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Stuttgart 21: Gibt es die Twitter-Revolution?

| 17 Lesermeinungen

Ich muss vorwegschicken, dass ich einer der ganz wenigen Deutschen bin, die sich in Städteplanung nicht auskennen. Jedes Kind kann heute auswendig aufsagen, wie viele Schulbücher man kaufen könnte für einen Streckenkilometer Bahn, wie viele Dezibel über dem vom internationalen Verband der Oto-Rhino-Laryngologen aufgestellten Richtwert die Bauarbeiten im Rahmen einer Untertunnelung liegen und wie viel schöner es nach Maßgabe der Neuroästhetik ist, einfach alles so zu lassen wie es war. Ich vermag all das nicht, daher beschränke ich mich auf einen Teilaspekt des titanischen Ringens um den Stuttgarter Bahnhof: Erleben wir Dank Twitter eine Revolution?

Ich muss vorwegschicken, dass ich einer der ganz wenigen Deutschen bin, die sich in Städteplanung nicht auskennen. Jedes Kind kann heute auswendig aufsagen, wie viele Schulbücher man kaufen könnte für einen Streckenkilometer Bahn, wie viele Dezibel über dem vom internationalen Verband der Oto-Rhino-Laryngologen aufgestellten Richtwert die Bauarbeiten im Rahmen einer Untertunnelung liegen und wie viel schöner es nach Maßgabe der Neuroästhetik ist, einfach alles so zu lassen wie es war. Ich vermag all das nicht, daher beschränke ich mich auf einen Teilaspekt des titanischen Ringens um den Stuttgarter Bahnhof: Erleben wir Dank Twitter eine Revolution?
Der Sachbuchautor Malcolm Gladwell hat sich in einem vielbeachteten Artikel, der Anfang des Monats im New Yorker erschien, festgelegt: „Die Revolution wird nicht getwittert werden“. Wandel sei über die „schwachen Bindungen“ nicht zu erreichen. Social Media ist unbestritten gerade dadurch gekennzeichnet, dass die Akteure sich nicht unbedingt persönlich, also im so genannten Real Life, kennen. Gladwell zieht als Beispiel für seine These unter anderem die Bürgerrechtsbewegung in der DDR heran. Im Kern sei der Fall der Mauer ein „strong-tie phenomena“, also ein Phänomen der starken Bindung. Je mehr Freunde jemand gehabt habe, die dem Regime kritisch gegenüber gestanden hatten, desto wahrscheinlicher sei es gewesen, dass derjenige auch an den wöchentlichen Kundgebungen vor der Nikolaikirche teilnahm. Zudem seien hierarchische Systeme losen Netzwerken überlegen.
Biz Stone, Mitbegründer von Twitter (der Twitter, das gemeinhin als soziales Netzwerk gilt, hier ausdrücklich als „global information network“ bezeichnet), widerspricht Gladwell in The Atlantic deutlich. Er unterstreicht die Rolle, die Twitter in China, dem Iran, Kenia und Moldawien gespielt habe und hebt in seinem Schlussbild die Wirksamkeit selbstorganisierender Systeme als Agenten des Wandels hervor: Ein Vogelschwarm sei auch ohne zentrale Führung zu einer choreographiert wirkenden Bewegung imstande und damit die Verkörperung des Wandels schlechthin. Nun ist nicht nur die Vogelschwarmmetaphorik wenig stimmig (schließlich sind die Vögel genetisch prädestiniert, sich an ihrem Nebenflugobjekt zu orientieren, was man von moldawischen Oppositionellen wohl kaum behaupten kann), es gibt auch einen offensichtlichen Unterschied zwischen der twittergestützten Demokratiebewegung in China und der twitterlosen Demokratiebewegung in der DDR: letztere hatte Erfolg.

Bild zu: Stuttgart 21: Gibt es die Twitter-Revolution?

Nichtsdestotrotz habe ich zum ersten Mal von S21 tatsächlich bei Twitter gehört. Auf einmal tauchte in meiner Timeline dieses Kürzel wieder und wieder auf, ich googelte es und wunderte mich, dass sich Twitterer auf einmal brennend für das Sicherheitsgefängnis 21 der Roten Khmer interessierten. Bald darauf wurde ich belehrt. Es ist eine erstaunliche Wende der Geschichte, dass ausgerechnet in Deutschland die Revolution sich an einem Bahnhof entzündet. „Revolution in Deutschland? Das wird nie etwas, wenn diese Deutschen einen Bahnhof stürmen wollen, kaufen die sich noch eine Bahnsteigkarte!“, hatte Lenin noch gespottet und tatsächlich sind in Deutschland seit Jahrzehnten Proteste nicht von WM-Feiern zu unterscheiden. Sie erinnern sich vielleicht, wahrscheinlich aber nicht: Überall galt der Wahlkampf zur Bundestagswahl 2009 als der langweiligste aller Zeiten. Eine gewaltige Demonstration aber gab es. Auf ein Plakat der CDU mit der Aufschrift Angela Merkel kommt hatte jemand „Und alle so `Yeah´“ geschrieben. Ein Foto des Plakates mit dem Spruch wurde in einigen Blogs gepostet und schließlich bildete sich beim Auftritt Merkels in Hamburg ein Flashmob von Leuten, die nach jedem Satz „Yeah“ riefen. Die Kreativität des Protests wurde allerorten gelobt. Auch als die Studenten gegen die Einführung der Studiengebühren demonstrierten, fanden alle die Proteste optisch sehr ansprechend. Die Possierlichkeit des Protests ist heute sehr wichtig, denn mit originellen Kostümen schafft man es manchmal sogar in die Abendnachrichten. Und in der Regel bekommt man sogar Applaus von dem, gegen den man protestiert hat. Politikverdrossenheit bedeutet ja nicht in erster Linie, dass man Politikergesichter nicht mehr sehen kann, Politikverdrossenheit bedeutet, dass man nicht mehr daran glaubt, etwas in der Gemeinschaft ändern zu können. Also macht man einen farbenfrohen Protest, wenn in Deutschland Studiengänge, die das Land im vergangenen Jahrhundert einmal zur Wissensweltmacht haben werden lassen, zu verschulten Bachelorstudien zusammengestrichen werden und dann strickt man weiter an seinem Lebenslauf und glaubt verzweifelt daran, so seine Klassenzugehörigkeit bewahren zu können.

Bild zu: Stuttgart 21: Gibt es die Twitter-Revolution?

Nun aber ist der Spaß vorbei.
Mir ist vor ein paar Wochen während eines Einspielfilmchens einer Talkrunde schon aufgefallen, wie ernsthaft die schwäbischen Bürger ihr Ziel verfolgen. Wenig Bodypainting und Material für Klickstrecken viel Volkszorn. Endgültig Medienthema Nummer 1 war Stuttgart 21 dann durch die Eskalation der Gewalt. Noch bessere Bilder als von halbnackten Studenten kann man von verprügelten Rentnern machen. Meinen Freund, den Social-Media-Versteher Mathias Richel, habe ich per Mail um eine Einschätzung zu der Frage, wie sich Twitter auf S21 auswirkt, gebeten. Er hat mit diesem Dreiklang geantwortet:
1. Twitter ist das Crystal Meth für die mediokre Dagegenrepublik.
2. In 140 Zeichen ist kein Platz für alle Fakten und noch weniger für Widerspruch.
3. Aber: S21 wäre ohne Twitter so nicht möglich. Allerdings ohne die Wasserwerfer auch nicht.

Auch der Medienpädagoge Thomas Pfeiffer kommt in dem Artikel „Stuttgart 21 im Spiegel von Twitter zu dem Schluss“, Twitter habe „sicherlich keine zentrale Rolle“ gespielt. „Der Online-Wiederhall zu Stuttgart 21 hat einen klaren Beginn und einen deutlichen Namen: Der Blutige Donnerstag am 30. September.“
Twitter mag ein wirksames Werkzeug sein, wenn die sonstigen Medien Teil des Unterdrückungsapparats sind, in einer Demokratie kann es einer Bürgerbewegung helfen, ihre Sicht der Dinge publik zu machen. Aber es scheint ansonsten zu sein wie es immer war: Wer etwas verändern will, der muss etwas riskieren. In einer Demokratie Gottseidank weniger als in China.

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17 Lesermeinungen

  1. Glanzstück! Ist das die neue...
    Glanzstück! Ist das die neue Art, Freunde auf faz.net zu hieven? Dürfte die meisten nicht interessieren, was sich Blogschreiber und „Social-Media-Versteher“ privat zu erzählen haben. Der Link auf Herrn Richels Twitteraccount dient sichtlich mehr der Followergenerierung als der Untermauerung. Nicht einmal ein Quellenverweis ist es (Quelle E-Mail). Lieber Nicander, mit wem Sie verkehren und wen Sie auf Twitter dauerempfehlen ist allein Ihr Ding, hier aber nicht. Sascha Lobo hat einen Niggemeier, Sie haben einen Richel. Vetternwirtschaft in Reinkultur.
    Ihren ersten Absatz möchte aber ausdrücklich unterschreiben. Guter Abschnitt!

  2. @: Ha,....China, dem Iran,...
    @: Ha,….China, dem Iran, Kenia und Moldawien…, was hat sich dorten schon geändert? Die Regierenden/Mächtigen sind noch geschmeidiger geworden im Umgang, nein nicht mit der Demokratie,…..dagegen versteckt rigoroser mit der jeweiligen Opposition. Ein putziges Spielzeugelchen das Twittern. Wenn es Ernst wird, muß man schliesslich doch seine Haut zu Markte tragen.

  3. @Peter
    Der Link auf den...

    @Peter
    Der Link auf den Twitter-Account dient der Untermauerung der Autorenkompetenz des Mailschreibers. Der Mann kennt sich aus. Und für Transparenz ist mit dem Hinweis, dass es sich um einen Freund handelt, gesorgt.

  4. Werter Nicander,
    kann es sein,...

    Werter Nicander,
    kann es sein, daß die Vertreter der neuen Medienwerkzeuge in die gleiche Falle
    tappen wie die der alten?
    In die Falle der abgelutschten Klischees – Hierarchie vs Schwarmintelligenz!

  5. ...und daß sie genausoviel...
    …und daß sie genausoviel Angst vor dem nichtberechenbaren haben wie die
    Altmedienvertreter.

  6. @minna
    Ich bin mir nicht...

    @minna
    Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Frage richtig verstehe, was aber eher damit zu tun hat, dass ich gerade zuviel frishc gepressten Orangensaft getrunken habe. Könnten Sie die Frage nochmal so formulieren, dass sie jemand, der mit seinem Magen zu kämpfen hat, verstehen kann?

  7. Sorry Nicander, wenn ich so...
    Sorry Nicander, wenn ich so einfach in dein Blog platze, aber: Wäre es nicht konsequent, dem Online-Widerhall eine zentrale Rolle zuzugestehen, wenn wir uns schon zur mediokren Demokratie bekennen (Dass das Schlüsselbild letztendlich von der dpa stammte, geschenkt, ohne die es umgebende Bilder- und Stimmenflut wäre es nicht zum Schlüsselbild geworden)?
    Ich war so frei dies zu tun, inkl. Twitter, in der FAS vom 10. Oktober:
    Für spontan gesendete Bewegtbilder braucht es heutzutage keine Ü-Wagen mehr. Ein Kamerahandy mit Videofunktion reicht dank Plattformen wie „Qik“ und „U-Stream“, die sich um die vieltausendfache Verbreitung kümmern, vollkommen aus. Heutzutage kann jeder ein Sender sein.
    Jeder ein Sender? Wovon Bertolt Brecht in seiner vor knapp 80 Jahren verfassten Radiotheorie noch träumte, das ist mit dem Kurznachrichtendienst Twitter inzwischen Realität geworden. Beinahe im Sekundentakt landen die mit dem Label „#s21“ gekennzeichneten Meinungen, Kommentare und Weblinks auf meinem Bildschirm. Auch wenn es nur 140 Zeichen pro Botschaft sind: Stuttgart, so scheint es, ist plötzlich weniger als einen Mausklick weit entfernt. […]
    Ist es vermessen, im Zusammenhang mit „Stuttgart 21“ von einer Medienrevolution zu sprechen? Ich glaube, man kann zumindest von einer neuen Qualität sprechen, wenn man sich anschaut, wie konsequent gerade die Kritiker des Bauvorhabens die Möglichkeiten des Internets nutzen. […]
    Spätestens die Bilder und Berichte der Augenzeugen, die letzten Donnerstag während der Eskalation der Gewalt im Stuttgarter Schlossgarten aus Hunderten Mobiltelefonen live und ungefiltert ihren Weg ins Netz fanden, dürften die öffentliche Wahrnehmung maßgeblich verändert haben […]

  8. Werter Nicander, das wird...
    Werter Nicander, das wird schwierig. Ich kämpfe auch mit meinem Magen.
    Ich versuchs: Nach meinem Eindruck können sich die Vertreter der neuen Medien
    in ihrem Denken und in ihrer Begriffswelt nicht von den alten Medien lösen.
    Für mich wäre dies aber eine Voraussetzung für ihren Erfolg.
    Wenn ein Vergleich hilft: Ich bin eine überzeugte Anhängerin der old economy, halte aber die new economy für mehr als einen Betriebsunfall. Sie ließ sich nur
    nicht nach den überkommenen Denkgewohnheiten „berechnen“.^^

  9. Meine Erfahrung ist ja bisher,...
    Meine Erfahrung ist ja bisher, dass viele der Twitter-ist-Revolution-Anpreiser vergleichsweise wenig Erfahrung in politischen Belangen haben. Für die will ich dann mal einfach klassische bildungsbürgerlich Max Weber in Anschlag bringen, der das als langsames Bohren dicker Bretter bezeichnet. Und, da gehe ich mit Gladwell, zwei Adjektive, dieich mit Twitter sicher nicht in Erinnerung bringen würde, sind langsam und kontinuierlich. Die Erregungskurve auf Twitter entspricht doch genau jener der klassischen Medienhauptseite, die von einem Ereignis zum nächsten springt ohne Spuren zu hinterlassen.
    Twitter kann mobilisieren, zweifellos, es kann Demonstrationen anschwellen lassen. Aber Gorleben wäre nie Gorleben gewesen, wenn es nicht vor Ort eine dauerhafte kontinuierliche (und übrigens: sehr bürgerliche) Infrastruktur gegeben hätte, die auch außerhalb akuter Erregungszeiten da war. Die Friedensbewegung bestand bei weitem nicht nur aus den Teilnehmern der Großdemonstrationen. 100.000 Menschen, die mal auf die Straße gehen, machen keine Revolution und keine Politik.

  10. S21 hat weniger mit Twitter...
    S21 hat weniger mit Twitter als eher was mit Fluegel TV zu tun. Die hatten schon Monate vor es hart herging eine Webcam laufen.
    Sowohl beim Start der Bagger (Teilabbruch des Gebäudes) als auch beim Einsatz der Wasserwerfer waren die Life vor Ort. Es gab sogar die Liverübertragung eines Telefonanruf gegen 23:30 beim Einsatzsstab der darauf aufmerksam machte dass das Eisenbahnbundesamt die Baumfällarbeiten untersagt hatte.
    fluegel.tv und auch die Seite der Parkschützer parkschuetzer.de zeigen die Grenzen des Fernsehens und die Möglichkeiten des Internets. Hier zeigt sich was mit sehr begrenztem Budget alles machbar ist.
    Auch wären viele Informationen ohne die Google Suche z.B. psrail.com, die schnelle Verbreitung von Studien wie der des Umweltbundesamtes oder historischer Sitzungen, die Gegner von 1995 und zuvor zeigen ohne Youtube etc nicht möglich.
    Twitter ist sicherlich ein weiterer Kanal.
    Der eigentliche Dank – aus Sicht der Gegner von S21 – gebührt aber dem schnellen Internet und der Kreativität der Webanwendungen. Erst dadurch ist es dem interessierten Bürger möglich sich ein umfassendes Bild zu machen.
    Ohne das Internet würden Mappus, Gönner und Co weiterhin die Allmächtigen Spielen und hätte auch bei den kommenden Landtagswahlen nichts zu befürchten.
    Im Umkehrschluss lassen sich viele Forderungen nach mehr direkter Demokratie erst mit dem Internet richtig umsetzen. Hierzu sei u.a. Abgeordnetenwatch.de erwähnt.
    Fluegel.tv st nicht meine Website. Aber jeder der sich ein Bild zu S21 machen will sollte da regelmässig reinschauen.

  11. Vielen Dank für den Hinweis...
    Vielen Dank für den Hinweis auf fluegel.tv. Dort wurde am Tag des so sehr gescholtenen Polizeieinsatzes öffentlich dokumentiert, daß die Polizei sich völlig korrekt verhalten hat. Daß Menschen einen Bereich betreten hatten, in dem zuvor mehrfach über Lautsprecher Absperrarbeiten angekündigt wurden. Daß unter diesen Menschen auch ältere Mitbürger waren, und daß Kinder mitgenommen wurden. Diese unglaubliche Verantwortungslosigkeit der Unberechtigten, die glaubten, die (u.a. von ihnen selbst!) Berechtigten an etwas hindern zu können, was 16 Jahre lang angekündigt war – und das sogar zu dürfen. Wir Stuttgarter stehen fassungslos vor dem Ergebnis dieser Verantwortungslosigkeit der Menschen, die als Stuttgarter nicht mehr bezeichnet werden können. Sie haben die Gesundheit ihrer Mitbürger aufs SPiel gesetzt, und nicht wenige haben einen Teil ihrer Gesundheit eingebüßt. Fluegel.tv hat dokumentiert: Dieser Teil unseres Volkes sollte sich schämen!

  12. Lieber Nicander,

    den ersten...
    Lieber Nicander,
    den ersten Abschnitt fand ich ganz, ganz stark, danach wird es eher banal – schade. Ich bin nach wie vor überzeugt: Twitter wird überschätzt. Die „Und alle so yeeeah!“ Aktion ist doch außerhalb der Nerd-Kreise keinem ein Begriff. S21 als Revolution zu bezeichnen… na ja, na ja…
    Grüße
    Jonna

  13. Das Netz ist überschätzt und...
    Das Netz ist überschätzt und diese Überschätzung nimmt teils hirnverbrannte Ausmaße an. Nicht nur auf Twitter. Beispiel Facebook: Gruppen pro oder contra S21 werden nichts bewegen und Gruppen wie „Freiheit für den Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo“ kaum das chinesische Regime stürzen. Die Überschätzung des Netzes ist zu einem guten Teil Selbstüberschätzung, die zum völligen Realitätsverlust führen kann. In den vergangenen Tagen häuften sich Statusmeldungen wie „Loki ist tot. Herzliches Beileid, lieber Helmut Schmidt“. Helmut Schmidt ist nicht auf Facebook. Beileid ins Leere. Twitterrevolutionen ins Leere. Inhaltsleere. Bekenntnisse sind online schnell abgegeben. Ohne Wissen haben zu müssen. Man meint so vor sich hin. Sobald es gilt, sich aufzuraffen, wird es schwierig. Deshalb sagen Tweets in der Regel nichts. Sie sind kein Spiegel der Realität, schon deshalb nicht, weil sie Worte sind. Lippenbekenntnisse. Bluff ist einfach, Manipulation ein Kinderspiel. Das Netz dient noch immer vorrangig der Dokumentation. Und das ist nicht das Schlechteste. Nennen wir die Twitter-„Revolution“ um S21 besser eine Bewegung. Eine kleine Bewegung.

  14. @Michael Schumacher: "Man...
    @Michael Schumacher: „Man meint so vor sich hin.“ ist gut… solange es ums banale tägliche Leben geht, ist das ja auch ausreichend. Um irgendetwas zu bewegen oder geradezuziehen, da gebe ich Ihnen recht, reicht das natürlich nicht.
    @minna: wenn ich Ihre Frage recht verstehe, geht es Ihnen sozusagen ums Spezielle von Twitter oder überhaupt von Internetkommunikation, im Vergleich zum Telefon-/Fernseh- und Zeitungszeitalter.
    @Nicander: die Beispiele sind ganz gut. Zusammen mit dem, was dirk franke sagt (und da stimme ich weitgehend zu: das „Bohren dicker Bretter“ wird idR sehr unterschätzt), ergibt sich insofern ein Bild, als kurzfristig sichtbare Massenaufläufe durchaus qua Internet vergrößert werden können. Manchmal. Aber, so ein Massenauflauf oder zwei bewegen halt nichts, Ihre Benennung „putzig“ und der Vergleich mit Fußball paßt insofern, was die Wirksamkeit angeht.

  15. ja colorcraze, was ist anders?...
    ja colorcraze, was ist anders? Ich fände es sehr gut, wenn die Vertreter dieser
    Form der Kommunikation nicht nur unter sich fachsimpeln(sorry) und sich an ihren Formalien abarbeiten.
    Die Mühe sich allgemein verständlich zu machen, ohne den alten Medien nachzusprechen würde sich m.E. für sie und den normalen User lohnen.
    .
    Nur zu behaupten „Wir“ sind etwas anderes, etwas besonderes, etwas neues,
    ohne daß sich dies dem Nutzer wie z.B. mir erschließt und man immer wieder beim Alten landet, ist doch unersprießlich in jeder Richtung.
    jeder Beziehung.

  16. Ich bitte diesen Leserbrief zu...
    Ich bitte diesen Leserbrief zu veröffentlichen:
    Ich kann es bald nicht mehr hören und lesen!
    Da geht eine Planung mit dem üblichen, rechtlich verbindlichen Genehmigungsverfahren, mit allen Einspruchmöglichkeiten und Bürgerbeteiligungen, einen fast 20-jährigen Entwicklungsweg – und jetzt geht das Volk auf die Straße? Ich finde dies ungeheuerlich und kann mir das auch nur aus politisch extremistischen Hintergründen erklären. Umso schlimmer, dass dabei der „brave Bürger“ mitläuft! Diese Leute sollten sich politisch korrekt in Parteien engagieren und zu den Wahlen gehen, dann bekommen wir vielleicht auch einmal mehr Wahlbeteiligung.
    Die Planung von Bahnhöfen in den Zentren von Großstätten ist eine generelle Infragestellung! Warum werden Hauptbahnhöfe nicht im direkten Bereich von Flughäfen gebaut zur Verknüpfung mit dem Luftverkehrsnetz? In den Zentren werden riesige und teuerste Flächen für die gesamte Bahn-Infrastruktur verbraucht und Anlieger lieben bestimmt nicht die Geräuschkulisse! Verkehrstechnisch notwendig sind Bahnhöfe im Zentrum nicht, denn Umsteigern ist es egal wo sie die Verkehrsmittel wechseln und Pendler kommen durch eine gut ausgebaute Netzstruktur aus Bussen, U- und S-Bahnen und aufgeständerten Trassen a la Schwebebahn / Monorailbahnen (wie am Flughafen Düsseldorf der Skytrain) bestens zu jedem Zielpunkt.
    Außerdem sind an den Flughäfen Parkmöglichkeiten etc. und wer Stuttgart kennt, ist hier wie anderswo auch, die Autobahn direkt mit einbezogen. Vielleicht überlegt sich dann auch mancher Passagier Rail & Fly mehr noch zu akzeptieren und geht anstatt mit einem Anschlußflug mit dem ICE zum nächsten Ziel.
    Ich bin davon überzeugt, daß in diesen Ansätzen noch viele ergänzende Vorteile liegen und auch betriebswirtschaftlich diese Strategie stimmt. Natürlich spreche ich nur über die Großstädte, die wie Düsseldorf, Köln/Bonn, Frankfurt, Dortmund, Hamburg, Berlin, München, Nürnberg, Bremen, Leipzig, Dresden …und Stuttgart, einen Flughafen haben!
    Joachim Gloerfeld, Iserlohn

  17. Ich weiß nicht wieso es...
    Ich weiß nicht wieso es überhaupt darüber debattiert werden muss, ob die Bahn den Bahnhof in Stuttgart umbauen soll oder nicht.
    Wenn es ein Projekt der Bahn ist, soll die Bahn für diesen auch aufkommen und nicht die Bürger bzw. Steuerzahler die strikt dagegen sind.
    Anschließend kann die Bahn die Kosten auf die Reisenden umlegen, die dann selber entscheiden können ob sie diese angeblich günstige Alternative zu anderen Verkehrsmitteln nutzen. Die Leute die die Bahn besonders für die Zugausfälle, Verspätungen und anderen „vorteilhaften“ Leistungen lieben, können ebenfalls die Bahn durch eine Spende unterstützen.
    Würde die Bahn also danach eine positive Bilanz vorweisen können, hat sie alles richtig gemacht. Geht sie aber pleite hatte sie einen Fehler in der Haushaltsplanung und verdient es nicht unterstützt zu werden, da sie anscheinend nur mit den Mitteln verschwenderisch umgeht die ihr nicht zur Verfügung stehen.

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