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Deus ex Machina

Deus ex Machina

Über Gott und die WWWelt

Druck vom digitalen Drill-Instructor

| 30 Lesermeinungen

Smarte Gerätschaften versprechen unser Leben angenehmer zu machen. Doch wenn wir nicht aufpassen, leben wir bald in einem permanenten Bootcamp der technikgestützten Selbstoptimierung.

Die Deutschen stehen ja im Ruf, es mit der Mülltrennung recht genau zu nehmen. Doch die wahren Weltmeister dieser Disziplin wird man in England suchen müssen. In vielen Städten und Gemeinden auf der Insel stehen mehr als vier unterschiedliche Behältnisse pro Haus bereit, in Newcastle-under-Lyme etwa sind es Zeitungsberichten zufolge nicht weniger als neun unterschiedliche Tüten, Kübel und Tonnen, die es richtig mit Abfall-Komponenten zu befüllen gilt.

So wird es nicht verwundern, dass ausgerechnet ein deutsch-englisches Entwicklungsteam einen smarten Abfalleimer ausgetüftelt hat, der seinen Besitzer zu peniblerer Mülltrennung animieren soll.  Herzstück der BinCam ist eine Smartphone-Kamera im Deckel, die jedes Mal ein Bild schießt, wenn der Deckel zugeht. Das Foto wird automatisch zu dem Crowdsourcing-Dienst Mechanical Turk von Amazon hochgeladen. Dort sehen sich Leute das frische Bild vom Eimerinhalt an und entscheiden, ob das nun umweltgerechtes Wegwerfverhalten war oder nicht. Das Ergebnis wird in symbolischer Form in einer Facebook-App gepostet – und je nach Freigabe der Daten sehen auch die Facebook-Kontakte, ob man vorbildlich entsorgt hat oder nicht. Auf diese Weise soll beim Benutzer selbst das Bewusstsein für ein recycling-orientiertes Müll-Verhalten geweckt werden, und der soziale Druck im sozialen Netzwerk soll auch zum Wohlverhalten motivieren. „Natürlich gibt es da ein ‚Schande-über-Dich‘-Element in dem Experiment, aber insgesamt soll es mehr auf eine unterhaltsame als beschuldigende Art Bewusstsein für die richtige Mülltrennung wecken“, beschwichtigte die Projektleiterin Anja Thieme gegenüber der Zeitschrift „Elektronik Praxis“.

Nun ist das Beispiel BinCam schon zwei Jahre alt, und im Elektrogeschäft meines Vertrauens ist der Mülleimer mit Prangerfunktion noch nicht im Angebot. Aber das dürfte nur eine Frage der Zeit sein, denn smarte Apps und intelligentere Gerätschaften sind auf dem Vormarsch. Futurologen und Technik-Enthusiasten schwärmen schon von einer neuen Dimension der Mensch-Computer-Interaktion, von einer Zukunft, in der wir uns mit unseren Computern unterhalten, sie uns immer besser kennenlernen und darauf basierende Vorschläge unterbreiten, etliche unserer Alltagsprobleme lösen und auch Arbeiten im Haushalt für uns übernehmen.

Das hört sich doch gut an, und was spräche denn gegen Regenschirme, die wissen, dass oder wann genau es regnen wird – oder gegen Schuhe, die das Laufverhalten protokollieren und vielleicht sogar Vorschläge parat haben, wie sich das Training noch optimieren ließe? Was soll schon schlimm sein an smarten Uhren, die pulsieren, wenn ihr Träger eine neue Nachricht auf Facebook erhält, an smarten Waagen, die mein Gewicht auf Facebook teilen, um with a little help from my friends meinen Abnehmwillen zu stärken? Was soll es schon schaden, dem inneren Schweinehund mit ein bisschen externem Druck von außerhalb zusätzlich Beine zu machen?

Im jetzigen Stadium eigentlich recht wenig. Doch für den notorischen Netz-Skeptiker Evgeny Morozov weisen viele der smarten Technologien (und die Ideologie dahinter) in eine Richtung, „die durchaus verstört“. Die Vordenker des Silicon Valleys sähen in der Technik nicht mehr nur Produktchancen, sondern auch das Potenzial, Menschen zu erwünschterem Verhalten zu erziehen – sei es mit Stupsen oder mit Schieben. Es gehe dabei um nichts Geringeres als Gesellschaftsveränderung – getarnt im Gewand der Produktinnovation. Wenn wir uns immer mehr auf diese digitalen Helferlein verlassen und uns abhängig machen von den positiven Rückmeldungen für Wohlverhalten, geht es uns womöglich irgendwann wie dem Zauberlehrling, der nicht weiß, wie er die dienstbaren Geister, die er rief, wieder loswerden soll. „Smarte Gabeln informieren uns, dass wir zu schnell essen. Smarte Zahnbürsten drängen uns dazu, länger zu putzen. Smarte Sensoren in unseren Autos können uns sagen, wenn wir zu schnell fahren oder zu plötzlich bremsen“, schreibt Morozov. Doch auf lange Sicht gefährdeten smarte Technologien unsere Autonomie, indem sie Verhaltensweisen unterdrücken, die irgendwer irgendwo für nicht wünschenswert erachtet.

Mike Elgan geht auf computerworld.com noch einen Schritt weiter und fragt sich, ob all die smarter werdenden Gerätschaften nicht auf Kosten unserer eigenen Intelligenz als Nutzer gehen. Nun ist Intelligenz nicht unbedingt ein Nullsummenspiel, und entsprechend steht Verblödung auch nicht sonderlich weit oben auf der Liste der Dinge, die mir in diesem Zusammenhang Sorge machen. Das überlasse ich lieber einem Manfred Spitzer.  Aber die Frage, ob wir uns tatsächlich einen Gefallen damit tun, unser Tun und Lassen zunehmend von extern programmierten Geräteintelligenzen (und womöglich auch von der mit uns vernetzten Crowd) bestimmen zu lassen, hat ihre Berechtigung. Es muss ja nicht so brachial ablaufen wie in George  Orwells „1984“, wo der Protagonist eines Morgens beim Frühsport von einer Stimme aus dem Televisor angeblafft wird: „Smith! 6079 Smith W.! Ja, Sie meine ich. Tiefer bücken, wenn ich bitten darf. Sie bringen mehr fertig als das, was Sie da zeigen.“

Der Druck vom digitalen Drill-Instructor funktioniert subtiler: Vorige Woche telefonierte ich mit einem Bekannten, der mir lang und breit schilderte, wie hilfreich es doch sei, dass man mit Hilfe von schlauen Apps sowohl bei der Nahrungsaufnahme als auch beim Abstrampeln von Kalorien via Laufen und Radfahren immer ganz penibel die Folgen seines Tuns quantifizieren könne. So berechne er, bevor zur Schokolade greife, für wie viele Rippen er wie weit radfahren müsse bei ausgeglichener Brennstoffbilanz, und so setze er sich immer erst zum Strampeln aufs heimische Ergometer, bevor er sich anschließend mit seinen genau abgezählten Schokoladestückchen belohne.  Seit er konsequent seine Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten messe, habe er schon zehn Kilo abgenommen.

Kann man ja alles machen. Sogenanntes Self-Measurement liegt voll im Trend. Aber mir wäre doch unwohl, wenn all die smarten Apps und Apparate ständig nach Hause telefonierten, um meine Daten in den großen Pool einzuspeisen. Die Erfahrung lehrt, dass personenbezogene Daten nicht unbedingt immer nur zu unserer Beglückung verwendet werden. Man fragt sich auch, wovon Tüftler, die tagsüber Sachen wie die BinCam entwickeln, nachts träumen. Vielleicht von Toiletten, in denen man sich vor dem Betreten persönlich identifizieren und anmelden muss und wo man einen leichten Elektroschock versetzt bekommt, wenn man nach einem kleinen Geschäft die Spültaste für das große Geschäft betätigt, anstatt die Sparfunktion zu nutzen. Oder wie es Kommentator zu dem Bericht über den Recycling-Wahn in Newcastle formulierte: Next they will have you picking the corn out of your stool before you flush.

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30 Lesermeinungen

  1. Wer befreit die Bootcamp Insassen?
    Egal was die Electro Schrott Ideologen sagen, fuer mich bleibt der Mensch die “Kroenung der Schoepfung”. Also kaum eine weiter Selbstoptimierung perTechnogear, noetig.
    Als ironisches Beispiel solch eines natuerlichen Wunders, werde ich mich nicht intimitieren lassen von Bin Cameras, Surveillance Systems, Nav Systemen, und anderem Zeug das mir sagt was ich tun soll. und wie ich es tun soll.
    Genug davon.
    Tschuldigung fuer das Denglish — I am my own man, and I’ll continue to do as I please (within the limits of the law), wth or without the Electro Ballast.
    Diese Geraetschaften Sache, koennte ja der Anfang vom Ende sein wenn Electro Schrott Verwalter, Electro Schrott Benutzer dazu draengen dieses oder jenes zu tun. Gefaellt mir ueberhaupt nicht.
    Das hoert sich an wie “Behaviour Modification”.
    Und wer weiss was gut fuer mich sein soll? Kommt man dann in Behandlung?
    Was demnaechst? Kommt der Electro Schrott Inspektor und hohlt mich vor Gericht zu erklaeren warum ich die plastische Zahnpasta Tube, in die Edel Metall Tonne geworfen habe? Dann wollen die wo moeglich bald biometrische Information, besonders den Face Scan, um festzustellen ob ich lachte, oder mich aergerte als ich diese angeblich ueble Tat tat?.
    Hilfe. SOS.
    Befreit die High Tech Sklaven.
    Enough of the madness.
    Wer wird uns vor dem Tsunami der Information schuetzen?
    Da bleibt wohl nur noch die On/Off Switch, um das Zeug abzustellen.
    Pax vobiscum

    • @EgonOne, wer weiß, was ausschalten alleine bei smarten Gerätschaften noch hilft. Ich selber habe es nicht überprüft, aber angeblich bleibt ein Handy auch im ausgeschalteten Zustand noch in Verbindung zum nächtgelegenen Funkmast und damit in der jeweiligen Funkzelle eingebucht. Um das abzustellen, muss man wohl schon den Akku rausnehmen. Ich selber bin kein Gadget-Typ, aber auch nicht unbedingt ein digitaler Diogenes in der Tonne. Ich lasse mich bei längeren Fahrten doch immer wieder von meiner Frau belabern, das Navi anzustellen, sie möchte wissen, wieviel Fahrzeit das Gerät veranschlagt – auch wenn ich diese Information vorher schon bei Google Maps eingeholt habe. Und bisweilen habe ich mich auch schon geärgert, dass ich mich vom Navi anders leiten ließ als ich ohne gefahren wäre. Aber es hatte, das muss man fairerweise sagen, auch schon gute Strecken oder Abkürzungen parat, auf die ich selber nie gekommen wäre. So weit würde ich nicht gehen, dass Elektronik per se gleichbedeutend wäre mit Schrott. Aber allzuviele “smarte” Gerätschaften werden mir in absehbarer Zeit eher nicht ins Haus kommen, da bin ich ziemlich sicher.

  2. Klingel am colnago?
    Schau ich mich in den Kneipen und Cafes um, so kann die Sorge gar nicht groß genug sein, das alles so kommt wie beschrieben. Sogar Familien habe ich eben gesehen, jedes Mitglied mit smartphone bewaffnet und damit mehr oder weniger interessiert fummelnd, während Ronaldo&Co. Real Madrid zum 5:2 schoss.
    .
    Marco, Sie als gebürtiger Italiener und Rennradfahrer sollten wissen, daß eine Klingel am Colnago so verpönt ist wie ein smartphone mit Benimmapp beim Dinner mit Ihrer Allerliebsten.

    • perdon,
      ich hatte meinen Gast vergessen.

    • Werter Nico, das ist eine gute Gelegenheit, ein paar Dinge geradezurücken: Das einzige italienische an mir ist mein Blogpseudonym, das Rad ist ein Koga Miyata, also was niederländisch-japanisches, und inzwischen hat es nicht nur eine Klingel, sondern auch ein Diodenrücklicht. Ich muss nämlich nicht auf dem Grabstein stehen haben, “Er war Purist.” ;-)

      Ansonsten: Was Sie sagen. Ich hatte bei einer früheren Diskussion mal die schaurige Jeder-wischt-nur-noch-auf-seinem-Smartphone-rum auf rense.com verlinkt, weiß nicht, ob das jetzt im neuen System noch klappt: http://rense.com/general95/intrenetzomb.html Ähnliche Szenen habe ich auch mit eigenen Augen gesehen – und mir mein Teil dazu gedacht.

  3. (off topic) Nico,
    der mit den Colnagos war Don Alphonso – und der ist auch nur selbsterklaerter Moechtegernsuedtiroler.
    Erfahrungsgemaess hilft ein lautes “Hey!” uebrigens wesentlich zuverlaessiger als eine Klingel; wirkt halt immer etwas unfein.

    • my dingeling
      Ganz falsch, lieber T.I.M! :-) Im Unterbewusstsein des bummelnden Flaneurs ist eine Fahrradklingel fest verankert als Alarmsignal.

      Selbst wenn Sie als radelnder Zeitgenosse gerade einem Fußgänger durch ein lautes heh! das Leben gerettet haben, wird er Ihnen doch seine Missbilligung nicht verschweigen, die der Verzicht auf eine Klingel mit sich bringt.

      Der Fußgänger möchte beklingelt werden und ein dezentes Anschlagen der Klingel nehmen viele Fußgänger auf hundert Meter wahr. Da müssten Sie schon sehr oft heh brüllen, um die gleiche Wirkung zu zeitigen.

    • Das deckt sich mit meinen Erfahrungen. Da kann man freundlich Laut geben wie man will, meistens heißt es dann doch, “warum haben Sie nicht geklingelt?” Und es stimmt auch, dass so ein dezentes “ding* schon aus größerer Entfernung wahrgenommen wird als eine stimmliche Botschaft. Für Pedaleure, die mehr auf Autostraßen unterwegs sind als auf Wanderwegen, wäre eine Autohupe wohl effektiver. Gibt’s leider nicht. Oder doch? http://www.kickstarter.com/projects/lansey/loud-bicycle-car-horns-for-cyclists

    • Titel eingeben
      Das deckt sich mit meinen Erfahrungen. Da kann man freundlich Laut geben wie man will, meistens heißt es dann doch, “warum haben Sie nicht geklingelt?” Und es stimmt auch, dass so ein dezentes “ding* schon aus größerer Entfernung wahrgenommen wird als eine stimmliche Botschaft. Für Pedaleure, die mehr auf Autostraßen unterwegs sind als auf Wanderwegen, wäre eine Autohupe wohl effektiver. Gibt’s leider nicht. Oder doch? http://www.kickstarter.com/projects/lansey/loud-bicycle-car-horns-for-cyclists

    • Also ich habe da eher...
      Fussgaenger vor Augen, die, auf dem Fahrradweg gehend, sich auf ein Klingelgeraeusch hin erstmal neugierig umdrehen, anstatt den Weg freizumachen. Ein undezenter vokaler Hinweis hat hingegen meist das sofortige Verlassen des Radweges zur Folge. Mit den weiterten Folgen, dem Maulen von hinten, kann ich leben.

      Das waren zumindest meine Beobachtungen in Deutschland. Hier (Ostkueste) hat man vielmehr mit Autofahrern zu kaempfen, die in ihrer sog. Fahrausbildung nie etwas vom Schulterblick gehoert haben. Da waere das bycicle car horn tatsaechlich oft angebracht.

    • Hm,
      wahrscheinlich gibt es da regionale oder landsmannschaftliche Unterschiede. Der Niederrhein ist schon recht nah an den Niederlanden, dem gelobten Land des Fietsens, entsprechend wird der Klang einer Fahrradklingel vom Fußgänger in 9 von 10 Fällen richtig dechiffriert und in die Handlungsanleitung “tritt ein Stück nach rechts beiseite” (oder gerne auch: Halte Deinen Hund fest) umgesetzt. Hier führt eher die verbale oder vokale Ansprache zu dem Zwischenergebnis “erst umdrehen und gucken, wer einen da anquatscht oder anpflaumt und dann rumdiskutieren”.

      Am Stahlrenner Sir Walter hatte ich seit jeher eine Klingel, am Koga nicht. Und wenn es mit nicht so viel besser funktionieren würde, hätte ich die rotgraue Rakete auch nicht nachgerüstet.

  4. Neulich in der Kneipe.
    Zwei sichtbar frisch Verliebte 19-20J. am Nebentisch. Samtweicher, herrlicher Abend. Wetter zum “Helden zeigen!”:-)
    .
    Alle 5 Minute, nach ausgiebigen “in die Augenschauen” und Händchen halten, zückten die Ihre Smartphones und waren 3-5 Minuten “wo anders”. Wie dieses Pärchen seine “zwischenmenschlichen Beziehungen” an diesem Abend wohl weiter geführt hat, mit oder ohne Smartphone?????
    .
    Habe lange darüber nachgedacht:-))
    .
    Aber was willst du in einer Welt, in der man den Bäcker nicht mehr OHNE Navi findet, “Allzeit Online” ist und Leute Sport treiben, nicht weil sie es gut oder wichtig finden, sondern um dir beim gemeinsamen Essen (erstklassiges Microwellenmenue mit 4 Gängen) die Pulsraten, Laufstrecken und Tranigserfolge der letzten 3 Monate vor zu führen:-((
    .
    Feuermachen im Ofen, denaturieren von frischen Lebensmitteln zu einem Essen,…. sind doch schon zu Spezialkenntnissen geworden. Geniessen OHNE Dokumentation, Status ist doch sehr “out”. Ich warte auf den Sensor und das APP, das es ermöglicht, vor dem Trinken die Daten des Weins “hochzuladen” damit die “Freunde” an dem Genuss teilhaben können:-)
    .
    In diesem Sinn
    gruesst
    Sikasuu
    (für den noch nicht die Welt untergeht wenn das Deo versagt oder die warme Dusche nicht 24 Std. am Tag zur Verfügung steht)

  5. Nicht zu vergessen dass die Orwellsche Vision
    mit einem Kamera-Auge in jedem Zimmer dank Laptops und sog. intelligentem (!) TV mit eingebauter Webcam dank dem in Bälde flächendeckend eingesetzten Bundestrojaner einen noch viel umfassenderen Kontrolleffekt ausüben wird.

    Welche Aktivitäten der Autor beim Fernsehen vermutet hat er schon früher mal verlauten lassen….

    • Das Thema mit den ins Wohnzimmer glotzenden Set-Top-Boxen und Fernsehern habe ich übrigens einer Fachpublikation für Bewegtbild-Kommnikation angeboten. Bislang noch keine Rückmeldung. Mir scheint auch, das Interesse der hiesigen Fernsehsender an dieser Innovation hält sich in Grenzen. Wohl nicht zuletzt aus Sorge um das bestehende Erlösmodell mit der breit gestreuten Werbung, das allen Unkenrufen von Web-Evangelisten zum Trotz immer ganz gut läuft.

      Ansonsten finde ich es fast schon putzig, wie Ihnen diese launige Bemerkung von damals nachhängt, nur weil ich keinen Smiley dahinter gekringelt habe. Aber dass ich nicht vom Fernsehen sprach, sondern vom Verfassen ungalanter Kommentare zu Beiträgen von Kolleginnen, möchte ich schon geraderücken (auch wenn ich es aufgrund des &%?§$-Systemwechsels hier nicht mehr mit dem Originalkomentar belegen kann).

  6. Marco Settembrini di Novetre nur ein Pseudonym?
    Da bin ich hier wohl falsch. Ich dachte, hier wenigstens ginge es noch ehrlich zu, wie anzunehmenderweise heute bei Mailand – San Remo.
    “Marco”, Sie werden wohl eher nicht dabei sein, nehme ich an, dann da fahren nur solche, die noch was auf Radsport-Tradition geben. Und als Zuschauer werden Sie mit so einem Nippes von Italienern nur mitleidig beäugt, so viel ist sicher. Jenseits der Alpen sollte man sich, auch der guten Verköstigung wegen, nur auf italienische Traditionsmarken verlassen. Ich weiß, wovon ich schreibe. Was meinen Sie, wenn ich mit meiner Bologneser Diva über die Alpen donnere, da macht Mamma schon die Spaghetti vongole für mich. Das geht auch ohne app und email, aus reiner Intuition.

    @T.I.M., Don Alphonso, kenn ich nich. Ist das auch so eine Kunstfigur?

    • Der geschätzte Blogger-Kollege Don Alphonso ist vor zwei Jahren die Eroica gefahren (der Bericht erschien nur in der gedruckten FAZ), und ich finde es toll, dass es sowas gibt. Ich mag es auch, wenn Tweedrun-Enthusiasten ihre Rotzbremse mit Original-Bartwichse von 1920 zum Glänzen bringen, aber mir selber geht so ausgeprägter Authentizitätsdrang eher ab. Ich habe meinem Stahlrenner von 1990 die offenen Wäscheleinen gekappt und einen Zeitfahrlenker mit STIs montiert (http://mark793.blogger.de/static/antville/mark793/images/01010516.jpg). Da rollen sich dem Puristen auch die Fußnägel, aber ich liebe diesen Lenker. Im Winter oder bei Touren mit Feldweg und Schotterstraßen fahre ich einen robusteren Systemlaufradsatz mit Profilreifen, der puristisch betrachtet auch nicht wirklich super passt (http://mark793.blogger.de/static/antville/mark793/images/img_7615.jpg), aber da bin ich einfach mehr Pragmatiker als Traditionalist. Für mein angestammtes Radrevier zwischen Neanderthal und Niederlande passt das schon. Vermutlich würde ich mir in Italien einen dortigen Barilla- oder Buitoni-Bomber ausleihen. ;-)

  7. Ja die Wischerei
    Da wir mal wieder bei unnoetiger Nutzung von Technik sind:
    http://www.youtube.com/watch?v=vTLInBfuGrY

    Man koennte glat was an sich kriegen.

    • Stimmt
      Sie meinten sicher, in Anlehnung an den Schluß, wohl den unkontrollierten Stuhlgang…
      Und dazu die Werbung der Chas-Fluggesellschaft Iberia. Passt schoo.

  8. Dem Wahren und Schönen gewidmet
    sage ich, lieber Marco (denke just an den Pantani): Lieber als Purist in Stein gemeißelt als Appist einfach weggewischt werden.
    Schön waren die Zeiten, als eine handgeschriebene Botschaft in einer Sänfte vorbeigebracht wurde. Und Zeitungen vor dem Lesen gebügelt wurden. Da macht sich dann eine Eorica mit auf alt gemachten Bildern besonders gut. Und wurde natürlich auch gelesen.
    Bei der Gelegenheit stellt sich auch die Frage, inwieweit nun dieser app-Kult nun schon die den Bußgeldkatalog Einzug fand. Immer mehr Lenker werden schon mit diesem Unrat versaut – und bedient während der Fahrt. Sie putzen nicht, nein, sie wischen und suchen. Bei Wanderen auch vermehrt zu sehen, sie stehen in der Gegend und warten auf Netz. Wie schön sind doch die Papier-Karten 1:50000. Dieses ganze Monster gehört zerstört.

    • Ich bin im Netz, also bin ich
      Die Handbedienung von Smart- und anderen Phonies während der Fahrt ist schon lange bußgeldbewehrt – nur interessiert es niemanden.
      Früher konnte man ja noch mitleidig sein: so ein schickes Auto und so ein cooles Handy, aber kein Geld für eine Freisprechanlage oder wenigstens Ohrenknöpfe…
      Mittlerweile gibt es ja schon Autotests, bei denen zum Fahrverhalten kaum noch etwas gesagt wird, aber ausführlich die Internetanbindung, die Sprach- und Menüsteuerung besprochen werden und statt der haptischen Anmutung des Softlacks nun die anmutige Stimme des Navis gelobt wird…
      Konsequent wäre es eigentlich, das Auto per Handy zu steuern – uups – ein Funkloch…

    • …oder gleich Tante Gu ans Steuer des Autos zu lassen.

  9. Selbstoptimierung vs. Optimierung des Selbst
    Selbstoptimierung, das habe ich selbst wahrgenommen. Abschalten, das hilft, nicht im Optimierungssinne und irgendwie doch, denn: ich war ich und das ist ja heute schon mal was.

  10. Titel eingeben
    Ich weiß, dass das mit den Mülltonnen nur ein Beispiel ist.
    Es sei jedoch der Hinweis gestattet, dass diese Entsorgungskonzepte eher nicht mehr dem Stand der Kunst entsprechen.

    Dem Stand der Technik und dem Prinzip des ehrbaren Kaufmanns entspräche es eher, den Müll in der Tonne NICHT zu trennen, nicht mal Plastik vom Hausmüll, sondern sich diesen Aufwand an Infrastruktur, Anmut und Mühe zu sparen und den Müll beim Entsorgungsunternehmen maschinell zu trennen.

    Das ist technisch gut zu bewerkstelligen. Und wenn es heute an die Entscheidung käme, ein solches System neu einzuführen, würde man es höchstwahrscheinlich so handhaben: Mülltrennung maschinell beim Entsorger. Manch engagierter Verbraucher müsste sich dann zwar vielleicht ein Ersatz-Ventil für seine liebgewonnenen Ablasshandlungen besorgen (Ablassventil, hihi), aber auch den Umweltschweinen unter uns, die das Mülltrennen nie hinbekommen haben, wäre diesbezüglich der gelbe Sack aus der Hand genommen.

    Dass man jenes Konzept beibehält, das man in Deutschland als Der Grüne Punkt kennt, das dürfte vor allem daran liegen, dass es Vertragslaufzeiten gibt und die angeschaffte Infrastruktur sich für die Interessengemeinschaft Grüner Punkt rentieren soll und muss.

    • „Stand der Technik“
      „Stand der Technik“ mit automatischer Trennung ist ja gut und schön, aber dann müßten Grüner Punkt & Co ja mal Geld in die Hand nehmen, statt immer nur welches in die Tasche zu stecken. Der hier vorgeschlagene Zustand wurde in Frankreich übrigens Anfang der Neunziger eingeführt, als hier gerade die erste Tonnenblüte wucherte. Allerdings mit einer klitzekleinen Variante: der Verpackungsmüll wurde nicht maschinell sortiert, sondern – o Graus! – verbrannt. Wenig später wurde für England vom „New Scientist“ vorgerechnet, daß dort selbst das Papier-Recycling nicht wirklich sinnvoll sei; das Titelblatt forderte: „Burn it!“
      Hierzulande habe ich vor kurzem noch eine Steigerung gesehen: da ja der GP nicht mehr Monopolist ist, wurde auf großen Zetteln darauf hingewiesen, daß nur noch Verpackungen mit dem „Grünen Punkt“ in die entsprechenden Säcke gegeben werden dürften. Das stellt dann für einen SmartBin eine ganz neue Herausforderung dar.
      Allerdings ließe sich diese auch wieder leicht dadurch lösen, daß man einfach jede Verpackung mit einem RFID-Tag versieht. Damit könnte man das Verfahren ja sogar zweistufig gestalten: benutzt man die falsche Tonne, piepst es, und wenn man dann trotzdem nicht brav ist und das Zeug in die richtige Tonne wirft, gibt es den FB-Pranger.

    • Hihi,
      wenn Sie wüssten, wo ich die RFID-Tags (etwa von den Rasierklingenpackungen) überall hinpappe.

      Davon abgesehen ist es auch hierzulande so, dass nicht geringe Mengen des aufwendig sortierten und geschredderten Verpackungsmülls (wie tonnenweise extra gesameltes Altpapier auch) der thermischen Verwertung zugeführt werden, um die nötige Brenntemperatur zu gewährleisten. Seit nämlich manische Mülltrenner auch Teebeutel auseinandernehmen und auch Eierkartons zum Altpapier packen (obwohl aus denen beim besten Willen kein Umweltpapier mehr zu machen ist), sind die Heizwerte des Restmülls so im Keller, dass man das Zeug ohne Zufuhr von zusätzlichem Brennstoff kaum noch verfeuern kann.

      Ich hatte diesbezüglich mit meiner früheren Lebengefährtin (die meinte, Joghurtbecher noch mit kostbarem Trinkwasser ausspülen zu müssen) viele Diskussionen, die sie dann doch nicht so recht vonihrer sinnlosen Handlungsweise abbringen konnten. Denn, wie sagte sie immer so schön: “Aber man muss doch was tun.”

    • Deutsche Gründlichkeit eben
      hat ihren Preis. Alles muß ganz genau sein, was in anderen Ländern auch anders geht. Bei der Maut-Erfassung meinte man, ein epochales System gefunden zu haben. Keiner darf entwischen. Die Praxis sieht anders aus. PKW-Zulassung ebenfalls. Jedes Fahrzeug ein Kennzeichen, mit Ausdruck des Zulassungsortes. Vom Holocaust, ist irgendwie gerade Thema, auch von Hr. Schirrmacher durch den Beitrag im ZDF, wollen wir erst nicht reden. Biogasanlagen mit der Verbrennung von feinstem Weizen und Mais und deren Beschaffungslogistik – und Problematik – ja, das System muß sich rentieren, deswegen ist jedes Mittel recht, es am Laufen zu halten – über 20Jahre.

    • Tja, wie heißt es in diesem Zusammenhang immer so schön? “Deutsch sein, heißt eine Sache um ihrer selbst willen zu tun.” Ich vermute auch, dass das Mautsystem schon mit Blick auf eine Erweiterung auf alle Fahrzeuge so aufwendig konzipiert wurde. Aber das mit den ortsbezogenen Kfz-Kennzeichen machen die Italiener auch schon seit Jahr und Tag, und ich meine, Österreich hätte da inzwischen auch nachgezogen.

    • Argh,
      das System versteckt Kommentar-Antworten von mir, die ich direkt über das Admin-Interface eingebe. Die sind im System, aber werden nicht draußen angezeigt. Also nochmal:

      Tja, wie heißt es in diesem Zusammenhang immer so schön? “Deutsch sein, heißt eine Sache um ihrer selbst willen zu tun.” Ich vermute auch, dass das Mautsystem schon mit Blick auf eine Erweiterung auf alle Fahrzeuge so aufwendig konzipiert wurde. Aber das mit den ortsbezogenen Kfz-Kennzeichen machen die Italiener auch schon seit Jahr und Tag, und ich meine, Österreich hätte da inzwischen auch nachgezogen.

    • Falsch,
      es war viel simpler, das Kernproblem des Maut (Tollcollect)system war, das an den ganzen Erfassungsstellen sprich Brücken nur 10 von 100 Geräte installiert waren, so daß gar nicht flächendeckend festgestellt werden konnte, daß die LKW gar keine Ombuts (oder wie die heißen), Geräte die wiederum von den Brücken angepeilt werden, an Bord hatten. Dies hatte seinerzeit der Spiegel auf einer nächtlichen “Prüffahrt” ohne Ombut über tausend Kilometer festgestellt. Man hatte nur geringfügige Beträge bezahlen müssen, die über das Kennzeichen, meine ich, eingezogen wurden. Anders, wenn auf allen Brücken Geräte montiert gewesen wären. Also: ein zahnloser Tiger. Wie es heute ist, weiß ich net.

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