Fazit – das Wirtschaftsblog

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Für alle, die’s genau wissen wollen: In diesem Blog blicken wir tiefer in Börsen und andere Märkte - meist mit wissenschaftlicher Hilfe

3 Prozent Wachstum wären gut für China

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An den internationalen Finanzmärkten wird die ängstliche Frage aufgeworfen, ob China auf mittlere Sicht ein jährliches Wirtschaftswachstum zwischen 6 und 7 Prozent im Jahr schaffen kann. Der bekannte Harvard-Ökonom Robert Barro sagt: 3 bis 4 Prozent sind realistisch – und es wäre ein sehr guter Wert.

„Dem eisernen Gesetz der Konvergenz“ kann auf die Dauer kein Land entgehen, schreibt Robert Barro in einem neuen Papier. Und das heißt: China wird es auch nicht können. Dieses eiserne Gesetz läuft darauf hinaus, dass China in den kommenden Jahrzehnten mit einer jährlichen Wachstumsrate von 3 bis 4 Prozent wachsen kann. Dies wäre aus Barros Sicht ein völlig ausreichender Wert. Er benutzt den englischsprachigen Ausdruck „great accomplishment“. Barro stützt seine Überlegungen auf einen Vergleich Chinas mit anderen Ländern, die in den vergangenen Jahrzehnten eine dynamische wirtschaftliche Entwicklung erlebt haben.

Der bekannte amerikanische Ökonom gelangt zu dem Schluss, dass China seit 1990 beeindruckende wirtschaftliche Wachstumsraten erzielt hat, die es in die Gruppe der Länder mit mittlerem Pro-Kopf-Einkommen aufsteigen ließen. In dieser Gruppe findet man Länder wie Costa Rica, Indonesien, Peru, Thailand und Uruguay.

Der nächste Schritt bestünde für China darin, in die Gruppe der Länder mit hohem Pro-Kopf-Einkommen aufzusteigen. Eine neuere Fachliteratur behauptet nun, dass viele Länder damit scheitern, weil es eine Art „Falle“ gäbe, die diese Länder auf ihrem Niveau verharren lassen. Der Fachausdruck heißt „middle-income trap“. Das Argument geht wie folgt: Länder verdanken ihren wirtschaftlichen Aufstieg in die mittlere Kategorie Exporten in die reichen Länder, wobei niedrige Löhne für die Wettbewerbsfähigkeit sorgen. Der Eintritt in die mittlere Kategorie geht aber mit steigenden Löhnen einher, und wenn dann die Produktivität nicht deutlich zulegt, verlieren die Länder Wettbewerbsfähigkeit und steigen nicht weiter auf. Als ein Beispiel für ein solches Land wird gelegentlich Brasilien genannt.

Barro findet dieses Konzept nicht überzeugend und vor allem findet er es nicht auf China anwendbar. Dort hält er auf Sicht von mehreren Jahrzehnten wirtschaftliche Wachstumsraten von 3 bis 4 Prozent pro Jahr für möglich. Sie wären ausreichend, um China auf längere Frist in die Kategorie der Länder mit hohem Pro-Kopf-Einkommen aufsteigen zu lassen. Jetzt müssen nur noch die Teilnehmer an den internationalen Finanzmärkten akzeptieren, dass die derzeit noch ausgewiesenen offiziellen chinesischen Wachstumsraten auf Dauer völlig illusionär sind.