Fazit – das Wirtschaftsblog

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Für alle, die’s genau wissen wollen: In diesem Blog blicken wir tiefer in Börsen und andere Märkte - meist mit wissenschaftlicher Hilfe

Zu viel Wettbewerb ist auch nicht gut

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Was man von Bayern München und Real Madrid über die Chancen von Deutschlands Konzernen lernen kann

Cristiano Ronaldo beim Sieg von Real Madrid gegen Bayern München im April 2018.
Foto: dpa

Wie kann Deutschland im Wettbewerb mit Amerika und China bestehen? Die Frage drängt, auch wenn Amerika und China einander gerade mit einem Handelskrieg schaden und möglicherweise die ganze Welt mit in die Rezession reißen. Dauerhaft müssen Deutschlands und Europas Konzerne zukunftsfähig genug sein, um mit den Innovationen aus den anderen Staaten mithalten zu können.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier und einige seiner Kollegen liebäugeln damit, große Konzerne als nationale Champions zu haben – damit sie auf der internationalen Bühne stark werden können. Doch wer die nationalen Champions zu stark macht, der könnte ein Problem bekommen. Das zeigt ein recht einfaches Beispiel aus dem Fußball, formalisiert ausgewertet von den beiden Ökonomen Juan Moreno-Ternero und Shlomo Weber.

Zu wenig Wettbewerb ist schlecht – zu viel auch

Schon länger erzählt man sich in der Mikroökonomik, dass Unternehmen dann innovativ sind, wenn sie im Wettbewerb stehen. Aber wenn der Wettbewerb so intensiv wird, dass den Unternehmen vor lauter Preisdruck kein Geld für die Forschung mehr bleibt, hilft das auch nichts. Und damit schalten wir in die Champions League.

Dort nämlich hat in den zehn Jahren von 2009 bis 2018 insgesamt sieben Mal ein spanisches Team gewonnen. Andere große Fußballnationen wie Italien, England und Deutschland stellten nur je einmal den Sieger. Das führen die Ökonomen darauf zurück, wie viel Wettbewerb die Vereine in ihrer Heimatliga haben.

In Deutschland hat Bayern München nur wenig Konkurrenz, damit wird Bayern möglicherweise nicht genug gefordert, in Italien ist die Lage ähnlich. In England dagegen gibt es so viel Konkurrenz zwischen den Vereinen, dass die einzelnen Clubs möglicherweise ermüden.

Es bleibt Spanien mit dem ständigen Zweikampf zwischen Barcelona und Real Madrid in „La Liga“. Nach der These der Autoren ist dies genau das richtige Maß, um die Vereine auf Trab zu halten, aber nicht zu sehr auszuquetschen.


1 Lesermeinung

  1. Die Hypothese ist auf den ersten Blick plausibel. Aber...
    Im Hallenhandball, in dem einzelne Bundesliega Vereine auf bis zu 80 Spiele pro Jahr kommen, ist die Belastung teilweise noch höher als im Fußball, wo die durchschnittliche Belastung etwa 30 Spiele weniger pro Jahr betragen. Schaut man sich Sieger der Champions League im Handball seit 2000 an, dann liegen spanische Clubs und Deutsche Clubs mit 7 bzw. 6 vor französischen und mazedonischen Clubs (je 2).

    Die Analogisierung solcher Ergebnisse auf den ökonomischen Wettbewerb in Märkten ist extrem fragwürdig, weil in der Untersuchung für andere Einflussfaktoren kontrolliert werden müsste. So z.B. die Finanzkraft der Vereine (Geld schießt Tore) als nur eine weitere Variable und die Jugendarbeit und Ausbildung der Spieler in Leistungszentren usw.

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