Fazit – das Wirtschaftsblog

Fazit - das Wirtschaftsblog

Für alle, die’s genau wissen wollen: In diesem Blog blicken wir tiefer in Börsen und andere Märkte - meist mit wissenschaftlicher Hilfe

Wie teuer ist der Klimaschutz?

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Die Klimademonstranten von „Extinction Rebellion“ in London (Foto: AFP)

Nobelpreisträger William Nordhaus hat neue Ansichten zur Bekämpfung des Klimawandels. Seine Vorschläge können ein Kompromiss in der aufgeheizten Stimmung sein.

Die Worte, mit denen der Klimawandel beschrieben wird, werden immer drastischer. Greta Thunbergs Satz „Ich will, dass ihr Angst bekommt“ ist längst nicht mehr die extremste Formulierung. Der britische „Guardian“ spricht künftig von der „Klimakatastrophe“, die Stadt Konstanz ruft den „Klimanotstand“ aus. All das vermittelt den Eindruck, es gebe keine andere Wahl, als den Ausstoß sämtlicher Klimagase sofort einzustellen.

William Nordhaus (Foto: AP)

Ökonomen sind so ein Denken nicht gewohnt. Sie sind gewohnt, Nutzen und Kosten einander gegenüberzustellen. Im Klimawandel heißt das: Was nützt es uns, Verarmung und Katastrophen in der Zukunft zu verhindern, wenn eine Umstellung jetzt viel mehr Leute in die Verarmung stürzen würde? So ein Geist zieht sich durch die neue Studie von William Nordhaus, dem wichtigsten Ökonomen in Sachen Klimawandel. Nordhaus ist ein großer Kämpfer für den Klimaschutz, er hat einst das Zwei-Grad-Ziel erfunden. Lange Jahre hat er damit verbracht, immer neue Modelle für die Schäden des Klimawandels und die Kosten des Klimaschutzes aufzustellen. Dafür hat er den Wirtschafts-Nobelpreis bekommen.

El Coloso (Francisco de Goya), Prado

In einem neuen Beitrag in der Fachzeitschrift „American Economic Review“ macht auch Nordhaus den Entscheidungsträgern Druck: Der Klimawandel sei die „äußerste Herausforderung“, er liege über der Zukunft wie der Koloss von Francisco de Goya. Man könne auch nicht einfach darauf hoffen, dass Innovationen eine Lösung bringen. Trotzdem ist Nordhaus nicht so kompromisslos, wie viele Klimaschützer sich derzeit geben. Das 1,5-Grad-Ziel sei sowieso praktisch nicht mehr erreichbar, schreibt Nordhaus. Er hat neu ausgerechnet, welche Ziele die Menschheit zu welchem Preis erreichen kann.

Welches Temperaturziel?

Seine neueste Idee: Das Zwei-Grad-Ziel muss man vielleicht nicht sofort erreichen, sondern es reicht, wenn man es im 100-jährigen Durchschnitt erreicht. Schließlich träten einige besonders schädliche Folgen des Klimawandels erst ein, wenn das Klima sehr lange heiß bleibt. Insgesamt würde das optimale Kosten-Nutzen-Verhältnis selbst unter pessimistischen Annahmen bei einem Emissionspfad erreicht, der bis 2100 zu einer Erderwärmung um drei Grad führt.

Nordhaus‘ Temperaturpfade.
Blau: falls nichts passiert. Orange: der optimale Pfad. Grau: der optimale Pfad unter pessimistischen Annahmen.

Damit kommt Nordhaus auf Schätzungen, welcher CO2-Preis wann nötig wäre. Um das Zwei-Grad-Ziel einzuhalten, müsste der Preis laut Nordhaus‘ Berechnungen schon nächstes Jahr bei 275 Dollar je Tonne liegen, das wären 58 Euro-Cent je Liter Benzin, 32 Euro für einen Economy-Flug von München nach Hamburg und fast 1600 Euro für einen Flug von Frankfurt nach Singapur. Bis 2050 würde der Preis sich fast verdreifachen.

Nordhaus‘ optimaler Pfad wäre deutlich günstiger. Da läge der CO2-Preis im kommenden Jahr bei 43 Dollar je Tonne, das wären 10 Cent je Liter Benzin, 5,60 Euro für einen Economy-Flug von München nach Hamburg (130 kg) und 270 Euro für einen Flug von Frankfurt nach Singapur. Bis 2050 würde der Preis auf 105 Dollar je Tonne steigen – immer noch weniger als im Zwei-Grad-Ziel.

All das hängt davon ab, wie die Zeit heute und die Zukunft gegeneinander abgewogen werden.

Ein CO2-Preis für alle

Unabhängig davon macht Nordhaus einen Punkt, der auch in der deutschen Debatte manchmal untergeht: Wichtig ist aus seiner Sicht, dass ein CO2-Preis überall der gleiche ist – in allen Ländern und in allen Sektoren, von Verkehr bis Landwirtschaft. Das sieht nicht jeder so. Umweltministerin Svenja Schulze und DIW-Ökonomin Claudia Kemfert zum Beispiel streiten dafür, dass alle Sektoren die gleiche CO2-Einsparung bringen – doch weil Einsparungen im Verkehr schwerer fallen als bei der Energiegewinnung, müsste der Preis im Verkehr demzufolge höher sein. Nordhaus hat mit seinem Modell festgestellt: Man kann mehr erreichen, wenn der Preis überall gleich ist – und man eben dort mehr spart, wo es einfacher ist.

Ein Preis für CO2 habe vier Vorteile: Erstens zeige er den Verbrauchern, welche Produkte CO2-intensiv sind und vermieden werden sollten. Zweitens zeige er Produktherstellern, welche Zutaten sie vermeiden sollten, und schaffe einen Anreiz dafür. Drittens schaffe er Anreize, neue klimafreundliche Produkte zu schaffen. Viertens würde auch die Information für all das wertvoller.

Am Ende schlägt Nordhaus vor, dass willige Länder einen „Klimaclub“ gründen, in dem tatsächlich bestraft wird, wer sich nicht an die Einsparungsziele hält.


 

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Der Autor:


 

Patrick Bernau

 


23 Lesermeinungen

  1. Kompromiss OK aber LASST UNS ENDLICH ANFANGEN!
    Der Punkt ist das öffentlich gar nicht zwischen der 275 $ oder 43 $ Variante Co2 Steuer gestritten wird. Das wäre ja für mich durchaus noch nachzuvollziehen.

    Der Streit geht doch um: GAR KEINE Co2 Steuer und auch sonst nur kosmetische Klimamaßnahmen und dem Willen ENDLICH wirklich anzufangen, egal mit welchem Wert genau.

    Die Mehrheit der Politiker ist doch weiterhin der Meinung das sie ihren Wählern nicht mal kleine Einschränkungen zumuten kann.

    Ich kann den Nordhaus „Kompromiss“ durchaus mittragen.

    Aber LASST UNS ENDLICH ANFANGEN!

    Und damit auch nur dieser Kompromiss in Reichweite kommt gibt es zur Zeit nur eine Partei die man wählen kann: Grüne!

  2. Den Preis für etwas kann man nur beurteilen, wenn man weiß was man dafür bekommt
    Wenn man es als richtig einstuft, dass wir eine klimatische Veränderung erleben, dann ist eine Benennung der Ursachen wichtig: Und eine der wichtigsten Ursachen ist die Sonnenaktivität. Alle bisherigen Klimaänderung der Weltgeschichte waren bedeutsam und die Ursachen die heute verantwortlich gemacht werden gab es nicht. Man darf also unterstellen, dass alle Ursachen die derzeit benannt werden einer blühenden Phantasie entspringen und teilweise Interessen getrieben sind. Alle Maßnahmen die zur Verhinderung des Klimawandels gefordert werden sind unsinnig. Und deshalb sind Kosten, die dadurch entstehen völlig sinnlos. Tatsächlich steht zu befürchten, dass alle geforderten Maßnahmen den wirtschaftlichen Ruin nach sich ziehen, mindestens aber eine dramatische Absenkung des Lebensstandards. Das globale Klima kann von Menschen nicht beeinflusst werden, bestenfalls sehr lokale Dinge wie Smog o.ä,

  3. Wie ist zB. heute die Erdtemperatur?
    Wo stehen die Thermometer? Wie war die Temperatur gestern oder vorgestern bzw. zB. am 15.01.2019? Kein Mensch scheint sich für die Erdtemperatur zu interessieren. Nirgends, in keiner Zeitung und in keinem Wetterbericht spielen die Erdtemperatur und die Messstellen eine Rolle. Es fragt auch keiner danach. Es fragt auch keiner danach, warum danach keiner fragt.

  4. Der Glaube, der Ausstoß einer oder vieler Tonnen CO2 ließe sich durch eine CO2-Steuer
    reduzieren und würde insgesamt den globalen CO2 & Methangas-Ausstoß auf eine niedrigeres Niveau bringen ist ein Irrglaube. Denn alle ökonomisch reichen Nationen, Kontinente und Menschen können diesen erhöhten Preis auch locker bezahlen und werden es tun, um ihrem Konsum und ihrer Bequemlichkeit zu frönen. Auch heute kaufen Millionen Autos die sehr teuer und Spritschleudern sind, egal zu welchem Preis. Der Innovationsdruck für die Wirtschaft hin zu 100% regenerativen Produkten ist zu gering, solange es keine oder schwache staatliche Vorgaben gibt. Die armen Staaten und Menschen werden in ihrer ökonomischen Entwicklung weiter behindert, weil sie den Zusatzpreis nicht zahlen können. Hundertprozent Co2-neutrale Produktion reicht schon lange nicht mehr, weil sie das aktuelle Co2-Niveau NICHT SENKT, sondern beibehält, was zur Erreichung des 2 oder 3-Grad-Zieles nicht funktioniert. Stattdessen muss ein sehr hoher Prozentsatz von CO2-loser Produktion angestrebt werden, also eine Wirtschaft OHNE CO2-Produktion. Auch sonst tun der Bevölkerungszuwachs und der wachsende Reichtum und Wille Fleisch zu essen, zu fliegen etc. ein Übriges. Abgesehen dadvon muss zugleich der Ressourcenraubbau ein Ende finden, da wir nicht weiterhin die Biokapazität des Planeten übernutzen können, ohne weitere Kriege um deren Nutzung durchzuführen.

  5. Mit Wattebäuschen auf T Rex werfen
    Die Dynamik der Weltwirtschaft hat so viel Schwung, dass es 20 Jahre dauert sie zu verlangsamen. Dies würde eine CO 2 Steuer bewirken. Aber nur wenn sie weh tut. Eine Steuer die so in etwa gelagert ist, dass der Konsument sagt: OK … dann flieg ich halt ab 2020 nur noch 3 mal in Urlaub statt 4 mal; die bringt nichts. Die Steuer muss so hoch sein, dass 95 % aller Flüge weltweit nicht mehr stattfinden. Sie muss weh tun. Sie muss uns in die 50-iger Jahre des Konsums zurückkatapultierten, undzwar sofort. Mein Vorschlag : 1.000 US $ pro Tonne Co 2 ab dem 01.01.2020 weltweit …. mit jährlich 10 % Preissteigerung. Mit 200-300 US $ Steuer bewirkt man nur die Gewöhnung, wenn es nicht weh tut bringt es nichts. Aber ich bin sicher wir werden weiter mit Wattebäuschen auf T-Rex werfen und uns wundern, dass er nicht verschwindet. Einen ernsthaften Ansatz das Ruder rumzureissen, kann ich nirgendwo erkennen. Auch nicht bei den Grünen.

    • Das ist doch Unsinn
      Wir könnten auch kollektiv Selbstmord begehen und die Fortpflanzung mittels kriegerischer Handlungen gegen Null fahren. So in etwa klingen Ihre Ausführungen. Laut uns doch einfach aufhören zu leben.

  6. doch mal was positives
    nach all den pseudoreligiösen Dogmen der letzten Zeit. Klimaschutz ist sicherlich wichtig, aber wenn wir unsere Wirtschaft in wenigen Jahren ruinieren, zahlen die Geringverdiener und Pendler die Zeche. Vielleicht können sich ja mehr normal denkende Wissenschaftler zu Wort melden. Allerdings lese ich auch keine Lösung dafür, dass andere Länder das vielfache von CO2 jedes Jahr neu rauspusten, was wir in D überhaupt einsparen können. Ein weiterer Punkt ist der natürliche Klimawandel, den es immer schon gegeben hat. Darauf hat der Mensch keinen Einfluß. Die Modellrechnungen gehen von der Temperatur vor der Industriealisierung (ich hoffe, man kann das richtig messen?) aus und unterstellt eine Erhöhung durch menschlichen Einfluß. So wurde vor ca. 1.000 Jahren im heute doch eher kühlen Chiemgau Wein angebaut. Das Klima muß also deutlich wärmer gewesen sein. Was passiert eigentlich, wenn sich das Klima trotz aller deutscher Bemühungen doch stärker ändert? Sollten wir nicht für diesen Fall stärker vorsorgen? Dazu werden uns aber die Mittel fehlen, wenn wir sie heute sinnlos ausgeben. Was ist mit anderen klimarelevanten Gasen? So habe ich letztens gelesen, dass der Methangehalt der Luft stark angestiegen ist. Wirkt sich das nicht aus? Man sieht, mit Freitagsdemonstrationen von Schulschwänzern werden wir das Problem nicht lösen.

  7. was mir auffiel
    Das ist ja eine wirklich interessante Information
    Ein weisser alter Mann hat das 2 Grad Klimaziel erfunden eine junge Frauen kämpft dafür
    Die Realität schreibt die schönste Satire
    Oder hängt das eventuell damit zusammen, dass die Oberschicht, deren Kinder hier demonstrieren, von den alten weissen Männern geführt wird ?

  8. "Nobelpreisträger"
    Gerade Träger des „Alfred-Nobel-Gedächtnispreises für Wirtschaftswissenschaften“ (das ist kein richtiger Nobelpreis) zeichnen sich durch häufige logische Irrtümer aus. Mathematiker können beispielsweise über den Satz von Black-Scholes nur müde lächeln (ich habe durchaus schon Aussagen gehört wie „Das hätte eine sehr gute Mathematik-Doktorarbeit abgegeben.“). Die praktische Anwendung des Satzes ist dann meist unterirdisch, weil dessen Voraussetzungen einfach ignoriert werden. Nur weil Wirtschaftswissenschaftler meinen, auch einen solchen Preis vergeben zu müssen, um ihr Fachgebiet wichtig zu machen, ist das kein Grund, ihnen auch noch zu glauben. Im Übrigen gab es auch jede Menge „normale“ Nobelpreisträger, die Zeit ihres Lebens ziemlich viel Unsinn verzapft haben, teilweise sogar echt kriminellen, wenn man an Medizin-Nobelpreisträger denkt.

  9. Der nichtvorhande Klimawandel in den USA seit 1899
    „William Nordhaus, dem wichtigsten Ökonomen in Sachen Klimawandel.“

    Als Ökonom kann unswereins diesen Typen nicht ernst nehmen, denn es gibt zwar schon immer den Klimawandel, aber zurzeit findet keuiner statt, denn die gemittelten Macimum-Temperaturen seit 1900, als 120 Jahre insgesamt, der Station USC00131635, Clinton Number 1 in Iowa sind nicht angestiegen. Sie haben ganz normal wie überall auf der Welt geschwankt, mal nach oben (in den 30er Jahren), danach nach unten und wieder rauf bis zum Jahr 2012 und nun wieder abwärts. Jetzt liegen sie bei 58 °F im Jahresmittel (TMAX) und lag bei 65 °F im Jahr 2012. Jahresmittel wohlgemerkt!

    Und im Jahr 1921 betrug die Mitteltemperatur 66 °F.
    Wo ist denn die grandiose jetzige Erwärmung abgeblieben?

    Wäre vielleicht mal sinnvoll, wenn die Journalisten etwas Mathematik üben und sich die gemessenen Temperaturdaten beispielsweise aus den USA der letzten 120 Jahre besorgen würden.

    Wa, Nordhaus betrifft, so hat der im Gegensatz zu mir nicht Physik und Meteorologie studiert. Und als Ökonom bin ich ihm locker überlegen.

    • Ausweislich Google scholar
      Ist Ihre letzte Veröffentlichung von 2006 und dort ging es nicht um die Klimaphysik. Inhaltlich ist Ihr Argument auch dünn. Von den zigtausend Messstellen weltweit betrachten sie eine einzige, und sie ignorieren völlig den riesigen Bestand an Fachliteratur. So betreibt man keine Wissenschaft.

  10. Wenn es nur der "Klimaschutz" wäre
    Es geht um die Klimazerstörung, die endlich nicht mehr kostenlos und damit folgenlos sein darf. Und es geht zuzüglich um den Artenschutz, das Artensterben zu stoppen und um die Überbevölkerung, das Bevölkerungswachstum zurückzufahren. Und nicht zu vergessen das Ende der Wachstumsdoktrin, des Wachstumswahns, dem Raubbau an Natur und Umwelt. Die Plastikvermüllung, Flächenversiegelung, Wasserverunreinigungen etc. pp.. Es ist folglich mehr als naiv zu glauben, wir kämen da easy mit mininalem Veränderungen durch, einfach indem wir ein paar Bereiche minimal bepreisen. Umweltzerstörung, Klimazerstörung, der Raubbau an der Natur alles muss bepreist werden. Am Ende landen wir bei einer Nachhaltigkeitswirtschaft ohne Konsumwahn uns Wachstumsideologie, im sozialen Miteinander mit Kooperation vor Konkurrenz und Rücksichtslosigkeit. All dem was progessive Wissenschaftler schon seit Jahrzehnten empfehlen.

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