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Deus ex Machina

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Über Gott und die WWWelt

Bin ich drin?

| 35 Lesermeinungen

Mitmachen statt mosern: Kann man das komplexe Geschehen in Facebook, Twitter & Co erfassen oder gar kritisieren, ohne selbst aktiv mitzutun im Social-Media-Zirkus? Ich meine trotz allem: Ja!

Zugegeben, die Ausgangslage erinnert ein bisschen an das Problem katholischer Geistlicher, Paaren vor dem Traualtar gute Ratschläge für Eheleben geben zu müssen. Oder trotz Keuschheitsgelübde Autorität in Fragen der Sexualmoral für sich zu reklamieren. Aber wie ist das im Internet, genauer gesagt im ach so angesagten Beritt Social Media? Muss man bei Facebook oder anderen Social Networks präsent sein und Freunde sammeln, ausgiebig twittern und ortsbasierte Dienste wie Foursquare und Gowalla nutzen, um wirklich kompetent mitreden zu können, was das alles taugt? Diese Frage warf Martin Weigert von netzwertig.com dieser Tage auf, inspiriert von einem ähnlich nachdenklichen Tweet aus der Feder von Alex Troll. Und ehrlich gesagt habe ich mir diese und ähnliche Fragen auch schon öfters gestellt, seit aus den Schutthalden des Dotcomcrashs irgendwann in den frühen Nullerjahren neues Onlineleben mit neuer Versionsnummer 2.0 zu sprießen begann.

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Für Weigert liegt der Fall ganz klar: Eine Meinung zu Atomkraft zu haben, zum Auslandseinsatz der Bundeswehr oder dazu, inwieweit Gurken in der EU genormte Maße haben sollten oder nicht, sei einfach – nicht zuletzt, weil eigene Erfahrung bei derartigen Sachfragen eine untergeordnete Rolle spiele. Hierbei zählten mehr Fakten sowie das persönliche Wertekonstrukt. Social-Web-Dienste hingegen erforderten „eine aktive und länger andauernde Partizipation“, um zu einer kompetenten und fachkundigen Bewertung zu kommen, schreibt Weigert: „Das Web braucht seine Kritiker – aber nur solche mit den notwendigen Einblicken und einem Verständnis für die Dynamiken.“

Da mag man zunächst nicht grundsätzlich widersprechen. Eigene Erfahrungen sind sicher hilfreich bei der Beurteilung von komplexen Internet-Phänomenen wie Social Media oder ortsbasierten Diensten. Aber wenn ich diese Fragestellung jetzt mal aus der journalistischen Warte betrachte und weniger aus der Privatblogger-Perspektive, muss ich sagen: Das geht im Zweifelsfall auch ohne. Sich solchen Phänomenen von außen anzunähern, gehört gewissermaßen zum Handwerkszeug. Um über eine Kleintierzüchtervereinssitzung zu berichten, muss ich ja auch nicht dem Verein beitreten und noch mal die Mendelsche Vererbungslehre nachbüffeln.

Oder anderes Beispiel: Erinnert sich noch jemand an Second Life – die virtuelle Scheinwelt, die vor ein paar Jahren in aller Munde war und als das nächste große Über-Ding gehandelt wurde? Hat sich mir überhaupt nicht erschlossen, wofür ich das brauchen soll. Dabei hat es in meinem Bekanntenkreis nicht an Befürwortern und Enthusiasten gefehlt. Dennoch war mir ziemlich schnell klar, dass Second Life für mich wohl eher nichts ist und dass ich auch nicht erkennen konnte, worin der große Nutzen für die breite Masse liegen sollte. Das war zugegebenermaßen keine sonderlich fundierte Meinung. Aber ein wenig tröstet es mich schon, dass andere, die sich im zweiten Leben monatelang zum Teil mit mehreren Identitäten gleichzeitig tummelten, letztlich auch zu ähnlichen Schlüssen kamen. Sicher, die reine Faktenlage hätte man auch recherchieren können ohne eigenen Avatar. Aber wenn man nicht eintauche in diese Welten, sagt Rainer Bartel, „wird man nicht den Hauch einer Ahnung haben, was das ist, wie es sich anfühlt und was es mit einem anstellt.“ Wobei die Frage ist, ob man das unbedingt wissen muss. Mit ähnlichen Worten hat man mir nämlich auch schon mal Opiumderivate zum Rauchen offeriert. Und trotz einer gewissen Aufgeschlossenheit und jugendlichen Experimentierfreude in diesen Dingen reichte mein Forscherdrang soweit dann doch nicht.

Freilich ist mein Urteil nicht unfehlbar. Ich habe mir in den Neunzigern nicht vorstellen können, dass unbequem zu tippende SMS-Kurznachrichten ein Riesen-Renner werden, dass verblendete junge Menschen später Geld dafür bezahlen würden, sich Klingeltöne und Handylogos runterzuladen. Oder dass man einfach irgendwelche Sachen, die einem grad durch den Kopf gehen, ins Internet reinschreibt und dann zur Bloggergemeinde gehört. Das erschloss sich mir auch nicht so recht – bis ich selber damit anfing. Gegen den Sog der sozialen Netzwerke hingegen stemmte ich mich lange. Zu einer Präsenz auf Facebook habe ich mich irgendwann von meiner Frau überreden lassen. Einladungen zu OpenBC (später Xing) ließ ich stets unbeantwortet. Vielleicht habe ich mich als Freelancer damit ja unwissenderweise um den Auftrag meines Lebens gebracht. Aber von den ganzen Freelancer-Kollegen, die dort ihre Visitenkarte reingestellt haben, habe ich bisher noch keine krachende Success Story gehört. Man ist da halt drin, weil, äh, man eben drin ist. Als Recherchetool mag das Ganze noch ganz nützlich sein, aber ich sehe eine Xing-Präsenz nach wie vor mehr als Kür denn als Pflichtprogramm.

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Olaf Kolbrück, Redakteur und Blogger in Diensten der Fachzeitschrift „Horizont“, findet das zu kurz gedacht. Journalisten müssten sich an den digitalen Tresen der Social Networks stellen, ein offenes Ohr für die Geschichten und Themen mitbringen, die da besprochen werden, Gesicht zeigen und so weiter. Alles richtig im Prinzip, aber Kollege Kolbrück hat da auch den unschätzbaren Vorteil, dass er das Fachgebiet Social Media, E-Commerce und dergleichen beackert. Die Chance, dazu auf Facebook, Xing, LinkedIn & Co. brauchbaren Input zu bekommen, liegt naturgemäß sehr viel höher als in anderen, weniger netz- und unterhaltungsaffinen Themengebieten.

Für das allgemeinere Erkenntnisinteresse in Sachen Medienwandel, das mich umtreibt, ist es nicht zwingend notwendig, in jeder digitalen Kneipe Stammgast zu sein. Offen gestanden interessieren mich Details, was auf Facebook im einzelnen anders funktioniert als bei MeinVZ oder „Wer kennt wen“, auch nicht über alle Maßen. Ich werde mich desgwegen bestimmt nicht auf allen anderen Plattformen auch noch anmelden, um fundierter vergleichen zu können. Ich muss auch selber nicht twittern, um die Entdeckung zu machen, dass da durchaus nicht nur Belangloses in 140-Zeichen-Botschaften verbreitet wird, sondern auch manche kleine geistreiche Textperle. Auch würde ich ortsbasierten Diensten wie Foursquare nicht von vornherein jeden Nutzen absprechen wollen, nur weil ich persönlich die ständigere Eincheckerei wo man geht und steht etwas albern finde. Das hält mich aber nicht davon ab, meine Frau daran zu erinnern, wenn sie es vergisst, weil ich weiß, dass sie an diesen Spielchen ihren Spaß hat.

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Die eigentliche Herausforderung liegt eben darin, die eigenen Maßstäbe und Erfahrungen nicht über Gebühr zu verallgemeinern. In diese Falle tappen die Social-Media-Enthusiasten nämlich genauso gerne wie die Skeptiker und Verweigerer. Es bereitet mir mittlerweile Bauchkrämpfe, wenn ich in irgendwelchen Netzdiskursen über Totschlagargumente stolpere wie zum Beispiel: „Der hat das Internet nicht verstanden.“ Mehr als der wohlfeile Versuch, als Internet-Topchecker Distinktionsgewinne einzufahren, ist da in den seltensten Fällen dahinter. Martin Weigert schreibt in seinem Beitrag, er schätze und achte Personen, die Facebook, Twitter, foursquare & Co aktiv verwenden und daraufhin kritische Schlüsse ziehen und in die Debatte einbringen. Die Debatte mit Skeptikern, denen die persönliche Erfahrung mit derartigen Systemen fehlt, fiele ihm hingegen immer schwerer. Das ist menschlich und verständlich. Trotzdem vertrete ich vehement die Auffassung, dass sich der Netzdiskurs gelegentlichen Reality-Checks durch die Auseinandersetzung mit Offlinern, Skeptikern und Verweigerern nicht gänzlich verweigern sollte. Sonst mutiert das ganze Social-Media-Thema womöglich irgendwann auch zu einer abgehobenen Parallelwelt wie seinerzeit Second Life. Die Gefahr einer „digitalen Spaltung zweiter Ordnung“, die ich anno 2005 für reichlich alarmistisch hielt, ist vielleicht doch realer als ich damals dachte.

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35 Lesermeinungen

  1. Interessanter Artikel. Doch...
    Interessanter Artikel. Doch zur Gänze weiß ich nicht, auf was er genau rauswill. Dennoch, etwas unkorrekten Senf zur Weißwurscht habe ich, eins, zwei …
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    „Die eigentliche Herausforderung liegt eben darin, die eigenen Maßstäbe und Erfahrungen nicht über Gebühr zu verallgemeinern.“
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    Kommt darauf an.
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    Ob man nur die Perspektive des Selbstnutzens in der persönlichen Rolle als Konsument anspricht. Dann ist der eigene Maßstab für sich selbst das einzig Richtige. (Mir gefällt XING schon länger nicht, obwohl ich immer noch drin bin – sogar mit ausführlichem Profil, welches mir mittlerweile eher hervorragend zur Abschreckung vor Finanz-Spamisten und Eso-Schwachmaten dient, als dass es jemals Geschäftserfolg des einen Super-Wahnsinns-Auftrags hatte. Viele meiner guten Aufträge generiert – aber hallo und nur – meine eigene Website. Und selbst da muss man sich einiges an merkwürdigen Anwanzungen vom Halse halten…)
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    Oder ob man sich in der Herde der Netz-Enthusiasten gut fühlen will. Ist einigen Leuten auch was wert. (Mir ist sowas herzlich schnurz und ich mag spinnerte Netz-Enthusiasten als schlechten Umgang nicht.)
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    Oder drittens, ob man in beratender Funktion Unternehmen geschäftlich etwas raten soll.
    Immer dann, wenn ich als kleine hinterhältige Butze geschäftlich etwas raten soll (ich reiß‘ mich nicht drum und bin auch kein „Social Media Berater“, fürchterlicher Gedanke) zu Social Media, dann ist mein konservativer Standpunkt ziemlich klar: Gehe als Unternehmen nie mit vollem Einsatz ausschließlich in eine nicht dir gehörende Community rein, die Dritten gehört und die irgendwann vielleicht nicht mehr läuft oder von Dritten dichtgemacht werden kann. Weiter rate ich eigentlich nix dazu. Doppelbedeutung: Ist mir zu sehr „raten“ zur Zeit.
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    Der Grund ist ziemlich klar: sich als kluges Unternehmen nie von Dritten und deren narzisstischen Plapper-Portalen abhängig machen.

  2. @Vroni: Danke für die...
    @Vroni: Danke für die Senfspende, ich nehme mir vor, künftig wieder einen Vorspann drüber zu schreiben, wie das manch eine Mitstreiterin auf dieser Blogbaustelle praktiziert. Dann ist zumindest ein bisschen klarer, was uns der Autor damit sagen wollte. ;-)
    Tatsächlich laviere ich hier etwas rum zwischen der persönlichen Nutzerperspektive und dem Versuch, manches durch die journalistische Brille zu abstrahieren und objektivieren, so dass meine Antwort auf die Ausgangsfrage auf ein „ja, aber“ hinausläuft. Das geht etwas zu Lasten der Stringenz, zugegeben, aber schon der erste Kommentar hilft ja dabei, die Dinge etwas zu sortieren. Das Berater-Fass (also Punkt 3.) habe ich bewusst nicht aufgemacht, weil ich mich dazu auch nicht versteigen würde. Ich werde natürlich im Geschäfts- und Privatleben auch dies und das gefragt, aber mehr als ein grundsätzliche Empfehlungen sine pecunia pflege ich nicht zu geben.
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    Ansonsten sage ich „ja“ zum jeweiligen Nutzerstandpunkt als Basis- oder Eckwert, von dem jeder ausgehen mag. Aber gerade den Social-Media-Enthusiasten tut es m.E. ab und zu ganz gut, sich klarzumachen, dass sie nicht allein auf der Welt sind. Das mag mich dann ein paar Grad Nestwärme kosten, aber ich habe ein dickes Fell.
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    Und insgeheim hoffe ich natürlich, dass sich in den Kommentaren jemand outet, der in sozialen Netzwerken den Knaller-Auftrag an Land gezogen oder wenigstens den Partner fürs Leben gefunden hat. ;-)

  3. @ Marco settem ...
    Die Idee,...

    @ Marco settem …
    Die Idee, das Konstrukt, dass ein Journalismus objektiv ist oder zumindest verdammt nochmal zu sein hat, muss aufgegeben werden. Niemand ist objektiv, egal um was es geht.
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    Wenn Fachartikel über Netzdinge zu recherchieren und dann zu schreiben sind und sie keine Glosse sein sollen, dann einfach ein Disclosure hinzufügen.
    1. Dass man den Artikel wirklich selber geschrieben hat in mühevollster Kleinstarbeit und in Überlastung wg. Familie vielleicht mal was durcheinandergebracht hat. Und 2. dass man zwar in Facebook ist mit dem feigen Avatar seiner Katze, weil man „mal eingeladen wurde“ und sich nicht verschließen durfte, aber „Gesichtsbuch“ prinzipiell oder grade deswegen einfach nicht ausstehen kann. :-)

  4. Vroni, dass völlige...
    Vroni, dass völlige Objektivität mit menschlichen und maschinellen Mitteln nicht herzustellen ist, wird auch den meisten Vertretern der alten Schule klar gewesen sein – aber das enthob einen nicht völlig dem Bemühen, zumindest den Anschein aufrecht zu erhalten. Der alten Tante „Tagesschau“ würde ich es ersparen wollen, auf ihre alten Tage noch subjektiv daherzukommen.
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    Der Disclosure-Vorschlag hat was, grad mir als familiär stark eingespanntem Heimoffizier droht ja auch andauernd was zu verrutschen. Und „Gesichtsbuch“ – hachja, das ist wirklich ein Dauerdilemma. Aber mit dem Risiko, dass ich jederzeit wegen meines pseudonymen Benutzernamens von der Plattform gekickt werden könnte, kann ich nach wie vor gut leben.

  5. Der Vergleich zu Beginn mit...
    Der Vergleich zu Beginn mit dem ehelosen Seelsorger ist eigentlich ganz gut. Leider wird hier wie so oft in diesem Beispiel ein Paradox gesehen, wo keins ist. Der Priester hat keine eigene Eheerfahrung. Der Verheiratete hat in der Regel genau eine. Der Unterschied ist minimal, wenn es darum geht, Trauenden oder Verheirateten mit Rat zu helfen. Die eigene Eheerfahrung nutzt dabei nur, wenn es sich um ein sehr ähnliches Paar mit ähnlichen Problemen handelt. Auch das nur, wenn man es besser kann als die anderen und nicht selber Eheschwierigkeiten hat.
    So ist es mit den meisten Dingen. Man muß als Arzt in der Suchtklinik nicht selber Suchterfahrung haben. Ebenso kann man WoW, Twitter und Facebook mit guten Gründen ablehnen, ohne je dabeigewesen zu sein. Im Gegenteil, mitten im Getümmel urteilt man nicht unbedingt fundierter.
    Persönlich reicht mir bei Facebook schon die eine Mail mit der Einladung, Mitglied zu werden, mit einem Amerikaner unter den „Personen, die Sie kennen könnte“, den ich tatsächlich kenne, weil er mit meiner Schwiegermutter befreundet ist (die ist nicht bei Facebook). Der weitere Link geht dann über meine Frau (ebenfalls nicht bei Facebook). Facebook hat also ein Profil von mir als Nichtmitglied, das mich über zwei weitere Nichtmitglieder mit dem Herrn in Texas verlinkt (der wahrscheinlich seine Kontakte zu Facebook hochgeladen hat, aber da ist nur meine Schwiegermutter drin, nicht meine Frau und nicht ich). Natürlich hat das wenig mit dem Nutzen von Facebook zu tun, sagt aber genug über den Umgang mit Daten dort, um eine Anmeldung auszuschließen (dabei bin ich kein hysterischer Datenschützer und habe bei Aufregern wie Google Streetview keine Bedenken).
    Xing ist wirklich eine Laber- und Selbstdarstellerseite, auch wenn ich dort vor Jahren von einem wichtigen Auftraggeber/Vermittler gefunden wurde (Honorarumsatz mit diesem Auftraggeber seither ca. 300.000 Euro). Weitere Anfragen von dort sind eher selten (alle paar Monate).
    LinkedIn hingegen bringt ziemlich viel (nur das angemeldet sein und sich im Profil als Freelancer outen), denn darüber kommen sehr häufig Auftragsanfragen (das mag jedoch von der Branche abhängen, bei meiner sitzen viele Klienten und Vermittler in UK oder sonst im europäischen Ausland).

  6. @Marvin: Sehr schön...
    @Marvin: Sehr schön ausgeführt, den Punkt mit den Priestern und dem Paradox, das bei Licht besehen eigentlich keines sein muss. Ich wünschte fast, ich hätte das selber so klar herausgearbeitet beim Verfassen des Beitrags. Aber in etwa darauf wollte ich hinaus, dass die Erfahrungen, die der einzelne macht bei Facebook, Twitter oder Foursquare, nicht unbedingt repräsentativ sein müssen und zu größerer Klarsicht führen.
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    Dass FB seine Kartographie von Beziehungsgeflechten inzwischen auch sehr weit ins Terrain der Nichtmitglieder ausdehnen konnte, finde ich erschreckend. Aber wie Sie sagen, es würde nicht funktionieren, machten nicht soundsoviele sorglose Mitglieder von der Möglichkeit Gebrauch, FB Zugriff auf das Adressbuch ihres Mailkontos einzuräumen. Ich weiß ja nicht, was man geraucht haben muss, um auf so eine bescheuerte Idee zu kommen, aber ich habe meinen Kontakten auf Facebook explizit eingeschärft: „Immer wenn jemand den automatischen Freundefinder von Facebook verwendet, stirbt irgendwo ein kleines, süßes Kätzchen.“
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    Immerhin haben Sie bei Xing mal einen dicken Fisch an Land gezogen, das ist wohl mehr, als die meisten sagen können. Bei LinkedIn bin ich übrigens seit einiger Zeit als Karteileiche gelistet, woran mich dieser Tage eine Mail mit der Bitte um Aktualiserung meiner Daten erinnerte. Und dann gibt es noch bei einem Fachverlag eine Branchen-Community, bei der ich mich als loyaler Auftragnehmer dieses Hauses registrierte. Aber inzwischen ist da auch nicht mehr viel Leben drin. Und meine Frau hats gleich gesagt, dass es eine Schnapsidee war, mit dieser Insellösung gegen Facebook und Xing noch anstinken zu wollen.

  7. Wie analysierten die Israelis...
    Wie analysierten die Israelis in London Ende der 1990er – eine Art „Yellow Pages“ – ursprüngliche Idee waren ja Brancheneigene Netzwerke mit rich clients sowas wie immowelt/immoblienscout24, so war die Idee Ende 1992 als die ersten rcih client BBS Systeme aufkamen.
    Alle anzeigenintensiven Geschäfte (Personal/Immobilien/Gebrauchtwagen) waren durchs Einsparpotential begeistert.

  8. Nabend, na ja eher schon...
    Nabend, na ja eher schon angenehme Nachtruhe.
    Beachtlich, beachtlich, was Sie da so zum Besten geben Marvin. Ob es reicht, allen E-Post Kontakten mit jeder Nachricht auszurichten, daß man NICHT bei Facebook in Bekannten – oder Freundeslisten erscheinen möchte?
    AN Vroni.
    „Ob man nur die Perspektive des Selbstnutzens in der persönlichen Rolle als Konsument anspricht. Dann ist der eigene Maßstab für sich selbst das einzig Richtige. “
    Sind es nicht immer eigene Maßstäbe, die man, gleichgültig an was, anlegt?

  9. Wie soll man aber als...
    Wie soll man aber als it-affiner Redaktionskoordinator mit sowas wie Esxcalibur arbeiten können, wenn deutsche Gerichte dadurch Wettbewerbsvorteile gewähren, daß es seitens von Vormandschaftsgerichtlichen Geschäftstellen hinsichtlich der Genehmigung einer Gewerbeanmeldung vor dem Alter von 18 Jahren lapidar heisst „warten sie doch mal bis sie volljährig werden“ – Ein halbes Jahr Vorsprung in einer Branche mit extrem kurzen Innovationszyklen.

  10. schoener Beitrag und sie...
    schoener Beitrag und sie wissen doch all die Bloggerflut viel Kieselsteine vielleicht irgendwo eine Perle oder an Land ein Diamant dabei

  11. @Inge: In meiner kleinen...
    @Inge: In meiner kleinen semiprivaten Blogbutze gilt ja auch das Motto: „Wir retten hier nicht die Welt, wir machen Familienunterhaltung“, sprich: Ich würde dafür auch keinerlei gesamtgesellschaftliche Relevanz reklamieren wollen. Aber über das Eintauchen in diese Welt bin ich auf sehr viele interessante Geschichten und Sichtweisen gestoßen. Dass es da – wie bei Twitter auch – Geschnatter gibt und Uninteressantes, lernt man halt mit der Zeit zu filtern und auszublenden.
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    @Grenzgänger: Letztlich schon, aber zumindest ist man im Journalismus angehalten, den eigenen Maßstab nicht zum Maß aller Dinge zu machen und auch andere Sichtweisen einzuholen. In den Geisteswissenschaften ist man sich bewusst, dass Objektivität letztlich nicht herzustellen ist, da spricht man dann eher von Intersubjektivität. Mit dem Begriff wollte ich aufgrund seiner Erklärungsbedürftigkeit im obigen Beitrag nicht hantieren, und prompt ist Vroni (völlig zu Recht) auf das Reizwort Objektivierung angesprungen.
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    @Bähring: Elektronische Branchenverzeichnisse (und manches andere) gab es rudimentär auch schon bei Btx – mit entsprechenden Sorgen und Ängsten auf der Verlegerseite. Da kriegt man heute manchmal Déjà-vu-Erlebnisse, wenn man in den Kommuniqués von damals „Bundespost“ durch „Google“ ersetzt. ;-)
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    Interessant auch, die Vorstellungen und Diktionen der ersten Hälfte der Nullerjahre (Mitmach-Web, Social Software etc.) nochmal zu rekapitulieren, wie sie im oben verlinkten Zeit-Artikel von Mario Sixtus rüberkommmen. Die damalige Sorge, dass wer nicht bald mitmacht, den Anschluss an die neue Zeit verliert, war zumindest in der kurzfristigen Betrachtung überflüssig. Es kamen dann eben neue Angebote wie myspace, StudiVZ und dann Facebook, die die Leute mehr da abgeholt haben, wo sie sind. Die Tendenz, dass geschlossene Systeme wie Facebook & Co. für viele Anwender die Internet-Benutzeroberfläche schlechthin darstellen, ist ja zweifellos da.

  12. Mir gefällt der Vergleich mit...
    Mir gefällt der Vergleich mit den Opiumderivaten. Nichts destotrotz sind eigene Erfahrungen im Umgang mit den sozialen Medien zur Bewertung derselben m.E. unumgänglich. Denn anders als bei Drogen gibt es keine offenkundigen Risiken, die einem Raubbau an eigenem Körper entsprechen. Was hat man also zu verlieren. Es geht hierbei nicht darum, die Struktur und Techniken zu verstehen (wer tut das schon), sondern sich ein eigenes Bild von der Art des sozialen Lebens zu machen. Journalisten bewahren bei der kritischen Betrachtung oft noch ein neutrales Gesicht.
    Begutachtet der Gesetzgeber das Web 2.0 mit all seinen Medien wird gerne mal überreagiert und eine Gefahr für Leib und Leben ausgerufen. (s. Datenschutzdebatte/“Killerspiele“ usw.)
    Man möchte Ihnen jedes mal zurufen: „Machts doch erstmal selbst, bevor ihr urteilt.“

  13. Wenn man die ersten Sätze...
    Wenn man die ersten Sätze hier liest (zu mehr habe ich keine Lust), bekommt man das Gefühl, es gibt wirklich Leute, für die ein echtes Leben außerhalb des Rechners überhaupt nicht mehr stattfindet. Wie traurig. Was ist nur mit den Leuten los? Geht keiner mehr vor die Tür und trifft andere Menschen? Man meint, die halbe Welt zu kennen, aber hat schonmal jemand der alten Frau nebenan einen Kasten Sprudel vom Einkaufen mitgebracht? Und dieser Vergleich katholischer Priester mit Ratschlägen zur Ehe vs. Leuten, die nicht an notialen Netzwerken teilnehmen wollen… also es gibt wichtiges und unwichtiges, relevantes und irrelevantes im Leben, fällt mir dazu nur ein. Was sind das für bedauernswerte Kreaturen, die tagein-tagaus vor dem Rechner hängen? Wie wär’s mal mit Spazierengehen oder Sport? Ja, es ist unglaublich, man kann auch schon erwachsen werden, bevor man 35 ist, und sich mit wirklich wichtigen Dingen beschäftigen. Eieiei…

  14. <p>@Bänder: Stimmt, und...
    @Bänder: Stimmt, und zumindest muss man der Verbaucherministerin zugute halten, dass sie sich mit dem Anlegen eines Facebook-Profils schon sehr weit vorgewagt hat in gefährliches Gebiet. ;-)
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    Hans Magnus Enzensberger hat kurz nach der Jahrtausendwende ein paar sehr kluge Dinge zum damaligen Digitalisierungs-Diskurs angemerkt. Etwa, dass sich in diesem Diskurs wie schon bei vielen anderen Themen zuvor Evangelisten (die neue Technik bringt Segen und Heil) und Apokalyptiker (wir werden alle Sterben, Nazis, Kinderporno, Abzocke allerorten!) gegenüberstehen.
    http://www.spiegel.de/…/d-15376078.html
    Diesen Essay könnte man mit kleinen Änderungen, die ein bisschen mehr auf aktuelle Themen wie Netzsperren, Social Media und Datenschutz abheben, problemlos nochmal publizieren mit neuer Versionsnummer 2.0.

  15. @Peter Klein: Naja, in ein...
    @Peter Klein: Naja, in ein Anglerforum würden Sie doch auch nicht reinplatzen mit der Frage, Leute, habt Ihr auch noch andere Sorgen als nur Fische aus dem Wasser zu ziehen? Dieses Gemeinschaftsblog beschäftigt sich nun mal schwerpunktmäßig mit Netzdiskursen, da liegt es in der Natur der Sache, dass andere Aspekte des Lebens eher unterbelichtet bleiben. Was aber nicht heißen muss, dass es keine anderen Aspekte gäbe. Ich für mein Teil bin z.B. auch glücklich verheiratet, praktizierender Papi, fahre gern Rennrad und verdiene mein Geld vorwiegend mit Fachzeitschriften-Beiträgen, um nur ein paar Eckdaten zu nennen. In meiner unmittelbaren und weiteren Umgebung habe ich überwiegend mit Mitmenschen zu tun, denen man nicht den Ratschlag „get a life“ geben braucht. Und Sie so?

  16. @Marco Settembrini: LinkedIn...
    @Marco Settembrini: LinkedIn hat aus meiner Sicht schon einen gewissen Sinn, aber nicht als Social Dingsda, sondern als eine rein berufliche Community. Während es in Xing genau eine Gruppe zu meiner Tätigkeit gibt (und die ist praktisch tot), sind es in LinkedIn Dutzende. In meinem speziellen Fall bringt LinkedIn wichtige berufliche Kontakte und Auftragsanfragen.
    Das kann man aber bestimmt nicht verallgemeinern. Für andere Branchen und Zwecke könnte Xing besser sein oder irgendetwas Drittes.
    Wie Sie sagen, sind LinkedIn und Xing eher ein Recherchetool und damit mobile.de näher als Facebook. Wobei das für Xing nur bedingt gilt, denn es scheint nicht wenige Gestalten zu geben, die darin leben und ihre Freizeit ebenfalls hautpsächlich auf Xing-Events verbringen. Ohne es beweisen zu können nehme ich an, daß Xing häufiger als Facebook zu realen Kontakten führt. In meinen regionalen Gruppen wird dauernd zu Stammtischen, Dinners, Partys, Ausflügen und Vorträgen eingeladen.
    So gibt es wohl nicht _die_ Plattform, die alles abdeckt, auch wenn Facebook das wohl gerne wäre oder werden möchte. Viele mögen Facebook derzeit als das Internet schlechthin betrchten, doch es wird nicht zu lange dauern, bis das Volk weiterzieht.

  17. @Marvin: Bislang war es so,...
    @Marvin: Bislang war es so, dass das Volk irgendwann weitergezogen ist. Als Friendster uncool wurde,war myspace der angesagte Ort, dann sammelte OpenBC/Xing hierzulande die ambitionierteren Erwachsenen ein, und StudiVZ klonte das amerikanische Facebook-Erfolgsmodell – so lange, bis Facebook auch hierzulande Ernst machte. Ich bin diesmal wirklich gespannt, ob, wann und wohin die Meute weiterziehen wird. Es gibt nämlich diesen sogenannten Netzwerkeffekt, der besagt: Der Nutzen eines Netzwerks für seine Mitglieder steigt mit seiner Mitgliederzahl. Und so erzeugt Facebook aufgrund der schieren Mitgliederzahl ungleich mehr soziale Gravitation als alle seine Vorgänger. Das heißt, um einen entprechenden Sog weg von Facebook zu erzeugen, müsste das nächste große Ding schon was ganz gewaltiges werden, das die Welt noch nicht gesehen hat. Und im Moment reicht meine Phantasie nicht hin, mir das genauer auszumalen.
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    Vom Xing-Zusatznutzen als Kontaktbörse und Flirtplattform wurde mir auch verschiedentlich berichtet. Aber dass Xing und LinkedIn funktional betrachtet doch mehr Peoplescout24 sind als Facebook-Pendant, würde ich ebenfalls unterschreiben. Per Mail werde ich gerade darauf hingewiesen, dass LinkedIn vor allem seine Verdienste habe, wenn es um Kontakte jenseits des .de-Hoheitsgebiets geht.

  18. @Marco: Hast du es nicht satt,...
    @Marco: Hast du es nicht satt, gegen diese „get a life“ Angriffe zu argumentieren? Manche haben noch nicht erkannt, dass es durchaus ein Leben neben dem Netz gibt. Leider haben diese Leute sich nicht damit auseinander gesetzt. Womit wir wieder beim Thema wären…
    Verallgemeinerungen sind generell bescheiden, nicht wahr? ;)
    Auch ich betrachte mich in dieser Einordnung eher als Evangelist, der Risiken und Gefahren gerne in den persönlichen und moralischen Verantwortungsbereich des Users verschiebt.
    Das impliziert, dass man sich mit dem jeweiligen Angebot auseinandersetzt und abgwägt welchen Nutzen es für einen persönlich hat. Ich habe schon einigen Networking-Dienste und Foren-Communities den Rücken gekehrt, weil es für mich keinen Sinn mehr machte, dort aktiv zu sein. Auch Xing war darunter. ;)
    Andere Subdienste nutze ich bewusst nicht, da sie in meinen Augen meine Privatssphäre oder die Privatsspäre anderer Leute verletzt verletzen. Als Beispiel sei „Places“ von Facebook genannt. Oder die Möglichkeit mein iPhone mit der FB-App zu synchronisieren, was zur Folge hat, dass sämtliche Kontakte dem Betreiber übermittelt werden.
    Twitter habe ich nie verstanden, ich habe mich aber auch nie damit auseinander gesetzt.
    Trotzdem sehe ich kein gesellschaftliches Problem darin, wenn andere User diese Dienste nutzen, solange der jeweilige User nicht mein gewünschtes Maß an Anonymität verletzt.
    Diese Liberalität gründet wahrschienlich darauf, dass ich mich der Generation der „Web 2.0-Natives“ angehörig fühle. Bescheuertes Wortkonstrukt übrigens.
    Reguliert wird an genügend Stellen im Netz. Empfindlich werde ich, wenn ich mich nur noch Gassen bewegen kann.
    Den Artikel werde ich mir bei Zeiten zu Gemüte führen, vielen Dank.

  19. Zu den in der Ausgangslage...
    Zu den in der Ausgangslage erwähnten ehelichen experiences: Und meine Vorehelichen, zählen die etwa nicht? Persönlich empfand ich sie durchaus als segensreich, beglückend und bereichernd. Versionsnummer 3.0.:
    A natura non deerrare et ad illius legem exemplumque formari sapientia est.

  20. @ Grenzgänger
    "Sind es nicht...

    @ Grenzgänger
    „Sind es nicht immer eigene Maßstäbe, die man, gleichgültig an was, anlegt?“
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    Ja freilich.
    Bei der Perspektive des Selbstnutzens in der persönlichen Rolle als Konsument aber dermaßen evident. Wie Hammer auf Nagel. Im Unterschied zu anderen beruflichen Fallbeispielen.

  21. @Marco Settembrini: Vom...
    @Marco Settembrini: Vom Netzwerkeffekt habe ich auch schon gehört, und der spricht für Facebook. Ich stelle es mir auch nicht so vor, daß etwas besseres aufmacht und alle mit fliehenden Fahnen überlaufen. Eher kommt etwas auf, was wir noch nicht kennen (zum Beispiel ein Netzwerk, das auf den Möglichkeiten der Smartphones aufbaut). Die Nachricht darüber verbreitet sich unter anderem über Facebook. Immer mehr probieren es aus, immer mehr nutzen es und seinen Facebook-Account nutzt man immer seltener. Irgendwann verfügen die Facebook-Aktionäre über Milliarden von Karteileichen. Die anfängliche Begeisterung hält selten über 10 Jahre an. Vielleicht wird es Facebook noch geben, aber trotz gigantischer Mitgliederzahlen nur noch wenig genutzt von den meisten, wie Xing.
    Das wäre ein Szenario. Wir machen oft den Fehler, gegenwärtige Entwicklungen in die Zukunft zu extrapolieren. Wer hätte zur jeweiligen Boomzeit gedacht, daß AOL mal bedeutungslos werden würde, oder myspace so schnell überholt würde? Erst recht werden technische Entwicklungen selten vorhergesehen bzw. ob sie sich durchsetzen. In 5 oder 10 Jahren gibt es Dinge, die wir heute noch nicht kennen. Jedes Phänomen wie Facebook wird zu einer bestimmten Zeit überschätzt.

  22. XING (wo ich dunnemals einen...
    XING (wo ich dunnemals einen mitteldicken treuen Fisch herzog, seitdem aber Ruhe ist, weil ich anderen wohl lieb aber teuer bin…)
    nutze ich jetzt nur noch als Tool, um Anfragende näher zu recherchieren. Was sie für Typen sind (In meinem Bereich wichtig, da ohne passende Chemie das Zusamenarbeiten zur unnötigen Nervenprobe ausarten kann….)
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    In den Profilen, aber auch in den Foren sind oft schöne, aber auch unschöne Sachen über künftige Auftraggeber zu entdecken. Dafür ist XING einfach klasse.
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    Wer z. B. in Communities über sorgfältige Designer her zog, die Logo Crowd Sourcing nicht gerade als ultima ratio empfinden, fliegt bei mir als potenzieller Auftraggeber sofortigst raus. Wenn das nicht höflich verbal in einer netten Absage zu bewerkstelligen ist, dann über den Preis.
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    Manche Auftraggeber machen das vice versa sicher ebenso. So können sie auch ihren geliebten Topfdeckel finden oder einen unpassenden im Vorfeld vermeiden. Ist doch prima.
    Also nicht immer direkt denken: Communiy = tolle Aufträge (Blödsinn! So funktioniert das eher seltener), sondern Community = sich gegenseitig prüfen vor Auftragsbeginn.
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    Nicht nur Personaler stöbern im Netz, auch umsichtige Auftragnehmer wie ich.

  23. @confratre: Big Point! Wie...
    @confratre: Big Point! Wie konnte ich nur meine beiden vorehelichen Ex-en unterschlagen? Tatsächlich schließe ich die beiden gelegentlich mit guten Wünschen ins Nachtgebet mit ein und erkundige mich gelegentlich auch nach dem Wohlbefinden.
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    @Bänder: Ach, so oft bin ich mit dem Get-a-life-Argument gar nicht konfrontiert. Es ist zwar in meiner privat frequentierten Blog-Community bekannt, dass ich Diskussionen nicht aus dem Weg gehe. Aber wer dann bei mir reinschaut ins Blog, kriegt schon mit, dass es auch ein Leben neben der Online-Existenz gibt.
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    Unter Evangelist verstehe ich ja eher jemand, der Risiken und Nebenwirkungen mehr oder weniger komplett ausblendet und nur über die zu erwartenden Heilswirkungen predigt. Und das wäre meine Rolle genausowenig wie die des Apokalyptikers. Zumindest habe ich mich aber mal als Prophet versucht, und zwar als Co-Autor einer Studie des Zukunftsinstituts. Ein kühner und weit in die Zukunft reichender Wurf ist mir da freilich nicht gelungen, die aktuellen Entwicklungslinien des Medienwandels waren vor einem halben Jahrzehnt schon einigermaßen vorgezeichnet, auch wenn sich ein paar Begrifflichkeiten geändert und Schwerpunkte verschoben haben.
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    Gesellschaftliche Probleme im Zusammenhang mit Social Media etc. sehe ich durchaus einige, aber kaum poltisch-regulativen Handlungsbedarf, den Nutzer vor sich selbst zu schützen. Im Übrigen halte ich auch nichts von Rufen nach einer neuen Ethik fürs Netz und dergleichen mehr. In der Begründung zum sogenannten Bennetton-Urteil hat das Bundesverfassungsgericht einen schönen Satz geschrieben, der im übertragenen Sinn auch gut zu Diskussionen über Nettiquette und dergleichen passt: „Ein vom Elend der Welt unbeschwertes Gemüt des Bürgers ist kein Belang, zu dessen Schutz der Staat Grundrechtpositionen einschränken darf.“ Weise Worte.

  24. @Marvin: Zehn Jahre sind nach...
    @Marvin: Zehn Jahre sind nach Internetmaßstäben ein ganzer Äon, und ja, das nächste große Ding wird eher etwas sein, das wir noch nicht prominent auf dem Schirm haben, sehe ich auch so. Zu AOL & Co. muss ich anmerken, dass ich kurz nach dem Time-Warner-Megamerger im Frühjahr 2000 mit meinem früheren Seniorpartner (der inzwischen ein Internet-Startup betrieb) eine leidenschaftliche Diskussion führte, wie der Deal nun zu bewerten sei und was als nächstes käme. Für ihn war sonnenklar, dass die New Economy jetzt zu ihrem eigentlichen Siegeszug losmarschieren würde, Yahoo würde Disney schlucken, RTL in Lycos aufgehen und was nicht noch alles. Zu dem Zeitpunkt standen für mich diie Zeichen schon an der Wand, dass es das demnächst gewesen sein dürfte mit dem Höhenflug der Neuen Wirtschaft an den Kapitalmärkten. Und die Lektüre von Seiten wie fuckedcompany oder dotcomtod gab mir das tröstliche Gefühl, nicht der einzige zu sein mit dem schrecklichen Verdacht, dass der Kaiser ganz schön nackig dasteht (auch wenn mich dieser hämische Lästerton über jedes abgekackende Startup irgendwie auch anätzte).
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    @Vroni: OK, fürs beidseitige Beschnüffeln ist so ein Netzwerk zweifellos recht nützlich, das leuchtet ein. Wer einen halbwegs repräsentativen und aktuellen Querschnitt meiner Arbeit sehen will, müsste schon bei Genios ein bisschen Geld in die Hand nehmen. Tante Gu liefert nicht so viel verwertbare Treffer, da die Verlage meine Ergüsse in elektronischer Form meistens hinter Paywalls bunkern oder nur gedruckt ausliefern. Im eigentllichen publizistischen Kerngeschäft wird mir deswegen auch nicht viel entgangen sein, am ehesten dürften mir mangels Xing-Visitenkarte und Autoren-Homepage PR-Schreibaufträge durch die Lappen gegangen sein. Die wenigen wirklich interessanten Ghostwriter-Geschichten, die ich machte, kamen aufgrund persönlicher Kontakte zustande (und leider lässt sich sowas auch nicht gezielt akquirieren).

  25. @ Marco Settembr...
    Du wirst...

    @ Marco Settembr…
    Du wirst doch nicht persönliche Kontakte nach Guttenhausen …
    Sag, dass das nicht wahr ist.
    ^^

  26. Neeiiin, zu Politik und...
    Neeiiin, zu Politik und Wissenschaft hatte ich (abgesehen vom Studienfach Politikwissenschaft) keinen Bezug. Meine Klienten waren mehr so Marketingvorstände oder Werbeverantwortliche in Unternehmen, die auch mal was Geistreiches mit ihrem Namen drunter gedruckt sehen wollten. ;-))

  27. Von Marketingvorständen*...
    Von Marketingvorständen* erwartet man doch gar nix Geistreiches…
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    Aber vielleicht verstehen sie ja noch viel weniger als unseraans von souschäl mehdia. Dann versteh ich den Eingangsgedanken wieder vom wackeren Pfarrersmann, der Sexratschläge geben soll…
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    *Ein eher der Geisteswissenschaften unverdächtiges Völkchen würde man meinen.

  28. "Und insgeheim hoffe ich...
    „Und insgeheim hoffe ich natürlich, dass sich in den Kommentaren jemand outet, der in sozialen Netzwerken den Knaller-Auftrag an Land gezogen oder wenigstens den Partner fürs Leben gefunden hat. ;-)“
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    Nunja, so ungefähr. (Meine Adresse steht auf der Website eines bekannten Musiker, mit dem ich seit Jahrzehnten arbeite. Und dadurch folgendes:)
    2001 bekam ich eine interessante und lieb und intelligent & englisch geschriebene E-Mail von einer musikbegeisterten Julia aus St. Petersburg (nein, nicht das in Florida). Wie es meine Art ist, schrieb ich freundlich & ausführlich zurück, über Musik, über den Musiker, und auch anderes: Literatur, etc.
    So ging das ein paar Mal hin und her.
    Langer Tipperei kurzes Fazit: Seit 8 Jahren sind wir immer noch glücklich verheiratet. Sie kommt gerade zur Tür herein und hat ein Stück Kuchen für mich alten Zausel mitgebracht.
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    Also einen Partner hab ich zwar nicht durch „soziales Netzwerk“ gefunden – gab’s sowas damals schon? – sondern durch die damals modernste(?) Technik: Web & E-Mail. Obwohl das nicht meine Intenton war; ich war nicht auf der „Suche“.
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    Facebook & Co: ich mache bei keiner dieser Adressen- und Konsumgewohnheits-Sammelmaschinen mit, sondern stimme Fefe zu: „Nein, ich will keinen Newsletter subscriben. Nein, ich will nicht an eurer Umfrage teilnehmen. Nein, ich will nicht eure einzigartigen Angebote sehen. Und ich will auch nicht euer Freund auf Facebook werden. …“.
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  29. @jeeves: Hach, eine übers Web...
    @jeeves: Hach, eine übers Web entflammte Liebe, die auch noch Entfernungen und Ländergrenzen überwindet, so etwas rührt doch deutlich mehr als die algoritmusgesteuerten Treffer in irgendwelcheen Dating-Portalen, von denen man ja auch immer öfters hört und liest. Im Zusammenhang mit Facebook habe ich noch keine herzerwärmenden Geschichten gehört, in denen Herz zu Herz sich findet, aber zumindest weiß ich von ein paar Pärchen. die über die Bloggerei zueinander gefunden haben. Im Dezember gab es hier in D-Dorf gar eine Bloggerhochzeit.

  30. Ist eigentlich dieser...
    Ist eigentlich dieser Facebook-Aspekt bekannt?
    —> http://facebookfanskaufen.com/

  31. @Klaus: Ich hörte...
    @Klaus: Ich hörte verschiedentlich davon, dass Facebook-Fans (die inzwischen nicht mehr so genannt werden) käuflich zu erwerben seien. Bin der Frage aber mangels konkretem Aufhänger/Anlass nicht weiter nachgegangen.
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    Wirklich wundern muss das jedenfalls nicht. Grad vor ein paar Tagen gab es in der Fachpresse eine Auswertung zu lesen, wie gering doch der Anteil der FB-Nutzer ist, die Marken und Produkte „liken“ oder sich sonstwie damit auseinandersetzen. Es braucht keine Prophetengabe, um zu vorherzusehen, dass sich dieser Prozentsatz mit der Zeit den verschwindend kleinen Klickraten herkömmlicher Bannerwerbung annähern wird.

  32. @@ marco, Klaus: thema fb
    Mich...

    @@ marco, Klaus: thema fb
    Mich würde interessieren, ob es bereits ein best-practice-Beispiel von Unternehmen gibt, die mit facebook nachweislich wirtschaftliche Erfolge einfahren.

  33. @Vroni, ich stecke in dem...
    @Vroni, ich stecke in dem Thema nicht so tief drinne, dass ich aus dem Stand mit einschlägigen Benchmarks und Sacksäss Stories aufwarten könnte. Vermutlich wäre die Frage bei off-the-record, werbeblogger oder indiskretionehrensache zielführender adressiert.
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    Irgendwelche Meldungsschnipsel, dass Firma A behauptet, bei FB was ganz tolles gebacken zu kriegen, liest man mitunter schon. Aber welche KPIs legt man da zugrunde? Nur Eyeballs oder auch Euros in der Ladenkasse? Da wirds dann wahrscheinlich recht schnell dünn, denn der sogenannte F-Commerce steckt ja noch in den Kinderschuhen (um mal eine völlig ausgelutschte Phrase zu bemühen).

  34. In den USA geht's endlich los...
    In den USA geht’s endlich los (also nix wie hinterher, wie immer):
    „Facebook Suicide“
    Destroy your carefully constructed virtual image in four easy clicks:
    http://www.adbusters.org/magazine/80/quit_facebook.html

  35. Hm, ich weiß nicht, irgendwie...
    Hm, ich weiß nicht, irgendwie riecht dieser Beitrag ein bisschen nach öffentlichem Büstenhalter-Verbrennen. Mich hat Facebook nie in dem Maß fasziniert, absorbiert und schließlich eingeengt, dass sich da entsprechender Leidensdruck aufgebaut hätte, mit großer Geste den Stecker zu ziehen.
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    Sicher, bei der Bloggerei hatte ich auch eine Phase, in der mich dieses neue Spielzeug sehr in Beschlag nahm. Aber wenn ich die Eigenleistung nicht aufgebacht hätte, das wieder auf ein vertretbares Niveau runterzuregeln, hätte ich es nicht unbedingt auf das Medium als solches geschoben. Vielleicht hat mich diese Erfahrung ja ein bisschen immunisiert gegen die Sogwirkung von Facebook. Ich unterhalte da eine Präsenz, hauptsächlich um mit ein paar Freunden und Ex-Kollegen, die nicht mehr in meiner unmittelbaren Umgebung wohnen, auf Tuchfühlung zu bleiben. Selbstdarstellung spielt da nur eine untergeordnete Rolle.

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