Fazit – das Wirtschaftsblog

Fazit - das Wirtschaftsblog

Für alle, die’s genau wissen wollen: In diesem Blog blicken wir tiefer in Börsen und andere Märkte - meist mit wissenschaftlicher Hilfe

Sind die Reichen wirklich so reich?

| 22 Lesermeinungen

Oxfam behauptet: Die 62 Reichsten der Erde haben mehr Vermögen als die halbe Weltbevölkerung. Doch an dieser Studie gibt es viel Kritik. Oxfams Ungleichheits-Forscher Jörg Nowak widerspricht. Ein Mailwechsel.

Yachten für die Reichen.Yachten für die Reichen.

Sehr geehrter Herr Bernau,

Sie haben in Ihrem Beitrag „Wer ist am gutesten?“ Oxfam dafür kritisiert, dass wir uns bei der Berechnung der Vermögensungleichheit auf das Nettovermögen beziehen, das Schulden einschließt. Sie schreiben, dadurch würde jemand, der einen Kredit für den Kauf eines Autos aufnimmt, zu den ärmsten zehn Prozent der Weltbevölkerung zählen. Die Rechnung ist aber falsch: Wer Autos oder Immobilien mit einem Kredit erwirbt, gehört nicht zu den ärmsten zehn Prozent der Weltbevölkerung, weil der Wert des Autos oder der Immobilie mit dem Kredit verrechnet wird.

Der Kern unserer Aussage liegt darin, dass der Anteil des reichsten Prozents am globalen Vermögen seit 2008 stetig ansteigt, im letzten Jahr hat er die 50-Prozent-Marke überschritten. Dabei geht es nicht um die Frage des nackten Überlebens, sondern darum, ob die Mehrheit an dem von ihr geschaffenen Wohlstand teilhaben kann – das ist eine Frage der Demokratie und des sozialen Zusammenhalts von Gesellschaften.

Oxfam kritisiert eben diese Form der ungleichen Entwicklung und ein Wirtschaftsmodell, das zu eklatanter Ungleichheit führt. Ein erster Schritt, sich die Verfügung über den Wohlstand wiederzuholen, den wir alle erarbeitet haben, wäre der konsequente Kampf gegen Steuervermeidung. Länder im Süden des Globus verlieren jedes Jahr 100 Milliarden Dollar durch Steuervermeidung, den Staaten fehlt damit Geld, um effektive Bildungs- und Gesundheitssysteme aufzubauen. Dort liegen die Probleme, nicht beim Kredit für das neue Auto.

Mit besten Grüßen
Jörg Nowak

 

Sehr geehrter Herr Nowak,

mit Immobilien mögen Sie Recht haben, mit Autos nicht. Wenn der Wert des Autos schneller sinkt, als der Kredit getilgt wird – dann bleibt ein Nettokredit, und der Autobesitzer gehört in Ihrer Rechnung zum ärmsten Zehntel. Der Wertverfall bei Autos geht so schnell, dass das bei quasi jedem Autokredit der Fall ist. Deshalb habe ich die Autos als Beispiel gewählt und nicht die Immobilien.

Aber das ist ja nur ein technisches Detail. Mich stört, dass Sie die fundamentalen Fortschritte im Welt-Wohlstand und in der Verteilung dieses Wohlstands leugnen. Es waren die weltweit Armen, die in den vergangenen Jahren reicher geworden sind. Gucken Sie sich noch mal diese Animation an:


Dabei geht es nicht nur um das nackte Überleben. Eine neue globale Mittelschicht entsteht, und Sie tun so, als sei das Gegenteil der Fall.

Das liegt auch daran, dass Ihre Statistik nicht so weit trägt, wie Sie sie interpretieren. Im Jahr 2010, kurz nach der Immobilienblase, galten laut den Zahlen 2 Millionen Einwohner der Vereinigten Staaten als so verschuldet, dass sie zum ärmsten Zehntel der Welt gehörten. 2015 waren es 70 Millionen – das wäre jeder Fünfte! Die 70 Millionen kommen mir schon ziemlich seltsam vor. Der Zeitvergleich aber wird auf jeden Fall zum Problem: Die neu gezählten Schulden von 68 Millionen Amerikanern lassen es so aussehen, als wären die Ärmsten der Welt ärmer geworden. Dabei ist nur etwas die Statistik seltsam. Das können Sie nicht ernst meinen.

Beste Grüße

Patrick Bernau

 

Sehr geehrter Herr Bernau,

Ich habe die Immobilien nicht zufällig erwähnt – in Europa besitzen mehr Menschen Immobilien als Autos.

Aber halten wir uns nicht bei diesem Detail auf. Wichtiger scheint mir, dass Sie Armut und Ungleichheit verwechseln. Muss man das einem FAZ-Redakteur wirklich erklären? Dass 1 Milliarde Menschen zwischen 1990 und 2015 aus der extremen Armut entkamen, erwähnen wir in unserem Bericht zur globalen Ungleichheit ausdrücklich. Doch auch wenn die Allerärmsten ihre Lage verbessern, kann die globale Ungleichheit steigen, so lange die Reichsten noch mehr dazu gewinnen.
Zwar ist die Mittelschicht in China enorm gewachsen, ihr steht jedoch ein riesiges Heer von mehreren Hundert Millionen Wanderarbeitern gegenüber, die kaum soziale Absicherung genießen und unter katastrophalen Bedingungen arbeiten.

Mit der enormen Konzentration von Vermögen und Besitz an der Spitze geht auch ein überproportionaler Einfluss der Elite auf die Politik einher. Der Soziologe Michael Hartmann hat in einer Studie herausgefunden, dass gerade in der Steuerpolitik die Eliten in Deutschland fundamental andere Auffassungen vertreten als die Mehrheit der Gesellschaft. Die Steuerpolitik in den vergangenen 20 Jahren orientiert sich jedoch eng an den Vorstellungen der Eliten.

Kann man wirklich noch von funktionierender Demokratie reden, wenn in Dax-Konzernen Manager 43mal so viel verdienen wie durchschnittliche angestellte Beschäftigte? In China beträgt das Verhältnis sogar 200:1, und in den USA 300:1.
Der Wachstumszyklus nach der Wirtschaftskrise 2008 war der erste seit mehr als 100 Jahren, in dem in den USA die ärmsten 80 Prozent real an Einkommen verloren haben. Das reflektiert sich auch in der Verschuldung eines Teils der Bevölkerung.

Mit besten Grüßen
Jörg Nowak

Sehr geehrter Herr Nowak,

es gibt viele Fragen, über die man diskutieren kann: Ist die Steuerpolitik so, weil sie sich an den Vorstellungen der Eliten orientiert – oder weil es dafür gute Gründe gibt, die die Eliten mittels ihrer Ausbildung erkennen? Können die Gehälter von Vorstandschefs in westlichen Ländern wirklich eine Demokratie untergraben? Oder zeigt der amerikanische Wahlkampf gerade, dass am Ende doch nicht das Budget entscheidet?

Oder: Können sich selbst die Wanderarbeiter in China nicht oft ihre Stellen aussuchen? Müssen nicht die Unternehmen Gehälter erhöhen, damit die Arbeiter am nächsten Tage überhaupt noch auftauchen? Wächst nicht der Wohlstand auch in vielen anderen Ländern, die sich dem Handel geöffnet haben?

All das sind spannende und wichtige Fragen. Umso entscheidender ist, dass man sie auf einer guten Datengrundlage diskutiert. Die Weltbank, die die globale Armut bekämpft, zeigt in ihren Daten deutlich: Nicht nur die globale Armut schrumpft, sondern auch die Ungleichheit. Ihre Zahlen dagegen überzeugen mich nicht.

Sie sagen, dass es in China noch vielen Menschen schlecht geht. Aber wer die Daten zu Ihrer Studie liest, muss zu einem anderen Schluss kommen. Immerhin gibt es in Ihrer Studie 100-mal so viele arme Amerikaner wie arme Chinesen. Da widersprechen Sie sich selbst. Wie soll’s denn jetzt sein? Ich schlage vor: Vergessen Sie Ihre Armutsstudie, und arbeiten Sie mit richtigen Zahlen.

Beste Grüße
Patrick Bernau

 

Sehr geehrter Herr Bernau,

„Grau ist alle Theorie, aber entscheidend ist auf’m Platz“, wusste schon Adi Preißler, Kapitän der legendären Dortmunder Meistermannschaft von 1956/57. Und auf dem Platz, sprich in der Realität, liegen die Dinge einfach etwas anders, als Sie es mit Ihren Fragen suggerieren. Nein, die Eliten wissen nicht besser, welche Steuern sinnvoll sind, sie haben einfach schnöde Interessen, die sie leiten. Nein, Wanderarbeiter in China können sich ihre Stellen nicht aussuchen wie ein deutscher Abiturient, der überlegt, ob er BWL oder Jura studieren möchte. Auch wenn sie Wahlfreiheit haben, in welchem Unternehmen sie arbeiten, müssen sie doch in allen diesen Stellen 10-11 Stunden täglich arbeiten.

Die eigentliche Frage ist, warum Sie noch behaupten, unsere Zahlen seien nicht valide, während Ihr Kollege Rainer Hank von der FAS unsere Diagnose längst bestätigt. In seinem Text „Lob der Ungleichheit“ macht er aus der wachsenden sozialen Kluft gar keinen Hehl, verteidigt diese jedoch als Motor des Fortschritts. Nur: Wessen Fortschritt? Von den Früchten der wirtschaftlichen Entwicklung profitiert jedenfalls immer weniger die breite Mehrheit, von Verteilungsgerechtigkeit kann keine Rede sein. Das weiß nicht nur Ihr Kollege, das wissen auch OECD, IWF und das DIW.

Lassen Sie uns deshalb aufhören, über die Validität unserer Zahlen zu streiten und vielmehr darüber reden, welche Gesellschaft wir wollen. Wir sind der Überzeugung, dass mangelnde Verteilungsgerechtigkeit ein Problem für den Zusammenhalt von Gesellschaften und unser demokratisches System ist. Sie offenbar nicht.

Mit freundlichen Grüßen
Jörg Nowak

 

Sehr geehrter Herr Nowak,

wenn Sie von den Zahlen weg sind, dann finde ich das ja schon mal gut. Mein Kollege Rainer Hank allerdings beschreibt die Ungleichheit zum Glück viel differenzierter, als Sie das jetzt sagen. Mit ihm bin ich mir vollkommen einig. Lesen Sie doch noch mal nach!

Dann sind wir aber schon bei der nächsten Frage: Was ist Verteilungsgerechtigkeit? Wenn jeder das hat, was er erwirtschaftet? Wenn jeder gleich viel hat? Oder irgendwo dazwischen? Auch diese Debatte wird noch geführt werden.

Beste Grüße
Patrick Bernau

17

22 Lesermeinungen

  1. Wieso gibt es eigentlich Menschen ...
    …. die ein Problem damit haben, dass es einige sehr wenige Menschen gibt, die unglaublich reich sind?

    Ich finde diese Debatte nur noch albern. Anscheinend finde es einige Menschen unangenehm, dass es so einen extremen Reichtum bei eingen wenigen gibt.

    • Macht
      Es hat durchaus Relevanz als Faktor der Macht. Die existiert.
      Zurück zu Nowaks Erklärung:

      „Dabei geht es nicht um die Frage des nackten Überlebens, sondern darum, ob die Mehrheit an dem von ihr geschaffenen Wohlstand teilhaben kann…“

      Diese Aussage hat als Untergrund also, das die Mehrheit *nicht* an dem geschaffenen Wohlstand teilnimmt sondern das wenige den geniessen… impliziert das die 62 reichsten Personen gewissermaßen den Wohlstand von Milliarden Menschen „aufbrauchen“. Das geht „in Person“ offensichtlich nicht.
      Wo es gehen könnte kann man ggfs. sichtbar machen in Abkoppelungen von Vermögenswirtschaft von der Realwirtschaft auf der einen Seite und auf der anderen Seite auf der volkswirtschaftlichen Ebene wenn es um Staatsverschuldungen geht (z.B erwirtschaftetes von Ländern der Südhalbkugel nach Norden transferiert wird).

      Beides wird von Oxfam jedoch m.E. nicht und/oder nicht so dargestellt. Das Fokkussieren auf Vermögen weniger hilft dem unterstellt wohlmeinenden nur auf derEbene der Polemik.

    • "an dem von ihr geschaffenen Wohlstand"
      Hier wird Wohlstand vom Subjekt abstrahiert, als möglich wäre, Wohlstand in der Luft, den niemandem gehört, zu haben. Die Macht aus dem Vermögen kann eben Wohlstand bringen, für den Vermögenden und für andere, oder Wohlstand hindern, kann konstruktiv oder destruktiv sein. Beides ist möglich.

  2. Ungenaue Messung
    Guten Tag Herr Bernau,

    in diesem Kontext erscheint mir doch die Messmethoden auch sehr fragwürdig, wenn auch anders.

    Aus dem Bauch heraus:
    Wie sieht es aus, wenn es 10 Grundstücke gibt – 5 auf der Nordhalbkugel und 5 auf der Südhalbkugel (jeweils 3 gehören Mister X, 2 gehören Mister Y).
    Im Norden nehmen 3 weitere Menschen je 100 Euro Kredit auf und kaufen sich je ein Grundstück für das Geld bei Mister X. Mister X kauft sich ein Grundstück bei Mister Y für 200 Euro.

    Stand nun:

    Südhalbkugel: Wert 0 [Bewertung 0 Wert abzgl. 0 Schulden]

    Nordhalbkugel:
    300 EUR geschaffenes Schuldgeld
    3 Grundstücksbesitzer [je 100 Wert ./. 100 Schuld= 0]
    1 Grundstücksbesitzer [Mister X; 200 EUR Wert Grundstück ./. 200 EUR Schuld zzgl. 100 EUR auf dem Konto ]
    Mister Y… und nun wird es interessant. Der Mann hat nun die 200 EUR Kaufpreis in der Hand und besitzt ein Grundstück. Doch welchen Wert besitzt dieses Grundstück? Der Bezugspunkt bei der Bewertung des Grundstückes wird anhand des Wertes und der Menge (und einer unterstellten „Umschlaggeschwindigkeit“, sagen wir herstellen/vernichten) des zirkulierenden Schuldgeldes und potentieller Käufer indirekt ermittelt.

    Das kann durchaus dafür sorgen das sowohl dieses Grundstück welches noch nie verkauft wurde als auch alle anderen Grundstücke mit nur 300 EUR „vorhandenem“ Geld unheimliche Werte(tm) erlangen. Vermögens-Messungen so betrieben sind für die betriebene Verwendungsart nahezu wertlos in meinen Augen, denn sie spiegeln mehr Besitzverhältnisse als tatsächlichen Wohlstand wieder. Zu deren Messung ungeeignet.

    Grüße

    aloa5
    logicorum

  3. Einkommen und Vermögen
    Einkommen und Vermögen sind zweierlei Paar Schuhe: ein bestimmter Bauer mag zwar ein bescheidenes Einkommen haben, aber durch seinen Landbesitz ist er vermögend. Eine Italienische Großfamilie wohnt in der eigenen Villa auf dem Land. Jedes Familienmitglied bringt nur ein bescheidenes Einkommen mit, jedoch sind sie vermögend.

    Ein Gegenbeispiel: Ein Rentnerehepaar in Deutschland lebt seit 30 Jahren günstig in einer ehemaligen Sozialwohnung zur Miete. Beide beziehen eine Rente, die Ihnen ein gutes Einkommen beschwert. Beide haben jedoch kein Vermögen, weil ihre Rentenansprüche in erheblicher Höhe nicht mit berücksichtigt werden. In den Skandinavischen Ländern ist es nicht anders: den Beschäftigten wird schon während ihrer produktiven Zeit ein Großteil ihres Einkommens zur Umverteilung und sozialen Absicherung abgenommen. Da bleibt für die private Altersvorsorge oft nicht viel übrig. Vermögen Fehlanzeige, aber es geht ihnen dennoch viel besser als der Italienischen Großfamilie und dem Bauer mit Grundbesitz.

    • vorsicht mit Bilanzierung
      @Andreas Grünebaum
      Das Rentnerehepaar mag wenn man die „Bilanzierung“ der Ansprüche in die Zukunft einrechnet mehr Vermögen besitzen. Andere hätten dann weniger Vermögen, da sie zu zahlen haben. Das sind jedoch ebenfalls äußerst unseriöse Berechnungen welche gerne einmal ins Feld geführt werden – z.B. aus manchen Ecken welche mal gerne ausrechnen wie hoch die „Minus-Vermögen“ aus Pensionszahlungen der Zukunft in Deutschland aussehen.

      Man kann aber anhand dieser „Berechnung“ (=Deutschland Pleite durch die Pensionsverpflichtungen) durchaus festmachen woran „Vermögens“-Ansichten scheitern können. Da bildet sich jeder seine persönliche – je nach Gusto.

      Eine Achse an welcher es sich „dreht“ ist m.E. die Achse Vermögenswirtschaft/Realwirtschaft. Das ist z.T nicht oder nur bedingt gekoppelt, weshalb „realwirtschaftliche“ Armut wohl eher nicht alleinig an Vermögenswerten gemessen werden sollte.

      Grüße
      aloa5
      logicorum

  4. Wieso wird hier nicht der "unsinnige" Gini-Koffizient erwähnt?
    Wieso wird hier nicht der „unsinnige“ Gini-Koffizient erwähnt?
    Unsinnig deshalb, weil er das Ideal „vollkommener Gleichheit“ z.B. auch dann erreicht, wenn wir alle gleich arm wären, also z.B. alle nur 1 Dollar oder von mir aus 1 Euro o.ä. pro Tag zur Verfügung hätten.
    Gleichheit führt zu Armut für alle und Ungleichheit zum Wohlstand für alle.
    Paradox, aber es ist so.
    Das zu erläutern, bedarf viel mehr Zeit und Worte.

  5. Ach meine Herren Nowak und Bernau ...
    … Sie kommen mir vor wie zwei, die sich in einem Wirtshaus gemeinsam eine Flasche zweitklassigen Wein an den Tisch bestellt haben und beim Trinken beide besitzergreifend auf das Level der einen Flasche starren, dass der eine sich keinen Tropfen mehr ins Glas schenken kann als der andere.

    Dies, während ein fetter Mann am Nebentisch bei einem reich gedeckten Tisch den Bauch vollschlägt und danach rülpsend die Rechnung an die Gesellschaft schicken lässt, während er die Kaschemme verlässt.

    Wie schon beim ersten Artikel geschrieben bekämpft keiner Ungleichheit, aber sehr viele UngeRECHTigkeit.
    Lassen Sie uns gemeinsam Business-Crime, also Wirtschaftskriminalität bekämpfen.

    Haben Sie sich schon mal gefragt, wieso bei internationalen Konzernen beim Kartellrecht (Preisabsprachen) zwar Bussen in Millionenhöhe ausgesprochen werden, das einhergehende Geschäftsmodell aber im Milliardenbereich liegt und weitergeht? Bezahlen muss die Busse der Konzern und damit der Kunde mit dem Preis, während dieser selbst der Geprellte ist und gleich zweimal für Dritte bezahlt. Und dies, während keiner weiss, wohin das Bussgeld fliesst und noch schlimmer im Wissen aller, dass niemals juristische Personen wie Konzerne, sondern nur natürliche Personen wie Manager Preise absprechen können.

    Dies ist Ungleichheit – gar staatlich verordnet und höchstrichterlich abgesegnet.

    PS: Das ist nur ein einziges Beispiel von Dutzenden.

  6. Nachtrag: Nowak ist ein Schwindler
    Er beruft sich auf Rainer Hank von der FAS, welcher die Diagnose von Oxfam „längst“ (wieso eigentlich „längst“, ist das ein Qualitätsmerkmal?) bestätigt habe. In seinem Text „Lob der Ungleichheit“ mache er aus der wachsenden sozialen Kluft gar keinen Hehl. Nowak unterschlägt aber die vielen Argumente, die Hank bringt, um zu belegen, wie unvermeidlich unterschiedliche Entwicklungen sind.

  7. Undurchdacht
    Jörg Nowak arbeitet mit Argumenten, die keineswegs als durchdacht gelten können. Eliten haben nach seinem Darfürhalten lediglich „schnöde“ Interessen, die Arbeiter und Bauern haben höherwertige Interessen? Da zeigt sich bereits ein Ressentiment. Alle Arbeiter in China müssen 10 bis 11 Stunden arbeiten. Stimmt das? Und arbeiten nicht auch gut verdienende Manager überdurchschnittlich? Von den Früchten des Fortschritts in der Liberalisierung des Handels und Wirtschaftens profitieren nachweislich immer mehr Menschen; auf die Zahlen hat Herr Bernau hingewiesen. Was wäre Verteilungsgerechtigkeit? In den Augen von Herrn Nowak offenbar eine Einkommensverteilung, die unabhängig ist von wirtschaftlicher Leistung. Auch wer wenig bis nichts zum Wohlstand beiträgt, soll von der Leistung anderer profitieren. Aber das ist in unserem „Kapitalismus“ schon oftmals der Fall! Das bedingungslose Grundeinkommen würde zwar Einkommen nivellieren, wäre aber grundsätzlich ungerecht und ungleich. Mit Demokratie hat das alles nicht zu tun. Nein, die Oxfam-Studie ist für die Tonne.

  8. Ungleichheit
    Mir drängt sich der Eindruck auf, dass es Herrn Nowak lediglich um seine politische Botschaft geht. Überall wird von Gleichheit gesprochen. Dabei ist diese Gleichheit politisches Wunschdenken. Wir alle sind unterschiedlich, in Aussehen, Größe, Haarfarbe, Intelligenz und beruflichem Erfolg. Entscheidend ist, was der Einzelne aus seinen Möglichkeiten macht. Diese Eigenverantwortung wird jedoch insbesondere im sozialistischen Gedankengut negiert. Selbst wenn es möglich wäre, zu einem festen Termin die 7 Milliarden Menschen auf dieser Welt mit demselben Geldbetrag auszustatten, so wären nach wenigen Jahren die Unterschiede wieder außerordentlich groß.

  9. Ungleich. Na und ?
    Wir alle sind ungleich und zwar in viel wichtigeren Punkten als beim schnöden Mammon: Gesundheit, Intelligenz, Lebenserwartung, Familie, Freunde, Freude, Schönheit usw. Und das ist gut so.

    Selbst wenn die Schere auseinander ginge: Entscheidend ist doch, dass auch die untere Klinge nach oben geht. Und das tut sie. Weltweit und auch bei uns. Und zwar gerade weil (und nicht obwohl) die obere Klinge steigt.

  10. Gerechtigkeit & Gleichheit?
    Zunächst einmal danke an die Kontrahenten für den interessanten und aufschlussreichen Briefwechsel. Das sollte es öfter geben.
    Am Ende bleibt für mich der Eindruck, dass es Herrn Nowak jedenfalls weniger um die Zahlen, sondern um seine politische Agenda geht, die man vermutlich bei der Linken mit heftigem Kopfnicken begleitet. Dadurch wird sie aber nicht stimmiger.
    Wie viel ein Dax-Vorstand verdient (oder auch ein Bundesliga-Spieler oder Top-Künstler, die natürlich immer übersehen werden, wenn es gegen das böse Kapital geht), ist keine Frage der Demokratie. Denn das Gehalt beschließt kein Parlament, sondern die Eigentümer. Und denen sollte man schon selbst überlassen, wen sie für wie viel einstellen. Dass mancher Top-Manager überbezahlt ist, geschenkt.
    Klar wird jedenfalls, dass immer wenn von Gerechtigkeit und Gleichheit gefaselt wird, gefühlsmäßig argumentiert wird. Bei solch schwammigen Begriffen hat halt jeder seine eigene Wahrheit. Was hätte denn Herr Nowak gerne? 75% Spitzensteuersatz? Und wäre das gerecht?
    Das Problem sind bei uns wohl eher nicht die Reichen als der deutsche Staat. Hätten wir in Deutschland das Steuerniveau der USA und keine staatlich gewünschten Niedrigzinsen, wäre mein persönlicher Wohlstand vermutlich mindestens doppelt so hoch als wie er sich tatsächlich darstellt. Dann wäre es mir auch wurscht, wenn der der Reichen dreimal so hoch wäre.

    • Ja und nein!
      Natürlich bedeutet Gleichheit nicht Gerechtigkeit! So geht die Forderung eines astronomischen Spitzensteuersatzes völlig an der diskutierten Problematik und auch an den Hauptargumenten von Hr. Nowak vorbei! Wer bei 0 € startet wird, egal ob Reinigungsfachkraft oder Top-Manager, zu Lebzeiten niemals zu diesen kritisierten 1% der Bevölkerung gehören. Der zahlt ja eben 45 % Steuer! Würden Sie gerne seine Arbeitszeiten, den Stress, keine Freizeit haben wollen? Dann sei ihm das Gehalt gegönnt!
      Wo liegt die Ungerechtigkeit?
      Das Kapital wird nur sehr schwach besteuert! Während der sich totarbeitende Manager 45% seiner Einkünfte an den Staat berappt, zahlt der Vermögende 25% Abgeltungssteuer. Von Stiftungen der Reichen zum Wohle ihrer Familie zu Steuervermeidungsstrategien ihrer Unternehmen gibt es viele Beispiele wie sich „die Elite“ selbst bedient und Ihre Macht ausbaut.
      Die Forderung von Hr. Nowak ist die Gemeinschaft mehr vom erarbeiteten Wohlstand teilhaben zu lassen!
      Was sind die Auswege?
      Kampf gegen Steuervermeidung großer Unternehmen reicher Privatpersonen (z.B. Vermögenssteuer ab 1 Mio. €), Reform der Erbschaftssteuer, Abschaffung der Abgeltungssteuer  Rückkehr zum persönl. Steuersatz, Durchsetzung/Erhöhung des Mindestlohns (Was ist Arbeit wert, wenn sie nicht zum Leben reicht? Staat muss sonst so oder so zahlen), Kauf von Unternehmensbeteiligung (z.B. ETF’s, Vorzugsaktien, keine Verstaatlichung) in Rentenfonds, …
      Natürlich kann man mit diesen Mitteln auch mal wieder eine intakte Mittelschicht in Deutschland herstellen, keine bloße Umverteilung auf Nichtarbeitende;)

Kommentare sind deaktiviert.