlecht, dass man sich fragen muss: Ist das Absicht?

  5. Wohl kein anderer Politikbereich ist so stark durch wissenschaftlichen Rat und Expertisen geprägt
    Das mag für die Zentralbanken gelten. Das Problem liegt in den Parlamenten, dort sitzen sog. Volksvertreter, die häufig noch nicht mal mehr einen Dreisatz lösen können.

    Es müßte zur Pflicht werden, daß Abgeordnete, die über geldpolitische Maßnahmen entscheiden, entsprechende Fachkenntnisse vorweisen müssen, sonst dürfen sie nicht abstimmen. Generell dürften nur Abgeordnete in den Parlamenten sitzen, die eine mindestens 10-jährige verantwortungsbeladene Berufserfahrung in der sog. freien Wirtschaft vorweisen können. Dann wäre endlich Schluß mit den Parteisoldaten und Funktionären, die außer “Parteibuch” nichts können.

  6. Keine Überforderung
    Es ist viel schlimmer als Überforderung. Die sogenannte unabhängige Geldpolitik wurde bereits längst durch die Interessen nationaler Fiskalpolitiken in Geiselhaft genommen; sie dient durch die einzelnen Politiken der der EU- und der Eurostaaten nunmehr der Geldbeschaffung für marode Staaten.

    Das EZBS ist zur Marionette der unterschiedlichen Parteiinteressen von Europapolitikern geworden, die sozusagen hier ihre verzweifelte Zuflucht in ihrem Verschuldungswahn der einzelnen Staaten gefunden haben.

    • Es gibt keinen Verschudungswahn von Staaten
      sondern ein Kartell von Politikern und Geldadel! Der Ansehnsverlust der Polizei
      und Justiz ist eine Folge der unbewussten Realisierung , dass der gesamte Staatsapparat
      samt Prism und ko nur der beschaffung des Zehnten und der Unterdrückung jeglichen
      Aufstands dient. Der Krieg gegen den Terrorismus ist eine Inszenierung zur Ablenkung
      vom Widergänger Feudalismus und seine Gesetze treffen die, die aufgewacht sind.

  7. Systemtreu im Elfenbeinturm.
    Nein, es gibt keine Inflation, zumindest nicht nach offiziellen Kriterien. Das Volk hat Unrecht, wenn es rund zehn Jahre nach Einführung des Euro sagt, Euro ist gleich DM. Und fährt zu ARAL und zahlt für die Autowäsche 7,95 Euro (Basis), früher 5,00 DM. (Heute will ich mal Ausnahmsweise nicht über die Feinheiten des Preisindex reden, weil ich das hier schon so oft getan habe.)
    Nein, der Wohlfahrtsstaat ist nicht am Ende, die Zentralbanken finanzieren ihn doch mit gedrucktem Papiergeld, äh Computergeld. Und damit der Wertverlust der Papierwährungen nicht so offensichtlich wird, senken sie den Wert des Papiergoldes ab.
    Nein, die meisten Banken sind nicht technisch Pleite und werden nur noch durch Bilanzierungstricks, Bad Banks und Steuergelder am Leben gehalten.
    Nein, die Renten sind unsicher und die Pensionen sowieso nicht, trotz der geringen Geburtenrate.
    Ja, die Magier des Geldes sind überfordert, weil das ganze System krank ist. Das kann man an fünf Fingern abzählen – ohne Wissenschaft.

  8. Bernanke - keine dritte Amtszeit
    A v good analysis from Gerald Braunberger.

    Obama gönnt Bernanke offenbar keine 3. Amtszeit – New York TImes (unten)

    http://www.nytimes.com/2013/06/29/business/unexpected-distraction-makes-bernankes-job-harder.html?ref=global&_r=0

    • Selbstverständlich muss der Republikaner Bernanke abtreten
      Obama übernahm Bernanke nur von Bush, weil der Ausbruch während der Wahl geschah — kein guter Moment zum Pferdewechsel.

  9. Was soll die Verdunkelung
    Wir haben eine riesige Geldmenge die in keinem Verhältnis
    zu realen Gütern steht in der Hand weniger. Dieses Geld muss
    verzinst werden aber keine reale Anlageform bietet die Sicherheit
    von Staatsschulden. Deswegen ist man zur Steuerfinanzierung der
    Oligarchen übergegangen. Früher nannte man das

    ” Feudalismus “

  10. Geldpolitik?
    Die Notenbanken haben den Boden der Geldpolitik längst verlassen – und machen Fiskalpolitik.

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