Fazit – das Wirtschaftsblog

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Für alle, die’s genau wissen wollen: In diesem Blog blicken wir tiefer in Börsen und andere Märkte - meist mit wissenschaftlicher Hilfe

Ist der Wirtschafts-Nobelpreis 2016 schon öffentlich?

Paul Romer© dpaPaul Romer

Eigentlich wird der Nobelpreis erst am Montag bekannt gegeben. Doch an der New York University gab es eine Panne.

Ist ein Wirtschafts-Nobelpreis für 2016 aus Versehen schon öffentlich gemacht worden? Auf Twitter kursiert heute Morgen der Link zu einer Webseite der New York University, auf der sie für Montag zu einer Pressekonferenz einlädt – mit “Paul Romer, Gewinner des Wirtschaftsnobelpreises 2016”. Die Seite war kurzfristig online, wurde dann aber wieder vom Netz genommen und ist jetzt nur noch in einer archivierten Form sichtbar.

Nun gibt es zwei Möglichkeiten:

Entweder: Die New York University bereitet jedes Jahr eine Pressekonferenz vor, für den Fall, dass Paul Romer den Nobelpreis gewinnt.

Oder: Paul Romer oder die Universität wurden schon vor der offiziellen Entscheidung informiert. Das ist nicht ausgeschlossen. Die eigentliche Entscheidung trifft ein Arbeitskomitee, formell getroffen wird sie aber am Montag in einer Sitzung der Schwedischen Akademie der Wissenschaften. Normalerweise werden die Nobelpreisträger erst nach dieser Sitzung angerufen. (Und zwar ausgerechnet von einem Mitarbeiter namens Adam Smith, es gibt entzückende Tonband-Mitschnitte von Telefonaten, bei denen sich neue Nobelpreisträger sehr veräppelt fühlen). Es gibt aber wohl mindestens einen Fall, in dem das Arbeitskomitee schon vorher geplaudert hat. John Nashs Biografin Sylvia Nasar berichtet, dass Nash schon vor der eigentlichen Sitzung informiert wurde. Ausgerechnet im Fall von Nash wurde die Diskussion in der Sitzung der kompletten Akademie aber noch mal hitzig, wegen seiner Krankheit war er als Preisträger umstritten. Mehr dazu kommenden Sonntag in der F.A.S.

Wer ist Paul Romer, der Chefökonom der Weltbank?

Paul Romer zählt auf jeden Fall zu den Kandidaten für den Nobelpreis, so viel steht fest. Wissenschaftlich wurde er besonders bekannt für seine “endogene Wachstumstheorie”, die praktisch jeder VWL-Student kennt. Zuvor wurde langfristiges Wirtschaftswachstum in der Ökonomie vor allem mit Modellen beschrieben, in denen das Wachstum durch technischen Fortschritt oder durch Bevölkerungswachstum entsteht, aber diese beiden Größen fallen praktisch vom Himmel. Romer hat ein sehr prominentes Modell entwickelt, dass die Entstehung von technischem Fortschritt innerhalb des Modells zu erklären versucht.

Zudem machte er auf sich aufmerksam mit einem Vorschlag, in armen Ländern “Charter Cities” zu bauen, von denen aus das Wachstum in andere Bereiche des Landes ausstrahlen soll. Im Juli wurde er zum neuen Chefökonomen der armutsbekämpfenden Weltbank ernannt.

Nach dem 2015er-Preis für den allseits anerkannten Wachstums- und Wohlstandsforscher Angus Deaton, der viel empirische Arbeit geleistet hat, wäre ein Preis für Romer ein Preis für eine sehr mathematisch ausgerichtete Art der Ökonomie – allerdings nicht für eine neoklassische.

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