Fazit – das Wirtschaftsblog

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Für alle, die’s genau wissen wollen: In diesem Blog blicken wir tiefer in Börsen und andere Märkte - meist mit wissenschaftlicher Hilfe

Das Geheimnis der 50. Oder: Wenn Unternehmen zu klein bleiben

In Europa bleiben Unternehmen als Folge von Regulierungen oft zu klein. Das führt zu Nachteilen im internationalen Produktivitätsvergleich. Für Frankreich gilt dieser Befund auch, wie eine neue Studie zeigt.

© Quelle: Garicano u.a.Kleine Unternehmen

Eine Kombination aus Arbeitsmarktregulierungen und zu geringer Lohnflexibilität sorgt dafür, dass in Frankreich viele Unternehmen nicht groß genug werden, um optimal produzieren zu können. Daraus entsteht ein Nachteil im internationalen Wettbewerb.

Die Untersuchung der Rolle von Unternehmensgrößen für den internationalen Produktivitätsvergleich ist seit einigen Jahren ein Trendthema in der Ökonomik. Wir hatten kürzlich eine Arbeit erwähnt, die sich mit den Nachteilen zu kleiner Betriebsgrößen für die Wirtschaft in Portugal beschäftigt. Nunmehr liegt eine Arbeit für Frankreich vor. Generell gilt, dass die durchschnittliche Betriebseinheit in der Europäischen Union 23 Prozent weniger Mitarbeiter zählt als eine durchschnittliche Betriebseinheit in den Vereinigten Staaten von Amerika.

 Die Grafik belegt, dass es in Frankreich (Stand: 2007) sehr viel weniger Unternehmen mit 50 bis 60 Beschäftigten gibt als Unternehmen mit 40 bis 49 Beschäftigten. Der Unterschied ist so auffällig, dass es dafür einen Grund geben muss. Die Autoren führen an, dass in Frankreich ab Betriebsgrößen mit 50 Mitarbeitern zusätzliche Regulierungen greifen. Dazu zählen:

– die Zulassung eines Betriebsrats (comité d’entreprise), dessen Budget mindestens 0,3 Prozent der Lohnsumme ausmacht

– die Zulassung eines speziellen Komitees, das die Arbeits-, Gesundheits- und Sicherheitsbedingungen in den Unternehmen prüft

– ein Plan zur Gewinnverteilung muss erstellt werden

– die Haftung des Arbeitgebers bei Arbeitsunfällen wird größer

– eine monatliche und detaillierte Berichtspflicht über die bestehenden Arbeitsverhältnisse gegenüber der Regierung

– eine deutliche Zunahme der Kosten bei der Entlassung von mindestens 10 Mitarbeitern. Diese spezielle Regulierung gilt seit langem als eine Art implizierter Zusatzsteuer und als ein wesentlicher Grund für die Zurückhaltung von Arbeitgebern gegenüber Neueinstellungen.

– für jeden Mitarbeiter ab 45 Lebensjahren muss eine formale Einschätzung seiner Qualifikation erstellt werden.

 

Ein wesentliches Ergebnis der Studie lautet, dass diese Regulierungen ihren Schaden für Produktivität und Beschäftigung vor allem im Verein mit einer zu geringen Lohnflexibilität in Frankreich entfalten. Wären die Löhne flexibler, fiele auch ein geringerer Schaden an:

“One key finding is that it is not just the regulation, but the interaction between regulation and downwardly rigid real wages that causes large welfare losses. When wages are fully flexible, we find that these regulations operate mainly as a variable cost, and are equivalent to a 1.3 percentage point increase in labor costs. The aggregate welfare loss is small: under 1% of GDP. There are interesting distributional consequences: aggregate wages and the profits of large firms drop by about 1%, but profits of smaller firms rise by about 4% because they enjoy lower wages without suffering the regulatory burden. Large deadweight losses only take place when wages are downwardly rigid. In this case, the regulation reduces GDP by 4-5% mainly through increased unemployment.”

Die Folgen für die französische Wirtschaft sind leicht nachvollziehbar:

Overall, the labor regulations that we study place a significant burden on the economy if wages are not downwardly flexible, by keeping firms below their optimal size and by reducing output. Too many employees work for smaller firms, and too few for large firms. In our French example, downward wage flexibility due to strong unions and minimum wages probably makes the welfare effects of regulation substantial whereas in the US, where wages are more flexible, the Obamacare firm-size provision is unlikely to have a such a substantial effect.”