Arbeitsmärkte und ihre Dynamik stehen im Mittelpunkt der traditionellen Notenbankkonferenz in Jackson Hole. Das Thema spiegelt die Kernfrage, mit der die amerikanische Zentralbank Federal Reserve derzeit zu kämpfen hat: Die Arbeitslosenquote sinkt und legt baldige Zinserhöhungen nahe. Aber wie gut geht es dem amerikanischen Arbeitsmarkt wirklich?
Die Mehrzahl der Mitglieder im Offenmarktausschuss, darunter vor allem die Fed-Vorsitzende Janet Yellen, sieht eine deutliche Unterauslastung der Kapazitäten am Arbeitsmarkt. Das ist in Yellens Denken das wichtigste Argument für die Andauer der expansiven Geldpolitik. Diese Position ist umstritten. Hier einige Grafiken, die die Schwierigkeiten aufzeigen, den Arbeitsmarkt richtig zu deuten.
1. Die Arbeitslosenquote sinkt schneller als von der Fed erwartet. Zuletzt lag sie bei 6,2 Prozent.
2. Der Beschäftigungsaufbau ist solide und hat sich bei mehr als 200.000 im Monat eingependelt.
3. Die reguläre Arbeitslosenquote zeichnet ein zu positives Bild.
In einer breiter gefassten Abgrenzung liegt die Arbeitslosigkeit nicht bei 6,2, sondern bei 12,2 Prozent. Dabei sind zusätzlich berücksichtigt Menschen, die nur noch marginal am Arbeitsmarkt hängen, und Teilzeitbeschäftigte, die aus wirtschaftlichen Gründen keine Vollzeitstelle finden. Als marginal am Arbeitsmarkt hängend gelten diejenigen Amerikaner, die in den vergangenen zwölf Monaten eine Stelle suchten, nicht aber in den vergangenen vier Wochen. Nur wer in den vergangenen vier Wochen eine Stelle suchte, wird offiziell als arbeitslos gezählt.
4. Die Erwerbsquote sinkt drastisch.
Das weist zum Teil darauf hin, dass sich Amerikaner enttäuscht vom Arbeitsmarkt zurückziehen. Doch sinkt die Erwerbsquote auch, weil die amerikanische Bevölkerung altert und Menschen sich in den Ruhestand verabschieden. Diese Menschen kann selbst im keynesianischen Denken der Fed-Tauben eine expansive Geldpolitik nicht mehr in den Arbeitsmarkt zurückholen.
5. Zahl und Anteil der Langzeitarbeitslosen, die seit 27 Wochen oder mehr keine Stelle finden, sind zurückgegangen.
Mit 3,2 Millionen oder rund einem Drittel aller Arbeitslosen gibt es aber immer noch für die Vereinigten Staaten ungewöhnlich viele Langzeitarbeitslose. Die Frage für die Federal Reserve ist, wie viele der Langzeitarbeitslosen tatsächlich noch in Brot und Arbeit finden werden. Sind diese Menschen nicht mehr vermittelbar, hilft auch geldpolitischer Aktivismus der Federal Reserve nicht mehr.
6. Die Zahl der Amerikaner, die nur deshalb Teilzeit arbeiten, weil sie keine Vollzeitstelle finden, ist mit 7,4 Millionen immer noch sehr hoch. Das stützt die Yellen-These, dass immer noch viel Luft am Arbeitsmarkt sei.
Weitere Berichte zur Fed-Konferenz in Jackson Hole:
Janet Yellen legt die Fed auf einen pragmatischen Kurs fest
Wir müssen draußen bleiben – Neues aus Jackson Hole (2)
Die Grenzen der Geldpolitik austesten – Neues aus Jackson Hole (3)
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