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Was Wissenschaft darf

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Die Sozialwissenschaften dilettieren in letzter Zeit gelegentlich mit genetischen und psychometrischen Daten - was allerlei Fragen aufwirft: methodische wie auch moralische.

Mitte der 90er Jahre habe ich ein Jahr an einer amerikanischen High School im Süden der USA verbracht. Vieles war dort anders, nicht zuletzt das Schulsystem. Ich habe wesentliche Teile meiner Zeit damit verbracht, 50 Bundesstaaten, 50 Hauptstädte, 40 Präsidenten, 9 Supreme Court Richter, unzählige historische Fakten, und viele Zahlen, Primzahlen, Quadratzahlen, Sinuszahlen auswendig zu lernen.

Letzere nämlich sind wesentlich im amerikanischen Bildungssystem. Vom Schulabschluß bis zur Promotion erfordern “standardized tests” im mathematischen Teil oftmals schnellere und bessere Kopfrechenfähigkeiten als in Deutschland – oder man hat die wichtigen Zahlen einfach auswendig abrufbereit. Im Laufe des Jahres hatte ich reichlich Gelegenheit zu üben – aber anfangs war mir das Konzept der “standardized tests” sehr fremd. Runde Kullerchen mit Bleistift (und nur mit Bleistift!) auf eine Antwortkarte zu malen, die dann später vom Computer gelesen werden würden, das war mir nicht geheuer, wobei mir manchmal der gesamte Ansatz der Wissensvermittlung und -bewertung an der High School nicht geheuer war.

Eine ganz andere Dimension der Leistungsmessung wird in den USA auch aktuell diskutiert – nämlich der Inhalt einer Promotion an Harvards Kennedy School of Government. Eine Doktorarbeit aus dem Jahre 2009 mit dem Titel “IQ and Immigration” wird seit einigen Tagen zwischen Ost- und Westküste heiß diskutiert, und vermutlich an den beiden Küsten am allermeisten.

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Der damalige Doktorand, heute ex-wissenschaftlicher Mitarbeiter eines konservativen Think Tanks, versucht darin zu zeigen, daß erstens hispanische Einwanderer in den USA im Durchschnitt einen geringeren IQ haben als die weiße nicht-immigrierte Bevölkerung; zweitens die Ursachen dafür teilweise genetisch sind; und drittens das für die USA aus diversen Gründen schlecht ist und die Einwanderungspolitik entsprechend angepasst werden sollte.

Die damaligen Betreuer, drei durchaus renommierte Professoren, haben inzwische Stellung genommen und berufen sich sinngemäß darauf, daß die Arbeit handwerklich-methodisch durchaus sauber, wenn auch in den Schlußfolgerungen und Politikempfehlungen voreilig und tatsächlich überaus weitreichend sei.

Die öffentliche Diskussion darüber, ob das Rassismus ist, ob man das promovieren darf, und welche Konsequenzen nun angemessen sind, beginnt, sich nach einigen Tagen im Kreis zu drehen – am verblüffendesten an der “Affaire Richwine” ist jedoch, daß bisher kaum jemand die Dissertation gelesen zu haben scheint. Verständlich bei 166 Seiten, aber schon die flüchtige Lektüre ist erhellend.

Richwine erklärt ausführlich das Konzept des IQ und des damit verwandten G-Faktors mit vielen Vewreisen zur American Psychological Association (APA), wobei er natürlich auch nicht völlig den Verdacht ausräumen kann, daß der IQ-Tests den IQ misst, und der IQ das ist, was der IQ-Test misst. Er nutzt verschiedene Datensätze der amerikanischen Bevölkerung, um zu zeigen, daß der durchschnittliche IQ bei hispanischen Immigranten geringer ist als bei “Caucasians”, und zwar auch in der zweiten und dritten Generation von Einwanderern.

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Im zweiten der Teil der Dissertation folgt dann eine überaus aufschlußreiche Aufstellung sozio-ökonomischer Faktoren, die statistsch mit dem IQ korrelieren (Kurzsichtigkeit, Impulsivitiät, Großzügigkeit, Kooperationswille – die Liste ist so erschöpfend, daß fast alles irgendwie positiv oder negativ zu korrelieren scheint). Aus dieser Fülle greift unter anderem das “social capital” heraus – ein Begriff, der seit einiger Zeit in den Sozialwissenschaften Mode ist, aber ähnlich schwer festzunageln wie der IQ. Besonders interessant ist eine Tabelle auf S. 103, in der Amerikaner befragt wurden, wie sehr sie den Nachbarn in ihrem Wohnviertel vertrauen. Wohnte im Viertel ein hoher Anteil an schwarzen oder hispanischen Immigranten, fiel das Vertrauen deutlich geringer aus, bei vielen asiatischen Immigranten hingegen nur ein bißchen geringer. Sobald der Autor hingegen den Einfluß von Einkommen, Bildung etc. sowohl der Befragten als auch im Viertel berücksichtigte (quasi: herausrechnete), war der Verunsicherungsbeitrag aller drei ethnischen Gruppen ähnlich groß.

Daraus kann man zweierlei schließen: erstens, daß man offenbar seinen Nachbarn weniger vertraut, wenn diese einen anderen kulturellen Hintergrund haben. Überraschung. Zweitens, daß das natürlich ganz weit weg ist von kausaler Identifikation, und die Beweislage des Autors totz viel mühevoller Kleinstarbeit im Zusammetragen von Quellen und statistischen Tests möglicherweise doch lückenhaft ist.

Ich habe mich nicht weiter in die statistischen Details vertieft, aber vermutlich könnte man mit den Daten vermutlich genausogut argumentieren, daß Immigranten und deren Kinder im Bildungssystem nachhaltig benachteiligt sind und bei standardisierten Tests einfach schlechter abschneiden, die Unterschiede also mehr mit kulturellen Eigenschaften, dem sozioökonomischen Umfeld und der Erziehung zu tun haben. Entsprechende Studien gibt es übrigens, und die Ergebnisse zeigen, daß bei “transracial adoptions” der Einfluß des Umfelds groß ist.

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Entsprechend sind die Schlußfolgerungen, die Richwine zieht, ganz sicher hoch gegriffen. Ob man die Arbeit damit für dissertationswürdig hält, darüber kann man sicher streiten – man kann sich aber auch darüber streiten, was man in einer aufgeklärten, meinungsfreien Gesellschaft alles messen soll und darf.

Richwine steht mit seinem Thema nicht alleine da, die Psychometrie als solche ist ja ein durchaus etabliertes Forschungsfeld, und in neuerer Zeit vergreifen sich auch andere Disziplinen gerne an diesen Themen, oft mit kontroversen Ergebnissen. An vorderster Front dabei ein Forscher namens Lynn, der unter anderem zu dem Ergebnis kommt, daß das Volk der !Kung in Afrika den niedrigsten IQ überhaupt hat, nämlich ungefähr in der Größenordnung eines achtjährigen Kindes. Nur daß man natürlich ein achtjähriges Kind sicher nicht im lebensfeindlichen Klima der namibianischen Wüste würde aussetzen wollen, während 8-!Kungkinder dort durchaus zurechtkommen, und die !Kung generell regelrechte Überlebenskünstler sind, angesichts ihres feindlichen klimatischen Umfelds.

Überhaupt werfen die Arbeiten jenes Forschers – abseits von methodischen Defiziten – die Frage auf, inwieweit solche Ergebnisse schlicht und einfach Konsequenz eines ausgeprägten Westzentrismus in der Forschung sind. Wer in einer westlichen Kultur mit westlichen Kategorien und Denkprozessen aufgewachsen ist, schneidet bei solchen Tests vermutlich prinzipiell besser ab als Menschen aus anderen Kulturen, und möglicherweise sind solche kulturellen Unterschiede nachhaltig, und überdauern auch einige Generationen nach der Emigration oder Immigration.

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Womit man wieder bei der Ausgangsfrage ist, was der IQ-Test eigentlich mißt. Mit einem ähnlichen Defizit kämpften vor einiger Zeit zwei anderer renommierte Forscher, die sich mit genetischer Diversität von Bevölkerungen und wirtschaftlichem Erfolg befassten. Dabei verwendeten sie tatsächlich ein physiologisches Maß für genetische Unterschiede (“genetic diversity”), allerdings nur für eine relativ kleine Gruppe von Bevölkerungen. Diese wiederum korreliert deutlich mit der Distanz zur Wiege der Menschheit in Afrika (genauer: Addis Abbeba in Äthiopien). Im weiteren arbeiten sie dann mit dieser “migratory distance” als Näherungsmaß für genetische Diversität, wobei sich auch hier die Frage stellt, was diese beiden Variablen eigentlich wirklich messen. Und ob es nicht andere Faktoren gibt, die bei der Analyse außenvor blieben, die Unterschiede in Einkommen und Entwicklung von Ländern aber gleichfalls erklären könnten. In diesem Fall immerhin gab es eine ernsthafte Diskussion, nicht nur über die moralischen Grenzen sozialwissenschaftlicher Forschung, sondern auch über die methodischen Schwächen und Defizite.

Beide Forschungsarbeiten illustrieren sehr deutlich die inhärenten Grenzen sozialwissenschaftlicher Forschung und zeigen, wie wichtig ein kritischer Diskurs über methodische Defizite und überhaupt Methoden und Glaubwürdigkeit ist. Unsauber arbeiten nämlich darf Wissenschaft niemals. Zugegebenermaßen ist das eine Debatte, an der sich vor allem die Fachleute der Disziplinen beteiligen sollten – hingegen müssen Gesellschaften als Ganzes diskutieren und definieren, welche Fragen sie stellen wollen – unter Berücksichtigung der möglichen Antworten.

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88 Lesermeinungen

  1. Zu dem Thema aktuell verweise ich auf das Buch des hochgeschätzten Dieter E. Zimmer
    mit dem Titel „Ist Intelligenz erblich?: Eine Klarstellung“ (2012 als Hardcover,

    Aus dem Buch gehen einige Dinge ziemlich zweifelsfrei hervor:

    Intelligenz ist erblich
    Intelligenz ist messbar
    Es gibt u.a. eine enge und anders nicht erklärbare Korrelation zwischen gemessener Intelligenz und Berufsbefähigung

    Nein, verehrte Sophia, Intelligenztests messen nicht die Fähigkeit, Intelligenztests zu bestehen. Dieses Gerücht hält sich nur in genau den Kreisen von Kultur- und Sozialwissenschaftlern, die nicht rechnen können und wollen. Wissenschaftlich ist die Frage (zur Zeit) entschieden, wie Zimmer mit einem beeindruckenden Parforceritt durch die einschlägige Wissenschaftsliteratur der letzten 50 Jahre nachweist.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

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      Thorsten Haupts, IQ-Tests messen bestimmte Dimensionen der kognitiven Fähigkeiten, und das sicher auch leidlich zuverlässig. Ich bezweifele allerdings, dass sie kulturell unbiased sind. Davon abgesehen finde ich die Verengung der Perspektive auf ebendiese bestimmten Dimensionen gefährlich – daher auch meine Vorbehalte.

    • Interessant
      Ich habe die Aussage „Intelligenztests messen die Fähigkeit Intelligenztest zu bestehen“ recht oft gehört, in verschiedenen neurowissenschaftlichen Vorlesungen.

      Die von Ihnen beschriebene Korrelation lässt sich auf vielfältige Weise erklären. Dass IQ hier alleinige erklärende Variable ist und nicht etwa andere Faktoren Einfluss auf IQ und Berufsbefähigung haben, ist alles andere als erwiesen.

    • Titel eingeben
      Darf ich auf diese eindeutige Behauptung folgende ebenso eindeutige Behauptung erwidern:

      „Studies of the effects of genes and environment suggest that the heritability coefficient (ratio of genetic to phenotypic variation) is between .4 and .8, although heritability varies as a function of socioeconomic status and other factors. Racial differences in measured intelligence have been observed, but race is a socially constructed rather than biological variable, so such differences are difficult to interpret.“

      Steinberg, „Intelligence“, Dialogues Clin Neurosci. 2012 March; 14(1): 19–27.

      http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3341646/

    • Titel eingeben
      Wolfgang Zimmer, nicht zu vergessen: der IQ-Test mißt vermutlich gerade solche Faktoren, die auch für ein Berufsleben in westlichen Industrieländern relevant sind – und umgekehrt. Auch das könnte, quasi per Konstruktion, die Korrelation erklären.

      GuX, welche eindeutige Behauptung? Man muß mich nicht überzeugen, daß Intelligenz in gewissem Umfang erblich und genetisch bedingt ist – aber eben nicht nur, und Studien können das ja auch nur ungefährt quantifizieren, mit unterschiedlicher Bandbreite und Varianz.

    • IQ-Tests ergeben keine Aussage über die Intelligenz eines Menschens,
      sondern bestenfalls über das was wir aktuell als Intelligenz bezeichnen.

    • Darauf kann man dann auch ...
      … wieder antworten:

      http://blogs.discovermagazine.com/gnxp/2013/05/why-race-as-a-biological-construct-matters/#.UaXkhs7Zi00

      Irgendwo in dem Blog „Gene Expression“ wurde auch kurz auf den Fall Richwine eingegangen. Bin aber zu faul, es rauszusuchen.

    • Titel eingeben
      bossy bob, ich werde ja nicht fürs Faulsein bezahlt, habe also gesucht, aber nicht gefunden. Es gibt dort einen anderen Artikel zum Thema, den finde ich aber wenig konstruktiv. Dennoch, danke für eine weitere Dimension in der Debatte.

    • Sorry,...
      … aber mein mieses Gedächtnis scheint mich da auch etwas getrogen zu haben. Kann auch außer kurzen Kommentaren in den Open Threads nichts finden. War vielleicht nur ein Link, dem ich von Gene Expression aus gefolgt war.
      Habe nochmal kurz reingeguckt, aber auch nicht gefunden, woran ich mich zu erinnern glaube; nur diesen Artikel, in dem Richwine selber auch mal zu Wort kommt:
      http://washingtonexaminer.com/article/2529513#.UZD-z3VCXo8.twitter

    • Titel eingeben
      Sophia, Thorsten hat weiter oben geschrieben, dass Intelligenz zweifelsfrei erblich ist – und so ganz zweifelsfrei ist das nach meiner Meinung nicht. Komponenten davon sind es sicher, aber eben nicht nur (ich habe mich an der in meinen Augen sehr absoluten Aussage gestört).

  2. immer mal wieder ...
    Etwas anders, aber doch ähnlich: Hat nicht bereits Lavater im 18. Jahrhundert mit seiner Physiognomik solch‘ Unsinn „erforscht“ und verbreitet? Große Männer wie Goethe, Moses Mendelssohn und Lichtenberg haben den Quatsch als Quatsch – zum Glück – erkannt un bekämpft, aber anno 1933-’45 war’s wieder in tödlicher Mode.

    • Titel eingeben
      Jeeves, physiognomische Forschung ist noch mal ein ganz anderes Forschungsfeld, falls man das überhaupt noch mit der Bezeichnung „Forschung“ würdigen möchte. Mir reichen allerdings schon die vielen Fragezeichen bei den im Beitrag erwähnten Themen…

  3. Dass eine renommierte Uni so einen Quatsch als Promotionsthema annimmt
    ist einigermaßen befremdlich. Jedem, der sich einmal mit IQ Tests und Erblichkeit von Intelligenz beschäftigt hat, hätte klar sein müssen, dass bei dieser Fragestellung keine sinnvolle Antwort herauskommen kann. Dass Intelligenz mit allem korelliert hätte dann auch noch einmal ein Warnzeichen sein können. Sarrazin hat ja schon ähnlich Sinnvolles von sich gegeben. Der musste dazu nicht mal forschen, seine Ignoranz war ihm Quelle genug.

    Damit ist die Frage, ob dies ein legitimes Forschungsgebiet ist noch nicht einmal beantwortet. Hier wäre ein Blick in ein deutsches oder amerikanisches Geschichtsbuch nicht verkehrt gewesen.

    Spannender Artikel.

  4. mein freund hat eine Denker-Stirn
    und hat internet einen IQ Test gemacht und da kahm 55 raus.
    is des gut.
    und kann man sich auf internet iq tests verlassen.

  5. Moralproblematik
    Das moralische Elend der Intelligenzforschung besteht natuerlich in der praktischen Unmoeglichkeit von Doppel- oder meist sogar Einfachblindtests.

    Wie Herr Haupts bereits angemerkt hat, bestehen bspw. dank Zwillingsforschung relativ wenig Zweifel, dass (erreichbare) Intelligenz zumindest zu einem signifikanten Anteil genetisch determiniert ist. Die Tatsache, dass der durchschnittliche Intelligenzquotient in westlichen Gesellschaften aber kontinuierlich wuechse (verschoebe man nicht definitionsgemaess die Standard-100), und zwar schneller als durch Evolution zu erklaeren ist, laesst ebenfalls vermuten, dass auch Erziehung einen wesentlichen Anteil an der tatsaechlich erreichten Intelligenzleistung traegt. (Epigenetische Begruendungen aufgrund besserer Ernaehrung wuerder ich zumindest fuer USA und Kanada in den letzten Jahrzehnten ausschliessen).

    Sobald die „Rasse“ der Probanden ins Spiel gebracht wird, wird es heikel. Die politisch gewuenschte Antwort ist, dass es keine signifikanten Unterschiede geben sollte. Die wissenschatlich redliche Antwort waere vermutlich, dass, falls wir Unterschiede messen koennen, die Kausalitaet bzw. die Abschaetzung des genetischen Anteils nicht sicher angeben koennen. Die Menschenversuche, die noetig waeren, um genauere Antworten zu bekommen, stehen, ZUM GLUECK, nicht zur Debatte.

    Die Mehrheit der Antrophologen ist der Meinung, dass der Begriff der Rasse auf den Menschen (homo sapiens sapiens) nicht anwendbar ist. Wenn man sich die typische biologische Bedeutung ansieht, wird man dem zustimmen muessen. Etwas (aber nicht sehr viel) passender waere vielleicht der englische Begriff „breed“ aus der Tierzucht (nicht sehr viel, weil gezielte Zuchtauswahl zu anderen Statistiken in der Vererbung von bestimmten Mutationen im Genom fuehrt als natuerlich Evolution im Rahmen raeumlich/soziologisch getrennter Populationen).
    Aber genauso wie die meisten Hirtenhunde zweifellos intelligenter sind als bspw. die Mehrzahl der Windhunde“rassen“, scheint es zumindest nicht unplausibel, dass es auch Intelligenzunterschiede zwischen verschiedenen Populationsgruppen unserer Gattung geben kann. Aus oben genannten Gruenden sollten die aber weniger dramatisch sein als die Unterschiede durch Zuchtauswahl in domestizierten Tierarten. Vermutlich schwankt die Messgroesse innerhalb einer Population wesentlich mehr als der Unterschied zwischen verschiedenen Populationen.

    Bevor man mir zum Vorwurf macht, Menschen mit Tieren zu vergleichen: Bei letzteren ist der experimentelle Vergleich unter genau definierten Aufzuchtbedingungen (nicht nur einfacher sonder ueberhaupt) durchzufuehren. Wie bereits erlaeutert, hinkt der Vergleich natuerlich gewaltig. (Aber das liesse sich auch ueber den Kommentar zu den !Kung sagen.)

    Was laesst sich nun aus solchen Ueberlegungen bezueglich Ihres Beitrags, werte Sophia, folgern?
    Zunaechst denke ich, dass derartige Forschung selbstverstaendlich statthaft ist, egal ob die Ergebnisse der politischen Korrektheit entsprechen oder nicht.
    Die Wissenschaft sich gleichzeitig aus der politischen Diskussion weitgehend heraushalten sollte, ausser dort wo es gilt, tatsaechlich Fakten und keine spekulativen Interpretationen beizutragen.
    Inwiefern solche Wissenschaft von Rassisten benutzt bzw. missbraucht wird, ist eine Frage, die sich jeder stellen muss, der in diesem Bereich forscht und publiziert. Ich persoenlich tendiere grundsaetzlich dazu, die Freiheit der Wissenschaft hoeher zu bewerten als bestimmte Gefuehle, aber in Anbetracht der letzten paar tausend Jahre unserer Geschichte bin ich mir in diesem Fall alles andere als sicher.

    • Titel eingeben
      T.I.M. die Frage ist in der Tat interessant, aber ohne eine genaue Definition der „Intelligenz“ läßt sie sich überhaupt nicht sinnvoll beantworten. Warum sollen Hirtenhunde intelligenter sein als Windhunde? Weil sie das machen, was die Menschen von ihnen verlangen – ist das ein Zeichen von Intelligenz? Sind Tiere, die in Gruppen leben, intelligenter als Einzelgänger (weil sie sich in einem komplexen sozialen System zurecht finden müssen)?

      Und wenn wir zum Menschen kommen: wie will man Intelligenz zwischen verschiedenen Kulturen vergleichen, wenn man solche Dinge wie Sprache oder Abstraktionsvermögen mit einbezieht? In einer homogenen Gesellschaft läßt sich mit solchen Tests sicher eine Aussage treffen, aber ich habe meine Zweifel, daß man einfach (und besonders ohne aufwändige Kalibrationsstudien) verschiedene Gesellschaften vergleichen kann.

      Es gibt dieses schöne (wahr oder erfunden – ich weiß es nicht) Beispiel, wonach italienische Einwanderer bei einem Intelligenztest in den USA schlechter abschnitten, weil sie bei einer unfertigen Zeichnung eines Hauses nicht den mangelnden Kamin, sondern das fehlende Kruzifix bemerkten.

    • Ein Wissenschaftler hat letztens in einem Interview (brandeins?) zu Ihrem statement
      „Die politisch gewuenschte Antwort ist, dass es keine signifikanten Unterschiede geben sollte.“ sinngemäss gesagt, dazu werde schon geforscht aber er würde zu Forschungsergebnissen unter keinen Umständen öffentlich Auskunft geben oder gar Stellung nehmen. Zu heikel.

      Ich verstehe ihn gut. Wie man an Sophias wie immer kenntnisreichem Blogbeitrag und an ersten Reaktionen sieht, gilt in manchen Bereichen der Sozialforschung das vorbeugende „Was nicht sein darf, das nicht sein kann“. Und dieses Diktum ist inzwischen derart verinnerlicht, dass ich über den Mut der Forscher im Blogeintrag ebenso staune, wie über den Mut der Universität, sowas als Promotionsarbeit überhaupt zuzulassen.

      Wie Herr W. Zimmer schon mainstreamkompatibel feststellte: „Dass eine renommierte Uni so einen Quatsch …“. Sollte sich diese – in Kultur- und Sozialwissenschaften mehrheitsfähige – Einstellung durchsetzen, findet Wissenschaft zwar nicht mehr statt, aber diesen kleinen Verzicht werden wir einer harmonischen und konfliktfreien Gesellschaft doch bringen können.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Titel eingeben
      T.I.M., vielen Dank für Ihren informativen Kommentar. Ich bin auch ein großer Freund wissenschaftlicher Freiheit, sowohl in vermeintlich „nutzlosen“ Forschungsgebieten, wie überhaupt, und das muß auch für Ergebnisse gelten, die man ex post lieber nicht gewußt hätte. Abgesehen davon, daß methodische Sorgfalt und Vorsicht bei politikrelevanten Schlußfolgerungen immer notwendig ist, gilt das aber besonders für heikle Fragen wie die oben diskutierte – und da scheint die fragliche Dissertation doch Defizite zu haben.

      GuX, eben, gerade in der Quantifzierung und Identifikation relevanter Fähigkeiten liegt das Problem bei IQ-Tests. Ich möchte hier demnächst noch mal über die west-zentristische Perspektive von Forschung in jeder Hinsicht schreiben, das ist nämlich schockierend, und führt in Fällen wie diesem zu katastrophalen Schlußfolgerungen und Argumentationshilfen für fragwürdige Positionen.

      ThorHa, ich habe nichts gegen Mut zu wissenschaflich kontroversen Statements, aber schön wäre, wenn das Hand in Hand mit solidem methodischen Handwerk und Bescheidenheit bei den Schlußfolgerungen ginge. Erst dann nämlich macht es Sinn, über Ergebnisse zu diskutieren.

    • @GUX, ThorHa, Sophia
      GUX, die Frage, was Intelligenz eigentlich ist, habe ich absichtlich ausgelassen. Indirekt bin ich aber doch darauf eingegangen als ich eine Unterscheidung zwischen biologisch erreichbarer und tatsaechlich erreichter Intelligenz gemacht habe. Offenbar entspricht die Logik ueblicher Intelligenztests weitestgehend und in zunehmendem Masse der westlichen Denkweise (daher auch der vermutlich ueberwiegend bildungsdominierte Flynn-Effekt). Insofern kann man aus dem Abschneiden von !Kung-Menschen in einem solchen Test vermutlich auch nicht viel mehr rauslesen als dass die !Kung nicht unbedingt in Kategorien westlicher Logik denken. Ob sie es genetisch genauso gut koennten, wuerde man aber nur durch Menschenversuche erfahren, in denen bspw. !Kung-Saeuglinge nach Europa entfuehrt und dort aufgezogen wuerden (von den statistischen Voraussetzungen haben Sie sehr viel mehr Ahnung als ich). Es versteht sich von selbt, dass darauf zu verzichten ist.

      Ich kenne die psychologisch exakte Definition von Intelligenz nicht, aber sie beinhaltet sicherlich die Faehigkeit, vorausschauend komplexe Handlungsablaeufe durchfuehren zu koennen und Kausalitaeten zu verstehen oder gar zu antizipieren. Das laesst sich (mit grossen Fehlerbalken) sicherlich auch bei Tieren messen. Besonders leicht vermutlich bei Hunden, die prinzipiell kooperative Tiere sind (wohingegen Katzen oft einfach nicht „wollen“). Windhunde wurden ja fuer ganz bestimmte Anwendungen gezuechtet: schnell rennen und Tier anfallen. Dafuer muss man nicht allzu helle sein. Der Schaeferhund hingegen muss ohne Kommando eine herde zusammenhalten koennen. Insofern war die Intelligenz (praktisch erlebt, wie auch immer messbar) fuer den Hirtenhund Zuchtziel, fuer den Windhund eben nicht.

      Das ist dann auch der wichtigste Unterschied zum Menschen. Sowohl in Europa als auch bei den !Kung haben die intelligenten Vertreter einen evolutionaeren Vorteil. Dass wir diesen in den letzten Jahrzehnten in unserer Gesellschaft ausgeschaltet haben, ist uebrigens auch ein Riesenexperiment mit unbekanntem Ausgang. Wirkt der Flynn-Effekt fort oder stellt sich ein „Idiocracy“-Effekt ein?

      Sophia, ThorHa, ein Problem solcher kontroversen Forschungsgebiete kann sein, dass Forschung zwar durchgefuehrt wird, aus schon erwaehnten Ueberlegungen aber nur die Ergebnisse prominent publiziert werden, die politisch korrekte Ergebnisse liefern. Solche Selbstzensur muss gar nicht auf bestimmten Ueberzeugungen fussen, sondern kann ganz banaler Selbstschutz sein. Die oeffentliche Wahrnehmung wird dadurch aber auch in die politisch gewuenschte Richtung verschoben, ohne dass ein einziges falsches Resultat publiziert werden muss. Und das schlimmste daran: Man wird nie erfahren, ob und in welchem Masse eine solche Selbstzensur tatsaechlich stattfindet.

    • Soweit, Mademoiselle Sophia,
      völlig d´accord. Unsaubere Wissenschaft ist unter jedem Aspekt schlimmer als politisch gerade unkorrekte Wissenschaft.

      Gruss,
      Thorsten Haups

  6. Einfluss herausrechnen - Kovarianzanalyse
    „Sobald der Autor hingegen den Einfluß von Einkommen, Bildung etc. sowohl der Befragten als auch im Viertel berücksichtigte (quasi: herausrechnete), war der Verunsicherungsbeitrag aller drei ethnischen Gruppen ähnlich groß.“

    Dieses Vorgehen, gennant Kovarianzanalyse (ANCOVA) ist zwar in der Psychologie gang und gäbe, deshalb aber nicht weniger Falsch. Die ANCOVA wurde für experimentelle Untersuchungen entwickelt, in denen Störvariablen tatsächlich kontrolliert werden können. Außerhalb von Experimenten, so auch hier, produziert die Durchführung einer ANCOVA artifizielle Variablen und der F-Test bezieht sich auf artifizielle Populationen. Das oft so bezeichnete „Herausrechnen“ des Einflusses einer Variablen in korrelativen Untersuchungen wie der genannten, ist damit – gelinde gesagt – nicht sinnvoll.

    • Titel eingeben
      P. Staker, wenn ich mich recht erinnere, sind es einfach multivariate Regressionsanalysen in der Dissertation – ich habe versucht, das für meine Leser verständlich zu vereinfachen. Daher aber auch meine Schlußfolgerung, daß das mitnichten kausal ist.

  7. Ich bin mir sicher das Menschen aus anderen Kulturkreisen
    eine geringere Intelligenz haben. Das hat eine sehr einfache Ursache: Die Definition von Intelligenz ist abhängig vom jeweiligen Kulturkreis. Menschen die in einer bestimmten Umgebung aufwachsen und Leben haben die in der Umgebung höchst möglichen Intelligenz, sie sind darauf getrimmt dort wo sie leben optimal zu „funktionieren“.
    Hinzu kommen noch andere Einfllüsse wie Ernährung und Förderung.

    Das man dann auf Ergebnisse kommt die zu falschen Interpretationen verleiten ist klar. Die einem jeden innewohnende Überzeugung das die eigene Kultur und Lebensweise die Beste und Richigste ist, sorgt schon automatisch für Fehlurteile.

    … wäre der Mensch bzw. der Wissenschaftler intelligenter würde er sich von so etwas nicht beeinflussen lassen.

    • Titel eingeben
      Stefan Neudorfer, das ist aber doch etwas widersprüchlich, was Sie da von sich geben. In Bezug auf Kulturkreise: siehe oben, das Beispiel mit den !Kung.

    • Titel eingeben
      Eben, für die !Kung sind wir total verblödet, weil wir ja unter deren Lebensbedingungen scheitern.

  8. Titel eingeben
    … lieber author …
    sie haben vermutlich auch nur vermutlich ihre ausbildung vermutlich eher vermutlich auch nur in einer vermutlich auch vermutlich unterprivilegierten schule vermulich erhalten …. und bitte befassen sie sich weiter nicht mit vermutungen …. das ist nicht wissenschaft sondern vermutlich nur gequassel … vermutlich — siehe absatz 10 … vermutlich …

    • Titel eingeben
      Werner Weissenhofer, und vermutlich habe Sie sonst nichts zum Thema beizutragen?

  9. Erwünschte Ergebnisse
    Es ist nicht so, dass s eine Studie, die jetzt eine Überlegenheit der weissen Rasse konstatiert, nicht auch von ganz vielen Leuten dringend gewünscht würde.
    .
    Die Schlussfolgerung, dass es da gar keine erblichen Unterschiede gibt, ist politisch ebenso inkorrekt — nur eben in einem anderen Milieu.
    .
    Das eigentliche Problem ist natürlich der Fetisch, den eine stumpfinnige Leistungsgesellschaft aus der „Intelligenz“ notwendigerweise machen muss.
    .
    Meine Arbeitshypothese ist ja, dass die Intelligenzforscher für schlechte Noten von ihren Eltern immer verprügelt wurden und ihr Trauma jetzt auf diese Weise bewältigen wollen. Vielleicht sollte man das auch einmal statistisch untersuchen.
    .
    Ja, ein olles Klischees. Aber gerade die dümmsten und ältesten Vorurteile stellen sich ja auch immer als richtig heraus.

    • Sie kennen aber auch Leute ...
      „Es ist nicht so, dass s eine Studie, die jetzt eine Überlegenheit der weissen Rasse konstatiert, nicht auch von ganz vielen Leuten dringend gewünscht würde.“

      Von ganz vielen Leuten. Aha. Könnte stimmen, wenn man die NSU oder die Splittergruppe der weissen Rassenreinheitsfanatiker in den USA als „ganz viele Leute“ sieht.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Titel eingeben
      HansMeier555, es kursiert ja auch die Hypothese, daß Asiaten in IQ-Tests im Durchschnitt besser abschneiden – das wird allerdings sehr viel seltener diskutiert. Im übrigen finde ich auch, daß der IQ nicht das Maß aller Dinge sein sollte und es wichtigeres gibt. Ich habe mal einen großartigen Roman von Rober Merle über eine hypothetische Nuklearkatastrophe gelesen – nach so einem Ereignis wäre der IQ vermutlich nicht mehr so relevant wie heute.

  10. Anmerkung zum "Genetic Diversity" Artikel
    Die genetische Diversität ist relativ gut bestimmbar. Ein Nature Artikel in 2008 hat eindrücklich gezeigt, dass die genetische Diversität in afrikanischen Populationen wesentlich höher ist als zB in Europäern oder Asiaten. Je weiter Menschen migriert sind während der Menschheitsgeschichte, desto weiter ist meistens auch der Genpool verarmt (aus wenigen Individuen wurde letztendlich wieder eine neue Population gegründet). Daher ist die Näherung der Diversität über die Distanz in dem Artikel nicht ganz von der Hand zu weisen.

    Diese Feststellung jedoch mit wirtschaftlichem Erfolg zu korrelieren und es so lange zu optimieren, ohne einen weiteren Anhaltspunkt, bist die Datensätze passen (z.B. hohe Diversität in Afrika = schlecht, niedrige Diversität in amerikanischen Ureinwohnern = auch schlecht, mittlere Diversität in Europa = gut) kann man machen, kann man aber auch genauso gut lassen…

    Gruss

    Interessanter Artikel insgesamt.

    • Titel eingeben
      Einen Zusammenhang zu vermuten, ist eine Sache – von 53 Gruppen auf die gesamte Welt zu schließen, eine ganz andere, zumal wenn sich von deskriptiven in normative Gewässer begibt.

  11. Titel eingeben
    „hingegen müssen Gesellschaften als Ganzes diskutieren und definieren, welche Fragen sie stellen wollen“ Hört sich gut an. Schlage vor, dass dies institutionalisiert wird. Es sollte z.B. irgendein Ausschuss in freien Wahlen gewählt werden, welche die Medien beobachten, ferner sollten spezielle Beauftragte bestimmt werden, welche z.B. in Kneipen gehen und dort in die Stammtische reinhorchen, das Internet müsste von diesen beobachtet werden. Des weiteren müsste ein offizielles Diskussionsforum eingerichtet werden, in welchem die Diskutanten, nach außen hin anonym, denn wir wollen ja nicht, dass z.B. ein Habermas mit seinem Namen die Argumente beeinflusst, diskutieren können. Hierbei wird es dann Wächter geben müssen, welche unkorrekte, sophistische Argumentationen aufdecken müssen (z.B. darauf hinweisen, dass Entlarvungspsychologie unkorrekt ist; denn selbst wenn bei einem Argument persönliche Motive konstruiert werden können, ist dies kein korrektes Gegenargument, da man ja mehrere Fliegen mit einer Klappe erschlagen kann), auch peinlich daruf achten müssen, dass Diskutanten nicht Spott und Ironie verwenden, dass Diskutanten nicht lächerlich gemacht werden. Zum Schluss dann formuliert dieser Ausschuss dann einen Fragenkatalog, den die Wissenschaftler dann in ihren Forschungen bantworten müssen. Dabei wird wieder streng überwacht, dass die Wissenschaftler dann diese Fragestellungen nicht frei in sophistischer Manier interpretieren. Ja, so könnte es gehen.

  12. Ignorieren der wissenschaftlichen Evidenz
    Es ist mir unverstaendlich, wie man angesichts der vorliegenden Evidenz den Einfluss der Vererbung auf die Intelligenz heute noch bestreiten kann. Warum sollte auch gerade die Intelligenz nicht durch Gene beeinflusst werden, wenn es doch fuer alle anderen koerperlichen Merkmale akzeptiert wird. Natuerlich kommt das sozio-kulturelle Umfeld hinzu, genauso wie jemand mit guter sportlicher Veranlagung erst durch Training wirklich gut wird. Im Uebrigen ist auch evident, dass Intelligenz recht zuverlaessig, die Faehigkeit zur Erfassung und Verarbeitung von Informationen misst. Sicher stellt ein technisch gepraegtes Umfeld andere Anforderungen an die Bewohner als die Wildnis. Diese Feststellung ist jedoch trivial. Die Vorstellung, dass der Lernerfolg nur vom Fleiss und der Foerderung abhaengt, wie hier unterstellt wird, ist erschreckend naiv.

    • Titel eingeben
      Carlos Anton, ich habe überhaupt nichts unterstellt, und mich interessiert auch gar nicht so sehr, was und wieviel nun erblich ist – mich interessieren wissenschaftliche Methoden und der Umgang mit Forschung.

  13. Intelligenzforschung ist interessant, die Ergebnisse werden aber falsch beurteilt.
    Vorab: Politisch korrekt ist nur die Aussage, dass alle Menschen gleich sind. Diskussionen oder gar belastbare Daten zu dem Thema sind bäh. Dass das so ist, dürfe aber auf einem Missverständnis beruhen:

    1) Intelligenz wird überbewertet. Sie schadet nicht, sagt aber auch nicht alles über zukünftigen Erfolg (zudem „Erfolg“ ja auch ziemlich subjektiv ist).
    2) Evolutionär gesehen ist Intelligenz in unserer jetzigen Gesellschaft wohl eher ein Nachteil. Ich postuliere, dass hoch intelligente Menschen weniger Kinder haben als mittelmäßig intelligente. Intelligente sind „less fit“ im Darwinschen Sinn. Bestes Beispiel: Einstein hatte keine Kinder, die Evolution hat seine Gene aussortiert.
    3) Intelligente Menschen haben es schwer, weil die Gesellschaft auf Mittelmaß getrimmt ist. Intelligenz ohne Kampfesmut gegen die Widerstände der Mittelmäßigen ist daher eher ein Fluch.

    Ergebnis: Die Hysterie über die Intelligenzforschung ist unangebracht. Biologisch viel interessanter wäre die Frage, welche „fitness“ (evolutionäre Angepasstheit) heute überlebt.

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      Erik, noch gibt es gar keine belastbaren, eindeutigen Daten – soweit ich sehen kann – und da wäre es doch schön, man hielte sich mit normativen Schlußfolgerungen zurück.

    • naja
      Naja, ich wollte ja auch nichts Normatives behaupten (Normative Sätze geben vor, wie etwas sein soll, also wie etwas zu bewerten ist.).
      Ich finde es aber durchaus positiv (ist ernst gemeint), auf wilde Postulate hin mal auf die dünne Datenlage hingewiesen zu werden. Nach der unsäglichen Intelligenz-Debatte nach Sarrazin war ich es nicht mehr gewohnt, die Frage als wegen schlechter Daten offen anzusehen. Die wissenschaftliche Denke kommt in den meisten Zeitungen ja leider nicht vor, wie schön, das es sie hier gibt!

    • Titel eingeben
      Ich glaube allerdings, daß alle Menschen gleich sind, und solange mich niemand mit glaubwürdigen Daten vom Gegenteil überzeugt, bleibe ich auch dabei.

  14. Das Elend der Sozial-"wissenschaft"...
    … gerade hinsichtlich derartiger pseudo-exakter Datenhuberei, und maengelhafter Interpretationen der Korrelationen, hat der Wissenschaftsphilosoph Mario Bunge bereits in den 1960er-Jahren beanstandet. Viel besser scheint’s auf dem Gebiet in den seither vergangenen 40 Jahren anscheinend nicht geworden zu sein… Schon seit Auguste Comte sehnen sich die Datensammler unter den Sozialwissenschaftler nach der Auszeichnung, richtige „echte“ Wissenschaftler zu sein, so wie die Physiker. Welterschuetternde Ergebnisse derartiger Bemuehungen sind mir bis dato aber noch nicht bekannt.

    By the way: OHNE all die Hispano-Amerikaner (welche fuer die Anglo-Amerikaner die Klos putzen, auf Baustellen rackern, etc.) stuende Nordamerika heute wohl auch nicht da wo es eben steht.

    • Titel eingeben
      GAST, würde ich hier über all die hervorragenden, durchaus glaubwürdigen, und dennoch vorsichtig formulierten Forschungsarbeiten schreiben, wäre die Diskussion nur noch halb so intereressant. Insofern sind die hier präsentierten Arbeiten nicht repräsentativ für Sozialwissenschaften und eine pauschale Verurteilung nicht angebracht.

  15. Der IQ ist das, was der IQ Test misst.
    Ja, so wie die Strecke das ist, was der Meterstab misst.

    Das ist keine Tautologie, denn es bleibt die Frage, ob es ein sinnvoll nutzbares Maß ist. (Und ein Blick in Alice in Wonderland zeigt, dass Umgebungen denkbar sind, in dem der Meterstab kein sinnvolles Maß sein könnte.)

    Zurück zum IQ.

    Gesetzt, dass es ein sinnvoller Maßstab ist, bleibt die Frage inwieweit die Messungen soziale Prognosen erlauben, oder ob bei solchen Projektionen „akkumulierte Rundungsfehler“ auftreten.

    Bei astronomischen Entfernungsmessungen, angefangen bei klassischen Triangulationen, über Spektralanalysen bis hin zu Supernovabeobachtungen haben wir genau dieses Problem – ohne dass wir das Konzept der „Entfernungsmessung via Meterstab“ zur Disposition stellen.

    Diese methodischen Fragestellungen sind selbst wieder wissenschaftliche Fragestellungen im besten Sinne. Das gilt auch und insbesondere für die IQ-Forschung.

    Sollten(!) dabei Ergebnisse zutage treten, die eine womöglich genetisch bedingte unterschiedliche Verteilungung der Intelligenz in verschiedenen Bevölkerungsgruppen nahelegen, dann wäre das ein Befund, der zur Kenntnis genommen werden müsste.

    Die Alternative wäre „Lyssenko 2.0“.

    • Titel eingeben
      Hans-Jürgen Steffens, „denn es bleibt die Frage, ob es ein sinnvoll nutzbares Maß ist“ – eben. Was ich bei vielen Forschungsarbeiten immer wieder vermisse, ist etwas weniger Tunnelblick und etwas Bescheidenheit bei der Interpretation der Ergebnisse.

    • "denn es bleibt die Frage, ob es ein sinnvoll nutzbares Maß ist"
      Offensichtlich beantworten Sie selbst genau diese Frage positiv:

      „Thorsten Haupts, IQ-Tests messen bestimmte Dimensionen der kognitiven Fähigkeiten, und das sicher auch leidlich zuverlässig.“

      Um dann zu relativieren:

      „Ich bezweifele allerdings, dass sie kulturell unbiased sind.“

      Ein Wissenschaftler würde vielleicht bemerken: „Es gibt noch einige untersuchungswürdige offene Punkte, inwieweit die Ergebnisse eines IQ-Tests auch kulturelle Spezifika messen.“

      Achten Sie auf Ihre Wortwahl: Sie „bezweifeln“. Weil Ihnen ein anderer „outcome“ nicht passen würde?

      Ein letzter Punkt.

      Sie bemerken im Anschluss: „Davon abgesehen finde ich die Verengung der Perspektive auf ebendiese bestimmten Dimensionen gefährlich.“

      Was ist daran gefährlich?

      Bei meiner Partnerwahl z.B. habe ich keinen IQ-Test zugrundegelegt.

      Gehen Sie davon aus, dass diejenigen, die sich mit dem Intelligenzbegriff auseinandersetzen, wissen, dass es noch andere wichtige(re) Facetten der Persönlichkeit gibt.

    • Titel eingeben
      Hans-Jürgen Steffens, wo liegt das Problem? Ja, IQ-Tests messen etwas, das eine gewisse Relevanz hat, aber eben mit allen möglichen Einschränkungen. Das ist doch kein Widerspruch? Davon abgesehen habe ich allerdings den Eindruck, daß viele Leute den derart gemessenen IQ überbewerten, sonst käme ja niemand unmittelbar zu dem Schluß, daß die Einwanderung von Latinos in die USA eingeschränkt werden sollte.

    • Guten Abend und vielen Dank für Ihre Antwort.
      Wo also das Problem liegt?

      Nun, Sie wollen die Folgen einer Überbewertung der Intelligenz bekämpfen, indem Sie die Intelligenz als solche problematisieren (vulgo: das Kind mit dem Bade ausschütten.)

      Wenn faktische Unterschiede bestehen, dann bestehen diese Unterschiede. Wenn diese Unterschiede als Basis einer normativen Diskriminierung missbraucht werden, dann ist gegen die normative Diskriminierung als solche vorzugehen.

      Glauben Sie denn, dass man (erst dadurch) auf die Idee käme, Latinos bei der Einwanderung in die USA zu diskriminieren, weil man den IQ überbewertet?

      Wenn man diskriminieren WILL, findet sich etwas, irgendetwas, was dem dienen könnte. („Verwirren Sie uns nicht mit Fakten, wir haben unseren Standpunkt“ ist eine Paradeantwort aus dem rassistischen Umfeld.)

      Faszinierend ist doch der folgende Ausschnitt aus den obigen Dialogen:

      ===

      „Erik, noch gibt es gar keine belastbaren, eindeutigen Daten – soweit ich sehen kann – und da wäre es doch schön, man hielte sich mit normativen Schlußfolgerungen zurück.“

      „Naja, ich wollte ja auch nichts Normatives behaupten (Normative Sätze geben vor, wie etwas sein soll, also wie etwas zu bewerten ist.). “

      „Ich glaube allerdings, daß alle Menschen gleich sind, und solange mich niemand mit glaubwürdigen Daten vom Gegenteil überzeugt, bleibe ich auch dabei.“

      ===

      Wäre ich Zyniker, würde ich Sie jetzt fragen: Wenn, also WENN wir belastbare eindeutige Daten erhielten, müsste man dann nach Ihren Einlassungen die von Ihnen angesprochenen „normativen Schlußfolgerungen“ nicht geradezu einfordern?

      So aber weise ich nur darauf hin, dass dort, wo „belastbare, eindeutige Daten“ vorliegen, etwa bei den autistischen Savants, diese selbstverständlich KEINE „normativen Schlussfolgerungen“ nach sich ziehen.

  16. Märchenstunde Statistik
    So ist das mit der Statistik. Nicht nur dass wir uns seit Quetelet auf die Eckdaten unseres statistischen Seins reduzieren lassen, nein, wir operieren blindlings mit Statistiken, glauben ebenso blind an das, was sie uns verkünden, ohne einen einzigen Gedanken daran zu verschwenden, sich einmal zu fragen, wer sie wie aufgestellt hat und was er bei ihrer Erstellung wohlweisslich an „Items“ weggelassen hat, um an das von ihm intendierte Ergebnis zu kommen.
    Von daher fällt für mich das Verkünden von Ergebnissen eines IQ-Tests, das Verlesen von Arbeitslosenstatistiken, etc. immer wieder in den Bereich einer Märchenstunde für Erwachsene hinein.

    • Titel eingeben
      cafd, erfreulicherweise kann sich der mündige Bürger ja aneignen, was Durchschnitte so tun, die entsprechenden Arbeiten lesen (statt nur die executive summary) und die Ergebnisse selbständig kritisch interpretieren. Wenn er will.

    • Statistiken
      Cafd – auf welche Weise würden sie sonst Daten zusammenfassen und darstellen? Statistiken bilden nichts anderes als Meßwerte ab – und sie können eben auch nur so gut sein, wie die zu Grunde liegenden Daten.

      Eine Arbeitslosenstatistik ist durchaus sinnvoll, solange die Meßmethoden richtig beschrieben und nachvollziehbar sind. Daß sich Medien, Politiker und andere Interessengruppen die Parameter herausgreifen, die die eigene Idelogie unterstützt, kann man nun wirklich nicht den Statistiken vorwerfen.

    • Objektivität von Zahlen und Statistiken
      Statistiken bilden nichts anderes als Messwerte ab.

      Jein! Oberflächlich betrachtet tun sie es. Aber eben nur oberflächlich, insofern diese Messwerte nicht im luftleeren Raum entstanden sind. Im Gegenteil. Sie basieren auf menschlichem Handeln, das geleitet wird durch spezifische Interessen, die je nachdem von einem selber oder aber fremdbestimmt werden. Auch findet das Verwenden dieser Daten nicht im luftleeren Raum statt. (Egal ob Wissenschaft oder Politik etc) Je nach Interesse greift man auf diese oder jene Daten zurück und blendet oben Genanntes aus, insofern die dort erhobenen Daten ja als Garanten wissenschaftlicher Objektivität angesehen werden. Ja, man versucht oftmals dem Rezipienten durch das Verwenden dieser Zahlen eine eigene Objektivität vorzugaukeln, die gar nicht vorhanden ist, gilt doch die gemeinhin gesellschaftlich sanktionierte Devise: ein Zahlenwert ist ein Zahlenwert und damit basta!

      Ist er aber leider nicht immer! Und jetzt wiederhole ich mich: Denn eben diese Zahlen sind aufgrund ihrer Erhebung sowie auf ihres in Beziehung-zueinanderstellens auch immer als Ausdruck menschlichen/gesellschaftlichen Handelns anzusehen und geben uns Auskunft über die dortigen Interessen.

      Genau das ist die Krux dessen, was in dem Artikel zur Schau gestellt wird. Das 19. Jahrhundert war das Jahrhundert des Messens und Vermessens. Schädel, Körper wurden gemessen und vermessen. Man klassifizierte das Ganze nach Rasse, Geschlecht, Schicht etc. (alles wiederum auch Themen, die das 19. und folgende 20. Jahrhundert beherrschten und politisiert wurden) Dann in einem weiteren Schritt verdinglichte man die menschliche Intelligenz und band sie an eben jene Zahlenwerte, ohne zu Hinterfragen, warum, was, wie geschah und was man damit beabsichtigte. Die Folge: Siehe Artikel!

      Fazit: Es ist legitim Statistiken zu erstellen und mit ihnen zu operieren. Ein Gleiches mit Zahlen. Nur sollte sowohl der Umgang als auch das Rezipieren nicht blindlings erfolgen!

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      GuX und
      cafd, „Fazit: Es ist legitim Statistiken zu erstellen und mit ihnen zu operieren. Ein Gleiches mit Zahlen. Nur sollte sowohl der Umgang als auch das Rezipieren nicht blindlings erfolgen!“
      – beim Fazit sind wir uns dann doch absolut einig?

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      Ich denke schon – vielleicht sind die Sichtweisen ein wenig anders. Mir fällt es naturgemäß schwer, die soziale oder politische Brisanz meiner Arbeit (jenseits von den eigentlichen Ergebnissen) zu erkennen, insofern bin ich vielleicht ein wenig naiv.

      Wie cafd sehe ich natürlich auch das Problem eines „bias“ (ich kenne leider kein passendes deutsches Wort) durch den Wissenschaftler, aber „wir“ verwenden sehr viel Zeit und Aufwand, genau diesen bias zu erkennen und so weit wie möglich zu reduzieren. Das Problem der Interessenkonflikte durch den Wissenschaftler ist ja lange bekannt, und in den meisten Bereichen der medizinischen und naturwissenschaftlichen Forschung bemüht man sich, zum einen das Risiko für Verfälschungen zu vermeiden (verblinden, randomisieren etc) und so transparent wie möglich zu sein (Offenlegen von potentiellen Interessenkonflikten, Veröffentlichung von Rohdaten etc). Vielleicht liegt dieser Aufwand auch daran, dass von den Ergebnissen sehr viel abhängt, z.B. die Zulassung von Arzneimitteln oder Behandlungsmethoden.

      Ich weiß nicht, wie das in den Sozialwissenschaft aussieht – mein einziger Ausflug dorthin (in die Pädagogik) war ein einziges Desaster und hat mich jedes Vertrauen in diesen Bereich verlieren lassen (mir wurde erklärt, daß Verblinden und Randomisieren zu Verfälschungen führen und strukturierte Datenerhebungen – also strukturierte Interviews – keine verläßlichen Daten erzeugen); aber ich hoffe, daß das nur eine Ausnahme ist. Sophia – und vermutlich auch cafd – sie kennen die Sozialwissenschaften besser: ist es dort wirklich so schlimm, wie cafd schreibt, daß man erhobenen Daten nicht trauen kann?

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      Gu X, ich würde sagen: es kommt darauf an. Think Tanks ebenso wie Behörden haben vermutlich häufig eigene politische Interessen, während universitäre Forschung da weniger betroffen ist. Auch da gibt es aber natürlich die Tendenz, daß manche Ergebnisse zum Beispiel besser publizierbar sind als andere. Man muß halt genau lesen und sich selbst eine Meinung bilden – aber es gibt, wie ich finde, auch ganz viel hervorragende Forschung in den Sozialwissenschaften.

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      Sophia – ich wollte ganz sicher nicht die Sozialwissenschaften pauschal kritisieren. Auf Grund meiner Ignoranz steht mir das auch nicht zu; es war eher die Frage, ob es dort vielleicht aus anderen Gründen anders zugeht (und meine Erfahrung mit der Pädagogik weckt natürlich die Skepsis).

      Sind Behördendaten derart belastet, oder ist es eher deren Aufbereitung? Gerade in den USA erhält man oft sehr einfach Zugang zu den Rohdaten, und die sollten doch zuverlässig sein – oder bin ich zu naiv (in Deutschland scheint das ein wenig schwieriger zu sein, und die EU ist – was mein Fachgebiet angeht – eindeutig zu kompliziert).

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      GuX, nein, Behördendate sind prima und werden vielfach in der Forschung genutzt, aber man muß eben berücksichtigen, daß schon vor der Erhebung Entscheidungen getroffen werden: was ist Vermögen, und was nicht, was ist „arbeitslos“ und „arbeitssuchend“ – Definitionsfragen, die aber sehr relevant sein können. Davon abgesehen gibt es gute Gründe für den Datenschutz, in manchem kleinen Kaff müßte man sich nur eine Stunde in die Kneipe setzen und schon hätte man sämtliche anonymisierten Personen aus dem Zensus identifiziert. Davon abgesehen ist es nicht immer einfach, länderübergreifend zu standardisieren, weil manche Dinge einfach typisch deutsch, typisch französisch oder typisch italienisch sind und nicht unmittelbar vergleichbar.

    • Daten, Daten, Daten und ihre zweideutige Eindeutigkeit
      leider nur in Kürze eine Antwort:

      Die Frage ist, was sie wollen: Sind Sie an einer linearen Entwicklung interessiert, werden sie die 1 stets als eine 1 lesen und die 2 als eine 2. Alles andere ist für Sie nicht von Interesse. (gängigste Praxis in den Naturwissenschaften) Hier wird praktisch ein luftleerer Raum errichtet, in dem nichts anderes existiert – völlig wertneutral gemeint!)

      Sind Sie hingegen an den Unterschieden interessiert , werden sie nachhaken. Sie werden fragen: wie ist jemand zu der 1 oder 2 gekommen und warum ,wieso ,weshalb verbindet er sie miteinander. Welten werden sich eröffnen und Sie werden erstaunt sein, was für variantenreiche Geschichten erzählt werden, die ihrerseits Aufschluss über die Gesellschaft, in der sie entstanden sind, geben.

  17. Vermutlich relevante genetische unterschiede zwischen populationen
    Das problem st folgendes: ein großteil der oeffentlichkeit scheint zu glauben es gibt eh keine rassen, dabei beruft man sich dann immer auf lewonins fallacy, und es sein absolut sicher dass sich die gemessenen iq unterschiede ausschließlicb auf soziale faktoren und nicht auf geneticbe faktoren zurueckzufuehren ist. Tatsaechoich aber weiß bis heute niemand mit sicherheit ob das der fall ist. Und dann wird jemand wie richwine „watsonized“ – das ist ein im internet gelaeufiger begriff der sich an die affaere um den genetiker james watson anschließt. Gluecklicherweise gibt es mittlerweile die mieglichkeit sich im internet ueber diese dinge besser zu informieren als es mit den maeinstream medien meglich ist, dazu gibt es hbd blogophere um khans gene expression, westhunter vin harpending und cochran, hbd chick, stephen hsu. Warten wir 10 bus 20 jahren ab, dann wird die sache wissenschaftlich zufriedenstellend gekaert werden koennen, denn die rechnerleistung steigt und die genetischen datensaetz werden kumulatuv immer groeßer.

  18. Ein kleiner Nachtrag
    Nach dem Lesen der Kommentare eine Bemerkung zum Autor selbst. Er schreibt in einem Kommentar zu einem Leserbeitrag:

    „daß methodische Sorgfalt und Vorsicht bei politikrelevanten Schlußfolgerungen immer notwendig ist, gilt das aber besonders für heikle Fragen wie die oben diskutierte – und da scheint die fragliche Dissertation doch Defizite zu haben. “

    Hierzu kamen mir 2 Fragen in den Sinn.

    1. Gibt es nicht in jeder(!) soziologischen Studie offene Ende in Fragen der Interpretation und Methodik?

    Wenn, wie anzunehmen ist, der Autor das weiß, dies dann in einer politisch spezifischen Richtung problematisiert, kommt dann

    2. nicht die Frage auf, ob hier nicht auf subtile Art und Weise im Rahmen einer vollzogenen Schweigespirale eine Einstellung zutage tritt, die gemeinhin, als „Gutmenschentum“ bezeichnet wird? Eine Einstellung in der der bezahlte Journalismus gewisse Ansichten im Sinne einer politischen Korrektheit ausfiltert? Bereits die im Artikel angesprochene „Moralisierung“ gewisser Fragestellungen ist ein starkes Indiz für diese These.

    Wer beginnt, wissenschaftliche Fragestellung im Sinne einer sozialen Verträglichkeit zu problematisieren, ist auf dem besten Wege zu einer Inquisition 2.0

    Ich weiß, gnädige Frau, das wollen Sie nicht, das wollen wir alle nicht, aber gewisse einmal in Gang gesetzte soziale Prozesse kümmern sich nicht darum, was wir einmal gewollt oder nicht gewollt haben.

    • Titel eingeben
      Hans-Jürgen Steffens, keine Frage, sozialwissenschaftliche Forschung kann nie so exakt sein wie naturwissenschaftliche, und manche methodischen Probleme sind nicht lösbar – damit kann man aber mehr oder weniger ehrlich umgehen (das ist Sache des Autors) und diese mehr oder weniger fokussiert diskutieren (das ist Sache des kritischen Lesers). Davon abgesehen ist die Debatte hier doch nun wirklich gerade das Gegenteil einer Schweigespirale, oder?

    • "Davon abgesehen ist die Debatte hier doch nun wirklich gerade das Gegenteil einer Schweigespirale,
      Leider nein, denn „diese Debatte hier“ findet in einem „Sandkasten“ statt, innerhalb dessen man eine gewisse „Narrenfreiheit“ glaubt zugestehen zu können.

      Und jetzt noch einmal zur Sache.

      Sie schreiben: „sozialwissenschaftliche Forschung kann nie so exakt sein wie naturwissenschaftliche, und manche methodischen Probleme sind nicht lösbar – damit kann man aber mehr oder weniger ehrlich umgehen…“

      Als Aussage ist das eine Plattitude. Wer würde dem widersprechen wollen? Warum also gebrauchen Sie in diesem Kontext dieses Statement? Um anzudeuten, dass in der erwähnten Dissertation eben doch nicht „ehrlich“ mit den methodischen Problemen umgegangen wurde?

      Sie erwecken den Eindruck, die Arbeit intensiv gelesen zu haben und schreiben dann:

      „Ich habe mich nicht weiter in die statistischen Details vertieft, aber vermutlich könnte man mit den Daten vermutlich genausogut argumentieren, daß Immigranten und deren Kinder im Bildungssystem nachhaltig benachteiligt sind…“

      Dann argumentieren Sie doch mit den Daten, hic rhodos hic salta – oder lassen Sie’s. So wie Sie es aber machen, erscheint es unredlich.

      Eine letzte Bemerkung:

      „Ob man die Arbeit damit für dissertationswürdig hält, darüber kann man sicher streiten“

      Sicher? Eher vielleicht – nachdem man die Arbeit studiert und einen Blick in die Gutachten geworfen hat.

      Eklatant falsch ist jedoch die Ansicht, dass man auch darüber streiten könne „was man in einer aufgeklärten, meinungsfreien Gesellschaft alles messen soll und darf.“

      Damit verhält man sich wie der Kardinal, der sich weigerte durch Galileis Fernrohr zu schauen.

    • Titel eingeben
      Hans-Jürgen Steffens, ich gestehe keine „Narrenfreiheiten“ zu, ich habe in drei Jahren hier äußerst selten zensiert, und dann vorwiegend unkonstruktive Nervensägen. Im Rahmen der guten Sitten darf hier jeder seine Meinung äußern. Für Kritik an größeren Sandkästen hingegen bin ich nicht verantwortlich.

    • "ich habe in drei Jahren hier äußerst selten zensiert"
      Gut.

      Ich möchte dann nochmals meine Kritik in einem Satz zusammenfassen:

      Ich werfe Ihnen vor, überhaupt in Erwägung zu ziehen, Forschungsvorhaben deren Forschungsergebnisse die Gesellschaft oder Teile davon kränken könnten(!), einem Moratorium zu unterwerfen.

      Der letzte Satz Ihres Artikels zeigt mir, dass mein Vorwurf nicht auf einem Missverständnis beruht.

      Der wissenschaftiche Fortschritt ist dann und nur dann überlebensfähig, wenn solche Kränkungen in Kauf genommen werden mit dem Anspruch an die Gesellschaft, sie zu ertragen. Die Kopernikanische, die Darwinsche und die Freudsche Kränkung des Menschen waren in diesem Sinne gleichsam notwendige Kränkungen.

      Das ist mein Punkt.

      Ich selbst werde mich damit aus diesem Blog für eine gewisse Zeit ausblenden. Das letzte Wort hat also der/die „Angeklagte“.

      MfG H.-J. S.

    • Titel eingeben
      Werter Hans-Jürgen Steffens, und es ist doch ein Mißverständnis. Ich bemühe mich als Autorin, hier weniger meine persönlichen Ansichten auszubreiten, als Anregungen zur Debatte für meine Leser zu bieten. Entsprechend verlinke ich fast immer auf die Originalquellen, damit jeder sich selbst eine Meinung bilden möge, formuliere nach Möglichkeit allgemein, nicht subjektiv. Was ich im konkreten Fall persönlich davon halte, wenn eine Gesellschaft sich bestimmte Forschungsthemen verbietet, ist völlig irrelevant und geht aus dem Text nicht hervor – ich weise nur darauf hin, daß es diese Option gibt (und das ist ja nun mal eine Tatsache).

  19. Grenzen der Sozialwissenschaften
    Zuerst mal ein Hammersatz, der kein Argument sein will: wer Korrelation als Kausalität versteht ist minderbegabt, gemeingefährlich oder beides.
    Zur Sache: Der Aufsatz von Ashraf und Galor (The Out of Africa Hypothesis..) regte Andrew Gelman zu einer interessanten Betrachtung von Ethik und Statistik an (Chance – A Magazine for People Interested in the Analysis of Data, Vol 26, No 2, 2013, S.45-49, herausgegeben von der American Statistical Association). Nach einer ausführlichen Analyse der methodischen Problem, vergleichbar der Diskussion hier zu IQ, fragt er, warum solche krass-knallige Artikel überhaupt publiziert werden, spekuliert er über die Veröffentlichungspraxis in der Wissenschaft:“High-profile social science research aims for proof, not for understanding – and that’s a problem. The incentives favor bold thinking and innovative analysis, and that part is great. But the incentives also favor silly causal claims.“ S.45.
    Im übrigen scheint das Thema „Zuverlässigkeit und Gültigkeit“ sozialwissenschaftlicher Untersuchungen an Bedeutung zuzunehmen (vgl. die von Kahneman angestossene Diskussion zu „priming“ in der Sozialpsychologie
    (http://chronicle.com/blogs/percolator/daniel-kahneman-sees-train-wreck-looming-for-social-psychology/31338)

    • Titel eingeben
      Peter Mohler, es gibt soviele neue Stilrichtungen: neue ökonometrische Methoden, smartes „research design“ bei der Fragestellung und Datenauswahl, dazu den permanten Innovationsdrang… man hat es nicht leicht als Sozialwissenschaftler. Immerhin gibt es allerdings, wie Ihr Zitat zeigt, auch die entsprechende kritische Diskussion, was ja ermutigend ist.

  20. Ganz neu ist das alles auch nicht
    Vertreter der Eugenik haben in den USA Anfang des 20. Jahrhunderts eine fast identische Argumentation herangezogen, um die Immigration von Ethnien mit vermeintlich niedrigerer Intelligenz zu beschränken.

    Teile der Promotion lesen sich dann auch ganz ähnlich wie Texte aus den 20er und 30er Jahren.

    • Titel eingeben
      Wolfgang Zimmer, auch das gehört zu den Sozialwissenschaften: alte Themen neu aufzubereiten, wenn es neue Methoden gibt. Heißt aber nicht, daß die Ergebnisse zwangsläufig überzeugender werden, wie man sieht.

    • In der Tat
      Gleichzeitig sollte man aber auch in der Lage sein, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Dieser Zweig der „Wissenschaft“ hat nach dem zweiten Weltkrieg nicht zufällig aufgehört zu existieren.
      Wenn man ihn denn dringend wiederbeleben muss, dann sollte man wenigstens die nötige Vorsicht walten lassen. Sowohl bei der Zielsetzung und Fragestellung, als auch beim methodischen Vorgehen in einer wissenschaftlichen Arbeit.

    • Titel eingeben
      Wolfgang Zimmer, die Hälfte meiner Beiträge hier ist vor allem ein Plädoyer für sorgfältiges Arbeiten in Sozialwissenschaften, es ist schon fast langweilig, wie oft ich mich dabei wiederhole.

  21. Messungen
    Sophia, beim nochmaligen lesen des Artikels und der Kommentare kam mir eine Frage: wie kann man verlässliche Schußfolgerungen aus unzuverlässigen Daten gewinnen? Mir scheint, als sei „Intelligenz“ etwas, was sich schlecht definieren und noch deutlich schlechter messen läßt – wäre dann nicht die erste Frage, wie man sinnvoll mit dieser Unsicherheit umgeht?

    In meinem eigenen Fachgebiet, der Ernährung, ist dieses Problem seit langem bekannt – Ernährung läßt sich schlecht messen, und Menschen sind extrem unzuverlässig, wenn sie über die eigene Ernährung berichten (je größer der BMI, desto kleiner die Energiezufuhr etc). Wir versuchen mit einer ganzen Reihe von zusätzlichen Methoden, dieses Problem anzugehen, z.B. objektive Meßwerte (in unserem Fall Biomarker in Blut oder Urin) oder verfeinerte Methoden und Kalibrationsstudien. Beim Lesen Ihrer Texte über sozialwissenschaftliche Arbeiten, so wie hier über Intelligenz, habe ich manchmal den Eindruck, daß man dort entweder deutlich mehr Vertrauen in die eigenen Meßwerte hat oder die Probleme – zumindest in den Zusammenfassungen – mehr oder weniger ignoriert. Ist das wirklich so, oder ist das nur der Eindruck eines Außenstehenden?

    Eine interessante Alternative zu der hier vorgestellten Studie wäre, den Unterschied zwischen Eigeneinschätzung und „objektiv“ gemessener Intelligenz zwischen verschiedenen Gruppen zu vergleichen. Die Ergebnisse wären sicher interessant, wenn auch deutlich schwieriger zu interpretieren (möglicherweise ist das aber auch eine unzulässige Übertragungen von Ergebnissen in meinem Gebiet auf dieses).

    Im übrigen freue ich mich, daß Sie hier regelmäßig über solche Themen schreiben: damit werden (hoffentlich) auch fachfremden Lesern einige Probleme dieser Art der Forschung nahe gebracht. Haben Sie auch vor, einmal in andere Bereiche, e.g. Epidemiologie etc, vorzudringen?

    • Titel eingeben
      Werter GuX, die Schwierigkeiten beim Thema Essen und sozialwissenschaftlicher Forschung hatte wir ja vor gar nicht langer Zeit auch hier… Generell denke ich, man muß mit den inhärenten Unsicherheiten leben und alle Schlußfolgerungen mit Vorsicht betrachten, ähnlich wie Indizienbeweise vor Gericht.
      Bei anderen Themen, wie Epidemiologie zögere ich insofern, als ich mich dort weniger auskenne, und wahrscheinlich nur Prügel für meine Unwissenheit und allerlei Fehler einstecken würde – und damit ist ja niemandem gedient. Trotzdem bin ich grundsätzlich immer willens, Themenvorschläge meiner Leser wohlwollend zu bedenken!

  22. Was Wissenschaft darf?.
    Sie darf vor allem eines, Erwartungshaltungen erfüllen.
    .
    Siehe die Ergebnisse des Zensus 2011.
    Da wurden zielsicher die eigenen Erwartungshaltungen (der Statistiker): die deutsche Wohnbevölkerung ist um 1,5 Mio. geringer als bislang fest- oder fortgeschrieben
    und die Erwartungshaltung der Politik: Deutschland hat über 80 Mio. Einwohner erfüllt.
    .
    Nicht auszudenken, das Minus würde mit 1.8 Mio. Einwohner ausgewiesen.

    • Titel eingeben
      E.R.Binvonhier, das ist ja aber nicht mehr Wissenschaft im engeren Sinne und die Datenerhebung dient primär anderen Zielen. Was man ja bei der Lektüre und Interpretation berücksichtigen kann. Das Thema Arbeitslosenstatistiken hatten wir vor Jahren hier mal:
      http://blogs.faz.net/deus/2011/07/01/eine-zahl-viele-manipulationen-444/

    • Mir sind keine wiss. Studien
      Bekannt in denen mitgeteilt wird, welchen Zielen die zugrunde liegende Datenerhebung diente.

    • Titel eingeben
      Nein, das steht zwar nicht immer ausdrücklich drin, aber manchmal kann man es sich denken, und dann gibt es ja noch allerlei informative Verschwörungsseiten im Internet, die sehr aufschlußreich sein können.

    • Ja, ich weiß
      …so aufschlussreich wie die wiss. Studien selbst.

  23. Meine Erwartungshaltung?
    Auch die Rentenversicherung sollte dazu übergehen den Rentenzugang, den Rentenwegfall
    und den Rentenbestand per Hochrechnungen zu evaluieren.
    .
    Statt sich mit kleinlicher Erbsenzählerei abzugeben.

  24. Jetzt ist es mir endlich klar geworden...
    Das Auswendiglernen von Quadrat- und Primzahlen wirkt bis heute nach :p

  25. ach ja, auch die Methoden haben sich geändert
    in der Diskussion wurde noch garnicht erwähnt, dass in den letzten zehn Jahren eine Art Quantensprung in der international vergleichenden Umfrageforschung stattgefunden hat. Da die Daten, über die hier gestritten wird noch mit (aus heutiger) Sicht ungenügenden Designs der kulturellen Anpassung erhoben wurden, kann nicht ausgeschlossen werden, dass es sich bei dem ganzen tatsächlich um methodische Artefakte handeln könnte (z.B. werden heute Tests und Umfragen völlig anders übersetzt bzw. angepasst, als die zuvor üblich war). Wen’s interessiert, kann Janet A. Harkness googeln (ihr letzes Buch von 2010 als Hg. hat dieses Jahr den Buchpreis der American Association for Public Opinion Research (AAPOR) gewonnen.

  26. Das waren noch Zeiten!
    Als man sagen konnte: was Du schwarz auf weiß besitzt kannst du getrost nach Hause tragen.
    .
    Und: Wer schreibt der bleibt.;-)

  27. Welche Fragen? Alle!
    Hallo @Sophia …, habe mal wieder reingeschaut in diese lauschige Bloggerei und habe sofort wieder ein heisses Thema gefunden: Was darf Wissenschaft? Und was sagen IQ-Tests über die Tester? Spannend! Und die Leses (war überhaupt eine Frau dabei?) mit rabulistischen und sehr wissenschaftlichen Kommentaren. Spannend.
    Darf Wissenschaft auch Menschen versuchen, untersuchen, ausforschen und zerlegen, bis ins kleinste Detail? Ja. Tun Wir doch schon immer. Ob das den jeweiligen ethischen oder moralischen „Vorstellungen“ entsprach, war meist unwichtig, so wie die wechselten, wechselten auch die Methoden. Grundsätzlich gilt, was David Hilbert in die Worte fasste: wir Menschen müssen wissen, Wir werden wissen. Wie Wir an das Wissen kommen, ist eine Frage der jeweils aktuellen Umstände. Im Moment schätze ich, dass Wir bald zu dem Punkt kommen, dass alles Fragen und Forschen nur noch mit der Zustimmung und somit der gründlichen VorAufklärung des Erforschten geschieht. Wie will also ein Physikes den Protonen, die Es im LHC beschiesst erklären, was Es mit es vorhat und was Es damit herausfinden möchte? Jetzt scheint diese Frage komisch und sogar unsinnig, weil, wie will Mensch ein Partikel befragen, aber das ist nur eine Frage der RaumZeit und der zielgerichteten und einspürenden Methoden der Forschung. Was wir einander immer mehr zugestehen, nämlich, dass Wir nicht mehr übereinander wegg (miss)handeln, was Wir immer noch tun und was also immer noch hundertausende Tote und Millionen verletzte Menschen bewirkt, das werden Wir auch dem Mit-ErLeben einräumen, wenn die geeigneten Methoden vorhanden sind. Meine Phantasie mag für die Bühne noch zu schwach sein, dafür reicht sie aber schon aus.
    Mir ist sogar fast schon klar, dass, je gleichberechtigter und gleichwertiger, also vorsichtig und friedlich, Wir mit dem DaSein und seinen Inhalten umgehen und das auch bei all den Fragen und den Methoden der Antworten-Findung anwenden, umso leichter finden Wir die passenden Fragen und erhalten auch umso einfacher die richtigen Antworten. Die Nazi-Ärzte in den KL des Dritten Reichs haben ausgiebig bewiesen, wie es grundfalsch und absolut unwürdig ist, entsprechend fallen auch die „Ergebnisse“ dieser Unverschämtheit aus: unbrauchbar.
    Die Tests zur Intelligenz sind wichtig. Fraglich ist dabei nur, dass bis gerade eben kein schlüssiges Konzept, oder auch ein einigermassen greifbarer Bedeutungsinhalt für die Intelligenz vorhanden ist. Was ist Intelligenz? Erst wenn Wir das schlüssig, konkret und klar messbar ermittelt haben, sind Intelligenz-Tests durchführbar und auch bedeutend. Bisher ist das nicht der Fall. Was diese Test ausforschen ist eine Mischung aus Faktenwissen (auch Mathematik, Politik und Geschichte), RaumZeitlicher Koordination (Handlungsketten, Geometrie und Formen) und Handlungsstärke (z.B. in der internen Verbindung mehrerer Wissensgebiete und Handlungsebenen: je verbundener, je schneller. Und auch: je verbundener, umso mehr Auswahl und Treffer), was alles auch in dem Begriff Intelligenz enthalten ist, aber nicht nur. Insofern sind die IQ-Tests für mich eine nette Spielerei und ein vager Anhaltspunkt für die Handlungs-Fitness eines Menschen, in der auch das Denken (vor allem die Aufmerksamkeits-Konzentration und die Freiheit im Zugriff auf erlerntes Wissen) und die Kreativität einbezogen sind.
    Die Interpretation der Ergebnisse ist noch meist das Manko und auch die Motivations-Richtung der Forsches: was wollen sie für Antworten beweisen? Die Fragen mögen dabei harmlos sein: was wissen Sie? Das Ergebnis ist oft niederschmetternd: wenig. Die Interpretation macht daraus noch sehr oft ein: zu wenig, oder auch ein: das Falsche; und will dann mit dem Stinkefinger aufzeigen, weil, ja, weil Wir halt noch geschichtet sind und auch einen Grund und ein Indiz für die Schichtung suchen und brauchen, sonst ergibt das doch keinen Sinn. So „beweisen“ die nördlichen IQ-Tests, das die südlichen Menschen mit diesen Tests weniger anfangen können, was wird daraus geschlussfolgert … Kann Mensch machen, verunglimpfen oder abschätzen, ganz klar. Meine Schlussfolgerung ist: Ja, die „Südlichen“ haben in den Tests schlechter abgeschnitten, Warum? Ergebnis ist z.B. schlechtere Wohn-, Mitbestimmungs, Nahrungs-, Schul-, Arbeits- und Freizeitverhältnisse als bei den „Nördlichen“, womit das Ergebnis einigermassen begründet ist. Aber jetzt kommt die HauptFolge jedes Wissensfortschritts: Was machen Wir daraus? Denunzieren Wir damit, wie das die Nazis überwiegend getan haben und viele heute noch tun, oder sammeln Wir unsere Kräfte in Solidarität und Kreativität, scheissen auf die triebhafte Schichterei und aggressive Abgrenzerei und schlussfolgern: den „Südlichen“ muss geholfen werden, wenn Sie es wünschen! Und genau das geschieht bis jetzt Mangelhaft. Forschung und dessen Ergebnisse münden sehr zäh und teils unendlich langsam in Unser Handeln ein.
    Noch sind Uns die Schlussfolgerung aus den Ergebnissen der Neugier meist zu aufwendig. Wenn also die USA bemerken, dass die Zuwanderer aus Latein-Amerika in den IQ-Tests schlechter abschneiden, dann sollte der Reflex doch wohl lauten: Wie können Wir (USA) den Menschen in Latein-Amerika helfen, die ErLebensUmstände und LernBedingungen soweit zu verbessern, damit die Ergebnisse besser bis Gleich werden. Leider bedeutete dieser Reflex viel Arbeit, grosse Investitionen und eine tiefere Änderung im Selbst-Verständnis des Menschen und das ist ein noch nicht lockender Vorgang für die meisten Menschen, deshalb belassen die Meisten es beim Denunzieren, das ist einfach einfacher.
    Schade, dass ich so spät drann bin und die Diskussion schon versiegt ist, aber vielleicht bin ich beim nächsten mal näher an der Veröffentlichung.
    Danke für das Thema @Sophia … Schöne Woche.

  28. Kommen Moral und Überzeugung vor der Wissenschaft,
    kann man hier eine ziemlich drastische Polemik dazu finden, wohin das führt:

    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/gender_geldstreaming

    Genderforschung. Das einzige Forschungsgebiet der Welt, in dem es unbedingte Voraussetzung für das Mitmachen ist, gegen Wissenschaft zu sein und vorsätzlich wissenschaftlich zu arbeiten.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • Titel eingeben
      ThorHa, ich kenne mich mit Genderforschung nicht besonders gut aus, aber es gibt Teile, die ich sehr interessant finden und an deren Wissenschaftlichkeit ich nichts auszusetzen habe.

  29. Tausche ein wissenschaftlich gegen
    ein unwissenschaftlich im letzten Satz.

  30. Ich kenne mich auch nicht besonders gut aus,
    aber da gab es in letzter Zeit doch einiges, was den Wert der Genderforschung ziemlich zweifelhaft aussehen lässt:
    Der Beitrag von Martenstein in der aktuellen ZEIT:
    http://www.zeit.de/2013/24/genderforschung-kulturelle-unterschiede
    und Harald Eias norwegischer Beitrag (auf YouTube als Serie) mit dem Titel „Das Gleichstellungs-Paradox“

    Wenn die Reaktionen der „Wissenschaftler“ so stattfanden, wie berichtet, handelt es sich um Shcmanaen und nicht um Wissenschaftler.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

  31. Prima! Die Ausführungen gefallen mir.
    Stets beschleicht mich ein Unwohlsein, wenn es darum geht Intelligenz sei messbar. Eine Zerfallszeit eines Atoms ist messbar, eine Geschwindkeit ist es, man kann sich wenigsten auf die Messgrössen verständigen.
    Offensichtlich und seit Jahrhunderten tummeln sich hier viele Fachleute mit zweifelhaftem Forscherdrang. Sie messen, was sie als Ergebnis erwarten. Vergleichbar sind die Ergebnisse nicht wirklich.
    Ganz erhellend und unterhaltsam in diesem Zusammenhang das Buch der Herausgeber M. Haller und M. Niggeschmidt zu den Ausführungen eines Forschers aus der Banken- und Politikerwelt.

  32. Was Wissenschaft "darf"?
    Und dann noch: „…müssen Gesellschaften als Ganzes diskutieren und definieren, welche Fragen sie stellen wollen…“. Die Wissenschaft darf also nur noch „politisch korrekte“ Fragen stellen, die die gerade gängigen „Glaubensdogmen“ und „Tabus“ einer Gesellschaft nicht gefährden?! Damit wären wir ja endlich wieder bei genau der altbewährten Auffassung der Wissenschaft angelangt, die schon zu Zeiten Galileo Galileis den wissenschaftlichen Fortschritt „beflügelte“.

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