Fazit – das Wirtschaftsblog

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Für alle, die’s genau wissen wollen: In diesem Blog blicken wir tiefer in Börsen und andere Märkte - meist mit wissenschaftlicher Hilfe

Welche Geldordnung ist optimal?

| 30 Lesermeinungen

Das Aktiengeld des Frankfurter Ökonomen Wolfram Engels war kürzlich Thema eines Beitrags in FAZIT. Heute befassen wir uns mit Stärken und Schwächen alternativer Geldordnungen und lernen dabei einen weiteren interessanten Exoten kennen: das Grundstücksgeld.

Stellen wir uns eine Stunde Null vor, in der es in einem Land keine Geldordnung gibt. Nun schicken wir mehrere Notenbanken mit unterschiedlichen Konzepten in einen Wettbewerb. Hier sind die Ergebnisse, zu denen Wolfram Engels seinerzeit gelangt ist: 1) 2)

Das Papiergeld

Engels konnte sich überhaupt nicht vorstellen, dass sich ungedecktes Papiergeld mit einer Notenbank, die ein stabiles Güterpreisniveau verspricht, in einem Wettbewerb mit anderen Geldordnungen durchsetzen würde. Denn er hielt es für unmöglich, dass eine Notenbank ein glaubwürdiges Stabilitätsversprechen einlösen könnte. Die seinerzeit noch populäre monetaristische Auffassung, dass eine Notenbank als Geldmonopolist durch die Steuerung der Geldbasis die Inflationsrate zuverlässig steuern könnte, hielt er theoretisch und empirisch für falsch. In dieser Hinsicht hat er recht behalten. In einer Welt des Währungswettbewerbs mit mehreren konkurrierenden Emittentinnen von Papiergeld, das im Gegenzug zur Kreditvergabe entsteht, war Stabilitätspolitik aus seiner Sicht völlig undenkbar. Engels (1933 bis 1995) entwickelte seine Auffassung in einer Zeit, in der die Inflationsraten deutlich höher waren als heute. Die vergangenen 20 Jahre, in denen die Inflationsraten im Papiergeldstandard deutlich zurückgegangen sind, hat er nicht mehr erlebt.

Das Edelmetallgeld

Die Anhänger der Goldwährung teilen die Verachtung für das ungedeckte Papiergeld; gleichwohl hielt Engels die Goldwährung (bei der eine Emissionsbank Banknoten gegen Golddeckung ausgibt) für untauglich. Hier sind die Gründe: Ein Problem ist, dass Gold keine laufenden Erträge abwirft. Das führt zu der Situation, dass eine Bank, die Banknoten gegen Gold ausgibt, keine Erträge hat. Dafür entstehen Kosten aus der Lagerung des Edelmetalls. Daher betrachtete Engels eine (historisch wohl bekannte) Entwicklung, in der eine Emissionsbank auch ungedeckte Banknoten ausgibt, deren Erlöse sie in zinstragende Aktiva angelegt, für geradezu naturnotwendig: „Sie muss darauf vertrauen, dass nicht alle Inhaber der Banknoten gleichzeitig kommen und ihre Noten in Gold eintauschen wollen … Je höher die Golddeckung ist, um so solventer ist die betreffende Notenbank, um so weniger rentabel ist sie allerdings auch. Sie ist in dem beschriebenen Dilemma, dass sie eine höhere Bonität nur um den Preis einer geringeren Rentabilität verwirklichen kann.“ Engels nannte einen zweiten Grund, warum eine Goldwährung in einem Wettbewerb unterschiedlicher Geldordnungen keine Chance hätte: „Ein Geld, das an eine Ware gebunden ist, deren relativer Preis stark schwankt, würde von den Wirtschaftsobjekten als ein unsicheres Geld empfunden … Die Stabilität des relativen Goldpreises beziehungsweise relativen Silberpreises im Rahmen von Edelmetallwährungen beruhte überwiegend darauf, dass das betreffende Metall Währungsbasis war, dass seine Verwendung als Währungsbasis also seinen relativen Preis stabilisiert hat. In einer Welt konkurrierender Notenbanken wäre dieser Effekt natürlich weit aus schwächer.“ Zudem ist zu bedenken, dass die Förderung von Gold (oder Silber) Geld kostet und ökonomische Ressourcen bindet. Noch heute gibt es Anhänger des Goldes, die allen Ernstes meinen, die Menschen würden bei freier Wahl eine Goldwährung bevorzugen – ein Ausdruck historisch verklärten Romantizismus.

Das Warengeld

Es hat in der Geschichte eine Reihe von Vorschlägen gegeben, den Wert des Geldes an ein Bündel aus Waren, zumeist Rohstoffen, zu binden. Dadurch wollte man relative Preisschwankungen, wie man sie bei einer Ware wie dem Edelmetall hat, reduzieren. Aber aus Engels‘ Sicht verschwinden die grundsätzlichen Defekte nicht: Auch im Falle eines Warenbündels werfen diese Waren wie das Edelmetall keine laufenden Erträge ab; umgekehrt können die laufenden Kosten aus der Lagerung von Rohstoffen erheblich sein. Auf den letzten Punkt haben unter anderem auch Milton Friedman und Friedrich von Hayek kritisch verwiesen. Wiederum könnte eine Emissionsbank nicht nach dem Prinzip der vollständigen Deckung des umlaufenden Geldes funktionieren. Warenwährungen und Edelmetallwährungen mögen nach Engels‘ Kriterien besser sein als ungedecktes Papiergeld, aber auch sie sind nicht in der Lage, langfristig ein Stabilitätsversprechen zu verbürgen. Das heißt auch, dass ein Verteilungsrisiko zwischen Geldgläubigern und Geldschuldnern existiert: 3) „Jeder Darlehensvertrag enthält ein Element der Wette; die Risiken beider zusammen sind größer, als sie sein müsste.“

Das Grundstücksgeld

Vom Papiergeld hielt Engels nichts und von der Edelmetall- bzw. Warenwährung auch nicht viel. Jetzt kommen wir zu den Währungen, die durch Vermögensgüter gedeckt sind, die Erträge abwerfen. Diese Art der Geldordnung schätzte Engels sehr viel mehr. Wir beginnen mit der Idee, den Wert von Geld an Grundstücke zu binden – eine Idee, die in der Französischen Revolution mit den sogenannten „Assignaten“ verwirklicht wurde. 4) Die Idee ist einfach: Grundstücke sind nicht beliebig vermehrbar und können im Unterschied zu Waren einen laufenden Ertrag durch Vermietung oder Verpachtung generieren. Engels schrieb: „Der Fortschritt einer Grundstücksnotenbank hätte darin bestanden, dass eine hundertprozentige Deckung möglich gewesen wäre, weil die Grundstücke selbst genug Ertrag abwerfen, um die Kosten der Notenbank mehr als zu decken. Im Prinzip hätte also eine Assignatenbank solider sein können als eine Gold- oder Silbernotenbank.“ Und: „Der zweite Vorteil einer Grundstückswährung hätte in der Vorhersehbarkeit der relativen Preise bestanden. Der Wert der Edelmetalle hing von den Zufälligkeiten der Gold- und Silberfunde auf der einen Seite und von der Entwicklung der Zahkungstechnik auf der anderen Seite ab… Das Grundstückspreisniveau wäre derartigen Zufällen weniger ausgesetzt gewesen.“ In der Praxis allerdings wäre es nicht leicht, eine Geldordnung einzuführen, bei der auf Verlangen gegen Vorlage von Geld Grundstücke eingetauscht werden müssten. Engels schrieb von „einer Fülle schwieriger Probleme“, gelangte aber dennoch zu dem Schluss: „Die Idee der Finanzierung der Revolutionskriege mittels eines Grundstücksgeldes ist wahrscheinlich eine der ganz großen Erfindungen im Finanzwesen gewesen; durch ihren Missbrauch blieb sie bis heute diskriminiert.“

Das Aktiengeld

Engels‘ Aktiengeld haben wir in dem erwähnten früheren Beitrag beschrieben. Hier dient das Marktportfolio, also der gesamte Sachkapitalbestand einer Wirtschaft, als Deckung, wobei sich in der Praxis die in einem repräsentativen Index enthaltenen Aktien als Annäherung an das Marktportfolio eignen. Aus der modernen Kapitalmarkttheorie ist bekannt, dass sich die Rendite/Risiko-Kombination des Marktportfolios nicht verbessern lässt; in dieser Hinsicht ist es sogar dem ansonsten schon sehr guten Grundstücksgeld überlegen. Engels‘ Fazit: „Die Konkurrenzüberlegenheit der Marktportfoliobank ist also gegenüber jeder Warennotenbank erdrückend: Ihre Bonität ist höher, weil sie eine hundertprozentige Deckung ihrer Noten verwirklichen kann; ihre Rentabilität ist beträchtlich größer, so dass sie die Möglichkeit hat, die Kosten der Kassenhaltung in ihrem Geld niedriger zu halten als eine Warennotenbank, und sie bietet überdies den Gläubigern und Schuldnern in ihrer Währung ein Riiskooptimum, das keine Warennotenbank bieten kann. In der Bonität und Rentabilität kann nur die Assignatenbank mithalten; sie erreicht aber das Risikooptimum nicht, das die Marktportfoliobank bietet. Die Marktportfoliobank hätte sich in unserem Modell konkurrierender Notenbanken durchgesetzt.“

 

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1) Dieser Beitrag, der im Wesentlichen auf Ausführungen des posthum erschienen Werkes „Der Kapitalismus und seine Krisen“ beruht,  soll der Diskussion dienen und an Wolfram Engels erinnern. Das bedeutet keineswegs, dass ich alle Ansichten Engels‘ teile.

2) Die nachfolgende Auswahl ist nicht vollständig.

3) Im Falle unvorhergesehener Inflation stellt sich der Geldschuldner besser, im Falle unvorhergesehener Deflation der Geldgläubiger.

4) Die Idee wurde missbraucht, weil im Laufe der Zeit die Grundstücksdeckung aufgegeben und immer mehr Assignaten gedruck wurden, bis sie nahezu wertlos waren. Daher ist der Begriff Assignaten in der Währungsgeschichte negativ besetzt, was aber nichts mit ihrer ursprünglichen Idee zu tun hat.


30 Lesermeinungen

  1. Geldschöpfung begrenzen - Kredite nur noch für die Realwirtschaft
    Wieso begrenzt man die Geldschöpfung der Geschäftsbanken nicht einfach, indem man Kredite nur noch für realwirtschaftliche Transaktionen erlaubt? Auch Derivate müssen stets an eine konkrete Trannsaktion gebunden sein. Dann erledigt sich das große weltweite Finanzcasino von selbst.

    • Nicht wenige Finanzkrisen sind aus der Finanzierung von Immobilien entstanden – also aus Finanzierungen der Realwirtschaft. Empirische Arbeiten zB von Schularick/Taylor zeigen, dass sich aus der Verwendung von Krediten in der Vergangenheit keine zuverlässigen Schlüsse über die Finanzstabilität ziehen ließen. Und die Probleme der AIG bestanden im Herbst 2008 darin, dass ihr Derivatevolumen (CDS), das an konkrete Transaktionen gebunden war, sich als viel zu groß für die Versicherung erwies.

      Gruß
      gb

  2. Währunggeschichte in Trans -atlantischer Perspektive
    daß möchte ich Ihnen nicht vorenthalten,die heutzutage Kreuzfahrt hätte am wenigsten zu tun mit Staatswissenschaft,dass is gut so :in aller Welt könnte man mitbekommen wie tiefgespalten die EU ist,aber ich meine ein ausbalancierter Artikel von Jacob Soll ,Op-Ed Contributor,NYT,Juli,15.2015:“Germany’s Destruction Anger“.
    In aller Ruhe ein lesenswerte Auseinandersetzung,wie eine angenehme Brise am geöffneter Fenster.

  3. Heinrich Rittershausen
    Er war, wenigstens vor Kriegsende, nicht ganz ein Befürworter der damaligen Geldordnung, die Reichsbank schimpfte über ihn, danach scheint er sich „gemäßigt“ zu haben. Er blieb aber immer ein Anhänger der damals vorherrschenden Banking Schule, die wie auch die Currency viel Spielraum lässt. Aus seinen Schriften kann man sicher etwas lernen, einige Ideen über Geld gewinnen. Hier einige:

    https://reinventingmoney.com/german-documents-of-professor-heinrich-rittershausen/

  4. Pingback: Kleine Presseschau vom 15. Juli 2015 | Die Börsenblogger

  5. Wechsel sind kein Geld
    Wechsel sind früher zwischen Unternehmen auch als Zahlungsmittel genutzt worden, aber sie sind ihrem Wesen nach verbriefte Unternehmenskredite und das ist der einzige Grund, warum sie von Notenbanken im Rahmen ihrer Geldpolitik angekauft worden sind. Wechsel sind auch keine Urkunden der Notenbank, sondern private Wertpapiere (Kreditverbriefungen), die von Notenbanken angekauft worden sind.

    • Soll Geld immer von Banken oder Notenbanken stammen?
      Das Gold wurde auch nicht von Notenbanken geschaffen. Wechsel sind verbriefter Privatkredit. Vielleicht ist das, was so störend war und das Ende der alten Geldordnung brachte. Das Bankenkartell wollte Herr über das Kreditgeschäft sein.

    • Ich versuche Ihnen doch mühsam klar zu machen, dass der Wechsel ein privates Kreditgeschäft dargestellt hat. Er ist im Mittelalter entstanden, um den Zahlungsverkehr zu erleichtern, aber er ist von Notenbanken angekauft worden, weil er einen verbrieften Unternehmenskredit darstellt und nicht, weil er früher auch als Zahlungsmittel genutzt worden ist. Das Entscheidende beim Wechsel war der Kreditcharakter.

    • "das ist der einzige Grund, warum sie von Notenbanken im Rahmen ihrer Geldpolitik angekauft worden
      Nein. Das war nicht der einzige Grund. Notenbanken hätten nie längerfristige verbriefte Unternehmenskredite gekauft, auch nicht Staatsanleihen. Sie legten Wert auch auf die Beschaffung der Kredite. Nur der Handelswechsel galt als geeignet.

    • "Das Entscheidende beim Wechsel war der Kreditcharakter"
      Selbst liquidierende, kurzfristige Handelswechsel eines zahlungsfähigen Schuldners galten als flüssigste Deckung für die Banknoten. Das ist zum Beispiel ein Grund, weswegen Wechsel und nicht andere Kreditverbriefungen angekauft wurden.

    • Ja, der Wechsel war eine Kreditverbriefung und ohne den Kreditcharakter wäre er nicht von der Notenbank angekauft worden. Das schreibe ich hier die ganze Zeit, während Sie seit zwei Stunden abwechselnd alles Mögliche von sich geben, was nicht zueinander passt. Vielleicht können wir das an dieser Stelle beenden; es gibt genügend Fachliteratur, anhand derer man sich Grundlagen der Geldpolitik aneignen kann. Bezüglich der früheren Rolle des Wechsels für die Geldpolitik empfehle ich noch einmal das Buch von Issing/Rudolph, das mir seinerzeit sehr nützlich war.

  6. Die Funktion des Geldes
    Zahlungsausgleich ermöglichen und erleichtern. Man gibt und wird damit zu Gläubiger, man nimmt und wird damit zu Schuldner, dabei muss aufgerechnet werden, Aufblähung des Kreditvolumens vermieden werden. Dazu gehört, dass man ein festes Wertmaß hat, also weder Inflation noch Deflation (Disagio und Agio). Wertaufbewahrung bedeutet auch eine Forderung, aber langfristige Forderungen auf der Geldebene, Ungleichgewichte auf der Geldebene, sollen erschwert werden. Ich meine, mit solchen Grundsätzen könnte man anfangen.

  7. Kreditgeld
    Aber dazu sind Gesetze und Strukturen nötig, Kontrolle und vielleicht Regulierung. Was ist die perfekte Ordnung? Vielleicht sind wir noch nicht so weit, um es genau zu wissen, aber mir ist etwas klar: die heutige monetaristische Ordnung ist ein Rückschritt.

    • So ist es!
      Die beste Geldordnung ist auch meines Erachtens ein Kreditgeldsystem. Es funktioniert allerdings nur – wie Sie zu Recht anmerken – mit einer klaren Rechtsordnung sowie einem starken Staat, der redistributiv über das Steuersystem eine Selbststrangulierung verhindert (Matthäus-Effekt). Es gibt die heilige ökonomische Trinität von abgestimmter Geld-, Fiskal- und Lohnpolitik. Versagt hat insbesondere die Fiskal- und Lohnpolitik sowie die Bankenaufsicht. Wie es besser funktionieren könnte habe ich versucht hier zu skizzieren: https://zinsfehler.wordpress.com/2013/10/13/zehn-masnahmen-fur-ein-europa-in-frieden-freiheit-und-wohlstand/

      LG Michael Stöcker

    • Kreditgeld
      Das Bargeld im obigen Text ist ein Kreditgeld. Eine Rechtsordnung ist sicherlich eine notwendige Bedingung für die Funktionsfähigkeit einer solchen Geldordnung, aber sie ist keine hinreichende.

    • So ganz ohne Begründung?
      Frau Orti, warum ist der Monetarismus ein Rückschritt?
      So ganz ohne Begründung ist das eine Nullaussage, über die man nicht mal diskutieren kann.

    • Herr Stöcker
      Die Maßnahmen sind interessant, aber ich möchte mal auf ein paar Punkte eingehen, die ich für Fragwürdig halte:

      V. Refinanzierung der Geschäftsbanken über den Kapitalmarkt
      Ergibt sich dieser Punkt nicht automatisch aus Punkt IV?

      VI. Zeitliche Befristung von Abzahlungsgeschäften:
      Warum sollten gerade diejenigen, die die Fristen festlegen, „schlauer“ sein, als Kreditgeber und Kreditnehmer zusammen? Für mich ist das ein planwirtschaftlicher Eingriff in die Freiheit, mit fragwürdigem Nutzen.

      VII. Reaktivierung der gesetzlichen Rente
      Sie kritisieren hier einerseits, dass private Versicherer bei niedrigeren Zinsen in höhere Risiken gedrängt werden, vernachlässigen aber, dass Sie durch Ihren Vorschlag das Risiko und alle damit verbundenen Kosten auf den Staat und somit den Steuerzahler umlegen.
      Durch den demografischen Wandel ist das stopfen der Rentenlöcher inzwischen der größte Posten im Bundeshaushalt, was an sich schon zeigt, dass das System am umkippen ist.
      Verweise auf die misslungenen Riester- und Rüruprenten sind auch keine Entschuldigung dafür, weiter Bürger im glauben zu lassen, ein Umlagesystem wäre eine nachhaltige oder sichere (Norbert Blüm) Lösung.
      Vielmehr muss die Bevölkerung für private und nachhaltige Vorsorge sensibilisiert werden, wie es in vielen Ländern bereits mit Erfolg durchgeführt wird. Man denke da an das 401k Scheme oder den Mandatory Provident Fund Scheme.

      VIII. Reaktivierung der Erbschaftssteuer sowie Einführung eines Erbschaftsfonds
      Sie vergessen, welche Auswirkungen auf die Anreize eine Erbschaftssteuer hat.
      Denn woher kommen die Fabriken, die Häuser, die Maschinen?
      All das wird nicht durch eine einzige Generation aufgebaut.
      Wenn Sie durch eine hohe Erbschaftssteuer dafür sorgen, dass ein großer Teil des Vermögens am Lebensende quasi verschwindet, schaffen Sie einen direkten Anreiz das Vermögen zu verschwenden. Eine Gesellschaft die so lebt wird ihr Kapital über die Zeit einfach verbrauchen.

      IX. Anpassung der Wochenarbeitszeit bei längerfristiger Zielverfehlung
      Hier gilt eine ähnliche Kritik wie bei Punkt VI: Eine Steuerung der Wochenarbeitszeit wäre ein Eingriff in die Freiheit der Menschen. Warum wollen Sie gerade denjenigen, die motiviert sind und gerne Arbeiten wollen genau das verbieten? Ich kann daran nicht positives sehen.

      X. Einführung einer Finanztransaktionssteuer
      Auch hier ist ein sinnvolles Verhältnis aus Eingriffen in die Freiheit, Kosten und Nutzen nicht gegeben. Positive Folgen sind nicht erkennbar, die negativen Folgen überwiegen klar:
      1. Würden die Kosten auf die Endkunden, sprich die Bürger umgelegt
      2. Würde die Zahl der Transaktionen sinken, wodurch jede Transaktion zusätzlich teurer wird, wodurch wiederum die Kosten noch weiter steigen würden.
      3. Die sinkende Anzahl der Transaktionen würde die Liquidität senken und das Risiko und damit auch die Kosten erhöhen.
      4. Sie würden kleine Institute schwächen und die großen Player massiv bevorzugen, da diese Finanzpapiere einfach intern umschichten können und so weniger auf Transaktionen angewiesen sind.

    • Ergänzung
      Herr Braunberger, ich setze voraus, dass Sie oben mit „Bargeld“ Papiergeld meinen. Ja, die Rechtsordnung ist nicht hinreichend, denn die Geldordnung ist in diesem Fall stark von der Rechtsordnung abhängig. Geld ist in diesem Fall nicht etwas Physikalisches, sondern ein Rechtskonstrukt, und es kann beliebig sein. Die Rechtsordnung könnte dann so sein, dass das Papiergeld kein Kreditgeld ist, Beispiel: der monetaristsche Hubschrauber. Aber ich glaube, Sie wissen, welche Geldordnung ich meine. Herr Hirtenenbach, über Fehler dieser monetaristischen Geldpolitik wurde z.B. in Fazit vom 02.07.2015 diskutiert. Rückschritt bedeutet, dass Sachen, die man seit Jahrzehnten kennt, nicht berücksichtigt werden, zum Beispiel die Wirkung der Indexwährung. Übrigens, Sozialversicherung hat zwar wenig mit Geldordnung zu tun, aber etwas anderes als das Umlagesystem wäre ein Rückschritt im obigen Sinn, Stichwort: Theodor Bühler / Gerhard Mackenroth.

    • Ergänzung Orti
      In Engels‘ Modell geht es um einen Wettbewerb von Notenbanken, nicht um Geldabwurf vom Hubschrauber. Auch im Falle eines ungedeckten Papiergeldes muss die Notenbank ertragbringende Vermögensgegenstände auf der Aktivseite ausweisen, ansonsten kann sie nicht arbeiten.

      Ich habe den Text so modifiziert, dass der Charakter als Kreditgeld klarer wird.

    • "ertragbringende Vermögensgegenstände auf der Aktivseite"
      Geld in Form von Handelswechseln. So funktionierte es früher.

    • Handelswechsel waren kein Geld
      Handelswechsel waren verbriefte Kredite, die von Notenbanken im Zuge ihres Rediskontkreditgeschäftss angekauft wurden.
      Nähere Informationen gibt es zB bei Issing/Rudolph: Der Rediskontkredit (1988)

    • Handelswechsel sind, wie Schecks, Geld
      Man kann sie girieren, um mit ihnen zu zahlen. Und wenn sie kein Geld sind, dann vielleicht auch nicht Banknoten, denn sie sind auch Urkunden der Notenbank, ursprünglich verbriefte Kredite, Depotscheine. Dann sollen nur Münzen Geld sein?

    • Und warum soll das Buchgeld bei Banken Geld sein, aber nicht Handelswechel?
      Weil aller Kredit nur vom Bankenkartell stammen soll?

    • Grund des Missverständnisses ist vielleicht mein gestrigen Beitrag vom 22:49 Uhr
      Da steht: „denn sie sind auch Urkunden der Notenbank, ursprünglich verbriefte Kredite“. Das „auch“ mit „der Notenbank“ passt nicht, entweder das eine oder das andere muss gelöscht werden, ein Lapsus, aber vom Kontext sollte klar sein, was ich meinte. Bargeld waren nur Münzen, die Urkunden, Effekten, waren Effektivgeld. Noch im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts gab es keine auf kleine Zahlen notierte Banknoten, Münzen spielten die Rolle der heutigen Geldscheine, große Noten gibt es zwar noch, aber man sieht sie selten und bedient sich eher des Buchgeldes. Ich wollte sagen, es bleibt Geld, egal ob der Schuldner die Zentralbank, eine Geschäftsbank oder eine private juristische oder natürliche Person ist. Und übrigens, ich bin nicht älter als Herr Braunberger, und in der Schule musste ich lernen, wie man ein Wechsel zieht. Es sollte klar sein, dass ich/jeder weiß, was ein Wechsel ist. Es ist nicht Geschichte, das Wechselgesetz ist noch gültig, erst vor ein paar Jahren wurde die Wechselsteuer abgeschafft, die wichtig war, um das Volumen des Wechselkredites zu ermitteln. Ebenso sind Schecks noch nicht Geschichte, man wird zwar schief gesehen, wenn man auf der Bank nach Scheckvordrücke fragt, aber man bekommt sie, sogar bei Direktbanken.

    • Da es in diesem Strang nicht um Zahlungsgewohnheiten vor 100 Jahren geht, sondern um Notenbanken, hier ein Grundkurs:

      1. Sie kaufen bei mir etwas und zahlen mit einem Scheck. Sie sind Kunde der A-Bank, ich Kunde der B-Bank; Schecks sind gewöhnlich auf Sicht fällig. Ich reiche den Scheck bei der B-Bank ein, die ihn im Zuge der Zahlungsverkehrsabwicklung bei der Notenbank einreicht. Die Notenbank schreibt den Betrag dem Konto der B-Bank bei ihr gut und belastet das Konto der A-Bank, die anschließend Ihr Konto bei sich selbst belastet. Aus der Sicht der Notenbank ist das bilanzneutral; die Bilanzsumme und das von ihr ausgegebene Geld haben sich nicht verändert. Es hat nur auf der Passivseite der Bilanz eine Umbuchung von einem Unterkonto in ein anderes Unterkonto gegeben. Die Transaktion ist nicht nur bilanz-, sondern auch ergebnisneutral (von den Kosten des Zahlungsverkehrs einmal abgesehen). Hier wird keine Geldpolitik betrieben.

      1 Wir sind beide Unternehmen und ich liefere Ihnen etwas mit einem Zahlungsziel von 90 Tagen. Über das Geschäft stellen wir einen Wechsel aus; ich bin der Aussteller und Sie sind der Bezogene; wir sind beide seriöse Geschäftsleiute mit „guten“ Unterschriften. Offensichtlich handelt es sich um einen Kredit, der durch den Wechsel verbrieft wurde. Ich kann nun den Wechsel 90 Tage behalten und Ihnen dann vorlegen und dann müssen Sie zahlen. Ich kann aber auch vorher Geld wollen und zu meiner B-Bank gehen, die mir früher den Wechsel mit einem Abschlag auf den Nennwert angekauft hätte, denn die Zahlung wird erst in 90 Tagen fällig. Meine B-Bank hätte dann zur Notenbank gehen und den Wechsel im Rahmen ihres Rediskontkontingents einreichen können. Die Notenbank hätte den Wechsel dann mit einem Abschlag – berechnet auf der Basis des von der Notenbank festgelegten Diskontsatzes und der Laufzeit bis zur Fälligkeit – angekauft und der B-Bank dafür Geld gutgeschrieben. Diese Transaktion ist weder bilanz- noch ergebnisneutral! Die Bilanz verlängert sich um den Betrag des Wechsels; auf der Aktivseite nehmen die Forderungen der Notenbank zu, auf der Passivseite das von ihr emittierte Zentralbankgeld in Form eines Guthabens der B-Bank. Das Geschäft ist auch nicht ergebnisneutral, die Notenbank verdient damit Geld und deswegen hat sie es auch gemacht.

    • Grundkurs Ergänzungen
      Das Geldsystem muss man sich als eine hierarchische Struktur vorstellen. Auf der obersten Ebene residiert das Gold, auf der zweiten Ebene die Währungen (also das Zentralbankgeld M0), auf der dritten Ebene das Bankengiralgeld und auf der vierten Ebene die sonstigen Sicherheiten (Perry Mehrling: Natural Hierarchy of Money).

      Zu den sonstigen Sicherheiten gehört auch der Wechsel. Je mehr Unterschriften (Indossamente) auf einem Wechsel stehen, umso höher wird die Wahrscheinlichkeit, dass auch tatsächlich am Fälligkeitstag gezahlt wird, da ja nicht nur der Aussteller und der Bezogene haften, sondern auch alles Indossanten. Gesetzliches Zahlungsmittel ist ausschließlich Zentralbankgeld (Banknoten unbegrenzt, Münzen begrenzt).

      Dies hindert uns selbstverständlich nicht daran, vertraglich etwa anderes zu vereinbaren. Solange wir also den Grundsatz der Vertragsfreiheit beibehalten, solange stehen Währungen in Konkurrenz zueinander (Gresham‘s law). Sollten alle Währungen versagen, dann kommt es zu einem archaischen Rückfall auf die oberste Hierarchieebene. Eine Ebenenverlagerung ist immer zugleich ein Krisenindikator; und zwar sowohl auch horizontaler als auch auf vertikaler Ebene. Auf horizontaler Ebene wirkt das Greshamsche Gesetz (Schweizer Franken, Dollarisierung/Euroisierung), auf Geschäftsbankenebene der Interbankenmarkt mit steigenden Zinsen als Krisenindikator.

      Auf vertikaler Ebene sehen wir ein Anschwellen der Basisgeldmenge M0, wenn der Interbankenmarkt für die Refinanzierung zusammenbricht. In diesem Fall wird Bankengiralgeld in Zentralbankgeld transformiert, wobei dieser Vorgang neutral ist in Bezug auf M1, M2, M3. Der Grund für eine Ebenenverlagerung ist immer der Gleiche: Zunehmendes oder abnehmendes Vertrauen; denn das ist die Basis eines jeden Geldsystems. Fehlt das Vertrauen in Gänze, dann zählen nur noch Gold oder andere Tausch-/Bartergeschäfte. Diese natürliche Hierarchie kann auch nicht künstlich/juristisch außer Kraft gesetzt werden.

      Von daher kann ich Herrn Braunberger nur beipflichten: Der Wechsel wurde deshalb akzeptiert, weil ein reales Kreditgeschäft dahinter lag, was den Schuldner zu einer realen Gegenleistung verpflichtet hat und mit drei guten Unterschriften versehen war. Je mehr Unterschriften, desto größer das Vertrauen. Reine Finanzwechsel waren niemals bundesbankfähig. Dieser Sachverhalt unterstreicht den Charakter unseres Geldsystems. Es müssen immer reale Leistungen am Markt erbracht werden. Das heutige Geldsystem ist ein hocheffizientes Instrument, um die überkomplexen dezentralen realen Vertragsbeziehungen auf einfache Weise abzuwickeln. Die Hauptverantwortung für die Funktionsfähigkeit unseres zweistufigen Geldsystems tragen die Geschäftsbanken. Sie sind es, die über die Kreditvergabe Schuldverhältnisse erzeugen und somit die relevante Geldmenge M1, M2, M3 determinieren. Sind die Bonitätsstandards der Kreditvergabe nicht einheitlich und erfolgt die Kreditvergabe nicht im Gleichschritt (Hans Gestrich), dann ist die Krise vorprogrammiert.

      @ Gerald Braunberger

      „Das Bargeld im obigen Text ist ein Kreditgeld.“

      Münzen sind kein Kreditgeld, sondern Willkürgeld in der Diktion von Burkhardt Brinkmann bzw. die klassische Seigniorage, die somit den halbdurchdachten Aktivgeldvorstellungen von Thomas Mayer entsprechen. Insofern gibt es einen winzigen Teil des Bargeldes, der nicht auf einem Kreditverhältnis basiert.

      @ Sofia Orti

      Buchgeld ist Buchgeld, aber kein Geld im eigentlichen Sinne von gesetzlichem Zahlungsmittel. Mit Buchgeld können Sie nicht bezahlen. Auch eine bargeldlose Zahlung ist keine zentralbankgeldlose Zahlung: https://soffisticated.wordpress.com/2012/07/01/was-ist-clearing/ sowie die Diskussion ab hier: https://zinsfehler.wordpress.com/2014/04/01/geldmythen/comment-page-1/#comment-39

      LG Michael Stöcker

    • Es geht um Geldordnung, nicht um bloße Bilanzen
      Hier um die Frage, ob die Wirtschaft nach ihrem Bedarf Geld produzieren darf. Nennen wir es nicht Geld, sondern Zahlungsmittel oder Geldsurrogat. Durch Giro können sie weiter gegeben werden. Der Scheck bildet Buchgeld bei der Geschäftsbank (nicht Zentralbankgeld) ab, Handelswechsel schaffen neue Zahlungsmittel. Wo liegt der Unterschied zwischen Wechsel und Banknote? Sicher an der Zahlungsfähigkeit des Schuldners, an den typisierten Beträgen, an der Liquidität, und vor allem, dass Noten der Zentralbank mal zu gesetzlichen Zahlungsmitteln erklärt wurden. Durch Diskont und Rediskont wird der Handelswechsel zerstückelt und veredelt, und dafür zahlt man einen Preis. Die Diskontpolitik bedeutet, dass der Wechselkredit gefördert wird (so wie heute Staatsverschuldung gefördert wird), und damit der Zahlungsausgleich. Es geht um Ordnung: die Notenbank veredelt die schon flüssigste Zahlungsmittel, anstatt zum Beispiel Staatsanleihen flüssiger zu machen. Das von Ihnen empfohlene Buch von Issing/Rudolph hilft nicht, die Grundsätze der alten Geldordnung zu verstehen, sondern nur die Umstände ihres Untergangs zu verstehen.

    • Herr Hirtenbach,
      vielen Dank für Ihre konstruktiven Anmerkungen. Zu den fragwürdigen Punkten: „Ergibt sich dieser Punkt nicht automatisch aus Punkt IV?“ Sie scheinen hier die Meinung zu vertreten, dass bei einer Mindestreserve von 100 % schon automatisch alle Salden am Ende des Tages glattgestellt sind. Dies muss aber nicht so sein, da Banken auch bei 100 % Mindestreserve immer Liquidität an andere Banken verlieren können. Wird dieser Saldo – warum auch immer – nicht mehr über den Interbankenmarkt kreditiert, dann bliebe zukünftig nur noch die Spitzenrefinanzierungsfazilität, deren Höhe zugleich die Obergrenze für den Interbankenmarkt bildet.

      Zur zeitlichen Begrenzung von Abzahlungsgeschäften: 25 Jahre nach dem Ende des planwirtschaftlichen Experiments am lebenden Organismus sollten wir solche Plakatierungen in die Mottenkiste verbannen, da sie nichts zur Aufklärung beitragen. Rechtliche Eingriffe des Staates haben wir an vielen Stellen, ohne dass wir deshalb in einer Planwirtschaft leben. Es geht also insbesondere um eine Interessenabwägung. Und Sie überschätzen hier den mündigen Bürger und unterschätzen die Risiken der kurzfristigen Renditemaximierung im parasitären Finanzsektor. Die systemische Begründung für eine solche Begrenzung finden Sie hier: https://zinsfehler.wordpress.com/2013/09/14/das-geschaft-mit-der-verbriefung/

      Zur gesetzlichen Rente hatte schon Sophia Orti den korrekten Hinweis auf Mackenroth gegeben. Hier noch als Ergänzung der Verweis auf Wilfrid Schreiber sowie auf Carl Christian von Weizsäcker: Der Vorsorgealbtraum: https://www.wirtschaftsdienst.eu/archiv/jahr/2013/13/der-vorsorge-albtraum/. Ansonsten ist natürlich die Förderung von Realvermögen zu unterstützen. Mietfreies Wohnen ist/wäre für viele die doppelte Rente.

      Zur Erbschaftssteuer: Es mag auf theoretischer Ebene Einzelfälle fürsorglicher Familiendynastien geben, die in ethischer Verantwortung für das Gemeinwesen über Jahrhunderte agieren. Ansonsten gilt doch eher das Buddenbrook-Syndrom; oder um mit Bismarck zu sprechen: „Die erste Generation schafft Vermögen, die zweite verwaltet Vermögen, die dritte studiert Kunstgeschichte, und die vierte verkommt.“ Wir sollten die Erben insbesondere vor dem Schicksal der vierten Generation bewahren. Fürs Kunststudium wird es dann noch allemal reichen. Der größte Teil des weltweiten Handels wird übrigens durch global agierende Konzerne bestimmt, deren einziges Ziel die aktuelle Renditemaximierung ist. Aufs Gemeinwohl ist geschi… Mein Vorschlag mit dem Erbschaftsfonds sorgt dafür, dass die volle Verantwortung beim Erben bleibt. Hier verschwindet also nichts. Im Gegenteil: Der Erblasser muss sich weniger Gedanken um Stiftungen u. ä. machen, um das Erbe vor der möglicherweise missratenen Brut zu schützen.

      Anpassung der Wochenarbeitszeit: Die Wochenarbeitszeit wird schon seit Jahrzenten durch das Arbeitszeitgesetz gesteuert. Mein Vorschlag ist also lediglich eine kontinuierliche Fortführung vergangener Entwicklungen und hat mit planwirtschaftlicher Bevormundung nichts zu tun. Als AT-Angestellter oder auch als Selbstständiger bleiben Ihnen zudem alle Arbeitsfreiheiten. Und die Freizeit kann auch recht arbeitsam gestaltet werden.

      Zum letzten Punkt, der Finanztransaktionssteuer. Hier scheint die Realität eine andere zu sein: „Expansion der Finanzmärkte schädigt das Wirtschaftswachstum“: https://www.oecd.org/berlin/presse/finanzen-und-sozialvertraegliches-wachstum.htm. Eine Finanztransaktionssteuer wird das unnütze/parasitäre Algotrading beenden und das kurzfristige Spekulationsgeschäft eindämmen und somit einen Beitrag zur Schrumpfung des Finanzsektors leisten.

      LG Michael Stöcker

    • Herr Stöcker
      Wir leben in einer Demokratie und in dieser ist der mündige Bürger unerlässlich. Wenn wir davon ausgehen, dass der Bürger dumm ist (im Vergleich zu wem?), dann ist die Demokratie die falsche Regierungsform.

      Natürlich gibt es intelligentere und weniger intelligente Menschen, aber nur weil jemand behauptet andere wären unmündig, kann man nicht einfach die Rechte der anderen beschneiden. Genau dies würde aber durch die von Ihnen vorgeschlagenen Regeln passieren. Es wird auch nicht dadurch besser, dass dies teilweise schon der Fall ist.

      Und nur weil die DDR jetzt 25 Jahre her ist, bedeutet das nicht, dass die Fehler von damals jetzt weniger verheerend wären.

      Zu Ihrem Punkt „Buddenbrock-Syndrom“: Hier liegt genau der Fehler, den ich schon in meinem ersten Beitrag angeführt habe: Sie vergessen, dass eine Erbschaftssteuer schon die Anreize der ersten Generation zerstört. Mit anderen Worten: Wenn bisher die erste Generation Vermögen schafft und verkommen, dann führt eine Erbschaftssteuer dazu, dass schon die erste Generation verkommt. Diejenigen, die das Vermögen aufbauen sollten aber einen höheren Stellenwert in der Betrachtung haben als diejenigen, die nichts dazu beitragen.

      Zum Thema „Renditemaximierung“: Wo bitte gilt das nicht?
      Es gibt keine Gesellschaft, in der Menschen nicht versuchen, ihren persönlichen Nutzen zu maximieren. Kein Bäcker backt ein Brötchen, weil er möchte, dass es Ihnen gut geht, sondern nur aus eigenem Interesse.
      Es gibt nichts geschenkt, Herr Stöcker. Jeder handelt letztlich aus eigenem Interesse.

      Zum Punkt Finanztransaktionssteuer: Nur weil die OECD etwas schreibt, ist das noch lange nicht richtig. Schon die Annahmen sind falsch, zum Beispiel, dass die Finanzbranche vor der Krise dereguliert wurde.
      Im Gegenteil: Vor der Finanzkrise hat die Regulierung der internationalen Finanzmärkte laut Economist Intelligence Unit eher zu- als abgenommen.

    • Herr Hirtenenbach,
      ja, wir leben in einer (repräsentativen) Demokratie. Von daher stelle ich hier Vorschläge zur Diskussion, die im Rahmen des legislativen Prozesses in Gesetzesform gegossen werden können. Mit Dummheit der Bürger hat dies alles nichts zu tun; vielmehr mit Machtverhältnissen. Es gibt aber auch aus meiner Sicht viele Regeln, die mehr schaden als nützen. Die Regulierungsexzesse im Finanzsektor in Folge der Finanzkrise zählen mAn in großem Maße dazu. Aber eine bessere Regierungsform jenseits der Demokratie wurde bislang noch nicht gefunden.

      „Sie vergessen, dass eine Erbschaftssteuer schon die Anreize der ersten Generation zerstört.“ Nein, dies vergesse ich nicht, bin aber im Laufe der letzten Jahre hinsichtlich der Relevanz zu einer anderen Einschätzung gelangt als Sie.

      „Diejenigen, die das Vermögen aufbauen sollten aber einen höheren Stellenwert in der Betrachtung haben als diejenigen, die nichts dazu beitragen.“

      Korrekt! Von daher gibt es auch hohe Freibeträge und Erbschaftssteuersätze unterhalb der Einkommenssteuersätze. Und die Erbengeneration kann so wieder unter Beweis stellen, dass realer (nicht monetärer) Vermögensaufbau wichtiger ist als Erben.

      „Es gibt nichts geschenkt, Herr Stöcker. Jeder handelt letztlich aus eigenem Interesse.“ Auch dieser Aussage kann ich zustimmen. Nur: Mein eigenes Interesse ist unauflöslich mit einem kollektiven Interesse verbunden. Ich bin auch nur ein winziger Teil des Ganzen und Revolutionen enden selten friedlich.

      „Vor der Finanzkrise hat die Regulierung der internationalen Finanzmärkte laut Economist Intelligence Unit eher zu- als abgenommen.“

      Auf welchen Zeitraum bezieht sich denn diese Studie der EIU und um welche Regelungen hat es sich gehandelt? https://www.spiegel.de/politik/deutschland/koalitionsausschuss-die-verdraengten-suenden-der-heuschrecken-baendiger-a-611329.html. Zusätzlich empfehle ich noch das Interview von Barry Eichengreen von heute in der Wochenzeitung DIE ZEIT (leider nicht oder noch nicht online verfügbar).

      LG Michael Stöcker

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