Fazit – das Wirtschaftsblog

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Für alle, die’s genau wissen wollen: In diesem Blog blicken wir tiefer in Börsen und andere Märkte - meist mit wissenschaftlicher Hilfe

Was Frauen wirklich wollen

| 30 Lesermeinungen

Neue Zahlen stellen die gesamte Quotendiskussion in Frage.

© ReutersEine Ingenieurin mit hohem Verdienst: General-Motors-Chefin Mary Barra

Was muss passieren, damit Frauen so viel verdienen wie Männer? Sie müssten endlich mal andere Berufe wählen, heißt es häufig: Viel zu oft suchten Frauen Berufe mit familienkompatiblen Arbeitszeiten oder soziale Berufe mit kleinen Gehältern. In den technischen Berufen, da gibt es Geld zu verdienen: für Ingenieure und Informatiker. Wenn diese Berufe für Frauen attraktiver würden, dann könnte auch die Gehaltslücke zwischen den Geschlechtern schrumpfen. Also organisieren wohlmeinende Emanzipatoren Girl’s Days, damit Mädchen mal die Technik kennenlernen, und Boy’s Days, damit die Jungen vielleicht Spaß an der Altenpflege finden. Doch neue Studien säen Zweifel daran, ob das in der Praxis tatsächlich so funktioniert.

Nicht jede dieser Studien ist schon zum Nachlesen veröffentlicht. Eine sehr prägnante Studie steht aber schon in einer psychologischen Fachzeitschrift, und zwar von Gijsbert Stoet in Leeds und David Geary in Columbia. Die beiden haben für verschiedene Länder verglichen, wie viele Frauen dort mathematisch-naturwissenschaftliche Berufe wählen. Die englische Abkürzung ist „Stem“: Naturwissenschaft, Technologie, Ingenieurwesen und Mathematik. In diesem Vergleich lag die erste Überraschung: Je weiter die Gleichberechtigung in einem Land war, desto weniger Frauen wählten die Stem-Fächer.

Gleichberechtigung maßen die Autoren nicht nur am Gehalt. Sie verwendeten den Index des Weltwirtschaftsforums, der zudem die Bildungschancen von Frauen, ihre politische Macht und ihre Gesundheit berücksichtigt. Ganz oben stehen skandinavische Länder wie Finnland und Norwegen, doch in beiden Ländern sind nur 20 Prozent der Stem-Absolventen Frauen. In Algerien geht es Frauen deutlich schlechter als Männern, dort aber stellen Frauen fast die Hälfte der Absolventen. So geht es durch die unterschiedlichen Länder – der Trend ist überraschend klar.

Frauen sind in Naturwissenschaften gut, aber im Lesen noch besser

Woran liegt das? An den Leistungen der Schüler. Die haben die Forscher anhand der Pisa-Tests gemessen. Nun sind Mädchen in Naturwissenschaften nicht generell schlechter als Jungen – im Gegenteil: Die beiden Geschlechter sind weltweit ungefähr gleich stark. Aber das gilt nur für die Naturwissenschaften, nicht fürs Lesen. Im Lesen sind die Mädchen besser – und der Abstand wird größer, wenn die Gleichberechtigung voranschreitet. Das hat eine folgenschwere Konsequenz: Für die meisten Jungen sind Mathematik und Naturwissenschaften ihre starken Fächer, dort fühlen sie sich sicher, das Lernen macht ihnen Spaß. Mädchen sind zwar oft nicht schlechter als die Jungen, aber ihre persönliche Stärke liegt trotzdem eher beim Lesen. In den Naturwissenschaften fühlen sie sich dann eher mal unsicher. Das gilt umso stärker in besonders gleichberechtigten Staaten.

Die Autoren sehen einen Zusammenhang zum Sozialstaat: Länder mit hoher Geschlechtergleichheit seien oft Wohlfahrtsstaaten, in denen das Lebensglück nicht so extrem vom Beruf abhänge. Deshalb fühlten sich die Frauen in diesen Ländern freier dazu, ihren wahren Neigungen nachzugehen. In den anderen Staaten dagegen treibe wirtschaftlicher Druck die Frauen dazu, technische Berufe zu wählen, die oft besser bezahlt würden.

Je weiter die Gleichberechtigung, desto größer die Unterschiede

Stoet und Geary sind längst nicht die Einzigen, die feststellen: Je weiter ein Land sich entwickelt und je weiter die Gleichberechtigung fortschreitet, desto eher unterscheiden sich Wünsche und Neigungen zwischen den Geschlechtern. Die Geschlechterunterschiede beginnen schon früh. Schon im Alter zwischen drei und acht Monaten gucken sich Mädchen lieber die Puppe an, Jungen den Spielzeuglaster – diese Studie aus Texas ist nur eine von vielen, die zu ähnlichen Ergebnissen kommen.

Nun haben die Vorlieben der Geschlechter großen Einfluss darauf, was Männer und Frauen in ihrem Berufsleben verdienen. Wenn Männer eher in die lukrativen Technik-Berufe gehen, haben sie schon mal einen Vorteil. Männer sind auch eher bereit, in Wettbewerb mit anderen Leuten zu treten – also haben sie größere Chancen, so einen Wettbewerb zu gewinnen. Das mag man noch mit Frauenquoten bekämpfen können. Aber wenn diese neuen Ergebnisse stimmen, werden Quoten geradezu schädlich: Dann gibt es zum Beispiel in IT-Konzernen besonders wenige Frauen, aber sie sollen die Hälfte der Führungskräfte stellen. In diesem Fall ist programmiert, dass Frauen nur aus Quotengründen befördert werden.

Frauen verdienen sogar bei Uber weniger

Unterschiedliche Vorlieben der Geschlechter können sogar innerhalb des gleichen Berufs dazu führen, dass Frauen weniger verdienen. Das hat kürzlich ein Team um den bekannten Experimental-Ökonomen John List herausgefunden, der inzwischen auch Chefökonom des Fahrdienstleisters Uber ist. Die Forscher untersuchten die Stundenverdienste sämtlicher Uber-Fahrer in Amerika von 2015 bis 2017 – insgesamt flossen Daten von fast zwei Millionen Fahrern in die Analyse. Nun hängt die Bezahlung der Uber-Fahrer ja von vielem ab: von der Länge der Strecke, von der Fahrtzeit. Davon, ob sie mehrere unterschiedliche Leute mitnehmen. Von Angebot und Nachfrage. Aber eines ist dem Algorithmus komplett egal: das Geschlecht der Fahrer. Trotzdem verdienen Männer, die für Uber fahren, je Stunde ungefähr sieben Prozent mehr als Frauen.

Dafür nennen die Forscher drei Gründe. Einer davon kann auf äußere Umstände zurückgeführt werden: Frauen arbeiten seltener zu unbeliebten Zeiten und in unbeliebten Gegenden, in denen man eher mal einen Verdienstaufschlag wegen Fahrermangels bekommt. Das kann daran liegen, dass Frauen zu manchen Tageszeiten und in manchen Stadtteilen nicht fahren wollen. Die anderen Gründe liegen aber voll in der Entscheidung der Einzelnen: Männer fahren mehr Stunden in der Woche als Frauen, sie sammeln also schneller Erfahrung und lernen schneller, wie sie in kurzer Zeit viel Geld verdienen können. Außerdem fahren die Männer schneller. Zwar werden die Fahrer nach Fahrtstrecke und Zeit bezahlt, doch wer schneller fährt und mehr Fahrten in gleicher Zeit schafft, der verdient mehr.

Die sieben Prozent Unterschied sind übrigens ziemlich genau der Mehrverdienst, den Männer auch in Deutschland auf vergleichbaren Stellen gegenüber Frauen haben. Wer diese Lücke schließen will, muss sich offenbar ganz neue Wege ausdenken. Vielleicht muss man die Lesekompetenz der Jungen fördern.

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Der Autor:



Patrick Bernau


30 Lesermeinungen

  1. mickkae sagt:

    Das kann ich bestätigen
    Während meines Informatik Studiums waren zwischen 5 und 10% der Studentenschaft Frauen. In der Regel waren die auch nicht dümmer oder intelligenter als wir Männer.

    Man konnte allenfalls manchmal den Eindruck haben, sie interessierten sich weniger für die Technik. Viele Frauen sind auch nicht wirklich in die Kern-Informatik Themen gegangen (Architektur und Programmierung, Betrieb) sondern eher in die Randbereiche wie UI Design oder Quality Assurance. Manche wurden Projektleiter oder Scrum Master. Oder sie sind in der Uni geblieben.

    Nerds gab es unter uns Männern auch deutlich mehr (in Prozent gerechnet) als bei den Frauen. Ich denke, Männer sind einfach deutlich Technik-affiner als Frauen. Ist ein altes Klischee aber ganz falsch ist es nicht.

  2. nvovn sagt:

    Mathematik und Naturwissenschaften "starke Fächer" der Jungs?!!!
    Ich frage mich, wieso nach DESTATIS 2015/2016 (Fachserie 11 Reihe 4.1, “Bildung und Kultur, Studierende an Hochschulen”) nur 7,6% aller Jungs in ihren doch so “starken Fächern” (Mathematik, Physik, Biologie, Chemie) eingeschrieben sind (was beileibe nicht meint: einen relevanten Abschluss erreichen werden – in der Physik ist das Verhältnis derzeit ca. 5:1). Im übrigen ist die von Stoet und Geary in die erste Grafik (Gender Ratio vs. Gender Gap) hineingezauberte Linearität etwas würdelos…

  3. testthewest2 sagt:

    Danke für diesen Artikel...
    Es unterfüttert, was viele (die Kinder haben) eh schon immer dachten: Es gibt einfach unterschiedliche Tendenzen was die Interessen angeht zwischen den Geschlechtern. Ich habe zwar nur 2 Söhne unter Töchter, doch dort ist es das Gleiche: Die Jungen lieben Autos und Bagger (man möchte meinen bevor sie diese überhaupt richtig gesehen haben. Mähdrescher war eines der ersten Worte die sie sprechen können), während die Mädchen mit einer Leidenschaft basteln und sich verkleiden, da kommen die Jungs nicht ansatzweise mit.
    Und im Erwachsenenalter setzen sich die Dinge, zwar etwas anders geartet, fort: Ich interessiere mich für kompetitive Spiele und Politik, meine Frau macht das bestenfalls mir zu liebe. Umgekehrt kann sie sich mit Leuten über die Nebensächlichkeiten des Lebens unterhalten ohne müde zu werden – ich bin meist nach 30min raus, egal wie sehr ich es versuche.

    Die Preisfrage ist also: Warum muss man das ändern, wenn die Leute glücklicher sind, wenn sie ihren Neigungen folgen dürfen? Wen interessiert der “pay gap” wirklich, wenn doch zu Hause eh das Gesamteinkommen zusammen verbraten wird? Meine Frau hätte 0 davon wenn ich weniger verdiene und sie mehr. Sie kann eh alles haben was sie will.

  4. carlosanton sagt:

    "Frauen sind in Naturwissenschaften gut aber im Lesen noch besser"
    Diese Legende lese ich immer wieder, ohne dass mir jemand dazu belastbare Evidenenz vorlegen konnte. Hingegen sagen alle verfuegbaren Statistiken zu diesem Thema, dass Jungen/Maenner in mathematisch-naturwissenschaftlichen Tests deutlich besser abschneiden als Frauen/Maedchen und auch in verbalen Tests noch signifikant besser abschneiden. Ich koennte dafuer diverse Quellen angeben, begnuege mich aber mit einem Hinweis auf die Auswertung des Scholastic Aptitude/Assessment Test (SAT), der in den USA seit Jahrzehnten durchgefuehrt wird und an dem jeder teilnehmen muss, der an einem College aufgenommen werden will. Das Datenmaterial ist also sehr umfassend, aussagekraeftig und objektiv. Allein in 2017 haben 1.7 Millionen High School Abgaenger den Test absolviert. In Deutschland verzichtet man auf solche Tests. Es koennte die “falschen” Ergebnisse herauskommen.

    • Patrick Bernau sagt:

      In der zitierten Studie sind auch die Ergebnisse von Fähigkeitstests enthalten, zum Beispiel auf Basis der Pisa-Tests. Wenn Sie die Studie lesen, werden Sie die entsprechenden Angaben finden.

  5. ebmile sagt:

    Kurzum: Frauen wählen autonom und eigenverantwortlich - und
    trotz aller Bemühungen das zu ändern – immer noch Berufe/Branchen die schlechter bezahlt werden. Ihr gutes Recht, sie müssen ja nicht auf jeden roten Teppich treten der ihnen längst hingelegt wird. Vermutlich sind sie mit ihrer Schwerpunktsetzung am Ende des – übirgens um 4 Jahre längeren – Lebens sogar glücklicher. D.h. aber auch: Bitte einfach nicht mehr jammern, wenn es dann nicht zwangsläufig zur Vorstandvorsitzenden reicht oder keine Millionen fließen. Das ist nämlich wirklich Emanzipation: das (Berufs-)Wahlrecht haben, es selbständig nutzen – aber dann auch die Konsquenzen tragen.

  6. Werlauer sagt:

    Das Schlachten von heiligen Kühen
    Glückwunsch Herr Bernau,

    endlich einmal ein Artikel, in dem Sachgründe dargelegt werden, die das seit langem bekannte “Gender Paradoxon” (Harald Eia) ohne Diskriminierungskeule schlüssig erklären. Sogar eine patriarchatfreie Erklärung für den Gender Pay Gap (bei Uber) ist dabei. Und zum Schluss dann noch eine kleine Ketzerei – der Vorschlag von Jungenförderung. Ich bin positiv überrascht. Nach der Hetzjagd auf James Damore (auch in der FAZ) – der ziemlich ähnliche Argumente anführte und wissenschaftlich ähnlich unterfütterte – habe ich nicht mehr geglaubt, dass solche Aussagen in etablierten Medien möglich sind.

    Beste Grüße
    Günther Werlau

  7. BGrabe02 sagt:

    Konsequenzen...?
    Ist es wirklich erforderlich, das Frauen Jobs bevorzugen sollen, die Ihnen weniger liegen als Andere? vielleicht sollte man lieber mit sinnvollen Quoten arbeiten, also die Quote nach dem Anteil der Frauen in der Branche richten und nur ab einer gewissen Größenordnung, weil es sonst bei zu geringen Zahlen zu argen Verzerrungen käme und vielleicht sollte man diese Quoten ebenso für Männer anwenden in typischen Frauenberufen.
    Hinzu kommt, dass der gender pay gap schon länger nachweislich nur teilweise berechtigt kritisiert wird.
    Wie hier das Uber Beispiel sehr deutlich macht. Vielleicht sollte man die Wahrnehmung von bestimmten Präferenzen, die den monetären Verdienst schmälern eher als eine Art Vergütung betrachten, die sie unzweifelhaft eben auch sein kann.
    wie etwa Teilzeit oder Homeoffice für Mütter, denn wenn man die damit verbunden zusätzlichen Kosten einbezieht, als non monetäre Leistung, schrumpft der pay gap ebenfalls.
    Auf der anderen Seite gibt es noch immer Betriebe und Branchen, wo das als hinreichende Erklärung nicht reicht.
    Starre Quoten bringen da aber nichts. Eine dynamische Quote wie am Anfang hier von mir vorgeschlagen würde aber das unterschiedliche Wettbewerbsverhalten, ohne das dem signifikante Leistungsunterschiede gegenüberstehen, ausgleichen helfen, ebenso wie unzulässige Benachteiligung.

  8. vcaspari sagt:

    Unter der Hypothese, dass überhaupt keine Diskriminierung oder Beeinflussung stattfände...
    würde jeder völlig freie Mensch nur seinen wahren Präferenzen folgen. Ergo wäre die Ausbildungs- und später auch die Berufswahl Ausdruck dieser Präferenzen. Dass dann die Heterogenität zunimmt, ist mehr als wahrscheinlich. Die Homogenisierungseffekte durch sozialen Druck, Rollenbildung und anderes Erlerntes wäre dann minimiert oder gar verschwunden. Auch bei den Männern.

  9. Boris-Gaertner sagt:

    Lesekompetenz als Berufszugang ?
    Nach der Lektüre dieses Artikels drängt sich mir ein ketzerischer Gedanke auf: Wenn Frauen generell die höhere Lesekompetenz haben, sollten sie unter den Bedingungen der Gleichberechtigung doch für alle geistlichen Berufe vortrefflich geeignet sein – auch für das Priesteramt. Dieses Amt ist ihnen aber auch in Ländern mit hoher Gleichberechtigung nicht zugänglich. Wo ist mein Denkfehler ?

    • Werlauer sagt:

      In Ihrem verengtem Fokus
      Ihr Denkfehler liegt in Ihrem unnötig verengtem Fokus: Frauen ist das Priesteramt schon lange zugänglich und sie bekleiden sogar prominent Bischofsämter.

  10. Satirikus sagt:

    Ob Quote oder nicht:
    unsere Entwicklungsabteilung besteht aus Ingenieuren, Elektronik- und Softwareentwicklern. Allesamt männlich. Wir würden natürlich auch weibliche einstellen, und natürlich das gleiche Gehalt bezahlen. Wir finden nur keine.

    • PL504 sagt:

      Voll Zustimmung, Herr Wunsch
      Ich bin technischer Leiter eines mittelständigen IT-Unternehmens. Die Frauen, die sich bei uns bewerben, bewerben sich ausschließlich im Design- oder eben Kreativbereich. Für EDV-Administration oder -Entwicklung dagegen lag mir dagegen noch NIE in meiner langjährigen Berufszeit eine Bewerbung von einer Frau vor. Wir hatten kürzlich eine IT-Administratorenstelle neu zu besetzt. Es wurde wieder ein Mann, schlicht und einfach, weil sich keine Frau beworben hat.

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